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Full text of "System der Raumlehre : nach den Prinzipien der Grassmann'schen Ausdehnungslehre und als Einleitung in dieselbe dargestellt"

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SYSTEM 


DER 


EA  UMLEHRE. 

NACH  DEN  PRINZIPIEN 

DER 

GRASSMANN'SCHEN  AUSDEHNUNGSLEHPtE 

UND  ALS  EINLEITUNG  IN  DIESELBE 

DARGESTELLT 

VON 

VICTOE  SCHLEGEL, 

SIATHEMATIKER     AM     GYMNASIUM     ZU     WAKKN. 


ERSTER  THEIL:    GEOMETRIE. 

DIE    GEBIETE    DES    PUNKTES,     DER    GERADEN,    DER    EBENE. 


LEIPZIG, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  B.  G.  TEUBNER. 

1872. 


DEM 

SCHÖPFER  DER  AUSDEHNÜNGSLEHRE , 
HERRN 

HERMANN    GRASSMANN 

PROFESSOR    AM    MARIENSTIFTS-GYMNASIUM    IN    STETTIN 

ZUGEEIGNET 

VOM  VERFASSER. 


—      VI      — 

Vergessenheit   entrissen   zu   haben ;   und    nichts   konnte  gün- 
stiger zusammentreffen,  als  das  Erscheinen  der  Ausdehnungs- 
lehre und  der  von  jener  Gesellschaft  gestellten  Preisaufgabe: 
„den  von   Leibniz   erfundenen    geometrischen   Calcul   w^ieder 
herzustellen  und  weiter  auszubilden,  oder  einen  ihm  ähnlichen 
aufzustellen."     Mit  einer  kurzen   Darstellung  der  theilweise 
schon  weiter  ausgeführten  Hauptgedanken  der  Ausdehnungs- 
lehre, eingeleitet  durch  einen  kritischen  Rückblick  auf  Leibniz' 
Bestrebungen,   erwarb  Grass  mann  den   Preis.     Drei  Jahre 
später   als   die   Ausdehnungslehre   (1847)    erschien   die  Preis- 
schrift,  gefolgt  von   einer  commentirenden  Abhandlung  von 
Möbius.     In  den   folgenden   zehn  Jahren   brachte  Cr  eile 's 
Journal  eine  Reihe  von  Aufsätzen,  in  welchen  Grassmann 
Anwendungen  seiner  Analysis  auf  die  höhere  Geometrie  gab. 
Aus  allen  diesen  Arbeiten  ist  am  bekanntesten  die  nach  dem 
Entdecker  genannte  Erzeugungsart  der  Oberflächen  3^*^'"  Ord- 
nung.    Dahingegen  vermochte   gerade   die  wichtigste  Arbeit, 
die  Ausdehnungslehre,   nicht,   in  grössere  Kreise   zu  dringen 
oder   zu   weiterer  Bearbeitung  Anregung    zu   geben.    —   Die 
Gründe  hierfür  sind  theils  in  den  Zeitverhältnissen,  theils  in 
der  Sache   selbst  zu   suchen.   —   Ein   Zeitalter,   welches   die 
imaginären    Grössen    noch    als    unmögliche    ansah,    und    die 
„nicht-euklidische^'  Geometrie  mit  Kopfschütteln  betrachtete, 
konnte  natürlich   auch    au   den  n  Dimensionen   der  Ausdeh- 
nungslehre nur  wenig  Geschmack  finden,  und  noch  weniger 
vielleicht   an   den  ungewohnten  Operationen  mit  ebenso  un- 
gewohnten  Objecten.     Dazu    kam  wohl    auch   der   Umstand, 
dass  die  mathematischen  Kräfte  der  letzten  Jahrzehnte  vollauf 
beschäftigt   waren  mit  der  Ausbildung  der   Theorieen    eines 
Jacobi,  Dirichlet,  Steiner,  Möbius,  Plücker,  Hesse 
und  Anderer,   die   alle  einen  Kreis   eifriger  Schüler  um   sich 
sammelten,    während    dem  Verfasser    der    Ausdehnungslehre 
das  Geschick  eine  gleiche  Wirksamkeit  versagt  hatte.  —  End- 
lich aber  darf  nicht  unberücksichtigt  bleiben,  dass  das  Werk 
in    seiner    mehr    philosophischen    als    mathematischen   Form, 
ungewöhnlichen  Inhalt  in  ungewöhnlicher  Form  bietend,  dem 
Studium  grosse  Schwierigkeiten  entgegensetzte,  deren  Bewäl- 
tigung nicht  einmal  ein  sehr  lockendes  Ziel  verhiess.     Denn 
die    Ideenkreise    des  Buches    lagen   von    denen    der   übrigen 


VII      — 


gleichzeitigen  Bestrebungen  in  der  Mathematik  weit  entfernt, 
und  die  räumliehen  Anwendungen  kamen  meist  nur  der  Ele- 
mentar-Geometrie  zu  Gute,  welche  damals  noch  unerschüttert 
auf  der  Euklid'schen  Basis  thronte.  —  Aus  der  Wahrnehmuno- 
dieser  Schwierigkeiten  ging  nun  eine  neue  Bearbeitung  der 
Ausdehnungslehre  hervor,  die  gleichzeitig  einen  zweiten  (schon 
in  der  ersten  Ausgabe  in  Aussicht  genommenen)  Theil  um- 
fasste,  und  im  Jahre  1862  erschien.  Hier  sehen  wir  den 
ganzen  Stoff  in  die  mehr  gegliederte  Form  von  Lehrsätzen 
und  Beweisen  gebracht.  Aber  wenn  auch  dadurch  eine  dem 
Mathematiker  geläufigere  Form  der  Darstellung  erreicht  war, 
so  hatte  doch  die  Sache  selbst  wenig  gewonnen,  da  die  neue 
Form  den  Ueberblick  über  das  ganze  System  wesentlich  er- 
schwerte, und  die  Beweise  in  ihrer  nothwendigen  Länge  un- 
gemein ermüdend  waren.  So  hat  denn  bisher  auch  diese 
zweite  Bearbeitung  die  Zahl  der  Freunde  dieser  neuen  Wissen- 
schaft, soweit  mir  bekannt  geworden,  nicht  erheblich  ver- 
mehrt. —  Gleichwohl  deuten  alle  Anzeichen  darauf  hin,  dass 
die  Zeit,  wo  dieselbe  in  die  Entwickeluug  der  Mathematik 
eingreifen  wird,  nicht  mehr  fern  ist.  —  Die  neueren  Methoden 
der  analytischen  Geometrie  nähern  sich  schon  vielfach  den 
Ideen  der  Ausdehnungslehre,  und  von  den  symbolischen  Puukt- 
gleichungen  Hesse 's  ist  beispielsweise  nur  noch  ein  Schritt 
bis  zu  deu  Punktgrössen  Grass  mann 's.*)  Auch  sonst  sind 
in  manchen  Fällen  von  Anderen  dieselben  oder  ähnliche  Re- 
sultate gefunden  worden,  wie  sie  an  weniger  beachteten  Stellen 
der  Grassmann'schen  Schriften  niedergelegt  sind.  Vom 
Standpunkte  der  höheren  Geometrie  aus  ist  neuerdings  eben- 
falls das  Gebiet  der  n  Dimensionen  betreten  worden,  uud 
die  elementare  Geometrie,  die  den  nächsten  und  grössten 
Nutzen  aus  den  Anwendungen  der  Ausdehuungslehre  zu  ziehen 
berufen  ist,  sucht  sich  aus  den  Fesseln  des  Euklid'schen  Sy- 


*)  Diese  nahe  Beziehung  fiel  mir  besonders  auf,  als  ich  eine  mit 
den  Methoden  der  neueren  Geometrie  (1865)  ausgeführte  Arbeit  über 
zwei  reciproke  Oberflächen  nach  den  Principien  der  Ausdehnungslebre 
umarbeitete  (Schulprogramm  Waren  1871).  —  Vgl.  auch  z.  B.  Nr.  167 
— 172  des  vorliegenden  Buches  mit  der  Darstellung  desselben  Gegen- 
standes bei  Hesse,  Vorlesgn.  aus  d.  anal.  Geom.  d.  geraden  Linie 
(Leipzig  1865)  S.  51—59. 


—      VIII      — 

stems  zu  befreien,  um  mit  der  neueren  Geometrie  die  noch 
immer  entbehrte  und  doch  so  sehr  nöthige  Fühlung  zu  ge- 
winnen. Endlich  hat  es  in  jüngster  Zeit  auch  nicht  an  be- 
achtenswerthen  Stimmen  gefehlt,  welche  der  neuen  Wissen- 
schaft ihre  Anerkennung,  ja  selbst  Bewunderung  zollten.*) 

Unter  diesen  Umständen  habe  ich  es  in  vorliegender 
Arbeit  unternommen,  die  Ausdehnungslehre  auf  die  räum- 
lichen Gebiete  anzuwenden,  oder  mit  anderen  Worten:  diese 
Wissenschaft,  anstatt  für  ein  Gebiet  von  n,  für  die  Gebiete 
von  0,  1,  2,  3  Dimensionen  zu  behandeln.  Der  Vortheil, 
welcher  aus  dieser  Behandlungsweise  erwächst,  ist  ein  dop- 
pelter. Erstens  finden  die  im  Fortschritt  der  Analysis  ge- 
wonnenen Formeln  ihre  Anwendung  auf  die  anschaulichen 
Gebilde  des  Raumes  und  gewinnen  dadurch  an  Begreiflich- 
keit und  an  Reiz  5  auch  kann  für  diese  vier  ersten  Stufen 
der  Ausdehnuugslehre  die  ganze  Terminologie  der  Raumlehre 
entlehnt  werden.  Sodann  aber  giebt  jedes  neue  Gebiet,  wel- 
ches man  betritt,  zu  einer  Wiederholung  und  Erweiterung 
der  im  vorigen  angestellten  Betrachtungen  Anlass,  wodurch 
die  Aneignung  der  neuen  und  ungewohnten  Operationen  un- 
gemein erleichtert  wird,  —  Um  nun  mit  Hilfe  der  Ausdeh- 
nuugslehre die  Raumlehre  zu  begründen,  ist  es  keineswegs 
nöthig,  das  ganze  Material  der  neuen  Analysis  anzuwenden. 
Schon  die  Hauptbegriffa  und  die  Grundformeln  reichen  hierzu 
aus,  während  der  volle  Reichthum  an  Beziehungen,  den  die 
Ausdehnungslehre  enthält,  erst  in  höheren  Gebieten  zur  Ent- 
faltung kommt.  Daher  dient  diese  Schrift  auch  eben  nur 
zur  Einführung  in  jene  Wissenschaft,  und  soll  das  Studium 
derselben  erleichtern.  Dieselbe  würde,  falls  der  vorliegende 
erste  Theil  den  Beifall  des  mathematischen  Publikums  finden 


*)  Man  sehe  namentlich:  Hankel,  Vorlesgn.  üb.  d.  complexen 
Zahlen  (Leipzig  1867)  S.  16,  105,  140,  und  Clebsch,  Zum  Gedächtniss 
an  J.  Plücker  (Göttingen  1872)  S.  8,  28.  —  Ueber  die  Entstehung 
und  Geschichte  der  Ausdehnungslehre  (die  ich  an  dieser  Stelle  nur  im 
Allgemeinen,  soviel  zur  Orieutirung  nöthig  ist,  verfolgen  konnte)  geben 
die  beredteste  Auskunft  die  Vorreden  zu  den  beiden  Ausgaben  der 
„Ausdehnungslehre".  Ich  bin  überzeugt,  dass,  wer  diese  beiden  Vor- 
reden gelesen,  dieselben  nicht  ohne  lebhaftes  Interesse  für  den  Ver- 
fasser und  sein  Werk  aus  der  Hand  legen  wird. 


—      IX      — 

sollte,  durch  einen  zweiten,  welcher  das  Gebiet  des  Raumes 
behandelte,  ihren  Abschluss  finden,  und  es  würde  damit  auch 
für  eine  analoge  Darstellung  der  allgemeinen  Ausdehnungs- 
lehre der  Weg  einigermassen  geebnet  sein. 

Um  in  die  ungemeine  Mannigfaltigkeit  der  Beziehungen, 
wie  sie  schon'  im  Gebiete  der  Ebene  hervortritt,  einige  Ord- 
nung zu  bringen,  war  ich  auf  die  Aufstellung  eines  Systems 
bedacht,  welches,  wenn  sachgemäss,  in  jedem  neuen  Gebiete 
nur  gehörig  erweitert  zu  werden  braucht.  Ich  hoffe,  dass 
durch  Anwendung  dieser  Behandlungsweise  auch  die  allge- 
meine Ausdehnungslehre  an  Uebersichtlichkeit  und  Fasslich- 
keit  gewinnen  wird.  Diese,  von  der  Grassmann'schen 
wesentlich  abweichende  Darstellung  nöthigte  mich  aber  auch 
in  einzelnen  Fällen,  wo  ich  keine  Vorarbeit  vorfand,  zu  selb- 
ständiger Ausfüllung  der  entstehenden  Lücken.  Da  ich  stets 
auf  die  Parallelstellen  in  den  Grassmann'schen  Werken 
verwiesen  habe,  so  wird  der  aufmerksame  Leser  jene  Fälle 
leicht  herausfinden  und  beurtheilen  können.*)  —  Noch  erlaube 


*)  Zur  Orientirung  füge  ich  eiu  Verzeichniss  derjenigen  Schriften 
Grassmann's  bei,  welche  für  das  vorHegende  System  von  besonderer 
Bedeutung  waren,  und  aufweiche  darin  vielfach  Bezug  genommen  wird. 

1.  Die  lineale  Ausdelmungslehre,  ein  neuer  Zweig  der  Mathematik, 
dargestellt  und  durch  Anwendungen  auf  die  übrigen  Zweige  der  Ma- 
thematik, -wie  auch  auf  die  Statik,  Mechanik,  die  Lehre  vom  Magnetis- 
mus und  der  Krystallonomie  erläutert.     Leipzig  1844  bei  Wigand. 

2.  Geometrische  Analyse,  geknüpft  an  die  von  Leibniz  erfundene 
geometrische  Charakteristik.  Gekrönte  Preisschrift  (von  der  Fürstlich 
Jablonowski'schen  Gesellschaft).  Mit  einer  erläuternden  Abhandlung 
von  A.  F.  Möbius.     Leipzig  1847  bei  Weidmann. 

3.  Die  Ausdehnungslehre.  Vollständig  und  in  strenger  Form  be- 
arbeitet.    Berlin  1862  bei  Enslin. 

4.  Ahhandlimgen  in  Cr  eile's  Journal  für  reine  und  angewandte 
Mathematik. 

1)  Theorie  der  Centralen.  Bd.  24  u.  25.  (1842).  —  2)  Grund- 
Züge  zu  einer  rein  geometrischen  Theorie  der  Curven,  mit  An- 
wendung einer  rein  geometrischen  Analyse.  Bd.  31.  (1846).  — 
3)  Ueber  die  Erzeugung  der  Curven  dritter  Ordnung  durch 
gerade  Linien  und  über  geometrische  Definitionen  diesen  Curven. 
Bd.  36.  (1848).  —  4)  Der  allgemeine  Satz  über  die  Erzeugung 
aller  algebraischen  Curven  durch  Bewegung  gerader  Linien.  — 
5)  Die  höhere  Projectivität  und  Perspectivität  in  der  Ebene, 
dargestellt  durch  geometrische  Analyse.  —  6)  Die  höhere  Pro- 


—      X      — 

ich  mir,  an  dieser  Stelle  auf  den  Umstand  aufmerksam  zu 
machen,  dass  eine  beträchtliche  Anzahl  der  aufgestellten 
Sätze  unmittelbar  auf  das  Gebiet  der  Mechanik  übertragen 
werden  kann. 

Wenn  ich  im  Vorstehenden  die  Beziehung  meiner  Arbeit 
zur  Ansdehnungslchre  erörterte,  so  habe  ich  andrerseits  noch 
den  Standpunkt  hervorzuheben,  welchen  sie  gegenüber  den 
bisherigen  Bearbeitungen  der  Elementar  -  Geometrie  vertritt. 

Während  die  verschiedenen  Zweige  der  höheren  Mathe- 
matik in  der  neueren  Zeit  durch  stetige  Vervollkommnung, 
namentlich  Vereinfachung  der  Methoden,  einen  hohen  Grad 
der  Ausbildung  erlangt  haben,  entbehren  die  Elemente  der 
Mathematik  bis  auf  den  heutigen  Tag  nicht  nur  jener  an- 
sprechenden Form,  sondern  überhaupt  jeder  wissenschaftlichen 
Begründung,  jeder  systematischen  Behandlung,  die  auch  nur 
entfernt  mit  den  Darstellungen  der  höheren  Mathematik  sich 
messen  könnte.  Seit  Ohm's  ,, Versuch  eines  vollkommen  con- 
sequenten  Systems  der  Mathematik"  ist  überhaupt  die  An- 
zahl ähnlicher  Versuche  verschwindend  klein  gewesen,  gegen- 
über der  Unzahl  von  ,, Lehrbüchern"  oder  „Leitfaden"  der 
elementaren  Mathematik,  welche  alle  den  Versuch  machten, 
das  herkömmliche  festgeordnete  mathematische  Pensum  "tter 
höheren  Lehranstalten  in  Formen  zu  bringen,  die  den  wissen- 
schaftlichen oder  pädagogischen  Bedürfnissen  ihrer  Verfasser 
genügen  sollten.  Aber  eben  das  durch  alte  Gewohnheit  stipu- 
lirte  Schulpeusum  hinderte  jede  freie  Regung  auf  diesem 
Gebiete,    welchem  überdies   fast  nur  solche  Kräfte  sich  wid- 


jectivität  in  der  Ebene,  dargestellt  durch  Funktionsverknüpfun- 
gen.  Bd.  42.  (1851).  —  7)  Erzeugung  der  Curven  vierter  Ord- 
nung durch  Bewegung  gerader  Linien.  Bd.  44.  (1852).  — 
8)  Allgeraeiner  .Satz  über  die  lineale  Erzeugung  aller  alge- 
braischen Oberflächen.  —  9)  Grundsätze  der  stereometrischen 
Multiplicatiou.  —  10)  üeber  die  verschiedenen  Arten  der  linea- 
len  Erzeugung  algebraischer  Oberflächen.  —  11)  Die  stereo- 
metrische  Gleichung  zweiten  Grades  und  die  dadurch  darge- 
stellten Oberflächen.  —  12)  Die  stereoraetrische  Gleichung 
dritten  Grades  und  die  dadurch  erzeugten  Oberflächen.  — 
13)  Sur  les  diffe'rents  genres  de  multiplication.  Bd.  49.  (1851). 
—  14)  Die  lineale  Erzeugung  von  Curven  dritter  Ordnung.  Bd. 
52.   (1856). 


—      XI      — 

meteri,   die  von  vornherein   dem  Bedürfniss   der  Schule  jede 
andere  Rücksicht  unterordneten. 

So  erblicken  wir  denn  noch  heute  in  der  betreffenden 
Literatur  die  ,, Arithmetik  und  Algebra"  meist  in  Form  eines 
Conglomerates  lose  zusammenhängender  Rechenregeln  mit 
allerlei  aus  alter  Zeit  stehen  gebliebenen  praktischen  ,,  An- 
hängen", so  die  ,, Geometrie  und  Stereometrie"  als  eine 
Sammlung  willkürHcher  Grundsätze,  mehr  oder  minder  dunk- 
ler Erklärungen  und  geometrischer  Kunststücke. 

Dieser  ungenügende  Zustand  der  Elemente  offenbart  sich 
aber  am  deutlichsten  in  seinen  Wirkungen  auf  das  Studium  der 
Wissenschaft.  Ihm  vorzüglich,  nicht  ihrem  abstracten  Inhalte, 
verdankt  es  die  Mathematik  überhaupt,  dass  sie  selbst  dem 
gebildeten  Publikum  gegenüber  die  Rolle  einer  modernen 
„schwarzen  Kunst"  spielt,  nur  zugänglich  den  besonders 
dafür  prädestinirten  Naturen.  Ihrem  gegenwärtigen  Zustande 
verdanken  es  die  Elemente  insbesondere,  dass  sie  auf  der 
Schule  die  Plage  so  vieler  sonst  gut  veranlagten  Köpfe  sind, 
dass  sie  nur  einer  verschwindenden  Minderzahl  ein  Interesse 
abzugewinnen,  und  auch  von  dieser  nur  einen  Bruchtheil  zur 
Fortsetzung  dieses  Studiums  zu  begeistern  vermögen. 

Aber  je  grösser  die  Fülle  von  Ergebnissen  wird,  mit 
welcher  uns  heut  zu  Tage  die  gesammten  Naturwissenschaf- 
ten überschütten,  und  je  mehr  man  zur  Erkenntniss  gelangt, 
eine  wie  oberflächliche  und  darum  ungenügende  Belehrung 
die  sogenannten  ,, populären"  naturwissenschaftlichen  Schrif- 
ten und  Vorträge  dem  gebildeten  Publikum  gewähren,  desto 
mehr  wird  auch  der  Werth  einer  wahren  mathematischen 
Bildung  steigen,  desto  mehr  das  Bedürfnis?  sich  heraus- 
stellen, jedem  Schüler,  der  die  oberen  Klassen  verlässt,  wenig- 
stens die  Grundlagen  dieser  Bildung  mitzugeben,  während 
die  dem  Schüler  gegenwärtig  geboteneu  Kenntnisse  und 
Fertigkeiten  für  seine  wissenschaftliche  Bildung  von  sehr 
geringem  Werthe  sind,  weil  dieselben  ihm  keinen  Begriff  von 
einer  wissenschaftlichen  Methode  geben,  mit  welcher  er 
weiter  arbeiten  könnte. 

Wie  sehr  nun  das  Bedürfniss  einer  Neugestaltung,  na- 
mentlich auf  dem  Gebiete  der  Raumlehre,  sich  schon  gegen- 
wärtig geltend  macht,    zeigt    u.   A.   eine    sehr    lesens werthe 


—      XII      — 


redactionelle  Aeusserung  der  ,,Ztschr.  f.  math.  u.  naturw. 
Unterricht'',  Jahrg.  1.  (1870),  S.  490,  in  welcher  es  schliess- 
lich heisst,  es  sei  gerade  ein  Hauptzweck  dieser  Zeitschrift, 
eine  rationellere  Lehrmethode  der  Geometrie  mit  begründen 
zu  helfen.  —  Diesen  Bestrebungen  sich  anschliessend,  möge 
das  vorliegende  System  der  Raumlehre  als  ein  Versuch  be- 
trachtet werden,  das  übliche  Material  der  Geometrie  auf  einer 
durchaus  neuen  Basis  zu  verarbeiten,  und  zwar  mittelst  der 
heuristischen  Methode,  deren  Werth  für  die  bildende  Kraft 
des  Unterrichts  allgemein  anerkannt  ist,  der  aber  das  bisher 
übliche  System  der  Geometrie  sich  durchaus  nicht  fügen  will, 
weil  es  die  Mehrzahl  seiner  Resultate  auf  dem  Umwege  ge- 
winnt, welcher  durch  die  Congruenz  der  Dreiecke  führt.*) 

Da  nun  der  Inhalt  des  Systems  keineswegs  überall  mit 
demjenigen  Stoffe  zusammenfiel,  welcher  in  den  bisherigen 
Lehrbüchern  behandelt  zu  werden  pflegt,  so  wurden  am  Ende 
mehrerer  Eutwickelungsstufen  unter  der  Rubrik  „Erweiterun- 
gen" Abschnitte  hinzugefügt,  in  welchen  die  zuletzt  ent- 
wickelten Sätze  zur  Ableitung  andrer  bekannter  Sätze  benutzt 
wurden.  —  Auf  -diese  Weise  wui;de  fast  das  ganze  Material 
der  üblichen  Lehrsätze  an  den  geeigneten  Stellen  dem  System 
eingefügt.  Ausgeschlossen  blieb  nach  dem  Plane  des  Ganzen 
das  Gebiet  der  Aufgaben.  Nur  beispielshalber  wurden  manche 
fernliegende  Sätze  als  Aufgaben  der  zugehörigen  Entwicke- 
lung  vorangestellt,  und  an  dem  Beispiele  der  einfachsten 
Constructionsauf gaben  wurde  gezeigt,  wie  aus  dem  Material 
der  Sätze  solche  Aufgaben  sich  bilden  lassen.  —  Diejenigen 
Gegenstände  der  neueren  Geometrie,  welche  in  den  Lehr- 
büchern meistens  nicht  enthalten  sind,  namentlich  die  Grund- 
züge der  älteren  und  neueren  analytischen,  und  der  neueren 
synthetischen  Geometrie  traten  natürlich  von  selbst  durch 
die  Entwickelung  des  Systems  an  ihrem  Platze  hervor;  hier 
wurde  jedoch  das  Gebiet  der  Erweiterungen  mit  den  Linien 
zweiten  Grades  geschlossen,  um  dem  Ganzen  den  Charakter 
des  Elementaren   zu  erhalten.   —    Für    die  Anwendung    der 


*)  Man  vergleiche  die  Kritiken  dieses  Systems  bei  Hankel,  Bie 
Entwickelung  der  Mathematik  in  den  letzten  Jahrhunderten  (Tübingen 
1869),  S.  9,  und  Grassmann,  Ausdehnungslehre  I.  §  21  ff. 


—      XIII      — 

Ausdehnungslehre  auf  Probleme  der  höhereu  Geometrie  ist 
durch  diese  Grundlagen  der  Weg  geebnet.  Wie  sehr  die 
Behandlung  auch  dieser  Gegenstände  an  Einfachheit  gewinnt, 
hat  Grassmann  selbst  in  seinen  Abhandlungen  an  mehreren 
Beispielen  gezeigt;  und  der  systematische  Ausbau  der  höheren 
Geometrie  nach  dieser  neuen  Methode  wird  einst  eine  loh- 
nende Aufgabe  sein. 

Ich  bin  mir  wohl  bewusst,  dass  die  von  mir  vertretenen 
und  in  dieser  Arbeit  niedergelegten  Ideen  denjenigen  nicht 
gefallen  werden,  welche  den  gegenwärtigen  Zustand  der  Ele- 
mentar -  Mathematik  für  befriedigend  halten,  sei  es,  dass  sie 
selbst  an  der  Verbesserung  desselben  auf  der  alten  Basis  mit- 
gearbeitet, oder  dass  sie  sich  auch  nur  in  die  von  Jugend 
auf  genährten  Anschauungen  eingelebt  haben.  Aber  ich  darf 
auch  bei  allen  meinen  Lesern  jenes  Interesse  an  der  Ent- 
wickelung  der  Wissenschaft  voraussetzen,  welches  eine  vor- 
urtheilsfyeie  Prüfung  neuer  Anschauungen  ermöglicht,  und, 
wenn  dieselben  als  ein  Fortschritt  gegen  die  alten  sich  heraus- 
stellen, in  dem  weiteren  Ausbau  derselben  eine  lohnende 
Arbeit  findet. 

Und  so  möge  denn  dieses  Buch  einerseits  als  Einleitung 
in  die  Ausdehnungslehre,  andrerseits  als  neues  System  der 
Geometrie  der  Aufmerksamkeit  des  mathematischen  Publikums 
empfohlen  sein. 

Waren,  im  September  1872. 

V.  Schlegel. 


Iiili  alt. 


Seite 

Einleitung 1 

Erste  Abtheihiiig:  Gebiet  des  Punktes. 

I.  Der  Punkt  als  System 4 

II.  Grössen  im  Gebiet  des  Punktes. 
Die  Punlctgrösse 4 

Zweite  Abtlieilung-:  Gebiet  der  Geraden. 

I.  Die  Gerade  als  System. 
].  Bestimmung  dwrch  einen  beweglichen  Punkt     ...      6 
2,  Bestimmung  durch  mehrere  feste  PimTcte  ....      7 
II.  Grössen  im  Gebiet  der  Geraden. 
A.  Abgeleitet  aus  einem  betveglichen  Punkte.  —  Die  Strecke. 

a)  Einmalige  Bewegung  des  Punktes.  —  Eine  Strecke 7 

b)  Mehrmalige  Bewegung  des  Punktes.  —  Mehrere  Strecken      .     .      8 

c)  Bewegung  einer  Strecke  auf  einer  Geraden 9 

B.  Abgeleitet  aus  zwei  festen  Punkten. 

a)  Grössen  vom  ersten  Grade 12 

b)  Grössen  vom  zweiten  Grade 15 

Dritte  Abtheilung- :  Gebiet  der  Ebene. 

I.  Die  Ebene  als  System. 

1.  Bestimmung  durch  eine  heivegliche  Gerade. 

a)  Lagenänderung  der  Geraden 18 

b)  Richtungsänderung  der  Geraden 19 

2.  Bestimmung  durch  mehrere  feste  Geraden  ....    22 

II.  Grössen  im  Gebiet  der  Ebene. 

a)  Einzelne  Grössen. 

A.  Abgeleitet  aus  einer  beweglichen  Geraden. 

91.  Grössen,  durch  Schiebung  einer  Geraden  erzeugt. 

1.  Bewegung  einer  Geraden 23 

2.  Bewegung  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Punktes      ....     24 


'—      XV      — 

Seite 

3.  Bewegung  einer  auf  der  Geraden  liegenden  Strecke 25 

4.  Bewegung  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Linientheils.  —  Das 
Parallelogramm. 

a)  Einmalige  Bewegung  des  Linientheils :  jE'm  Parallelogramm  27 

b)  Mehrmalige  Bewegung  des  Linientheils :  Mehrere  Parallelo- 
gramme    28 

c)  Bewegung  eines  Parallelogramms  auf  einer  Ebene      ...  32 

93.  Grössen,  durch  Drehung  einer  Geraden  erzeugt. 

a.  Drehung  um  einen  auf  der  Geraden  liegenden  Punkt. 

1.  Bewegung  einer  Geraden.  —  Der  Winkel. 

a)  Einmalige  Drehung  der  Geraden.  —  Ein  Winkel  ....  35 

b)  Mehrmalige  Drehung  der  Geraden.. —  Mehrere  Winkel.    .  42 

c)  Bewegung  eines  Winkels  auf  einer  Ebene 45 

2.  Bewegung   eines   auf  der  Geraden   liegenden  Punktes.  —  Die 
Kreislinie 48 

3.  Bewegung  einer  auf  der  Geraden  liegenden  Strecke 49 

4.  Bewegung  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Linientheils.  —  Die 
Kreisfläche ' 62 

b.  Drehung  um  einen  ausserhalb  der  Geraden  liegenden  Punkt. 

1 .  Bewegung  einer  Geraden 63 

2.  Bewegung  einer  Strecke 65 

B.  Abgeleitet  aus  mehreren  festen  Strecken  oder  Punkten. 

1.  Einfache  Grössen. 

2t.  Abgeleitet  aus  mehreren  festen  Punkten. 

a)  Grössen  vom  ersten  Grade 70 

b)  Grössen  vom  zweiten  Grade. 

a)  Differenz  von  Linientheilen 86 

ß)  Product  von  Strecken 92 

c)  Grössen  vom  dritten  Grade 96 

33-  Abgeleitet  aus  mehreren  festen  Strecken  und  Punkten. 

■  a)  Punkte.,  aus  Geraden  (und  Punkten) 100 

b)  Zahlen,  aus  Strecken  (und  Punkten) 116 

2.  Zusammengesetzte  Grössen 129 

b)  Tereine  von  (Jrössen. 

21.  Vereine  von  abhängigen  Grössen. 

a.  Mit  beschränkter  Gliederzahl.  —  Punktejjaare  und 

Linienpaare. 

1.  Anharmonisches  und  harmonisches  Verhältniss 133 

2.  Centralität  und  Polarität 137 

b.  Mit  unbeschränkter  Gliederzahl.  —  Punktreihen  und 

Stralenbüschel. 

1.  Ein  Verein 141 

2.  Mehrere  Vereine 142 


—      XVI      — 

SB.  Vereine  von  hcliehigcn  Grössen. 

1.  Ein  Verein 146 

2.  Mehrere  Vereine. 

a)  Allgemeine  Beziehungen 147 

b)  Besondere  Beziehungen 

a)  Directe  Verwandtschaften 149 

ß)  Keciproke  Verwandtschaften 151 

Verzeichniss  der  erklärten  Ausdrücke 154 


Einleitung. ''") 


In  der  Ausdehnungslehre  betrachten  wir  die  aufeinander- 1. 
folgenden  Zustände  eines  Dinges  als  verschieden.  Die  Aen- 
derung,  durch  welche  diese  Zustände  erzeugt  werden,  nennen 
wir  Beivegung ,  und  das  Ding  selbst  in  seinen  verschiedenen 
Zuständen:  Punkt.  —  Den  Inbegriff  einer  ununterbrochenen 
(stetigen)  Reihe  solcher  Zustände  nennen  wir  ein  Gebilde, 
und  bezeichnen  mit  demselben  Namen  auch  den  Inbegriff 
der  successiven  Zustände  eines  bewegten  Gebildes. 

Anm.  In  der  That  erscheinen  selbst  im  Sprachgehrmiche  Dinge 
aller  Art  als  Punkte,  sobald  es  sich  um  keine  ihrer  sonstigen  Eigen- 
schaften handelt,  sondern  nm-  um  die  Bewegung,  welche  die  Dinge 
selbst  machen  müssen,  um  zu  einander  zu  gelangen,  oder  unser  Geist, 
um  von  einem  zum  andern  zu  kommen.  In  diesem  Sinne  werden  z.  B. 
Städte  auf  einer  Landkarte,  die  Sterne  am  Himmel,  Menschen,  die  wir 
aus  grösserer  horizontaler  oder  vertikaler  Entfernung  erblicken,  ja  selbst 
Landflächen,  sobald  nur  ihre  OertUchkeit  hervorgehoben  wird,  als  Punkte 
aufgefasst  und  bezeichnet.  —  Dieselbe  Abstraction  aber,  welche  uns 
von  der  concreteu  Einheit  zum  Begriff  der  Zahl  Eins  führt,  leitet  uns 
auch  von  dem  als  Punkt  aufgefassten  Dinge  zum  Begriff  des  Punktes 
selbst. 

Indem  man  einen  Punkt  sich  bewegen  lässt,  und  die  von  2. 
ihm  continuirlich  durchlaufenen  Zustände  zu  einem  Begriffe 
vereinigt,  erhält  man  ein  Gehüde  V"''  Stufe.  Ebenso  entsteht 
aus  einem  bewegten  Gebilde  V'^'  Stufe  ein  Gehüde  2"='"  Stufe 
u.  s.  f.  —  Die  Bewegung,  durch  welche  ein  Gebilde  hervor- 
gegangen ist,  haftet  an  ihm  als  eine  Eigenschaft,  die  man 
Ausdehnung  nennt.  Hiernach  hat  der  Punkt  selbst  (Gebilde 
0'"''  Stufe)  Jceine  Ausdehnung,  ein  Gebilde  1'«''  Stufe  eine, 
überhaupt  ein  Gebilde  w''"'  Stufe  n  Ausdehnungen. 

Jede  Bewegung  kann  begrenzt  oder  unbegrenzt  gedacht  3. 
werden. 


*)  Vgl.  Grassraann,  Ausdehnungslehre  I.   Einleitung  S.  XXVII  ff, 

Schlegel,  Syst.  d.  Rattmlehre.  1 


—     2    — 

Jra  ersten  Falle  bilden  der  Anfangs-  und  der  Endzustand 
des  bewegten  Gebildes  die  Grenzen  für  das  erzeugte  Gebilde. 
Durch  diese  Begrenzung  erhält  das  erzeugte  Gebilde  die  Eigen- 
schaft der  Grösse y  vorausgesetzt,  dass  das  bewegte  Gebilde 
ebenfalls  ein  begrenztes  war. 

Anm.    Uebereinstimmung  in  der  Grösse  lieisst  Gleichheit. 

Ein  Gebilde  w^«""  Stufe  heisst  also  hegrenzt,  wenn  es  durch 
begrenzte  Bewegung  eines  begrenzten  Gebildes  (n  —  l)^'^'" 
Stufe  entstanden  ist.  —  Durch  unbegrenzte  Bewegung  eines 
begrenzten,  oder  durch  begrenzte  Bewegung  eines  unbegrenz- 
ten Gebildes  entsteht  ein  unvollkommen  begrenztes  Gebilde; 
durch  unbegrenzte  Bewegung  eines  unbegrenzten  Gebildes 
entsteht  wieder  ein  unbegrenztes.  —  Das  Element  selbst  kann 
als  begrenztes  Gebilde  betrachtet  werden.  —  Ein  begrenztes 
Gebilde  heisst  kurz:    Grosse. 

Indem  ein  bewegtes  Gebilde  aus  dem  Endzustande  auf 
dem  vorigen  Wege  in  den  Anfangszustand  zurückkehrt,  er- 
zeugt es  dasselbe  Gebilde  höherer  Stufe  zum  zweitenmale, 
nur  in  umgekehrter  Reihenfolge  der  Zustände.  Die  neue  Be- 
wegung heisst:  der  ersten  entgegengesetzt.  Jedes  durch  Be- 
wegung erzeugte  Grössengebilde  kann  also  auf  2  Entstehungs- 
weisen zurückgeführt  werden,  die  einander  entgegengesetzt 
heissen. 

Soll  ziveitens  die  Bewegung  eines  Gebildes  unbegrenzt 
gedacht  werden,  so  muss  das  erzeugende  Gebilde  zwei  ent- 
gegengesetzte Bewegungen  ausführen,  da  bei  einer  Bewegung 
allein  sein  Anfaugszustand  eine  Grenze  für  das  neue  Gebilde 
sein  würde.  Durch  die  ursprüngliche  Stellung  des  bewegten 
Gebildes  wird  also  das  neue  Gebilde  in  zwei  Theile  getheilt, 
von  denen  man  sagt,  dass  sie  auf  beiden  Seiten  des  ersteren 
liegen.  —  Ein  unbegrenztes  Gebilde  n^^'^  Stufe  heisst  ein 
System  n^"  Stufe,  und  ist  der  Inbegriff  aller  Aeuderungs- 
weisen,  welche  ein  unbegrenztes  Gebilde  {n  —  l)^'^''"  Stufe  bei 
vorgeschriebener  Art  der  Bewegung  erleiden  kann.  —  Das 
Element  kann  auch  als  System  0^'"'  Stufe  betrachtet  werden. 

Bewegt  ein  Gebilde  sich  so,  dass  es,  ohne  den  frühereu 
Weg  zu  durchlaufen,  in  den  Anfaugszustand  zurückkehrt,  so 
entsteht  ein  begrenztes  Gebilde,  dessen  beide  Grenzen  zu- 
sammenfallen, und  auf  welchem  unbegrenzte  Bewegung  ohne 


—    3    — 

Umkehr  möglich  ist,  indem  derselbe  Weg  unaufhörlich  zurück- 
gelegt werden  kann. 

Ein  begrenztes  Gebilde  kann  stets  als  Theil  eines  unbe- 
grenzten von  gleicher  Stufe  betrachtet  werden;  man  erhält 
es  aus  dem  letzteren,  indem  man  zwei  Zustände  des  beweg- 
ten Gebildes  als  Grenzen  auf  dem  System  festsetzt.  —  Um- 
gekehrt kann  ein  unbegrenztes  Gebilde  als  Fortsetzung  eines 
begrenzten  angesehen  werden,  und  ist  dann  durch  die  beiden 
Grenzen  des  letzteren  vollkommen  bestimmt. 

Es    giebt    eine    unheschrünläe   Menge    von    Bewegungen,  a. 
zwischen  denen  ein  Punkt  im  Anfange  seiner  Aenderung  die 
Wahl  hat.     Das  unterscheidende  Merkmal  einer  solchen  An- 
fanggbewegung  heisst  ihre  BicJdung. 

Fährt  der  Funkt  in  der  einmal  gewählten  Anfangs- 
bewegung fort,  so  heisst  seine  Gesammtbewegung  einfach. 
Das  Merkmal  einer  einfachen  Bewegung  ist  also  ebenfalls 
ihre  Richtung. 

Wählt  aber  der  Punkt  unablässig  neue  Anfangsbewegun- 
gen, so  heisst  seine  Gesammtbewegung  zusammengesetzt.  Das 
Merkmal  einer  zusammengesetzten  Bewegung  ist  ein  Gesetz, 
nach  welchem  die  beständige  Aenderung  der  Richtung  erfolgt- 

Die  Reihenfolge  zwischen  mehreren  Bewegungen  eines 
Punktes  oder  Gebildes  ist  für  den  Endzustand  desselben  gleich- 
giltig. 

Durch  die  besondere  Art  der  Bewegung  erlangt  das  er- 
zeugte Gebilde  die  Eigenschaft  der  Gestalt.  Alle  einfachen 
(d.  h.  durch  einfache  Bewegung  entstandenen)  Systeme  gleicher 
Stufe  haben  hiernach  gleiche  Gestalt.  Ueberhaupt  haben  Ge- 
bilde, welche  durch  dasselbe  Bewegungsgesetz  entstanden  sind, 
gleiche  Gestalt. 

Anm.  Uebereinstimmung  in  der  Gestalt  heisst  Aelmlichkeit ,  in 
Gestalt  und  Grösse:   Congruenz. 

Auch  ein  Gebilde  irgend  welcher  Stufe  wird  einer  ein- 
fachen oder  einer  zusammengesetzten  Bewegung  unterworfen 
werden  können.  Ein  Gebilde  w^"^'  Stufe  heisst  einfach,  wenn 
es  durch  einfache  Bewegung  eines  einfachen  Gebildes  {n — 1)'®'' 
Stufe  entstanden  ist;  andernfalls  heisst  es  zusammengesetzt. 
Das  Element  selbst  wird  als  einfaches  Gebilde  betrachtet. 

Sowohl  die   Grössengebilde   n^"''   Stufe,   als   die   Grenzen 

1* 


__    4    — 

derselben,  welche  Gebilde  {n  —  1)""^  Stufe  sind,  werden  an 
Systemen  w'*-'  Stufe  betrachtet.  Demnach  kann  man  sagen, 
ein  System  n^""  Stufe  sei  ein  Gebiet,  welches  Grössen  von 
höchstens  w""'",  und  Systeme  von  höchstens  {n  —  l)'^'^''  Stufe 
umfasst. 

Die  ersten  Gebiete  heissen  ihrer  Stufenfolge  nach :  Punkt, 
Gerade,  Ebene,  Raum. 

Zur  Bezeichnung  der  verschiedenen  Gebilde  bedient  man 
sich  einzelner  Buchstaben,  oder  gesetzmässiger  Vereinigungen 
von  Buchstaben.  Die  Gebilde  der  vier  ersten  Gebiete  können 
ausserdem  durch  Zeichnungen  dargestellt  werden,  ebenso  die 
zwischen  diesen  Gebilden  herrschenden  Beziehungen.  Eine 
solche  Zeichnung  heisst  Construction. 


Erste  Abtlieilung. 
Gebiet  des  Punktes. 

I.    Der  Punkt  als  System. 

5.  Die  verschiedeneu  Zustände  eines  Jjcwegten  Punktes  nen- 

nen wir   seine   Lagen.     Diese    letzteren    können    wieder    als 
selbständige  feste  Punkte  betrachtet  werden.     Also: 

1)  Ein  hestimmter  hewegter  Punkt  ist  gleichbedeutend  mit 
einer  Reihe  beliebiger  fester  Punkte. 

2)  Ein  fester  Punkt  hat  das  Merkmal  einer  bestimmten 
Lage  und  unterscheidet  sich  durch  dieselbe  von  jedem  anderen 
festen  Punkte. 

3)  Ein  Punkt,  der  anfangen  soll,  sich  zu  bewegen,  kann 
nur  seine  Lage  ändern. 

II.    Grössen  im  Gebiete  des  Punktes.  —  Die  Punktgrösse. 

G.  Wenn   ein  Punkt  e^    gegeben    ist,    so   sagen   wir,    eine 

Grösse  A  sei  aus  ihm  abgeleitet,  wenn 

A  =  u^  .  e, 
ist,  wo  a,  eine  reelle  Zahl  ist.     Es  ist  hiernach  A  eine  ein- 
fache,  oder   vielfache   PimMgrössej   die  räumlich   mit  e^   zu- 


-    5    - 

sammeufällt,  uud  wir  ueuneii  ^4  eine  Grösse  ersten  Grades, 
iiisüferu  sie  durch  eine  Gleicliuug  ersten  Grades  aus  Cj  be- 
stimmt ist. 

Anui.  Es  ist  also  zu  iiuterscheiden  zwischen  dem  reinen  Aus- 
dehnungsgebikle  des  Punktes  und  der  mit  dem  Zahlenfactor  Lehafteten 
Punktgrösse. 

Für  Punktgrösseu,   wie  Ä,   gelten  nun  alle  Gesetze  der?. 
Rechnung  mit  Produkten,  da  man  unter  «j  .  e,  nichts  anderes 
versteht,  als  die  Summe  e^  -\-  e^  -{-  •  •  -  («jmal).    Es  ist  also: 
^1  .^  =  («1  ./3i)ci;       Ä  :  ßi  =  {a^  :  ß,)  .  c,;       c,  =  Ä  :  a,; 

a^  =  Ä  :  e^] 
ferner,   wenn  B  =  ß^  e^    ist,    wobei  A  und  B  gleichnamig 
heissen : 

A±B={a,±ß,)e,; 
Ä:B={a^  Cj)  :  (ß^  e,)  =  (a,  :  /?,)  .  (e,  :  e,)  =  «i  :  ^i , 
da  e,  =  1  .  c, ;  also  ßj  :  Cj  =  1  ist;  d.  h.: 

Produkt  und  Quotient  aus  einer  PunJctgrösse  und  einer 
Zahl  ist  eine  gleichnamige  PunJdgrösse. 

Summe  und  Differenz  von  gleichnamigen  PunJctgrössen  ist 
wieder  eine  gleichnamige  PunJdgrösse. 

Der  Quotient  ziveier  gleichnamigen  PunktgrÖssen  ist  eine 
Zahl. 

Der  Inbegriff  aller  aus  dem  Punkte  e^  ableitbaren  Grössen  8. 
heisst   sein   Gebiet.     Räumlich   fallt  dieses  Gebiet  mit  e,  zu- 
sammen.    Verschiedene  Punkte   sind  daher  ebenso  viele  ver- 
schiedene Gebiete. 

Zwischen  zwei  Punktgebieten,  die  aus  e,  resp.  &,  abge- 
leitet sind,  giebt  es  kein  gemeinsames  Gebiet;  dagegen  heisst 
das  aus  e,  und  e,  abgeleitete  Gebiet  ihr  verbindendes  Gebiet. 

Wenn  A  =  a^  Ci  und  B  =  ß^  c, ,  so  ist 

und  ^,  ^ 

^"^»^^'^  ß,A  =  cc,B, 

d.  h.:    Zwischen  zwei  gleichnamigen  PunktgrÖssen  besteht  stets 

eine  Zahlbeziehung. 

Aus  ß^A  =  a^B  folgt  weiter : 

A^^'B-,      B=^'-A, 


—    6    — 

d.  h. :  Jede  Grösse  im  Gebiete  des  Funltes  e,  Jcann  statt  aus 
Ci  aucJi,  aus  jeder  anderen  Grösse  desselben  Gebietes  abgeleitet 
werden. 

Setzt  man  e,  =  1 ,  so  heisst  Cj  eine  Einheit  erster  Stufe, 
und  es  kann  nun  jede  Grösse  im  Gebiete  des  Punktes  e^  als 
einfache  Zahl  ausgedrückt  werden. 

Zivei  Fimldgrössen  sind  gleich^  ivenn  ihre  Zahlenfaetoren 
{Coefficienten)  gleieh  sind,  und  sie  in  demselben  Punldgehiete 
liegen. 


Zweite  Abtheilung. 
Gebiet  der  Geraden. 

I.    Die  Gerade  als  System. 

1.    Bestimmung  durch  einen  beweglichen  Punkt. 

Wenn  ein  Punkt  seine  Lage  durch  einfache  Bewegung 
ändert,  so  heisst  das  von  ihm  erzeugte  Gebilde  (sein  Weg): 
eine  Gerade  (gerade  Linie). 

Die  Eigenschaften  einer  Geraden  sind  bestimmt: 

1.  Durch  die  Lage  eines  sie  erzeugenden  Punktes. 

2.  Durch  die  beständige  Richtung  der  Bewegung  dieses 
Puuktes. 

Die  Merkmale  einer  Geraden  sind  hiernach:  Lage  und 
Rieht  ung. 

Jeder  Punkt  auf  derselben  Geraden  kann  als  erzeugender 
angenommen  werden.  Jeder  dieser  Punkte  theilt  daher  die 
Gerade  in  zwei  Theile,  und  kann  sich  in  zwei  entgegen- 
gesetzten Richtungen  auf  ihr  bewegen. 

Jede  Gerade  repräsentirt  demnach  swei  entgegengesetzte 
Richtungen,  und  eine  bestimmte  Classe  von  Lagen. 

Durch  einen  beliebigen  Punkt  auf  ihr  ist  die  Lage  einer 
Geraden,  durch  einen  ziveitcn  auch  ihre  Richtung  bestimmt, 
da  dieser  zweite  als  eine  spätere  Lage  des  ersten,  bewegten, 
betrachtet  werden  kann,  also  auch  die  Richtung  der  Bewe- 
gung bezeichnet. 

Eine  Gerade  und  ein  Punkt  haben  also  dieselbe  Lage, 
wenn  der  Punkt  a«/' der  Geraden,   verschiedene  Lage,  wenn 


—     7     — 

der  Punkt  ausserhalb  der  Geraden  liegt.  —  Eine  Gerade, 
welche  anfangen  soll,  sich  zu  bewegen,  kann  also  entweder 
ihre  Laje  oder  ihre  Richtung  ändern. 

2.   Bestimmung  durch  m.ehrere  feste  Punkte.  10. 

Eine  beliebige  feste  Gerade  a  ist  durch  zwei  beliebige 
ihrer  Punkte,  A,  B,  vollkommen  bestimmt.  —  Sie  ist  es  noch, 
wenn  man  A  mit  B  vertauscht.  Durch  diese  Vertauschungs- 
fähigkeit  ist  ihre  zweifache  Richtung  ausgedrückt.  — 

Hiernach  ist  die  Ableitung  einer  Geraden  aus  zwei  Punk- 
ten .verglütchbar  der  Ableitung  einer  Summe  aus  zwei  Sum- 
manden; wir  können  daher  sagen: 

A  -\-  B  =  a',  Die  Summe  zweier  Punktsysteme  A  und 

B  -j-  A  =  a.  5  ist  die  durch  sie  bestimmte  Gerade  a. 

Sind   drei   Punkte  auf  der  Geraden  gegeben,  A,  B,   C, 

so  ist  die  Gerade  schon  durch  zwei  beliebige  davon  bestimmt. 

Also : 

wenn  A^  {B  +  C)  =  B  +  {C  +  Ä)  :=C  +  {A-{- B)  =  a, 
so  ist:  B-{-C=C-{-A  =  A  +  B==a. 

Aus  den  letzten  beiden  Formeln  folgt  noch 
A  -\-  a  ==  a. 
Dies  ist  die  Bedingung,  unter  welcher  ein  Punkt  A  auf  einer 
Geraden  a  liegt. 

Betrachtet  man  in  der  letzten  Formel  A  und  a  als 
Grössen,  so  muss  entweder  a  =  <X),  oder  A  =  0  gesetzt  wer- 
den; d.  h.:  die  Gerade  enthält  eine  unbestimmte  Menge  von 
Punkten;  der  Punkt  hat,  mit  der  Geraden  verglichen,  keine 
Grösse. 

Anm.  Die  Construction  einer  Geraden  aus  zwei  auf  ihr  gegebenen 
Punkten  wird  mit  Hülfe  des  Lineals  ausgeführt. 

II.  Grössen  im  Gebiete  der  Geraden. 

A.    Abgeleitet  aus  einem  beweglichen  Punkte.  — 

Die  Strecke. 

a)  Einmalige  Bewegung  des  Punktes.  —  Eine  Strecke. 

Durch   begrenzte  Bewegung  eines  Punktes   entsteht  ein  n, 
die  Lagenänderung    des  Punktes    bezeichnender  Theil    einer 


Geraden,  der  Strecke  genannt  wird.  Dieselbe  ist  vollkommen 
begrenzt,  also  eine  Grösse,  weil  der  sie  erzeugende  Punkt 
selbst  vollkommen  begrenzt  ist  (als  Grösse  betrachtet).  — 
Als  Grenze  an  der  Strecke  beisst  ein  Punkt:  Endpunld. 

Eine  Strecke  a  ist  durch  ihre  beiden  Endpunkte  A,  B 
vollkommen  bestimmt.  Als  vollkommen  begrenztes  Gebilde 
ist  sie  namentlich  auch  ihrer  Grösse  nach  bestimmt.  —  Aber 
als  Grösse  betrachtet  darf  sie  keine  Zweideutigkeit  in  Bezug 
auf  ihre  Richtung  enthalten.  Nun  erhält  sie  durch  Vertau- 
schung von  Ä  und  B  die  entgegengesetzte  RicJdung. 

Also  entspricht  die  Ableitung  einer  Strecke  aus  zwei 
Punkten  der  Ableitung  einer  Differenz  aus  Minuend  und  Sub- 
trahend; wir  können  daher  sagen: 

A  —  B  =  a  Die    Differenz    {Entfernung)    zweier 

B  —  A  =^  ( —  a) .  Punkte  A  und  B  ist  die  durch  die- 

selben bestimmte  Strecke  a. 

b)  Mehrmalige  Bewegung  des  Punktes. —  Mehrere  Strecken. 

12.  Wenn  ein  Punkt  von  A  nach  B,  und  dann  von  B  nach 
C  sich  bewegt,  so  legt  er  im  Ganzeh  die  Strecke  von  A 
nach  G  zurück.     Da  nun 

4 -4 f  {A-B)-\-(_B-ü)  =  {A-C), 

so  ist  die  letztere  Strecke  die  Stimme  der  beiden  ersteren;  d.  h. : 
die  Summe  zweier  mit  ihren  einen  Endpunkten  aneinander 
gelegten  Strecken  ist  die  Strecke  zivischen  ihren  anderen  End- 
punkten. 

13.  Durch  Anwendung  des  Begriffs  der  Suhtraction  findet 
man: 

{A~B)  =  {A  —  C)~{B  —  C). 

d.  h. :  Die  Differenz  zweier  mit  ihren  einen  Endpunkten 
aufeinander  gelegten  Strecken  Jst  die  Strecke  zivischen  ihren 
anderen  Endpunkten. 

14.  Fallen  die  Punkte  A  und  B  zusammen,  d.  h.  isi  A  =  B, 
so  ist 

I f  {A-A)  =  {A  —  C)  —  {A  —  C)  =  0. 

15.  Fallen  die  Punkte  A  und  C  zusammen,  d.  h.  ist  A  =  C, 
so  ist 


—    9    — 

{Ä  -B)  =  (Ä  -A)~{B-  Ä)        A js 

Strecken   mit  entgegengesetzter  RicJdung  werden  also  be- 
handelt wie  Zahlen  mit  entgegengesetzten  Vorzeichen. 

Aus  15.  folgt  noch:  16, 

{A  —  B)  +  {B  —  A)  =  0 
und    die  Formel    13.  lässt    sich    in   folgenden    drei    Formen 
schreiben : 

{A-B)  =  {A-0-\-{C-B)        f ^ f 

iB-C)=={B-A)-^{A-  C)        f 4 f 

{A  —  C)  =  {B~C)-\^{A-  B).      /  4 f 

Alle  drei  aber  geben: 

{A-B)-^{B~  C)  -\-(C-A)  =  0, 

womit  die   Ausdehnung    unserer   Betrachtung    auf   mehr    als 
zwei  Strecken  eingeleitet  wird. 

Anwendung  des  Begriffs   der  Midtiplication.  —   vSeien  n  17. 
Strecken  auf  einer  Geraden :  {A  —  B),  {B —  C),  {C  —  B)  . .. 
{M —  N)  einander  gleich,  so  kann,  wenn 

{A  —  B)  =  {B—C)  =  '--  =  {M-N)  =  a 

ist,  die  Summe  derselben: 

I i r    ■ — — — ■ — F ' 

A  —  N  ^^  n  .  a 

gesetzt  werden.     Sei 

A  -  N=s, 

so  ist : 

s  =  n  .  a, 

oder : 

s  :  a  =^  n, 

d.  h. :    Der  Quotient  zweier  Strecken  auf  derselben  Geraden  ist 
eine  Zahl. 

c)  Bewegung  einer  Strecke  auf  einer  Geraden. 

Bewegt  eine  Strecke  a  sich  beliebig  auf  einer  Geraden  18. 
vorwärts,   und   ist  {A  —  B)  ihre  Anfangs-,   (^,  —  jB,)   ihre 
Endstellung,    so    erleidet    der    Lagenunterschied    ihrer    End- 
punkte keine  Veränderung;  also  ist: 


10 


— ;  i  \ 


{A  -  B)  =  {Ä,  -  B,). 


Hieraus  folgt: 

{A  -  Ä,)  =  (B  -  B,); 

und  umgekehrt, 

d.h.:  Anfangs- und  EndpunJct  Wenn  ztvci  BunMe  gleidie 
einer  hcwcyten  Strecke  legen  Strecken  auf  einer  Geraden 
gleiche  Strecken  mrilck.  zurücklegen,  so  hleiht  ihre  Ent- 

fernung ungeändert. 

Anm.     Die  Constructioti  einer  Strecke  (J.,  —  JBj),  die  mit  einer 
gegebenen  (A  —  B)  gleich  ist,  geschieht  mit  Hilfe  des  Cirkels. 

19.  Sei  {A  —  B)  =  a;  {A  —  A')  =  h. 
Dann  ist 

A  =  B-{-a==A^-}-h, 

d.  h. :  Die  Summe  aus  einer  Strecke  und  ihrem  Endpunkte 
ist  ihr  Anfangspunkt. 

Ferner:  B  =  A  -  a;       A,=A-h, 

d.  h. :  Die  Differenz  aus  dem  Anfangspunkte  und  der  Strecke 
ist  der  Endpunkt. 

Ferner : 

B  -~  A^=h  —  «;      A  —  B^=^a^J), 

20.  Die  Formeln  in  18.  werden  gleichlautend,  wenn 

Ai  =  B  =  M;     also     a  =  h. 
Beide  lauten  dann: 

i # f '  A-  31=31  ~B,, 

d.  h.:    31  ist  von  A  und  i>,   gleichweit  entfernt.     31  heisst 
der  3Iittelj)unkt  zwischen  A   und  By,   oder   der   Halhirungs- 
punkt  der  Strecke  (A  —  B^).*) 
Aus  der  letzten  Formel  folgt: 

A  -^  By  =  31  -^  31  =  2  31;  Die  halbe  Summe  zweier  Punkte 
oder:         itj A-\-B,  stellt  ihren  3Iittelpunkt  dar. 

2 

Ferner  ist  in  diesem  Falle: 
{B  —  ^,)  =  0;    {A  —  By)  =  2a;  Der Halhirungspunkt theilt 
oder:                      (A  —  B)  ^^''^  Strecke  in  zivei  gleiche 
"'  =        2     ~  Theile. 

*)  Vgl.  G.  A.  II.  225. 


—   n   — 

Die  Formeln  in  18.  kann  man  übereinstimmend  schreiben:  21. 
Wenn    zwei  Streclicn  A  -\-  B^  =  B  -{-  A^-^ 

einander   gleich  sind,    oder 

so  haben  die  Strecken  — ~~^  =  — ^ — -  =  M. 

zivischen  dem  Anfangs- 

punJcte  der  einen  und  __^ ^ M ^ Bi^ 

dem  Endpunkte  der 
anderen  denselben  Hal- 
hirungspiinld. 

Die  Formel  A  —  M=  M  —  J5,  lässt  sich  auch  schreiben :  22. 
{M—B^)-{-{3I-A)  =  0. 
Nimmehr  lässt  sich  der  Begriif  des  Mittelpunktes  dahin  er- 
weitern, dass  man  sagt:   Für  n  Punkte  A^  B,  C,  .  .  .  N  auf 
einer  Geraden  ist  derjenige  Punkt  der  Mittelpunkt,   welcher 
der  Bedingung  genügt: 

(M—A)-\-{M—B)-i ^{M  -  N)  =  0. 

oder :  ^  ^  A  +  B  +  ---  +  N 

n 
Strecken,  die  mc/i^  aneinander  liegen,  werden  erst  nach 23. 
18i  aneinandergelegt  und  dann  nach  12,  addirt. 

Sei  die  Summe  von  n  Strecken  gleich  Null;  also:  24. 

{A  —  B)-{-{C-J))-\-(E-F)-\ =  0. 

Dann  können  wir  alle  diese  Strecken  durch  die  Entfernungen 
ihrer  Endpunkte  von  einem  einzigen  beliebigen  festen  Punkte 
B,  ausdrücken,  indem  wir  setzen: 

{A  —  B)  =  (R  -  B)  —  {R  —  A). 
{G~D)  =  {B  —  B)  —  {B  —  C). 


sodass : 

{B-A)-^{B-C)-\-{B-E)-^--- 

^(B-B)-{-{R-D)  +  {B  -F)-\---- 
d.  h.:  Wenn  eine  Reihe  von  n  Strecken  aUf  einer  Geraden 
die  Summe  Nidl  giebt,  so  ist  für  jeden  beliebigen  PunJd  der 
Geraden  die  Summe  der  Entfernungen  von  den  Anfangspunk- 
ten gleich  der  Summe  der  Entfernungen  von  den  Endpunkten. 
Ist  B  =  D  =  F  =    •  •  =  M]  so  haben  wir:  25. 

{R  —  A)  -j-(I^_(7)  +  {R  —  E)-\ ==w(E  — Jf), 


—     12    - 

oder:  nll  =  Ä -\- C -\-  E -] 

oder:  Jf.^  a -]- C -\- E -^  ■  •  ■  ^ 

d.  li. :  Wenn  auf  einer  Geraden  eine  lieihe  von  n  PunJäcn 
gegeben  ist,  so  ist  für  jeden  heliehigen  PunU  der  Geraden  die 
Summe  der  Entfernungen  von  diesen  n  Punkten  gleich  der 
n  fachen  Entfernimg  von  deren  llitfdpunlde. 

Anm.  Die  Aufgabe:  die  Mitte  zwischen  einer  Anzahl  gegebener 
Punkte  zu  suchen,  ist  hierdurch  zurückgeführt  auf  die  Aufgabe:  eine 
gegebene  Strecke  in  n  gleiche  Theile  zu  theilen. 

B.    Abgeleitet  aus  zwei  festen  Punkten. 

a)  Grössen  vom  l'<^"  Grade. 

26.  Seien  e,  und  t%  zwei  feste  Punkte  auf  der  Geraden,  Ä 

ein  beliebiger  Punkt,  und  sei 

^?£ 4 f^  (Ci  —  ^)  =  «2  (ci  —  e.) , 

worin  «.^  stets  bestimmt  ist,  da  der  Quotient  zweier  Strecken 
auf  derselben  Geraden  eine  Zahl  ist;  dann  erhält  man: 

oder,  wenn  man 

1  —  «^  =  «, ;     «1  +  «.)  =  1 

setzt :  .  , 

A  =  ci^e^  -\-  K^Ct- 

Der  Punkt  A  heisst  nun  „linear  abgeleitet  aus  e,  und  e.,", 
da  er  durch  eine  Gleichung  vom  ersten  Grade  in  e  bestimmt 
ist.  —  Und  die  letzte  Gleichung  stellt  allemal  einen  einfachen 
oder  n fachen  Punkt  dar,  je  nachdem  a^  -\-  a.^  =  l  oder  =  n 
ist,  wie  sogleich  erhellt,  Avenn  man  sie  Glied  für  Glied  mit  n 
multiplicirt. 

Sind  a,  und  a^  beide  <  1,  so  sind  beide  positiv,  und 
wir  sagen:  A  liege  zivisehen  e^  und  e^-  Der  Jubegriff  aller 
einfachen  Punkte,  welche  dieser  Bedingung  genügen,  heisst 
ein  Zweieck.  Dasselbe  fällt  mit  der  Strecke  (e,  —  c.^)  zu- 
sammen. 

Ist  aber  «j  >  1  und  positiv,   so  ist  a^  negativ,   und  A  • 
liegt  ausserhalb  der  Strecke  (c,  —  Cj) . 

Sei  ein  anderer  Punkt  B  gegeben,  mit  der  Gleichung: 


-     13    — 

dann  ist: 

{A-B)  =  («,  -  /3,)  e,  +  («,  -  ß,)  e„ 

oder,  wenn  wir  setzen:  , 

woraus  folgt: 

V\  +  r-i  =  ^' 

{A  —  B)  =  y^e^  -{- y^^fi-^, 
d.  h. :    Der  Ausdruck  y^e^  -\-  y.^e^  stellt  eine  Strecke  dar,  wenn 
j/j  -[-  ^2  =  0  ist.  —  Sind  A   und  B  w fache  Punkte,   so  ist 
auch  {A  —  B)  eine  w  fache  Strecke. 

Ist  demnach  a  =  cf  i  ^i  +  '^2  ^2 '  ^^  stellt  a  eine  Punkt- 
grösse  oder  eine  Strecke  dar,  je  nachdem  a^  -j-  a^  ungleich 
oder  gleich  Null  ist.  Da  a  durch  eine  Gleichung  l'^n  Grades 
in  e,  und  e.^  abgeleitet  ist,  so  sind  FunktgrÖssen  und  Strecken 
Grössen  vom  1"^"  Grade.  —  Da  A  und  B  beliebige  Punkte 
der  Geraden  sind,  so  ist  auch  jede  beliebige  Strecke  auf  ihr, 
{A  —  B)  aus  Cj  und  Cj  ableitbar.*) 

Für  Grössen  1  ^"'^  Grades,  wie  a,  gelten  nun  alle  Gesetze  27. 
der  Rechnung  mit  Summen  von  Producten.     Es  ist  also: 
d  .  a  =  (a^d)  e^  -|-  {a.,d)  62    ;    a  :  ^  =  («j  :  ^)  e,  -j-  («2  :  d)  e^. 
Ferner ,  wenn  h  =  ß^e^  -\-  ß2 ^2  ^^^ • 

{a±h)=={a,±ß,)e^-\-{a,±ß,)e2. 
Endlich,    wenn  noch   «j  -|-  «._,  =  0   und   ß^  -\-  ß^  =  0,    oder 
«2  =  —  «1 ;  ßi  "^^^  —  ßi  i^^* 

«:&  =  [«]  (ei  —  C2)]  :  [^1  (e,  —  e^)]  =  a,:ß,, 
d.  h.:    Product  und  Quotient   aus    einer  Grösse   V""   Grades 
und  einer  Zald  ist  tvicder  eine  Grösse  1'°"  Grades. 

Summe  und  Differenz  von  Grössen  P*^"  Grades  auf  der- 
selben Geraden  ist  ivieder  eine  Grösse  P'^"  Grades. 

Der  Quotient  zweier  Strecken  auf  derselben  Geraden  ist 
eine  Zahl. 

Anm.  Der  Quotient  zweier  Punktgrössen  auf  derselben  Geraden 
ist  nur  dann  eine  Zahl,  wenn  die  Punktgrössen  zusammenfallen.  Denn 
der  Quotient  a:h  reducirt  sich  nur  dann  auf  «,  :  ß,,  wenn  «2^1  =  ^^1^2 
oder  ßi  — ^  «jß,  =  a,  —  «ißi,  d.  h.  wenn  ccy  =  ß^  und  orj  =  ß^  ist.  fliervon 
überzeugt  man  sich  durch  Ausführung  der  Division  zwischen  den  Wer- 
then  von  a  und  6. 


*)  Vgl.  (\.  A.  11.  234.  235. 


—     14    — 

28.  Der  Inbegriff  aller  aus  e^  und  c,  ableitbaren  Grössen  ist 
ihr  Gebiet.  Dasselbe  heisst  Gebiet  2^*^'  Stufe,  und  fällt  räum- 
lich mit  der  durch  f,  und  e.,  bestimmten  Geraden  zusammen. 

Zwei  Geraden,  die  aus  c,  e.,;  i'esp.  Cg  <?,  abgeleitet  sind, 
haben  Ivcin  gemeinsames  Gebiet,  wenn  keine  dieser  vier  Grössen 
aus  den  anderen  abgeleitet  werden  kann.  Ihr  verbindendes 
Gebiet  ist  das  aus  e,  e.,e;^e^  abgeleitete,  also  4'«'"  Stufe. 

Zwei  Geraden,  welche  aus  c,  e.^ ,  resp.  63  H  abgeleitet  sind, 
haben  ein  gemeinsames  Gebiet  l'""''  Stufe  {e^\  ihr  verbinden- 
des Gebiet  ist  das  aus  f ,  e.^  Cj  abgeleitete,  also  3""'  Stufe.  Alles 
unter  der  Voraussetzung,  dass  keine  der  drei  Grössen  aus  den 
anderen  ableitbar  ist. 

Wenn 

a  =  «I  r,  -f  a^e,',     h  =  ß^  e,  +  ß.^c,-,     c  =  y^c^  -\-  y.,c^, 
so  ist: 

/i,  a  —  «,  h  =  (/3,  «2  —  «1  ^2)  «2 ; 

Vi  ^^  —  ßi^=  (Ti  ß-  —  ß\  ?■?)  f-i  j 
also : 

=  ^>y\  {ßx  fh  —  «I  ß-i)  —  cßx  ißi  ci,  —  «,  ^,), 

oder : 
a  {ß^  y^^—  y,  ^2)  -f  h  (7,  «2  —  a,  y.^  +  c  (a,  ß^  —  /3,  a^)  =  0, 

d.  h.:  zivischcn  drei  Grössen  !'•"'  Grades  auf  derselben  Ge- 
raden hesteld  stets  eine  Zaldhczichimg .  —  Jede  dieser  drei 
Grössen  kann  also  aus  den  beiden  anderen  abgeleitet  werden. 

1)  a,  h,  c  seien  Punkte.  —  Dann  zeigt  die  letzte  Glei- 
chung die  Al)leitung  eines  PunJdcs  aus  mvei  anderen. 

2)  a  sei  Strecke,  h,  e  Punkte.  —  Dann  ist  ai-\-  a.^  =  0] 
also : 

«  (^1  72  -  Vxß-i)  -  ^cc,  {y,  +  ^2)  +  ca,  {ß,  -f  ß^)  =  0. 
Diese  Gleichung  zeigt  die  Ableitung   einer  Strcclce   aus  0wei 
Fnnläen,  und  eines  FunJdes  ans  Strecke  und  Punkt. 

3)  a,  h  seien  Strecken,  c  ein  Punkt.  —  Dann  ist  auch 
ßx  +  ßi  =  0,  und: 

'<ßx  (Yx  +  Y2)  —  ^«1  {y\  +  ro)  =  0; 
oder,  da  y^  -f-  y.^  nicht  Null  ist: 

aß^  =  })Uy. 


—     15    — 

Diese  Gleichung  zeigt  die  Ableitung   einer  Strecke  aus  einer 
anderen. 

Es  besteht  also  schon  zwischen  zwei  Strecken  auf  der- 
selben Geraden  eine  Zahlbeziehung,  wie  schon  oben  ermittelt 
wurde. 

b)  Grössen  vom  2"'"  Grade.*) 

Das  Product   zweier  Grössen  1'^"  Grades  ist  eine  Grosse  29. 
2^''"  Grades,  —  Seien  zwei  Grössen  1''"  Grades  gegeben: 

a  =  a,  c,  +  a.,r.,     ;     h  =  ß^e^  -{-  ß.,c.,, 
dann  ist: 

ah  =  ai  ß^  (61^1)  +  «,  ß, (r^  c,)  +  «, /3,  {e,  e^ )  +  a.^ ß^ (e^ e.,) . 

Das  Product  der  Grössen  ist  also  auf  die  Producte  ein- 
facher Punkte  zurückgeführt,  und  es  kommt  darauf  an,  die 
letzteren  zu  definiren.**) 

Unter  dem  Producte  zweier  Punkte  e,  und  e^  {e^c.^)  ver- 
stehen wir  einen  Linientheil  (Theil  der  Geraden),  welcher 
mit  der  Strecke  (cj  —  e^  gleich  lang  und  gleich  gerichtet  ist. 

Anm.  Die  Strecke  erscheint  also  als  Lagenunterschied  zweier 
Punkte,  der  Linientheil  als  Theil  der  durch  diese  Punkte  bestimmten 
Geraden.  Die  Strecke  ist  eine  arithmetische  Grösse,  der  Linientheil 
ein  reines  Ausdehnungsgebilde, 

Hiernach  ist  die  Multiplication  zweier  Grössen  1'^"  Grades 
zunächst  durch  das  Gesetz  zu  bestimmen: 

(e,  d)  =  0, 
woraus  auch  (c.,  e^  =  0  folgt.     Es  bleibt  also : 
ab  =  ai ß.,  (e,  e^)  -f  ß.^ /3,  {e, c, )  . 
Nun  sind  folgende  Fälle  mötjlich: 

1)  a  und  h  sind  vielfacJie  PunJde.  —  Wenn  a  und  h 
zusammenfallen,  so  ist  a  =  kh\  folglich  «^  =  yl/3, ;  «^  =  kß^, 
und  mau  erhält: 

0  =  ah  =  Xß,ß,[{e,e,)  +  {e,e,)], 

woraus  folgt: 

(c,e,)  +  {e.,e;)  =0, 
oder: 
______  (e,  62)  =  —  (C2C,) . 

*)  Vgl.  G.  A.  I.  §  28—30. 

**)  Die  verschiedenen  Multiplicationsgattungen   hat  Grassmanr. 
behandelt  in  Grelle 's  Journal  Bd.  49."  S.  12.S. 


—     16     - 

Dies  ist  das  zweite  der  Gesetze  unserer  Multiplicatioii, 
in  welchem  übrigens  das  erste  enthalten  ist,  wie  man  sieht, 
wenn  man  c,  =  Co  annimmt.  —  Die  Multiplication  heisst 
äussere,  da  die  Punkte  ausser  einander  liegen  müssen,  wenn 
ihr  Product  einen  geltenden  Werth  haben  soll. 

Das  Product  ah  nimmt  nun  folgende  Gestalt  an: 

ah  =  (cc^ß^  —  a^ßi)  (6162), 
d.  h. :    Das  Product  siveier  vielfachen  PimUe  ist  ein  vielfacher 
Linientheil.  —  Es  ist  nur  dann  Null,  wenn  a^ß.^  —  cc2ßi  =  0, 
d.  h.  wenn  a  und  b  in  einen  Punkt  zusammenfallen. 

2)  a  ist  eine  Strecl'e,  h  ein  vielfacher  Punkt.  —  In  die- 
sem Falle  ist  «j  -{-  «.,  =  0 ,  also : 

ah  =  a^(ß^  + /Jj)  (6,62); 
d.  h.:    Bas  Prodult  aus  einer  Strecke  und  einem  Punkte  ist 
ein  Linientheil. 

3)  a  und  h  sind  Strecken.  —  Dann  ist  auch  ß^  -\-  ß2=  0, 
und  es  bleibt: 

ah  =  0; 

d.  h.:    Das  Product  zweier  Strecken  in  derselben  Geraden  ist 
Null. 
30.         Bezeichnen  wir  die  Strecke  (e,  —  e,)  mit  s,  sodass 

dann  ist: 
s  .  Cj  =  (e,  —  e.,)  63  =  (e,  e.^)  —  (62^2)  =  («i  e.^) , 
s  .  ßi  =  (e,  —  C2)  61  =  {e^e^)  —  (eoC,)  =  —  (e^e^)  =  (^,62). 
Demnach  ist  ein  Linientheil   das  Product   aus   der   ihm  ent- 
sprechenden Strecke  und  ihrem  Anfangs-  oder  Endpunkte.*) 

Anm.  Wie  die  Zahl  als  Grössen  bildender  Factor  am  Punkte, 
so  haftet  an  diesem  in  gleicher  Eigenschaft  auch  die  Strecke.  Es  ent- 
sprechen sich  also  in  den  beiden  Gebieten  des  Punktes  und  der  Ge- 
raden: Punkt  und  Linientheil,  Zahl  und  Strecke.  Und  wie  die  Zahlen- 
coefficienten  zweier  gleich  grosser  Punktgrössen  auch  dann  gleich  sind, 
wenn  diese  letzteren  in  verschiedenen  Gebieten  liegen,  so  auch  die 
Streckencoefficienten  zweier  gleich  grosser  Linientheile,  wenn  diese  in 
verschiedenen  Gebieten  liegen. 

Sei  (6162)  =  (c^  —  62)  f'2  =  {('i  —  e.2)  e^ 

und  ausserdem: 

(C:jC4)  =  (^3  —  f'4)  'U   =  («3  —  ^4)  «3  ; 

*)  Vgl.  G.  A.   I.  §  114.   115. 


—  17    — 

ferner:  s  =  (c,  —  c-y)  =  (f';j  —  c,). 

Dann  ist: 

(ej e,)  —  (C3 C4)  =  s C2  —  s 64  =  s (e.^  —  c.,) =sc^  —  se^  =  s{c'^~  e^) . 
Die  rechte  Seite  dieser  Gleiclmng  wird  Null,  sobald  die 
Strecken  s  mit  den  Strecken  (e^  —  64)  und  (e,  —  63)  in  der- 
selben Geraden  liegen,  d.  b.  sobald  die  vier  Punkte  Cj ,  Cj, 
63,  64  in  derselben  Geraden  liegen.  Nur  unter  dieser  ße- 
dingung  ist  also: 

(e,  C2)  =  (63  64) . 

Zwei  Linienfheüe  sind  also  gleich,  ivenn  die  entsprechenden 
StrecJcen  gleich  sind  und  in  derselben  Geraden  liegen.^) 

Sei  ah  ein  Linientheil,  und  31. 

a  -\-  ßh  =  a^;  ai  if  a 

— 1-^;;^ 1 -^-j,- j 

dann  ist:  -/ßij--- -  -^i/"" 

a^  h  =  ab. 

Sei  ferner:  ,    ,  , 

h  -f-  «riTj  ==  h^ ; 

dann  ist:  ,  ,  , 

^1  '^1  =^  '^'i b  =  ab . 

Man  sagt  dann,   «,  sei  durch  lineale  Aenderung  aus  a, 
und  &j  ebenso  aus  b  abgeleitet. 

Ein  Linientheil  ändert  also   seinen    Werth  nicht,    ivenn 
seine  Factoren  lineale  Aenderungen  erleiden. 

Setzt  man  (e^  c^)  =  1,  so  kann  man  jede  Grösse,  die  .32. 
hieraus  abgeleitet  ist,  durch  eine  Zahl  bezeichnen;  (c^  Cj) 
heisst  nun  Längen-  (Linien-)  Einheit,  und  ist  eine  Einheit 
2'*=''  Stufe.  Die  daraus  abgeleiteten  Grössen  heissen  einfach, 
wenn  sie  als  Producte  von  zwei  Grössen  1""'  Stufe  darstellbar 
sind ;  sonst  zusammengesetzt. 

Ferner  heisst  nun  Cj  die  Ergänzung  von  c, ;  in  Zeichen: 

€.,  =  I  e, . 
und,  da  —  {c.^e^)  =  1;  so  ist 

—  e,  =  1^2- 
Daraus  folgt  noch : 

Ihi  =  I  ^2  =  —  e, . 
Aum.     Das  Zeichen  |  ,  als  Factor  betrachtet,  entspriclit  also  dem 
Factor  i  (der  imaginären  Einheit). 


*)  Vergl.  G.  A.  IL  247.  248. 

Schlegel,  Syst.  d.  Raumlehre. 


—    18    — 

Setzen  wir  in  der  Formel  (e,  e.,)  =  1  den  Werth  Cj  ==  |  ßj 
ein,  so  folgt: 

bi  I  <h]  =  1 ; 

ebenso:  r     i     i        i         . 

[62162]  =  !; 

und 

[e,  I  e,]  =  -  {e,  e,)  =  0;     [^2  1  e,]  =  (^2  ^2)  =  0. 

Die  Multiplication  mittelst  des  Zeichens  | ,  welche  durch 
die  eben  gefundenen  Gesetze  bestimmt  ist,  heisst  innere  Mul- 
tiplication, weil  dabei,  wie  man  sieht,  das  Product  zweier 
Grössen  nur  dann  einen  geltenden  Werth  hat,  wenn  die- 
selben nicht  aussereinander  liegen. 

Wenn  a  =  a,  e,  +  «2^2  i^^;  ^^  verstehen  wir  unter  |  a 
die  Grösse  c^i  \  ßi  -\-  cc.^l  e.y-     Es  ist  also : 

I  a  =  «1  I  e,  -|-  «2  I  62  =  «1  ^2  —  ^2  ^1 
[a  I  a]  =  «1^  (ßy  62)  —  «2^  (^2  '^i)  =  K^"^  4-  «2'^ 

Man  nennt  [a  \  a]  das  innere  Quadrat  von  a^  schreibt: 

[a  I  rt]  =  a~ 


und  nennt  //«/*  +  «2^  ^^^^  7iumerischen  Werth  von  «. 
Wenn 

«  =  a,  r,  -f-  «2*^2     ^^^     ^  =  ßiC\  +  1^2 «^a > 

[«!?>]  =  «1/5, +  C.2/32 

[a\h]=^[h\  a] , 
d.  h.:    im  inneren  Producte  gilt  VertauscJmng  der  Factor en. 


so  ist 
und 


Dritte  Abtheilving-. 
Uebiet  der  Ebeue. 

I.    Die  Ebene  als  System. 

1.  Bestimmung  durch  eine  bewegliehe  Gerade. 
a)  Lagenänderung  der  Geraden. 

:33.  Hat  eine  Gerade  ihre  Lage  geändert,  so  darf  kein  Punkt 

zugleich  auf  der  ersten  und  zweiten  Geraden  liegen;  sonst 
könnte  dieser  Punkt  beide  Geraden  erzeugen;  d.  h.  sie  hätten 
dieselbe    Lage.   —    Die    Lagenänderuno-    der    Geraden    kann 


—    19    - 

Schiebung  genannt  werden.  —  Jeder  Punkt  der  ersten  Ge- 
raden wird  also  seine  Lage  geändert  haben,  ehe  er  sich  in 
derjenigen  Lage  befindet,  in  der  er  der  zweiten  angehört. 

Aum.  Wie  die  Lage  einer  Geraden  durch  einen  beliebigen  Punkt 
auf  ihr  vollkommen  bestimmt  ist,  so  auch  ihre  Lagenänderimg  durch 
diejenige  eines  beliebigen  Punktes  auf  ihr. 

Die  Bewegung  der  Geraden  nennen  wir  einfach,  wenn 
diejenige  jedes  beliebigen  Punktes  auf  ihr  eine  einfache  ist, 
d.  h.  wenn  jeder  beliebige  Punkt  auf  ihr  eine  beliebige  Ge- 
rade beschreibt. 

Wenn  eine  Gerade  ihre  Lage  durch  einfache  Bewegung 
ändert,  so  heisst  das  von  ihr  erzeugte  Gebilde  eine  Ebene 
(ebene  Fläche). 

Die  Eigenschaften  einer  Ebene  sind  bestimmt: 

1)  durch  Lage  und  Richtung  einer  sie  erzeugenden  Ge- 
raden ; 

2)  durch  Lage  und  Fächtimg  einer  zweiten  Geraden,  die 
von  einem  der  ersten  angehörigen  Punkte  beschrieben  wird; 

oder,  da  man  beide  Geraden  durch  dieselbe  Lage  bestimmen 
kann: 

1)  durch  Lage  und  Richtung  einer  sie  erzeugenden  Ge- 
raden ; 

2)  durch  die  Lage  eines  hcliehigen  festen,  ausserhalb  dieser 
Geraden  in  der  Ebene  liegenden  PunJdeS'^ 

oder,   wenn  man  auch  die  in   1)   genannte  Gerade   durch 

zwei  Punkte  ersetzt: 

1)  durch   die  Lagen  dreier  nicht  in   derselben   Geraden 

liegenden  Punkte. 

Die  Merkmale  einer  Ebene  sind  hiernach  vorläufig: 
Eine  Lage  und  ztvei  Richtungen-,   oder  swei  Lagen  und 

eine  Richtung'*)]  oder  drei  Lagen. 

b)  ßichtungsänderung  der  Geraden. 

Wenn  eine   Gerade   sich   so  bewegt  hat,   dass  sie  dabei  34. 
nur  ihre  Richtimg  änderte,  so  giebt  es  unter  allen  Umständen 
einen  Punkt  auf  ihr,  der  an  der  ßevrogung  nicht  Theil  nahm, 


*)  Unter  diese  Rubrik  fällt  auch  die  Bestimmung  der  Ebene  durch 
Anfangs-  und  Endstellung  der  bewegten  Geraden. 


—     20    — 

den  «ilso  die  zweite  Gerade  mit  der  ersten  gemeinsam  hat. 
Denn  gäbe  es  Jielnan  solchen  Punkt,  so  hätten  die  beiden 
Geraden  nicht  dieselbe  Lage;  gäbe  es  aber  deren  mehr  als 
einen,  so  wären  beide  Geraden  in  derselben  Weise  bestimmt, 
also  hätte  keine  Bewegung  stattgefunden.  —  Die  Richtungs- 
änderung der  Geraden  kann  Drehung  genannt  werden,  der 
ruhende  Punkt:  Drehungspimlä.  —  Die  Bewegung  der  Ge- 
raden wird  einfach  sein,  wenn  ein  beliebiger  Punkt  auf  ihr 
in  jedem  Augenblicke  die  Richtung  auf  einen  bestimmten 
beweglichen  Punkt  auf  der  zweiten  Geraden  innehält.*) 

Es  sind  also  Schiebung  und  Drehung  zwei  verschiedene 
Arten  einfacher  Bewegung,  denen  eine  Gerade  unterworfen 
werden  kann. 

Die  Eigenschaften  des  durch  einfache  Drehung  einer 
Geraden  erzeugten  Gebildes  sind  bestimmt: 

1)  durch  Lage  und  Richtung  der   erzeugenden  Geraden, 

2)  durch  Lage  und  Richtung  einer  zweiten  Geraden,  die 
mit  der  ersten  dieselbe  Lage  hat; 

oder,   da  man   beide  Geraden  durch   dieselbe  Lage  bestim- 
men kann: 

1)  durch  Lage  und  Richtung  der  erzeugenden  Geraden, 

2)  durch  die  Lage  eines  (bestimmten  beweglichen)  ausser- 
halb dieser  Geraden  in  der  Ebene  liegenden  Punktes; 

oder,   wenn   man   auch   die   in   1)   genannte  Gerade  durch 
zwei  Punkte  ersetzt: 

1)  durch  die  Lagen  dreier  nicht  in  derselben  Geraden 
liegenden  Punkte.  Diese  Eigenschaften  stimmen  aber  genau 
mit  denen  der  Ebene  überein,  folglich  ist  das  durch  ein- 
fache Drehung  einer  Geraden  erzeugte  Gebilde  ebenfalls 
eine  Ebene. 


*)  Denn  da  ein  heliehiger  fester  Punkt  mit  einem  bestimmten  he- 
iveglichen  Punkte  gleichbedeutend  ist,  so  ist  die  Bewegung  der  Geraden 
in  diesem  zweiten  Falle  im  Wesentlichen  ebenso  definirt  wie  im  ersten, 
nämlich  als  einfache.  —  Die  Bewegung  eines  ihrer  Punkte  kann  aber 
diesmal  natürlich  keine  einfache  sein;  denn  nur  dann,  wenn  die  Gerade 
jenes  Merkmal  ändert,  welches  sie  mit  dem  Punkte  gemeinsam  hat, 
nämlich  die  Lage,  werden  beide  Gebilde  in  der  Einfachheit  der  Be- 
wegung übei-einstimraen. 


-    21     - 

Anm.  Aus  diesen  Betrachtungen  geht  hervor,  dass  allgemein  die 
Gesetze  gelten: 

1)  Zwei  Geraden  mit  derselben  Lage  haben  stets  ungleiche  Bichticng. 

2)  Zwei  Geraden  mit  gleicher  liichtimg  haben  stets  verschiedene 
Lage.  Da  aber  eine  Gerade  durch  zwei  aufeinanderfolgende  Bewe- 
gungen Lage  und  Richtung  ändern  kann,  wobei  sie  das  Gebiet  der 
Ebene  verlässt,  so  gelten  nur  für  zwei  in  derselben  Ebene  liegende 
Geraden  die  umgekehrten  Gesetze: 

3)  Zwei  Geraden  mit  verschiedener  Lage  haben  gleiche  Richtung. 

4)  Zwei  Geraden  mit  ungleicher  Richtung  ha])en  dieselbe  Lage. 
In  derselben  Ebene  also  können  zwei  Geraden  nicht  gleichzeitig 

verschiedene  Lage  und  ungleiche  Richtung  haben. 


Jede   Gerade   in   derselben  Ebene    kann   als    erzeugende  35. 
anüieselien    werden.     Jede    dieser    Geraden    theilt    daher    die 
Ebene  in   zwei  Theile   und   kann   sich  nach   zwei   entgegen- 
gesetzten Seiten  sowohl  schieben  als  drehen. 

Jede  Ebene  repräsentirt  also  swei  entgegengesetzte  Seiten, 
eine  bestimmte  Classe  von  Bichtungen  und  eine  bestimmte 
Classe  von  Lagen. 

Anm.  Wie  zwei  entgegengesetzte  Bewegungen  auf  einer  Geraden 
für  das  Auge  ihren  Gegensatz  verlieren,  wenn  man  die  Gerade  für 
jede  von  ihnen  in  einer  anderen  Richtung  betrachtet,  so  auch  zwei 
entgegengesetzte  Bewegungen  auf  einer  Ebene,  wenn  man  dieselbe 
für  jede  der  Bewegungen  von  einer  anderen  Seite  (von  oben  oder  von 
unten)  betrachtet. 

Die  Lage  einer  Ebene  wird  durch  einen  beliebigen  FiinM 
auf  ihr,  die  RicMiing  einer  Ebene  durch  eine  beliebige  Gerade 
in  ihr,  die  Seite  einer  Ebene  durch  swei  beliebige  Geraden 
in  ihr  bestimmt. 

Eine  Ebene  hat  also  dieselbe  Lage  mit  einem  PtinJde,  m. 
wenn  derselbe  auf  ihr  liegt,  verschiedene,  wenn  er  ausserhalb 
liegt.  Sie  hat  dieselbe  Lage  mit  einer  Geraden,  wenn  dieselbe 
einen  oder  alle,  verschiedene  Lage,  wenn  sie  keinen  Punkt 
mit  ihr  gemeinsam  hat.  Sie  hat  dieselbe,  resp.  gleiche  llich- 
tiing  mit  einer  Geraden,  wenn  diese,  resp.  eine  gleichgerichtete 
in  ihr  liegt;  verschiedene,  resp.  ungleiche  Bichttmg  im  anderen 
Falle. 

Eine  Gerade  hat  also  mit  einer  LJbene  entweder: 

1)  dieselbe  Lage  und  dieselbe  liichtimg  (wenn  die  Gerade 
in  ihr  liegt),  oder: 


—    22    — 

2)  dieselbe  Lage  und  wigleichc  Bicldung  (wenn  die  Ge- 
rade nur  einen  Punkt  mit  ihr  gemeinsam  hat),  oder: 

3)  ■  verschiedene  Lage  und  gleiche  Hichkmg  (wenn  eine 
gleichgerichtete  Gerade  in  der  Ebene  liegt). 

Hiermit  sind  alle  Combinationeu  der  oben  genannten 
Lagen-  und  Richtungsverhältnisse  erschöpft.  Also  kann  nicht 
eine  Gerade  mit  einer  Ebene  verschiedene  Lage  und  ungleiche 
Bichtting  haben. 

Eine  Ebene,  welche  anfangen  soll,  sich  zu  bewegen, 
kann  hiernach  Lage,  Richtung,  oder  Seite  ändern. 

2,  Bestimmung  durch  mehrere  feste  Geraden. 

37.  Eine  beliebige  feste  Ebene  5t  ist  durch  zwei  beliebige 
ihrer  Geraden,  a,  h,  vollkommen  bestimmt,  sowohl  wenn  die- 
selben gleiche  Richtung,  als  wenn  sie  dieselbe  Lage  haben,  — 
Sie  ist  es  noch,  wenn  man  a  mit  b  vertauscht.  Durch  diese 
Vertauschungsfähigkeit  ist  ihre  zweifache  Seite  ausgedrückt. 
Hiernach  ist  die  Ableitung  einer  Ebene  aus  zwei  Geraden 
vergleichbar  der  Ableitung  einer  Summe  aus  zwei  Summanden ; 
wir  können  daher  sagen: 

a  -j-  &  =  ?t .  Die  Summe  zweier  Geraden  a  und  b 

h  -(-  a=  31,  ist  die  durch  sie  bestimmte  Ebene  5(.' 

Sind   drei  Geraden   auf  der  Ebene   gegeben,   a,  b,  c,   so   ist 

die  Ebene  schon  durch  zwei  beliebige  davon  bestimmt.    Also: 

wenn 

a  +  (5  +  c)  =  &  -f  (c  +  a)  =  c  -f  (a  +  6)  =  %, 

b-\-c  =  c-{-a=^a-f-b==%. 

Aus  den  letzten  beiden  Formeln  folgt  noch: 
«  +  51  =  5t; 
dies  ist  die  Bedingung,  unter  welcher  eine  Gerade  a  in  einer 
Ebene  51  liegt. 

Betrachtet  man  in  der  letzten  Formel  a  und  5t  als  Grössen, 
so  muss  entweder  5t  =  oo  oder  a  =  0  gesetzt  werden,  d.  h, : 
die  Ebene  enthält  eine  unbestimmte  Menge  von  Geraden-,  die 
Gerade  hat,  mit  der  Ebene  verglichen,  keine  Grösse, 

Anm.  Die  Construction  einer  Ebene  aus  zwei  Geraden  ist  über- 
flüssig, da  alle  Constructionen  in  einer  a  priori  gegebenen  Ebene  aus- 
geführt werden. 


—    23    — 


Um  die  übrigen  Bestimmimgsw eisen  einer  Ebene  zu  for-  38. 
muliren,  setzen  wir  in  der  Formel: 

a  -]-  Ä  für  a 

und       h  -\-  B  im  h,  ^ 

wobei  Ä   auf  a  und  B  auf  h 

liegt;  so  folgt: 

a-^h-\-(A-{-B)  =  '^A, 

oder,  wenn 

A-\-B  =  c  ist: 

a-\-h-{-c 

d.  li. :  ^venn  stvei  Geraden  a  und  h  in  derselben  Ebene  liegen, 

so  liegt  jede  Gerade  c,  ivelche  zivei  beliebige  Punkte  Ä  und  B 

auf  a  und  b  verbindet,  ebenfalls  in  dieser  Ebene. 

Wenn 

a  -\-  b  -{-  c  =  vi\ 

so  ist  auch:  ,    ,  ^^ 

6  +  c  =  Vt , 

oder:  b -\-  Ä -]-  B  =^  %, 

oder,  da  b  -\-  B  =  b   ist: 

b-i-Ä=^%, 

welches  der  Ausdruck  für  die  siveite  Bestimmung  der  Ebene  ist. 

Setzt  man  noch: 

so  erhält  man:  «    .    7)    i     t^       <.^( 

A  -\-  1)  -\-  V  =  ^i\ 

als  dritte  Bestimmung  der  Ebene. 


IL    Grössen  im  Gebiete  der  Ebene. 

a)  Einzelne  U rossen. 

A,    Abgeleitet  aus  einer  beweglichen  Geraden. 

5(.  Grössen,  durch  Schiebung  einer  Geraden  erzeugt. 

1.   Bewegung  einer  Geraden. 

Ein   von    zwei   Geraden    mit    verschiedener  Lage   eiuge-39. 
schlossener    Theil    der   Ebene    heisst   Ebenenstreifen.      Seine 
Grösse  ist  unbestimmt;    denn  da  die  Gerade  nicht  begrenzt 
ist,  so  ist  auch  ein  durch  ihre  Bewegung  erzeugtes  Gebilde 
nicht  vollkommen  bekreuzt. 


—    24     - 

Aum.    Zwei  Geraden  mit  verschiedener  Lage  aber  gleicher  Rich- 
tung heissen  parallel. 

40.  Die  Grösse  der  JBeivecjung  der  Geraden  wird  durcli  die  von 
einem  ihrer  Punkte  zurückgelegte  Strceke  bestimmt.  (Vgl. 
Anm.  in  33.)  Die  Grössen  mehrerer  aufeinanderfolgender 
Bewegumjcn  verhalten  sich  daher  wie  die  entsprechenden 
Theile  der  von  einem  beliebigen  Punkte  der  Geraden  im 
Ganzen  zurückgelegten  Strecke. 

2.   Bewegung  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Punktes. 

41.  Wenn  eine  Gerade  ihre  Lage  ändert,  so  ist  ihre  Bewe- 
gung entweder  eine  einartige  oder  eine  doppelte.  Im  letz- 
teren Falle  bewegt  sich  die  Gerade  noch  in  ihrer  eigenen 
Richtung  um  eine  Strecke  vorwärts;  im  ersteren  Falle  thut 
sie  dies  nicht.  —  Im  letzteren  Falle  aber  lässt  sich  die  dop- 
pelte Bewegung  in  zwei  nach  einander  folgende  einartige  Be- 
we'scunecen  zerleojen,  nämlich  in  ein  einfaches  Fortrücken  in 
der  Richtung  der  Geraden  und  in  eine  einfache  Lagenände- 
rung. Da  die  erste  dieser  beiden  Bewegungen  die  Gerade 
ungeändert  lässt,  so  ist  sie  auch  auf  deren  EndsteUung  ohne 
allen  EinÜuss. 

Demgemäss  kann  auch  ein  fester  Punkt  A  der  ersten 
Geraden  durch  geradlinige  Bewegung  jeden  beliebigen  Punkt 
jB  der  zweiten  Geraden  erreichen.  Diese  verschiedenen  Be- 
Avegungen  werden  durch  die  verschiedenen  Richtungen  be- 
stimmt, welche  der  Punkt 
A  einschlagen  kann.*) 

Jede    dieser    Bewegun- 
gen  des  Punktes  A,   z,  B. 
von  A  nach  i',    lässt  sich 
in  ztvei  Betvegungen  von  be- 
stimmter, unveränderlicher  Richtung  zerlegen,  nämlich  1.  in 
eine  Bewegung  von  A  nach  C,   welche  diejenige  Strecke  er- 
zeugt, um  welche  die  Gerade  in  ihrer  eigenen  Richtung  fort- 

*)  Da  für  jede  dieser  Richtungen  der  am  Schluss  von  40.  aus- 
gesprochene Satz  gilt,  s6  folgt  ohne  weiteres  der  andere  Satz,  dass, 
wenn  zwei  sich  schneidende  Geraden  von  einer  Anzahl  Parallelen  ge- 
schnitten loerden,  der  Quotient  zweier  ztoischen  denselben  Parallelen 
liegenden  Strecken  überall  fiumerisch  denselben  Werth  Imt. 


jS 

<&) 

/ 

y"' 

A 

t 

" 

<aj 

-    25    — 

rückt,  2.  in  eiue  Bewegung  von  C  nach  JB,  welche  diejenige 
Strecke  erzeugt,  um  welche  die  Gerade  ihre  Lage  ändert. 

Da  nun  die  Lagenänderuug  einer  Geraden  allemal  durch 
diejenige  eines  Punktes  auf  ihr  bestimmt  wird,  so  ergiebt 
sich  Folgendes: 

1)  Die  Strecke  {A  —  i»)  stellt  die  doppelte  Bewegung 
dar,  welche  die  Gerade  erleidet,  wenn  A  nach  B  rückt. 

2)  Die  Strecke  {A  —  C)  ist  diejenige,  um  welche  die 
Gerade  in  ihrer  eigenen  Richtung  fortrückt, 

3)  Und  es  ist  die  Strecke  {G  —  B)  diejenige,  welche  die 
einartige  Bewegung  der  Geraden  ausdrückt. 

Die  Strecke  (C  —  B)  heisst  die  Entfernung  der  beiden 
Geraden. 

Bezeichnen  wir  den  Lagen  unterschied  der  beiden  Ge- 
raden (a)  und  (h)  mit  («)  —  (b),  so  ist 

(a)  —  {h)  =  {C—B)  =  a 
als  Ausdruck  des  Gesetzes  3).  —  Hieraus  folgt: 
(rt)  =  (b)  +  a    5     b  =  (a)  —  a] 

d.  h. :  durch  eine  Parallele  und  die  Entfernung  von  ihr  ist 
die  andere  bestimmt. 

Die  Strecke  (C  —  B)  bezeichnet  auch  die  Entfernung 
des  Bunlites  G  von  der  Geraden  (b),  und  des  Punktes  B  von 
der  Geraden  (tt);  denn  da 

{a)-j-{b)  =  %  =  (a}-j-B, 
so  ist  auch: 

(a)-B  =  (a)-{b), 

d.  h. :   eitle  Barallele  (b)  ist  bestimmt,  ivenn  ein  Punkt  (B) 
auf  ihr,  und  die  andere  Parallele  {et)  gegeben  sind. 
Ferner  ist 

(«)  _  B  =  G  ~  B] 

d.  h.:  es  giebt  auf  einer  Geraden  (a)  nur  einen  Punld  G, 
dessen  Entfernung  von  einem  äusseren  Ptmlde  B  gleich  der 
Entfernung  der  Geraden  von  diesem  Punkte  ist. 

3.   Bewegung  einer  auf  der  Geraden  liegenden  Strecke. 

Aendert  eine  Strecke  a  ihre  Lage  in  der  Ebene  so,  dass  40. 
sie  in   «j   übergeht,    so   erleidet    der   Lagenunterschied  ihrer 


26 


Endpunkte   keine  Veränderung.     Ist  also  {Ä  - 
fangs-  und  A^ — l)i  ihre   Endstellung,  so  ist: 

{Ä  -  B)  =  {A, 


Hieraus  folgt: 

{A  -  A,)  =  {B 
und  umgekehrt. 


B)  ihre  An- 

B,). 


d.  h. :  Anfangs-  und  Bndptmlä 
der  hciveytcn  Strecke  legen  gleiche 
und  gleichgerichtete  Strecken 
zurück. 


Wenn  zwei  Punkte  in  einer 
Ebene  gleiche  und  gleichgerich- 
tete Strecken  heschreihen,  so  bleibt 
ihre  Entfernung  ungeändert. 


Anm.  Die  Construetion  einer  Strecke  [A^  —  J5,),  die  mit  einer 
gegebenen  [A  —  B)  gleich  und  gleichgericlitet  ist,  geschieht  mit  Hilfe 
des  Cirkels. 

Aufgabe:     Durch   einen   ausserhalb    einer   Geraden    gegebenen 

.f  -jf         ,     Punkt  A  die  Parallele  zu  ziehen.  —  Man 

-'''  /""■-,  -wähle  auf  der  Geraden  JB  und  C  beliebig, 

, ,         und  beschreibe  aus  C  mit  {A  —  £) ,  aus 

Jf  ^'  A  mit  (ß  —  C)  Kreislinien.     Deren  dies- 

seitigen Durchschnittspunkt  D  verbinde  mau  mit  A,  dann  ist  [A  —  D) 
=  {B-  C). 

43.         Sei  {A  —  B)  =  a]   {A  —  A{)  =  b] 
dann  ist: 

A^  —  B=  a  —  b     5     A  —  B^=-  a  -\-b, 

d.  h. :  die  Summe  zweier  mit  Anfangs-  und  Endpunkt  anein- 
ander gelegten  Strecken  ist  die  Strecke  zwischen  ihren  anderen 
Endpunkten;  die  Differenz  ziveier  mit  ihren  Anfangs-  oder 
Endpunkten  zusammengelegten  Strecken  ist  die  Strecke  zwischen 
ihren  End-  oder  Anfangspunkten.*) 

Anm.  Die  Zulässigkeit  einer  Addition  von  zwei  Strecken,  die 
nicht  in  derselben  Geraden  liegen,  sondern  nur  in  dersell^en  Ebene, 
folgt  daraus,  dass,  wie  oben  (38.)  gezeigt  wurde,  die  Verbindungsstrecke 
zweier  Punkte  von  sich  schneidenden  Geraden  in  der  Ebene  dieser  Ge- 
raden liegt. 

Setzen  wir  in  den  letzten  Formeln  für  a  und  b  ihre 
Werthe,  so  lauten  sie: 

{A,  -  B)=  (A  -  B)  -  {A  -  A,)', 
(A  -  B,)  =  {A-B)-\-(B-  B,), 
{A-B)-\-{B-B,)-\-  (B,  -A)  =  0. 

*)'Vgl.  G.  A.  II.  220. 


oder: 


A-\-B,         B  +  A, 


—     27     — 

Analog  wird  man  die  Summe  beliebig  vieler  Strecken 
bilden,  und  das  Gesetz  aufstellen:  Die  Summe  von  helicbig 
vielen  hintereinander  gelegten  Strecken  ist  Null,  wenn  der 
Endimnld  der  letzten  mit  dem  Änfangspunläe  der  ersten  zu- 
sammenfällt. 

Die  Formeln  in  42.  kann  man  übereinstimmend  schreiben:  44. 

Ä  -\-  B^  =  B  -\-  A^  Wenn  zivei  Strecken  in  der  Ebene 

oder:  gleich  und  gleich  gerichtet  sind,  so 

haben  die  Strecken  zivisehen  dem 
Anfangsxmnkte  der  einen  und  dem 
Endpunkte  der  anderen  denselben 
HaTbirungspunkt. 

4.  Bewegung  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Linientheils.  — 
Das  Parallelogramm. 

a)  Einmalige  Bewegung  des  Linientheils.  — 
Ein  Parallelogramm. 

Durch  begrenzte  Bewegung  eines  Linientheils  entsteht  45. 
ein  Theil  einer  Ebene,  der  Parallelogramm  genannt  wird. 
Dasselbe  ist  vollkommen  begrenzt,  also  eine  Grösse,  weil  der 
dasselbe  erzeugende  Linieutheil  selbst  vollkommen  begrenzt 
ist.  —  Als  Grenzen  am  Parallelogramm  heissen  die  beiden 
Linieutheile  Seitenlinien,  ebenso  die  von  ihren  Endpunkten 
erzeugten  Linientheile.  Die  Endpunkte  selbst  heissen  Eck- 
punkte. 

Ein  Parallelogramm  %  ist  durch  seine  beiden  „Gegen- 
seiten" a,  b  vollkommen  bestimmt.  Als  vollkommen  begrenz- 
tes Gebilde  ist  es  namentlich  auch  seiner  Grösse  nach  be- 
stimmt. —  Da  aber  sowohl  die  Richtung  der  erzeugenden 
Gegenseiten,  als  die  Seite  der  Bewegung,  durch  die  es  ent- 
standen (die  Richtung  der  beiden  anderen  Gegenseiten)  zwei- 
deutig ist,  so  muss  diese  Zweideutigkeit  durch  die  Bezeich- 
nung beseitigt  werden.  Nun  erhält  es  durch  Vertauschung 
von  a  und  b  die  entgegengesetzte  Seite  (1.  2.) 

Durch  Vertauschung  von  a  mit  ( —  a),  von  b  mit  ( —  b)  er- 
hält das  Parallelogramm  ebenfalls  entgegengesetzte  Seite  (1.  o.). 

Durch  successive  Ausführung  beider  Operationen  bleibt 
das  Parallelogramm  ungeändert  (1.  2.  4.  oder  1.  3.  4.). 


—    28 


Also  entspricht  die  Ableitimg  eines  ParalMo<jramms  aus 
zwei  Linienthcilen  der  Ableitung  einer  Differenz  aus  Minuend 
und  Subtrahend;  wir  können  daher  sagen: 


6 

V 

/ 

/ 

« 

1-6/ 

\ 

^•\ 

X 

^^^y 


(-6)-(-«)  =  5(. 


Die  Differenz  (Lageuuuterscliied) 
von  zwei  gleichen  und  gleich 
gerichteten  Linientheilen  a  und 
h  ist  das  durch  dieselben  be- 
stimmte Parallelogramm  ^(. 

Die  von  den  Endpunkten  der  Seite  a  beschriebeneu  Linien- 
theile  können  ebenfalls  als  Anfangs-  und  Endstellung  eines 
Linientheils  betrachtet  werden,  wobei  dann  a  und  h  die  von 
dessen  Endpunkten  beschriebenen  Linientheile  sind. 

Anm.  Die  beiden  Verbindungsstrecken  zwiscbea  je  zwei  gegen- 
übcrliegeudou  Eckpunkten  des  Parallclograranis  heissen  Diagonalen.  — 
Ferner  sei  im  Voraus  bemerkt,  dass  der  von  zwei  Seitenlinien  und 
einer  Diagonale  Ijegrenzte  Tlieil  des  Parallelogramms  Dreieck  beisst, 
überhaupt  jeder  Theil  der  Ebene,  der  von  n  strecken  mit  der  Summe  0 
begrenzt  ist:  w-Eck  {Vieleck). 

Ist  die  Lagenänderung  der  Geraden ,  auf  welcher  der  Linientheil 
liegt,  einartifj,  so  beisst  das  rarallelogramm  Rechteck.  —  Sind'  alle  vier 
Seitenlinien  gleich  gross,  so  beisst  es  Haute,  tretfen  beide  Bedingungen 
zusammen:   Quadrat. 


b)  Mehrmalige  Bewegung  des  Linientheils.  —  Mehrere 
Parallelogramme.*) 

46.  Wenn   ein  Linientheil  a  durch   Lagenänderung  erst  das 

Parallelogramm    5t  (=  a  —  h) ,    dann    23  (=  h  —  c)    erzeugt, 


"=)  Vgb  G.  A.  L  §  5G. 


—    29    — 

so  kann   er   statt   dessen    das   Parallelogramm   6  (=  (i  —  c) 
beschreiben,   indem   er   direct  von  a   naeli  c   geht.     Da  nun 

(a  -h)-^{h  -  c)  =  («  -  c), 
so  ist  das   letztere  Parallelogramm  die 


Summe  der  beiden  ersteren,  d.  h.:   die^ \ — ^ 

Summe  ziveier  mit  Ena-  und  Anfangs- 
seite  aneinander  gelegten  Parallelo- 
gramme   (falls     nämlich    diese    Seiten  ^' ^ ^- 

gleich   sind)   ist  das  Parallelogramm  zwisehen  ihren  anderen 
Endseiten. 

Durch  Anwendung  des  Begriffs  der  Suhtraction  findet  man  47. 
(a  —  h)  =  (a  —  c)  —  {b  —  e), 
d.  h.:   die  Differenz  ziveier  mit  End-  und  Anfangsseite  auf- 
einander gelegten  Parallelogramme  (falls  nämlich  diese  Seiten 
gleich  sind)  ist  das  Parallelogramm  zwisehen  iliren' anderen 
Endseiten. 

Liegen  die  Seiten  a  und  h  auf  derselben  Geraden,  so  ist  48. 
a  =  h,  und  {a  —  c)  —  («  —  c)  =  0  =  {a  —  a). 

Liegen  die  Seiten  a  und  c 
auf  derselben  Geraden,  so  ist 
a  =^  c,  also: 

(a  —  V)  =  («  —  «)  —  (^  —  ''0 

=  -{h-a)  =  -{h-c), 
d.  h. :  Kehrt  ein  Linientheil,  der  ein  Parallelogramm  be- 
schrieben hat,  auf  einem  anderen  Wege  in  die  erste  Gerade 
zurück,  so  sind  die  beiden  entstandenen  Parallelogramme  ent- 
gegengesetzt, aber  gleich.  {Parallelogramme  ziviscltcn  den- 
selben Parallelen  sind  gleich.) 

Parallelogramme   mit  entgegengesetzter  Seite  werden  also 
behandelt  ivie  Zahlen  mit  entgegengesetzten  Vorzeiehen. 

Aus  49.  folgt  noch:  50. 

{a  —  h)  -{-{b  —  a)  =  0, 

und    die   Formel   4G.   lässt    sich    in    folgenden    drei    Formen 
schreiben : 

{a-b)  =  {a-c^^{c-by, 

(b  -  c)  =  {b  —  «)  +  (^*  — ^O; 

(^a-ey=(b-c)  -\-ia-b); 


-    30    — 

alle  drei  aber  geben: 

{a  —  6)  +  (&  —  c)  +  (c  —  a)  =  0, 

womit   die  Ausdelmimg    unserer  Formel    auf  mehr  als   zwei 
Parallelogramme  eingeleitet  wird. 

51.  Anwendung  des  Begriffs  der  Multiplication.  —  Seien  v 
Parallelogramme  auf  einer  Ebene :  {a  —  b),  (h  —  c),  (c  —  d)  ... 
(m  —  n)  einander  gleich,  so  kann,  wenn 

(a  _  6)  =  (&  —  c)  =  •  •  •  =  (w  —  n)  =  2( 
ist,  die  Summe  derselben: 

(rt  —  n)  =  V  .  31 
gesetzt  werden.     Sei  ^ 

(a  —  n)  =  ö, 

so  ist:  6  =^  V  .  %, 

oder:  ö  :  5t  =  z^, 

d.   h.:    der    Quotient    zweier    Parallelogramme    auf  derselben 

Ebene  ist  eine  Zahl. 

52.  Die  von  den  Endpunkten  der  Seite  a  beschriebenen  Linien- 
theile  bilden  zwei  congruente  Dreieclie,  oder,  wenn  mehr  als 
drei  Bewegungen  stattfinden,  Vielecke,  die  man  als  Anfangs- 
und Endstellung  desselben  Vielecks  ansehen  kann.  Die  Linien- 
theile  «,  b,  c  werden  alsdann  von  den  Eckpunkten  des  Viel- 
ecks beschrieben. 

53.  Eriveiterimg.  1)  Es  seien  die  Parallelogramme,  die  von 
den  Seiten  a,  b,  c  eines  Dreiecks  bei  vier  successiven  Bewe- 
gungen beschrieben  werden,  mit  2(i93i(^i,  512  330^2;  ^ts^g^g, 
5I4334S4  bezeichnet;  so  hat  man  allgemein,  wenn  das  Dreieck 
in  seine  ursprüngliche  Lage  zurückgekehrt  ist: 

f  51,  +  2I2  +  3I3  +  5I4  =  0.  r  5ti  +  25i  +  61  =  0. 

1)  Pi  +  232  +  333  +  334  =  0.  J5(2  +  «2  +  62  =  0. 

[(5,  +62+63  +  64  =  0.         ^     3(3  +  333  +  63  =  0. 

3(4  +  334  +  64=0. 
a)   Setzt  man  nun   (^.^  =  0,    iög  =  0  (was   der  neben- 
stehenden Figur  entspricht) ,  so  erhält  man : 

3(i  +  33,  +  6,  =  0; 
©,  +  332  +  i34  =  0;        3(2  +  332  =  0; 
folglich :  ■  (3t,  +  3(2)  +  (33,  +  332)  =  -  6, ; 

oder,  da  (33,  +  332)  =  —  ^4  ist: 


^    31    - 


(2(1  + 3g  =  33, -6,. 
Sucht  mau  in  der  Figur 
das  Parallelogramm 


sowie 
23. 


4  U    3 j  und  (f,  h    4)  ,     \  • 


so  findet  sich ,  dass  die  letzte 

Formel  den  Saf0  des  Fappus  ausdrückt. 

b)  Nimmt  man  nur  drei  Bewegungen  an,  sodass 

2^4  =  334  =  64  =  0, 

2t2  =  0,     23i  =  0, 

^1  +  6.  =0; 

(51  +  62+^3  =  0;     232  +  ^2  =  0; 


und  setzt 
so  folst: 


folglich : 


(5ti  +  232)  +  ((^1  +  «•.)  =  0, 


oder,   da  (Jj  +  6^  =  —  (5^  ist: 


54. 


-     32     - 

Ist  insbesondere  die  erste  Bewegung  gleich  a,  die  zioeite 
gleich  h,  die  dritte  gleich  c,  so  sind  die  Parallelogramme 
Rauten,   und,   wenn   die   Lagenänderungen   von   a,  h,  c  der 


Reihe  nach  einartig  sind,  Quadrate.    Im  letzteren  Falle  stellt 
unsere  Formel  den  Satz  des  Pythagoras  dar, 
55.         2)  Aufgabe:   Zu  beweisen,    dass  die  Linien,   welehe  die 
Mitten  der  vier  Seiten  eines  Vierecks  der  Reihe  nach  verbin- 
den, ein  ParaUelogramm  bilden. 
Wenn 


H=F—G,   w.  z. 


c)  Bewegung  eines  Parallelogramms  auf  einer  Ebene. 

56.  Bewegt   ein   Parallelogramm   %  sich    beliebig    auf  einer 

Ebene  vorwärts,  und  ist  {a  —  b)  seine  Anfangs-,  («,  —  />]) 
seine  Endstellung,  so  erleidet  der  Lagenunterschied  der  er- 
zeugenden Gegenseiten  keine  Aenderung;  also  ist 


Hieraus  folgt: 


Wenn  zwei  gleich  gerichtete  Li- 
nientheile  ihre  Lage  um  gleiche 
Grössen  ändern,  so  hleiht  ihr 
Lagemmterschied  ungeündert. 


^. 


und  umgekehrt; 

d,  h.:  Anfangs-  und  Endseite 
des  bewegten  Parallelogramms 
heschreihen  gleiche  Parallelo- 
gramme. 

Sei  {a  —  h)  =  %;  {Ä  —  . 
Dann  ist 

d.  h. :  die  Summe  aus  einem  Parallelo- 
gramm und  seiner  Endseife  ist  seine 
Anfangsseite. 

Ferner : 

h  =  a  —  A     •     rf,  <=^  a  —  ^5 
d.  h,:   die  Differenz  aus  der  Anfangsseite  und  dem  Parallelo 
gramm  ist  die  Endseite. 

Ferner: 

/>_,,,  =33  — 5(     ;     a  —  h,=%-\-^. 

Die  Formeln  in  56.  werden  gleichlautend,  wenn 
rf,  =  h  =  1))',     also     ?X  =  iß 
Beide  lauten  dann: 


57. 


-4 


a  —  m  =  m  —  0, , 
m  ist  von  a  und  5,  gleiehweit 


-^ 


_v 


d.h. 

entfernt;  m  heisst  die  3Iitfellinie  zwi- 
schen a  und  &j ,  oder  die  Halbirunqslinie  des  Parallelogramms 
{a  -  &0- 

Aus  der  letzten  Formel  folgt: 

a  -{-  6,  =  m  -\-  m  =  2  m,     Die  halbe  Summe  ztveier  gleichen 

T  rt  4-  &,       '  und   gleich    qerichteten    Linien- 

oder:        m  =  — -—'  ^,    .,  '.  ,   .,    '    ,^.^.  „.    . 

-  f heile  zst  ihre  Mittelhme. 

Ferner  ist  in  diesem  Falle: 
(?>  — ffi)=0,  (^/ —?>,)  =  2 51,     Die   Halbirungslinie   theilt   das 
a  —  bt  Parallelogramm  in  zivei  gleiche 

~'  Theile. 


oder: 


51  = 


Sclilegfl,  S)-ät.  (1.  Raumlehre. 


-    34    -^ 

59.  Die  Formeln  in  56.  kann  man  übereinstimmend  schreiben : 

(i  -|_  ?>j  =  &  -|-  a^ ;  Wenn     zwei     Faralleloyramme 

Qf\QY:  gleich,    und  ihre  Anfangsseiten 

a-\-h        h  4-  a  gleich  und  gleich  gerichtet  sind, 

2  "  "^      2      ^^  ^'^  ■  so    haben   die    Farallelogramnie 

zwischen  der  Anfangsseite  des 
einen  und  der  Endseite  des  an- 
deren dieselbe  Halbirungslinie. 

60.  öie  Formel  a  —  m  =  m  —  &,  lässt  sieh  auch  schreiben: 

(m  —  b\)  ~\~  (^'^  ~  '^O  =  ö- 

Nunmehr  Kisst  sich  der  Begriff  der  Mittellinie  dahin  er- 
weitern, dass  man  sagt:  Für  v  gleiche  und  gleich  gerichtete 
Linientheile  a,  b,  c  .  .  .  n  auf  einer  Ebene  ist  derjenige 
Linientheil  die  Mittellinie,  welcher  der  Bedingung  genügt: 

{m  —  a)  -\-  {m  ~  h)  -{-•••  -\-  {m  —  n)  =  0, 


oder: 


a  4-  b  4-  ■  •  ■  4-  n 

m  =  — ' ' ' 


61.  Parallelogramme,  die  nicht  an  einander  liegen,  werden 
erst  nach  56.  aneinander  gelegt,   und  dann  nach  46.  addirt. 

62.  Sei  die  Summe  von  n  Parallelogrammen  dieser  Art  gleich 
Null,  so  können  wir  (anah)g  wie  im  Gebiete  der  Geraden) 
für  jeden,  der  Erzeugungsseite  gleichen  und  gleich  gerichteten 
Linientheil  r  den  Satz  ableiten,  dass  die  Parallelogramme, 
ivclche  aus  r  und  den  Anfangsseiten  gebildet  sind,  dieselbe 
Summe  geben,  wie  die  aus  r  und  den  Endseiten  abgeleiteten. 

63.  Fallen  insbesondere  die  Endseiten  alle  in  eine  Gerade 
und  sind  durch  m  bezeichnet,  so  erhält  man  den  Satz :  Wenn 
in  einer  Ebene  v  gleiche  und  gleich  gerichtete  Linientheile  ge- 
geben sind,  so  ist  für  jeden  anderen  gleich  langen  und  gleich 
gerichteten  Linientheil  der  Ebene  die  Summe  der  Farallelo- 
yramme mit  diesen  Linientheilen  gleich  dem  v  fachen  Farallelo- 
yramme mit  ihrer  Mittellinie. 

Anm.  Die  Aufgabe:  die  Mittellinie  zwischen  einer  Anzahl  gleich 
langer  und  gleich  gerichteter  Linientheile  zu  suchen,  ist  hierdurch 
zurückgeführt  auf  die  Aufgabe:  ein  gegebenes  Parallelogramm  in  n 
gleiche  Theile  zu  theilen. 


35 


33.    Grössen,   durch  Drehung   einer  Geraden   erzeugt. 

a.   Drehung  um  einen  auf  der  Geraden  liegenden  Punkt. 

1.   Bewegung  einer  Geraden.  —  Der  Winkel. 

a)   Einmalige  Drehung   der  Geraden.    —  Ein  Winkel. 

Ein  von    zwei    Geraden    mit    ungleicher    Richtung    ein-  64. 
geschlossener  Theil    der  Ebene    heisst  Ehcnenivinlel.     Seine 
Grösse  ist  ebenso  unbestimmt  wie  die  eines  Ebenenstreifens, 

Anm.  Zwei  Geraden  mit  derselben  Lage,  aber  ungleicher  Rich- 
tung heissen  „sich  schneidend^''.  —  Ihr  Drehungspunkt  heisst  Durch- 
schnittspunkt  der  Geraden. 

Um  die  Grösse  der  Bewegung  der  Geraden  bestimmen  65. 
zu  können,  ist  ein  neuer  Begriff  erforderlich,  da  diese  Bewe- 
gung nicht  mehr  eine  Schiebung,  sondern  eine  Drehung  ist. 
Wir  bezeichnen  den  Richtuugsunterschied  der  beiden  Geraden 
mit  dem  Namen  „  Winkel ".  —  Wie  die  Lagenunterschiede 
durch  die  Strecke,  so  werden  die  Richtungsunterschiede  durch 
den  Winkel  bestimmt.  Derselbe  hat  nur  die  Eigenschaft  der 
Grösse. 

Anm.  Die  Grösse  einer  Drehung  ist  durch  kein  reines  Ausdeh- 
nungsgebilde  absolut  darstellbar.  —  In  ihrer  Beurtheilung  muss  das 
Auge  sich  ebenso  üben,  wie  in  derjenigen  der  Bewegungsgrösse  eines 
Punktes,  wenn  nur  Anfangs-  und  Endstelluug  desselben,  nicht  aber 
der  verbindende  Linientheil  gegeben  ist.  —  Der  Winkel  ist  also  kein 
Ausdehnungsgebilde,  sondern  eine  arithmetische  Grösse.  —  Und  wäh- 
rend die  Strecke  durch  das  entsprechende  Ausdehnungsgebilde  des  Li- 
nicntheils  veranschaulicht  werden  kann,  fehlt  es  dem  Winkel  an  einem 
entsprechenden  Ausdehnuugsgebilde,  welches  seine  Grösse  absolut  dar- 
stellte. Doch  werden  wir  ein  anderes  Ausdehnungsgebilde  kennen  ler- 
nen, welches  wenigstens  zur  relativen  Darstellung  der  Grösse  von  meh- 
reren Winkeln  dienen,  und  so  in  die  Lücke  eintreten  wird. 

Für  die  Bestimmung  des  Winkels  ist  es  natürlich  nöthig, 
auf  jeder  der  beiden  Geraden  nur  eine  ihrer  beiden  Richtun- 
gen festzuhalten.  —  In  Bezug  auf  den  Winkel  heissen  die 
beiden  Geraden  Schenkel;  insbesondere  führen  sie  diesen  Na- 
men von  ihrem  Durchschnittspuukte  aus;  letzterer  Punkt  heisst 
Scheitel{punkt)  des  Winkels, 

Wenn  eine  Gerade  a  durch  Richtungsäuderuug  in  h  über-  66. 
gegangen  ist,  so  ist  die  Lage  des  Drehungspunktes  0  für  die 
neue  Gerade  h  nur  insoweit  von  Einfiuss,  als  ihre  Lage  davon 

3* 


—     30     — 

abilängt.  —  Es  entstehen  also  durch  gleicli  grosse  Drehungen 
einer  Geraden  iim  verschiedene  ihrer  Punkte  auch  gleich  se- 
richtete  Geraden,   d.  h.: 

Haben  zwei  Geraden  gleichen  Richtungsunterschied  gegen 
eine  dritte,    so   haben   sie   auch   gleiche  Richtung,    und   um- 
gekehrt. 
67.  Bei  fortgesetzter  Umdrehung  um  den  Punkt  0  muss  die 

Gerade   a   allmälig   edle  durch 
^^^^  ^^^-^"^^    0   möglichen    Richtungen   an- 

nehmen ;  d.  h.  alle  Richtungen^ 
welche  der  Punkt  0  selbst  an- 
--^^  ^"^"^-.^  nehmen  könnte,  wenn  er  sich 

bewegte.    Schliesslich  muss  sie 
in  die  ursprüngliche  Richtung  a  zurückkehren.    Man  hat  dann: 
a  =  a-^     oder     a  .  {-\-  1 )  =  «  . 
Die  Grösse  derjenigen  Drehung,   welche  eine  Gerade  in 
ihre    ursprüngliche   Richtung   zurückführt,    kann    durch    den 
Factor  (-|-  1.)  ausgedrückt  werden.    Der  einer  solchen  Drehung 
(einer  „ganzen  Umdrehung")  entsprechende  Winkel  kann  ein 
geschlossener  Winkel  genannt  werden.     Und:    Multiplication 
einer  Geraden  mit  (4-  1)  hedeutet  eine  ganze    Umdrehung 
der  Geraden. 
G8.  Eine  Drehung  von  ebenfalls  bestimmter  Grösse  wird  die 

Gerade  a  in  die  entgegengesetzte  Richtung  bringen,  d.  h.  (+  a) 
in  ( —  a)  verwandeln.     Man  hat  dann: 

_    «.(-!)  =  (-«). 
Die   Grösse    derjenigen   Drehung,   welche   eine   Gerade  a  in 
die  entgegengesetzte  Richtung  bringt,  ist  hiernach  durch  den 
Faötor  ( —  1)  auszudrücken.    Der  entsprechende  Winkel  heisst 
ein  gestreckter  Winkel.  —  Ferner  ist: 

(—  a)  (—  1)  =  «;,  a  .  ( —  l)''^  =  «; 
d.  h.:  Eine  weitere  gleich  grosse  Drehung  führt  die  Gerade 
aus  der  entgegengesetzten  Richtung  in  die  ursprüngliche 
zurück.  —  Der  gestreckte  Winkel  ist  also  die  Hälfte  des 
geschlossenen.  Und:  Midtiplication  einer  Geraden  mit  ( —  1) 
bedeutet  eine  halbe  Umdrehung  der  Geraden. 
G9.  Suchen  wir   endlich    denjenigen   Factor  x  zu  ermitteln, 

welcher  eine  Gerade  um  die  Hälfte  eines  gestreckten  Winkels 
dreht.     Dann  ist 


37 


b;     hx  =^  (—  rt); 


■  ah  =  ah  ( —  1); 
X  =  j/—  l  =i. 


a  .  X 
multiplicirt  giebt  dies: 

ah  .  x"^  =  - 

oder :  ,  ^ 

x^  =  —  1 ; 

Die  Grösse  derjenigen  Drehung,  welche  der  Hälfte  eines 
gestreckten  Winkels  zukommt,  ist  also  durch  l/ —  1  zu  be- 
zeichnen. Der  entsprechende  Winkel  heisst  rechte}'  WinJcel, 
und  wird  durch  R  bezeichnet.  Die  gegenseitige  Richtung 
der  Geraden  a  und  h  heisst  senkrecht  {normal). 


r^6) 


\ 


('fV 


Hiernach  ist: 

(+«)*  =  (+^)  *'  =  (+&) 
(+&)«  =  (+a)*^  =  (-«) 

(—  a)  i  =  (+  a)  i^  =  ( —  ^)      MJ^ '^''^^^ 

(-  b)  ^  =  (+  «)  ^'  =  (+  «). 
d.  h.:  durch  ¥ier  successive 
Drehungen  von  gleicher  Grösse 
{i)  gelangt  die  Gerade  a 

1.  in  die  zu  a  senkrechte  Richtung  &; 

2.  in  die  zu  a  entgegengesetzte ,  zu  h  senkrechte  Richtung 

(—  «) ; 

3.  in  die  zu  a  senkrechte,  zu  h  entgegengesetzte  Richtung 

4.  in  die  mit  a  übereinstimmende,  zu  h  senkrechte  Rich- 
tung a. 

Also  entsprechen  jeder  der  vier  Richtungen   zwei   senk- 
rechte, untereinander  entgegengesetzte  Richtungen. 


Die  Drehung 

von  a  um 

wird  ausgedrückt  durch  den  Factor 

IR 

i'  =-\-i 

2R 

i'  =  -  1 

3E 

i^  =  —  i 

4E 

i»  =  +  1 

dR 

i^  =  -f  <•  =  i' 

6R 

i"  =  —  1  =  i- 

IR 

P  =  —  ?  =  r' 

8R 

«^  =  +  1  =  i' 

nR  •    '      *■''  =  + i,    —  1,    —*j    +  Ij 

wenn  n  =  U  +1,4/^  +  2,  4/.-  +  3,  Ak  (+  4) . 


—     38     - 

Fortgesetzte  Drehung  über  4  B  hinaus  führt  die  Gerade 
immer  wieder  in  solche  Richtungen,  die  sie  schon  früher  inne 
gehabt. 

Die  Fähigkeit  der  Zahl  i,  alle  Richtungsveränderungen 
einer  Geraden  durch  ihren  Exponenten  auszudrücken,  hängt 
mit  der  Thatsache  zusammen,  dass  der  rechte  Winkel  ebenso 
als  Mass  aller  Winkel  gebraucht  wird,  wie  irgend  eine  als 
Längeneinheit  bezeichnete  Strecke  als  Mass  aller  Strecken. 
Nur  ist  der  rechte  Winkel  ein  absolutes,  die  Längeneinheit 
ein  relatives  Mass.*) 

Eine  Gerade  mit  i"  multipliciren  bedeutet  also  nichts 
weiter  als:   dieselbe  Gerade  um  w  Rechte  drehen.     Dabei 
kann  n  jede  reelle  Zahl  vorstellen. 
70.  Wie  eine  Strecke   durch  ihre   beiden  Endpunkte,   so  ist 

ein  Winkel  durch   seine  beiden   Schenkel    (a,  b)   vollständig 
bestimmt. 

Durch  Vertauschung  von  a  und  b  erhält  der  Winkel  die 
entgegengesetzte  Seite  der  Ebene  (d.  h.  er  bleibt  ungeändert, 
wenn  man  ihn  von  der  entgegengesetzten  Seite  der  Ebene 
betrachtet). 

Hiernach  entspricht,  mit  dem  schon  gefundenen  Resultat 
übereinstimmend,  die  Ableitung   eines   Winliels  aus  ztvei  Ge- 


*)  In  der  höheren  Analysis  beweist  man,  dass 


wo  —    das    dem   rechten  Winkel  entsprechende  Ausdehnungsgebilde, 

gemessen  durch  eine  Strecke,  bedeutet.     Hieraus  erhält  man: 

n  .  n  . 

^■~  ^  =  e     ^    ;     i  =  e^  ; 
also:  .      „.       . 

Der  letztere  Factor  e"'  ist  derjenige,  dessen  sich  II.  Grass  mann 
zur  Bezeichnung  einer  Drehung  bedient  (vgl.  Ausdehnungslehre  I.  Vor- 
rede S.  XI  ff.).  Dagegen  hat,  wie  man  sieht,  in  der  elementaren  Dar- 
stellung *'"  den  Vorzug  der  grösseren  Einfachheit.  —  Die  letzte  Formel 
zeigt  übrigens  noch  den  Zusammenhang  zwischen  dem  Winkel  a  und 
dem  Winkel  E.    Wird  nämlich  die  Grösse  des  rechten  Winkels  durch 

die  Zahl  —  bezeichnet,  sodass  «  =  «•  —  =  wi?,  so  ist  eben  ^"  =  e"\ 


—    39    — 


raden  der  Ableitung  eines  Quotienten  -aus  Dividend  und  Divisor  \ 
man  kann  also  sagen:  üer  Quotient  zweier  Richtungen  ist 
der  durch  dieselben  bestimmte  Winkel.     In  Buchstaben: 


a  :h  =  i" 
b  :  a  =  l 


,l>i  ^^  ^•{—  «), 


Anm.  Winkel,  die  grösser  sind  als  ein  gestreckter,  heissen  convex; 
solche,  die  kleiner  sind:  concav.  Concave  Winkel,  die  grösser  sind  als 
ein  rechter,  heissen  stxunpf,  solche,  die  kleiner  sind:  spitz. 

Die  beiden  Drehungen,  durch  welche  h  aus  a,  und  «71. 
aus  h  entsteht,  heissen  entgegengesetzt,  und  werden  durch  die 
entgegengesetzten  Zeichen  im  Exponenten  von  i  unterschie- 
den. —  Jede  Gerade  a  kann  sich  hiernach  nacli  zivei  ent- 
gegengesetzten Seiten  um  denselben  Punkt  drehen,  und  kehrt 
in  beiden  Fällen  in  die  ursprüngliche  Richtung  zurück.  Von 
der  entgegengesetzten  Seite  der  Ebene  betrachtet,  erscheint 
die  zweite  Drehung  der  ersten  gleich. 

Folgende  Zusammenstellung  zeigt  die  Resultate  der  beiden 
Drehungen : 


a-i 


h-i' 
i''  =  h-i 


■  +1. 


a-  r 


a  •  r 


■  h-, 


'■  =  ~h. 


-\-a. 


a  •  T 


a  •  i' 


a-i~ 


a  •  'ir 


a  •  1-- 


~h. 


■a-^^ 


■  a  •  T, 


Jede   Gerade   a  kann    also    auch 
zwei  entgegengesetzten  Wegen  iji  die  Rich- 
tung h  gelangen. 

Sei  a  .  i'"-  =  h  der  eine,  und  a  .  i"  =  h 
der  andere;  dann  erhält  man  durch  Divi- 
sion: 


a  •  ( —  1 )  =  —  «  •  1  =  —  a. 

^  ■  ("f"  i)  ^^  -\-  n  •  i  =^  '\-  h. 
rt.(-f-l)  =  -|-a.l  =  _j-a. 
auf 


d.  h. 


oder) : 


(entweder 
m  —  ?i  =  0; 


m  —  n 


4; 


m 


m 


4  +  n; 


d.  h.:    die  absolute  Summe  der  beiden  Drehungen   ist  einer 
Umdrehung  gleich. 


—     40     —       • 

Anm.  Der  Doppelsinn  des  Quotienten  {b  :  ä),  der  sich  in  der 
doppelten  Bedeutung  i'"'  und  *"  wiederfindet  (selbst  wenn,  wie  gewöhn- 
lich, m  <<  4  genommen  wird),  pflegt  dadurch  beseitigt  zu  werden,  dass 
man  unter  {b  :  «),  wenn  nichts  weiter  bestimmt  ist,  denjenigen  Winkel 
i"*  versteht,  in  welchem  m  <;  2  ist,  d.  h.  den  concaven  Winkel. 

72.  Wie  jeder  der  beiden  Endpunkte  einer  Strecke,  so  kann 
auch  jeder  der  beiden  Schenkel  eines  Winkels  als  erzeugendes 
Gebilde  angesehen  werden.     Aus 

h  :  a  =  i'" 
folgt: 

a:h  =  j^  =  i-^  =  (}y=i-iy-. 

Zwei  Geraden  (a,-  h)  bilden  also  stets  einen  Winkel  in 
doppeltem  Sinne,  je  nachdem  a  oder  h  als  bewegte  Gerade 
angenommen  wird. 

Anm.  Die  entgegengesetzten  Drehungen  werden  durch  die  ent- 
gegengesetzten Exponenten  ausgedrückt;  die  entgegengesetzten  Seiten  der 
Ebene  dagegen  durch  die  entgegengesetzten  Zeichen  von  i.  —  Insbeson- 
dere sagt  die  Formel 

«:&  =  *-'«=(_  i)^  : 

Wenn  man  von  der  Drehung  a  nach  b  {b  :  a)  den  üebergang  zur  ent- 
gegengesetzten Drehung  b  nach  a  (a  ib)  machen  will,  so  muss  man 
entweder  die  Richtung  der  Drehung  auf  derselben  Seite  der  Ebene  in 
die  entgegengesetzte  verwandeln  {m  in  —  m)  oder  dieselbe  Drehung 
auf  die  entgegengesetzte  Seite  der  Ebene  übertragen  (+  i  in  —  i  ver- 
wandeln). 

73.  Auch  die  entgegengesetzten  Richtungen  von  a  und  b 
bilden  unter  sich,  und  mit  den  ursprünglichen  Richtungen 
Winkel,  sodass  im  Ganzen  überall,  wo  zwei  Geraden  sich 
schneiden,  vier  Winkel  entstehen,  nämlich: 

^^        -^b  ^    b  ^ 

o\      —  b  b 

2)     3—  = =  i« 

3)  ^: = +:-=•- 

4)    +-^  =  -1  =  ;.. 

'      —  a  a 

Hieraus  folgt:  Die  Winkel  der  entgegengesetzten  Rich- 
tungen {Scheitelwinkel)  sind  denen  der  ursprünglichen  gleich. 
{ScheifelwinJiel  sind  einander  gleich.) 


41     — 


Ferner  erhält  man: 

*'«  .  i»  =  _.  1 5 

*"'  +  «  =  —  1  ^ 

m  -\-  u  =  2, 

d.  h.:    die  Winkel,   welche  eine  Gerade  mit  den  beiden  ent- 

''-^J  Uff) 


oder 
d.  h 


r-aj 


r-^lj 


gegengesetzten    Richtungen    einer    anderen    bildet    {Nchen- 
tvinkcl)  betragen  zusammen  stvei  Hechte. 

Wenn  eine  Gerade  a  gleich  grosse  Drehungen  um  zwei  74. 
verschiedene   Punkte   0,   P  macht,    und 
dadurch  in  die  Richtungen  b,  &i  geräth, 
so  ist: 

a  .  i'^  =  b    und    a  .  i'"-  =  b^ ; 


I  b. 


d.  h.: 


A  b 


->a 


Dann   also   sind  die   neuen  Richtun- 
gen gleich,   d.  h.  die  Geraden  parallel. 

Die  Winkel,  welche  zwei  Parallelen  i 

mit  einer  dritten  Geraden  bilden,  heissen  '• 

entsprechende  (correspondirende)  Winkel. 

Ein  entsprechender  Winkel  und  der  Scheitelwinkel  des 
anderen  heissen  zusammen   Wechsehvinkel. 

Ein  entsprechender  Winkel  und  der  diesseitige  (auf  der- 
selben Seite  der  dritten  Geraden  liegende)  Nebemvinkel  des 
anderen  heissen  zusammen  Gegemvinkel. 

Ein  entsprechender  Winkel  und  der  jenseitige  (auf  ent- 
gegengesetzter Seite  der  dritten  Geraden  liegende)  Nebenivinkd 
des  anderen  heissen  zusammen  verschränkte  Winkel. 

Da  die  Parallelen  sowohl,  wie  die  dritte  Gerade,  in  dop- 
pelter   Richtung    genommen    werden    können,    so    sind    vier 


—     42     — 

Paare   entsprechender  Wiukel   vorhanden,    und   ebenso   viele 
Paare  von  jeder  der  übrigen  Arten,     Es  sind 


Entsprechende  W. 

Wechselw. 

Gegenw. 

Verschränkte  W. 

+  h          4-&, 
-\-  a     '     -f-a 

-\-  a     '     —  a 

+  a     ' 

4-6. 

—  a 

4-6 

-6, 

+  a 

—  6           -&, 

-h          +b, 

—  b 

—  b, 

—  a 

—  b 

4«   ' 

4-6. 

+  b          +b, 
—  a     '      —  a 

+  b          -b, 

-|--b 

4-6. 

+  a 

4-6 
—  a 

—  b 

—  a 

-b          -  b, 
—  a     '     —  a 

~h          -Hb, 
—  a     '     -j-  öt 

-  b 

-b, 
+  a 

-  b 

—  a 

—  a 

Hiernach  liegen 


zur  dritten  Geraden 


auf  derselben  S. 

auf  entgegenges.  S. 

1  oberhalb   i 
(unterhalb) 

Entsprechende  W. 

Verschränkte  W. 

j  innerhalb    i 
( ausserhalb ) 

Gegenwinkel. 

Wechselwinkel. 

Aus  der  Bezeichnung  dieser  Wiukel  folgt: 
Ein  Paar  entsprechende  oder  WechselwinJcel  sind  ein- 
ander gleich. 

Em  Paar  verschränMer  oder  Gegenwinhel  beträgt  zu- 
sammen zwei  Rechte. 


b)  Mehrmalige  Drehung  der  Geraden.   —  Mehrere  Winkel. 

75.  Wenn  sich  eine  Gerade  a  nach  derselben  Seite  erst  um 

mP  bis  h  und  dann  um  nP  bis  c  dreht,  so  hat  sie  sich  im 
Ganzen  um  (m  4"  ^0  -^  ^^^^  ^  ^^^  ^  gedreht.     Wenn  nun 
h  :  a  =  i"'\     c  :h  =  i"  ] 


so  ist: 


"  5     c  :  a  =  tP ; 

{h  :  a)  .  (c  :  h)  =-  {e  :  a)     oder     i"'-l- "  =  i'', 

d.  h.    m  -\-  n  =  j). 


-     43     — 


Demnach  ist  der  letztere  Winkel  das  Product  der  beiden 
ersteren;  oder:  Das  Froduct  sivcler  mit  dem  Scheitel  und 
einem  Schenkel  aneinander  gelegten  Winkel  ist  der  Winkel 
swisclicn  ihren  anderen  Schenkeln. 

Gleichgiltig  ist  es  dabei,   ob   die  beiden  Drehungen  um 
denselben  Punkt  0,  oder  um  zwei 
verschiedene   Punkte   0,    P   statt- 
finden. 

Im  ersten  Falle  heissen  die 
den  Zahlen  m  und  n  entsprechen- 
den Winkel  anstossende]  im  zivei- 
ten  Falle  bilden  die  drei  Geraden 
ein  Dreieck,  und  es  heissen  m, 
der  Scheitelwinkel  von  n,  und  der 
Nebenwinkel  zu  2>  (iß  abgekürzter 
Ausdrucksweise)  innere  Winkel  des 

Dreiecks;  die  Nebenwinkel  derselben  äussere  Winkel  des 
Dreiecks,  und  die  letzte  Formel  m  -\-  n  =  p  giebt  den  Satz : 
Der  Äussenwinkel  eines  Dreiecks  ist  gleich  der  Summe  der 
gegeniiherlicgenden  Innenwinkel.  —  Ist    ferner  q  der   innere 


,^^ 


^  ^     76. 


Nebenwinkel  von  j;,  so 
isi  p-\-q=2,  also  auch 
m  -\-  n-\-  q  =  2,  d.h.: 
die  drei  Innemvinkel 
eines  Dreiecks  betragen 
zusammen  zivei  Hechte. 
Durch  Anwendung 
des  BegriflFs  der  Divi- 
sion erhält  man : 

{h  :  a)  =  {c:  a)  :  [c  :  h)     oder     m  =  p  —  ?^ ;     n  =  p  —  m , 
d.  h. :   Der  Quotient  ziveier  mit  dem  Scheitel  und  einem  Schenkel 
aufeinander  gelegten    Winkel  ist  der    Winkel  zwischen  ihren 
anderen  Schenkeln. 

Fallen  die  Geraden  a  und  h  zusammen,  d.  h.  ist  a  =-  h;  77 
so  ist: 

{a  :  a)  =  {c  :  a)  :  (c  :  a)  =  1 

Fallen  die  Geraden  a  und  c  zusammen 
so  ist: 


=  0; 


n  =  p. 
h.  ist  a  =  c,  78. 


-     44 


(b  :  a)  =  (n  :  a)  :  {a  :  h)  = 


a :  h 


m  ==  —  n:     n  = 


m. 


Winlel  mit  entgegengesetzter  Drehung,  oder  auf  entgegen- 
gesetzter Seite  der  Ebene  werden  behandelt  ivie  einfache  und 
umgel'ehrte  Zahlen. 


79. 


Aus  78.  folgt  noch; 


{a  :b)  .  {b  :  a)  =  1,  m  -\-  n  =  0 , 

und    die    Formel    76.   lässt   sich   in    folgenden    drei  Formen 
schreiben : 


(b  :  a)  =  (c  :  a)  .  (b  :  c) 
{c  :  b)  =^  {a :  b)  .  (c  :  a) 
{a:c)  =  {b:a).  {a  :  b) 
Alle  drei  aber  geben: 
{b  '.  a)  .  {a  :  c)  .  (c 


(+  m)  =  (+  p)  +  (-  n) 
(4_n)=(-m)  +  (+i9) 


b)  =  \,  m  -\-  n  —  p  =  0, 

Avomit    die   Ausdehnung    unserer  Betrachtung    auf   mehr   als 

zwei  Winkel  eingeleitet  wird. 

80.         Anwendung    des  Begriffs    der   Potenzirung.   —    Seien   v 

Winkel   in   einer   Ebene:    (b  :  a),   (c  :  b),   {d  :  c)  ...  (n  :  m) 

^,  einander    gleich,    so    kann, 

wenn 

(&  :  a)  =  (c  :  b) 

=r  (fZ :  c)  =  •  •  •  =  (li :  ni)  =  i-" 
ist,  das  Product  derselben: 

{^n  :  a)  =  (/^)^  =  «>" 


gesetzt  werden.     Sei 


Ji>^ 


so  ist: 


oder : 


d.  h. 


^  =  *" 


iiv, 


a  :  ^  =  V] 

der   Quotient  zweier 


Winkel  in  derselben  Ebene  ist  eine  Zahl. 

Anm.  Die  doppelte  Darstellung  eines  Winkels  als  Quotient  zweier 
Geraden,  und  als  Vielfaches  des  als  Einheit  genommenen  rechten  Win- 
kels, der  im  Exponenten  von  i  erscheint,  hat  zur  Folge,  dass  die  Ver- 
einigung von  Winkeln  durch  die  erste  und  durch  die  zweite  Rech- 
nungsstufe ausführbar  ist,  je  nachdem  die  eine  oder  die  andere  Be- 
trachtungsweise gewählt  wird.    In  der  vorstehenden  Darstellung  laufen 


—    45    — 

'beide  Entwickelungen  parallel.  —  Für  Winkel  auf  derselhen  Seite  der 
Jlbene  ist  die  zioeite  Betrachtungsweise  die  übliche,  weil  dann  die  Be- 
handlung der  Winkel  derjenigen  der  Strecken  conform  ist;  für  Winkel 
auf  entgegengesetzter  Seite  der  Ebene  würde   sich  die  erste  empfehlen. 


c)  Bewegung  eines  Winkels  auf  einer  Ebene. 

Bewegt   ein  Winkel  iP   sich    beliebig    auf   einer   Ebene,  81. 
und  ist  [h  :  a)  seine  Anfangs-,    &,  :  «,    seine  Endstelluiig,   so 
erleidet  der  Richtungsunterschied  seiner  Schenkel  keine  Aen- 
derung;  also  ist: 

Hieraus  folgt: 

(1)  :  &j)  =  (a  :  aj)    und  umgekehrt, 


d.  h. :    Anfangs-  und  Endrich- 
tung  eines    bewegten    Winhels 


Wenn  Anfangs-  und  Endrich- 
tung   eines    Winkels    sich   um 


drehen  sich  um  gleiche  Grössen,  gleiche  Grössen  drehen,  so  hleiht 

j  ihr  Winhel  ungcündert. 

Anm.  Je  nachdem  um  den  Scheitelpunkt  des  gegebenen  Winkels 
heide,  oder  ein,  oder  lein  Schenkel  sich  dreht,  sind  für  diese  Bewegung 
drei  Fälle  zu  unterscheiden,  die  jedoch  nicht  wesentlich  verschieden 
sind.     Dazu  kommt  ^Is  rieiier  Fall  Lagenänderung  der  Schenkel. 


^,  <' 


P,. 


b.^— 


-    46    -^ 

82.  Sei  {h  :  a)  =  i^-   (h  :h^)  =  i-^. 
Dann  ist: 

h  =  a  .  i^'  =  ?>,  .  i-1, 

(1.  h.:    Das  Produd  aus  einem  Winkel  und  seiner  Anfangs- 
richtimg ist  seine  Endrichtung. 
Ferner : 

a  =  b  :iP     ;     b^  =h  :  i- 1, 

d.  h. :    Der   Quotient  ans  der  Endrichtung  und  dem  Winkel 
ist  gleich  der  Anfangsrichtung. 
Ferner: 

b^  :  a  =  ii  +  P     ;     b  :  a^  =  i- 1+^. 

83.  Die  Formeln  in  81.  werden  gleichlautend,  wenn 

a  =  b^  =  m ,     also    i?  =  —  q. 

Beide  lauten  dann: 

(7>  :  ni)  =  (in  :  ciy), 


—    47    — 

d.  h.  m  hat  gleichen  IlicläunysunterscMed  gegen  a^   und   h. 
Die   Gerade  m  heisst   die  Mittelriclitung  von  a^  und  h,   oder 
die  Halhirungslinie  des  Winkels  (&  :  a,). 
Aus  der  letzten  Formel  folgt: 

h  .  tti  =  m  .  m  =  ni^ ;        Die  zweite  Wurzel  aus  dem  Pro- 
oder: 2 ducte    ztveler    BicJdungen    stellt 

m  =  -j-yb  .  a^.  ihre  Mittelrichtung  dar. 

Das  doppelte  Vorzeichen  der  Wurzel  entspricht  der  dop- 
23elten  Richtung  von  m. 

Ferner  ist  in  diesem  Falle: 
(&,  :  a)  =  l  ;  (b  :  «i)  =  i^p.     Die   Hcdhinmgslinie    theüt   den 
oder:  Winkel  in  mvei  gleiche  Theile. 

m  =  +  ya^'^  i^p  =  4-  «j  ip . 

Die  Formeln  in  81.  kann  man  übereinstimmend  schreiben :  84. 

Wenn  zwei  Winkel  einander 
gleich  sind,  so  haben  die  Winkel 
stoischen  der  Anfangsrichtung  des 
einen  und  der  Endrichtung  des 
anderen  gleiche  Mittelrichtungen. 
Aani.  Wenn  a  und  6,  beide  ihr  Zeichen  ändern,  d.  h.  wenn  man 
die  entgegengesetzten  Richtungen  beider  nimmt,  so  bleibt  a .  ftj,  mithin 


oder: 


]/b  .  a^  =  Ya  .  6j  =  m, 


/3. 


+m. 


^-a 


auch  w  ungeäudert,  nämlich  nach  Belieben  positiv  oder  negativ.  — 
Aendert  dagegen  &,  sein  Zeichen  allein,  so  sei  6,  =  — ?<2,  und  man  hat: 

a  .  &2  =  —  «l'2; 

+  Va  .  b^  =  m  . '/  =  ?«, . 

D.  h.:   m  dreht  sich  «m  einen  Hechten.    {Die  HalbirungsUnien  zweier 
Nebenwinkel  bilden  einen  recMen  WinJcel.) 

Die  Formel  (b  :  m)  =  {m  :  a^)  lässt  sich  auch  schreiben :  85. 

{m  :  «,)  .  [m  :&)  =  !. 


—    48    — 

Nunmehr  lässt  sich  der  Begriff  der  Mitteh'ichtung  dahin 
erweitern,  dass  man  sagt:  Für  v  Richtungen  a,  h,  c  .  .  .  n 
ist  diejenige  Richtung  m  die  Mitteh'ichtung,  welche  der  Be- 
dingung genügt: 

{m  :  a)  .  {jn  :  V)  .  {in  :  c)  ....  {m  :  n)  =  1 , 

oder:  v, 

m  =  ya  .h...n. 

86.  Winkel,  die  nicht  an  einander  liegen  (d.  h.  Scheitel  und 
einen  Schenkel  gemeinsam  hahen),  können  wir  vereinigen, 
indem  wir  sie  erst  durch  Schiebung,  resp.  Drehung  aneiu- 
anderlegen  und  dann  addiren. 

87.  Sei  das  Product  von  v  Winkeln  gleich  Eins;  also: 

ij):a)  .  (fZ:c)  •  (/:e)  •••  =  1. 
Dann  können  wir  alle  diese  Winkel  durch  die  Abweichun- 
gen ihrer  Schenkel  von  einer  einzigen  heliehigen  festen  Rich- 
tuncj  V  ausdrücken,  indem  wir  setzen: 

{h  :  a)  =  {v  :  a)  :  (v  :h) 

{d  :r)={v:  c)  :  {v  :  .7.), 
sodass : 

{v  :  a)  •  {v  :  e)  •  (:v  :  e)  •  •  •  =  (v  :h)  {v  :  d)  {v  :  f)  '  -  ■ , 
d.  h.:     Wenn  das  Froduct  von  v  Wüikeln  auf  einer  Ebene 
Eins  ist,  so  ist  für  jede  heliebige  Richtung  der  Ebene  das  Pro- 
duct der  Abiveiclmngen  von  den  Änfangsrichtungen  gleich  dem 
Producte  der  Abtceichungen  von  den  Endrichtungen. 

88.  Ist  h  =  d  =  f=  • '  •  =  ni,  so  haben  wir: 

{v  :  a)  •  {i^  :  c)  •  {v  :  e)  •  ■  •  =  {v  :  ^»)''; 

^^^^'                           m''  =  a  .  c  .  e  .  .  .  ., 
oder:  %■ 


m  =  y a  .  c  .  e  .  .  ,, 
d.  h.:     Wenn  auf  einer  Ebene  eine  Schaar  von  v  Geraden 
gegeben  ist,  so  ist  für  jede  Richtung  der  Ebene  das  Product 
der  Abweichungen  von  diesen  n  Geraden  gleich  der  v^''"  Potenz 
ihrer  Abweichung  von  deren  Mittelrichtung. 

2.    Bewegung  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Punktes.  — 
Die  Kreislinie. 

89.  Wenn  eine  Gerade  nm  einen  auf  ihr  liegenden  Punkt  0 

sich  dreht,    so  beschreil)t  jeder  ihrer  Punkte  eine  Kreislinie, 


—    49    - 

wenn  die  Drehung  die  Grösse  eines  geschlossenen  Winkels 
erreicht ;  andernfalls  nennt  man  den  zurückgelegten  Weg  einen 
Kreishoyen.  Dieses  Gebilde  ist  durch  Anfangs-  und  End- 
stellimg  des  bewegten  Punktes  vollständig  begrenzt,  also  eine 
Grösse.  —  Der  Kreisbogen  ist  das  dem  WinJcel  entsprechende 
Ausdehnungsgehüde,  wie  der  Linientheil  das  der  Strecke  ent- 
sprechende Ausdehnungsgebilde  war. 

Alle  in  dem  Abschnitte  über  Winkel  abgeleiteten  Sätze 
lassen  sich  daher  ohne  Weiteres  auf  die  Kreisbogen  über- 
tragen, wenn  man  statt  der  Schenkel  Punkte  auf  derselben 
Kreislinie,  statt  der  Winkel  Bogen  setzt. 

In  Bezug  auf  die  Kreislinie  heisst  der  feste  Punkt  0 
MittelpunJd  {Centrum),  weil  zu  jedem  Punkte  A  der  Kreis- 
linie ein  anderer  A^  gehört,  welcher  mit  dem  ersten  durch 
die  Beziehung  verbunden  ist: 

{0  —  A)  €- =  0  —  A,;    oder:     —  {0  —  A)  =  0  —  A, ; 
oder:  '        A  —  0  =  0  ~  A,; 

oder:  q  __  -^  + A, 

Die  bewegliche  Strecke  (0  —  A^  heisst  Badius,  der  Winkel, 
dessen  Schenkel  zwei  Radien  (0  —  A)  und  (0  —  JB)  sind, 
der  also  dem  Bogen  zwischen  A  und  B  entspricht :  Centri- 
winkcl. 

Anm.  Betrachtet  man  einen  Punkte  der  Kreislinie  als  fest,  den 
Mittelpunkt  als  beweglich,  so  nähert  sich  die  Kreislinie,  wenn  der 
Mittelpunkt  sich  ins  unendliche  von  A  entfernt,  einer  Geraden,  und, 
wenn  der  Mittelpaukt  sich  A  bis  ins  Unendliche  nähert,  einem  Punkte. 

_^    3.   Bewegung  einer  auf  der  Geraden  liegenden  Strecke. 

Jede   auf  der  Geraden    liegende   Strecke  A  —  J.,    Iässt90. 
sich  darstellen  als  Differenz  von  zwei  zu  verschiedenen  Kreis- 
linien gehörigen  Radien,  da 

A  —  A^  =  (0  —  A^)  —  (O—A) 
ist.    Es  genügt  also,  die  Bewegung  des  Radius  zu  betrachten. 

Hat  ein  Radius  (0  —  A)  durch  Drehung  um  einen  Winkel 
i"^  die  Richtung  {0  —  B)  erreicht,  so  setzen  wir  folgerecht: 

(0  —  A)  *•'«  =  {0  —  B). 
Hieraus  folgt: 

(O  —  B):  (0  — ^)  =  ^"'; 

Schlegel,  Syst.  d.  Kaumlehre.  4 


—    50 


d.   h. :    ein   Bogen    ist   durch    seine    EmlpimMe  {A ,   IT)   und 
durch  den  zugehörigen  Miftelpunld  genau  bestimmt. 
91.  Die   Verbindungsstrecke    der    beiden    Punkte   Ä   und  B 

{Ä  —  B)   heisst  Sehne  des  Bo- 


gens  und,  wenn  sie  durch  den 
Mittelpunkt  geht,  Durchmesser. 
Das  Dreieck  der  Punkte  A,  B,  0 
heisst  glelchschenldig ,  {A  —  B) 
seine  Basis,  (0  —  A)  und  (0 — B) 
seine  Schenl'el',  der  Eckpunkt  0 
seine  Spitze. 

Da 
{A-B)^{0-B)-{0-A), 
so  ist: 

{A  —  B)  =  {p  —  B)  (1  —  i-^") 
und  {B  —  A)  =  (0  —  A)  (1  —  «'") . 

Diese  Formeln  zeigen  den  Zusammenhang  zwischen  Sehne, 
Bogen  und  Radius. 

Hat  ein  Radius  (0  —  A)  durch  Drehung  um  den  Winkel 
«'"  die  Richtung  (0  —  B)  und  dann  durch  Drehung  um  den 
Winkel  i^  die  Richtung  (0  —  C)  erreicht,  so  ist: 

{0  —  A)i"^  =  {0  —  B); 
{0  —  B)i'^  ={0  —  (7); 
folglich : 

(0  -  ^)i'"  +  «=(0—  C). 
Und,  wenn 
m  -\-  n  -\-  p  =  4:, 
so  ist: 
{0  —  C)iP  =  {0  —  A). 
Ferner   erhalten  wir  für  die  drei  ein  Dreieck  bildenden 
Sehnen  {A  —  B) ,  {B  —  C),  (C  -  A)  folgende  Werthe: 

{A  —  B)^{0-B)-{0-A)^{0  —  B)  (1  —  i-"0 
{B  —  O  =  {0-C)  —{0  —  B)=^{0  —  B)  ii'^  —  1) 
{C  —  A)  =  {p  —  A)  -{0  —  C)={0  —  B)  iir'-  —  ?>), 
oder,   wenn  wir  diese  drei  Formeln   durcheinander  dividiren, 
wobei  auf  der  rechten  Seite  (0  —  B)  wegfällt: 


A  —  B 
B  —  C 


-     51     - 


,— »   _    oP 


1  —  i' 


C  —  A         ir"'  —  i"'         1  -  i-P  iP  —  1 

Diese  Formeln  bezeichnen  den  Zusammenhang  zwischen 
den  Seiten  des  Dreiecks  und  den  denselben  entsprechenden 
Centri  winkeln. 

Statt  92. 

{B  —  C)  :{C  -  A)  =  (/»  -  1)  :  {i-^  —  i") 
kann  man  schreiben: 

{B  —  C)  ?■-'«  —  {B  —  C)  ^•«  =  {C  —  A)  i«  —  iß  —  A); 
oder: 
{B  -  C)  i-">  -  [{B  —  C)  +  (C  -  A)]  i"  +  (C  —  ^)  =  0; 

oder :      {jß  —  C) i->  -{- {A  ~  B)  i-  -\-{C-  A)  =  0, 
d.h.:   Brelit  man  zivei  Seiten  des  Dreiecks  in  entgegengesetzter 
Bichtung,  jede  um   den  CentriwinJcel  der  anderen,  so  entsteht 
ein  nettes  Breieck,  dessen  Seiten  von  gleicher  Länge  mit  denen 
des  ursprünglicJien  sind. 

Geht  der   Punkt  B  durch    diese   Drehung    in   B^    über, 


so  ist 

,: 

{ßt- 

-C)  = 

=  {B- 

-C)i—^ 

{A- 
Und- 

-B,)  = 

=  {A- 

-B)i\ 

(A- 

-B,)i- 

n 

l-^-'" 

{B,- 

{C- 

■A) 

-  = 

oder: 

A  — 

B, 

^•"- 

-  i"  - '" 

Bi- 

-C 

^n-m_f-m 

C  —  A  i-ra_^n 

oder ,    durch    Multiplica- 
tion  mit  —  i"^  —  ^: 

A  —  Bt  1  -  i"' 


B,  —  C 


Das   zweite  Dreieck  unterscheidet  sich   also  vom  ersten 
nur  durch   den   entgegengesetzten   Sinn   von  m.  und  n\  oder 


4* 


52 


die  beiden  Dreiecke,  von  entgegengesetzten  Seiten  der  Ebene 

betrachtet,  sind  gleich.    Solche  Dreiecke  heissen  symmetrisch. 

Anm.  Construction  eines  symmetrischen  Dreiecks  mittelst  des 
Zirkels. 

Bei  der  eben  beschriebenen  Drehung  blieb  {C  —  Ä)  in 
Ruhe;  multipliciren  wir  aber  die  Drehungsformel  mit  *'"*  und 
mit  i~'^,  so  entstehen  zwei  andere  Drehungsformeln,  bei  deren 
Anwendung  die.  beiden  anderen  Strecken  in  Ruhe  bleiben. 
Diese  Formeln  sind : 

{B—C)-{-{A  —  ]l) l-p  +  (C  -  A)i"'  =  0, 

{B  —  C)iP  -f  (^  _  S)  +  {C  —  A)i—  =  0. 

93.  Seien    a,   ( —  h),  c    die   Geraden,    auf  denen    resp. 

Strecken   {B  —  C),{C—A),   (^  —  ^)   liegen,   und  a^ 

die  Geraden,  auf  denen  bei  der  erstbezeichneten  Drehung  des 

Dreiecks  die  Strecken  {B^  —  C),  {A  —  B{)  liegen;  sei  ferner: 

c  :  &  =  ^-  «1 ;     a  :  &  =  ^+r.  5     ^  :  c  =  i^-  »'*'  =  i+  <*'  +  '^"^ 
so  ist :     .  ■  ' 

c^:l>  =  i+  «' ;    «j  :  5  =  i-y. ;    cty  :  c,  =  i-  <«■  +  y-) . 

Diese  Formeln  zeigen,  dass  auch  die  Winkel  bei  B  und 


die 


B,  sich  nur  durch  den  entgegengesetzten  Sinn  ihrer^Drehun- 
gen  unterscheiden. 

Weiter  erhalten  wir: 

a  :  a^  =  i^y^  =  ^"' ; 


also: 


n 


^n. 


71  = 


/5i 


2  ' 


d.  h. :  die  drei  Winkel  des  ursprünglichen] Dreiecks  sind  halb 
so  gross,  als  die  Centriwinkei,  welche  resp.  denselben  Seiten 
des  Dreiecks  gegenüberliegen. 


-    53 


Nennt  mau  die  Winkel  des  Dreiecks  Periphcrietvinlcel 
(weil  ihre  Scheitel  auf  der  Peripherie  des  Kreises  liegen), 
welche  zu  den  gegenüberliegenden  Seiten  (Sehnen  und  Bogen) 
gehören,  so  heisst  der  Satz:  Jeder  FeripJierieivitikel  am  Kreise 
ist  lialh  so  gross  als  der  Ccntrkvinlcel ,  welcher  zu  demselben 
Bogen  gehört.  —  Daraus  folgt:  Alle  PeripheriewinJcel  eines 
Kreises,  ivelche  m  demselben,  oder  zu  gleichen  Bogen  gehören, 
sind  gleich.  —  Zwei  Peripherieivinlielj  ivelche  zu  Bogen  ge- 
hören, die  zusammen  gleich  der  ganzen  Kreislinie  sind,  be- 
tragen zusammen  ztvei  Bcchte.  —  Die  vier  Schenkel  dieser 
beiden  Winkel,  als  Linientheile  betrachtet,  bilden  ein  Viereck, 
dessen  Eckpunkte  auf  der  Perij)herie  liegen  (ein  dem  Kreise 
eingeschriebenes  Viereck).  Dieses  Viereck  hat  also  die  Eigen- 
schaft, dass  je  zivel  gegenilberliegende  seiner  Innenivinhel  zu- 
sammen zwei  Bechte  betragen.  —  Der  PeripherieivinJcel,  dessen 
Schenkel  den  Kreis  in  den  Endpunkten  eines  Durchmessers 
treffen,  ist  ein  Bechter. 

Dieser  Satz  dient  zur  Lösung  der  Aufgabe:  In  einem 
sregebenen  Punkte  Ä  einer  Geraden  eine 
Senkrechte  zu  errichten.  —  Man  wähle  0 
beliebig  ausserhalb  der  Geraden,  beschreibe 
mit  OÄ  einen  Kreis,  der  die  Gerade  noch 
in  B  schneidet,  ziehe  BO  bis  zum  Durch- 
schnittspunkt C,  und  ziehe  CA-,  dann  steht 
CA  senkrecht  auf  AB. 

Specieller  Fall.    Sei  m  =  2;  dann  ist  j/^  =  1 ;  «  =  —  a^ ;  94, 
und  {B^  —  C)  =  —  (B  -  C). 

Die  Punkte  A,  J5j,  B  sind  nun 
die  Eckpunkte  eines  gleichschenk- 
ligen Dreiecks;  und  die  Strecke 
(C — A),  welche  Höhe  des  Dreiecks 
heisst,  hat  folgende  Eigenschaften: 

1)  Sie   ist   die  Halbinmgslinie 

des  Winkels  an  der  Spitze  («j  =  -^)  • 

2)  Sie  halbirt  die  Basis. 

[{B,  -C)  = 


,Le-. 


^ 


B 


(ß  -C);     also     C  = 


B  +  B 


] 


3)  Sie  bildet  mit  der  Basis  rechte  Winkel.  \y\  =  2^^^)' 


—    54    — 


2  ' 


Ausserdem  ist  [a  :  c)  =  —  («j  :  c,);  d,  h. :  Die  Winkel  an 
der  Basis  des  gleichschenkligen  Breiecks  sind  gleich  gross  und 
entgegengesetzt. 

Aus  «1  +  /^i  +  J'i  =  2  folgt  in  diesem  Falle:  «,  -[-  /3,  =  1 ; 

also:    ß^  =  l  —  a^]    und,    da    a,  =  —    ist:     /3^  =  1  — 
M  =  2  —  2  /3, . 

Verbindet  man  in  der  Figur  zu  93.  die  Funkte  B  und  B^, 
so  entstehen  zwei  gleichschenklige  Dreiecke  mit  gemeinsamer 
Basis.     Die  Gerade  h  hat  in  beiden  dieselben  Eigenschaften. 

Anm.  Auf  diese  Eigenschaften  der  Geraden  h  gründen  sich  fol- 
gende Constructionen:  1)  Halbirung  einer  Strecke  {B  —  B,).  2)  Hal- 
birung  eines  Winkels  {m  oder  n).  3)  Construction  eines  rechten  Win- 
kels, oder  einer  Normalen,  wenn  eine  Gerade  und  a)  ein  Punkt  mif 
derselben,  b)  ein  Punkt  ausserhalb  derselben  gegeben  ist. 

Anwendung   der  letzten  Sätze  auf  das  in  91.  enthaltene 
gleichschenklige  Dreieck. 
95.         Wenn  die  Geraden  a,   b,  c  dieselbe  Bedeutung  haben, 
wie  in  93.,  und  ausserdem  in  91.  die  Geraden,  auf  denen  die 


Strecken  {0  —  Ä),  {0  —  B),  {0  —  C)  liegen,   resp.  mit  x^, 
X2,  x^  bezeichnet  sind,  so  ist  nach  94.: 

m  +  n  ^       m 


^  =  i         ' 


^     =^i         ' 


^  =  i         ' 


?H  -f-  n 


55 


Das  Dreieck  der  Puukte  A,  B,  C  lieisst:  „dem  Kreise 
einhcschrichen"j  die  in  den  Mitten  seiner  Seiten  eonstruirten 
'SenJcrechten  schneiden  sich  im  MittelpiinMe  des  Kreises. 

Aus  den  letzten  Formeln  folgt  noch  z.  B.,   dass 

^  =  ^  ;     oder :     h  =  ]/—x\  x^ ; 


d.  h. :  Im  gleichschenldigen  Dreieck  halbirt  eine  durch  die 
Spitze  mit  der  Basis  gesogene  Parallele  die  AussemvinJcel  an 
der  Spitze. 

Siiecicller  Fcdl.     Ist  a  =  c,   d.  li.   fallen   diese  .Geraden  96. 


D 


ann 


zusammen,  so  liegen  A,  B,  C  in  derselben  Geraden, 
aber  ist: 

— J—  =  0;   m  =  —n', 

d.  h.  A  und  C  fallen  zusammen.  Es  können  also  drei  Punkte 
nicht  gleichzeitig  auf  einer  Geraden  und  einer  Kreislinie  liegen. 
Eine  Gerade,  welche  zivei 
Punkte  mit  einer  Kreis- 
linie gemeinsam  hat,  heisst 
Secante. 

Ferner  erhalten  wir: 
jCi  =  X-, ,  und : 

h  .  i  =  —  x^] 
d,  h. :  Fallen  die  beiden 
Durchschnittsyunlde  einer 
Geraden  und  eines  Krei- 
ses in  einen  einzigen  zu- 
sammen, so  steht  die  Ge- 
rade auf  dem  durch  den 
Durchschnittspunkt  gezogenen  Radius  senkrecht. 

Eine  Gerade,  welche  nur  einen  .Punkt  mit  einer  Kreis- 
linie gemeinsam  hat,  heisst  Tangente,  und  man  sagt,  sie  be- 
rühre die  Kreislinie. 

Auch  in  diesem  Falle  ist  noch  c:b  ^  i~"' ,  oder  ci:b  =  i+y' ; 
d.  h. :  Der  Winkel  zivischen  einer  Tangente  und  einer  durch 
denselben  Punkt  gehenden  Secante  ist  dem  Peripherieivinkel 
gleich,  ivelclicr  zu  dem  von  der  Secante  abgeschnittenen  Bogen 
gehört. 


—    56    — 

07.  lu   dem   unter   94.   betrachteten   speciellen  Falle  war  in 

dem  Dreieck   der  Punkte  Ä,  J5,,  C  ein  Winkel  ein  reclder. 

Das  Dreieck  selbst  heisst  recht- 
winhlig ,  die  Strecke  {A  —  J5,) 
Hypotenuse,  die  beiden  Strecken 
{B  —  C)  (C—  Ä),  (welche  auf 
den  Schenkeln  des  rechten  Win- 
kels liegen):   Katheten. 

Aus  0=— ±^  folgt: 

d.  h.:  hn  gleichschenMigen  DreiecJc  ist  die  Verhindungslinie 
der  MittelpunMe  eines  Schenkels  und  der  Basis  dem  andern 
Schcnicel  parallel,  und  gleich  lang  mit  der  Hälfte  des  Schen- 
Tcels;  oder:  Im  rechtivinldigen  Dreieck  ist  die  Verhindungs- 
linie der  Mitte  der  Hypotenuse  mit  dem  Scheitel  des  rechten 
Winkels  gleich  lang  mit  der  halben  Hypotenuse. 

Ebenso  erhält  man: 

d.  h.:  Im  gleichschenkligen  Dreieck  liegen  die  Mittelpunkte 
der  Schenkel  mit  dem  der  Höhe  in  gerader  Linie,  und  der 
letztere  ist  die  Mitte  der  beiden  anderen. 

Wendet  man  auf  das  rechtwinkhge  Dreieck  die  in  91. 
zwischen  den  Strecken  {Ä  —  B) ,  {B  —  C),  {C  —  A)  ent- 
wickelten Beziehungen  an,  indem  man  darin  m==2  setzt, 
so  folgt: 

A  —  B  ^  2  _       —2       _    ^-"  —jP 

B  —  G~     e"  —  1     ~   i-P-\-\   ~    l_i-» 


c-  A     —\_e      i-i-p        iP  -1 

Die  letzten  beiden  Werthe  des  Verhältnisses  verwandeln 
sich  in  den  vorhergehenden,  wenn  man  für  p  seinen  Werth 
(2  —  n)  setzt. 

Die  erste  Doppelgleichung  aber  lässt  sich  in  folgende 
Partialgleichungen  zerlegen,  wenn  man  2  a^  für  n  setzt: 

B^^C  ^  1^  ^l^'     .      A-  C  ^  1  -\-  i^  "'  B  —  C  _  1  -  r'^^ 

B  —  A~        2  '^     A~B~         2  '      0  —  A  ~  r+l2^i  * 


__    57     — 

Wir  bezeichnen  nun   zur  Abkürzung  diese  drei  Verhält-  98. 
nisse  der  Reihe  nach  mit  S{cc^)'^  ^'(«1);  T{a^),  sodass: 

ist. 

Anm.  Die  Wahl  der  Buchstaben  *S',  C,  T  gründet  sich  auf  fol- 
genden Umstand:  Ersetzt  man  die  Strecken  {B  —  C),  {B  —  A),  (A  —  C) 
durch  ihre  numerischen  Werthe,  so  verwandeln  sich  die  drei  Verhält- 
nisse resp.  in  Sinus,  Cosinus,  Tangens  der  Zahl  a,.  Ebenso  sind  sina,, 
cos  «1,  tg  «1  resp.    die  numerischen  Werthe  von  ^(o;,),    C(or,),   T(a,); 

d.   h.   es   ist    sin  «i  =  j/<S  (a,)-;    cos  a,  =  j/C(o;,)-;    tg  «,  = //^(a,)- ; 
und  aus  <S(a,)  +  6^(0:,)  =  1  folgt  durch  innere  Quadrirung: 

[S(ai^  +  C  («,)]-=!;     oder    SM"  +  C(a,)- =  1;       " 
oder  sin'  £Vi  -|-  cos^  «1  =  1. 

Andere  Formeln  bleiben  ungeändert. 

Zwischen  den  Grössen  S{a^),  ^{^\)}  ^ {.^\)  bestehen 
nun  folgende  Beziehungen: 

S(a,)  +  C(«,)  =  1 ;     CK)  -S{a,)  =  i^«-; 
Setzen  wir  «,  =  /3j  -[-  J'i ;  so  folgt: 

2  4  '  4 


oder: 


2  4  '  4 

Setzt  man  ß,  =  —  ö'j,  so  folgt: 


2  2.*2<'' 

1         ,^2  dl  -2^1         . 

Ferner  ist  für 


—    58    —  - 


1        9       ■?        -t  '  ^  ^  7 

—  1.     ^.     ,).     -i.       -g.         ^.         ^.        3J-. 


C'(ai)  =  0.     1.     0.     1. 


I  +  i      1  —  i      \jj-  i      1  —  i 

2  ;i  2  2 

1  —  i      1  -f-  i      1  —  i      1  +  i 


«(«,)=  1.   0.    1.   0.      „        ^        ^ 

Wenn,  wie  oben,  n  -|- ju  =  2,  also  or,  -|-  /3,  ==  1..  oder 
/5,  —  ^j  =  1  ist,  so  ist  ^,  =  i  +  <^,;  /-/*'  =  r  .  i2<J.  =  _  »2^,. 
folglich : 

ferner:  2  Ä  (^.)  C(/3,)  =  2  Ä  (d\)  6'(d,); 

^^^l^r--  Ä  (2/30  =  ^(2^0-, 

daher  auch:  0(2/3.)  =  0(2d,).*) 

Die  Formeln  in  92.  lassen  sich  mm  schreiben: 


ä(-|)'  ^-"^     ^(-1)'^'"^     K-f) 


*)  Der  Unterschied   zwischen  den  Ausdrücken  S{(Xi),    C(«,)  und 
den  entsprechenden  trigonometrischen  Functionen  verdeutlicht  sich  auch 

geometrisch  durch  folgende  Betrachtung.     Wenn  «j  •  —  =  a,  so  ist 

^al,-ai            i«._|.,-«>  1-1- ^2«, 

cos  cc  = —^ = =  

1                                                 2                                2  2i«' 
und 

_   e«'  —  e-  "'■    _  ^°'  —  i'  «'  _     1  —f^  _  1^  *^_^     • 

^  "  27  ~~  2 1  — ~27"'  +  ^   ~      2  i"i~ 

Demnach  ist  cos  «  = ^  ,  und  sm  a  = ;   oder: 

(A  —  G)  i-  "'  i  {B  -  C)  i-  "' 

=  cos  «;  — 


{A-B)  ^  ■=     '  (JS  -  ^) 

D.  h. :  Weil  der  Quotient  zweier  Strecken  nur  dann  eine  Zahl  ist,  wenn 
dieselben  gleich  gerichtet  sind,  so  muss  man,  um  cos  a  zu  erhalten, 
die  Strecke  [A  —  C)  durch  Drehung  um  den  Winkel  ( —  «,)  in  die 
Richtung  von  [A  —  B)  bringen;  ebenso  muss  man,  um  sin  a  zu  erhal- 
ten, die  Strecke  {B  —  G)  durch  zwei  Drehungen,  um  den  Winkel  (—  «,) 
und  um  einen  Rechten,  in  die  Richtung  von  (B  —  A)  bringen.  Es  sind 
also  S  («,)  und  G  («,)  die  Quotienten  der  betreffenden  Strecken  (mit 
Festhaltung  ihrer  Richtung);  und  sin  a  und  cos  a  diejenigen  ihrer  nu- 
merischen WertJie.  Durch  die  oben  gegebenen  Beziehungen  zwischen 
G  (ui)  und  cos  «,  sowie  zwischen  *S' (ori)  und  sin  a  lassen  sich  nun  alle 
Formeln  der  einen  Kategorie  in  die  der  andern  verwandeln. 


59    — 


Gehen   von   einem    Punkte  C  innerhalb   oder  ausserhalb  99. 
eines  Kreises  zwei  Secauten  nach  der  Kreislinie ;  welche  die- 
selbe   in    den   Punkten   Ä 
und  2?, ,    resp.  B  und  Ä^ 
schneiden,  so  sind  in  den 
Dreiecken     (C  A  B)     und 
{C Ä^  B^)  die  mit  gleichen 
Buchstaben     bezeichneten 
Winkel  (yocß)  gleich.  Folg- 
lich hat  man : 
B  -A 


A 
B 


A  —  B 

A  —  C 


B  -  C 
oder: 

B  —  A 

A-C 
C  -B 


'S'(y)    . 

Sja) 
Ä(-y)' 

S(ß)     . 
Ä{-«)' 


=  i-'l^ 


=  t'y 


S(ß) 
Sicc) 


B  —  A  S{y)^ 

C  —  B         '  Ä(a) 

Ferner  erhält  man  drei 
richtige  Formeln,  wenn 
man  hierin  Ä^  und  By 
statt  Ä  und  B,  und  —  a, 
—  ß)  — y  statt  a,  ß,  y  setzt.  Beide  Reihen  combinirt  aber  geben ; 


B 


oder  auch : 


A  —  C 
C  —  B 
B  -A 
A—  C 
C 


=  i-^ß 


B 


2y 


^,  — "c 

C  —  .B, 

A,  —  C 
G  —  Bi 


C  —  A 
(C  —  B)  i^ 

A  —  B 
(A  -  C)  jf 

B  —  C 


(B,  —  A,)i- 
C-Ai 

{C-B,)i-P 
A^-B^ 

(A,  —  C)i-y 


B, 


C 


—    GO    — 


d.  li.:  Bringt  man  in  den  Dreiecken  (ABC)  und  {Ä^B^C) 
zwei  Paare  entsprechender  Seiten  durch  Drehung  in  je  eine 
Gerade,  so  ist  der  Quotient  der  beiden  Seitenstrecken  für 
beide  Dreiecke  gleich. 

Dasselbe  gilt  von  den  Dreiecken  {CÄÄi)  und  {CBB^). 
—  Solche  Dreiecke  heissen  symmetrisch  ähnlich. 

Also:  Der  BurchscJinittspunkt  siveier  Gegenseiten  eines 
dem  Kreise  einbeschriebenen  Vierechs  bildet  mit  den  Ecl'en 
des  Vierecks  paartveise  symmetrisch  ähnliche  Dreiecke. 

Geht  eine  der  Secanten  in  eine  Tangente  über,  d.  h.  ist 
z.  B.  A  =  B^,  dann  kann  man  die  letzte  Formel  schreiben: 

A  —  C     _  (^1  —  a)^~y 

Die  Strecke  A  —  C  heisst  nun  die  mittlere  Broiiortioncde 
zwischen  den  um  ( —  y)  gedrehten  Strecken  [B  —  C)  und 
{A,  -  C). 

Anm.  Handelt  es  sich  nur  um  die  numerischen  Werthe  der 
Strecken,  so  kann  man  die  imaginären  Factoren  überall  weglassen  und 
den  Sätzen  einen  einfacheren  Wortausdruck  geben. 

100.  Die   in   den  Mitten    der  Seiten   eines  Dreiecks  (ABC) 

errichteten  Senkrechten  schneiden  sich,  wie  wir  oben  sahen, 

in  einem'  Punkte.  —  Ver- 
bindet man  nun  die  Fuss- 
punkte  dieser  Senkrech- 
ten, so  entsteht  ein  zwei- 
tes Dreieck,  (J.,  jB,  C^), 
in  welchem  jene   Senk- 
rechten  aus   den  Ecken 
auf  die  Gegenseiten  ge- 
fällt   sind,    und    Höhen 
'^  heissen.  —  Also  schnei- 
den sich  auch  die  Höhen 
eines  Breiecks   in  dem- 
selben   Punkte.  —   Ver- 
bindet  man  endlich  die 
Fusspunkte  dieser  Senkrechten,  so  entsteht  ein  drittes  Dreieck 
(^2  ^2  ^'2)-     Nun  liegen  auf  der  Peripherie"  eines  Kreises  die 
Punkte : 

{A,A,B,B.^,     {B,B,C,C,),     {C,C,A,A,y, 


—    61     — 
folglich  sind  symmetrisch  ähnlich  die  Dreiecke: 

"""'^  A^iCi,     B^C^Ä^,     C,A,B,. 

Daher  sind  die  in  A^B^C^  an  {B^C^),  (C,  ^,),  (^i-^i) 
liegenden  Winkelpaare  resp.  gleich  aß  y.  Folglich  sind 
die  obigen  Senkrechten  die  Halbirungslinicn  der  Winkel  des 
Dreiecks  {A^B.yG.^)'-)  also  schneiden  sich  auch  diese  in  einem 
PtinMe. 

Im  Dreieck  der  Punkte  (^j  JB,  Cj)   finden  folgende  Be-  loi. 
Ziehungen  statt: 

Setzt  man  die  Werthe  für  S  {a)  einander  gleich,  des- 
gleichen für  S  {ß)  und  S  (y) ,  so  hat  man  den  Satz:  Die 
Höhen  eines  BreiecliS  verhalten  sich  umgel'elirt,  ivic  die  zu- 
gehörigen Seiten. 

Sei  ferner  X  der  Durchschnittspunkt  der  drei  Höhen,  und 

X  =  «1  J.J  4-  «2  -^o       *?       ("l  +  "'i)  =  1  ? 

folglich:  ,-j^         ^  .  ,  .  -xr-. 

Dann  ist: 
{A,  -  A,)  =  {A,  _  X)  +  (X  -  J.^)  =  {A,  -  B,)  S  iß)', 

0^^^- '■  iA,-X){l  +  -2;)  =  (^,  _  i?,)  ^  iß) ; 

«der:  (^,  _  X)  =  a,Ä(^)  (A  -  ^t)- 

Ferner,  da 

(A,  -  X)  =  (^.  -  B,)  +  (5i  -  X) 

''^'-  _        (i?i  -  -X)  =  («,^(/3)  -  1)  (Ä,  -  ^,); 

endlich :  ^  ,q  rfl^  —  i        ^         -^  s 

(5,-X)  =  ^^^^|^.(5,-50. 

Setzen  wir  nun 

g>) —  -  P--'      '      Pt  +  P2  —  A, 

dann  ist  X  =  ß,B,  -\- ß,B,. 

Setzt  man  ferner  X  =  j^,  C^  -f  /j  C'o ,  so  erhält  man  durch 
eine  ganz  analoge  Rechnung: 


-    62    — 
also: 


Siy]       -       ^2  5 


ß,S{y)  +  y,S{ß)  =  l', 

y.,  S  (a)  4-  a.y  S{y)  =  1. 

Vermöge  dieser  Gleichungen  kann  man  die  Grössen 
a^ß^y-z  und  S{a),  S{ß),  S  (y)  beliebig  durch  einander  aus- 
drücken.    Man  erhält: 

o.x  P2  +  y2-«2.  S(ß)-^S{y)-S(a)  , 

^W—  2ß,Y,         '  "2—  2S{ß)S{y) 

Q//?^_    72  +  «2  -  P2  .  /:}  S{v)  +  S{a)-S(ß)  . 

C  /    >  _   -^2  +  ßz  -  72   .  ,,    _    S{c)  +  S(ß)-SiY) 

^yy)—  2a,ß,         '  ^^2—  2S{a)S{ß) 

4.   Bewegvmg  eines  auf  der  Geraden  liegenden  Linientheils.  — 
Die  Kreisfläche. 

102.  Wenn  eine  Gerade  um  einen  auf  ihr  liegenden  Punkt  0 

sich  dreht,  so  beschreibt  ein  von  0  ausgehender  Linientheil 
eine  Kreisfläche,  wenn  die  Drehung  die  Grösse  eines  geschlos- 
senen Winkels  erreicht;  andernfalls  nennt  man  den  zurück- 
gelegten Weg  einen  Kreisausschnitt.  Dieses  Gebilde  ist  durch 
Anfangs-  und  EncJstellimg  des  bewegten  Linientheils,  und 
durch  den  von  dessen  Endpunkte  beschriebenen  Bogen  voll- 
ständig begrenzt,  also  eine  Grosse.  —  Der  Kreisausschnitt 
kann,  wie  der  Kreisbogen,  als  ein  dem  Winkel  entsprechen- 
des ÄuscJehmingsgeMlcle  angesehen  werden. 

Alle  in  dem  Abschnitte  über  Winkel  abgeleiteten  Sätze 
lassen  sich  unmittelbar  auf  den  Kreisausschnitt  übertragen, 
wenn  man  statt  der  Schenkel  Linientheile,  von  dem  Drehungs- 
punkte ausgehend,  und  statt  der  Winkel  Kreisausschnitte  setzt. 

Betrachtet  man  die  Kreisfläche  nicht  als  Mass  für  die 
Drehung  des  Linientheils,  sondern  als  Theil  der  Ebene,  so 
ist  sie  auf  der  Ebene  dasselbe,  was  der  Linientheil  auf  der 
Geraden  ist.  Sie  bestimmt  die  Seite  der  Ebene,  ist  ein  Theil 
von  ihr,  und  entsteht  durch  Drehung  des  Linientheils,  wie 
dieser  durch  Schiebung  des  Punktes. 


—    63    — 


6.    Drehung  um  einen  ausserhalb  der  Geraden  liegenden  Punkt. 
1.   Bewegung  einer  Geraden. 

Wenn  auf  dem  Umfange  einer  Kreislinie  ein  Punkt  nebst  103. 
der  zugehörigen  Tangente  gegeben  ist,  und,  während  der 
Punkt  auf  der  Kreislinie  fortschreitet,  die  Gerade  sich  so,  be- 
wegt, dass  sie  stets  die  zu  dem  Punkte  gehörige  Tangente 
bleibt,  so  sagt  man,  die  Gerade  drehe  sich  um  das  Centrum 
des  Kreises. 

Ist  die  Gerade  bei  dieser  Bewegung  in  die  ursprüngliche 
Richtung  zurückgekehrt,  was  der  Fall  ist,  wenn  der  Punkt 
die  ganze  Kreislinie  beschrieben  hat,  so  hat  sie  selbst  die 
ganze  Ebene  beschrieben,  mit  Ausnahme  der  Kreisfläche. 
Man  sagt  daher,  dass  die  Gerade  (in  ihren  verschiedenen 
Richtungen)  die  Kreisfläche  nniJiüUc. 

Da  die  Gerade  in  jeder  ihrer  Richtungen  einen  Punkt 
mit  der  Kreislinie  gemeinsam  hat,  so  kann  sie  ebenso,  wie 
der  Punkt,  für  die  Kreislinie  als  erzeugendes  Gebilde  ange- 
sehen werden.  % 

Anm.  Betrachtet  man  einen  Punkt  J.  der  Kreislinie  als  fest,  den 
Mittelpunkt  als  beweglich,  so  nähert  sich  auch  bei  dieser  Eutstehungs- 
weise  die  Kreislinie,  wenn  der  Mittelpunkt  sich  ins  Unendliche  Yon  A 
entfernt,  einer  Geraden,  nämlich  der  Tangente  in  A,  und,  wenn  der 
Mittelpunkt  sich  A  bis  ins  Unendhche  nähert,  einem  Punlde,  nämhch 
dem  Durchschnittspunkte  aller  durch  A  möglichen  Geraden. 

Wenn  eine  Gerade  a  durch  Drehung  um  einen  Punkt  0  io4. 
in  die  Richtung  h  ge- 
kommen ist,    so  seien 
die  Berührungspunkte 
von  a  und  h  mit  der 
Kreislinie  resp.  durch  « 
A^  und  B^  bezeichnet, 
und  die  Geraden,   auf 
denen  die  Strecken 
(0  — vli)und(0  — jöj 
liegen,  resp.  durch  «^ 
und  l)^.  Man  hat  dann : 
a,  .  *  =  «5 
h^  .  i  ==  h. 
Da  nun  a^  :  a  =^  h^  :  h,  so  ist,  wie  schon  bekannt; 


-     64 


j/cti  b  =  j/a  6, ; 
Aber  anch,  wenn  man  für  a,  und  a  ihre  Werthe  setzt: 
a  b 


oder: 


öj  J)^  i;     oder     —  «  &  =  -]-  «i  &i  5 
i  j/ah 


ya^h^  =  m, 

d.  h.:    Die  Halbirungsliuie   des  Winkels   der   Riclitungen  (a) 
und  ( —  b)  ist  mit  derjenigen  von  a^  und  b^  gleich  gerichtet. 
Da  nun  (0  —  Ä^)i"  =  (0  —  B^),  und,  wenn  der  Schnitt- 
punkt von  a  und  b  mit  C  bezeichnet  vt^ird, 

{O-'ä,)  +  {ä,-C)  +  {C-O)  =  0 

ist,  ausserdem  aber  auch:  • 

(0-£,)  +  (5, -C)  +  (C-O)  =  0, 

so  sind  die  Dreiecke  der  Punkte  (OÄ^C)  und  {OB^C)  sym- 
metrisch; denn  a^  -.b^  =  a  :b\  oder,  wenn  a^^"  =  &i,  so  ist 
a  .  ^«  -  2  =  —  J .  also : 

(0  —  ^,) '/«  +  (^,  —  0)  i^-^  +  (C  —  0)  =  0. 

Also    geht    die    Halbirungslinie    des    Winkels    a  :  ( —  b) 
durch  den  Mittelpunkt  der  Kreislinie,   und  die  Mittelrichtun- 
gen zwischen   a,  ( —  b)   und  a,  &j  fallen  in  dieselbe  Gerade. 
105.  Wenn  die  Gerade  b  durch  weitere  Drehung  in  die  Rich- 

tung c  gekommen  ist,  und  der  neue  Berührungspunkt  Oj  ge- 
nannt wird,  die  Durch- 
schnittspunkte von  c  mit  b 
und  a  :  A  und  B\  dann  bil- 
den die  drei  Tangenten  a, 
^i  b,  c  das  Dreieck  der  Punkte 
A,  B,  C,  und  nach  voriger 
Nr.  gehen  nun  die  Halbi- 
rungslinien  der  Nebenwinkel 

a        h       c      ..        .,.  1 
von  T-  ,    — ,    —   sammtlich 
b  '    c  '    a 

durch  den  Punkt  0.  Das 
Dreieck  der  Punkte  Ä,  B,  C  heisst  ,,dem  Kreise  um- 
schrieben". Wählt  man  auf  den  Geraden  a,  b,  c  die  Rich- 
tungen anders,  so  sind  im  Ganzen  8  =  2.2.2  Combina- 
tionen  möglich^  nämlich: 


—    65     - 

(+«,  +^+c);      (-^a,  -\-h,  ~c)',      (+«,_?,,+,); 

(+  ^;  -  '^  —  ^0; 

{—  a,  —h,  —c);      {—  a,  —h,  -\rc);      {—  a ,  -{- h,  —  c); 

(— «,  4-  h,  +  c); 
diejenigen  der  zweiten  Reihe  <:^'elien  aber  aus  denen  der  ersten 
hervor,  wenn  man  auf  allen  drei  Geraden  die  entsreo-enj^esetzte 
Richtung  nimmt.  Es  bleiben  also  vier  unabhängige  Fälle, 
und  jedem  davon  entspricht,  ein  Beriihrungskreis.  Die  vier 
Mittelimnlde  dieser  BeriihrmiQslireise  sind  die  Durcltschnitts- 
punkte  der  HcdhirungsJinien  aller  von  den  Geraden  a,  h,  c 
gebildeten  Winhel. 


^'B, 


2.   'Bewegung  einer  Strecke. 

Wenn  keiner  der  Endpunkte  einer  Strecke  (Ä  —  JB)  mitioc. 
dem  Drehuugspunkte  0  zusammenfällt,    so  kann  man  immer 
setzen : 

{A  —  B)  =  {0-B)  —  {Ö-Ä). 
Ist  nun 

(0  —  L)  i'"  =  (0  ^  B,)', 

iO-A)i"'  =  {0-A,); 
so  folgt: 

{Ä  —  B)  i"'  =  (0  —  B,)  i     /    / 

-iO-A,)  =  {A,-B,)-        W/ 
d.h.:    Wenn  mvei  Strecl'cn  um      i/-'" 
ihren    gemeinsamen  ^Endpunl^t   o 

gldclic  WinJiel  heschreihen,  so  heschreiht  die  Verlindungsstreclce 
ihrer  Endpimlde  den  gleiehen  Winlcel. 
Umgekehrt :    Wenn 

{A-B)i"'  =  (A,-B,), 
(A~-B)  =  {0~  B)-{0-  A)- 

{A,-B,)  =  {0-B,)-{0-A,y, 
so  folgt: 

{0  -B)  i'^^  —  {O  —  A)  i"^  =  (0  —  B,)  -  {0  ~  yl.) . 

Ist  nun  (0  —  A)  i'"  ==  (0  —  A{)\  d.  h. :    beschreibt  die 

Strecke  (0  —  A)  denselben  Winkel  um  0,  so  ist  auch 

{0  —  B)i"'  =  {0  —  B,). 

Selilcpel,  Syst.  d.  P.aumlcliro.  y 


und 


6G 


Der  Drehuugspunkt  0  ist  hiernach  der  Schnittpunkt  der 
in  den  Mitten  der  Strecken  {Ä  —  A^)  und  {IJ — L',)  con- 
struirten  senkrechten  Geraden.  —  Analytisch  ist  der  Drehungs- 
punkt  bestimmt  durch  die  Formel: 

0-A_0-B,^        .  A-B   _A,-  B, 

O  —  A  0  —  B^      ^^^^  •       0  —  A~   O  —  Ai 

Für  zwei  beliebig  verschieden  gerichtete  gleich  lange 
.    Strecken   in  der  Ebene   giebt  es.  stets   einen  Drehuugspunkt. 

Hieraus  nun  ergeben  sich  sogleich  für  die  Hichtungs- 
ünderung  eines  Dreiecks  {OAB)  folgende  Sätze: 

Wenn  ein  Dreieck  sich  ttm  einen  seiner  Eclixmnkte  dreht, 
so  hescJireihen  seine  Seiten  gleiche  Winkel. 

Wenn  stmi  Seiten  eines  Dreiecks  um  den  gemeinsamen 
Eckpunkt  gleiche  Winkel  hescJireihen,  so  heschreiht  die  dritte 
Seite  den  gleichen  Winkel. 

Ein  Dreieck  hleiht  durch  Drehung  ungeändert,  wenn  zwei 
seiner  Seiten  ihren  Richtungstmterschied  nicht  geändert  hcihen. 
107.  Wenn   zwei   Strecken    {A  —  B)   und   {B  —  C)    sich   um 

gleiche  Winkel  {ni)  um  einen  beliebigen  Punkt  0  in  der 
Ebene  gedreht  haben  und  dadurch  in  die  liagen  (^,  —  B^), 
(I),  —  C,)  gekommen  sind,   so   muss   nach  voriger  Nr.  sein: 


^^ 


{A  —  B)  i" 
Nun  ist: 


{A,-B,)     ;     {B-C)i'-'={B,-C,). 


{A-B)^{0-B)-{0-A)', 
{A,-B,)  =  {0-B,)-{0-A,)- 

{B~C)  =  {ü-C)-{_0-B); 
{B,-C\)-^{0-C\)^-{0-B,); 


—     67 


folglich : 

(0  —  B)  i'" 

-i^O-Ä)r  =  {0-B,)-{0-Ä,)- 

(0  —  C)  i'" 

-.(0-B)l"'^iO-C,)-{0-B,). 

Ist  uuii: 

iO-A)i'"={0-A,), 

1        (A  —  B) 

=  Wr— — TT  ,    wodurch   0  bestimmt   ist,    so 

auch: 

(0  -  B)  V"  =  {0-  B,) 

und 

{0-C)i-  =  {0-C,); 

ist 


d,  h. :    das  ganze  Dreieck   der  Punkte  (.-1,  B,  C)  dreht   sieh 
um  0. 

Die  Sätze  der  vorigen  Nr.  gelten  nun  für  die  Drehung 
um  einen  beliebigen  Punkt  der  Ebene. 

Die  letzten  Formeln  liefern  aber  noch  folgenden  Satz : 

Die  in  den  Mitten  der  Vcrhindunyslinicli  ziveier  liomo- 
hyer  EcJien  heliehiger  congruenter  Dreieclcc  construirtcn  Scnlc- 
rechten  schneiden  sich  in  einem  einzigen  PimJde,  dem  Drehungs- 
X>nnMe. 

Ist  speciell  0  =  ^4^;  also  {0  —  A)  =  {B  ~  0),  und 
m  ==^2 ,  so  folgt : 

{0-A,)  =  {.i-0)  =  {0-B);  ^ 

also  A^  =  B.  . 

(0  -  i?,)  =  {B  -0)  =  {0-Ay,    4^:-^,^^ -^f 

also^i  =^.  ^'\         /  '"  ^^ 

(0-0,)  =  (0-0);  \// 

also  0  =  ^4^  =  ^^^;  d.  h.:   die  ^' 

Punkte  AB  C Ci  bilden  ein  Parallelogramm.    Die  Diagonale 
tJieilt  dasselbe  in  z%vei  congruente  Dreiecke.     (Vgl-  Nr.  112.) 

Anm.  Auf  dieäe  Drehung  und  auf  die  früher  behandelte  Schie- 
bung lässt  sich  jede  Bewegung  eines  Dreiecks  zurückführen.  —  Die 
letzte  Nr.  enthält  übrigens,  wie  man  bemerken  wird,  den  einzig  wissen- 
schaftlichen Beweis  für  den  Satz,  dass  zwei  Dreiecke  congruent  sind, 
wenn  sie  in  zwei  Seiten  und  dem  eingeschlossenen  Winkel  überein- 
stimmen. An  die  Stelle  des  vagen  Aufeinanderlegens  (wobei  man  nur 
beweist,  dass  die  auf-  oder  nebeneinander  liegenden  Dreiecke  con- 
gruent sind,  und  stillschweigend  die  unerwiesene  Annahme  macht,  dass 
das  durch  drei  Stücke  bestimmte  Dreieck  beim  Transport  seine  übrigen 
drei  Stücke  unverändert  behalten  müsse)  tritt  hier  der  bestimmte  Be- 


-     68     — 

grift"  der  Drehung.  —  Was  die  amlereu  sogenannten  Congruouzsiilze 
betrifft,  so  erscheinen  diejenigen,  welche  die  Gleicliheit  zweier  Winkel 
voraussetzen,  als  ppecieller  Fall  in  der  Aelmlichkeitslehre.  Die  beiden 
anderen  erledigen  sich  wie  folgt: 

1)  Sei 

{A  -  B)  iy  =  (A^  -  5i);      {B  -  C)  i"  =  {B,  -  C\); 
dann  ist:  (C  -  A)  i^  =  (C,-  A^, 

(A  -  B)  iy  +  (J5  —  C)  i"  +  (C  -  A)  i^  =  0; 
oder  • 

(J5  _  C)  ?"-y  +  (C  -  A)  v'-y  +  {A-B)  =  Q. 

Letztere  Gleichung  bezeichnet  entweder  ein  dem  gegebenen  symme- 
trisches Dreieck,  bestimmt  dann  aber  auch  gleichzeitig  die  Winkel 
u,  ß,  y  in  bekannter  Weise^  oder  giebt_,  mit 

(B-C)-}-{C-A)-{-{A-B)=^0 
verglichen,  das  Resultat :   a  =  ß  =  y,  woraus  wieder  die  Gleichheit  der 
Winkel  des  Dreiecks  (-4i  i5,  C,)  mit  denen  von  {AB  C)  folgt, 

2)  Sei 

{A  -  B)  iy=  (A,  -  Bö;      {B  -  C)  i«  =  (5,  -  C,); 
[B  -  C)  :  {B,  -  C,)  =  {A-C):  {A,  -  C\). 
Dann  ist: 

B—G  A—C 

\B-C)i"^'^-Cr^    '''^''•-     i^^-C)i"  =  i^2-C,); 
und  da  {B  —  C)  i"  =  (5,  —  CV,  so  ist  auch  {A  —  B)  i"  =  (A^  —  B,)\ 
d.h.:   {Ai  —  B,)  i"~  ^  = -4,  — -B),  und  im  Falle  der  Congruenz  gleich- 
zeitig a  =  y  und  Af  =  J.,. 

Uebrigens  ist  bei  dem  hier  befolgten  Gange   die  Bedeutung  der 
Congruenzsätze  ganz  untergeordnet. 

iu8.         Erwf'iterimgcn.     Äufyahc:    Von  einem  gegebenen  Punkte 

aus    soll    man   drei    der  Länge    nach    gegebene   Strecken    so 

ziehen,   dass    ihre  Endpunkte   drei  Ecken 

eines  Quadrates  bilden. 

Äncäysis.    Sei  A  der  gegebene  Punkt, 

und  AB  CD   die   gesuchte  Figur.     Dann 

soll  sein : 

-^.^  {O-B)  l  =  {C-B), 

oder : 

{CA  —  BA)  i  =  {CA  —  BA)- 

CA.i-  BA.i  =  CA  —  BA  {=  CB); 

/  d.  h.:    die  vier  Strecken   CA  .  ^,    BA  .  i, 

BA  und  CA,  welche  alle  nach  Lage  und 

-^       Richtung  bestimmt  sind,  bilden  ein  Viereck. 

Consfrurtion.     Demnach   ziehe   man  von  A   aus    CA    in 

beliebiger   Richtung,    dann    CA  .  i  =  CE;    dann    muss    der 


^ 


Äi 


(39 


Punkt  B  gcmeiiisiimer  Endpunkt  der  Strecken  DA  .  i  und 
BÄ  sein,  wird  also  durch  die  aus  E  und  Ä  resp.  mit  AB 
und  AB  beschriebenen  Kreise  bestimmt. 

Da  CD  .  l  —  OB  —  BB  =  CB  ist,   so   hat  man  noch: 


C 


.  i 


—  BA .  i  =  CB 


oder 


CE—  BE=  CB- 


d.  h.:    die  Dreiecke   der  Punkte   {C  A  B)   und    {C  E  B)   sind 
congruent. 

Aufgabe:    Zu   beweisen,   dass  ein  Punkt  auf  der  Bari- lOd. 
pherie  des  einem  gleichseitigen  Breiech  umschriebenen  Kreises 
liegt,  u-enn  die  mittlere  seiner  Verbindungslinien  mit  den,  Ecken 
numerisch  gleich  der  Summe  der  beiden  anderen  ist. 

Wenn  ein  Dreieck  (AB 31),  welches  bei  B  einen  Wink'el 
von  ■§•  R  hat ,   um    den  Punkt   M 
eine  Drehung  von  ^R  macht,  so  ist : 

{M-A,)  =  {3I-A)it, 

{3I-B{)  =  {3I-B)i^, 

{A,-B,)=^{A-B)ii. 
Demnach    sind    die    Dreiecke 
\A3IA;)  und  {B3IB^)  gleichsei- 
tig ;  also  numerisch  {Bߣ)=^{B^B) ;  x 
ausserdem   {B  Ä)  =  {B^A^).     Da 
ferner   die  Winkel  bei  B  gleich  ^Ft,  -\-  ^  R 
liegen   A  B  B^   in    gerader  Linie.    —   Und   da    die    gleichen 
AVinkel  bei  A  und  A^  Periphcriewinkel  über  derselben  (Sehne 
(MBi)  sind,   so  liegen   die  vier    Punkte  3IAA^Bl  auf  der 
Peripherie  desselben  Kreises. 

Au  111.  Diese  beideii  Aufgaben  zeigen,  wie  auch  in  Anwendungen 
die  Cougi'uenz  der  Dreiecke  durch  den  Drehungsbcgriil'  ersetzt  werden 
kann.  —  In  der  ersten  Aufgabe  füllt  die  leichte  Aufliiulung  der  sonst 
versteckten  Analysis  in  die  Augen,  in  der  zweiten  der  organische  Zu- 
sammenhang des  zu  beweisenden  Satzes  mit  dem  System. 


V\ 


2R   sind,   so 


—    70    — 

B.    Grössen,  abgeleitet  aus  mehreren  festen 
Strecken  oder  Punkten. 

1.    Einfache  Grössen. 

5(.    Abgeleitet  aus  mehreren  festen  Punkten. 

a)   Grössen  vom  ersten  Grade. 

110.  Der  Mittelpunkt  M  zweier  Punkte  A  und  i>  in  einer  Ge- 


raden w\.\v(\e  bestimmt  durch  die  Formel:  M 


A+B 


Nen- 


nen wir  analog  denjenigen  Punkt  M  den  Mittelpunkt  dreier 
Punkte  A,  B,  G  in  einer  Ebene,  welcher  bestimmt  ist  durch 
die  Formel : 

jf  =  ^±|+£..) 

Setzen  wir  A  -\-  B  =  2Z^  so  folgt: 

2Z+  G=33I;     oder:     31  =  ^  Z -j-  ^G; 
d.  h. :    M  ist  doppelt  soweit  von  G  entfernt,  als  vom  Mittel- 
punkte von  A  und  B.     Dasselbe   gilt  für  die    anderen  Eck- 
punkte,   wenn    wir    die    Buch- 
staben A,  B,  G  und  X,   Y,  Z 
«irculär  vertauschen.     Also: 
2X-i-A  =  33I', 
2Y-{-  B  =  3M; 
2Z-\-G  =3Jf; 

2(x+r+z) 

+  (.-i  +  jB+  C)  =  9ilf; 
2(X+  r-f-Z)=:6il/; 
X+  r-fZ=3Jf; 
d.h.:   cVie  Halhiningsimnlde  X,  Y,  Z  haben  denselben  Mittel- 
punJä  wie  die  gegebenen  Bunläe. 
111.  Sei   zur  Verallgemeinerung  der  letzten  Betrachtung   ein 

beliebiger  Punkt  X^  auf  {B  —  G)  durch 

X,=ß,B  +  y,G         (^,-f-j;,  =  1) 
bestimmt;  ein  Punkt   TJ  auf  {A  —  X,)  durch 

Cr=«,^  +  ^,X,  K+^,  =  1); 


")  Vgl.  G.  A.  I.  S.  41.  42. 


—     71     — 
dann  ist : 

u=  c^.Ä  +  ß,d,B  +  r,ö,c      («,  +  /5,r^,  +  r,d,  =  1). 

Diese  Formel  zeigt,  wie  ein  beliebiger  Punkt  der  Ebene 
durch  drei  gegebene  feste  PtmJdc  bestimmt  wird. 
Sei  allgemein: 

X=  aÄ-i-  ßB  -{-  yC;         ß-f|3  +  y  =  l. 

Dann   sind   hinsichtlich   der  Grössen   a,  ß,  y  drei  Fälle 
zu    unterscheiden;    und    zwar 
lässt     sich    der    gegenwärtige 
Fall  durch  die  Bedingung  aus- 
drücken : 

1)   ci  ß  y   sind  alle  Meiner 
ah  Eins,  und  alle  positiv. 

Wenn  ein  Punkt  X^  zivi- 

selicn  B  und   C,   und   ein  an-   » J*^ ^ ^ ^r 

derer,  U,  zwischen  Ä  und  X, 
liegt,  so  sagen  wir,  U  liege  zwischen  Ä,  B  und  C.  Der  In- 
begriff aller  Punkte,  welche  dieser  Bedingung  genügen,  heisst 
eine  DreieclcsfläcJie  (ein  Dreieck). 

Ist  eine  der  Grössen  a,  ß,  y  gleich  Null,  so  liegt  JJ  auf 
einer  der  Seiten  des  Dreiecks-,  sind  zwei  von  diesen  Zahlen 
gleich  Null,  so  liegt   U  in  einem  der  Eckpunkte. 

Die  drei  Seiten  eines  Dreiecks  begrenzen  also  einen  Theil 
der  Ebene  (die  Dreiecksfläche),  worin  jeder  Punkt  zwischen 
den  Punkten  A,  B,  C  liegt. 

Multiiilicirt  man  die  Gleichung  X=aA-\-ßB-\-yÜ 
der  Reihe  nach  äusserlich  mit  A,  B,  C,  so  folgt: 

C 


ß  r      '    '«•     ß 


AX==ßAB  =  yAC.,        BX  =  yBC-\-  ccBA; 
CX^aCA-^ßCB\ 
oder  für  die  erste  dieser  Formeln: 


—     72     — 


oder: 


A  (Ä  -  X)  =  ßÄ  {Ä  -  B)  +  yÄ  {Ä  -  C); 


^  ^X)  =  ß(Ä-B)-\-y  (Ä  -  C). 

In  analoger  Gestalt  lassen  sich  aucli  die  beiden  anderen  For- 
meln  schreiben.     Sie   lehren  nun,   wie   der   Punkt  X  durch 
Construction  gefunden  werden  kann. 
112.  Sei  wiederum 

X,  =/3,i>'  +  y,0;         (/j,  4-;k,  =  1); 
aber  ausserdem: 

Dann  ist : 

Wenn  also  in  der  Gleichung: 

X  =  aÄ-^  ßB-{-yC 

ehie  der  Zahlen  negativ  ist,   so   liegt   der  Punkt  X  jenseits 

der  Seite,  welche  dem  negativen 
Punkte  gegenüberliegt. 

Ist  /3|  =  ^, ,    so   ist  auch 
j  =  y, ;  die  Gleichung  für  U 


P=-i'^l  +  -B+S;C; 


und  U  liegt  auf  der  durch  B  mit  (C  —  -4)  gezogeneu  Parallele. 
Ist  y^  =  öy,   so  ist  auch  (v,  =  ß^]   die  Gleichung  für  U 
lautet: 

^=-|^^+l;^  +  <^5     oder:     {U  -  C)  ==  ^^{B  -  A); 

uud  U  liegt  auf  der  durch  C  mit  {B  —  Ä)  gezogenen  Parallele. 

Ist  ßi  =  yi  =  d\,  so  ist  auch  a^  =  d^  (=  \),  und  U 
ist  der  vierte  Eckpunkt  eines  Parallelogramms. 

Sind  «] ,  ß\,  yi  <  S^,  so  liegt  U  innerhalb  dieses  Paral- 
lelogramms, sonst  ausserhalb. 

In  der  allgemeinen  Gleichung  bestehen  also  für  ersteren 
P^all  folo;ende  Bediusruncren: 


(ö 


^ 

C 

a/    X 

\ 

B 

r     \     «      '4 

2)  «  ^  7  sind  alle  Idäncr  ah  lut/s,  a])er  r/>;c'  dieser  Zah- 
len negativ. 

Dreht  man  nun  das  Dreieck  der  Punkte  {ABC)  um  i\iiii 
]Mittelpuukt    von     (.1  —  B) 
durch  einen  gestreckton  Win- 
kel, so  dass 

Äi=2J-       B,=Ä: 

C  -{-  C\  =  Ä  +  B 
wird,  so  ist: 

X=(ß  +  y)A, 
^{cc  +  y)B,-yCr, 
d.  h. :   der  Punkt  X  liegt  im 
Dreieck  der  Punkte  (^1  B  C) 
und  im  Parallelogramm   der 
Punkte  {ABCC;}. 

Sei 

X,  =  aA,  +  ßB,-{-YC, 
so  ist  auch : 

Xi  =  aB-{-  ßA-^yC.  ' 

Also  jedem  Punkte  im  Dreieck  {ABC)  entspricht  ein 
anderer  im  Dreieck  {A^  By  C,).  Letzteres  heisst  das  Ergün- 
ziuigsdrcicch  des  ersteren;  jede  der  heiden  Dreiecks fläclieu  ist 
halb  so  gross  als  die  Fläche  des  Parallelogramms .  Da  auch 
die  Zahlen  cc  und  ß  negativ  sein  können,  so  hat  das  Dreieck 
drei  Ergän zungsdreiecke. 

Aus  A X  =  ß A B  -\-yAC  folgt : 
AX  =  ß  {AC-i-  CB)  +  yA  C  =  (ß -\-  y)  AC+ßCB. 
Andererseits  ist: 

jb*X,  =ß  .BA-^yBC; 

X^B  =  ß  .  AB  —  yBC=ß{AC  +  CB)  ~  yBC; 

folglich : 

X,B=iß  +  y)CB-{-ßAC. 

Der  Punkt  X  liegt  also  in  einem  Dreieck,  wenn  im  Aus- 
drucke für  AX  die  Coefficienten  der  Glieder  in  bestimmter 
Reihenfolge  abnehmen;  in  einem  Parallelogramm  ohne  diese 
Bedingung.    Im  letzteren  Falle  kann  mau  die  Zahlen  ß  und 


—     74 


iß  -\-  y)    lJi->liebig    an    die   Glieder    ÄC  und   CJJ    vertheilen. 
Hiermit  ist   die  Bedingung  festgestellt,   unter   der  ein  Punkt 
iji  einem  Parallelogramm  liegt.*) 
113.  Sei  wiederum 

aber  ausserdem: 
Dann  ist : 


?7  = 


ß,B-a,r,C-, 


A-^B 


Wenn  also  in  der  Gleichung 

X=  aA-^  ßB-^yC 

3)  zivcl  Zahlen  negativ  sind,  so 

liegt  der  Punkt   X  jenseits   der 

Ecke,    welche    der    Strecke    der 

negativen  Punkte  gegenüberliegt. 

Die    weitere    Ausführung    dieses  Falles ,    die    sich  ganz 

analog  mit  Nr.  112.  gestaltet,  übergehen  wir  ihrer  geringeren 

Wichtigkeit  wegen. 

111.  Enve'derungcn    und  Anwendungen.      Ein  Punkt    X    sei 

durch  drei  feste  Punkte,  ABC,  so  bestimmt,  dass 

X  =  m  A  -\-  uB  -\-  pC.        {m  +  i*  +  i->  =  1) • 
Bezeichnen  wir  durch 
Xj    den  Durchschnittspunkt  von    XA  und  BC. 


X, 
X, 


XB 
XC 


CA. 
AB. 


Dann  liegen  auf  je  einer  Geraden  die  Punkte: 
X.IX.;         XBX,;        XCX3; 
CAX,:        ABX, 


Diese    Beziehungen    mögen    dargestellt    sein    durch    die 
Formeln : 


*)  Vgl.  G.  A.  I.  §  110.  111. 


75 


X^A,.1  +  ^,X,; 

(^1  +  f^i 

-!)• 

x  =  L,n-{-^t,x,; 

(^:«  +  f*2 

=  1). 

'X  =  X,C+ii,X,- 

(^..  +  i«. 

=  1). 

X,  =  ^  i'  +  ^  C; 

(9l   +  <?! 

=  >«i)- 

X.=  ^C  +  -'  A: 
fh               ."2 

((>•.  +  <^-. 

=  ft.,) . 

■^             .«3                       >«3          ' 

{q,  +  <?.. 

■--  f*.0  • 

Hieraus  folojt  soo'leich: 

X  =  A,.l  +  p,  B  +  (>,  O5         (A,  +  p,  +  (?,  =  1). 

X  =  A,J5  +  Q,C  +  (72^;         (A,  +  Q,  +  rr.,  =  1). 

X  =  A,C  +  Q,A  +  (;,!>•;         (A3  +  Q,  +  (>;,  =  1). 

Da  aber  derselbe  Punkt  X  aus  den  gegebenen  drei  Punk- 
ten nur  auf  eine  Weise  bestimmt  sein  kann,  nämlich  durch 
die  Formel: 

X  =  mA-{-  uB-j-pC, 

so  müssen  die  Zahlen  A,  q,  a  bestimmt  sein  durch  die  Formeln : 

A,  =-•  6.,  =  Q.^  =  ni] 

^■2  =  ^s  =  Ql=  ^^1 

X.^=.a^  =  Q,=p. 

Die  obigen  Gleichungen  gehen  hiernach  über  in: 

X  =  mÄ  -\-  {n  -\-  p)  X, ; 

X  =  ni'  +  (2)  +  m)X2; 

X=  pG  +  (w+ w)X3; 

X,  =  -^i^+-|:-C; 

X2  =  -^(7  +  -^^; 

•^        p  -\-  VI         '    p  +  m       ' 

Spccielle  Fälle-.    1)  Sind  von  den  drei  Zahlen  ?>Mij)  zwei,  115. 
z.  B.  p  lind  u,   einander  gleich,   so  heisst  die  durch  A  und 
X,   bestimmte  Gerade   (resp.   die  Strecke  A  --  X,):    Trans- 
versale.    Eine  Transversale  im  Dreieck  der  Punkte  {ABC), 
halbirt  also  eine  Seite.     Denn  es  ist  nun: 

X,  =  u^+<^)- 


—     76     — 
Die  Foniielii  für  X.>  und  X.,  aber  lauten  jetzt: 
X.,  =  -^  C  +    -^  Ä  ; 

d.  li.:    Die   Strecke    (C  —  ^)   wird   durch    X.,   in   demselben 
Verbältnisse  getlieilt,   Avie  {B  —  Ä)   durch  X.,,    oder:    Ztvd 


IJV"^ 

/ 

■  / 

/ 

^ 

-"^ 

p 

'^ 

7Ä 

\-}'' 


v/. 


r7«>-67<  c/ncvi  heliehir/eii  Funld  einer  Transversale  {A  X,)  ««(Z 
r?«6'  ^wci  Eclxpwnkte  {B,  C)  gesogene  Geraden  the'den  die  Seiten 
{A  —  B)  und  {A  —  C)  in  gleieheiu   Verliältniss. 

Die  letzten  beiden  Formeln  für  X  lauten: 

X=nB-{-  {m  +  n)  X.     ;     X=  nC-{-  {m  +  n)  X.,  ■ 

d.  h.:  Die  Strevlcen  {B  —  X.,)  und  {C — X..)  werden  dnreh 
X  chenf'alls  in  gleielieni  Verliältniss  getheilt. 

2)  Ist  p  =  ni=n,  so  zeigen  die  Formeln  für  X, ,  X^, 
Xg,  dass  die  drei  Geraden  (.IX,),  (jBX,),  (C'Xy)  sämmt- 
licli  Transversalen  sind;  d.  h. :  Die  drei  Transversalen  eines 
Dreieelcs  schneiden  sieh  in  einem  Bunlde]  oder:  Die  Ver- 
bindungslinie des  Durclischnittspunktes  zweier  Transversalen 
mit  der  dritten  Ecke  halbirt  die  dritte  Seite. 

Die  Formeln  für  X  zeigen ,  dass  die  drei  Transversalen 
dureh  X  im  Vcrhültniss  von  1  :  2  getheilt  werden.  —  Aueh 
ist  X  der  Mitteljmnld  der  drei  Punkte  A,  B,  C. 


—     77     — 

Alis   den  Formeln   für   X, ,  X,,  X.j   folgt  durch  "insscre  nß. 
Multiplication : 

CX,  =  ~~^-  CA-        AX,  =  ~^AC- 

AX.=^-^'  AB-        BX^  =  ^^BA: 

•*        m  -\-n  '  -^         m  -f-  n  ' 

oder : 

J5X,  :  CX,  =  -  {p  :n)- 

CX,-.AX.^  =  ~(m-.p)- 
AX^:  BX^  =  —  {n  :  m) ; 
und  durch  Multiplication  dieser  drei  Formeln: 

{BX,)  .  (CX,)  .  (^X3)  =  -  (CX,)  .  {AX,)  .  (J5X3) ; 
oder : 

(5X,)  .  (CX,)  .  {A  X,)  =       (X,  C)  .  (X,^)  .  (X,B) ; 

als  Ausdruck  des  Satzes:  Vrrhindct  man  einen  PunTct  der 
Ebene  mit  den  drei  Eclcen  eines  BreiecJiS,  so  ist  auf  den  Seifen 
des  DreiecJcs  das  Product  der  drei  ungeraden  Ahsehnitte  gleieh 
dem  der  drei  geraden. 

Seien  die   Punkte   X,  X,  X3   durch  Geraden   verbunden,  117. 
und  bezeichnen  wir  durch 

yl,    den  Durchschuittspunkt  von    X,  X.j   und   BC; 

iij  „  „      X3  X,      ,,      CA ; 

C'l  ;,  ,,  Xj     X,  ;;  ^jß. 

Dann  liegen  auf  je  einer  Geraden  die  Punkte: 

Ay  X.,  X., ;         jB,  X3  X,  ;         C\  X,  X, ; 
A.BC;  ByCA-  C,AB. 

Diese  Beziehungen  mögen  dargestellt  werden  durch  die  For- 
meln : 

Ay  =  Ao  X2  +  A3  X3 ;         Ay  =  Q^B  -\-  a^C-^ 

^\  =  f*:}  ^^3  +  f^i  ^1 ;      ^1  =  Q>(^  +  <7-.  --i; 

C,  =  P,  X,  +  ;/,X,, ;         C,  =  ().,yl  +  6.B. 
Hieraus  folgt: 

X,X,-i-k,X,=:^,B-j-(S/J-, 

V,  X,  -f  V., X.^  =  Q.^A-\r  o.^B. 


78     — 


Andererseits  erhält  man  aber  aus  den  früheren  Formeln  für 
X,X,Xy. 

{m  -f-  l»)  X.j  —  {m  -f-  n)  X.^  =  p  C  —  uB ; 

{n  -\-  m)  X3  —  (ji  -{-  p)  Xj  ==  m A  —  pC] 

{p  +  .'0  ^1  —  {P  +  ^'0 X^  =  nB  —  mÄ. 

Da  beide  Gruppen  von  Formeln  die  nämlichen  drei  Durcli- 

schnittspunkte    ausdrücken ,    und    die    Coefficienten  -  Summen 

gleich  Eins  sein  müssen,  so  hat  mau: 

m  -f-  p  -^^  m  +  H  "i-    p       /-1  n 


-4.  = 


^  VI  — 


C,= 


p  —  n 
n  -\-  m 
P 


X, 


2)  —  n      •'        2J  —  n 

n  4"  p  ^^              m 
A,  =  

m  —  p       '         m 


P 


P  +   5» 


x.,= 


c  - 

A  - 
B  — 


B. 

2)  —  n 

m  — 1> 

A  . 


n  —  m 


Die  letzten  Formeln  kann  man  auch  schreiben : 
{p  —  n)  A^  =  p  C  —  nB  ] 

{m  —  p))  -^1  =  ^''-4  —  P  C'i 

, ,.  ,  (n  —  7n)  C,  =  nB  —  mA: 

addirt:  .        ^  ^ 

{p  —  n)  Ai  -f-  {m  —  2))  ^i  +  0^  —  w«)  Ci  =  0 ; 

d.  h.:    Die  drei  PunJde  -4,  JBj  C,  licgeti  in  derselben  Geraden. 
118.  Sitcridle   Fälle.      1)   Von    den    drei   Zahlen   mnp  seien 

zwei,  z.  B.  n  und  p,  ein- 
ander gleich;  dann  wird 
der  Durchschnittspunkt  A^ 
(=00)  unbestimmbar;  d.li. 
X,  X3  und  B  C  sind  pa- 
rallel.' 

2)  Ist  n  =  p)  =  m,  so 
ist: 

X2X0  ||5C; 

X,X,\\AC; 

X,X,\\AB; 
d.   h.r     Die    Verhindunys- 
linien  der  Fusspunkte  der 
Transversalen  sind  den  Sei- 


'^ 


ten  des  Dreiecks  parallel. 
119.  Durch  Addition  der  Ausdrücke  für  X.,  und  X.  erhält  man: 


—    79    — 

{m  -f  i))  X.,  +  {m  +  7i)  X(  =  2mÄ-{-nl3-{-  pC=  X-\-mA- 
oder: 

m  -\-  l      •*')«  +  1      '        j«  +  1         '    «i  -{-  1 
Setzen    wir   diese   Ausdrücke  gleich    Y, ,    so   ist    Y,    der 
Durchschuittspimkt    der    Geraden    Xj  X3    und    J.  X.      Also, 
wenn  wir  analog  auch   Y.^  und   Y..  einführen: 

TT-  Wi  ^      I  1  -x^ 

'         j/i  +  i  '     in  +  1 

Die  letzten  Formeln  geben  durch  äussere  Multiplication 
mit  resp.  A,  B,  C  und  X: 

AY,  =  -^AX;         Xr,=:-^Xyl: 
.-Br,==  --l-T^X;         Xr2=-^XJ5; 

oder  durch  Division: 

■AY)  _  j_         ijr,  _  2_ .        <^'  i'^ä  _  1 

Andererseits  ist  aber  auch: 

AXy  _  j_  BXi  _  £  C'Xg  _  ^ 

XX,  ~  m  '  XXg  ~  ¥ '         XX3  ~  p  ' 

Eine  gegebene  Strecke  {A  —  X)  ist  also  auf  doppelte 
Weise  in  einem  gegebenen  Verhältnisse  (1  :  m)  theilbar.  — 
Es  ist  nun : 

AY,  :  riX  =  ^X,  :  XX,; 

BY^  :  Y^X  =  BX^  :  XX^ ; 

C  Y.^  '.  ji  3  X  =  C  X3  :  X  X3 . 
Zwei   Punkte   (X,,   Y^),   welche   eine   gegebene   Strecke 
(-4  —  X)   in   gleichem  Verhältnisse   theilen ,    heissen   harmo- 
nisch mit  deji  Endpunkten  der  Strecke.  —  Da  auch 

AY,  :  AX,  =  r,X:XX,, 
so  wird  auch  die  Strecke   (X,  —  Y^)  von  den   Punkten  A 
und    X    harmonisch    o-etheilt.      Man    nennt    daher    alle    vier 


-      —     80    — 

Punkte  ohne  Unterschierl  liarmouische,  aber  Ä  und  X^  sowie 
A'i  und   Y\  rinamler  F:u(jcor(lncte  {ronjvf/irfc).  — 

Harmonische  Punkte  sind  also  in  unserer  Figur: 

{Ä  r,  XX,),      (B  Y,  XX.^,      (CT,  XX,) . 
Multiplieirt  man 

(\  =  -^^  B  -  -"^  A 

'         n  —  )n  n  —  m 

mit  Ä  und  B,  so  folgt: 

(7, B= '"^  AB    ■     C\  A  =  -^^  BA : 

^^^0*  "  C\B:C,A==m:n. 

Multij)licirt  man  andrerseits 

X^  =   — , A  -] -r—  B 

■*        )n  -f-  n  '    m  -j-  n 

mit  A  und  B,  so  folgt: 

X^B=      "'^  AB     :     AX^=  -^  AB: 

•^  m  -j-  n  '  -^         »i  -f-  n  ' 

^^^o:  x,B:  AX^  =  m:n; 

folglich :  ^r^  j5  .  (,  A==X,B:A X, ■ 

d.  h. :  auch  die  Strecke  {A  —  B)  wird  durch  die  Pmddc  C, 
und  Xg  harmonisch  getheilt. 

Die  vom  Punkte  X.,  durch  die  harmonischen  Punkte  A, 
Y^,  Xj ,  X  gezogenen  Geraden  schneiden  also  auch  die  Ge- 
rade {AB)  in  harmonischeu  Punkten.  Und  da  sowohl  der 
Punkt  Xo ,  als  die  Gerade  {/i  B)  (abgesehen  vom  Punkte  A) 
von  der  Lage  der  vier  Punkte  {AXY^X,)  unabhängig  sind, 
so  hat  man  den  Satz:  Die  aus  einem  heJiehigen  Punlde  der 
Ebene  ditrch  vier  harmonische  Punlde  gezogenen  Geraden 
schneiden  jede  beliebige  durch  einen  derselben  gesogene  Gerade 
ebenfcdls  in  harmonisclien  Punlden. 

Die  aus  einem  Punkte  der  Ebene  durch  vier  harmonische 
Punkte  gezogenen  Geraden  heissen  daher  harmonische  Stralen. 

Specieller  Fcdl.  Sind  zwei  der  Zahlen  '))i,  n ,  j),  z.  B.  m 
und  n,  einander  gleich,  so  ist  C'j  =  oo,  d.  h.  unbestimmbar; 
und  die   Geraden   (Xj  X,)   und   {AB^   sind    parallel.     Dann 

ist  a])er  X3  =  — '-^ — ;  d.  h. :  die  von  einem  beliebigen  PunMc 
der  Ebene  nach  den  EndxmnJden,  dem  Mittelpunlxte  einer  Strecke 
und  parallel  mit  ihr  gezogrnrn  Geraden  sind  harmonisch. 


—    81     — 

Anfyahcn:     1)   Zu   beweisen,   dass  die  Mitten  der  Dia- 120. 
yonalcn  eines  vollständigen  Vierecks  in  einer  Geraden  liegen. 

In  114.  ist,  wenn  ABCX.  die  Ecken  des  Vierecks,  und 
{A  —  B),  (C —  X),  (Xj  —  X2)  die  drei  Diagonalen  sind: 

-'"1  —         2        '  2  —        2        '  3  —  2~ 

Es  ist  zu  zeigen,  dass  zwischen  M^  M.^  M.^  eine  Zahlbeziehung 
existirt.     Nun  hat  man: 

2M,  =  A  +  B; 

2M^  =  mA  +  nB  +  (p  +  1)  C; 

2  j^  ^  m  [n  -\- 1))  A -\- n  {p -^  m)  .B  +  [2  j?^  +  (w  +  w) p]  C  ^ 
3  (??t  +  2?)  {n  +  ^j)  ' 

oder,  da  m  -\-  n  -\-  j)  =  \  ist: 

2(1— w)(l  — w)Jf3=m(l  — m)^  +  w(l  — w)jB4-^(14-_2?)6' 

=  m{\  —  m)A-{-n{l  —  n)B-^p  (2  ilfj  —  *»«^  —  »«-ß) 

=  w?  (1  —  m  —  p)A-{-n{\  —  71  —  p)  B  -}-  2pM^ 

=  mn{A-\-  B)  -]-2pM^ 

=  2mnMy-\-2pM,; 
oder : 

(1  —  m)  (1  —  n)  Jfg  =  mnM^  +  P-Mj!  w.  z.  b.  w. 
2)  Zieht  man  in  einem  Dreiech  ABC  aus  den  Ecken  121. 
drei  Geraden,  die  sich  in  einem  Punkte  P  sehneiden,  und  aus 
den  Glitten  der  drei  Seiten  des  Dreiecks  Parallelen  mit  den 
Theilungslinien  der  gegenüberliegenden  Winkel,  so  schneiden 
sieh  diese  Parallelen  gleichfalls  in  einem  Punkte  n ;  ferner  liegt 
der  Mittelimnkt  S  des  Dreiecks  mit  n  und  P  in  gerader  Linie, 
und  zivar  von  ersterem  halb  so  iveit  entfernt,  als  vom  letzteren. 

Man  hat: 

A-\-B-}-(J 

3 5 

sei  nun: 

P=aA  +  (iB  -\-yC;         {a -\- ß -^  y  =  l)  - 


ferner 


„  =  .m±ci  +  ß<c±A^  +  ,^A±£> 


Dann  ist  einerseits: 

aiP-~A)-j-ß{P-  B)  -{-y{P-C)  =  0; 
andrerseits : 

Schlegel,  Syst.  el.  Raumlelire.  6 


82 


Daraus  folgt: 

d.  h.:    Der  Punkt  n,  welcher  aus  den  Mitten  der  Seiten  des 
Dreiecks  durch  dieselben  Zahlen  abgeleitet  wurde,  wie  P  aus 

den  Ecken,  ist  der  Durch- 
schnittspunkt der  Paral- 


lelen, welche  aus  den 
Mitten  der  Seiten  zu  den 
aus  den  Ecken  gezogenen 
Geraden  construirt  sind. 
Ferner  ist 


122. 


+ 
+ 


2 

(y +  «) 

2 
2 


A 
B 


also: 
d.  h.: 


S; 


27t    +    F: 

7t,  P  und  S  liegen  in  derselben  Geraden,  und: 
F  —  S  =  2{S--7t)', 
d.   h. :    S  ist    doppelt    soweit    von   P  entfernt,    wie  von   7t- 
w.  z.  b.  w. 

Stehen  die  Parallelenpaare  auf  den  zugehörigen  Seiten 
senkrecht,  so  ist  P  der  Durchschnittspunkt  der  Höhen  des 
Dreiecks,  und  7t  der  Mittelpunkt  des  dem  Dreieck  umschrie- 
benen Kreises. 

3)  ZieJd  man  in  der  Ebene  eines  Dreiecks  eine  helichige 
Gerade,  ivclche  die  Seiten  des  DreiecJcs  in  drei  PnnJden  schneidet, 
so  sind  die  Prodiicte  derjenigen  drei  Ahsclmitte  auf  den  Seiten, 
ivelclie  keinen  gemeinsamen  Endimnkt  haben,   einander  gleich. 

Betrachtet  man  in  der  Figur  S.  76  {A  Xg  X)  als  ge- 
gebenes Dreieck,  und  PC  als  Linie,  welche  die  Seiten  AX^, 
X^X,  XA   resjD.  in   P,  C,  X^   schneidet,  so  ist 


83    — 


also: 
oder 


AB 


m     ^      XC  m  -\-  n^      A  X, 

tjT+w'     Xjä  ~       l~  '     XX, 


(X3£)(XC)MX,) 
{ÄB)\X^V.)  (XX,) 


=  1, 


•      {-^.B)  (XC)  {ÄX,)  =  iAB)  (X36')  (XX,). 
4)  In  derselben  Figur  ist  (S.  16): 

1; 


123. 


zx;+ :bx;+ ttv  =--  ^« + ^^+i> 

AX     .     BX     . 


(JX, 

ex 


=  (1 


^X,    '    £X,    '     0X3 

m)  +  (1  —  ^0  +  (1  -  p)  =  3  —  (7»  +  ?;  -\-  p)  =  2. 
Die  Uebertragimg  in  Worte  ist  leicht. 

5)   Haien  zivei  Dreiecke  eine  solche  Lage,  äass  die  Ver-nx. 
hindunyslinicn  dreier  EcJcenpaare  sich  in  einem  Punkte  schnei- 
den, so  liegen  die  DnrehschniUspitnlie  der  drei  Paare  jenen 
Ecken  (/egenüherliegender  Seiten  in  einer  geraden  Linie. 

Man  hat: 

—  X=A(X 
-X=^t(X-5); 

oder : 

X(l  +  A)^X,4-Ayl; 
X(l+ft)  =  X,  +  ft£; 
X(l  -\-v)=^-X.-\-vC; 
also : 

X,-\-lA       Xt-\-(iB 


if\ 


—     84    — 

so  folgt:  vi,  +  B,  +  (\  =  0; 

d.  h. :  die  vielfachen  Punkte  A^JJ^C^  liegen  in  gerader  Linie. 
125.  ö)  Verbindet  man  paarweise  die  drei  Anfangs-  und  die 
drei  JEndpunJctc  von  drei  gleich  gerichteten  Strecken,  so  liegen 
die  Durchschnittspunkte  der  entsprechenden  Linienpaare  in 
gerader  Linie. 

.y  Man  hat: 

.-K  a{A~B)  =  ß{C—  B) 

^.-""    l-^g  =y{E-F). 

,'-''      \  1         /      ^x        Setzt  man  nun: 

'^  \.^        \        i       /       x^^  X=aA  —  ßC=uB-ßD; 
\     [X^  Y  =  yE—aA=yF—aB; 

i;'/^  Z=ßC  —  yE=ßB—yF., 

\  ;  /  SO  ist: 

\i/  X+Y+Z^O- 

jj'  d.   h. :    die    vielfachen    Punkte 

•:  XY Z  liegen  in  gerader  Linie. 

12G.  Drei  Punkte,  e^e.,e^^,  die  nicht  in  einer  Geraden  liegen, 

bilden  ein  System  3'*^''  Sttife.  Alle  Grössen,  die  in  dem  aus 
ihnen  ableitbaren  Gebiete  3""  Stufe  vorkommen,  sind  aus 
ihnen  ableitbar. 

Jede  Grösse  a  im  Gebiete  der  Ebene  ist  darstellbar  durch 
die  Formel: 

worin  «j  a.^  cc.^  reelle  Zahlen  sind. 

Hinsichtlich  der  Bedeutung  von  a  sind   nun  zwei   Fälle 
zu  unterscheiden*): 

1)  «,  -}-  «2  "I"  "3  =  0.  —  Dann  ist: 

«a  =  —  («1  +  «2) 
a  =  «1  Cj  +  «2^2  ~  (^1  +  "2)^3  =  ^1  (^^i  —  C3)  +  ^2(^2  —  %)• 
Es  sind  nun  «j  (e,  —  C3)  und  «2(^2 —  ^s)  ^wei  Strecken; 
und  da,  wie  wir  oben  sahen,  die  Summe  zweier  Strecken  in 
der  Ebene  gleich  der  Diagonale  des  aus  diesen  Strecken  ge- 
bildeten Parallelogramms  ist,  so  ist  a  in  diesem  Falle  eine 
Strecke. 


*)  Vgl.  G.  A.  IL  222. 


—    85    - 

2)  a,  -j-  «2  4"  ^3  ^  0*  —  ^^^  ^i  ^^^  anderer  Punkt  der 
Ebene,  so  ist 

«  —  («1  +  «2  +  «3)  ^4  =  «1  (^1  —  C4)  +  «2  (^2  —  ^4)  +  «3  (^3  —  ^l)  . 

Auf  der  rechten  Seite  steht  die  Summe  dreier  Strecken, 
d.  h.  eine  Strecke;  es  muss  also  a  ein  PunJd  mit  dem  Coeffi- 
cienten  («j  +  «2  +  ^3)  sein. 

Es  kann  also  jede  Grösse  ersten  Grades  in  der  Ebene 
aus  drei  festen  Punkten  vermittelst  einer  linearen  Gleichung 
abgeleitet  werden. 

Für  Grössen  l"^*^"  Grades  gelten  auch  in  der  Ebene  alle  Ge- 127. 
setze  der  Rechnung  mit  Summen  von  Produkten.    Es  ist  also: 

d  .  a  =  («,d)Cj  +  («2^)62  +  («^3^)^35 

«  :  d  =  («1  :  d)e,  +  {a^  :  S)e2  +  («3  :  d)e^', 

ferner,  wenn   h  =  ß^e^  -f-  /32^2  ~h  /^s^s  ^^^' 

a  -f  &  =  («,  +  /3i)ei  +  («2  ±  ß-x)e2  +  («^3  +  ß-i)^z'^ 
d.  h.:    Produld  und  Quotient   aus  einer  Grösse  l^*"'   Grades 
und  einer  Zahl  ist  wieder  eine  Grösse  P^"  Grades. 

Summe  und  Differenz  von  Grössen  1'^'="  Grades  auf  der- 
selben Ebene  ist  wieder  eine  Grösse  P"^"  Grades. 

Anm.     Der  Quotient  zweier  Strecken  auf  derselben  Ebene  ist  nur 
dann  eine  reelle  Zahl,  wenn  «, ^2  =  0^2^1-     Man  überzeugt  sich  hiervon 
durch  Ausführung  der  Division,  wobei  unter  Rücksicht  auf  or j  -)-  '^^z "t"  ^^3  =  ^   • 
und  ßi  +  ßz  +  ^3  =  0  sich  noch  von  selbst  ergiebt:  «1^3  +  «sßi  =  0. 

Der  Inbegriff   aller    aus   e,  e.^  %   ableitbaren  Grössen  ist  128. 
ihr  Gebiet.    Dasselbe  heisst  Gebiet  3'<""  Stufe,  und  fällt  räum- 
lich mit  der  durch  e,  e^  e^  bestimmten  Ebene  zusammen. 

Zwei  Ebenen,  die  aus  616263,  resp.  62*^3  64  abgeleitet  sind, 
so  dass  keine  dieser  vier  Grössen  aus  den  anderen  abgeleitet 
ist,  haben  ein  gemeinsames  Gebiet  2^''''  Stufe  (62 ^^3)  ^^^^  ^^^ 
verbindendes  Gebiet  4'"  Stufe  (nämlich  das  aus  6462^3^4  ^^" 
geleitete). 

Wenn 

«  =  «,  c,  +  «362  +  «3^3 ;      c  =  y,e,  +  ^2^2  +  ^3^3 ; 

^  =  /5i  61   4-  ß.^e,  +  ^3^3  ;  f^  =  ^1  ^1    +  ^2^2  +   ^3^3  > 

SO  erhält  man   durch   Elimination  von  Cj  C2  63  *)   eine  lineare 

*)  Diese  Elimination  lässt  sich  mit  Hilfe  der  äusseren  Multipli- 
cation  auf  folgende  Weise  bewerkstelligen:  Man  multiplicire  die  vier 
Gleichungen  resp.  mit  den  vier  unabhängigen  Grössen  e»  ee'e"\  addire 


86 


Cileielmng  zwischen  a,  h,  c,  d,  welche  Grössen  Punkte  oder 
Strecken  sein  können.  Es  iK-steht  also  zwischen  vier  Grössen 
1"="  Gnules  auf  einer  Ebene  stets  eine  Zahlbeziehung.  —  Jede 
dieser  vier  Grössen  kann  also  aus  den  drei  übrigen  abgeleitet 
werden.  —  Die  speciellen  Fälle,  welche  sich  hierbei  ergeben, 
sind  folgende: 


Strecken:     Punkte: 


Ableitung 


1  Str. 
1  Stf. 
1  Str. 
1  Str. 


3  Pkt. 
1  Str.  2  Pkt. 
•2  Str.  1  Pkt. 
3  Str. 


von 

aus 

1  Pkt. 

3  Pkt. 

1  Pkt. 

1  Str.  2  Pkt. 

1  Pkt. 

2  Str.  1  Pkt. 

1  Pkt. 

3  Str. 

— 

— 

1)  —  ah  cd 

2)  a  hcd 
'6)  ah  cd 
i)  abc  d 
h)    ahc  d  — 

Es  kann  also  eine  Grösse  1^*^"  Grades  im  Gebiet  der 
Ebene  abgeleitet  werden:  1.  aus  drei  Punkten;  2.  aus  zwei 
Punkten  nnd  einer  Strecke;  3.  aus  einem  Punkte  und  zwei 
Strecken;   4.  aus  drei  Strecken. 

Anm.  Drei  feste  Grössen  1">°  Grades  in  einer  Ebene,  aus  denen 
andere  abgeleitet  werden,  hcissen  ein  Coordinatoisydcm. 


b)    Grössen  vom  2'^'>  Grade. 
k)  Differenz  von  Linientheilen. 

120.  Wenn  f ,  und  £.,  zwei  durch  Lagenänderung  aus  einander 

entstandene  Linientheile  sind,  so  verstehen  wir  unter  (fj  —  s^) 
die   zwischen  £,    als  Anfangs-   und   f,   ^^^   Endlinie   liegende 


Parallelogrammfläche ;  d  (f , 
und  da 

di(f,  —  s.t)  =  ^fj 


£2)  isit  das  d  fache  dieser  Fläche ; 

Ö£n, 


die  vier  Gleichungen,  setze  die  linke  Seite  gleich  üf,,  und  rechts  die 
Coefficienten  von  CiCzC^  resp.  gleich  rtufljrts;  dann  hcisst  die  Gleichung: 

"0  =  «1^1  +  «2^2  4-  «3^3- 

Endlich  multiplicire  man  die  ganze  Gleichung  mit  (rjj  a.^  a^) ;  dann  wird 
die  rechte  Seite  NuU^  und  es  bleibt: 

«0  •  «1  «2  «3  =  0  . 

Löst  man  hier  die  Klammern,  und  bringt  jedes  Glied  durch  Zeichen- 
wechsel auf  den  Factor  (e** .  e.  e".  e") ,  den  man  schliesslich  weglassen 
kann,  so  erhält  man  die  Eliminationsgleichung  in  gewöhnlicher  Gestalt. 
(Vgl.  G.  A.  II.  135.) 


—     87 


so  ändert  sich  ein  Parallelogramm  in  demselben  Masse  als  eine 

seiner  Seiten   sich  ändert;   d.  h.:    Parallelogramme  zwischen 

denselben  Parallelen  verhalten  sich  tvie  ihre  Grundlinien, 

Wenn  •        ,  , 

A  =  a,  ßj  -f-  a^  e^ 

(ei  —  e,)  =  (e,  —  e.,)  =  {A  ~  B) , 
so  ist: 

A  {xl  —  B)  =  ai  c,  (ßj  —  6-3)  +  «2^2  (eo  —  e^) 

{AB)=^a^  (e,  e.^)  +  a.  {e^  e^) ; 
oder,  wenn  wir  {AB)  =  «;  e, 63  =  £j;  e.ye^  =  s^  setzen: 

«  =  «1  £j  -j-  «2  ^2  • 

Diese  Formel   zeigt,    wie  ein  Linientheil   aus   einem  anderen 

gleich  grossen  und  gleich  gerichteten  abgeleitet  werden  kann.*) 

Sind  fj  und  £,  numerisch  gleich   der  Längeneinheit,   so 

stellt  a  einen   einfachen  oder  vielfachen   Linientheil   dar,   je 


nachdem  «j  -{-  (u  =  1  oder  n  ist.  —  Sind  im  ersten  Falle 
ßj  und  «2  beide  <  1,  so  sind  beide  positiv,  und  wir  sagen, 
a  liege  sivischen  s^  und  £2-  Alle  einfachen  Linientheile, 
welche  dieser  Bedingung  genügen,  liegen  im  Parallelogramm 
(£,  —  £2)-  —  I^^  ^^-"ßr  ß^i  >  1  und  positiv,  so  ist  a^  negativ, 
und  a  liegt  ausserhalb  des  Parallelogramms. 

Sei  ein  anderer  Linientheil  von  gleicher  Länge  und  Rich- 
tung gegeben: 


so  ist: 

a 
oder,  wenn 

woraus  folgt; 

so  ist: 


h  =  {c( 


1    —  ^1)^1   +(«2   —  ß2)^2'-> 


«1  —  ^1  =  ri 


h  —  ßi='  Y-i, 


r\  +  ^2  =  ^; 

a_  6  =  y,f,   -{-  j/,£,; 


*)  Vgl.  G.  A.  II.  274. 


—     88     — 

cl.  h. :  wenn  ^i  +  ^2  =  ^\  ^"  stellt  der  Ausdruck  y^  £,  -f-  y.^  s.^ 
ein  Parallelogramm  dar, 

Ist  also  a  =  cc^e^  -\-  cc^s^,  so  stellt  a  einen  Linientheil 
oder  ein  Parallelogramm  dar,  je  nachdem  «j  -f"  ^2  migleich 
oder  gleich  Null.  Da  a  aus  den  Grössen  e  durch  eine  Glei- 
chung 2"^"  Grades  abgeleitet  ist,  so  sind  Linieutheile  und 
Parallelogramme  Grössen  vom  2'^"  Grade. 
130.  Für   Grössen    2^"^"   Grades   gelten    nun    alle   Gesetze   der 

Rechnung  mit  Summen  von  Producteu,  wie  oben  (S.  13)  für 
die  Grössen  1"""  Grades.  Man  hat  nur  in  den  dortigen  For- 
meln e  durch  s  zu  ersetzen. 

Speciell  zu  betrachten  ist  nur  noch  die  Addition  von 
Linientheilen  mit  verschiedener  Richtung.*)  Seien  nun  {e^  Cj) 
(und  Cj  63)  zwei  solche  Linientheile,  so  hat  mau: 

(e^e,)  +  (e^e.^) 

=  61(62  +  ^3)» 
oder,  wenn 
Ca  +  e 


=  e 


4 ) 


131 


(6,63)  4-(eie3) 
=  2(eie,)  =  e,e5, 

wenn  (cj  —  64)  =  (e,  —  Cr,) ,  weil  nämlich  aus  2  (Cj  e^)  =  e,  e^ 

folgt: 

e^  cj  =  e,  (e,,  —  e^) 

oder:  /  \  /  n 

^1(64  — ei)  =  ei(e,  —  e^). 

Die  Stimme  zweier  von  einem  PunJcte  ausgehenden  Linien- 
theile  ist  also  gleich  der  von  demselben  Punkte  ausgehenden 
Diagonale  des  zugehörigen  Parallelogramms. 

Der  Inbegriff  aller  aus  s^  und  e.^  ableitbaren  Grössen 
ist  ihr  Gebiet.  Da  £,  und  fj  von  2^'''"  Stufe  sind,  da  ferner 
«1  =  (^163)  und  f 2  =  (^2^1)  ^^^^^  t^^  endlich  zwischen  e^c^e^e^ 
die  Zahlbeziehung  bestand :  (c,  —  63)  ==  (e.^  —  Cj),  so  ist  dieses 
Gebiet  von  3'""  Stufe,   und  fällt  räumlich  mit  der  durch   £j 


und  £2  bestimmten  Ebene  zusammen. 


Wenn 

«1   =«1^1   +   «2^25 


&i  =  /^i  «1  +  ßz  ^25       ^'1  =  ^1  «I  +  Y2  h 


>=)  Vgl.  G.  A.  IL  273. 


—    SO- 
SO lassen  sich  £,  uud  e^  eliminireu,  und  man  erhält  zwischen 
a,  &j  c\  eine  Zahlbeziehung,  wie  oben,  wo  e^  und  c.^  eliniinirt 
wurden. 

Zwischen  drei  Grössen  2^"^  Stufe  auf  einer  Ebene,  seien 
es  nun  Parallelogramme  oder  parallele  Linientlieile ,  besteht 
also  stets  eine  ZaMbe^iehung ,  und  aus  je  zwei  dieser  Grössen 
Itann  man  eine  dritte  ableiten. 

Aus  der  Gleichung  A  =  a^e^  -\-  a^e^  folgte  oben  durch  132. 
Multiplieation  mit  der  Strecke  {A  —  B)  ==  l  die  Gleichung 
ffi  =  «j  £j  -|-  c^2  ^2-  —  Dadurch  erhält  man  den  Satz,  dass 
eine  GleieJmng  zivisclien  Funlden  ungeändert  bleibt,  wenn  man 
alle  Punlde  mit  gleich  gerichteten  StrecJcen  (l)  mtdtiplicirt.*)  Der- 
selbe ist  von  der  Anzahl  und  Lage  der  Punkte  in  der  Ebene 
unabhängig,  gilt  also  namentlich  auch  für  die  Gleichung 
^  =  «j  e^  -I-  «2  ^2  +  «3  e.^,  wo  e^  63  63  ^i'^i  beliebige  Punkte 
der  Ebene  sind.  — 

Aus  der  Gleichung 

m  =  A  —  (o:j  6',  +  «2  ^2  "i~  ^-i  ^3)  "^  ^ 
folgt  also: 

m  1  =  {A  .1)  —  [ai(ej)  +  «2(^20  H-  «3(63^]  =  <^- 
Aber  aus  ml  =  0  folgt  nur  dann  w  =  0,  wenn  m  und  l 
zwei  verschiedenen,  von  einander  unabhängigen  Systemen 
angehören,  weil  das  Product  zweier  abhängigen  Grössen 
auch  dann  Null  ist,  wenn  keine  der  Grössen  selbst  gleich 
Null  ist. 

Setzen  wir  also: 

A.l  =  A'l'y    e^l  =  e{l\    e.^l  =  e2l^    e<_^l  =  e^l, 
wodurch  die  letzte  Gleichung  übergeht  in 

ml  =  {A'l)  —  K(e/Z)  +  «a«^  +  «3  «Ol  =  ^; 
so  wird,  wenn  die  Punkte  yl'e/eo'eg'  in  derselben  Ebene  mit 
l  liegen,  also  durch  m  eine  Ebene  dargestellt  wird,  in  der  l 
liegt,  ml  von  selbst  gleich  Null  sein,  als  Product  abhängiger 
Grössen.  Liegen  jene  Punkte  aber  in  einer  Geraden,  so  sind 
die  durch  m  und  l  dargestellten  Geraden  von  einander  un- 
abhängig, mithin  m  =  0,  oder: 

vi'  =  a,  e/  +  «2  (^2  +  «3  ^3'- 

♦)  Vgl.  G.  A.  I.  §  80-86. 


—     90 


«3  =  0; 


Man  nennt  nun  Ä'e^'e./e^'  die  Projectionen  der  Grössen 
Ae^e.,e.^  auf  die  Gerade  m,  nach  Z;  ferner  heisst  m  das 
Grimdsystem ,  das  System,  auf  dem  l  liegt,  das  Leitsystem 
der  Projection.  Und  die  letzte  Formel  drückt  den  Satz  aus : 
Jede  zivischen  Grössen  l'*-'"  Grades  (jeltende  Gkiclmug  bleibt 
bestehen,  wenn  man  diese  Grössen  auf  eine  Gerade  projicirt. 

Ist  A  eine  Strecke,  so 
ist  Ä'  deren  Projection.  — 
Setzen  wir  z.  B. : 

so  ist: 

A'  =  e,'  —  e„ 


d.  h. :  Die  Projection  einer 
Strecke  ist  gleich  der  StrecJce 
sivischen  den  Projectionen  ihrer 
Endpimlite.  —  Ist  ^  .  Z  =  0,  so  ist  auch  A'l  =  0,  mithin, 
da  A'  und  l  von  einander  unabhängig  sind:  X=0;  d.  h. : 
Die  Projection  einer  Streclie,  tvelche  die  BicJdtmg  des  Leit- 
systems hat,  ist  Ntdl.  —  Ist  e,  —  62=  e^  —  c^,  so  ist  A  =  A'\ 
d.  h. :  Eine  Streclie^  tvelche  dem  Grundsystem  parallel  ist, 
bleibt  durch  Projection  ungeändert. 

Ist  g  eine  beliebige   Strecke   auf  dem  Grundsystem,   so 
wird  sein 

A'=x.g, 

worin  A'  die  Projection  der  Strecke  A,  und  x  eine  Zahl  ist. 
Hieraus  folgt: 

{A'l)  =  x{gl) 

{Al)=x{giy, 

d.   h.:    da  der  Quotient  zweier  Grössen  2'"   Stufe   in   einer 
Ebene  eine  Zahl  ist: 


oder : 


und : 


X  = 


Ä-. 


(AI) 

(Ol)' 

(AI) 

(gl) 


'9- 


Projicirt  mau  die  Grössen  A  e^  e.,  e.^  zweitens  auf  l  nach 
m,  so  erhält  man  eine  zweite  Gleichung: 

A'=  «|Ci"+  K^e^'  -{-  «363". 


—    91     — 

Wenn  uun  0  der  Schnittpunkt  der  Geraden  l  und  m 
ist,  so  bilden  ImO  ein  Coordlnatcu- System,  in  welcliem  0 
der  Anfangspunkt  heisst,  und  l  und  m  die  Axen.  Die  Grösse 
A  ist  dann  durch  ihre  leiden  Frojectionen  auf  die  Axen  voll- 
ständig  bestimmt]  denn  es  ist 

A'0-\-  A"0  =  AO, 

Ebenso  wird  jede  Gleiehung  swisehen  Grössen  1"^"  Grades 
ersetzt  durch  die  beiden  Gleichungen,  ivelche  man  erhält,  ivenn 
man  statt  der  Grössen  nach  einander 
ihre  Frojectionen  auf  die  beiden  Axen 
setzt.  •  ^'^ ~^^ 

Da 
A-0==iA-A)-\-(A-A"),    ^ 
so   ist  die  Entfernung  des  Punktes     /  ^^ 

A    vom    Anfangspunkte   0    einfach 
als  Summe  zweier  Strecken  dargestellt,  die  mau  Coordinaten 
von  A  nennt. 

Ist  nun  A  jene  Strecke,  und  A'A"  die  zu  ihrem  End- 
punkte gehörigen  Coordinaten,  so  ist: 

wo   l   und  g   beliebige    aber    feste   Strecken    auf  den  gleich- 
namigen   Axen    bedeuten.      Die    Quotienten    ^il    "^^'^^    Try 

heissen  die  zu  A'  resp.  Ä'  gehörigen  Zeiger. 

Sind  X  und  g'  zwei  andere  Coordinatenaxen,  welche  als 
Vielfachensummen  der  vorigen  gegeben  sind,  so  ist  in  Bezug 

auf  diese  der  eine  Zeiger:  r-rA\  der  andere:   W^,  wodurch 

die  Aufgabe  der  Coordinatenverwandlung  gelöst  ist. 

Aufgabe:    Zu  beweisen:    Ist  ein  DreiecJv  und  eine  belie- ins. 
bige  Gerade  gegeben,  und  zieht  man  von  den  Eclcen  des  Breieehs 
und  seinem  3IittelpunMe  parallele  StreeJceu  bis  zur  gegebenen 
Geraden,  so  ist  die  vom  Mittelpunläe  gezogene  StreeJce  gleich 
dem  dritten  Theile  der  Summe  der  übrigen. 

Ist  A  der  Mittelpunkt  der  drei  Punkte  Cj  e^  63 ,  so  ist : 


92 


sind  ferner  A'e^e.^e^  die   Projectiouen   der  vier  Punkte   auf 
die  Gerade,  so  ist: 

^—  3  ' 

mithin :  ,  'vi,  ^   i   /  ^ 

(i  ^'^  _  (gl  —  g| )  +  (gg  —  g^ )  4-  (^3  —  ^3 ) . 

w.  z.  b.  w. 

ß)   Prodiict  von  Strecken.*) 

134.  Seien  a  =  (e^  —  ßj)  und  h  =^  {e^  —  63)  zwei  anstossende 

Strecken.     Dann  ist: 

Wenn  nun 

{e,  —  63)  =  (e,  —  63) , 

<^'4  =  (^1  —  ^2)  +  «3; 


so  ist: 


<-2  »  ^, 

d.  h.  ein  Parallelogramm. 

Das  Parallelogramm  kann  also  bezeichnet  werden :  1 .  als 
Differenz  zweier  Linientheile  (Gegenseiten)  5  2.  als  Product 
zweier  Strecken  (anstossender  Seiten).  Das  Product  ist  Null, 
wenn  6,62  =  6364  ist,  d.  h.  wenn  die  Punkte  6,  62  63  6^  oder 
die  Strecken  a,  h  in  derselben  Geraden  liegen. 
135.  Es  sei  (6,  —  ^2)^3  ^^  bestimmen.     Ist  wieder 

ißv  —  ^2)  =  (64  —  63); 

(6,  62)^^3  "^^  (^4  %)^3  ""^  ^1^3  5 

d.  h.:    Das  Product  eines  Punktes  und  einer  Strecke  ist  ein 

von  dem  Punkte  ausgehender,  mit 
der  Strecke  gleich  langer  und  gleich 
gerichteter  Linientheil. 

Sei  ab   ein   Parallelogramm 
und  a±ßh  =  ai', 

dann  ist: 

ah  =  «,6. 
Sei  ferner: 

&  +  «a,  =  ^j ; 
dann  ist: 
«1  &i  =  «,  ?>  =  a  h . 

*)  Vgl.  G.  A.  I.  §  28—30. 


136 


—    93    — 

Es  ist  aber  «,  aus  a  und  b^  aus  h  durch  lineale  Aen- 
derung  abgeleitet.  Ein  Parallelogramm  ändert  also  seinen 
Wcrth  nicht,  ivenn  seine  Seiten  lineale  Aendeningcn  erleiden. 

Anm.  Die  letzte  Formel  kann  u.  A.  zur  Lösung  der  Aufgabe 
dienen:  ein  Parallelogramm  in  ein  anderes  zu  verwandeln,  das  mit 
dem  ersten  eine  Ecke  [ah)  gemeinsam  hat,  während  eine  ihrer  Gegen- 
seiten auf  einer  gegebenen  Geraden  (der  Gegenseite  von  &,)  liegt. 

Erweiterung.'^)     Es  seien  a  und  h   zwei  beliebige  nicht  137. 
parallele    anstossende   Strecken   und    von    ihren    freien  End- 
punkten aus   sei   resp.  h^  parallel  mit  h  und  «^  "parallel  mit 
a  gezogen.     Dann  ist 

a  .  rtj  =  0;         />.&,=  0. 
Sind    nun    auch    die    Strecken    («  -f~  ^i)    und    {h  -f-  «,) 
parallel;  d.  h.  ist 

(«+&,)(&  + «0  =  0, 

dann  folgt  durch  Ausführung  der  Multiplication : 

rt  .  &  -j-  Z*!«!  ==  O5 

oder:  ,  , 

«  .  0  =  Oj  öj ; 

d.  h. :  Zielit  man  durch  einen  heliehigen  Punht  der  Diagonale 
eines  FaraUelogramms  Parallelen  mi  den  Seiten,  so  sind  die 
beiden  nicht  von  der  Diagonale  geschnittenen  Parallelogramme 
gleich. 

Anm.  Die  letzte  Formel  dient  zur  Lösung  der  Aufgabe:  ein 
Parallelogramm  in  ein  paralleles  mit  gegebener  Seite  zu  verwandeln. 

Da  der  Quotient  zweier  gleich  gerichteter  Strecken  eine 
Zahl  ist,  so  können  wir,  wenn 

al)  =  ciyh^ 

ist,  auch 

rt,  =  m  .  a 

setzen.     Dies  giebt: 

a  .h  =^  m  .  a  .  hl 

oder :  ,  , 

b  .  a  =  m  .  b^  .  a. 

Da  nun  mb^,  wie  b^  selbst,  mit  b  parallel  ist,  so  kann  nur 

b  =  mbi 

sein;   d.  h. :   wenn  a  .b  =  a^b^  ist,  so  haben  die  Quotienten 

"i    und    / 


*)  Vgl.  G.  A.  L  S.  66.  109—114. 


94 


gleichen  Zahlenwerth  m.     Mau  sagt  dann,  die  vier  Strecken 
a,  h,  ctf,  ?>,  stehen  in  Proportion. 

Dividirt  man  die  Formelu  «,  =  ma  und  h  =  mh^  durch 
einander,  so  folgt: 


h  ~ 

a 

ferner: 

«1  +  & 

a  +  h,  ^ 

h      ~ 

'       ft.       ' 

oder: 

«, +  & 

b          o, 

Setzen 

wir  nun : 

/>,          a 

^'. 

+  7>   ^-e-, 

ft|  —  fo  =  f?  ; 

so  folgt: 

a 

c 

h               Ctt 

d          b          a, 
d,         b,          a 

Da  nun  c  mit  c,  parallel  ist,  und  [wegen  («j  —  h)  {a  —  6,) 
0]  auch  d  mit  r?, ,  so  kann  man  sagen :     Wenn  die  Seiten 


Ji 

siveier  Dreiecke  parallel  sind,  so  stehen  ihre  Seiten  paanveise 
in  Proportion. 

Solche  Dreiecke  heissen  ähnlieh.  —  Aus  der  Parallelität 
ihrer  Seiten  folgt  die  Gleichheit  ihrer  lunenwinkel.  Und  da 
ein  Dreieck  sich  auch  drehen  kann ,  ohne  die  Grösse  dieser 
Winkel  zu  ändern,  so  hängt  schliesslich  die  Eigenscbaft  der 
Aehnlichkeit  zAvischen  zwei  Dreiecken  nur  von  der  Gleich- 
heit ihrer  Winkel  (d.  h.  zweier  Winkel)  ab, 

Ist  in  der  letzten  Formel  d  =  d^ ,  so  folgt  daraus  von 
seihst:  h  =  h^  und  a^  ==  «;  d.  h.:  wenn  sivei  Dreiecke  in 
zwei  Winkeln  tmd  einer  Seite  ühereinstimmcn ,  so  sind  auch 
die  anderen  Seiten  gleich;  d.  h.  die  Dreiecke  sind  congruent. 
(Vgl.  N.  107.) 


—    95    — 
Sei 


a 

=  A—C;      h,:=B—C; 

a  +  ^, 

=  A,-C,-      h,-^h  =  B,- 

-Cr. 

danu  ist: 

d^^  A  —  B  ; 

d-\-d,=A,~B,- 

und  es  sind  auch  die  Dreiecke  der  Punkte  {ABC),  {A^B^C^) 
ähnlich.  Ebenso  (SAB)  und  {SA^B\).  Zieht  man  durch 
S  eine  beliebige  andere  Gerade,  und  durch  B  und  B^  Paral- 
lelen, welche  diese  Gerade  in  E  und  E^  treffeu,  so  zeigt 
sich  durch  Vergleichung  der  Proportionen,  dass  die  Strecken 
{A — -'E)  und  {Ay  — E^)  ebenfalls  parallel  sind;  d.  h,:  ivenn 
die  Eckpunläe  eines  Dreiecks  {A  B  E)  auf  drei  von  einem  be- 
liebigen Punläe  (S)  ausgehenden  Geraden  sich  so  fortbetvegen, 
dass  sivei  Seiten  ihre  Bichtungcn  behalten,  so  bcJiült  auch  die 
dritte  ihre  Richtung.  Der  Punkt  S  heisst  der  AehnlicMeits- 
piinM  der  beiden  Dreiecke,  Liegen  die  drei  Punkte  A,  B,  E 
auf  derselben  Geraden,  so  geht  das  Dreieck  in  eine  Strecke 
über,  ohne  dass  die  Proportionen  sich  ändern. 

Aufgaben.  1)  Zu  beweisen  :  Füllt  man  von  irgend  einem  1^9,. 
Punkte  der  Ebene  Senkrechten  auf  iswei  ungleiche  Seiten  eines 
Parallelogramms  und  auf  die  von  ihrem  gemeinsamen  End- 
punkte ausgehende  Biagoncde,  so  ist  das  Produet  aus  der  Dia- 
gonale und  ihrer  Senkrechten  gleich  der  Summe  der  Producte 
aus  den  Seiten  und  ihren  Senk- 
rechten. *) 

Man  hat: 

(A-D)  =  {A-B)  +  {A-C); 
oder,  mit  {A  —  E)  multiplicirt:  a 
{A  —  D){A  —  E) 

=  {A  —  B){A-E)-{-{A-  C)  {A  —  E). 

Wenn  man  nun  statt  dieser  drei  Parallelogramme  die 
ihnen  gleichen,  zwischen  denselben  Parallelen  liegenden  Recht- 
ecke setzt,  so  hat  man  die  Behauptung  des  Satzes. 

2)  Zu  beweisen,  dass  die  Aehnlichkeitsimnkte  dreier  ähn- 
lich liegender  Polygone  in  gerader  Linie  lirgm. 

*)  S.  G.  A.  I.  S.  G5. 


—    9G     - 

Seien  die  Ecken  der  drei  Polygone  der  Reihe  nach  mit 
1)  AJJ^Q,  ...,    2)  AyB,  0,  .  . .,    ?>)  A^BM,  . . .    bezeichnet, 
nnd   sei  S  der  Aehnlichkeitspunkt    zwischen   1)   und  2);  S^ 
der  zwischen  2)  und  3).     Dann  ist: 
S  =   aA   -{-   ßA^=   aß   +   ßB^  =    «C  +   ^Cj  =  •  •  • 
S,  =  a,A,  +  ß,A,  =  a,B,  -\- ß,B,=  a,  C,  +  ^,  6^  =  .  .  . 
Durch  Elimination  der  Punkte  A^  J5,  6'j  ...  erhält  man : 
ttyS — ßSy  =  aa^A  —  ßßiA^ 
=  aa^B  —  ßßyB.,  =  aUyC  —  ßß^a,^  ... 
Demnach  ist 

der  Aehnlichkeitspunkt  zwischen  1)  und  3).  und  da  zwischen 
S SySo  die  eben  gefundene  Zahlbeziehung  besteht,  so  liegen 
alle  drei  Punkte  in  derselben  Geraden. 

c)  Grössen  vom  3'*°  Grade. 

139.         Das  Product  dreier  Grössen    P*^"  Grades  ist  eine  Grösse 
3''"  Grades.     Seien  drei  Grössen  P*^"  Grades  gegeben: 

«  =  «1^1  +  «2^2  +  «3^3  5 
C  =  yi^l   4-  ^2^2  +  ^3^3! 

dann  ist: 

« ?>  c  =  (6,  e.^  c,)  «,  ß.^  yo,  -\-  (e,  c.  e.^)  a,  ß^  y^ 

+  (^2^,63)  a,ßyy^  +  (62^361)  «2/^371 

+  (^3  ^1  C2)  «3  ß\  7-1  +  (^3  ^2  Cj)  «3  ßi  Vi  • 

Durch  die  Hinzufügung  eines  dritten  Factors  wird  zur 
weitereu  Charakterisirung  der  äusseren  Multiplication  noch 
die  Bestimmung  nothwendig,  dass 

(6,62)63  =  6,(6,^3), 
dass  also  das  Gesetz   der   beliebigen  Zusammenfassung  gelte. 
Nur  unter   dieser  Voraussetzung  lässt  sich  das  Product  ah  c 
auf  eine  Form  von   gleicher  Einfachheit   bringen,   wie   oben 
das  Product  ah. 

Da  nun  CaC^  =  —  e^  e« 

ist,  so  erhält  man  durch  Anwendung  des  eben  aufgestellten 
Gesetzes: 


—     97     — 

ahc  =  Cy  e,e,  [«,  (ß,y.  —  ß.,y.;)  +  a,>(^p.7,  —  /5,  73) 

Es   kommt  nun  nur  noch   darauf  au,   das  Product  der  drei 
Punkte  e,  e,  ^3  zu  bestimmen. 

Unter  dem  Producte  dreier  Punkte  c, ,  e^,  c^  (cie.yC^)  ver- 
stehen wir  einen  FläcJicntheil  (Theil  der  Ebene),  welcher  mit 
dem  Parallelogramm  (c,  Cj  —  c^Cj),  worin  (t'[  —  e.,)  =  (^3  —  e^) 
ist,  gleiche  Grösse  und  Seite  hat.'") 

Anm.  Das  Parallelogramm  erscheint  also  als  Lagenunterschied 
zweier  Linientlieile ,  der  Flüchentheil  als  Theil  der  durch  diese  Liuien- 
theile  bestimmten  Ebene.  Das  Parallelogramm  ist  eine  arithmetische 
Grösse,  der  Flächentheil  ein  reines  Ausdehnungsgebilde. 

Es  sind  nan  folgende  Fälle  möglich: 

1)  «,  h,  c  sind  vielfache  PnnJdc]  dann  ist  [ahc]  ein 
vielfacher  Flächeutheil. 

2)  1)  und  c  seien  Ptinlie,  a  eiue  Streclc  (=  c  —  d). 
Dann  ist 

■  ahc  =  {c  —  d)h  .  c  =^  —  dhc] 

d.  h.:    ahc  ist  ebenfalls  ein  Flächentheil. 

?))  h  und  c  seien  StrccJccn,  a  eiu  Pimli-  {h  =  a  —  d)] 
(c  =  a  —  c);  dann  ist: 

ah  c  =  a{a  —  d)  {a  —  e)  =  a  d  e , 
und  a  h  c  wieder  ein  Flüchentheil. 

4)  a,  h,  c  seien  Strecken,  a  =  (d  —  c);  h  =  (d  —  /"); 
c  =^  {d  —  g).  Da  aber  zwischen  drei  Strecken  in  derselben 
Ebene  stets  eine  Zahlbeziehung  besteht,  so  ist  in  diesem 
Falle  das  Product  ah  c  =^  0. 

Ueberhaupt  ist  das  Product  in  allen  Fällen  Null,  wenn 
zwischen  den  drei  Grössen  ahc  eine  Zahlbeziehuug  besteht ; 
d.  h.  in  1)  wenn  die  drei  Punkte,  in  2)  wenn  die  zwei  Punkte 
mit  der  Strecke  in  derselben  Geraden  liegen,  in  3)  wenn  die 
beiden  Strecken  parallel  sind.  —  Alles  dies  ergiebt  sich  durch 
Untersuchung  der  Beziehungen  zwischen  den  Zahlen  cc  ß  y. 

Bezeichnen    wir    das    Parallelogramm    (f,  —  £,),     oderiio. 
(e,e,)  —  (6364)  mit  S,  sodass 

S  ^  (£,  —  £,)  =  (ci  c,)  —  (e.Cj) . 
Dann  ist: 


*)  Vgl.  G.  A.  I.  §  114.  115. 
Schlegel,  Syst.  d.  Ratimlehre. 


—    08    — 

S  .  r.,  =  (r,  c,  c.^)  —  {r.  e^  r,)  =  (r^  r,  r._^) . 
Ferner : 

S  .  c,  =  —  {e.^  e.j  c,)  =  +  (r,  e^  f 3) ; 
S  .e^  =  -{-  (cje.ej. 

Aus  der  Formel  (e,  —  ej)  ==  (63  —  e^)  folgt  nun,  dass 
(^,^2^3)  =  (^16463)  =  (62^4^3)  =  (ßi^2'^4)  is^-  Folglich  ist  ein 
FUlclicntheü  das  Product  ans  dem  zugehörigen  Parallelogramme 
und  einem  seiner  vier  EcJcpunlde. 

Die  Produete  je  dreier  Eckpunkte  eines  Parallelogramms 

sind  Flächentheile  mit  bleichen 

c  " 

oder  entsfeffenojesetzten  Vor- 
zeichen,  je  nachdem  die  Reihen- 
folge der  Punkte  bestimmt  wird 
durch  Bewegung  auf  den  Seiten 
ihrer  Dreiecke  in  gleichem  oder 
entgegengesetztem  Sinne. 

Anm.  Am  Punkte  haftet  also  als  grössenbil elender  Factor:  im 
Gebiet  0'"  Stufe  die  Zahl,  1'"  Stufe  die  Strecke,  2'"  Stufe  das  Paral- 
lelogramm. Es  entsprechen  sich  also  in  den  drei  Gebieten  die  Aus- 
dehnungsgebilde:  Punkt,  Linieutheil,  Flächentheil,  und  die  arithme- 
tischen Grössen:  Zahl,  Strecke,  Parallelogramm.  Und  wie  die  Strecken- 
coefficienten  zweier  gleich  grosser  Linienthrfle  auch  dann  einander 
gleich  sind,  wenn  diese  letzteren  in  verschiedenen  (parallelen)  Gebieten 
liegen,  so  auch  die  Parallelogrammcoefficienten  zweier  gleich  grossen 
Flächentheile,  wenn  diese  in  verschiedenen  (parallelen)  Gebieten  liegen. 

(C,    —    63)    =    (Cß    —    C;)  . 

Dann  ist: 

(e,  —  ^2)  {e,  —  63)  =  (e,  —  e,)  {e^  —  e,) ; 

d,  h.:    Parallelogramme  Tcönnen  gleich  sein,  tvemi  sie  nicht  in 
derselben,  sondern  in  parallelen  Ebenen  liegen. 

Multiplicirt  man  aber  die  letzte  Gleichung  mit  e.^ ,  so 
folgt: 

(^'1  —  ^2)  (^2  —  ^3)^,3  =  (^.-,  -  ^'(i)  (^ü  —  ^'7)  ^'3; 

^'^^^ "  <\  f'i  f'i  =  f'ö  ^ü  ^'3  —  ^:,  ^7  ^3  +  ^G  f'l  ^3  • 

Soll  nun  ^'1  <?2 '^'3  =  ^5 ^« ''7  sein,  so  muss  offenbar 
e.,==e^ 
sein,   d.  h.:    die  Flächentheile    müssen  in   derselben  Ebene 


—    99    — 

liegen.     Nur  unter  dieser  Bedingung   also    können  Flächeu- 
theile  einander  gleich  sein.*) 

Sei  {ahc)  ein  Flüclientheil ,  und  141. 

a  -\-  ßh  =^  «, ; 
a^hc  =  ahc . 


dann  ist: 
Sei  ferner: 
dann  ist: 
Sei  endlich 
dann  ist: 


<7i  7>j  c  =z  a^hc  =  ahc. 


«j  />j  Ci  =  «i  h^c  =  a  hc] 

d.   h. :    Ein  Flüchcntlicil  ändert   seinen    Werfh    nicht,    icenn 
seine  Factoren  lineale  Aendcrungen  erleiden. 

Setzt  man  {e^e.yB.^  =  \,   so  kann  mau  jede   hieraus  ah- 142. 
geleitete   Grösse   durch  eine  Zahl  bezeichnen;   {e^e^e.^  heisst 
nun  Breiten- {Flächen-) Einheit,  und  ist  eine  Einheit  S'^""  Stufe. , 
Die   daraus   abgeleiteten  Grössen   heissen   einfach,    wenn   sie 
als    Producte   von    drei   Grössen    U'''"   Stufe    darstellbar  sind ; 
sonst  zusammengesetzt. 

Wenn  {e^e.^e.^)  ^=--  \   gesetzt   ist,   so   heisst  {e.yC.^)  die  Er- 
gänzung von  Cy ;  man  schreibt : 

^2^3  =  I  ^1 ,      da     6'i  (e.^'a)  =  +  1 ; 
"^^^=  .^,3  =  -,!,,,      da     e,{e,e.^  =  -\. 

Umgekehrt  ist: 

^'i= +1^263,     da     (^,^3)^1  =  +  (-263^^  =  +  e,f.f3  =  +  l; 
und: 

^2  =  —  l^i^s^     da-  {('^f>^e,  =  -]r  e^e^e^==  —  e^e^e^  =  —  i. 
Setzt  man  in  c,  (e.^e.j)  ^  1  für  6^63  seinen  Werth,  so  folgt: 

ebenso:  /         ,         ^        ^ 

(c.,ß3  I  e.^e.,)  =  1. 

Wenn  _ 

so  ist:  , 

\e.,e.,  =  \\c,, 

oder:  • 

Iki  =  +  c, . 

\\  enn  ,  , 

«  =  «1^1  +  cf-,^',  +  «3^3 

*)  Vgl.  G.  A.  ir.  256.  258. 


—     100     — 
ist,  so  verstehen  wir  unter  der  Ergänzung  von  <i  die  Grösse: 


'-Ö. 


Grössen,  abgeleitet  aus  mehreren  festen  Strecken 


(und  Punkten). 
a)   Punkte  (aus  Geraden  [untl  Punkten]). 

14.'^.  Vermittelst  der  äusseren  Multiplication  konnten  wir  aus 

zwei  oder  mehreren  Grössen  niederer  Stufe  eine  Grösse 
höherer  Stufe  ableiten.  Zur  Lösung  der  umgekehrten  Auf- 
gabe wird  es  nöthig,  den  Begriff  des  äusseren  Produetes  von 
einem  höheren  Gesichtspunkte  aufzufassen.*) 

Wir  nennen  das  durch  die  Punkte  Cj  c,  Cg  bestimmte 
Gebiet  „das  Hanptgebiet " -^  wir  nennen  ferner  ein  äusseres 
Product  von  beliebig  vielen  Factoren  progressiv,  wenn  die 
Summe  der  Stufen  zahlen  seiner  Factoren  gleich  oder  Meiner 
als  die  Stufenzahl  des  Hauptgebietes  ist;  dagegen  regressiv, 
wenn  diese  Summe  grösser  ist  als  die  Stufenzahl  des  Haupt- 
gebietes. —  Um  den  Werth  des  regressiven  Products  zu  be- 
stimmen, bildet  man  das  Product  der  Ergänzungen  der  ge- 
gebenen Factoren.  Die  Ergänzung  dieses  Produetes  ist  dann 
das  regressive  Product. 

Man  sieht,  dass  die  bisher  betrachteten  Producte  sämmt- 
lich  progressiv  waren. 

Betrachten  wir  nun  als  einfachsten  Fall  im  Hauptgebiet 
3^^''  Stufe  das  regressive  Product  zweier  Grössen  2''^'   Stufe. 

^  ''''  =  t'j^'2     5      i  ^  =  ^3  j 

h  ==  e^e-i     ;       &  =  e,  . 

Dann  ist  nach  der  Definition  des  regressiven  Products, 
wenn  wir  dasselbe  einstweilen  in  eckige  Klammern  ein- 
schliessen : 


oder : 

Setzt  man : 

so  folgt: 


[ah]  =  \{io.\h)- 
I  [ah]=X    a.  I  h). 

I  ft  =  «1     ;     a  =  I  a^ ; 
\h  =  bi     ;     h  =  \hi; 


0  Vgl.  G.  A.  I.  §  144.  II.  289-295 


—     101     — 

•d.  h.:  lücnn  das  Frodud  zwoÄer  Grössen  progressiv,  so  ist 
dasjenige  ihrer  Ergänzungen  regressiv.  —  Man  kann  mm 
für  beide  Arten  der  Multiplication  dasselbe  Klammerzeiclien 
wählen.  Und  für  beide  gilt  der  Satz:  Die  Ergänzung  eines 
Products  ist  gleich  dem  Prodiictc  der  Ergänzungen  seiner 
Factoren. 

Führen  wir  in  der  ersten  unserer   obigen  Formeln  statt 
a  mid  h  die  Grössen  e  ein,  so  folgt: 

[(6)63)  (^2^3)]=  1  («361)  =  62=^  (61^263)  .  c,. 
Das  progressive   Produet  zweier  Grössen   1'"  Stufe  war   von 
2^"  Stufe 'j    das   regressive  Produet  zweier   Grössen   2"=''  Stufe 
ist,  Avie  mau  sieht,  von  1^°'  Stufe. 

2)  Ist  u  =  r'j  C2 ;       I  rt  =  63 ; 

h  =  c,('3;       1  &  =  —  (^-''i 
so  folgt  aus  (ah)  =  |  (   a  \  h):  ■ 

[(r^y  .  (eir.j)]  =  j  (—  CgC,)  =  |  (e.^c.)  =  e^  =  (^,(',63)^, . 

h  =e.,c.^]       I  h  =  (',  ; 
so  erhält  mau: 

[(6,^3)  .  {e,es)]  --=  I  (—  e.,c^)  =  |  (e,  e,)  =  c,  =  ieiCoe-iJe.,. 

^^^^  «  =  f^i  f'i  -r  ^2  ^'2  +  ^3  ^3  : 

/,  =^,,,_}_  ^., ,.,_!_ /33 .3; 
dann  ist: 

(a/>)  =  (ßj  ^2  — «2/^1)^162        !  «  =  «i(c2e3)  +  ß2(^'3Ci)  +  «3('V2) 

+  («2 ßä  —  «3 /^a)  ^2  ^3         ^  =  /^i  (^.  C3)  +  ßi  (^3  ^1 )  +  /^3  i'h  ^2) ; 

+  («3/^1— «1/33)  ^3^15 

I  {ah)  =  (a^ß,,  —  K2ßi)e..       \  a  .  \  h  =  {diß.^  —  a.,ßi)e.i 

+  («2  ß:i  —  ^h  ß-i)  ''i  +  («2  ß-.i  —  «3  Z^--')  ^t 

+  («3  /3,  —  «,  /i^)  6'2 ;  +  («3  ßy  —  cc,  ß.;)  e.,  5 

also :  I  /    7 \        I         I  7 

Wenden   wir   nunmehr    die    vorstehenden    Resultate    aufu4. 
das   Gebiet  der  Ebene  als  Hauptgehid   au.     Ein   Produet  im 
Hauptgebiet  der  Ebene  heisst  lüaniraetrisches  Produet. 

Das    Produet   ziveier   sich    schneidender    Linientheile    ist 
regressiv  und  deui  Durchschnittspunkte  gleich. 


—    102    — 

Aum.  Da  es  bei  der  Bestimmung  eines  Punktes  auf  die  Liinge. 
der  ihn  bestimmenden  Linien  nicht  ankommt,  so  kann  man  im  regres- 
siven Froduete  die  Linientlieüe  mit  den  durch  sie  bestimmten  Geraden 
■vertauschen. 

Bas  Froduct  eines  LinientJieils  und  eines  Punktes  {oder 
dreier  Fmikte)  ist  progressiv,  und  dem  durch  leide  hestimmten 
Parallelogramm  an  Grosse  gleich.  Es  ist  Nidl,  ivenn  der 
Punld  mit  dem  Linientheil  oder  den  beiden  anderen  Punläen 
in  derselben  Geraden  liegt.     (Bereits  oben  bewiesen.) 

Multipliciit  man  die  in  2),  1),  3)  am  Schlüsse  erhaltenen 
Gleichungen  mit  einander,  so  folgt: 

(e,ßo)  (('iCa)  (CjCo)  {c.^e.^)  {e^e^)  (^,^3)  =  {e^e.,e.;)  e,  (Cj  e^ 63) e., (e^  e, e.,)  e-^ ; 
oder :  _  (,^  e,)  (q  e.)  {e,  e ,)  .  {e,  e,)  (c,  6-3)  {e,  c,) 

=  —  {G^c^e.,)  (6,6263)  (6,6263)  .  (6,6263), 

[(6,  e,)  (e,  63)  (62  63)] 2  =  (e,  62  63)^ ; 

endlich:  '      r        \  r        \  f       \        r  n? 

(6,62)  (6,63)  (6063)  =  (6,6263)^: 

d.  h.:  Das  pl.  Product  dreier,  die  Seiten  eines  Dreieclis  bil- 
dender LinientJieile  ist  gleich  dem  vierfachen  Quadrat  dieses 
Dreiecks.  Es  ist  also  nur  dann  Null,  wenn  die  drei  Punkte 
zusammenfallen.  M.  a.  W. :  Das  planimetrische  Product 
dreier  durch  einen  Pimld  gehenden  Geraden  ist  Ntdl. 

Wenn'ein  beweglicher  Punkt  X  mit  zwei  anderen  festen 
Punkten  Ä  und  B  auf  derselben  Geraden  liegen  soll,  so 
wird  diese  Bedingung  ausgedrückt  durch  die  Gleichung : 

iXAB)  =  0. 
Diese  Gleichung  heisst  die  Gleichung  des  Punktes  X,  und  die 
durch  A  und  B  bestimmte  Gerade   der  geometrische   Ort  des 
Punktes  X*) 

*)  Uehcrfjong  zur  Gleichung  in  rechtwinkUgcn  Coordinaten.  Sei 
O  der  Anfangspunkt,  für  A{x,y,];  Bix.^y.^); 
X{xij)  die  rechtwinkligen  Coordinaten,  ferner 
(X  -0)=  r;  {Ä  —  0)  =  r, ;  {B  -  0)  =  r^, 
dann  ist:    (XAB^  =  0;    oder: 

(O  +  r)(O  +  r,)(O  +  »-2)  =  0; 
oder : 

weil  {ÜO)  =  0  und  auch  >"]V2/'3  als  Product  von  drei  Strecken  in  der- 
selben Ebene  Null  ist.    Weiter: 

O (ri rj  —  r »g  -f  /•  r,)  =  0 ;      r (r,  —  r^)  +  r,  9-j  =  0 ; 


—     103     — 

Wenn  eine  bewegliche  Gerade  x  mit  zwei  anderen  festen 
Geraden  a  und  b  durch  denselben  Punkt  gehen  soll,  so  Avird 
diese  Bedingung  ausgedrückt  durch  die  Gleichung: 

{xah)  =  0. 

Diese  Gleichung  heis^t  die  Gleichung  der  Geraden  x. 

Wenn  in  einem  planimetrischen  Producte  die  Summe  U5. 
der  Stufenzahlen  gleich  oder  kleiner  als  drei  ist,  so  heisst 
es  rein  progressiv.  Es  ist  nämlich  in  diesem  Falle  jeder 
Factor  mit  dem  vorhergehenden  durch  progressive  Multipli- 
cation  verbunden.  Der  Werth  des  Productes  ist  im  ersten 
Falle  eine  Zahl  (vgl.  das  Product  ahc  auf  S.  97),  im  zvreiten 
Falle  eine  Grösse  vom  Grade  der  Summe  der  Stufenzahlen, 
in  beiden  Fällen  also  eine  Grösse  vom  Grade  des  Restes,  den 
die  Division  der  Summe  der  Stufenzahlen  durch  3  ergiebt. 

Nimmt  man  in  einem  Producte  von  ni  progressiven  Fac- 
toren  die  Ergänzung  jedes  Factors,  so  hat  man  die  Stufen- 
zahl jedes  Factors  von  3  zu  subtrahiren,  also  die  Summe 
ihrer  Stufenzahlen  von  'dni]  und  je  nachdem  diese  Summe 
gleich  oder  kleiner  als  3  ist,  wird  die  Stufenzahl  des  neuen 
Productes  gleich  oder  grösser  als  {om  —  3)  sein.  Ein  Pro- 
duct dieser  Art  heisst  rein  regressiv,  weil  jeder  Factor  mit 
dem  vorigen  durch  regressive  Multiplication  verbunden  ist. 
Der  Werth  des  Productes  wird  ebenso  wie  im  vorigen  Falle 
ermittelt.  Denn  bei  fortschreitender  Multiplication  kann  man 
jede  Gruppe  der  drei  verschiedenen  Einheiten  e^,  e.,,  Cg  auf 
die  Form  {e^e.,c.^  bringen,  und  diesen  Factor  gleich  1  setzen. 
Das  Product  kann  also  nur  von  0"''',  P"  oder  2''^'"  Stufe  sein. 

Beträgt  in  einem  Producte  von  ni  Factoren  die  Summe 
der  Stufenzahlen  mehr  als  3  und  weniger  als  om  — -3,  so 
heisst  das  Proddct  ein  gemiscides,  weil  in  diesem  Falle  die 
Factoren  theils  durch  progressive,  theils  durch  regressive 
^lultiplication  eingefügt  sein  müssen.  Sein  Werth  wird  durch 
die  oben   angegebene  Rechnung   bestimmt.     Das  Product  ist 


{X  +  y)  {Xi  +  2/,  —  Xz  —  y-i)  +  i^i  +  Vi)  (-^a  +  2/2)  =  •>; 
xiVi  —  2/2)  +  y{Xi  —  Xz)  4-  Xi  2/2  -f  2/,  x^  =  0; 
•«-'(Z/i  —  Vi)  —  i^i  —  Xz^y  +  Xi  y-i  —  .CzZ/i  =  '^• 
(Vgl.  G.  A.  I.  S'  119.  IL  306.  307.  308.) 


—     104    — 

ijisbesondere  eiue  Grösse  0''''  Stufe,  d.  h.  eine  Zahl,  wenn 
die  Summe   seiner  Stufeuzalilen  durch  3  theilbar  ist. 

Bestimmt  man  den  Werth  eines  gemischten  Productes 
durch  Ausführung  der  foi-tschreitenden  Multiplicatiou,  so  bleibt 
schliesslich  ein  Product  von  drei  Factoren  übrig.  Dieses 
Product  ist  insbesondere  gleich  Null,  wenn  es  drei  Punkte 
darstellt,  die  auf  einer  Geraden  liegen,  oder  drei  Geraden, 
die  durch  einen  Punkt  gehen. 
U6.  Wenn  in  der  Ebene  ein  System  von  festen  Punkten  und 

Geraden  gegeben  ist,  und  ein  beweglicher  Punkt  X  oder 
eine  bewegliche  Gerade  x  durch  veränderliche  Geraden  und 
Punkte  mit  diesem  System  so  verbunden  werden  können, 
dass  beständig  drei  von  den  Punkten  auf  derselben  Geraden 
liegen,  oder  drei  von  den  Geraden  durch  denselben  Punkt 
gehen,  so  lässt  sich  diese  Beziehung  durch  ein  gleich  Null 
gesetztes  planimetrisches  Product  darstellen.*) 

Die  Linie,  welche  vom  Punkte  X  beschrieben  wird,  oder 
deren  sämmtliche  Tangenten  durch  alle  Richtungen  der  Ge- 
raden X  dargestellt  werden,  lieisst  eine  Curve.  —  Man  sagt 
auch,  die  Curve  sei  der  geometrische  Ort,  im  1.  Falle  des 
Punktes,  im  2.  Falle  der  Geraden. 

Setzt  man  in  dem  ersten  Falle  im  planimetrischen  Pro- 
duct e  : 

worin  c,  und  e.^  zwei  gleich  lange,  zu  einander  senkrechte 
Strecken  bedeuten,  und  e,  ihren  Durchschnittspunkt,  drückt 
man  dann  die  festen  Geraden  (als  Strecken  betrachtet)  und 
Punkte  durch  ähnliche  Gleichungen  aus,  setzt  alle  diese 
Werthe  in  dem  planimetrischen  Producte  ein,  und  löst  die 
Klammern,  so  erhält  man  eine  in  a  homogene  Gleichung  vom 
Grade  derjenigen  Zahl,  .welche  angiebt,  wie  oft  in  dem  plani- 
metrischen Producte  der  Punkt  X.  vorkommt.  Dividirt  man 
dann  die  ganze  Gleichung  durch  die  ebenso  hohe  Potenz  von 
«, ,    so   erhält  man   eine   Gleichung  zwischen   den   Variablen 

~^  und  -^ ,  welche  die  rechtwinklio^en  Coordinaten  des  Punktes 

X  sind.     Eine   Curve,   deren  Gleichung   vom  n"^"  Grade  ist, 

*)  Vgl.  G.  A.  I.  §.  Ii5-148.  IL  309.  310. 


—     105    — 

oder  deren  plaiiimetriselies  Product  den  Punkt  X  /nnal  ent- 
hält, heisst  C(()TC  ;^''.''  Ordnung. 

Aus  dem  oben  gefundenen  Producte  (JK.AB)  =  0  können 
wir  sehen,  dass  die  Gerade  eine  Curve  P'''  Ordnung  ist. 

Setzt  man  im  zweiten  Falle: 

X  =  a,  I  e,  -{-  «2  I  ^i  ~\~  ^^3  i  <^ö 
und  verfährt  wie  oben,  so  bestimmt  die  erhaltene  Gleichung, 
wenn  sie  vom  Grade  j)  ist,  eine  Curve  j)*^""  Klasse. 

Wenn  die  Grössen  a  für  beide  Curven  dieselben  sind, 
so  heisst  die  zweite  Curve  die  Reciprocal- (Polar-)  Curve  der 
ersten,  und  umgekehrt;  .c  ist  dann  die  Tangente  an  diese 
zweite  Curve. 

Aus  dem  oben  gefundenen  Producte  {xa'b)  =  0  können 
wir  sehen,  dass  der  Punkt  eine  Curve  l^«""  Klasse  ist. 

Ämvendung  auf  die  Curven  2^*='"  Ordnung.'^)  Die  ein- 147. 
fachste  Form  eines  planimetrischen  Productes,  Avelches  eine 
Curve  2^*^'"  Ordnung  darstellt,  erhält  man,  Avenn  man  vom 
Punkte  X  ausgeht,  und  in  dem  darauf  folgenden  Theile  des 
Productes  so  lange  a1)wechselnd  feste  Punkte  und  Geraden 
setzt,  bis  man  zum  Punkte  X  zurückkehren  kann,  ohne  dass 
das  Product  für  jede  Lage  von  X  Null  wird. 

Aum.  Für  Curveu  höherer  Grade  wird  das  Bildungsgesetz  des 
planimetrischeu  Productes  complicirter.  Die  gesetzmässige  Ableitung 
desselben  aus  einer  gegebenen  Zahlengleichung  wird  unten  gezeigt 
werden. 

Unter  Berücksichtigung  der  Bedingung,  dass  die  Summe 
der  Stufenzahlen  der  Factoren  durch  3  theilbar  sein  muss, 
erhält  man  nun  die  Gleichung: 

[X  Ah  Cd  EX)  =  0, 

worin  ACE  feste  Punkte,  h  und  d  feste  Geraden  bedeuten. 
Diese  Gleichung  drückt  folgenden  Satz  aus :  Wenn  die  Seiten 
eines  DrciecJcs  um  drei  feste  Funkte  {ACE)  sieh  drehen,  wäh- 
rend zivei  Ecken  auf  festen  Geraden  (b  d)  sich  bewegen,  so 
beschreibt  die  dritte  Ecke  (X)  eine  (Mrve  2"^''  Ordnung.  {Kegel- 
schnitt.) 

Die  Gleichung  wird  befriedigt,  wenn  X  mit  A  oder  E 
zusammenfällt:    folsrlich   lieo-en   diese    beiden  Punkte   auf  der 

*)  Vgl.  G.  A.  I.  §  117.  II.  a-.'3. 


—     106    — 

Curve.  —  Sei  ferner  C'j  der  Diireliscluiiitspuiikt  von  b  uiul  rZ; 
J5  derjenige  von  (AC)  und  d]  I)  derjenige  von  ißC)  luid  h-^ 
dann  ist: 

y  =  {c,Dy,    d  =  {c,By,    c={AB).{BEy, 

und  unsere  Gleichung  kann  geschrieben  werden: 

[XA  .  (0,D)  .  {[AB]  .  [BE])  .  {BC,)EX\  =  0. 
Man  überzeugt  sich  leicht,   dass   die  Curve   auch   durch 
die  Punkte  CyBB  geht.  —  Man  erhält  nämlich: 


1.  fürX=C,;    [C,C{BC,)EC,]  =  CyEC,=0. 

2.  fürX  =  D;    [B.C{BC,).EB]  =  [B.E{BC,)E.B\  =  0, 

und  ein  mit  2.  analoges  Resultat  für  X  =^  B. 

Somit  ist  eine  Curve  2'"  Orämimj  durch  fünf  ihrer  PtmJäe 
vollliommcn  hestimmt. 
148  Vcnvandlung  des  planimetrischen  Producfes  in  eine  Zalilen- 

gleichimg.  —  Breiimnld-Coordinaten.  —  Es  sei: 

und  e,  c.,f:3  mögen  mit  den   festen  Punkten  ACE  zusammen- 
fallen.    Dann  ist: 
A  =  c,-     6  =  /3,(eof3)  +  /3,(6'3C,)  +  /3:,(6',c,);     /3, +/i,  +  /J3=  0. 


C  =  e,;     d=d,{e,e.;)-\-d,{e,e,)+S,{e,c,y     a.+  d.+  d. 

Ferner  ist: 

XA  =  x,{e,e;)  +  .t;3(6'3(3,); 

X.i6  =  .r./Sje,  —  (x-,/32  +  .«3/33)6,  +  .x.^ß^e.^; 
XAhC=  —  (.^2/32  +  ^3/^3)  («-'i^o)  +  ^3^,  (C36'.,); 


Oller 


-     107     — 

XÄhCdE  =  [d,{x,ß,  +  x,ß,)  -  d,xM  {c,e,) 
XAhCdEX  =  [d,(,r.,/3.,  +  x'../?,)  —  d.^x.,ß^]x^ 

{ß.,x,  +  /^yXj)  (^.^a?2  +  ^i^'i)  =  d.^ß^x^x.^. 
Ist  ß^  oder  ^3  =  0,  d.  h.:   geht  h  durch  Ä,  oder  </  durch 
jK,  so  geht  die  Curve  über  iu  ein  System  von  zwei  Geraden 
mit  den  Gleichungen: 

ß.,x,  +  ß^x,  =  Ö;       ^2-^2  +,^i-^M  =  ^5 
oder^  da  nun  ß.,  =  —  ^.. ;  d.^  =  —  ^^  ist: 

X «)   "-"-"  X  o  «  lA/ .  I  ^~~~  X I  • 

~^     j ,    resj). 

X  =  2 X2  ( — ^- — )  +  x.^E  ist,  so  sieht  man,  dass  die  beiden 

Geraden   die   von  Ä  und   E  ausgehenden   Transversalen  des 
Dreiecks  der  Punkte  ACE  sind. 

Ist  /3.,   oder  d.,  =  0,   d.  h.:  geht  h  oder  d  durch  C,    so 
gelangt  man  nach  einigen  Umformungen  zu  den  Gleichungen 


x^(x^  —  '''1)  =  ^>  resp.  Xi(x2  • —  .^'3)  =  0,  erhält  also  wieder 
ein  System  von  zwei  Geraden. 

In  beiden  Fällen  ist,  wie  man  sieht,  die  Richtung  von 
h  uud  d  uleicheiltic'. 

Ist  ß.^  uml  ^1  =0,  so  nimmt  unsere  Gleichung  die  ein- 
fachere Gestalt  an: 


—     108    — 

ß.,  öo  .€■/  =  ö..  ß ,  .r ,  a^.j ; 
oder,  da  /3., d\  =  d^ß^  ist: 

wobei  wieder  die  Richtung  der  Geraden  h  und  d  gleich- 
gütig  ist.  Die  letzte  Formel  drückt  nun  folgenden  Satz  aus: 
Verhindei  man  zwei  heliebige  {variahle)  Fwikte  {X  (Xj)  und 
Cj,  oder  X,  und  C^)  auf  einer  Ciirvc  2'*'"  Grades  mit  zwei 
festen  Punlden  auf  derselben  {A  und  E),  so  geht  die  äussere 
Diagonale  des  vollständigen  VierecJcs  der  vier  Punkte  stets 
durch  denselben  Punlt  (C). 

Da  die  Punkte  B  und  D  döi'  vorigen  Figur  jetzt  resp, 
mit  A  und  E  zusammenfallen,  so  sind  die  Geraden  (C E) 
und  (CA)  Tangenten  an  die  Curve.  — 

Der  durch  die  PimJcte  GAE  gelegte  Kreis  schneidet  cdso 
die  Curve  unter  rechten  Winkeln. 
U9.  Cartesische  Coordincden.  —  Wir  nehmen  ebenso,  wie  in 
dem  zuletzt  betrachteten  Falle,  an,  dass  Punkt  A  auf  d  und 
E  auf  b  liege.  —  Der  Durchschnittspunkt  beider  Linien  sei 
mit  Ci  bezeichnet,  die  Strecke  [e^  —  A)  mit  e^'-,  (Cj  —  E)  mit 


/ 

/ 


,c 


«c.;;   dann   sind  d  und  b   die  Axen   eines  Cartesisclien   Coor- 
diuatensystems,  und  man  hat: 

A  =  e,  —  c,; 

^'  =  y\  ^1  +  7-.C-.  +  >':5^,;       7,  +  ?',  +  7-,  =  1 . 
E  =  c,  —  V.  f., ; 
^  =  ^1^35     (/  =  Cie,,. 
Demnacli: 


—    109    — 

XÄ  =   (.r,  +  X,)  {c,Ci)  +  ^3(^3^,)  +  .^3(62^3); 
XÄb  =   (r,  -(-  a;o)rj  4-  •^■3^3*7 
XÄhC=  [Cr,  +  agy3  -  x.y,]  {c,e,) 

XAhCdE  =  .^372(^1^2)  +  ^'-{{^h  +  ^'o)  ^'s  —  ^'?,Y\\  (^V.^i) 
+  «^3^2(^2  ^'3); 
X  Ah  Cd  EX  =  .^':j'-'72  +  ^[(■^"i  +  ^'2)^3  ""■  ^-iVA  ^i 

Setzt  man  nun  '  ^  =  //..  und  "  '^  =  //■> ,  ^'i^'l  ^'Jst  die  Klam- 
mern,  so  folgt: 

^2^3^  —  «yi.V2,V3  +   «J^3y2',+   «^3  (^2  +  ^/s)  =  ^r 

oder: 

72^3  0/3  +  f^)  +  f^y-iViin-1  -\-^)  =  <^riyiih- 

Diese  Gleichung  stellt,  wie  bekannt,  eine  Ellipse,  Parabel 
oder  Hyperbel  dar,  je  nachdem  ay^-  kleiner,  gleich,  oder 
grösser  als  4:y^y.;^  ist.  Schreibt  man  die  letzte  Bedingung 
in  der  Form : 

>     Yi       Vi 
so  stellt  die  linke  Seite  das  Parallelogramm  der  Punkte  Cj  EA 
dai',  die  rechte  das  Parallelogramm  der  doppelten  Coordinaten 
von  C.     Bezeichnen  wir  diese  mit  ^2  ^^^^^  ^3  ^^^^^   ^^^   zuge- 
hörigen Punkt  mit  C,  so  können  wir  schreiben: 

{e,-E){c,~A)^d,ä„ 

weil  (e,  —  A)  der  Längeneinheit  gleich  ist. 

Für  den  Fall  der  Parabel  ist  d.,  d..  =  a.  Dies  ist  aber 
die  (Jleichung  einer  Hyperbel,  deren  Asymptoten  die  Geraden 
h  und  d  «ind,  und  die  sich,  je  nachdem  a  positiv  oder  negativ 
ist,  in  dem  einen  oder  anderen  Paare  von  Scheitelwinkel- 
Räumen  befindet.  Wenn  wir  daher  die  Geraden  h  und  d, 
sowie  die  Punkte  A  und  E  als  fest  betrachten,  C  aber  als 
beweglich,  so  liefert  der  Punkt  C  eine  Parabel,  wenn  er 
auf  einer  der  Hyperbeln  d,,  d..  =  -j-  a  liegt,  eine  Ellipse,  wenn 
cmer,  eine  Hyperbel,  wenn  Jccincr  der  vier  Hyperbelzweige 
ihm   seine  coneave  Seite  zuwendet   (oder  je  nachdem  er  mit 


—     HO     — 

Cj  auf  verschiedener  oder  derselben  Seite  des  Hyperbelsystems 
liegt). 
150.         Siiccudisirmig    der   Glciclinmj   2'''"   Grtides.      Es    sei    ein 
rechtwinkliges   Coordinatensystem   angenommen,    der  Durch- 

/  /       />-  /  /     /^-^ — 

/  /  /         ■    /     / 

_/ ,i_,L_         /       /\L_ 

^'^  ^  ^  A 

I  I  Schnittspunkt  von  h  und  d  mit  Y 

bezeichnet,  und  die  Punkte  A,  C, 
E  so  gewählt,  dass: 
Ef /-V___  -4  =  e,  +  e.; 

^  3^  =  ?/iei    +2/2^2  +  ^3^^3  5 

dann  ist: 

^  =  EY=       y.{e.,e.^  -  {y,  +  y-^)  {e.,e,)  +  ^.(e.e^); 

d  =  AY=  —  ?/o(e.,eo)  +  (?/,  —  ^3)  {e.^e,)  +  ^2(^1^2); 
also: 

XA  =  x.^{e.,e^)  +  (0:3  —  a^,)  (636.)  +  x.^(e^e.^); 

XAb  =  e,  [x^iyi  +  2/3)  +  2/2 C^i  —  ^3)]  +  ^ 2  •  2 ^2^/2 
+  ^iMVi  +  2/3)  —  VÄ^i  —  -^3)] 
=  «,e,  +  «,62  +  «363; 
XAhC=  (a,  —  r/,/3)  (coc,)  +  «3/3(63^',)  —  a._,{c^e.^)- 

XAbCd=e^  [(t/3  —  ^,)  {a^  —  «,/3)  -  ^/i^s] 

+  e,  ^2  [(a ,  —  «3)  /3  —  a^]  +  63  [(^,  —  ^/g)  /3  —  ?/.,]  a^ ; 

XAhCdE=  (e,e,)  [(«j  -  a3)/3  -  «,]?/, 

+  (^3^,)  [(«/i  —  2/3)  ([«1  +  «3*]/5  —  «2)  —  2?y2«3] 
+  («3^2)  [(«-I  —  a.,)ß  -  «,].?/2; 
XAhCdEX  =  ( —  2/2 a;,  —  aj.jj/o)  [2V2('^'i  —  -^3)/^  ~  '^ ^hVi 
+  '^2  (.Vi  —  2/3)  (2a-2bi  +  y-Aß  —  2^:32/2)  ^ 
—  2//,r/:,(,r,[,?/,  +  ;//,]  —  y.,[xy  —  x.^])  =  0, 


—    111 


oder : 

—  yrix^  +  x,)  [{x^  -x.;,)ß  —  x.,]-\-x.;'{yi—y,)  [(y, +2/3]^ -?/•.] 

—  ■^•..'/•>K>(/yi  +  //:i)  —  vA-^i  —  ^'d]  =  <'^ 

oder : 

y-^ß{x,'^  -  x{^)  +  2y^x,x,  +  x^[(^>/^  -  y^)ß-  2//,^,]  =0. 
Setzt  man  uim : 


=  ^2, 


=  Z 


?/2   Vz   

;j  '1       7,"  —  ^'2  5      77  —  ^^3  3 


SO  foljjt: 


2/1 


?/i 


ß  (^3^-    l)  +   2^.,  _   ß  (W,2  _   1)  +  2 «2   _ 

—  -  //£- • 


Diese  Gleichung  zeigt,  dass  auch   Y  auf  der  Curve  liegt. 

Es    sind    nun    drei    Fälle    zu    unterscheiden ,    nämlich ; 
\)'m  =  0;    2)  Oll  <  0;    3)  m>  0- 

1)  ')n  =  0.     Dann  ist,  wenn  weder  x.^  noch  Xy  Null  ist; 

/3(^32-l)  + 2^2  =  0, 
oder,  wenn  wir  ß  —  2^.,  =  v  setzen: 

ßz.?  =  v. 
Dies  ist  die  einfachste  Zahle'ngleichung  der  Parabel. 

2)  m<0.     Dann  ist:  1 
/3(^.;-'  _  1)  +  2^,  +  m^,2  =  0; 

oder :  ^-^k 

oder,  wenn  wir  0.,  -| ^=  v  setzen: 

ß,.^^^-^mv^-  =  (ß-j-^)-  A:, 

Je  nachdem-  tu  positiv  oder  negativ  ist,  stellt  diese  Glei- 
chung eine  Ellipse  oder  Hyperbel  dar. 

Ist  im  ersteren  Falle  m  =  ß,  so  kann  man  schreiben: 

,,^~  +  v^=\+^^  r^ 

als  Gleichung  des  Kreises.     Im   speciellen   Falle  ß-  =  3  ist 
das  Dreieck  der  Punkte  Ä,  C,  E  gleichseitig. 

Im    zweiten    Falle    kann    man    m  =  —  m^    setzen    und 
schreiben : 


—     112    — 

oder,  wenn  yß^,^  _f_  y:^^,;  =  f^ 

gesetzt  wird: 

".=(''-„.,)■■ 

Damit  ist  die  Gleichung  der  Hyperbel  auf  ihre  einfachste  Form 
gebracht.     Ist  ß  =  m^ ,   so  heisst  die  Hyperbel  gleichseitig. 
151.  Vcrtvandlmig  einer  ZaJdengleicJnmg    in   ein    gleieh   Nnll 

gesetztes  planinictriselies  Producf.  *)  —  Zur  Lösung  dieser  Auf- 
gabe ist  es  nöthig,  a)  eine  Zahl,  b)  ein  Procluct,  c)  eine 
Summe  als  planimetrisches  Prodiict  darzustellen.  —  Für  alle 
Fälle  sei 

X  =  Xi  a  -f-  X.,  b  -\-  e] 

d=a-\-h-j-  e,     (da)  =  Ä,     {dh)  =  B,     (ed)  =  C, 

und  a,  h,  c  drei  beliebige  Grössen  1"""  Grades,  z.  B.  a  und  h  zwei 

auf  einander   senkrechte 
«^     Strecken  von   der  Länge 
I        1  und  c  ihr  gemeinsamer 
I  •      Anfangspunkt.    Dann  ist 
1        d  der   gegenüberliegende 
I        Eckpunkt  des  aus  a  und 
\j_    h    gebildeten    Quadrates, 
1       Xy  und  x^  sind  die  recht- 
I        winkl.  Coordinaten  von  x. 
I        Wenn  nun  y^  und  y^  die 
Schnittpunkte  von  C  mit 
1        .'•, ,  resp.  x^  sind,  so  folgt 
aus  der  Aehnlichkeit  der 
Dreiecke: 
icy.^):  {cd)  =  x,  :  1; 

(cy,)  :  (ed)  =  x.,. 


B 


/             1 

v^y 

/  1 

,^ 

a 

1      / 

Z^. 

\    ,' 

1/ 

b 

also: 


(6-v/,)  :  [cd)  =  x^  :  1 


(cv/,):  (c(/)  =  .r,; 
Die  Punkte  ?/,  und  //,,  sind  hiernach  die  räumlichen  Bilder 


der  Zahlen  .r,  und  .r. 


Da  ferner  x  mit  //,    auf  der  zu  h ,   mit  //._,  auf  der   zu  a 
gezogenen  Parallellinie  liegt,  so  ist: 


*)  Vgl.  G.  A.  II.  325—329. 


-    113    — 


Endlich  ist:        j,,„(^.i,C);     y,  =  {xaC). 

Hierdurch  sind  die  Zahlen  x^  und  x^  als  planimetrische 
Producte  dargestellt. 

Construirt  man  ferner  die  Coordinaten  von  y^  und  y.^, 
und  setzt: 


/  B 


d 


^2  > 


^4 ^rA 

/  1     1                   /     '             ! 

/           /i      '                           1              1 
1         /    \      \                           1              1 
/       /      1                                1              1 

/    /       1      i                      -^^1              1 
/    /            '      1                           '              1 

!/      \  \     i     \     \ 

iViaB)  =  f, 
zieht  ferner  (cf),  und  setzt: 

ifc)  (2/2  &)  =  e, 
zieht  endlich  (ea),  und  setzt: 

0  =  (ea)C, 
dann  ist: 

(cz)  ^^  ^e)  ^^  (ctji) 
{cyi)       {cf)        {cd) 

und  da 

(c  rf)  ~  ^' ' 
so  folgt: 

{Cd)~^^^"''' 

Der  Punkt  0  ist  also  das  räumliche  Bild  des  Productes  x^x.^. 
Da  ferner  e  mit  z  auf  der  zu  a  gezogenen  Parallellinie 
liegt,  so  ist: 

{za)  =  {ea) . 
Endlich  ist: 

0  =  [y,  aBc{y.2 h) a C]  =  [y^hÄc  {y., a)hC]', 
also  auch: 

{za)  =  [y^aBc(y2l)a]•^       {zli)  =  {y^hAc{y2a)h\, 
da  die  Vertauschung  der  Buchstaben  a,  A  mit  h,  B   an  der 
Figur  nichts  ändert. 

Hierdurch  ist  nun  das  Product  x^  x^  als  planimetrisches 
Product  dargestellt. 

Endlich  möge  auf  der  Geraden  cd  ein  Punkt  /  so  be- 
stimmt werden,  dass  er  die  Summe  der  Zahlen  x^  und  x^ 
repräsentire.     Dann  soll  sein: 

(cz) ax,  -{-ixz  ^ 

{cd)  ' 


oder: 


a  +  b 


(cz) 
{cd) 


icyt) 


a+b      {cii) 

Schlegel,  Syst.  d.  Raumlehre. 


+ 


b         (cVi) . 
a+b  *   (cd)  ' 


-    114    - 


'''^^][  (a  +  h)  {c,')  =  a  .  (ein)  +  h  .  (cy^^ 

a  [(c/)  —  (cy,)]  =  t  [(CT/,)  —  (c/)] ; 
oder:  ,  n        r  /  'n 

d,  h.  2'  ist  der  Punkt,  welcher  die  Strecke  (v/j  —  ^2)  im  Ver- 
liältuiss  b  :  a  tlieilt. 

Um  diesen  Punkt  zu  finden,   beachtet  man,  dass,  wenn 
man  {gs')  construirt,  und 

(gs)  {xh)  =  h 

\d     setzt,    aus  der  Aehnlich- 
keit  der  Dreiecke  folgt : 


B 


e 


__^%[/ i Tv^ 


z  —  Vi        9  — Vi 


und  numerisch: 


Iv 


^  2/1  —g. 
Vi  —  h 

Trägt  man  also  von  C 
aus  auf  a  und  1)  beliebige 
Strecken  ab,  die  sich  wie 
a  :  h  verhalten,  und  zieht 
zur  Verbindungslinie  ihrer 
Endj3uukte  eine  Parallele 

durch  (/,   so  schneidet  diese  die  Strecke  C  in  dem  gesuchten 

Punkte  z. 

Da  auch  ^Luy^  =^  ^,~  f  ,  oder  ^'  ~  f  =  ^■~  f  ,  und  diese 

Proportion  ungeändert  bleibt,   wenn  (ah)  nicht  ein  Quadrat, 
sondern  ein  Rhombus,    so  hat  man  beiläufig  den  Satz,   dass 
in  jedem  Dreieck  {gyji)  die  Halbirnngslinie  eines  Winkels  die 
Gegenseite  im  Verhältnisse  der  heiden  anderen  Seiten  theilt. 
Endlich  ist: 
^'=  {g^^)G  =  g{(xa  —  bh)C=  [yia{y^h)  (aa  —  hh)C]. 

Damit   ist   auch    die   Summe   — '  ^  ^     als   planimetrisches 
Product  dargestellt. 

Für  die  weitere  Entwickelung  setzen  wir  nun  an  geeig- 
netem Orte: 

2/1  =^  (^1)  j      z  ^  [x^  x^\ 

2/2  =  (^2); 


^    115    -^ 

Dann  ist: 

[iXiX.;)b]  =  [ijyhÄc{y.;,a)h]. 

Setzt  mau  hierin  z  für  y^,  d.  h.  x^x.,  für  iCj,  so  folgt: 
[{Xi^x.,)b]  =  [2bÄc{y^a)h]  =  [y^h[Äc{ij,a)h)  .  (Äciy^a)^], 
oder,  wenn  wir 

^  =  [Äc{xa)h]  =  [Ac{y2a)h] 

Ebenso : 

[{Xi'>'x,)h]  =  [yih  .  dl'"]  =  [^&9ft'"]. 

Daraus  folgt: 

{x^'"x.,)  =  [xb  .  dVC]. 

Vertauscht  man  a  mit  b,  und  x^  mit  iCj,  und  setzt: 

dli  =  [Bc{xb)a]  =  [Bc{y^b)a], 
so  folgt: 

[{Xi  .  x./'')a]  =  [xa^i"']    oder    [(iCi  .  ic./-i)a]  =  [a:a9t,«-^]. 
Setzt  man  hierin  für  a',  und  a;  den  Ausdruck 
{x^"'x^)  =  [xbdV"C] 
ein,  so  erhält  man: 

[(a;,™a;2»)a]  =  [i»&9fi'»C  .  aDfti»-i]  =  S; 
Ebenso : 

[(a^i^  x^'i)  b]  =  [xadliPC  .  &  ^5  -1]  =  fi,; 
daher : 


Weiter  ist: 


ist: 

4  a  +  6  J+fc-^i'^^/ 

\  a+b  /' 


+ 

wenn    wir    ausserhalb    der  eckigen    Klammer  c   statt   b  und 
a  -j-  b  statt  a  setzen: 

~  V  a  +  b  +  c  /■ 

Auf  der  rechten  Seite   aber  ist  [S  ß^  «j  (7|   für  ?/,  und  Sj  für 
(1/2 &)  zu  setzen,  so  dass: 

worin  «j  =  (d  +  b)  a  —  c  &. 
Allgemein  ist: 


—    116    — 

Ist  nun  /"(.<'! .>".))  =0,"  so  ist  auch  (0)  =0,  also: 

das  gesuchte  planiinetrische  Product/  für  die  Gleichung  n^"^ 
Grades. 

Da  jedes  91  den  Factor  x  einmal,  also  jedes  S  ihn  so 
oft  enthält,  als  die  Exponentensumme  des  zugehörigen  Gliedes 
der  Gleichung  beträgt,  so  ist  das  planimetrische  Product  von 
sovieltem  Grade,  als  die  Summe  sämmtlicher  Exponenten  der 
Gleichung  beträgt.  Es  drückt  daher  ausser  der  Curve  noch 
eine  Menge  von  Geraden  aus.  Um  diesen  Uebelstand  zu  ver- 
meiden, kann  man  die  Gleichung  ^i''^'"  Grades  vor  der  Um- 
wandlung auf  die  Form  bringen: 

wo  ,?]...  Sn  lineare  Functionen  der  Variablen  rc,  und  x.^  sind. 
Auf  diese  Weise  nimmt  z.  B.  das  planimetrische  Product 
vom  2'''"  Grade  die  Gestalt  an:  {xaBcDex)  =  0-^  und  das- 
jenige vom  3'^'"  Grade:  {xaBc  {xh)  aCclEfx]  =  0.  Die  Ver- 
allgemeinerung dieser  Theorie  auf  Curven  höherer  Grade  s. 
in  den  Grass  mann 'sehen  Schriften.*) 

b)  Zahlen  (aus  Strecken  [und  Punkten]).**) 

152.  Der  Flächentheil   erschien   uns    als   Product    aus    einem 

Punkte  und  einem  Parallelogramm.  Der  erstere  war  eine 
geometrische,  das  letztere  eine  arithmetische  Grösse.  Bei 
der  Bestimmung  von  Punkten  erschien  das  als  Zahlcoefficient 
auftretende  Parallelogramm  unwesentlich;  daher  konnten  wir 
das  progressive  Product  zweier  Punkte  als  Gerade,  statt  als 
Strecke  auffassen,  und  das  regressive  Product  zweier  Strecken 
(oder  Geraden)  als  Punkt  statt  als  Product  eines  Punktes 
und  eines  Parallelogramms. 

Bei  der  Bestimmung  von  Zahlen  wird  uns  der  am  Paral- 
lelogramm haftende  Punkt  nicht  interessiren.    Wir  betrachten 


*)  Crelle's  Journal  Bd.  31.  S.  111;  Bd.  36.  S.  177;  Bd.  42.  S.  187; 
Bd.  44.  S.  1;  Bd.  52.  S.  254. 
**)  Vgl.  G.  A.  II.  330-340. 


—     117     - 

daher  nur  das  Parallelogramm,   und   da  dasselbe  als  Product 

seiner  beiden  Seiten   darstellbar  ist,   so  genügen  für  unsere 

Betrachtung   zwei   Strecken    Cj,  e^,    deren  Product  gleich   1 

ist,  so  dass  ,        .        . 

(Ci  Co)  =  1 . 

Es  finden  dann  alle  am  Schlüsse  der  zweiten  Abtheilung  an 
diese  Formel  sich  knüpfenden  Erklärungen  und  Gesetze  Gel-^ 
tung.     Nur  ist  {e^e.^  jetzt  eine  Fläclieneinhexi  2'"  Stufe. 
Es  ist  also: 

II  ei  =  I  C2  =  —  ei . 

Da  die  Gesetze  des  Zeichens  j  dieselben  sind,  wie  die 
des  Factors  i,  so  nehmen  wir  zur  näheren  Bestimmung  der 
Strecken  e^  und  e,  beide  Zeichen  als  identisch  an,  und  er- 
halten so  die  Formel: 

69  '^^^  ^  '  ^i'i 
d.  h.:    die  beiden   Strecken  e^  und  c,  sind  yleich  lang  und 
stehen  auf  einander  scnlcrecld  (normal).   Sie  bilden  ein  Normal- 
system, auf  welches  sich  alle  folgenden  Rechnungen  beziehen.*) 

Weiter  hat  man  (gj  |  Cj)  =  1;  d.  h.:  das  Product  einer 
StrccJce  und  ihrer  {zu  ihr  senkrechten)  Ergänzung  ist  gleich 
der  Flächeneinheit-^  {ne^)  \  (pe,)  =  np{e^  \  e{)  =  np,  oder, 
wenn  n  =  p  ist:  (wej  |  {nci)  =  n"^',  d.  h.:  das  Product 
ziveier  Veliehigen  auf  einander  senh'cchten  Strecken  ist  die  mit 
dem  Producte  ihrer  Masszahlen  muUiplicirte  Flächeneinheit. 

Weiter  ist  (e^  |  Co)  =  0,  d.  h.:  das  Product  einer  Strecke 
und  der  Ergänzung  einer  zu  ihr  senkrechten  Strecke  ist  Null. 

Wenn 

a  =  a^e^  -\-  cc^Co, 

^°  ^^*-  I  «  =  «,63  —  «2^1 ; 

''^^*  (a  I  a)  =  «i2  _f- «,2, 

Statt  (a  I  a)  schreibt  man  a",  nennt  a~  das  innere  Quadrat 

von  a,  und  -j-  //«/•^  +  «2^  seinen  numerischen  Werth. 

*)  Der  in  diesem  Abschnitt  behandelte  Stoff  bildet  den  Inhalt  der 
sog.  rechnenden  Geometrie,  in  der  es  nur  auf  die  mimenschen  Werthe 
der  Strecken  ankommt,  und  die,  je  nachdem  Strecken  allein,  oder 
Strecken  und  Winkel  den  Gegenstand  der  Betrachtung  bilden,  in  rech- 
nende Geometrie  im  enr/eren  Sinne  und  in  Trifjonometric  zerfällt. 


—     118    ~ 


Wenn 


a  =  cc^e^  -\-  a2 e.^ ; 
[a  I  &]  =  «ij3i  +  «2/^2  =  [h  \  a] 


so  ist: 

oder: 

[(«1^1  +  «2^2)  I  ißiOi  +  ß^e.y]  =  ccißi  [ej  I  e^]  +  «2/52[e2  I  ^2]- 
Ist  «j  =  /3j ;  Ko  =  ß2,  so  folgt : 

(«jC^  +  «2^2)-  =  («161)-  +  («2^2)'; 
oder,  wenn  wir  (a^ej)  =  a^  5   («2^2)  =  ^2  setzen: 

(«j  -f"  ^2)"  =  *i"  "i"  ^2  • 
Diese  Formel  drückt  wieder  den  Satz  des  Pythagoras  aus. 

Sind  a  und  h  zwei 
Strecken,  die  einen  be- 
liebigen Winkel  bilden, 
und 

dann  ist  die   Strecke  a, 
^'     die  Projection  von  a  auf 
Cj  nach  Cjj  mithin  ist: 

Da  nun 

so  ist  in  der  That  ay  =  «jßj. 

Die  Projection  heisst  normal,  insofern  Grundgebiet  und 
Leitgebiet  zu  einander  normal  sind. 

Bilden  wir  nun : 

[a\h]  =  a,/3, 

so  haben  wir  den  Satz:    Das  innere  Procluct  zweier  Streclcen 
ist  gleich  dem  Product  ans  dem  numerischen  Werthe  der  einen 
und  dem  der  Projection  der  anderen  auf  ihr. 
Bilden  wir  weiter: 

ia  +  hf  =  [(«  +  &)](«  +  h)] 
==[a\a]-^[a\h]-\-[b\a]  +  [h\b] 
=  a^  +  2[«  I  &]  +  &^  =  «^  +  2a,ß  +  ß^- 


—     119    — 

dauii  ist  die  Formel  für  {a  -\-  h)~  der  Ausdruck  des  sog. 
allgemeinen  Pythagoras,  und  lieisst,  wenn  y  der  nume- 
rische Wertli  von  {a  -\-  h) ,  a  derjenige  von  a ,  ß  der  von 
h  ist: 

Wenn  a  und  h  zwei   zu   einander  senkrechte  Strecken  153, 

sind,  so  dass 

h  =  ai,     hi  =  —  a, 

dann  sei:  .  ,      , 

a  .  i"'  =  xa  -\-  yb, 

wenn  a  sich  um  den  Winkel  a  dreht,  und 

«,  Rechte  =  a 

ist.     Durch   Multiplication    der    letzten   Formel    mit  i  erhält 

man  dann : 

ai«i  +  i  =  xai  -\-  yhi, 

==  xh  —  ya. 
Andererseits  ist: 

also:  ,  .  , 

bi'^i  =  xh  —  ya. 

Die  Aenderung,   durch  welche  von   den  beiden  Strecken 
des  Normalsystems  {a,  h)  die  eine  «in  xa  -{-  yh,  die  andere, 

6 


\«;     «y 


V'«r 


y? 


b  in  xh  —  ya  übergeht,  heisst  circuläre  Aenderung.  Wie 
die  lineale  Aenderung  der  Schiebung,  so  entspricht  die  circu- 
läre der  Drehung. 

Da  der  numerische  Werth  von  ai"'  Eins  ist,  so  ist: 

Ziu-  Bestimmung  von  x  und  y  beachten  wir,  dass 
ai"'  =  xa  -j-  yb  =^  xa  +  yai. 


-     120    — 

woraus  folgt: 

^■«.  =  X  -\-  iy . 
Ferner  ist: 

1  =  x"^  -\-  i/  =  {x  -^  iy)  {x  —  iy), 

und  wenn  man  die  untere  Formel  durch  die  obere  dividirt: 

i—"'  =  X  —  iy. 
Daher : 

2  :r  =  *«i  -j-  *-  «' ;       2yi  =  i"^  —  i- «< ; 
endlich:  „        .    „  „        ^„ 

^~  2  '  y  ~  2i  .       ' 

Man  setzt  nun: 

X  =  cos  a]       ?/  =  sin  a  *)  •, 

ausserdem:  ,  , 

y  :  X  =  Ig  a-^       x  :  y  =  cot  a . 

154.         Sei  ai«'  =  «];    a|  =  Ä;ft-f'2/^; 

dann  ist:  j-^^  |  ^j  _  ^.j-^  |  «]+?/[&  U]- 

Aber  da  h  auf  a  normal ,  so  ist  [h  \  a]  =  0]  ferner : 

[a  \  a]  =  a"  =  1 , 

wenn  a  der  Längeneinheit  gleich  ist;  also: 

[a,  I  a]  =  X  =  cos  a. 

Treten  zu  «j  und  a  resp.  die  Zahlenfactoren  mj  und  m,  so 

ist,  wenn  ,  , 

m^  «j  =  by  5       w  a  =  0 

gesetzt  wird:  ^-7    ,7-, 

[Pi  I  ^J  =  WiW  .  cos  a. 

Ferner  ist:  .       ,  /      \    ,      n    \ 

(«j  a)  =  x{a  a)  -\-  y{oa). 

Aber  da  (aa)  =  0  und  {ba)-  =1,  so  ist: 

(«la)-  =  y-  =  (sin  a)2. 

Treten  zu  «j  und  a  noch  wie  oben  die  Factoren  m^  und 

m,  so  ist  

-f-  y{by  h)-  ==  Wj  wi  .  sin  «. 

Demnach  ist  das  innere  Produd  ziveier  Strecken  gleich  dem 
Prodiict  ihrer  numerischen  WertJie  und  des  Cosinus  ihres 
Zwischenwinkels]  dagegen  der  numerische  Werth  des  äusseren 
Productes  ziveier  Strecken  gleich  dem  Product  ihrer  numerischen 
Werthe  und  des  Sinus  ihres  Zivischenwinkels.**) 


*)  Vgl.  die  Anmerkung  auf  S.  58. 
**)  Vgl.  G.  A.  I.  S.  64. 


—    121     - 


Specielle  Fälle: 


cos  (aa)  =  [a  \  «]  =  1 ; 
oder :  cos  0=1; 

siu  {aa)  =  (aa)  ==  0 ; 

sin  0  =  0. 
Sei  c  =  cca  -{-  yh,  und  yaß  resp.  die 
numerischen  Werthe  von  cah]  dann  ist: 
[a  \  c]  =  xa"^-^       [a  \  c]  =  ay  .  cos  {a c) ; 
[6|c]  =  y/32;       [&|c]  =  /3>'.cos(&c); 
folglich : 
xa-  =  ay  cos  (ac);       ijß''-  =  ßy  cos  (&c); 


a,  =  & ; 

cos  (a?>)  =  [rt  1  Z>]  =  0; 

cos  (IJ?)  =0; 

sin  («&)  =  («&)  =  !; 

sin  (1  i?)  =  1 . 


und: 


-^cos(ac);  ij  =  J  cos  {hc)-, 


_=  _  cos  (rtc)  +  ^  cos  (hc). 

Ist  c  =  xa  -\-  yh'^    d  =  x^a  -{-  y^h]   dann  ist:  156. 

cos  (cd)  =  [c  I  f?J  =  a;^:.",  -{-  yyx 

=  cos  (ac)  cos  (ad)  -f-  cos  (&c)  cos  (hd). 

Für  c  =  d  ist  cos  0=1=  cos^  (a  c)  -f-  cos-  (&  c) . 

Für  {cd)  =  1  ist  cos  (ac)  cos  («(/)  -f-  cos  {h  c)  cos  (6(/)  =  0. 

Wenn  a  -\-  h  -\-  c  =  0,  so  ist:  157. 

ac  -\-  hc  =  0'^ 
{a  c)~  =  {h  c)- ; 
«'y^  sin^  {ac)  =  /J^;^-  sin-  (&c); 
a  :  ß  =  sin  (6c)  :  sin  {ac). 

Diese  Formel  ist  der  Ausdruck  des  sog.  Sinussatzes  der  Tri- 
gonometrie. 

Setzt  man  in  der  Formel 

{a  +  h)'  =  «-  +  2  [a  1  6]  +  h~ 

für  (a  I  h)  seinen  Werth,  und  für  a  und  h  ihre  numerischen 
Werthe,  so  folgt,  wenn  a  -)-  6  =  c  ist: 

y'''  =  a^  ^2aß  cos  (a&)  +  /3-' 

als  Ausdruck  des  sog.  Projections-  und  des  Cosinussatzes, 


oder 
d.  h 


folglich : 


—     122    — 

158.         Ahldtnmj  der  ivkht'Kjstcn  trigonometrischen  Grundformeln. 

1)  Aus  den  Formeln :   a;--j-  y"  =  1 5  -^  ==  cos  «;?/==  sin  « 
folgt  sogleich: 

cos"^  a  -\-  siu^  a  =  1 . 

2)  Sei  i«'  =  x^  +  *.?/i  5  ''^''^'  ^=  -^a  +  ^"^2  j  ^""'  +  '^'  =x  -\-  iy, 
dann  ist: 

^  =  ■^1.^2  —  ViVi',     y  =  Vi^o  +  ^1  ^2; 

oder: 

cos  (k  -\-  ß)  =  cos  «  cos  ß  —  sin  a  sin  /3; 

sin  (a  -{-  /3)  =  sin  cc  cos  /5  -}-  cos  a  sin  /3. 

3)  Setzt  mau  in  den  Ausdrücken: 

cos  «  = '- :       sin  a  ==  —-. 

2  '  2i 

( —  a)  für  a,  so  folgt: 

i~  "  4-  i" 
cos  ( —  a)  = ~ —  =  cos  a  , 

sin  ( —  «)  = —. =  —  sin  cc. 

4)  Setzt  man  in  2)  ß  negativ,  so  folgt: 
cos  («  —  ß)  =  cos  a  cos  ß  -\-  sin  a  sin  /3; 
sin  {a  ^-  ß)  =  sin  «  cos  ß  —  cos  «  sin  /3 . 

5)  Setzt    man    in    2)    x^  =  x^]    ?/i  =  2/25    ^^^o    u  =  ß, 

so  folgt: 

^  =  ^1^  — ?/i^;       2/  =  2^,2/n 
oder: 

cos  (2  a)  =  cos-  «  —  sin-  a ;       sin  2  «  =  2  sin  a  cos  a . 

6)  Da    a;^-  +  2/i^  =  1 ;    und    nach    5)    a^i^  —  1/1^  =  ^; 


so  folgt: 


V  =  -^— ;     2/1' =  ^r- 


oder: 

-,/l4-cos(2a)  .                 t/1  — C08(2a) 

COS  a  =  y     ^   ^    — '- ;  sin  a  =  J/ --^ , 

oder :                      , , 

a          T/l-l-cosa  .      a         t/1  —  cos  a 

^°'  2  =  K        2 5  Sin  -  =  y ^ 

7)   Setzt  man  in  den  Ausdrücken   für  cos  a  und   sin  a 

statt  cc  die  Werthe  0,  1,  2,  so  folgt: 


—     123 


cos  0  =  -^^  =  1 ; 


cos 


sin  0  = 


sin  1  == 


1  —  1 

2* 


-1 


0; 

i  4-  * 


sin 


2  i  2  i 

-  1  -  (-  1) 


1 


=  0, 


cos2  =  -+-<^'  =  -l;         ^  ,,     ^_ 

8)  Sei  a  =  x-{-y;  ß^x  —  y,  ^^^^  =  x;  ^-^  =  y\ 


dann  ist: 


cos  a  -f-  cos  ß  =  2  cos  x  cos  y  =  2  cos 


«  + 


«  +  ß 


a  — 
cos  - 


Sin 
cos 
sin 


2 

a  —ß 

2 
a—  ß 

2 


cos  /3  —  cos  «  =  2  sin  x  sin  y  =  2  sin  -^ 

sin  a  -|-  sin  ß  =  2  sin  .r  cos  ^  =  2  sin  ^^-—^ 

sin  a  —  sin  /3  =  2  cos  ic  sin  y  =  2  cos  "  T^*^     — 

Einige    Formeln    von    den    WinJieln    des    Dreiecks.    — 159. 
1)  «  +  ^  +  y  =  2. 

sin  a  -f-  sin  ß  +  sin  y  =  sin  a  -|-  sin  ^  +  sin  (2  —  o:  —  ß) 
2i 


■  «  ^  jß  _  j- 1^  —  j-  («  +  /^')  -I-  t<"  +  /^> 


2^ 
ji"  +  1)  (^  +  1)  -  (^-«  +  1)  (^-/*  +  1) 


>■" +1)(^  +  1)  (*"+'' -1) 


2e 


2*.i 


[«  +  /* 


2i 

.•2  .-2 


=  4  •  COS  —  cos  -|- 


—  2  +  «  +  /S 


=  4  cos  —  cos  -^  •  - 


+  *■ 


«+/? 

^      {-^-') 


=  4  COS  —  cos  Y 


2 
—  2  +  «  +  /?         2  —  «— 1^ 


,1  «  p  y 

=  4  cos  Y  cos  Y  cos  ^^ 


-     124     - 

2)  «-f/5  +  y  =  4.  — 
sin  a  -j-  sin  |3  -[-  sin  y  =  sin  a  -\-  sin  ß  -\-  sin  (4  —  a  —  ß) 


i^-i- 

■ «  +  z-/*  - 

2  t 

(«  +  /?)  . 

-i' 

i+ß 

-  d"  - 

-  1)  (i^  - 

2i 
-l)  +  (r«- 

- 1)  (r 

-ß  - 

-1) 

2^ 

2  t.  ■*■"  +  /*  r~       '  ^  "  i*  "  «±j? 

2  i  .  i  ^        2  i  .  i  ^       2  i  .  i    ^ 

=  4  Sin  -^  sni  -|-  sin  -|-  • 

(sin  a  -f-  sin  /3  -|-  siu  7)  (cos  0:  -|-  cos  ß  -{-  cos  y) 
=  sin  {a  -\-  ß)  -\-  sin  (/3  -f-  y)  -|-  sin  (a  -f-  j^) 

,     sin  2  a  -1-  sin  2  ß  4-  sin  2  y  .  ,      .      r,    , 

-j ^  =  Sin  «  -|"  siu  ß  -\-  sin  j^ 


+ 


2 
sin  2  ff  -|-  sin  2  ß  -|-  sin  2  y 


2 

(sin  0;  -(-  sin  /3  -|-  sin  y)  (cos  k  -f-  cos  ß  -\-  cos  y  —  1) 
=  2  ,  sin  a  sin  /3  sin  y 

=  Ib  .  sin  -    cos  —  •  sin   -  ■  cos  ^  •  sm  ^  cos  -|- ; 

^Iso:  .  «  .  ß 

cos  «  -|-  cos  ß  -\-  cos  y  —  1  =  4  sin  —  sin  ^  sin  ^ ; 

£  Z  2i 

und  endlich: 

cos  a  -\-  cos  /3  -|-  cos  j^  =  1  -[-  4  sin  -^  sin  ^  sin  -|-  • 

(Auch  analog  wie  1)  abzuleiten.) 

160,  Eriveiterimgcn.    1)  Gegeben  seien  drei  Punkte  A,  B,  C5 

ferner  sei: 

^  +  5  =  2X3;       J?+C'=2Z,;       (7+^1  =  2X3. 

Ein  Punkt  0  sei  so  bestimmt,  dass 

{0  —  A).  iß  =  {0~C);      {0  —  C).  ^•«  =  (0  —  5); 
(0~  J5)  .tV  =  (0  — ^);     also:     a  +  ^  +  y  =  4. 

Dann  ist: 

(0-^)  +  (0-i?)  =  2(0-X3); 

(0-5)  +  (0-6')  =  2(0-X,); 
(0  —  C)  +  (0  —  .4)  =  2(0  —  X,,) . 


—    125    — 


c  ,      b 

-IT  =  ^2  + 


Ferner : 

(A-B)  =  iO-B)-iO-Äy, 

{B-C)  =  {0-C)-{0-B); 
i^C-A)  =  {0-A)-{0~C). 
Setzen  wir  nun: 

(0  —  X,)  =xr,       {0  —  X,)  =  rr,; 
(C-Ä)  =  h-,       (A-B)  =  c- 
so  ist: 

{0  —  A)  =  x 

{{0-B)  =  x,-~=x,+ 
I 

folgkch : 
Multiplicirt : 


(0  -  X3)  = . 


"3) 


2   ' 
c 

2^' 
a 


oder: 

cx^x^  -f~  «^2^3  +  ^-^'a^'i  +  -4-  =  0 

oder : 

c      1       «      ,      ?>                   a          &          c 
2a;3  "*"  2Xi     '    2a;2               2a;,  "  20^2  '  2a;^ 

Beachten  wir  nun,  dass  numerisch: 
a  ,       a  b  ,       ß 

T  •  *i  =  *^  t5     "t  ■  *'■-'  =  *o  ^- ; 

so  lautet  die  letzte  Formel: 


^:*-3=  tg-f ; 


tff  J^  +  tg  i-  +  to-  Jl  =  to-  ^  .  to-  i 


tgi 


2)  Aufgabe.     Zu  beweisen:    Wenn  man  durch  eine  Eclemx, 
eines  Parallelofjramnis  eine  Kreislinie  legt,   und  aus  derselben 
EcJce  die  Diagonale  zieU,   so  ist  das  numerische  Product  ans 
der  Diagonale  und  der  in  ihr  liegenden  Sehne  gleich  der  Summe 


—    126    — 


162 


der  numerischen  Prodncte  aus  den  beiden  anstossenden  Seiten 

lind  ihren  resp.  Sehnenahschnitten.*) 

Seien  ah  die  Seiten,  c  die  Diagonale  des  Parallelogramms, 
«1  &i  c,  die  entsprechenden  Sehnen; 
d  der  aus  der  Ecke  P  gezogene  Durch- 
messer; dann  ist: 

c  ==  a  -{-  h; 
lc\d]==[a\.d]-\-lh\d\, 
und   wenn    die   numerischen  Werthe 
der  Strecken  mit  den  entsprechenden  griechischen  Buchstaben 
bezeichnet  werden : 

rVi  =  ««1  +  ßßi, 

weil  z.  B.  das  innere  Product  aus  c  und  d  gleich  dem  Producte 
der  numerischen  Werthe  von  c  und  c^  (der  normalen  Pro- 
jection  von  d  auf  c)  ist. 

3)  Aiifgahe.  Zieht  man  von  einem  PiinJcte  P  in  der 
Peripherie  eines  Kreises  Strechen  nach  n  beliebigen  Punicten 
A,  B,  C  . . .  und  nach  ihrem  Älittelpunlcte  S,  so  ist  das  Pro- 
duct aus  der  Strecke  P  —  S  und  der  auf  ihr  liegenden  Sehne 
das  arithmetische  Mittel  aus  der  Summe  der  Producte  der 
Strecken  P —  A,  P  —  B,  ...   und  der  zugehörigen  Sehnen. 

Bezeichnen  wir  die  von  P  aus- 
gehenden Linientheile  PA^  -P-^;  •  •  • 
mit  a,  b,  .  .  .;  dann  ist: 


S  = 
SP  = 


n 
AP-\-BP-\-GP-\- 


(f  oder; 


s  = 


a  +  6  +  c-f 


ls\cT]  =  [«  I  ^]  +  ffc  N]  +  [c  M]  +  •  •  • . 

folglich,  wenn  wir  die  numerischen 
Werthe  der  Linientheile  mit  den  ent- 
sprechenden griechischen  Buchstaben 
bezeichnen : 


06,  = 


«ßTi-f  (3ß, -f  yy, + 


w.  z.  b.  w. 


*)  S.  G.  Geometr.  Analys.  S.  26. 


127    - 


Verbindet  man   einen   Punkt   X  mit    dem   Mittelpunkte  1G3, 
eines  Kreises   durch   eine  Gerade,   welche   den  Kreis  in   den 
Punkten    X^    und   X.,   schneidet,    so   heisst   das  Product   der 
numerischen    Werthe    von    (X  —  X,)    und    {X  —  X>)    der 
Boppelabstand  des  Punktes  vom  Kreise.*)     Also: 

a,=={X—  Xj)  (X-Xo). 
Ist  0^  der  Mittelpunkt  und  r^  der  Radius  des  Kreises,  so  ist: 

X,-0,=r,;     A-X,  =  r,', 
also: 
«1  =  (X  -  0,  -  r,)  (X  -  0,  +  r,) 

=  {X-0,f-^r,K 

Wenn  nun  0.>,  0.^,  ...  die  Mittel- 
punkte ;  n ,  r.^,  ...  die  Radien ,  und 
«2,  «3,  •••  die  Doppelabstände  von  X 
für  andere  Kreise  bezeichnen,  so  ist: 

=  a,  [(X  -0[f  -  r,'\ 

4- a  J(X  -  0,)- -  r/]  + 

Sei  nun  ein  fester  Punkt  S  an- 
genommen, so  kann  man  setzen: 

(X  -  0.)-  =  {X  —  S-{-S—  o,.f 

=  (X  -  Sf  +  2[(X  -  Ä)    1    (Ä  -   Or)]   +  iS-   Orf; 

daher,  wenn  noch 

eil  -f-  a.,  + =  ^ 

gesetzt  wird: 

2;=a(X— S)-  +  2[(X- S)  I  {^S—  a, 0,  -  a.O, )]  +  ft, 

worin 

^  =  ai {S  —  Ol)-  +  a.{S  —  0,)'  -\ 

2  2 

—  a,  i\-  —  a.)  r^~  — 

Nun  sind  zwei  Fälle  zu  unterscheiden: 

1)  a  ^  0.     Dann  kann  man  S  so  wählen,  dass 

a/S  — aiOi  — aoO. =  0, 

g  __  Ol  Ol +  02  02-1 


oder: 


•=)  Vgl.  G.  A.  II.  341—343. 


—    128    — 

d.  h.    dass   S  der   Mittelpunl't  der  Punkte   0^,   0.,,  .  .  .    ist. 
Dann  ist 

Die  Vielfacliensumme  der  Doppelabstände  eines  variablen 
Punktes  von  mehreren  festen  Kreisen  erreicht  ihr  Minimum 
(oder,  wenn  a  negativ  ist,  ihr  Maximum),  wenn  der  Punkt 
die  Mitte  zwischen  den  MittelpunJcteti  der  Kreise  hildet.  Sie 
wächst  um  das  Product  aus  ihrer  Coefficientensumme'und  dem 
Doppelahstande  des  Punktes  von  dieser  Mitte,  ivenn  der  Punkt 
sich  daraus  entfernt. 

2)  a  =  0.     In  diesem  Falle  ist 

aj  Ol  -f  ao  Oo  + =  « , 

eine  Strecke.     Sei  a  ihr  numerischer  Werth.     Dann  ist 

2J=2[{X  —  S)\  a]  +  ^. 

Sei  nun  S^  ein  solcher  Punkt  X,  für  welchen  U  gleich 
Null  wird,   dann  ist:  . 

2  [{S,  —S)\a-]-]-ii  =  0, 
oder: 


V^i   —  K> j   iii,   \   u,j  =-  —  -  -   ■ 

oder 


{S,-S)[a\a-]  =  -J^.a',      S,  -  S  -        ^^,  , 


Nun  wird: 
i:=2[{X  —  S,-\-Si-S)\a^-{-^  =  2[{X  —  S,)\a]. 

Hieraus  folgt:  Die  Vielfachensumme  ivird  Nidl,  wenn 
der  Punkt  auf  der  in  S  zu  a  errichteten  Senkrechten  liegt. 
Andernfcdls  ist  sie  gleich  dem  doppelten  Product  aus  dem 
numerischen  Werth  der  Strecke  a  und  dem  Abstände  des 
Punktes  von  dieser  Senkreclden. 

Ist  endlich  a  =  0,  so  ist  2?=^,  also  constant. 

Sind  insbesondere  die  Radien  der  Kreise  alle  gleich  0, 
so  verwandeln  sich  die  Kreise  in  Punkte,  ohne  dass  die  For- 
meln sich  wesentlich  ändern.  Der  Doppelabstand  ist  dann 
das  Quadrat  des  einfachen  Abstandes, 

Rücken  dagegen  die  Mittelpunkte  der  Kreise  in  unend- 
liche Entfernung,  so  geht  die  Kreislinie  in  eine  Gerade  über, 
der  Abstand  X — Xo  wird  unendlich  gross;  d.  h.  er  kann 
für  alle  Kreise  als  gleich   angesehen,   und  es  kann  H  durch 


—     129    — 

ihn  divitlirt  werden.     Dann   ist  der  Doiipelabstand    der  ein- 
fache Abstand  des  Punktes  von  der  Geraden ,  und 

a,  =  (X—  Xi). 
Nehmen  wir  auf  der  Geraden  eine  der  Längeneinheit  gleiche 
Strecke  a  an,  so  ist 

«,    =    (X    X,)  «J    =    X^l    Xj  Cly    =    X«, . 

Analog : 

a.^  =  (X  —  X^,)  a.2  =  Xa.y  —  X,«.,  =  X((i'i 
also: 

27=  «1 X«,  -f-  aoX«.^  +  •  •  ■  =  (^ii  (f\  +  ^h<^(>  +  •  •  •)  ^; 

oder,  wenn  a, «,  +  a2«2  +  •  •  '  =  (ta  ist: 

2J=a{aX), 

d.   h.:    Die    Viclfachensumme   der   Ahstünde   eines   variahlen 

FnnMes  von  festen  Geraden  steht  in  constantem   Verhältnisse 

zu  seinem  Abstände  von  einer  bestimmten  festen  Geraden. 

2.   Zusammengesetzte  Grössen. 

Einfache  Grössen  wurden  oben  diejenigen  genannt,  welche  104. 
als  Prodncte  von  Grössen  ersten  Grades  erschienen;  Solche 
Grössen  waren:  im  Gebiete  des  Punktes  die  Puuktgrösse; 
in  dem  der  Geraden:  Strecke  und  Liuientheil;  in  dem  der 
Ebene:  Parallelogramm  und  Flächentheil.  —  Dagegen  wurden 
die  Curven  sammt  den  von  ihnen  begrenzten  Theilen  der 
Ebene  noch  nicht  unter  dem  Gesichtspunkte  der  Grösse  be- 
trachtet. 

Auf  diesen   Standpunkt  gelangen   wir    durch    eine   Ver- 
allgemeinerung der  Begriffe.*) 

Sei  nämlich  ein   einfacher  Punkt  X  bestimmt  durch  die 

Gleichung: 

X  =  xe^  -{-  ye.,  -{-  ze,,    wo    x  -\-  y  -{■  -  =  1 ; 

dann  ist: 

z  ==  \  —  X  —  y\ 

X  =  ;r  (c,  —  63)  +  1/  (c,  —  C3)  +  C3 . 
Nimmt  man   nun  an,   dass   die   Strecken  (e,  —  %)   und 
{e.,  —  C3)  senkrecht  auf  einander  stehen,  so  sind  x  und  y  die 
rechtwinkligen  Coordinaten  von  X;  jedem  Werthepaare  von 


*)  Vgl.  G.  A.  II.  393. 

Schlegel,  Syst.  d.  Raumlehre. 


—     130     — 

X  und  y  eutsprieht  ein  bestimmter  Punkt  X,  und  alle  Punkte 
X,   deren   Coordinaten   einer   Zahleugleichnng  vom   Grade  n 
genügen,  liegen  auf  einer  Cnrve  vom  Grade  n. 
Sei  nun 

diese  Gleichung;  dann  heisst  Js(r,  v)  eine  Function  von  x 
und  ?/,  und  ist  eine  Grösse,  welche  für  beliebige  Werth- 
gruppen  der  eonstantcn  Zahlen  stets  bestimmte  Werthe  hat. 
Ist  nun  zunächst  7s  {■''■>  .'/)  eine  Function  ersten  Grades, 
also  von  der  Form : 

%{x,y)=ax-\-'by  -\-  c] 
dann  ist  ^-  (.i-,  y)  in  ganz  analoger  Weise  aus  den  Grössen 
x,  y,  1  vermittelst  der  Zahlen  a,  h,  c  abgeleitet,  wie  X  aus 
den  Grössen  c, ,  c.,,  r.,,  mittelst  der  Zahlen  ,r,  y,  z.  —  Die 
Function  ^-  (./;,  y)  heisst  nun  diejenige  Function,  zu  welcher 
die  Curve  1'''"  Grades  (Gerade)  gehört,  deren  Coordinaten 
der  Gleichung  J-  {x ,  y)  =  0  genügen. 

Ist  allgemein  ^  (.^',  y)  eine  Function  n^^"  Grades,  dann 
ist  g-  {x,  y)  aus  den  einzelnen  Functionen  von  ./;  und  y  ab- 
geleitet, d.  h.  aus  den  Producten  ihrer  Potenzen.  Diese 
Producte  kann  man  nun  als  ursprüngliche  Einheiten  be- 
trachten, vom  Grade  der  Summe  ihrer  Fjxponeuten.  Diese 
Einheiten  sind  in  der  That  von  einander  unabhängig,  da 
die  Gleichung  Js('--  //)  =  0  für  jeden  Werth  von  x  und  y 
nur  dann  befriedigt  wird,  wenn  alle  Coefficienten  Null  sind. 

Es  ist  nun  ^{:c,  y)  eine  einfache  Grösse,  wenn  es  als 
A^ielfachensumme  der  einfachen  Einheiten  x,  y,  1  darstellbar 
ist;  d.  h.  Avenn  es  eine  Function  vom  l'<^"  Grade  ist;  dagegen 
eine  zusammengesetzte  Grösse,  wenn  es  als  Vielfachensumme 
der  Producte  dieser  Einheiten  erscheint. 

In  gleichem  Sinne  heissen  nun  auch  die  zur  Gleichung 
6  i^y  y)  =^  ^  gehörigen  Curven  entweder  einfach  oder  zu- 
sammengesetzt. 
iß5.  Die  Kreisfitnctioji.*')  —  Die  erste  der  zusammengesetzten 
Functionen  in  Bezug  auf  die  Einfachheit  der  durch  sie  dar- 
gestellten Curve  ist  die  Kreisfunction.  Sie  ist  ein  specieller 
Fall  der  allgemeinen  Function  2''"  Grades: 

■*)  Vgl.  G.  A.  II.  BOl-.Sftg. 


—     131       - 

ft.^'-  -{-  ^'?/"  +  <"■'':'/  +  "'■'■  +  ^//  +  A 
und  hat  die  Form : 

(•'•■^  +  r')  +  /3.^;  +  y/y  +  ^, 

ist  also  aus  den  vier  Einheiten  (.t-  -|"  ?/^);  '^'j  //;  1  ableitbar. 
Sie  heisst  a-fach,  wenn  das  erste  Glied  noch  den  Coefficienten 
a  bei  sich  hat. 

Statt  aus  den  vier  Einheiten  kann  jede  Kreisfunction 
aus  vier  anderen  Kreisfuuctionen  abgeleitet  werden. 

Wenn  Pix^,  v/,)  ein  beliebiger  Punkt  der  Ebene,  0  der 
Mittelpunkt  eines  Kreises,  und  r  sein  Radius  ist,  so  ist  der 
Doppclabstanä  des  Punktes  vom  Kreise,  wie  wir  oben  sahen, 

gl««-''  (P  _  of  - ,- . 

Aber  wenn  X(.r,  y)  ein  variabler  Punkt,  so  ist: 

die  Gleichung  des  Kreises;  auf  dem  X  liegen  muss.  P'olglich 
ist  der  Doppelah stand  des  Punktes  P  auch  ausgedrückt  durch: 

7S  (-^'l  ;   2/|  )  • 

Wenn  ^,,  J^., ,  Js'..  ^i'^i  Kreis  Functionen  von  x  und  y  sind, 
und  X,,  ;«.,,  X3  die  Kreise,  deren  Gleichungen  Jvi  =  ^;  ^'^^^j 
^3  =  0;  Avenn  dann 

7h  =  ^'x  ?Si  +  «•>  ?^\'       («1  +  «2  =  1) 

ist,  so  haben  die  Kreise  v.^  und  x.,  zwei  Durchschnittspunkte, 
deren  Coordinaten  durch  das  System  Jsi  =  ?^>  =  0  bestimmt 
sind.  Dann  ist  aber  auch  Jv?,  =  ^^5  ^1-  li-  der  Kreis  x^  geht 
durch  dieselben  beiden  Durchschnittspunkte.  Hiernach  hahcn 
drei  Kreise,  ivelche  in  einer  ZahJheziehuny  stehen,  zwei  Ptmlie 
gemeinsam.  Auch  liahen  sie  eine  Gerade  gleicJien  Doppcl- 
ahstandes,   deren   Gleichung   ^|  —  J^.,  =  0  ist,    woraus   auch 

9i2  —  5-3  =  0  folgt- 

Wenn  zwei  Kreise  (?Si  =  0;  ?S>  =  0)  gleichen  Doppel- 
abstand von  irgend  einem  Punkte  haben  sollen,  so  ist  für 
diesen  Punkt: 

Ai  =  Ts->',     oder:     ^>i  —  62  =  ^^^ 
Da  in  dem  Ausdruck  '^^  —  '^•.,  die  quadratischen  Glieder  sich 
heben,  so  stellt  die  Gleichung  i^^  —  Js?  =  ^  ^i"^  Gerade  vor. 
Zicei  Kreise  haben  also  stets  eine  Gerade  filcich  en  Dnpjiel- 
ah  st  and  es. 

9* 


— -   132    — 

Kommt  noch  ein  dritter  Kreis  (J^j  ==  0)  hinzu,  der  die- 
selbe Bedingung  erfüllen  soll,  so  stellt  das  System  ^, — g-.^  =  0; 
g-.,  —  gj  =  0  den  Durchschnittspunkt  zweier  Geraden  vor. 
Folglich  hahen  drei  Kreise  stets  einen  PanlU  gleichen 
Doppelal)  Standes. 

•  Wenn  vier  Kreise  in  einer  Zahlbeziehung  stehen,  so  dass 

'^x  =  «l<^i  +  ^-iTh  +  «:!<^n  K  +  «2  +  0^3  =  1)  ; 

so    ist    für    den    Punkt    gleichen    Doppelabstandes    zwischen 

«5l?   S-.';   Ss- 

%l  =  ^'>  =  %'i 
folglich  auch: 

W-i  =  Ön 

d.  h.:    vier  Kreise,  die  in  einer  Zahlbeziehung  stellen,  hahen 
denselben  PunJd  gleichen  Doiipeldbstandes. 
16G.  ,,Wenn  der  Punkt  A  des  gleichen  Doi^pelabstandes  von 

vier  Kreisen  ausserhalb  eines  der  Kreise  liegt,  so  ist  der 
Doiipelabstand  von  diesem  Kreise  gemäss  der  Definition 
positiv,  also  auch  der  Doppelabstand  von  den  übrigen  Kreisen 
positiv;  A  liegt  dann  zugleich  ausserhalb  der  übrigen  Kreise, 
Zieht  man  von  A  die  Tangenten  an  die  vier  Kreise,  so 
müssen  diese  gleich  sein,  weil  für  jeden  Kreis  das  Quadrat 
der  von  einem  äusseren  Punkte  gezogenen  Tangente  gleich 
dem  Doppelabstande  dieses  Punktes  ist.  Schlägt  mau  also 
um  A  einen  Kreis,  dessen  Radius  gleich  jenen  Tangenten 
ist,  so  werden  alle  vier  Kreise  von  diesem  letzteren  Kreise 
senkrecht  geschnitten.  —  Liegt  hingegen  A  innerhalb  eines 
der  Kreise,  so  muss  es  auch  innerhalb  der  anderen  liegen. 
Zieht  man  dann  von  A  in  irgend  einem  der  Kreise  diejenige 
Sehne,  die  durch  A  halbirt  wird,  so  ist  das  Quadrat  der  halben 
Sehne  gleich  dem  Doj)pelabstande  des  Punktes  A  von  dieseiii 
Kreise;  zieht  man  also  in  allen  vier  Kreisen  die  durch  A 
halbirten  Sehnen,  so  müssen  diese  alle  einander  gleich  sein. 
Schlägt  man  endlich  um  A  mit  der  halben  Sehne  s  einen 
Kreis,  so  wird  dieser  Kreis  von  jedem  der  vier  Kreise  im 
Durchmesser,  d.  h.  so  geschnitten,  dass  die  beiden  Durch- 
schnittspunkte die  Endpunkte  eines  und  desselben  durch  diesen 
Kreis  gezogenen  Durchmessers  sind. 

Mau  kann  diesen  in  Durchmessern  geschnittenen  Kreis 
als  einen   senkrecht  schneidenden  betrachten;   dessen  Radius 


133 


imaginär  =  rj/ — 1  ist,  wälireiitl  Ä  der  Mittelpunkt  bleibt, 
und  erlangt  dadurch  den  V(n-theil  eines  gemeinschaftlichen 
Ausdrucks.  Unser  Satz  würde  dann  so  lauten:  Vier  Kreise 
stehen  dann  (und  nur  dann)  in  einer  Zahlbeziehung  zu  ein- 
ander, wenn  sie  von  einem  Kreise  senkrecht  geschnitten 
werden,  und  zw^ar  ist  der  Mittelpunkt  dieses  Kreises  der 
Punkt  des  gleichen  Doppelabstandes  von  irgend  dreien  der 
vier  Kreise,  und  der  Radius  gleich  der  Quadratwurzel  dieses 
Abstandes.  Wir  können  dies  auch  so  ausdrücken:  Das  aus 
drei  Kreisen  ableitbare  Gebiet  ist  die  Gesammtheit  der  Kreise, 
welche  von  einem  und  demselben  Kreise  senkrecht  geschnitten 
werden.  In  diesem  Sinne  stellt  also  der  letztgenannte  Kreis 
jenes  Gebiet,  d.  h.  das  aus  Kreisen  erzeugbare  Gebiet  3"^'' 
Stufe  dar,  Avährend  das  Gebiet  2"""  Stufe  durch  einen  Verein 
zweier  Punkte  dargestellt  wurde."*) 


b)  Vereine  von  Grössen. 

5(.    Vereine  von  abhängigen  Grössen. 

a.  Mit  beschränkter  Gliederzahl.  —  Punktepaare  und  Linienpaare. 

1.   Anharmonisches  und  harmonisches  Verhältniss. 

Zwei  Punkte  auf  einer  Geraden  heissen  ein  FimUeimar,  i67. 
zwei  Geraden,  die  durch  einen  Punkt  gehen,  ein  Linienpaar.  — 
Zwei  Punktepaare  auf  einer  Geraden  (.1,  C),  {B,  D)  heissen  an- 
harmonisch, wenn  zwischen  ihren 
Verbindungslinien  die  Gleichung 
besteht: 

{BA)  _  (DA) 

{DC]'-> 
oder : 

{Bcy 


{BC) 
(BA) 


m 


{DA) 

Ist  E  ein  Punkt  ausserhalb 
der  Geraden,  so  ist: 

BjAE) 
{BC) 

B{AE) 


m 


oder : 


D{AE) 


=  m 


*)  G.  A.  II.  S.  271. 


—     134    — 

Diese  Gleicliuiigen  bestehen  also,  wenn  B,  C,  D  drei 
Punkte  auf  einer  Geraden  sind,  und  {AE)  eine  schneidende 
Gerade, 

Ist  F  eiu  zweiter  Punkt  ausserhalb  der  Geraden,  so  ist: 

B[AE)  _         -DiAE) 
\J  B_^         ■  I)  -ßTC  F)  —  "*  •  D  {ÜF) '  • 

oder: 


B[AE)  _         J>'(6'F) 

Diese  Gleichungen  bestehen  also, 
'^  Avenn  B  und  i)  zwei  Punkte,  (AB) 

1\  und  (Ci^)  zwei  Geraden  in  dersel- 

ben Ebene  sind. 
1Ö8.  Öei  0  ein  beliebiger  Punkt  ausserhalb  der  Geraden,  so  ist : 

[OB]{OA)  _       ,  (OD)  {OA) 
{OB)  {0  0}  ~~  ''^'  (ÖD)  {OC}' 

Sind  nun  «,  ß,  y,  d  die  numerischen  Werthe  der  Linien 
(OA),  (OB),  (OC),  (OD),  und  a,  h,  c,  d  die  durch  sie 
bestimmten  Geraden,    so  kann  man  für  die  letzte  Gleichung 

schreiben : 

aß  .  sin  (ha)                 aS  .  sin  (da) 
' ^      ^  —  ')ii  > - ^ 

(3 y  .  sin  (& c)  yd  .  sin  {de) ' 

oder:                                ■    ,i   s  ■    fi  \ 

siu  {bu)  sin  {da} 

sin  {b  c)  sin  {d  c) 

Zwei  durch  denselben  Punkt  gehende  Linienpaare,  welche 
diese  Bedingung  erfüllen,  heissen  müiminonisch.  • 

Da  die  Bedingungsgleichung  für  die  Anharmonie  der 
Punkte  von  dem  Punkte  0,  und  diejenige  für  die  Anharmonie 
der  Linien  von  der  gegebenen  Geraden  unabhängig  ist,  so 
hat  mau  die  Sätze: 

Die  Geraden,  ivclche  vier  an-  Bie  PunJde,  in  denen  vicran- 
Itarmonischü  Bnnlde  mit  einem  harmonische  Geraden  von  einer 
hclicbif/en  Bmikte  der  Ehcne  heliehiyen  Geraden  in  der  Eherne 
verbinden,  sind  anharmonisch  geschnitten  iverden,  sind  anhar- 
in  demselben  Verhältnisse.  '  monisch  in  demselben  Verhält- 
nisse. 

Ist  m  =  —  1,  so  wird  das  anharmonische  Verhältniss 
harmonisch  genannt. 


—     135     — 
Wenn  (BA)  (DA)  16'j. 


so  ist  auch: 


(BC)  {DC)' 


n  -  A)  _  __  {])  —  A) 

^B-C)-~        [D-ü)' 
oder,  weun  wir  diese  Quotienten  mit  A  bezeichnen: 

{B  —  A)  =  X{B  —  C);      (^1  —  B)  =  1{B  —  C), 

oder : 

n  (1  —  X)  =  A  —  IC;      X»  (1  +  A)  =  .4  4-  IC, 

endlich  : 

Betrachten  wir  nun  das  Paar  (Ä,  C)  als  gegeben,    und 

{B,  B)  als  gesucht,  so  entspricht  jedem  Werthe  A  ein  Paar 

(1),  B)\   d.  h.:    Zu  einem  (jegehenen  PtinJitepaare  giebt  es  he- 

A  -\-  ü 
liehig  viele  Jiarmonische.  —  Nur,  wenn  A  =  1,  d.  h.  B  =  ^-^- 

ist,  wird  B  unbestimmt,  und  rückt  in  unendliche  Entfernung, 
weil  dann  (B  —  Ä)  =  {B  —  C)  sein  soll. 

Vertauscht  man  die  Differenzen  der  Punkte  mit  den 
Quotienten  der  gleich  bezeichneten  Richtungen,  so  erhält 
man  aus  (b  :  a)  =  (h  :  c/- ;  (a  :  d)  =  {d  :  cf-  den  entsprechen- 
den Satz:  Zu  einem  gegebenen  Linienpaare  giebt  es  hcliebig 
viele  harnionisclie.  Und  wenn  A  =  1  ist,  verwandeln  sich 
die  Formeln 

b  =       yia  :  c)      ;     d  --=      ]/a  .  c  , 

d.  h.:   d  luilbirt  den  Winkel  {ac)  und  b  ist  unbestimmt. 

Wenn  also  die  Gerade  (/  den  Winkel  {ac)  lialbirt,  so 
ist  die  vierte  harmonische  Linie  unbestimmt. 

Soll   das   Paar  (i>,  B)  nicht   nur   mit  {A,  C),    sondern  170 
auch  noch  mit  {E,  F)  harmonisch  sein,  so  tritt  zu  der  ersten 
'Jleichung  die  zweite  hinzu: 

(BE^  _  _  L^^  _ 
{BF)~~        {DF)~^^- 

Beide    Gleichungen    geben    zusammen    folgende    ^Verthe 

für  B  und  B: 

/•  =  ^ i  —  >■<'  _  F  —  (.  F  _         ,    __  ^  ±Jl^'  =  J-^+l'F 

i  —  f.       1  ^^r ''  1  +  ^        r+  fi 


-     136    — 

Durch  Elimination  von  B  crliält  man: 

A.U  (C-F)  +  K{E  -  C)  +  ii{F-A)  +  (.4  -  E)  =  0, 
und  durch  Aenderung  der  Zeichen  von  A  und  ii: 

X(i{C—F)  —  ?i{E-C)  —  ^(F-Ä)-\-  [Ä  —  E)  =  0. 

Durch  Addition  und  Subtraction  dieser  Gleichungen  er- 
hält man : 

XniC—F)  =  iE-  Ä);      1{E~C)  =ii{A  —  F), 
oder  durch  Multiplication : 

A2  (C  —F){E~C)  =  {E~  A)  {A  —  F); 

e"^^i^^i=  ,  _  (E  -  A)     [A-F) 

""  {Ü  —  F)  '  {E—C} 

und  indem  wir  A  mit  E,  F  mit  C  vertauschen: 

.,  _    iE  —  A)      {E—C) 
^'  ~   {C  —  F)  '  {A'-F)  ' 

Da  nun  A  und  }i  vollkommen  bestimmt  sind,  so  gicbt  es 
zu  sivei  gegebenen  PtinJitepaaren  nur  ein  Jiarmoniscltcs.  Drückt 
man  X-  noch  als  Product  der  beiden  mit  A  gleichen  Quo- 
tienten aus,  so  findet  sich,  dass  zwischen  den  drei  Punkte- 
paareu  {B ,  D),  {A,  C),  {E,  F)  die  Gleichung  besteht: 

{B  -  A)     {A  —  J)  _  {E_—A)     {A  -F) 
{B-C)'  {D  -C)~~  {C-F)'  {E-  Cy 
oder:  [B  -  A)     (J^-A)    ,    [E  -  A)    jF -  A)  _  ^ 

{B  —  C)'{D-C)~^{F  —  C)\E-C) 

Eine  andere  Beziehung  erhält  man  aus  dieser  durch  Ver- 
tauschung von  A  und  C  mit  resp.  E  und  F. 

Vertauscht  man  die  Differenzen  mit  den  Sinus  der  Win- 
kel, die  von  den  entsprechend  benannten  Geraden  gebildet 
werden,  so  erhält  man  ähnliche  Formeln  und  Sätze  für  die 
harmonischen  Linien. 
171.  Soll  das  Paar  {B,  D)  ausser  mit  (.4,  C)  und  {E,  F) 
noch  mit  {G,  H)  harmonisch  sein,  so  tritt  zu  den  beiden 
vorigen  Gleichungen  noch  die  dritte  hinzu: 

{BG)  _  _  {D_Gl  _ 
{BH)  ~        [DH)  ~  ^  • 

Alle  drei  Gleichungen  geben  folgende  Werthe  für  B 
und  I): 


--     137     - 

7?  —  A^^^  _  E—fiF^  ^—'^^I 
1  —  X  1  —  f  i  1  —  V    ' 

T)  —  ^-itl^  =  E+fiF ^  G  +  vH 
1  +  A     "~      1  +  a     "~      1  +  V     ' 

Nach  WegsclmfFimg  von  B  und  D  bleiben  vier  Gleichungen 
mit  drei  Unbekannten.     Diese  liefern  die  Werthe: 

^2  ^   iE  -  A)       {A  -F)  _   (G-A)       (A  -  H) 


(C  -  F) 

{E- 

-c)  — 

[C-H) 

[G- 

-ü)  ' 

(E-A) 

{E- 

-C) 

(G-E) 

{E- 

-S) 

{C-F) 

{A- 

-F)  - 

{F-B) 

{G- 

~F)  ' 

(G-A) 

{G- 

-C) 

{G-E) 
[F-H) 

(G^ 

-F) 

iC-H) 

{A 

-H) 

[E- 

-R) 

Durch  Elimination  von  X^,  ft^,  v-  erhält  man  drei  gleich- 
bedeutende Bedingungsgleichungen,  welche  von  den  drei 
Paaren  {A,  C) ,  {E ,  F),  {G,  H)  erfüllt  sein  müssen,  wenn 
ein  zu  allen  harmonisches  Paar  {B ,  D)  existiren  soll.  — 
Drei  Punktepaare,  welche  ein  gemeinsames  harmonisches  Paar 
haben,  heissen  involutorisch  {bilden  eine  Involution). 

Unter  Anwendung  einer  einfachen  Abkürzung  kann  man 
die  letzten  Formeln  auch  schreiben: 


daher  ist: 

oder : 
oder : 

oder : 


^-  =  cc  .  a^  =^  ß  :  ß\ 
v''  =  y.yi  =  a:a^; 

(ßay)  .  {ßlCc^y^)  =  {yßc()  :  (y,/?,«,; 
{E  —  H)   ^    (G  —  C)    ^   (A-jn   ^  j 


{A-H}         ^' 


Dies  ist  eine  zweite  Form  der  Bediugungsgleichung  für 
die  Involution. 

Durch  dasselbe  Verfahreu,  wie  in  der  vorigen  Nr,  erhält 
man  hier  die  Formeln  und  Sätze  für  die  Involution  von  Linien. 


2.    Centralität  und  Polai'ität. 

Sind  (P,  Q)  und  (5, ,  5.,)  zwei  harmonische  Puuktepaare  172. 
auf  einer  Geraden ,  so  ist : 

P-S,~^  l'--So~     ' 


—     138 

oder:  Q  -  S, Q  -  S, 

oder : 

d.  li.: 

oder : 


4^- 

P-  s, 

-  5,     J 

p- 

Q-P 
p-s, 

1  =  1  —  _^-"''^2  _  2- 


Q 


s 


-_2, 


1  ,  1  2  - 

P~—Si  "r"  P^S^  ""  P  —  Q' 
Dieser   ZusammeiiliaDg    zwischen    den    drei  von   1*   uiis- 
laufendeu  Strecken  wird  dadurch  bezeichnet,  dass  man  sagt, 
Q  sei   die   harmonisdie  Mitte  zwischen  S^  und  6'.,,   in  Bezug- 
auf  P. 

Setzt  man 


so  ist 
oder : 
oder : 


-  +  -=. 


2       u' 

2  s, ,', 


^'l  +  ^■>  = 


rj=     ^*-*2 


Die  Strecke  q  heisst  das  harmonische  Mittel  zwischen 
den  Strecken  Sy  und  s.,.  Sind  s^,  s.,,  q  in  Zahlen  ausgedrückt, 
und  s/,  5.,',  q    die  umgekehrten  Werthe  dieser  Zahlen,  so  ist: 

d.  li. :    Der  umgehchytc  Wcrth  des  arithinctiscJien  Mittels  zwi- 
schen zwei  Grössen   ist  das  liarmonischc  Mittel  sicischcn  den 
umgehehrten  Werthcn  dieser  Grössen. 
173.  Betracliten   wir  6',   nnd   s,  als  Wurzeln   einer   Gleichung 

2''"  Grades: 

,•-•  +  ßs  +  y  =  0, 


dann  ist: 


s  —  S|  =  O;     s  —  ^^  =  0; 
(s  —  s^)  {s  —  s.)  =0;  ' 
-  —  (sj  +  s.,)  s  +  s^  s.,  =  '»; 

ß  =  —  ^-^1  +  *':');    y  =  i^i^j: 

_  2  ■    ^'  • 

P' 


—    139    — 

Setzen  "wir  nun  : 

'1  =  ''i  +  iJ\  \       -''•  =  '^-»1 

"woraus  lolgt: 

s  =  n{xi  +  //j)  =  ^^^i; 
oder :  /  \       r  \        /      \ 

so  sind  ..(■  und  ?/  für  S,  x^  und  v/,  für  Q  die  Coordinaten  in 
Bezug  auf  ein  System  von  zwei  in  P  sich  schneidenden  Ge- 
raden . 

Besteht  nun  zwischen  x  und  //  eine  Gleichung  2'*^"  Grades : 
y-  -{-  axy  -}-  hx-  -\-  cij  -\-  äx  -\-  c  =  0, 
so  drückt  dieselbe  aus,  dass  der  Punkt  S  (d.  h.  die  Punkte 
*-,  und  s.,)  auf  einem  Kegelschnitte  sich  bewegt,  während  die 
Gerade  der  vier  harmonischen  Punkte  sich  um  P  dreht.  — 
Setzen   wir    in    dieser    Gleichung    für    x  und   ij   die   Werthe 

■*''  •  s  und  —  ■  s,  so  verwandelt  sie  sich  in  die  Gleichung 
'I  U       '  ° 

und  es  ist: 

.    CiJi  +  cLr, e.  q 


(y  ■■  ß) 

Da  aber: 


c^i  +  äxt 


,=  -2'.    oder    |  =  -| 

war,  so  ist: 

'  1  e 

cij^-\-  dxi-{-2e  =  0. 

Es  bestellt  also  zwischen  den  Coordinaten  des  Punktes 
(f)  eine  Gleichung  l'''"  Grades;  d.  h.  dieser  Punkt  bewegt  sich 
auf  einer  Geraden;  oder: 

Wenn  von  einem  festen  Fanläe  P  durch  einen  festen 
Kegelschnitt  eine  heivegliche  Gerade  gesogen  tvird,  so  ist  der 
geometrische  Ort  der  harmonischen  Mitte  zivisehen  den  Schnitt- 
punJden  der  Geraden  Si  und  S.,  in  Bezug  auf  P  eine  Gerade. 

Ist  S  =  Sy ,    d.   h.   geht   die   Secante  in   eine  Tangente 

Über,  so  ist  ^rir^s'  "^  ^^'  ^^'  ^^•'  '^'  ~  '^'i  "^  '-*'  f^^^S'^^^^^^  §^^^^ 
die  Gerade  der  Punkte  {Jf  durch  den  Berührungspunkt  der 
Tangente.  —  Da  die  Gleichung  der  Curve,  wenn  mau  a;, 
und  )J^  für  x  und  g  setzt,  in  die  beiden  Gleichungen  zerfallt: 


-     140     — 

cy^  +  ä'C^  +  2c'  =  0;      y^-  +  ax^y^  +  hx;^  -=  c, 

so  hat  die  Gerade  der  Punkte  (^  zwei  Punkte  mit  der  Curve 
gemeinsam,  nämlich  die  Berührungspunkte  der  von  F  aus 
an  dieselbe  gezogenen  Tangenten. 

Der  Punkt  P  heisst  Pol,  und  der  geometrische  Ort  der 
harmonischen  Mitten  Q  die  Centrede.. 

ZicJd  man  also  von  einem  beliebigen  Punlde  P  aus  zicei 
Tangenten  an  einen  Kegelschnitt,  so  ist  die  Verbindungslinie 
ihrer  Bcriüirungspunlde  die  zum  Pole  P  gehörige  Centrale. 

174,  Multiplicirt    man    die    Gleichung    p^'  -j-  p~  =  0    mit 

^.^,  so  folgt: 

Durch  diese  Gleichung  ist  der  geometrische  Ort  des  Poles 
P  bestimmt,  Avenn  die  Gerade  der  vier  harmonischen  Punkte 
sich  um  die  feste  harmonische  Mitte  Q,  statt  um  den  Pol 
P  dreht. 

Der  geometrische  Ort  des  zu  einer  festen  harmonischen 
Mitte  gehörigen  beweglichen  Poles  heisst  Polare.  Es  ent- 
spricht also  die  Centrale  dem  Pol,  die  Polare  der  harmo- 
nischen Mitte. 

Vertauscht  man  in  der  letzten  Gleichung  die  Buchstaben 
P  und  Q,  so  erhält  man  wieder  die  ursprüngliche  Gleichung; 
d.  h. :  in  Bezug  auf  einen  Kegelschnitt  stehen  ein  Punld  und 
eine  Gerade  gleichzeitig  im  Verhaltniss  von  Pol  und  Centrale, 
und  von  harmonischer  Mitte  und  Polare.  —  Man  bezeichnet 
daher  die  beiden  Gebilde  gewöhnlich  nur  mit  den  Namen 
Pol  und  Polare. 

Aus  diesen  Definitionen  folgen  unmittelbar  die  Sätze: 
Dreht  sich  eine  Polare  um  einen  ihrer  Punlde,  so  beschreibt 
der  zugeordnete  Pol  eine  Gerade,  und- umgeliehrt.  — 

Insbesondere  wird  für  S  =  S^  P  =  S^]  d.  h.:  Dreht 
sich  die  Polare  um  einen  ihrer  DurchschnittsimnTite  .mit  der 
Curve  bis  in  die  Eichtung  der  Tangente,  so  rücht  der  zuge- 
ordnete Pol  auf  der  Tangente  bis  zum  Berülirungsimrdde. 
Oder:  Liegt  der  Pol  auf  der  Curve,  so  ist  die  zugeordnete 
Polare  die  Tangente  in  diesem  Punkte. 


—     141     — 

Die  Verallgemeinerung'  dieser  Theorie  s.  in  den  Grass- 
m  a  n  n  'sehen  Schriften .  *) 

b.   Vereine  mit  unbeschränkter  Gliederzahl.  —  rmiktrcilion  und 
Stralenbüschel. 

1.    Ein  Verein. 

Ein    Verein    von    Punkten,    die    auf   derselben    Geraden  175, 
liegen,  heisst  eine  PimMrcihe,   von  Geraden,   die  durch  den- 
selben Punkt  {Mittf'limnld)  gehen,  ein  StrdlcnhUschcl. 

Sei  a  eine  Gerade,  und  A 
ein  Punkt  ausserhalb  derselben. 
Sei  ferner  x  eine  beliebige  durch 
A  gezogene  Gerade,  welche  a  in 
X  trifft.  Dann  ist  jede  dieser 
Geraden  x  durch  das  plan i me- 
trische Product  {AX.)  bestimmt, 
und  jeder  Punkt  X  durch  das 
planimetrische  Product  {ax).  Man  hat  also: 
(X^)  £^  x\  {xa)  ^E  X;  oder:  (^X)  e^  x:, 
woraus  noch  folgt: 


./ 


x/ 

\ 

4 

\ 

(ax)  ^  X, 


oder 


so  ist: 


(x  a  .  A)  ^  X  5 
{ax  .  A)  ^  X] 
Setzen  wir  noch : 

{a  A  .  x)  ^  X ; 


(X^  .  a)  =  X, 
{AX.  a)  =  X. 

{Aa  .X)  =  X, 


{ax  .  A)  =  {aA  .  x)'^        {AX  .  a)  —  {Aa  .  X); 
d.  h. :    In  jedem  planimetrisclicn  Productr  kann  man  zivci  auf 
einander  folgende  Factorcn  vertauschen,  tvcnn  sie  von  einander 
anhängig  sind. 

Ein  Verein  von  beliebigen  Punkten  auf  einer  Geraden 
a  ist  also  durch  {ax),  ein  Verein  von  beliebigen  Geraden, 
die  durch  einen  Punkt  A  gehen,  durch  (^IX)  dargestellt, 
vorausgesetzt  einstweilen,  dass  im  ersten  Falle  die  veränder- 
liche Gerade  x  um  einen  Punkt  A  sich  dreht,  im  zweiten 
Falle  der  veränderliche  Punkt  X  auf  einer  Geraden  a  fort- 
schreitet. 


*)  Cr  eile's  Journal.  Bd.  24.  S.  262.  372.  Bd.  25. 


—     142    — 

Die  Betrachtung  der  Figur  ergiebt  noch,  class  X  die 
Projection  des  festen  Punktes  A  auf  das  Grunds3^stem  a  nach 
dem  Leitsysteme  x  ist.  Diese  Projection  kann  man  iwofjrcs- 
sive  nennen.  Dann  ist  x  die  regressive  Projection  der  festen 
Geraden  a  auf  das  Grundsystem  Ä  nach  dem  Leitsysteme  X. 

2.   Mehrere  Vereine. 

176.  Wenn  (XÄ)  oder  (Ä)  ein   beliebiger  Stralenbüschel   ist, 

und  h  eine  ihn  schneidende  Gerade,  so  entspricht  jedem  Stral 
(Xyl)  ein  Punkt  {XÄb)  auf  der  Geraden  />,  mithin  dem 
Stralenhiisehel  {XA)  überhaupt  die  Gerade  {XAh)  oder  h.  — 
Diese  gegenseitige  Beziehung  der  beiden  Gebilde  heisst  Fry- 
speetiritüf ,  die  Gebilde  selbst  iieyspcetiviseli. 

Zieht  man  durch  die  Punkte  {XAh)  gerade  Linien,  die 
sich  alle  in  einem  Punkte  C  schneiden ,  so  ist  jede  dieser 
Geraden  durch  den  Ausdruck  {XAhC)  bestimmt,  also  stellt 
(XAhC)  einen  neuen  Stralenbüschel  (C)  dar,  dessen  Durch- 
schnitt mit   dem  ersten   die  Gerade  h  ist.     Nun  ist  (C)  per- 

spectivisch  mit  h  und  h 
mit  (A) ;  daher  nennt  man 
auch  {C)  perspectiviseli  mit 
{A).  ~ 

Bezeichnet  man  nun 
mit  X  die  Durchschnitts- 
l)unkte  der  beiden  Straleu- 
Ijüschel  {A)  und  {C),  so 
liegt  X  auf  der  Geraden 
{XAhC)]  d.  h.  man  hat: 
(X^/>CX)  =  0 
als  planimetrische  Gleichung  für  den  Ort  des  Punktes  X.  — 
Diese  Gleichung  sagt  nun  ans,   dass   die  Punkte  {XAh),  C, 
X  in   gerader   Linie   liegen.     Dies    ist    nur    möglich,    wenn 
{XAh)  ^^  X,   oder  {XAC)  ==  0  ist.     Die   erste  dieser  Glei- 
chungen, die  man  auch  (X7>)  =  0  schreiben  kann,  sagt,  dass 
X  auf  der  Geraden  />,   die  zweite,   dass  X  auf  der  Geraden 
(AC)   sich   bewegt.     Die  Gleichung  (iXAhCX)  =  ()  zerfllllt 
also  in  die  Gleichungen  zweier  Geraden. 

Wenn  ferner  d  eine  neue  Gerade  ist,  welche  den  Straleu- 


—     143     — 

büschel    (C)    schneidet,    so   entspricht  jedem   Stral   (XAhC) 

eiu  Punkt  {XAhCd)  auf  der  Geraden  d,  mithin  dem  Strcden- 

hüschel  (0)  überhaupt  die  Gerade  (XAhCd)  oder  d.  —  Ebenso 

wie  die  Gebilde  {A),  h,  [C),  so  sind 

nun  auch  h,  (0),  d  unter  einander  jf- , 

])crspcctiviscli.  —  Dagegen  heisst  die  .    y'' 

gegenseitige  Beziehung  von  (ylj  und  w 

d  Vrojedivifät ,    die    Gebilde    selbst  ^  , 

projcdivisch.  ^^OAbf 

Zieht  man  endlich  durch  die 
Punkte  (XAhCd)  gerade  Linien,  die  sich  alle  in  einem 
Punkte  E  schneiden,  so  ist  jede  dieser  Geraden  durch  den 
Ausdruck  (X^/^CV/jE")  bestimmt,  also  stellt  {XAhCd E)  einen 
dritten  Stralenbüschel  (E)  dar,  dessen  Durchschnitt  mit  dem 
zweiten  die  Gerade  d  ist.  —  Ebenso,  wie  h,  (C),  d,  sind  nun 
auch  (C);  d,  {E)  unter  einander  perspectiv iscli.  Dagegen  heisst 
{E)  projcctlvisch  mit  {A),  wie  mit  h. 

Diese  Beziehungen  zusammenfassend,  kann  man  sagen: 
In  einem  planimetrisclien  Prod'iicte,  tvelclics  ahivecliselnd  Strdlcn- 
h'dschd  und  Geraden  cds  Factoren  cntJiäU,  sind  sivei  Factorcn 
projectivisdi,  tvcnn  sie  durcJi  inclir  als  einen  Factor  getrennt 
sind;  sonst  perspeetiviscli. 

Bezeichnet  man  nun  mit  X  die  Durchschnittspunkte  der 
beiden  Stralenbüschel  (A)  und  {E),  so  liegt  X  auf  der  Ge- 
raden {XAJtCdE),  d.  h.  man  hat: 

{XAhCdEX)  =  0, 
d.   h.:    der  Durch scJinitt  zivcier  projectivisehen  Stralenhündel 
ist  ein  Kegelschnitt. 

Fallen  unter  den  festen  Factoren  des  Productes  zwei 
benachbarte,  z.  B,  C  und  d,  zusammen,  so  kann  man  das 
Product  auch  schreiben: 

{XÄhd.  CEX), 
und  die  planimetrisehe  Gleichung  zerfällt  in  folgende  beiden : 

{XAhd)  =  0;     \CEX)  =  0. 
Die   erste  drückt  aus,   dass   die   Geraden   {XA),  l>,  d  durch 
einen  Punkt  gehen,  und  stellt  daher  die  Verbindungslinie  des 
Punktes  Ä  mit  dem  Durchschnittspunkte  der  Geraden  h  und 
d  dar.     Die   zweite   drückt   aus,   dass   die   Punkte   CEX  in 


_     144    — 

gerader  Linie  liegen,  und  stellt  daher  die  Verbindungslinie 
der  Punkte  C  und  E  dar.  Somit  zerfällt  der  Kegelschnitt 
(Curve  2^"  Ordnung),  ivie  auch  die  Betrachtung  der  ührigcn 
Fälle  leicht  ergicht,  in  0ivcl  Geraden  (Curven  V"''  Ordnung), 
sobald  zivfi  auf  einander  folgende  Elemente  zusammenfallen. 

177.  Vertauscht  man  in  der  Darstellung  der  vorigen  Nr.  überall 
die  grossen  nud  kleinen  Buchstaben,  die  Ausdrücke  Punkt 
und  Stral,    Gerade  und  Stralenbüschel ,  so  erhält  man  zuerst 

die  Gleichung 

{xaBcx)  =  0 

als  planimetrische  Gleichung  für  den  Ort  der  Geraden  x,  und 
es  ergiebt  sich,  dass  diese  Gleichung  zwei  Punkte  darstellt. 
Zweitens  erhält  man  die  Gleichung 

{xaBcDex)  =  0; 
diese  drückt  aus,  dass  die  Geraden  x  einen  Kegelschnitt  um- 
li allen,  d.  h.  dass  sie  in  ihrer  Gesammtheit  die  ganze  Ebene 
erfüllen,  mit  Ausnahme  derjenigen  Theile,  denen  der  Kegel- 
schnitt seine  concave  Seite  zuwendet. 
*  Fedlen  zivei  auf  einander  folgende  Elemente  zusammen, 
so  zerfällt  der  Kegelschnitt  (Curve  2'''''  Klasse)  in  zwei  Punlde 
(Curven  P"  Klasse). 

178.  Eriveitenmg.  Sei  die  Gerade,  welche  in  Nr.  17G  die  Punkte 
(XÄhCd)  und  X  verbindet,  durch  eine  feste  Gerade  />]  ge- 
schnitten im  Punkte  G,  sodass 

{XÄhCdXl>,)i^G 
ist.     Daraus  folgt: 

{XAhCdXG)  =  0; 

d.  h.:  Alle  PunJite  X,  welche  demselben  Ftinlde  G  auf  der 
Geraden  &,  entsprechen,  liegen  auf  einem  Kegelschnitte.  — 
Wir  können  daher  sagen,  dem  Punkte  G  entspreche  der  Kegel- 
schnitt {XAbCdXG)\  ebenso  wie  oben  dem  Punkte  X  der 
Stral  X. 

Die  Gesammtheit  aller  Kegelschnitte,  welche  den  Punkten 
der  Geraden  b^  entspricht,  heisst  ein  Curvenhäschel  2^'''^  Ord- 
nung; die  Gerade  b^  heisst  pcrspectiviscJi  mit  dem  Curven- 
büschel,  und  es  bleibt  noch  zu  untersuchen,  ob  es  für  alle 
Curven  des  Büschels  gemeinsame  Durchschnittspunkte  giebt, 
ebenso  wie  es  für  einen  Stralenbüschel  (Curvenbüschel  1^''' 
Ordnung)  einen  solchen  Durchschnittspunkt  (Mittelpunkt)  gab. 


—     145 


r> 


Betrachten  wir  jetzt  G  als  Durehsclinittspunkt  einer 
variablen  Geraden  g  mit  &j ;  dann  ist  die  Gleicliung  des  Kegel- 
schnittes : 

(XÄhCdXh.g)  =  0,r 

und  jedem  Punkte  G,  d.  h.  jeder  Geraden  g  entspricht  ein 
neuer  Kegelschnitt.  —  Giebt  es  nun  auf  einem  dieser  Kegel- 
schnitte Punkte,  für  welche  schon 

{XÄhCdXbi)  =  0 
ist,  so  müssen  diese  Punkte  gleichzeitig  allen  Kegelschnitten 
angehören,   weil   die   Gleichungen   derselben    sich  nur  durch 
den    Werth    von    g 
unterscheiden,     wel- 
cher für  diese  Punkte 
unwesentlich  ist. 

Die  Gleichung 
{XÄhCdXh,)  =  0 
wird  nun  durch  fol- 
gende   Specialwerthe fV 

von  X  befriedigt: 

1)  X=A,  oder  --y^^ 
{XÄ)  =  0.   —   Da- 
gegen würde  aus 

(XÄb)  =  0 
folgen,  dass  A  und  b 
zusammenfallen,  aus 
{XÄbC)  =  0,  dass& 
und  C,  aus  {X Ab  Cd) 
=  0,  dass  C  und  d 
zusammenfallen.  •  Die 
nächste  zulässige  An- 
nahme ist  also: 

2)  (XAbCd)  =  X,  oder  {XAbCdX)  =  0,  d.  h.  X  ist 
der  Schnittpunkt  der  Geraden  {XAbC)  und  d.  Da  nun  X 
auf  {XAbC)  liegt,  so  ist  auch  {XAbCX)  =  0.  Diese  Glei- 
chung stellt  aber  die  Geraden  b  und  {AC)  vor;  folglich 
genügen  die  Durchschnittspunkte  von  d  mit  b  und  {AC) 
unserer  Gleichung;  und  die  Werthe  von  X  sind:  X=(&<^; 
X={ACd). 


Schlegel,  Syst.  A.  Raumlehre. 


10 


—     14G    — 

3)  (XÄhC(IX)  =  h,;  oder  {XÄhCdXh^)  =  0-  d.  li.: 
die  Punkte  (XAhCd)  und  X  hegen  auf  der  Geraden  h^. 
Daher  ist  auch  {XÄhCdh^)  =  0  oder  (/>,fZ(7?>ylX)  =  0; 
d.  h.:  X  liegt  auf  der  Geraden  (b^dCh/l).  Da  X  aber  auch 
auf  7>|  liegen  soll,  so  ist  es  der  Durchschuittspunkt  dieser 
beiden  Geraden;  d,  h,  X^  {l)^dChÄh^). 

Hiernach  sind  die  vier  Punktet,  Q^d),  {ACd),  {l)^dChAl)^ 
Mittelpunkte  des  Kegelschnittbüschels.  —  Man  kann  also  sagen : 
Alle  Geraden,  welche  durch  einen  festen  FunM  gelegt  iverden 
können,  hilden  einen  Büschel  l"""  Ordnung,  alle  Kegelschnitte, 
welche  durch  vier  feste  Punlcie  gelegt  werden  können,  einen 
Büschel  S'*^""  Ordnung. 

179.  Vertauscht  man  in  der  Darstellung  der  vorigen  Nr.  die- 
selben Gegenstände,  wie  in  Nr.  177,  so  gehen  die  Curven  2'^'' 
Ordnung  in  Curven  2'^''''  Klasse  über,  und  die  vier  festen 
Mittelpunkte  in  vier  feste  Tangenten.  —  Die  Verallgemeine- 
rung dieser  Theorie  auf  Curven  höherer  Grade  s.  in  den 
Grass  mann  'sehen  Schriften.  *) 

23.    Vereine  von  beliebigen  Grössen. 
1.   Ein  Verein. 

180.  Wenn  ein  Punkt  X  aus  drei  Punkten  e^  c.^  e.^  mittelst 
der  Zahlen  x,  y,  s  abgeleitet  ist,  sodass 

X  =  xc^  +  ye.y  -f  ^C3,        {e^ e.,e.i)  =  1 , 
und  wenn  zwischen  den  Zahlen  x,  y,  z  eine  homogene  Glei- 
chung l*en  Grades  (g  =  0)  besteht,  so  liegen  alle  Punkte  X, 
deren  Coordinaten   dieser  Gleichung  genügen,   auf  einer  Ge- 
raden. 

Denn  sei 

"^  =  ax  -\-  hy  A^  CS,  =  ^ , 

so  erhält  man  durch  Multiplication  der  ersten  Gleichung  mit 
einer  unbestimmten  Grösse  A: 

lX  =  x{le,)^y{le.:)-^z{Xe.^', 
folglich : 

(A  X)  =  0 ;     (A  ej  =  a ;     (A  e,)  =  />  5     {le^  =  c. 

Da  nun  a,  l),  c  Zahlen  sind,    so  muss  A  ein  Linientheil 

*)  Cr  eile 's  Journal.   Bd.  42.  S.  193. 


-     147    — 

sein;  claiiu  aber  sagt  die  Gleichung  {XX)  =  0,  dass  X  auf 
einer  Geraden  liegt. 

Seien  nun  drei  solcher  Gleichungen  gegeben: 
Si=0;      S,  =  0;      ^3  =  0. 
Dann  lässt  sich  ^-  aus  den  Functionen  g^,  '^.,,  J^j  vermittelst 
der  Zahlen  x^,  x.,,  x-^  ableiten,  so  dass 

%  =  -^1  ^1  +  ^2  3->  +  ^3^3»  (^1  +  ^2  +  %  =  1)  • 

Jedem  Werthsystem  der  Zahlen  x^,  x^,  x^  entspricht  nun  ein 
Werth  von  ^,  d.  h.  eine  besondere  Gleichung  ^  =  0,  und 
eine  durch  diese  Gleichung  bestimmte  Gerade.  —  Aus  den 
drei  Geraden,  deren  Gleichungen  g^  =  0,  gj  =  ^j  Ss  =  0 
sind,  lassen  sich  also  alle  Geraden  der  Ebene  ableiten. 

Besteht  aber  zwischen  den  Zahlen  x^^,  x^,  x^  eine  Glei- 
chung 1"^"  Grades;  dann  reduciren  sich  die  durch  g  dar- 
gestellten Geraden  auf  diejenigen,  deren  Coordinaten  dieser 
Gleichung  genügen. 

Bestehen  ferner  zwischen  diesen  Zahlen  zivei  Gleichungen 
vom  1"^"  Grade,  so  sind  dieselben  vollkommen  bestimmt,  und 
g  =  0  stellt  eine  Gerade  dar. 

Bestehen  endlich  zwischen  diesen  Zahlen  zwei  Gleichun- 
gen vom  n^""  Grade,  so  ist  jede  der  Zahlen  w-fach  bestimmt, 
und  3  =  0  stellt  einen  Verein  von  n  Geraden  dar. 

2.  Mehrere  Vereine. 

a)  Allgemeine  Beziehungen. 

Wenn  p  =  aa  -\-  ßh  -\-  yc  18i. 

und  p^  =  aa^  +  /3^i  +  yc^ 

zwei  Grössen  vom  l'"^"  oder  2^"'  Grade  sind,  so  heisst  der 
Verein  der  Grössen  a  h  c  venvandt  mit  demjenigen  der  Grössen 
a^hyC^,  und  zwar  direct  verwandt,  wenn  ^  und  ^jj  Grössen 
von  gleichem  Grade  sind,  reciprök  verwandt  im  anderen 
Falle.*)  —  Zu  jeder  aus  ahc  abgeleiteten  Grösse  p  giebt  es 
nun  eine  entsprechende  aus  aj&,  Cj  abgeleitete;  und  es  heisst 
allgemein  der  Verein  aller  Grössen  p  verwandt  mit  dem 
Vereine  aller  entsprechenden  Grössen  p^. 


^)  Vgl.  G.  A.n.  §  157.  159.    II.  401.  402. 

10* 


—     148     — 

182.  Seien  uuu  pqrs  vier  Grössen  des  einen,  und  p^  g,  r,  s, 
die  entsprechenden  Grössen  eines  verwandten  Vereines.  Dann 
besteht  zwischen  jjgr 5  jedenfalls  die  Zahlbeziehung: 

^2)  -{-  fi d  -{-  vr  -{-  QS  =  0, 

oder:  /i       •  i  i  \ 

(Aa  -f-  i"«i  +  ^^^■.  +  Qcc-])  (i 

4- (Ay  +  ^7^1  +  vy,  +  pj^3)  c  =  0. 
.    Da  nun  aber   zwischen  a,  h,  c  keine  Zahlbeziehung  be- 
steht, so  sind  die  Coefficienten  dieser  Grössen  einzeln  Null.  — 
Bildet  mau  nun  den  Ausdruck 

^Ih  +  ^(Zi  +  v^'i  +  QSi 
und  drückt  wie  oben  i'iö'i^'iSj  durch  ajj^c^  aus,    so  sind  die 
Coefficienten   von  a^hyC^  dieselben,   wie   die  von  ahc,   also 
gleich  Null;  folglich  ist  auch 

^Ih  +  ^(Zi  +  ^'^'i  +  Qh  =  0; 
d.  h. :  jede  ZaliTbesieliung,  ivclche  stoischen  Grössen  eines  Ver- 
eines bestellt,  existirt  auch  ztvischen  den  entsprechenden  Grossen 
jedes  verivandten  Vereines. 
183.  Seien 

zwei  aus  nicht  verwandten  Vereinen  abgeleitete  Grössen. 
Wenn  wir  dann  die  Grössen  h  mit  passenden  Factoren  mul- 
tipliciren,  so  wird  es  möglich  sein,  den  Verein  dieser  neuen 
Grössen  dem  ersten  verwandt  zu  machen.     Sei  nun 

Wenn  dann 

sein  soll,  so  folgt: 

h 

folglich : 

und: 

Die  Grössen  x  sind  also  bis  auf  einen  constanten  Factor, 
dem  man  einen  beliebigen  Werth  geben  kann,  bestimmt. 


= 

x^     • 

^    + 

"^  Ct. 
Xi 

Jj, 

1        -^3 

«3 

h', 

a^- 

ß-2  = 

CC2 

cc. 

;    ß,- 

= 

Xi  ' 

«1 

'  ^4) 

X.,  = 

"    «2 

■  X 

i5    ^-i^ 

= 

h  . 
«3 

—    149    — 

3Ian  lann  also  in  einer  Ebene  einen  heliebigen  Verein 
von  vier  -Grössen  h  mit  einem  heliebigen  Vereine  a  dadurch 
verivandt  machen,  dass  man  die  Grössen  b,  ivenn  es  PunJde 
sind,  mit  passenden  Zahlcocfficientcn  versieht;  wenn  es  aber 
Strecken  sind,  in  angemessener  Weise  dreht  oder  verlängert. 
Diese  Veränderungen  hängen  alle  von  einer  beliebig  zu  iväli- 
Icnden  Grösse  x^  ab,  und  es  sind  die  bei  verschiedener  Wahl 
von  x'j  entstandenen  Vereine  unter  einander  ebenfalls  verwandt. 

Da  nun 

x^b^  =  x^ß^b^  -\-  x^ß.^b.,  +  3C_^ß.,b^ 
folgt,  wenu  man  in  dem  Ausdruck  für  c^  alle  c  durch  x  und 
1),  und  alle  x  durch  x^  ausdrückt,  so  sieht  mau,  dass  über- 
haupt die  Multiplication  mit  einem  Factor  X:^  genügt,  um 
den  Verein  der  Grössen  b  mit  demjenigen  von  a  verwandt 
zu  machen;  und  da  man  diesen  Factor  gleich  1  nehmen  kann, 
so  folgt,  dass  man  überhaupt  in  der  Ebene  jeden  Verein  von 
vier  unabhängigen  Grössen  einem  anderen  Vereine  von  vier 
unabhännfigen  Grössen  verwandt  setzen  kann.  Man  hat  also 
nur  zu  setzen: 

c,  =  b^]     «1  Ci  =  ß^ b^ ;     a, e,  =  ß.^ b,, ;     «3 c^  =  ß^b^. 

h)   Besondere   Beziehungen. 
a)  Directe  Verwandtschaften.*) 

Nehmen  wir  nun  insbesondere  an,  x^  sei  so  gewählt,  dass  184. 
Cj  =  a^ ;     C.2  ==  (1^2  5     C-^  =  /igj     c^  =  a^ 
wird,   und   bezeichnen   diesen   Factor  x^  nun  mit   A.     Dann 
ist    A    eine    Grösse,    welche    einen    Verein,    dessen    einzelne 
Grössen  mit  ihr    multiplicirt  werden,    in    einen    verwandten 
Verein  verwandelt. 

Wenn  also  (CjC^c..)  und  (^if^^a)  ^^^^^  Punlitvereine  sind, 

und 

r  =  cc^c^  -f  a.,c.i  +  «3C3; 

ist,  so  kann  man  immer  setzen : 

Die  drei  letzteren  Gleichungen  geben  multiplicirt: 
*)  Vgl.  G.  A.  II.  390.  Anm.  2. 


—    150    — 

oder:  p  ^  i^jjil^^ . 

Bezeichnen  wir  mit  q  die  Zahl,  welche  den  numerischen 
Woih  des  Flächentlieils  (fjf., £3)  darstellt,  wemi  (e^e^e.^)  =  1. 
ist:  dann  ist 

worin  (P)  den  numerischen  Werth  von  A^  bedeutet. 
Da 

(reo^O  =  «1(61^2  C3);  ^^^^  ((>f2f3)  =  «1(^1  ^2^3)  =  «1 '2(616263), 
so  ist: 

('■  60  63)  =  -~  ((>  «2  f 3) ;     of^er :     A3  (r  e,  e^)  =  (qs^s.^); 

d.  h. :  die  Verwandtschaft  besteht  auch  zwischen  den  aus  (6,^263) 
und  (fjf,  £3)  durch  gleiche  Zahlen  abgeleiteten  Grössen. 

Aus  den  verschiedenen  Lösungen  der  Gleichung  {P)  =  q 
ergeben  sich  nun  verschiedene  geometrische  Verwandtschaften. 

Seien  erstens  die  drei  Wurzeln  der  Gleielmng  ungleich, 
und  mit  Aj  L.  A3  bezeichnet.  Dann  ist  die  Gleichung  (A^)  =  q 
erfüllt,  wenn  wir 

6]  ^1  =  ^n     62  A2  =  £0  5     63  A3  =  fg 
setzen.    Die  Verwandtschaft  der  beiden  ursj)rünglichen  Systeme 
heisst    Affinität,    diejenige    der   Geraden,    welche   durch    die 
Linieutheile  {e^e.,)  (cj^s)  (CgCj)  bestimmt  sind,  Collinearität. 

Ist  speciell  q='^,  so  heisst  die  Verwandtschaft  Inhalts- 

nleichheit.     Es  ist  dann  numerisch    ,  '  ^^  \  ■  =  1 . 

Anm.  Vou  den  drei  "Wurzeln  Jl, /I2JI3  ist  die  eine  reell,  die  beiden 
anderen  imaginär.     Dies  deutet  darauf  hin,  dass  räumlicli  die  Punkte 

e,  und  f|  zusammenfallen.  Dies  thut  jedoch  der  Allgemeinheit  der 
durch  uusre  Bezeichnung  dargestellten  Verwandtschaft  keinen  Eintrag, 
da  wir  den  Flächentheil  (fj  fj  ^3)  in  derselben  Ebene  durch  Schiebung 
stets  dahin  bringen  können,  dass  in  seiner  neuen  Lage  (Ei  E2  E3)  der 
Punkt  Ej  mit  e,  zusammenfällt.  Zwischen  den  Systemen  (E,  E2  E3)  und 
(f  i  «2  S3)  besteht  dann  eine  Verwandtschaft,  die  wir  in  Nr.  52.  Congruenz 
nannten,  und  weiter  unten  als  einen  speciellen  Fall  der  luhaltsgleich- 
beit  werden  kennen  lernen. 

Seien  zweitens  die  drei  Wurzeln  der  Gleichung  gleich, 
und  mit  (A)  bezeichnet.  Dann  ist  die  Gleichung  (A^)  =  q 
erfüllt,  wenn  wir 

c^  A  =  £j  5     e.,X  =  e.y ;     C3  A  =  £3 


—     151     — 

setzen.    —    Die    Verwaudtscliaft    der    beiden    ursprünglichen 
Systeme  heisst  nun  Aelmliclikeit. 
Da  jetzt  auch 

(c,  —  ^2)  W  =  («i  —  «■'); 

(^2  —  ^3)  (A)  =  (£,  —  f,,); 
(,3  _  e,)  (A)  =  (.,  -  .3) 
ist,  so  ist  es  ein  charakteristisches  Merkmal  der  Aehnlich- 
keit,  dass  das  Verhältniss  der  numerischen  Werthe  zweier  ver- 
wandten Strecken  für  jedes  Streckeupaar  dasselbe  ist.  Auch 
verhalten  sich  die  Parallelogramme  verwandter  Streckenpaare 
numerisch,  wie  das  Quadrat  dieser  Verhältnisszahl  zu  1. 

Ist  (/  negativ,  so  wird  die  Aehnlichkeit  symmetrisch  ge- 
nannt. Die  Systeme  liegen  dann  auf  entgegengesetzten  Seiten 
der  Ebene. 

Ist  speciell  q  =  \ ,  so  heisst  die  Verwandtschaft  Con- 
gruens.     Es  ist  dann  numerisch: 

(e,  62  ^3) 

Wie  nun  die  Aehnlichkeit  als  specieller  Fall  der  Affinität 
(nämlich  wenn  die  drei  Wurzeln  von  q  gleich  sind)  betrachtet 
werden  kann,  so  auch  die  Congruenz  als  specieller  Fall  der 
Inhaltsgleichheit. 

Das  Verhältniss  der  vier  Verwandtschaften  lässt  sich 
daher  durch  folgende  Zusammenstellung  veranschaulichen : 

1.  Affinität.  2.   Aehnlichkeit.  " 

2.  Inhaltsgleichheit.         3.   Congruenz. 

Hierin  bezeichnet  jede  höhere  Nummer  einen  speciellen 
Fall  der  nächst  niederen. 

Ist  q  negativ,  so  wird  auch  die  Congruenz  symmetrisch 
genannt. 

Anm.  Auch  die  Projection  (s.  S.  90)  erscheint  hiernach  als  eine 
specielle  Art  der  Affinität. 

(3)  Reeiproke  Verwandtschaften. 

Sind    {a,  h,  c)    und    (a, ,  &, ,  c,)    zwei    dircct  verwandte  1P5. 
Vereine,  so  nennen  wir  die  Vereine  (a,  h,  c)  und  (|  «1 ,  |  &i,  |  c^) 
rcciproh  verwandt.  —   Fallen  insbesondere  die  beiden  ersten 
Vereine  zusammen  (ein  specieller  Fall  der  Congruenz,  welcher 


—    152    — 

Identität  heisst),   so   sind  auch  die  Vereine   («,,  ?>, ,  Cj)  und 
(I  «j,  I  &,,  1  Cj)  reciprok  verwandt. 
Da  aus 

r  =  a^c^  +  «2^2  +  «3^3 

folfft:  ,  ,         ,  r         1  , 

I  r  =  ßi  I  c,  +  «2  I  c,  4-  «3  I  ^3, 

so  erhält  man  einen  reciproken  Verein,  wenn  man  in  einem 
gegebenen  Vereine  die  ursprünglichen  Einheiten  (folglich 
auch  alle  Grössen  des  Vereins)  durch  ihre  resp.  Ergän- 
zungen ersetzt. 

Hiernach  entspricht  jeder  Art  von  directer  Verwandt- 
schaft eine  Art  von  reciproker.  —  Sind  nun  JB  und  a  zwei 
in  irgend  einer  Weise  reciprolic  Vereine,  und  ist  A  der  aus 
den  Ergänzungen  von  a  gebildete  Verein,  so  sind  B  und  A 
in  derselben  Weise  äirect  verwandt,  und  A  und  a  stehen  in 
demjenigen  Reciprocitäts-Verhältniss,  welches  der  Identität 
entspricht. 

Auf  diese  letzte  Art  der  Reciprocität,  und  auf  eine  directe 
Verwandtschaft  lässt  sich  also  jede  Art  der  Reciprocität  zurück- 
führen. 
186.  Sind   Cj,  e^,  e.^   drei  Punkte  in  der  Ebene,    so  sind  ihre 

Ergänzungen  die  von  je  zwei  Punkten  begrenzten  Linien- 
theile.  Es  ist  also  jeder  Eckpunkt  eines  Dreiecks  mit  der 
gegenüberliegenden  Seite  reciprok  verwandt,  d.  h.  auch  mit 
der  durch  diese  Seite  bestimmten  Geraden.  Es  ist  also 
auch  jeder  aus  den  Eckpunkten  abgeleitete  Pimkt  reciprok 
verwandt  mit  einer  aus  den  Seiten  abgeleiteten  Geraden,  z.  B. : 


Ein  Punkt,  der  mit  den  drei 
Eckpunkten  durch  drei  gerade 
Linien  verbunden  ist. 

Drei  durch  die  Eckpunkte 
gezogene  Geraden,  welche  sich 
in  einem  Punkte  schneiden. 


Eine  Gerade,  welche  die 
drei  Seiten  in  drei  Punkten 
schneidet. 

Drei  auf  den  Seiten  ange- 
nommene Punkte,  welche  in 
einer  Geraden  liegen. 


Wenn  insbesondere  die  drei  Geraden,  welche  das  Dreieck 
bilden,  durch  denselben  Punkt  gehen,  d.  h.  wenn  jede  Ge- 
rade mit  dem  reciproken  Punkte  zusammenfällt,  so  fällt 
auch  jede  abgeleitete  Gerade  mit  dem  reciproken  Punkte  zu- 
sammen. 

Man  kann  also  überhaupt  drei  Geraden,  welche  sich  in 


153 


einem  Punkte  schneiden,   reciprok  setzen  mit  drei  auf  ihnen 
angenommenen  Punkten,  welche  in  einer  Geraden  liegen. 

Sind  nämlich  A  und  (0  A), 
sowie  B  und  {0  B)  als  reciprok 
angenommen ,  und  ist 

C=aA-\-  ßB, 
so  folgt: 

{OC)  =  a{OA)  +  ß{OBy, 
d.  h. :   auch  C  ist  reciprok  mit  OC. 

Hiermit  sind  nun  auch  die  gegenseitigen  Beziehungen 
zwischen  Punktepaareu  und  Punktreihen  einerseits,  Linien- 
paaren und  Stralenbüscheln  andererseits  auf  den  allgemeinen 
Begriff  der  Reciprocität  zurückgeführt. 


Berichtigungen. 


S.  48  soll  in  Nr.  87  uud  88  die  „beliebige  feste  RicLtiing"  nicht  v,  son- 
dern /•  heissen. 
S.  94  in  der  Figur  ist  die  Strecke  SA  mit  &,  statt  mit  6  zu  bezeichnen 


Schlegel,  Syst.  d.  Kaumlchre. 


10^ 


Verzeichniss  der  erklärten  Ausdrücke. 


Nr. 

Ableitung 6 

—        lineare 26 

Aehnliclikeit 184 

—  symmetrische  .  .184 
Aelmlichkeitspuukt  .  .  .  .137 
Aenderung,  lineale 31 

—  circuläre    .     .     .     .153 

Affinität 184 

Anharmouie 167 

Ausdehnung 2 

Berührung 96 

Bewegung 1 

—  doppelte     ....  41 

—  einartige     .     .     .     .  41 

—  entgegengesetzte    .  3 

Centrale 172 

Centrum 89 

Collinearität 184 

Congruenz 184 

Coordinaten-Axen 132 

—         -System     .     .    128,  132 

Cosinus 153 

Cotangens ' .     .  153 

Curve 146 

Curvenbüschel 178 

Diagonale 45 

Doppelabstand     .     .     .     .    •.     .163 
Drehung 34 

—  entgegengesetzte  .     .     71 

Drehungspunkt 34 

Dreieck 45 

—  eingeschriebenes     .     .     95 


Nr. 

Dreieck  gleichschenkliges    .     .  91 

—  rechtwinkliges    ...  97 

—  umschriebenes  .     .     .  105 
Dreiecke,  ähnliche  .....  137 

—  congruente  .     .    107.  137 

—  ergänzende  .     .     .     .112 

—  symmetr.  ähnliche    .  99 

—  symmetrische  ...  92 

Dreiecksfläche 111 

Durchmesser 91 

Durchschnittspunkt      ....  64 

Ebene 33 

Ebenenstreifen 39 

Ebenenwinkel 64 

Eckpunkt 45 

Einheit  1.  Stufe 8 

—  2.  Stufe 32 

—  3.  Stufe 142 

Ellipse 150 

Entfernung,  zwischen  Punkten  11 

—  zwischen  Geraden  41 

—  zwischen  Punkt  u. 

Gerade.     ...  41 

Ergänzung 32.  142 

Flächeneinheit 142 

Flächentheil 139 

Funktion 164 

Gebiet 4.  8 

Gebilde 1 

—  ähnliche 4 

—  congruente     ....  4 

—  gleiche 3 


—     155 


Geometrischer  Ort  .     .     .     . 

Gerade 

Geraden,  harmonische      .     . 

Gestalt 

Gleichung  des  Punktes    . 
—         der  Geraden    .     . 

Grenze    

Grösse 

—  einfache 

—  zusammengesetzte    . 
Grundsystem 


Halbirungslinie  desParallelogr. 
—  des  Winkels 

Halbirungspunkt 

Harmonie 

Hauptgebiet 

Höhe 94. 

Hyperbel 

—        gleichseitige     .     .     . 


Identität.  .  .  . 
Inhaltsgleichheit 
Involution   .     .     . 


Kegelschnitt    . 
Kreis  .... 

—  -ausschnitt 

—  -bogen     . 

—  -fläche 

—  -funktion 

—  -linie   .     . 


Längeneinheit 

Lage 

Leitsystem 

Linienpaare 

—  anharmonische 

—  harmonische. 

—  iuvolutorische 
Linientheil 


Mitte,  harmonische 

Mittel,  harmonisches  .... 
Mittellinie,  im  Parallelogramm 
Mittelpunkt,  zw.  Punkten     20. 


Nr. 

144 

9 

119 

4 

144 

144 

3 

3 

32 

32 

132 

58 
83 
20 
168 
143 
100 
150 
150 

185 
184 
171 

147 
150 
102 

89 
102 
165 

89 

32 
5 
132 
167 
168 
168 
171 

29 

172 
172 

58 
110 


Mittelpunkt  im  Kreise     .     .     . 

—  im  Stralenbüschel 

—  im  Curvenbüschel 
Mittelrichtung,  im  Winkel  .  . 
Multiplication,  äussere     .     .     . 

—  gemischte     .     . 

—  innere  .     .     .     . 

—  planimetrische . 

—  progressive  .     . 

—  regressive     .     . 

—  reinj^rogressive 

—  rein  regressive . 

Xormalsystem 

Numerischer  Werth     . 


32. 

Parabel 

Parallelität 

Parallelogramm 

Perspectivität 

Pol 

Polare 

Protection 132, 

—  normale 

—  progressive.     .     .     . 

—  regressive    .     .     .     . 
Projectivität    ..'.... 

Proportion ■ 

Proportionale,  mittlere    .     .     . 

Punkt 

Punkte,  harmonische  .     .     .     . 
Punktepaare 

—  anharmonische    . 

—  harmonische    .     . 

—  iuvolutorische 

Puuktgrösse 

Punktreihe 


Quadrat 


niueres 


32. 


Radius  .  . 
Rairte .  .  . 
Rechteck  . 
Reciprocität 
Richtung.     . 


Nr. 

89 
175 
178 

83 

29 
145 

32 
144 
143 
143 
145 
145 

152 
152 

150 

39 

45 

176 

172 

172 

184 

152 

175 

175 

176 

137 

99 

1 

119 

167 

167 

168 

171 

6 

175 

45 
152 

89 
45 
45 

185 
4 


—     156    — 


Richtung,  entgegengesetzte 
—         senkrechte  .     .     . 


Nr. 
11 
69 


Schiebung 33 

Schneidung 64 

Secante 96 

Sehne 91 

Seite 35 

Sinus 153 

Straleubüschel 175 

Strecke 11 

System 3 

Tangens 153 

Tangente 96 

Transversale 115 

Umhüllung 103 

Ver-wandtschaft 181 

Viereck,  eingeschriebenes    .     .     93 
Vieleck 45 


Winkel 65 

—  (nach  Grösse),  concaver  70 

—  convexer 70 

—  geschlossener  ....  67 

—  gestreckter 68 

—  rechter 69 

—  spitzer 70 

—  stumpfer  > 70 

—  (nach  Lage),  äusserer .  75 

—  Centri- 89 

—  innerer 75 

—  Perijjherie- 93 

—  (paar-weise)anstossende  75 

—  correspondirende     .     .  74 

—  Gegen-    ......  74 

—  Neben- 73 

—  Scheitel- 73 

—  verschränkte    ....  74 

—  Wechsel- 74 

Zeiger 132 

Zweieck 26 


SYSTEM 

DER 

RAUMLEHRE. 

NACH  DEN  PRINZIPIEN 

DEK 

GRASSMANN'SCHEN  AUSDEHNUNGSLEITRE 
UND  ALS  EINLEITUNG  IN  DIESELBE 

DARGESTELLT 


YICTOR  SCHLEGEL, 

OBERLEHKER    AM     GYMNASIUM     ZU     WAREN. 

ZWEITER  THEIL: 

DIE    ELEMENTE    DER    MODERNEN    GEOMETRIE     UND    ALGEBRA. 


LEIPZIG, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  B.  G.  TEUBNER. 
1875. 


DIE  ELEMENTE 


DER 


MODERNEN  GEOMETRIE 

UND  ALGEBRA. 


NACH  DEN  PRINZIPIEN 

DKK 

GRASSMANN'SCHEN  AÜSDEHNUNGSLEHRE . 


MIT  BERÜCKSICHTIGUNG  VERWANDTER  METHODEN 


DARGESTELLT 


VICTOR  SCHLEGEL, 

OBERLKHKER     AM     GYMNASIUM      ZU     WAREN. 


LEIPZIG, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  B.  G.  TEUBNKR. 

1875. 


V  o  r  r  e  cl  e. 

Der  vorliegende  zweite  Theil  des  „Systems  der  Raum- 
lehre" sollte  dem  ursprünglichen  Plane  gemäss  die  Elemente 
der  Stereometrie  nach  denselben  Grundsätzen  und  in  der- 
selben Darstellungsweise  behandeln,  wie  der  erste  diejenigen 
der  Geometrie.  —  Dieser  Theil  würde  demnach  für  die  Wür- 
digung der  Grassmann'schen  Werke  dem  ersten  gegenüber 
wenig  neue  Gesichtspunkte  geboten  haben.  Da  es  aber  vor 
allem  darauf  ankam,  und  sich  in  der  seit  dem  Erscheinen 
des  1.  Theils  verflossenen  Zeit  als  nothwendig  herausstellte, 
von  dem  Umfange  des  Gebietes,  welchem  die  Vortheile  der 
Grassmann'schen  Methoden  zu  Gute  kommen,  und  von  den 
Fortschritten,  welche  diese  Methoden  auch  gegenüber  den 
neusten  Leistungen  in  der  Geometrie  repräsentiren,  eine  Vor- 
stellung zu  geben,  so  empfahl  es  sich  für  diesen  Zweck  mehr, 
jene  Methoden  im  Zusammenhange  mit  den  Resultaten  der 
modernen  Geometrie  und  Algebra  darzustellen,  und  hierdurch 
gleichzeitig  den  Wünschen  desjenigen  Theiles  des  mathe- 
matischen Publicums  nachzukommen,  welches  sich  für  jenen 
Zusammenhang  mehr  interessirt,  als  für  denjenigen  mit  den 
Elementen  des  Euclid. 

Während  nämlich  in  früheren  Jahren  nur  die  durch  jene 
Methoden  gewonnenen  neuen  Resultate  in  der  Theorie  der 
höheren  Curveu  und  Flächen  allgemeinere  Aufmerksamkeit 
erregt  hatten,  ist  es  neuerdings  den  warmen  und  nachdrück- 
lichen Empfehlungen  von  Hankel  und  Clebsch  gelungen, 
auch  für  Grassmann's  Hauptwerk,  die  „Ausdehnungslehre'', 
ein  sich  mehr  und  mehr  steigerndes  Interesse  zu  erwecken*). 


*)  Einen  besonders  beachtenswertlien  Ausdruck  giebt  diesem  In- 
teresse die  im  7.  Bd.  der  Math.  Annalen,  S.  12  befindliche  Stelle,  welche 
das  Verhältniss  der  Forschungen  von  Grassmann  und  Möbius  zu  den 
Leistungen  der  Zeitgenossen  berührt, 


—       VI       — 

Es  lag  aber  auch  ausserdem  in  der  Natur  der  Sache,  dass 
das  durch  die  ganze  neuere  Mathematik  sich  hindurchziehende 
Streben  nach  Vereinfachung  der  Methoden  von  selbst,  wenn 
auch  auf  UmAvegen,  mit  der  Zeit  auf  die  Anschauungen 
Grassmanns  hinführen  musste.  Und  so  besteht  denn  auch 
in  der  That  zwischen  den  Methoden  der  modernen  Geometrie 
und  Algebra  und  denjenigen  der  Ausdehnungslehre  äusserlich 
eine  gewisse  Aehnlichkeit*).  —  Diese  Wahrnehmung  aber 
war  es,  welche  zu  dem  Wunsche  führte  —  und  der  erste, 
welcher  diesen  Wunsch  aussprach,  war  noch  Clebsch  selbst  — : 
dass  das  Verhältniss,  in  welchem  die  Grassmann'sche  Aus- 
dehnuugslehre  zu  den  neueren  Methoden  der  analytischen 
Geometrie  und  der  modernen  Algebra  stehe,  eine  ausführliche 
Darlegung  erfahren  möge. 

Indem  ich  nun  diese  Aufgabe  durch  die  vorliegende  Ar- 
beit zu  lösen  suchte,  stellte  sich  heraus,  dass  jene  letzteren 
Methoden,  vom  Staudpunkte  der  Ausdehnungslehre  behandelt, 
eine  doppelte  Verbesserung  erfahren. 

Erstens  leiden  die  Methoden  der  neueren  analytischen 
Geometrie  und  noch  mehr  die  der  modernen  Algebra  an  dem 
Uebelstande  einer  willkürlich  aufgestellten  Symbolik, 
welche  namentlich  in  der  letzteren  Wissenschaft  dadurch 
Verwirrung  angerichtet  hat,  dass  verschiedene  Autoreu  zur 
Bezeichnung  desselben  Gegenstandes  verschiedene  Ausdrücke 
anwendeten.  Jedem,  sei  er  Studirender  oder  Lehrer,  wird 
hierdurch  das  Eindringen  in  den  Gegenstand  wesentlich  er- 
schwert. Wer  z.  B.  der  Reihe  nach  die  einführenden  Arbeiten 
von  Fiedler,  Salmon  und  Clebsch  studirt,  wird  genöthigt,  in 
jedem  Buche  eine  neue  Symbolik  und  neue  Operationen  zu 
lernen.  Es  ist  aber  auch,  abgesehen  vom  pädagogischen 
Interesse,  für  das  Gedeihen  der  noch  jungen  Wissenschaft 
von  hohem  Werthe,  dass  dieselbe  möglichst  früh  das  Gewand 
einer  angemessenen  Bezeichnungsweise  anlege.  Welchen  nach- 


*)  Dass  aber  diese  Aehnlichkeit,  oder,  wenn  man  will,  Verwandt- 
schaft, keineswegs  ein  Zufall  ist,  sondern  dass  eine  naturgeraässe 
Ausbildung  der  in  der  Ausdehnungslehre  liegenden  Keime  auch  die 
Lehren  der  modernen  Algebra,  und  zwar  in  einem  Gewände  von  noch 
ungekannter  Einfachheit  liefert,  das  wird,  wie  ich  hoffe,  aus  der  Dar- 
stelluno:  des  vorliegenden  Buches  ersichtlich  sein. 


—      VII      — 

th eiligen  Eiufluss  der  Maugel  einer  solchen  auf  manche  Zweige 
der  Mathematik  ausgeübt  hat,  davon  giebt  die  Geschichte 
dieser  Wissenschaft  die  auffallendsten  Beispiele.  Trotzdem 
scheint  es  fast,  als  habe  die  Fülle  von  Thatsachen,  mit  wel- 
cher uns  die  neuere  Mathematik  übei'schüttet  hat,  das  Interesse 
an  einer  zweckmässigen  Form  allmälig  zurücktreten  lasseu.  — 
An  die  Stelle  jeuer  willkürlichen  Symbolik  tritt  nun  im  vor- 
liegenden Buche  eine  aus  den  Prinzipien  der  Ausdehnungs- 
lehre mit  Noth wendigkeit  sich  ergebende,  deren  Anwendung 
ihren  Nutzen  sofort  darin  äussert,  dass  (ebenso  wie  im  ersten 
Theile)  aus  den  Formeln  die  eutsjDrechenden  geometrischen 
Beziehungen  ohne  Mühe  abgelesen  werden  können. 

Dieser  Vortheil  häugt  zusammen  mit  der  Beseitigung 
eines  zweiten  Uebelstandes,  an  welchem  die  Anwendungen  der 
Analysis  und  der  modernen  Algebra  auf  die  Geometrie  leiden. 
Dieser  beruht  in  der  Verwendung  der  Coordinaten, 
welche  nicht  nur  den  geometrischen  Gebilden  fremd  sind, 
sondern  auch  eine  oft  unerträgliche  Weitläuftigkeit  der  For- 
meln im  Gefolge  haben  und  deren  geometrischen  Sinn  völlig 
verdunkeln.  Es  ist  aber  bekanntlich  gerade  eine  Eigen- 
thümlichkeit  der  Grassmann'schen  Methoden,  dass  die  geo- 
metrisch zu  deutenden  Formeln  keine  Coordinaten  enthalten, 
sondern  nur  Punkte ,  Geraden  und  Curven ,  deren  Beziehungen 
durch  die  Formeln  unmittelbar  ausgedrückt  werden. 

Was  den  behandelten  Stoff  betrifft,  so  wurde  im  Ganzen 
das  Gebiet  der  Ebene  und  in  ihr  dasjenige  der  Curven  2.  Gra- 
des (wie  im  ].  Theile)  nicht  überschritten.  Eine  Ausnahme 
war  nur  nÖthig  in  der  Theorie  der  Determinanten  und  der 
damit  zusammenhängenden  Uebersicht  über  die  Eigenschaften 
der  Functionen.  Hier  musste  die  Untersuchung,  um  mit  den 
bisherigen  Darstellungen  Schritt  zu  halten,  allgemein  (mit 
n  Variablen)  geführt  werden.  —  Es  ist  ferner  in  einer  Reihe 
von  Anmerkungen  vergleichenden  und  erläuternden  Inhalts 
das  Verhältniss  der  Ausdehnungslehre  zur  modernen  Geometrie 
und  Algebra  ausführlicher  erörtert,  und  eine  Anzahl  von  neuen 
Gesichtspunkten,  unter  denen  sich  verschiedene  Gegenstände 
zeigen,  begründet  worden.  Wenn  aus  dem  Mangel  solcher 
Vergleichungen  dem  ersten  Theil  dieses  Werkes  in  den  ,, Jahrb. 


VIII       — 


üb.  d.  Fortsein*,  cl.  Math."  ein  Vorwurf  gemacht  worden  ist, 
so  scheint  mir  derselbe  gegenstandlos,   da  dieser  Theil   doch 
nur  die  Lehren  der  elementaren  Geometrie  umfasste,   welche 
bisher    bei   allen  Leistungen    auf   dem  Gebiete   der  modernen 
Geometrie  und  Algebra  in  dem  Grade  leer  ausgegangen  ist, 
dass  zwischen  der  Geometrie  der  Schule   und   derjenigen  der 
Universität  eine  Kluft  besteht,  welche  allseitig  anerkannt  und 
bedauert,  doch  bisher  nicht  ausgefüllt  wurde.    Wenn  aber  an 
derselben   Stelle   gesagt    wird,    der   von   solchen  Vergleichen 
abgelöste  Vortrag    des   Grassraann 'sehen    Ideenganges    muthe 
dem  Leser    zu,    Grassmann's   Methoden  als   die  absolut  vor- 
trefflichen zu  betrachten ,  so  sehe  ich  nicht  ein ,  wie  der  rein 
objeetive,  von  allen  Seitenblicken  freie  Vortrag  alter  Lehren 
in   neuem  Gewände   dem  unbefangenen  Leser  etwas   anderes 
zumuthet,  als  zu  prüfen,  ob  das  Gewand  zu  den  Lehren  auch 
passe.    Zu  Vergleiehungen  bot  eben  der  behandelte  Stoff  gar 
keine  Veranlassung.    Und  schliesslich :  wird  nicht  eine  solche 
Vergleiehung  stets  zu  Gunsten  der  von  einem  Verfasser  vor- 
setragenen  Anschauung  ausfallen?    Welchen  Zweck  hätte  es 
wohl,   eine  Lehre   aufzustellen  und   zu   begründen,    von    der 
man  selbst  im  Voraus  überzeugt  wäre,   dass  sie  durch  andre 
schon   bestehende    übertroffen    würde?     Mit    dem    Anspruch, 
irgend  einen  Fortschritt,  sei  es  nach  Inhalt  oder  nach  Form, 
zu  repräsentireu,  tritt  schliesslich  jede" wissenschaftliche  Publi- 
cation  auf.     Ob   aber   die   Grassmann'sche  Ausdehnuugslehre 
nur  noch  dazu  da  ist,  nach  einer  Vergleiehung  mit  anderen 
Methoden,  allenfalls  mit  dem  Bedauern ,  dass  sie  nicht  früher 
ihre  Wirkung  geäussert  habe,  ad  acta  gelegt  zu  werden,  oder 
ob  sie  auch  gegenwärtig  noch  weiterer  Ausbildung  werth,  und 
fähig  sei,  nutzbringend  in  den  Entwickelungsgang  der  Wissen- 
schaft einzugreifen,  das  ist  eine  Frage,  die  sich  nicht  in  drei 
Zeilen  beantworten  lässt,   auch  nicht  auf  Grund  meiner  nur 
einführenden  Schriften,   sondern   erst  nach  gründlichem  Stu- 
dium der  Grassmann'schen  Originalwerke,  welches  anzuregen 
der  hauptsächliche  Zweck  der  ersteren  ist.  —   Das  Eine  nur 
dürfte   aus   den   bisherigen  Anwendungen   der  Ausdehnungs- 
lehre auf  die  Gebiete  des  Raumes  hervorgehen:  dass  sie  den 
kürzesten    und    bequemsten   Zugang    zu    den   Resultaten    der 
älteren  wie  der  neueren  Geometrie  und  Algebra  eröffnet,  ein 


—       IX       — 

Umstand,  welcher  für  alle  diejenigen,  welche  in  diese  Gebiete 
erst  eindringen  wollen,  beachtenswerth  sein  dürfte. 

Wenn  das  vorliegende  Buch  seinen  Lesern  eine  Ueber- 
zeugung  von  diesen  Vortheilen  verschaffen,  und  sie  zu  weite- 
rer Hebung  der  in  der  „Ausdehnungslehre"  ruhenden  »Schätze 
anregen  sollte,  dann  würde  ich  den  Zweck  desselben  für  er- 
reicht halten.  In  diesem  Sinne  empfehle  ich  es  der  wohl- 
wollenden Prüfung  des  mathematischen  Publicums,  mit  dem 
Wunsche,  dass  die  unvermeidlichen  Unvollkommenheiten  in 
der  Darstellung,  deren  Berichtigung  ich  jederzeit  mit  Dank 
entgegennehmen  werde,  nicht  dem  Gegenstande  selbst  zur 
Last  gelegt  w^erden  mögen. 

Waren,  im  September  1875. 

V.  SchlegeL 


1 11  li  al  t. 


Einleitung. 

Seite 

1.  Uebersicht 1 

1.  Die  unbestimmt  (unendlich)  entfernten  Punkte 

und  Geraden. 

2.  Ableitung  des  unendlich  fernen  Punktes.  —  3.  Seine  Identität 
mit  der  Strecke.  —  4.  Die  unendlich  ferne  Gerade  als  Parallelogramm       1 

2.  Das  involutorische  System  der  gleichweit 

entfernten  Punkte. 

5.  Der  Abstand  zweier  Geraden.  —  6.  Der  Abstand  zweier  Punkte 

auf  der  Ki'eislinie  und  auf  der  Geraden.  —  7.  Der  Fall  des  gleichen 

Abstandes  zwischen  den  Elementen  eines  Stralenbüschels  und  einer 

Punktreihe 5 

.S.  Die  Curve  als  Function  eines  variablen  Punktes. 
8.  Die  Cnrve  1.  Grades  (gerade  Linie).  —  9.  Die  Curve  2.  Gra- 
des. —  10.  Curven  beliebigen  Grades 13 

4.  Die  Multiplication  der  Raumgrössen. 
11.  Allgemeine  Form  des  Productes.  —  12.  Symmetrische  Mul- 
tiplicationen.  —  13.  Circuläre  Multiplicationen.  —  14.  Lineale  Mul- 
tiplicationeu.  —   15.  Die  vier  speciellen  Multiplications  -  Gattungen 
der  Raumlehre 17 

Erste  Abtheilung. 

Die  Kegelschnitte  als  Resultate  einer  zusammen- 
gesetzten Betoegung. 

16.  Uebersicht 27 

1.  Bewegungsgesetz  Vi  -]-  r2  =  r.  —  Die  Ellipse. 

17.  Axen.  Mittelpunkt.  Brennpunkte.  —  18.  Tangente.  —  19.  Die 
Tangenten  aus  einem  Punkte.  —  20.  Hilfssätze.  Anwendung  der 
inneren  Multiplication.  Directrix.  Parameter.  —  21.  Specielle  Sätze. 
Polargleichung.  Excentricität.  —  22.  Das  umschriebene  Parallelo- 
gramm.   Conjugirte  Durchmesser 29 

2.  Bewegungsgesetz  Ti  —  r.i  =  r.  —  Die  Hyj)erbel. 
23.  Axen.  Unendlich  ferne  Punkte.  —  24.  Mittelpunkt.  Brenn- 
punkte. —  25.  Tangente  und  Asymptote.  —  26.  Die  Tangenten  aus 
einem  Punkte.  Asymptotenwinkel.  —  27.  Anwendung  der  inneren 
Multiplication.  Directrix.  Parameter.  —  28.  Specielle  Sätze.  Polar- 
gleichung. Excentricität.  —  29.  Das  umschriebene  Parallelogramm. 
Conjugirte  Durchmesser 41 

3.  Bewegungsgesetz  1\  +  jv  =  oo.  —  Die  Parabel. 
30.  Axe.    Unendlich  ferner  Punkt.   Mittel2Dunkt.  Brennpunkt.  — 

31.  Tangente.   —  32.  Die  Tangenten  aus  einem  Punkte.    Directrix. 
Parameter.  —  33.  Specielle  Sätze.    Polargleichung 53 


—      XI      — 

Zweite  A  b  t  h  e  i  1  u  n  g. 
Die  Projecti vität  von  Punkten  und  Linien. 

Seite 

34.  Uebersicht 59 

1.  Ilalbiruugspunktc  und  Halbiruugslinien. 

35.  Sätze  über  die  Transversalen  und  die  Halbiruögslinieu  der 
Winkel  eines  Dreiecks 60 

2.  Harmonische  Punktreiben  und  Stralenbüschel. 

36.  Sätze  über  harmonische  Punktreihen  und  Stralenbüschel   .       62 

3.  Involutorische  Punktreihen  und  Stralenbüschel. 
37  Centrum  und  Brennpunkte  der  Involution.  —  38.  Sätze  über 

involutorische  Punktreihen  und  Stralenbüschel 65 

4.  Involutorische  Punkt-  und  Geraden -Vereine. 
39.  Definition  und  Sätze  von  involutorischen  Punkt-   und  Ge- 
raden-Vereinen. —  40.  Sätze  vom  Sechseck  und  Sechsseit    ...      69 

5.  Projectivische  Punktreihen  und  Stralenbüschel. 
41.  Darstellung  der  Verwandtschafts-Beziehungen  durch  den  Be- 
griff des  Quotienten  im  Gebiete  der  Geraden.  —  42.  Desgl.  im  Ge- 
biete der  Ebene.  —  43.  Specielle  Verwandtschaften:  Affinität, 
Aehnlichkeit,  Inhaltsgleichheit,  Congruenz. —  44.  Begriff  der  pro- 
jectivischen  Punktreihen  und  Stralenbüschel.  Gleichungen  der 
Projectivität.  —  45.  Verschiedene  projectivische  Punktreihen  und 
Stralenbüschel.   Perspectivität 75 

6.  Projectivische  Punkt-  und  Geraden-Vereine. 
46.  Begriff  der  projecti  vischen  Punkt-   und  Geraden -Vereine. 
Gleichungen  der  Projectivität.  —  47.  Involution  als  specieller  Fall 
der  Projectivität.    Aoquianharmonische  Gebilde .       85 

7.  Das  Pascal'sche  Sechsseit  und  das  Brianchon'sche 

Sechseck. 
48.  Definition  des  Pascal'schen  Sechsseits  und  des  Briauchon'- 
schen  Sechsecks.  Der  Brianchon'sche  Punkt  und  die  Pascal'sche 
Linie.  Sätze.  —  49.  Weitere  Sätze.  Die  Hesse'schen  Geraden  und 
die  Steiner'schen  Punkte.  —  50.  Die  15  Schnittpunkte  der  Seiten 
des  Brianchon'schen  Sechsecks.  Die  60  Sechsecke  der  Seitenlinien 
des  Brianchon'schen  Sechsecks.  —  51.  Die  Hesse'schen  Geraden 
und  Steiner'schen  Punkte  der  60  Sechsecke  und  Sechsseite.  Die 
Hesse'schen  Punkte  und  Steiner'schen  Geraden 90 

Dritte  Abtheilung. 
Die  Lehre  von  den  zusammengesetzten  Grössen. 

52.  Uebersicht 104 

I.  Der  Kreis. 

1.  Die  aus  zioei  KvQisQ-a  ableitbare  Reihe  von  Kreisen. 

53.  Der  Kreis  imd  sein  Mitteljiunkt.  Punkt  und  Gerade  als 
Epecieller  Fall  des  Kreises.  Potenzlinie.  Sätze  vom  Doppelabstand 
und  der  Tangente.  —  54.  Das  System  der  durch  2  Punkte  gehen- 
den Kreise.  Orthogonalkreis.  Imaginäre  Schnittpunkte.  Central- 
punkte.    —    55.  Harmonische  Pole   und  Polaren    des  Systems.  — 

56.  Aehnlichkeitspunkte,     Homologe  Punkte  und  Secanteu  .     .     .     105 


—      XII       — 

2.  Der  aus  drei  Kreisen  ableitbare  Verein  von  Kreisen. 

Seite 

57.  Das  System  der  Kreise.  Potenzpunkt.  Ortliogonalkreis. 
Aehulichkeitspunkte  und  Aehnlichkeitsaxen.  —  58.  Specielle  Sätze 
über  Kreise,  welche  sich  berühren.  Aehnlichkeitspolaren.  Apollo- 
nisches  Problem 117 

II.  Detei'miiiauteii. 

1.  Definition  und  allgemeine  Eigenschaften  der 
Determinante. 
59.  Begriff  und  Eigenschaften  der  Determinante.    —   60.  Sätze" 
über  die  Determinante 121 

2.  Beziehungen  zwischen  mehreren  Determinanten. 

61.  Das  Multiplicationstheorem.  Erster  (neuer)  Beweis.  —  62. 
Zweiter  Beweis.  Transformation  einer  Determinante.  —  63.  Ortho- 
gonale Substitution.  —  61.  Dritter  Beweis  des  Multiplications- 
theorems.  Symmetrische  und  congrnente  Determinanten.  Alter- 
nirende  Function 126 

3.   Unterdeterminanten. 
65.  Begriff  der  Unterdeterminante.    Adjungirtes  System.    Reci- 
proke  Determinante.  —    66.  Eigenschaften  der  Reciprokal- Deter- 
minante   135 

4.  Anwendungen  auf  die  Theorie  der  Gleichungen. 

67.  Auflösung  eines  Systems  von  n  linearen  Gleichungen  mit 

11  Unbekannten.     Erste  Methode.     Zweite  Methode 138 

68.  Bestimmung  der  Resultante  eines  Systems  von  n  homogenen 
linearen  Gleichungen  mit  n  Unbekannten 140 

69.  Elimination  einer  Unbekannten  aus  2  beliebigen  Gleichungen 
mit  2  Unbekannten,  a)  Sylvester's  Methode.  Elimination  a)  mit- 
telst äusserer,  ß)  mittelst  innerer  Multiplication.  —  70.  Sätze  über 
die  Resultante.  —  71.  b)  Modification  der  Bezoid-Cayley' scheu 
Methode 140 

72.  Die  Functionaldeterininante  eines  Systems  von  _/;  beliebigen 
Gleichungen  mit  j)  Variablen.  Ihre  Darstellung  als  Potenzwerth 
eines  Quotienten.  —  73.  Sätze  über  die  Fuuctionaldeterminante  .     145 

74.  Die  Hesse'sclie  Determinante  einer  homogenen  Function 
n.  Grades  von  jj  Variablen.  Ihre  Bezeichnung  als  Function.  — 
75.  Sätze  über  die  Hesse'sclie  Determinante.  —  76.  Die  Hesse'sche 
Determinante  von  p  homogenen  Functionen  n.  Grades  von  ji  Va- 
riablen      150 

III.  Die  räumlicheu  Fimctioncn. 

1.   Allgemeine  Eigenschaften  und  Beziehungen. 

77.  Verallgemeinerung  der  die  Hesse'sche  Determinante  dar- 
stellenden Formen 156 

78.  Uebersicht  der  in  der  aufgestellten  allgemeinen  Form  ent- 
haltenen speciellen  Bildungen.  Covarianten.  Lineare  Coordinaten- 
Transforraation.  —  .79.  Invarianten.  —  80.  Concomitanten.  Trans- 
formation durch  reciproke  Substitution.  —  81.  Geometrische  Be- 
deutung der  Variableu  ^  einer  Function.  —  82.  Contravarianten  .     158 

83.  Bildung  der  abgeleiteten  Functionen.  Erste  Methode.  All- 
gemeine Regeln.  —  84.  Zweite  Methode.  Ueberschiebuugen.  — 
85.  Dritte  Methode.  Theile  der  Ueberschiebung.  —  86.  Vierte  Me- 
thode. Reduction  von  Ueberschiebungen  complicirter  Formen  auf 
solche  niederer  Formen 16S 


—    xni    — 

Seite 

87.  Reduction  einer  Form  auf  Stammformen.  Fall  der  durch 
Coordiiuiten  ausgedrückten  Function.  —  88.  Fall  iler  hinärcii  Form. 

—  89.  Fall  der  teriüiren  Form 17-2 

2.  Betrachtung  der  einzelnen  räumlichen  Functionen. 

A.  Gebiet  der  Geraden.  Functionen  2.  Stufe.  (Binäre  Formen.) 

a)  Die  Function  2.  Grades.  (Quadratische  Form.) 
a.)  Eine  Function. 
90.  Allgemeiue  und  canonische  Formen  der  Function.    Harmo- 
nisches Centrum  1.  Ordnung.  —    91.  Covarianten.    Die  Hesse'sche 
Determinante.  —  92.  Reduction  auf  die  Stammformen      ....     179 

ß)  Zioei  Functionen. 
93.  Covarianten:  1)  Die  Hesse'sche  Determinante.  2)DieFunctions- 
determinante.  —  94.  Reduction  auf  die  Stammformen.  —  95.  Die 
Hesse'sche  Determinante  der  Functionsdeterminante 184 

y)  Drei  Functionen. 
9i>.  Die  gemeinsame  Covariante  der  drei  Functionen.  —  97.  Re- 
duction auf  die  Stammformen 188 

8)  Vier  und  mehr  Functionen. 

98.  Das  Formensystem  von  n  binären  quadratischen  Formen  .     191 

h)  Die  Function  3.  Grades.  (Cubische  Form.) 
a)  Eine  Function. 

99.  Allgemeine  und  canonische  Formen  der  Function.  Har- 
monisches Centrum  1.  und  2.  Ordnung. —  100.  Covarianten.  Ueber- 
sicht.    Die  Hesse'sche  Determinante.  —  101.  Weitere  Covarianten. 

—  102.  Reduction  auf  die  Stammformen 192 

ß)  Zivei  Functionen. 
103.  Uehersicht   der  Covarianten.  —    104.  Reduction   auf   die 
Stammformen 202 

c)  Die  Function  4.  Grades.  (Biquadratische  Form.) 
105.    Allgemeine  und  canonische  Formen  der  Function.     Har- 
monisches Centrum  1.  und  3.  Ordnung.  —  106.  Covarianten.  Ueber- 
sicht.    Die  Hesse'sche  Determinante.  —  107.  Weitere  Covarianten. 

—  108.  Reduction  auf  die  Stammformen.  —  109.  Zwei  abhängige 
Formen.  —  110.  Discriminauten.  —  111.  Formensystem  der  Functio- 
nen 5.  und  6.  Gradea 204 

d)  Beziehungen  zwischen  den  Covarianten  einer  oder  mehrerer 
Functionen  n.  Grades. 

112.  Allgemeine  Methode.   Beispiele 217 

B.  Gebiet  der  Ebene.  Functionen  3.  Stufe.  (Ternäre  Formen.) 

Die  Function  2.  Grades.  (Quadratische  Form.) 
a)  Eine  Function. 

113.  Allgemeine  Form  und  geometrische  Bedeutung  der  Function. 

—  114.  Canonische  Formen.  —  115.  Sätze  über  Pol  und  Polare.  — 
116.  Fortsetzung.  —  117.  Covarianten.  Die  Hesse'sche  Determinante. 

—  118.  Die  Discriminante.  —  119.  Die  unendlich  fernen  Gebilde 
der  Doppelgeraden  und  des  Doppelpunktes.  —  120.  Reciproke 
Sätze  von  den  Seiten  und  Höhen  eines  Dreiecks.  —  121.  Contra- 
variavten.  Reciprokalcurve.  —  122.  Reduction  auf  die  Stammformen    220 


—      XIV      — 

Seite 
ß)  Zivei  Functionen, 

123.  Covarianten.  —  124.  Contravarianten 240 

y)  Drei  Functionen. 

125.  Covarianten.  1)  Die  gemeinsame  Invariante.  Schnittpunkte 
und  gemeinsame  Tangenten  zweier  Kegelschnitte.  Kegelschnitt- 
biischel  und  Kegelschnittreihe 242 

126.  Die  Function  y  =  lu  -{-  iiß.  Die  Hesse'sche  Determinante 
von  y.  Berührung  zweier  Kegelschnitte.  Die  Contravariante  von  y. 
—  127.  Specielle  Fälle  der  Function  y.  a)  Concentrische  Kegel- 
schnitte. Asymptoten.  —  1j8.  b)  Confocale  Kegelschnitte.  Brenn- 
punkte      244 

129.  2)  Die  gemeinsame  Covariante.  —  130.  Contravarianten    .     249 

Die  Massheziehungen  in  der  Ebene. 
131.  Der  Neigungswinkel  zweier  Geraden,  einer  Geraden  und 
einer  Ebene,  zweier  Ebenen.  —  132.  Der  Abstand  zweier  Punkte, 
eines  Punktes  und  eines  grössten  Kugelkreises,  zweier  grösster 
Kugelkreise  auf  der  Kugelfläche.  —  133.  Der  Abstand  zweier  Punkte, 
eines  Punktes  und  einer  Geraden,  zweier  Geraden  in  der  Ebene.     250 


Anmerkungen  allgemeinen  und  vergleichenden 
Inhalts. 

1.  Ueber  den  unendlich  fernen  Punkt 3 

2.  Ueber  den  analytischen  Ursprung  der  metrischen  Relationen  .  10 

3.  Ueber  die  Bezeichnungen  ax"^  und  a^ 17.  171 

4.  Ueber  die  Multiplication  der  Raumgrössen 27 

5.  Ueber  coujugirte  Durchmesser 41 

6.  Einfügung   der  in  diesem  Buche  behandelten  Gegenstände  in 

das  „System  der  Raumlehre" 59 

7.  Ueber  die  Verallgemeinerung  des  Begriffes  ,, Quotient"  ...  76 

8.  Ueber  die   geometrische  Bedeutung  der  imaginären  Wurzeln 
einer  Gleichung 83 

9.  Vergleichung  der  verschiedenen  Methoden   zur  Untersuchung 
projectivischer  Beziehungen 102 

10.  Ueber  imaginäre  Schnittpunkte  von  Kreisen 111 

11.  Ueber  die  Bedeutung  des  Systems  der  ursprünglichen  Einheiten 

für  die  Determinantentheorie 12G 

12.  Ueber  die  Methoden  zur  Auflösung  eines  Systems  linearer 
Gleichungen 138 

13.  Ueber  die  Reduction  eines  Systems  von  Functionen  mehrerer 
numerischer  Variablen  auf  eine  Function  einer  extensiven  Va- 
riablen     149 

14.  Ueber  das  Verhältniss  der  Ausdehnungslehre  zur  Methode  der 
modernen  Algebra 172 

15.  Ueber  einen  Fundamentalsatz  der  moderneu  Algebra      .     .     .     177 

16.  Ueber  ,, unendlich  ferne  imaginäre  Schnittpunkte" 233 

17.  Ueber  die  Bedeutung  imendlich  ferner  Gebilde  für  die  Theorie 

der  ßeciprocität 235 

Verzeichniss  der  erklärten  Ausdrücke 258 

Berichtigungen  und  Zusätze  zum  ersten  Theil  dieses  Werkes   .     .      xv 


Berichtigungen    und    Zusätze 
zum  ersten  Theile  dieses  Werkes. 


'  S.  12,  Z.  2  mnss  der  Nenner  des  Bruches  n  statt  2  heissen. 

S.  15,  Z.  25  hinter  ,, folgt"  ist  hinzuzufügen:  ,,da  das  Product  zweier 
identischen  Punkte  stets  einen  Linientheil  von  der  Grösse  Null  liefert." 

S.  38,  vor  Nr.  70  ist  einzuschalten:  „Anm.  Bei  der  Betrachtung 
einer  Strecke  {A  —  JB)  konnten  wir  von  der  Bewegung  (Schiebung  eines 
Punktes) ,  durch  welche  die  Strecke  entstanden  war,  absehen ,  weil  die 
zwischen  den  Punktdifferenzen  geltenden  Formeln  gleichzeitig  Be- 
ziehungen zwischen  Strecken,  und  zwischen  Schiebungen  ausdrückten, 
so  zwar,  dass  wir  in  den  Sätzen  nur  den  Ausdruck  „Strecke"  durch 
,, Schiebung"  zu  ersetzen  brauchen.  —  Dagegen  drängt  bei  Betrachtung 
des  Winkels  die  Definition  zu  einer  Unterscheidung  zwischen  „Winkel" 
und  ,, Drehung",  so  zwar,  dass  die  Potenz  i"'  die  Drehun'g,  dagegen  der 
Exponent  n  den  Winkel  repräsentirt.  Da  nun  die  Verbindungen  der 
Exponenten  um  eine  Rechnungsstufe  tiefer  stehen,  als  diejenigen  der 
Potenzen,  so  wird  jeder  Satz,  der  eine  doppelte  Formulirung  (zwischen 
den  Potenzen  oder  den  Exponenten)  zulässt,  auch  einen  doppelten 
Wortausdruck  gestatten,  jenachdem  man  den  Begriff  der  Drehung, 
oder  den  des  Winkels  anwendet." 

S.  38,  Z.  22;  S.  39,  Z.  3;  S.  40,  Nr.  73,  Z.  4;  S.  43,  Z.  1 ;  S.  44,  Nr.  80, 
Z.2;  S,46,  Z.  4u.  8;  S.48,  Nr. 87  ist  statt ,, Winkel"  zu  setzen:  „Drehung". 

S.  39,  Z,  2  von  unten  ist  statt  „Drehungen"  und  „einer  Umdrehung" 
resp.  zu  lesen:  ,, Winkel"  und  „einem  geschlossenen". 

S.  43,  Z.2  ist  statt  „das  Product"  zu  lesen:  ,, die  Summe",  und  auf 
derselben  Seite  in  Nr.  76  statt  „der  Quotient":  „die  Differenz".^ 

S.  44,  Z.2  ist  statt  „Drehung"  zu  setzen:  ,, Sinne",  und  Z.  4  hinzu- 
zufügen: ,,die  zugehörigen  Winkel  dagegen  wie  positive  und  negative 
Zahlen". 

S.  44  ist  statt  der  letzten  6  Zeilen  zu  setzen:  „Anm.  Die  getheilte 
Darstellung:  einer  Drehung  als  Quotient  zweier  Geraden,  und  eines 
Winlceh  als  Vielfaches  des  als  Einheit  genommenen  rechten  Winkels, 
der  im  Exponenten  von  i  erscheint,  hat  zur  Folge  (wie  schon  oben 
angedeutet),  dass  entweder  die  Vereinigung  von  Drehungen  durch  die 
zweite,    oder    die  von   Winkeln   durch   die   erste  Rechnungsstufe   aus- 


—      XVI      — 

geführt  werden  kanu,  jenacliclem  die  eine  oder  die  andere  Betraclitungs- 
weise  gewählt  wird.     In  der  vorstehenden  Darstellung  laufen"  .  .  . 

S.  45,  Z.6  ist  i^  wegzulassen,  S.49,  Z.  4  v.  unten,  S.  50,  Z.  20  u.  21 
ist  i'"  und  i"  resi^.  durch  m  vind  n  zu  ersetzen. 

S.  47,  Z.  3  ist  statt  ,,(6  :  a,)"  zu  setzen:  ,,der  beiden  Geraden". 

S.  94,  in  der  Figur  ist  die  Strecke  SA  statt  durch  h  zu  bezeichnen 
durch  &!• 

S.  106  kann  aus  der  in  Z.  6  stehenden  Formel  unmittelbar  der  Satz 
abgelesen  werden:  Jedes  einem  Kegelschnitte  eingeschriebene  Sechseck 
ist  ein  Fascal'sches.    Desgl.  die  Umkehrung  und  die  reciproken  Sätze. 

S.  108  ist  der  vor  Nr.  149  stehende  Satz  zu  streichen. 

S.  135.  Das  den  Schluss  der  Nr.  169  bildende,  mit  den  Worten: 
, .Vertauscht  man"  etc.  eingeleitete  Verfahren  ist  dadurch  zu  ersetzen, 
dass  man  ebenso  wie  in  Nr.  168  statt  der  Punktdilferenzen  die  Sinus 
der  Winkel  einführt.  Den  Grund  s.  in  der  Anni.  auf  S.  60  des  vor- 
liegenden Buches. 


Einleitung. 


Während  im  „System  der  Raumlehre"  sieh  im  Allgemei-1. 
nen  das  Gesetz  zeigte,  dass  jedes  neue  Gebilde  ein  vorher 
betrachtetes  als  speciellen  Fall  in  sich  schloss,  so  traten  an 
zwei  Stellen  Paare  von  Gebilden  mit  scheinbar  gleichberech- 
tigter Existenz  auf.  —  Erstens  erschienen  Punkt  und  Strecke 
(Nr.  26)  als  gleichberechtigte  Gebilde  1.  Grades ,  beide  dar- 
gestellt durch  die  Form  a  ==  «^e^ -f"  ^2^2'  —  Zweitens  er- 
schienen Linieneinheit  (Nr.  32)  und  Flächeneinheit  (Nr.  152) 
als  gleichberechtigte  Grössen  2.  Stufe,  beide  dargestellt  durch 

(61^2)  =  1. 

Es  ist  zunächst  das  zwischen  diesen  Grössenpaaren  be- 
stehende Verhältniss  der  Unterordnung  nachzuweisen.  Sodann 
ist  noch  eine  dritte,  in  der  „Raumlehre"  gebliebene  Lücke 
auszufüllen,  nämlich  der  Fortschritt  darzulegen,  welcher  von 
der  Darstellung  der  Curven  durch  gleich  Null  gesetzte  plani- 
metrische  Producte  (Nr.  146)  zu  derjenigen  durch  gleich  Null 
gesetzte  Funktionen  (Nr.  164)  stattfindet.  Endlich  ist  der 
systematische  Zusammenhang  der  verschiedenen  in  der  Raum- 
lehre gebräuchlichen  Multiplicationen  darzulegen  (Nr.  166). 

1.  Die  unbestimmt  (unendlich)  entfernten  Punkte  und 
Geraden. 

Die  Grösse  a  =  a^e^  -{-  cc^e^  bedeutete  einen  Punkt  mit  2. 
dem  Coefficienten  («^  -|-  ^^2) j  sobald  cc^-\-  a^^O  war;  dagegen 
das  «j-fache  der  Strecke  (e,  —  Cj);  sobald  «,  -\-  a.^=0  war 
(„Raumlehre"  Nr.  26).  —  Im  letzteren  Falle  kann  jedoch  die 
Grösse  a  ebensowohl  als  Punkt  mit  dem  Coefficienten  0  be- 
trachtet werden,  und  es  fragt  sich  nur  noch,  welche  Bedeu- 
tung eine  solche  Punktgrösse  hat. 

Schlegel,  Elemente.  1 


Sei  zur  Vereinfachung 

o:,  =  —  o:,  =  1, 
und  Ä  der  einfache  Punkt,  sodass  allgemein 

(o:,  -{-  a.^)  A  =  a-, 
dann  erhält  man: 

und  da 

ist,  so  folgt: 

oder: 

oder: 


O.Ä  =  {e^  —  e,), 

O.A  =  0  =  -\-A  —  Ä 

-\-  A  —  A  =  e^  —  63 

(^t-  A)  =  {e^  —  ^), 

^    A 

1. 


€2  —  A 

Hiernach  müssten  die  Entfernungen  des  Punktes  A  von 
den  Punkten  e^  und  e^  gleich  gross  und  gleich  gerichtet  sein. 
Dieser  Umstand  kann  niemals  genau  eintreten.  Entfernt  sich 
aber  A  von   den    beiden  Punkten  e,  und  e,   ii^s  Unendliche, 

so  nähert   sich  auch   das  Verhältniss  — -.  der  Einheit  als 

e^  —  A 

Grenze.     Denn  schreibt  man  die  letzte  Gleichung: 
«1  —  «2  +  «2  — _^  _  1 


e^  —  A 
oder: 

e^-A^^ 
so   sieht  man,   dass   der  Unterschied   der  beiden  Seiten   sich 
mit  wachsendem  {e^  —  A)  der  Null  nähert. 

Dasselbe  findet  auch  statt,  wenn  der  Punkt  A  fest  bleibt, 
dagegen  e,  an  den  ebenfalls  festen  Punkt  e^  heranrückt. 

Im  ersten  Falle,  wo  e,  —  e^  eine  endliche  Strecke  ist, 
die  wir  durch  £  bezeichnen  und  als  Masseinheit  betrachten 
können ,  ist  es  nicht  möglich ,  die  Strecke  e.^  —  A  durch  s  zu 
messen.  Der  nicht  existirende,  aber  in  unbestimmter  Ent- 
fernung denkbare  Punkt  A  heisst  daher  der  unbestimmt  («m- 
endlich)  entfernte  PunM  der  Geraden,  und  es  ist  für  ihn 

ez  —  A 00  , 

wo  cx)  die  ebenfalls  nicht  existirende,   aber  in  unbestimmter 


-     3     — 

Entfernung  denkbare  Grenze  für  das  Wachstbum  einer  Zabl 
bedeutet. 

Im  zweiten  Falle  verschwindet  die  Masseinheit  selbst; 
mithin  ist  es  ebensowenig,  wie  vorher,  möglich,  die  Strecke 
6-2  —  Ä  durch  s  zu  messen.  Der  Punkt  Ä  ist  daher,  obwohl 
in  endlicher  Entfernung  existirend ,  wiederum  nicht  bestimm- 
bar,  indem  jeder  Punkt  der  Geraden  der  Gleichung  genügt: 

e^  —  A a 

Ci  —  e,        ^  ' 
wo  a  die  Strecke  c,  —  Ä  bedeutet. 

Man  kann  hiernach  jede  Strecke  einer  Geraden  als  un-3. 
endlich  entfernten  Punkt  betrachten,  und  zwar  diejenige 
Strecke,  welche  gleich  der  Masseinheit  ist,  als  unendlich 
fernen  Punkt  mit  dem  Coefficienten  1;  jede  andere  Strecke 
aber  als  unendlich  fernen  Punkt  mit  irgend  einem  anderen 
Coefficienten,  —  Umgekehrt  lässt  sich  der  unendlich  entfernte 
Punkt  stets  durch  eine  Strecke  vertreten,  nachdem  erwiesen 
ist,  dass  beide  Ausdrücke  nur  verschiedene  Formen  für  den- 
selben Begriff  sind  (nämlich  den  Begriff  einer  mit  dem  Coeffi- 
cienten 0  versehenen  Grösse  1.  Grades). 

Demnach  haben  zwei  Linientheile  (Grössen  2.  Grades)  in 
der  Ebene  stets  eine  Grösse  1.  Grades  (einen  Punkt)  gemein- 
sam. Es  giebt  nämlich  stets  zwei  gleiche  Grössen  1.  Grades, 
von  denen  die  eine  in  dem  ersten,  die  andere  in  dem  zweiten 
Liuientheil  liegt.  Sind  diese  gleichen  Grössen  endliche  Punkte, 
so  müssen  sie,  um  gleich  zu  sein,  zusammenfallen  („Raum- 
lehre'' Nr.  27.  Anm.);  d.  h.  die  (sich  schneidenden)  Linien- 
theile haben  einen  endlichen  Punkt  gemeinsam.  Sind  die 
gleichen  Grössen  unendlich  entfernte  Punkte,  d.  h.. Strecken, 
so  müssen  sie,  um  gleich  zu  sein,  in  parallelen  Linien  liegen; 
d.  h.  die  (parallelen)  Linientheile  haben  einen  unendlich  ent- 
fernten Punkt  (eine  Strecke)  gemeinsam. 

Anmerkung.  Die  beiden  gleichbedeutenden  Ausdrücke  „Strecke" 
und  „unendlich  ferner  Punkt"  haben  jeder  seinen  besonderen  Vorzug. 
—  Der  erste  entspricht  unserer  Anschauung,  nöthigt  uns  aber  zu  einer 
doppelten  Ausdrucksform  für  manche,  von  Grössen  I.Grades  allgemein 
geltende  Sätze.  —  Der  zweite  ermöglicht  es,  Grössen  vom  1.  Grade 
ohne  unterschied  als  Punkte  zu  bezeichnen,  entzieht  sich  aber  jeder 
Anschauung.  —  Daher  findet  df;r  zweite  seine  Erklärung  durch  den 
ersten,  und  ist  nur  als  ein,  freilich  oft  unentbehrlicher,  Stellvertreter 

1* 


desselben  anzusehen.  —  Der  hier  entwickelte  Zusammenhang  zwischen 
Strecke  und  Punkt  findet  sich  ähnlich  schon  bei  Grassmann ,  Ausd.- 
Lehre.  IL  228. 

Ebenso,  wie  die  Strecke  als  specieller  Fall  des  Punktes, 
erscheint  nun  aucli  die  Schiebung  als  ein  specieller  Fall  der 
Drehung.  Denn  wie  die  Drehung  einer  Geraden  um  einen 
endlichen  Punkt  eine  neue  Gerade  erzeugte,  welche  mit  der 
vorigen  diesen  endlichen  Punkt  gemeinsam  hatte,  so  liefert 
die  Drehung  der  Geraden  um  ihren  unendlich  fernen  Punkt 
eine  neue  Gerade,  welche  diesen  unendlich  fernen  Punkt  mit 
ihr  gemeinsam  hat,  also  ihr  parallel  ist.  Es  kann  daher  die 
Schiebung  der  Geraden  als  Drehung  um  ihren  unendlich  fer- 
nen Punkt  bezeichnet  werden,  und  die  Grösse  dieser  Drehung 
wird  dargestellt  durch  die  Grösse  der  Schiebung. 
4.  Eine  ganz  analoge  Untersuchung  lässt  sich  nun  über 
,,Linientheil"  und  „Parallelogramm"  anstellen. 

Die  Grösse  a  =^  a^e^  -{-  (x.^e2,  worin  gj  und  e^  zwei  gleich 
lange  und  gleich  gerichtete  Linientheile  sind,  stellt  (nach 
„Raumlehre"  Nr.  129)  einen  Linientheil  oder  ein  Parallelo- 
gramm dar,  je  nachdem  a^  -\-  a.^  ungleich  oder  gleich  Null. 
Das  Parallelogramm  kann  hiernach  als  Linientheil  mit  dem 
Coefficienten  Null  betrachtet  werden.  Es  führt  dann  die 
wörtliche  Wiederholung  der  oben  angestellten  Rechnungen 
zu  dem  Resultat,  dass  ein  Linientheil  mit  dem  Coefficienten 
Null  ein  unendlioli  entfernter  Linientheil  ist.  Bezieht  sich  diese 
Entfernung  auf  einen  anderen  Linientheil,  so  hat  der  unend- 
lich entfernte  gleiche  Richtung  mit  diesem;  bezieht  sie  sich 
dagegen  auf  einen  Punkt,  so  ist  die  Richtung  des  unendlich 
entfernten  Linientheils  unbestimmt,  und  man  kann  ihn  als 
irgend  eine  der  Tangenten  des  aus  dem  gegebenen  Punkte 
mit  unendlich  grossem  Radius  beschriebenen  Kreises  sich 
vorstellen. 

Jedes  Parallelogramm  kann  demnach  als  unendlich  ent- 
fernter Linientheil  mit  gleichem  Coefficienten  betrachtet  wer-^ 
den,  und  umgekehrt. 

Demnach  haben  zwei  Flächentheile  (d.  h.  Ebenenstücke] 
oder  Grössen  3.  Grades)  im  Raum  stets  eine  Grösse  2.  Grades 
(einen  Linientheil)  gemeinsam.  Es  giebt  nämlich  stets  2j 
gleiche  Grössen  2.  Grades,  von  denen  die  eine  in  dem  ersten,] 


—     o     — 

die  andre  in  dem  zweiten  Flächenstüeke  liegt.  Sind  diese 
gleichen  Grössen  endlich  entfernte  Linientheile,  so  müssen 
sie,  um  gleich  zu  sein,  in  derselben  Geraden  liegen  („Raum- 
lehre'' Nr.  30);  d.  h.  die  (sich  schneidenden)  Flächentheile 
haben  eine  Gerade  gemeinsam.  Sind  die  gleichen  Grössen 
unendlich  entfernte  Linientheile,  d.  h.  Parallelogramme,  so 
müssen  sie,  um  gleich  zu  sein,  in  parallelen  Ebenen  liegen 
(„Raumlehre"  Nr.  140);  d.  h.  die  (parallelen)  Ebenen,  haben 
eine  unendlich  ferne  Gerade  gemeinsam.  —  Endlich  kann 
noch  die  Schiebung  einer  Ebene  als  Drehung  um  ihre  unend- 
lich ferne  Gerade  betrachtet  werden. 

2.    Das  involutorische  System  der  gleiehweit  entfernten 
Pimkte. 

Wenn,  wie  wir  soeben  gefunden  haben,  die  Schiebung 5. 
ein  specieller  Fall  der  Drehung  ist,  so  kann  man  auch  die 
gerade  Linie  als  einen  speciellen  Fall  der  Kreislinie  betrach- 
ten, nämlich  als  eine  Kreislinie,  deren  Mittelpunkt  in  unend- 
liche Ferne  gerückt  ist.  Dies  folgt  daraus,  dass  der  End- 
punkt einer  sich  schiebenden  Strecke  eine  Gerade,  derjenige 
einer  sich  drehenden  Strecke  eine  Kreislinie  beschreibt. 

In  diesem  Falle  ist  nun  auch  eine  Strecke  auf  einer  Ge- 
raden der  specielle  Fall  eines  Kreisbogens,  und  es  muss  der 
Ausdruck  der  Strecke  durch  ihre  Endpunkte  in  dem  Ausdruck 
des  Kreisbogens  enthalten  sein.  Dieser  Zusammenhang  ist 
zunächst  darzulegen. 

Es  seien  e^  und  e.,  zwei  auf  einander  senkrechte  Radien 
eines  Kreises,  und  (e^e.^)  =  1- 

Ferner  seien  x  und  y  zwei  andre  beliebige,  vom  Mittel- 
punkte des  Kreises  ausgehende  Strecken,  und 

AVenn  dann  O'  der  Winkel  zwischen  x  und  y  ist,  so  hat 
man  („Raumlehre"  Nr.  154)  folgende  Beziehungen: 

ixy)  =  (A,/*2  —  ^2f*i)  (^1^2); 


(A,^i  +  X.,ii,)  =  yQrj^h:'  .  V^ijn^  •  cos  ^; 


—    6    — 
mithin : 

Da  nun  der  Richtungsunterschied  der  Strecken  x  und  y 
gleich  d-  ist,  wobei  d-  nicht  nur  den  Winkel  sondern  auch 
den  zugehörigen  Bogen  der  Kreislinie  bedeuten  kann ,  so  ist, 
wenn  man  den  Winkel,  dessen  Sinus  m  ist,  mit  arc.  sin.  m 
(arcus  sinus  m)  bezeichnet,  und  die  entsprechende  Bezeich- 
nung arc.  cos.  u  anwendet,  dieser  Richtungsunterschied  aus- 
gedrückt durch 


Q'  =  arc.  sin. 


=  arc.  cos. 


Betrachten    wir  nun  die  Strecke  y  als   constant,    x  als 
variabel,  so  repräsentirt  die  Gleichung 

(2)  A^fto  ~  •^2i"i  =  Ö 

eine  Strecke,  welche  mit  y  zusammenfällt,  da  sin  d' =  0  ist. 
Und  die  Gleichung 

(3)  Aj  |it,  -}-  Ao  fio  =  ^ 

stellt  eine  Strecke  vor,  welche  auf  y  senkrecht  steht,  da 
cos  -O*  =  0  ist. 

Löst  man    endlich   eine   der  Gleichungen   für  sin  &  und 

cos 'O' nach -T^  auf,  so  hat  dieselbe,  als  gemischt  quadratische 

"2 

Gleichung,  zwei  Wurzeln, 
^  ^  und  stellt  daher  zwei 
Strecken  dar,  welche  von 
y  um  den  Winkel  O'  ab- 
weichen. Der  Winkel  die- 
ser beiden  Strecken  wird 
also  durch  y  halbirt,  folg- 
^^'  '  lieh  auch  ihr  Nebenwinkel 

durch  die  auf  y  senkrechte  Strecke.  Daher  sind  die  beiden, 
durch  eine  der  Gleichungen  (1)  dargestellten  Strecken  har- 
monisch mit  den  durch  (2)  und  (3)  dargestellten. 


Und  lässt  man  in  einer  der  Gleichungen  1)  den  Winkel 
d-  sieh  ändern,  so  stellt  diese  Gleichung  alle  mit  2)  und  3) 
harmonischeu  Liuienpaare  dar,  d.  h,  das  ganze  System  von 
involutorischen  Paaren,  dessen  Doppelstralen  (2)  und  (3)  sind. 

Bis  jetzt  war  nur  die  Richtung  einer  Strecke  bestimmt, 

nicht  aber  ihre  absolute  Länge  (gemessen  durch  e^  oder  gj)- 

Das  letztere  geschieht,  indem  noch  zwischen  Aj  und  Aj  eine 

Gleichung  aufgestellt  wird.     Man   hat  dann  zur  Bestimmung 

von   /Ij  uud  A.,   erstens    diese    Gleichung,    und    zweitens    den 

aus  den  Gleichungen  (1)  resp.  (2)  oder  (3)  gezogenen  Werth 

^1 
von  —  • 


Es  sei  zunächst 

A,2  4-  x,^ 


1;    f^i^  +  ^2^=i- 


Dann  liegen  die  Endpunkte  aller  Strecken  auf  der  Peripherie 
des  gegebenen  Kreises,  und  d-  ist  nicht  nur  (als  Winkel  be- 
trachtet) der  Richtungsunterschied  der  Strecken  x  und  y,  son- 
dern auch  (als  Bogen  betrachtet)  die  Entfernung  ihrer  End- 
punkte auf  der  Kreislinie. 

Wenn  nun  der  Mittelpunkt  des  Kreises  auf  der  Strecke 
(2)  in  unendliche  Ferne  rückt,  während  der  andere  Endpunkt 
dieser  Strecke  fest  bleibt,  so  geht  die  Kreislinie  über  in  eine 
Gerade,  die  auf  (2)  in  deren  Endpunkte  senkrecht  steht. 
Sämmtliche,  bisher  durch  den  Mittelpunkt  des  Kreises  gehende 
Geraden  stehen  jetzt  auf  dieser  Geraden  in  verschiedeneu 
Punkten  senkrecht,  und  alle  zwischen  diesen  Geraden  be- 
stehenden Gleichmigeu  gelten  auch  (nach  ,,Rauml.^'  Nr.  132) 
zwischen   ihren   Fusspunkten    auf   der   aus    dem   Kreise    ent- 


(1)  ei       (2) 


1) 


Fig.  2. 


standenen  Geraden.  Die  Gerade  (3)  rückt,  von  (2)  aus  ge- 
rechnet, in  unendliche  Ferne,  dasselbe  thut  also  auch  ihr 
Fusspunkt. 

Wählen  wir  nun  für  alle  Fusspunkte  dieselbe  Bezeichnung, 


—     8     — 

wie  für  die  durch  sie  gehenden  Geraden,  so  bezeichnen  jetzt 
die  Gleichungen 

a;  =  A,e,  +  L,e., ;  y  =  ju-,  t'\  +  jtt..,«.^ 
zwei  Punkte  x  und  «/;  welche  aus  zwei  anderen  Punkten  e^ 
und  62  vermittelst  der  Zahlen  AiAof^ifttj  abgeleitet  sind.  Dem- 
nach erscheint  die  Ableitung  eines  Punktes  aus  zwei  Punkten 
auf  einer  Geraden  als  specieller  Fall  der  Ableitung  einer 
Strecke  aus  zwei  zu  einander  senkrechten  Strecken. 

Die  Gleichung  (2)  stellt  jetzt  einen  Punkt  vor,  der  mit 
y  zusammenfällt;  die  Gleichung  (3)  lautet,  wenn  man  von 
vornherein  e^  und  e^  so  annimmt,  dass  der  Winkel  dieser 
Strecken  durch  (2)  halbirt  wird,  dass  also  fij  =  /Hj  i^^' 

Aj  +  A,  ==.  0. 
Sie   stellt   daher   eine  Strecke   oder  den  unendlich  entfernten 
Punkt  der  Geraden  vor,   wie  schon  vorhin  gefunden.     Beide 
Punkte,   (2)  und  (3),  sind  die  Doppelpunkte    der  Involution, 
deren  Paare  durch  eine  der  Gleichungen  (1)  bestimmt  werden. 

Um  diese  letzteren  Gleichungen,  welche  für  die  Invo- 
lution von  Linien  galten,  so  zu  transformiren,  dass  sie  für 
diejenige  von  Punkten  gelten,  erinnern  wir  uns  („Rauml." 
Nr.  168),  dass  das  anharmonische  Verhältniss  zwischen  vier 
Geraden  «,  &,  c,  ä,  mit  den  resp.  numerischen  Werthen  a,  ß, 
y,  d,  dm'ch  die  Gleichung  bestimmt  wurde: 

cc  .  ß  .  sin  (ha)  a  .  S  .  sin  (da) 

ß  .  y  .  sin  (h  c)  y  .  ^  .  sin  (d  cj  ' 

während   die   entsprechende  Gleichung  zwischen  den  Durch- 
schnittspunkten dieser  Geraden  Ä,  B,  C,  D  lautete: 

Man  hat  also,  um  von  der  einen  Relation  den  Uebergang 
zur  andern  zu  machen,  nur  jedesmal  das  Product  der  nume- 
rischen Werthe  zweier  Strecken  und  des  Sinus  ihres  Zwischen- 
winkels mit  dem  äusseren  Product  ihrer  Fusspunkte  zu  ver- 
tauschen. Ersetzt  man  hiernach  iu  der  ersten  der  Gleichungen 
(1)  das  Product  j/l{-  -{-  A./-  .  |/,a,-  -|-  ^i.,'-  .  sin  ^  durch  (xi/), 
so  lautet  diese  Gleichung  nun 

(xy)  =  A,  )u._,  —  X.^ß^ ; 
dieselbe  giebt  die  Entfernung  der  beiden  Punkte  x  und  y  an. 


9     - 


ebenso,  wie  obeu  der  allgemeinere  Ausdruck  für  ■9'  den  Ricli- 
tungsunterschied  der  beiden  Geraden  x  und  y  bezeichnete. 
Hierdurch  ist  nun  die  Entfernung  zweier  Punkte  auf  einer 
Geraden  als  specieller  Fall  des  Richtungsunterschiedes  zweier 
Geraden  in  einer  Ebene  nachgewiesen. 

Denkt  man  sich,  noch  einmal  zur  Kreislinie  zurück- 7. 
kehrend,  verschiedene  Linienpaare,  aa^hh^...,  welche  alle 
zu  den  Doppellinien 
(w  und  p)  der  Involu- 
tion harmonisch  sind, 
so  ist  m  die  Mittel- 
richtung für  jedes  die- 
ser Paare.  Wenn  dann 
die  Winkel  der  succes- 
siven  Stralen  m,  a,  h,  c 
.  .  .  alle  gleich  ■O'  sind, 
und  das  Verhältniss  des 
Winkels  {m}))  zu  d-  eine  ganze  Zahl  k  ist,  so  ist  jedes  Stralen- 
paar,  dessen  Winkel  kd-  ist,  ein  Doppelpaar  der  Involution 
für  die  übrigen  Stralen.  Der  Winkel  Jcd-  oder  {tnp)  (der  rechte 
Winkel)  ist  nun  die  Masseinheit  für  die  Richtungsunterschiede 
zweier  beliebiger  Geraden,  und  der  ihm  entsprechende  Bogen 
(der  Quadrant)  die  Masseinheit  für  die  Entfernung  zweier  be- 
liebiger Punkte  auf  der  Kreislinie. 

Geht  nun  die  Kreislinie  in  eine  Gerade  über,  so  ist  M 
der  Mittelpunkt  für  alle  Paare  ÄÄ^  BB^  . . . ,  die  Entfernungen 
der  successiven  Punkte  M,  A,  B,  C .  .  .  sind  einander  gleich, 
und  M  und  der  in  unendliche  Ferne  gerückte  Punkt  P  sind 
die  Doppelpunkte  der  Involution  für  alle  jene  Paare.  Aber 
auch  jeder  andere  Punkt  des  Systems 

C       B       Ä      M     At      Bt      Cj 

I         I         I         I         I         I         I         I         I 

bildet  mit  P  zusammen  ein  Paar  von  Doppelpunkten,  sodass 
in  diesem  Falle  eine  Masseinheit  für  die  Entfernung  zweier 
Pimkte  nicht  gegeben  ist,  sondern  willkürlich  angenommen 
werden  kann. 

Es  lässt  sich  hiernach  überall  auf  einer  Geraden  die 
Gleichheit  zweier  (anstossender)  Strecken  als  harmonische 
Beziehung  ihrer  Endpunkte  auf  ein  Grundgebilde  (den  unend- 


-     10    — 

lieh  entfernten  Punkt)  betrachten,  wodurch  überhaupt  die 
Geometrie  des  Masses  auf  einer  Geraden  der  Geometrie  der 
Lage  untergeordnet  wird.  Dieser  Umstand  hängt  genau  mit 
dem  Resultat  des  vorigen  Abschnittes  zusammeu,  wonach  die 
Strecke  als  specieller  Fall  des  Punktes  erschien.  —  Auch  der 
in  die  gegenwärtige  Untersuchung  eintretende  unendlich 
entfernte  Pmikt  lässt  sich  leicht  auf  eine  Strecke  zurück- 
führen. Wenn  nämlich  Ä,  A^,  M,  P  harmonische  Punkte  sind, 
so  ist  („Rauml."  Nr.  169) 

(P  _  ^)  =  A  (P  —  ^i) ;     {Ä  —  M)  =  X{M—  A^) 
oder: 

P{l—X)  =  A  —  lAy]     M{]  -^  X)  =  A-\-  kA^. 

Wird  nun  A  =  1 ,    d.h.  rückt  P  in  unendliche  Ferne, 


so  ist 


P.O  =  A  —  Jr,    ^  = 


A  +  A 


d.  h.   der  unendlich   ferne  Punkt  P  ist  gleichbedeutend   mit 
der  Strecke  A  —  A^  . 

Anmerkung.  Der  Inhalt  dieses  Abschnittes  fällt  im  Wesentlichen 
zusammen  mit  der  Theorie  des  analytischen  Ursprungs  der  metrischen 
Relationen,  wie  sie  (nach  Cayley)  in  den  „Elem.  d.  neueren  Geom." 
von  P'iedler  S.  217  ff.  gegeben  ist.  Doch  sind  einige  Kunstausdrücke 
weggelassen,  die,  auf  die  Gerade  bezogen,  noch  keine  Bedeutung 
haben.  Der  Uebergang  von  der  vorliegenden  Darstellung  zu  derjenigen 
mittelst  der  modernen  Algebra  erfolgt  durch  die  Substitutionen: 

«1  ==  ßi^i  +  yi^2 ;    f2  =  ßa«!  +  72^2 ; 

Hierdurch  gehen  zunächst  die  Werthe  von  x  und  y  über  in: 

^  =  ^'l  «1  +  «2  ^2  ;         2/  =  Vi  f  1   +  2/2  f2. 

Setzt  man  ferner: 

ßi"^  +  yi^  =  «1 1 ;    ßa*  +  72^  ==  «22 ; 

ßlß2  +  7172  =  «12  > 

so  ist  zunächst 

(flfa)^  =  ißiY2  —  71/^2)^  =  «U«22  —  «12*- 

Setzt  mau  endlich  noch 


so  nehmen  die  in  den  Formeln  (1)  enthaltenen  Ausdrücke  folgende  Ge- 
stalt an: 


11 


^i^  +  ^2^  =  «11*1^  +  201,2^;,  .rj  +  a-iiXi^  =  ax'^ 

Fl'  +  Ma^  ==  «llZ/l^  +  2  «,22/1^/2  +  «222/2^  =  «2/^ 
^iFl  +  ^(^2  =  «n^'l^l  +  ßl2  (•^■l2/2  +  «2  2/l)+  «22't"2y2  =   « «  •  2/ 
(^1>"2  -    ^2"l)^  =  (Cfll0r22  —  «12^)  •  («l2/2   —  a^2  2/l)'^ 

=  (fi  £2)^  •  G'»i2/2  —  sCzVi)-  =  0^2/)^  • 
In  diesen  Formeln  bedeutet,  wie  auch  aus  der  Rechnung  erhellt,  x.y 
das  algebraische,  dagegen  (xy)  das  äussere  Product  der  Grössen  x  und 2/. 
Setzt  man  diese  Werthe  in  den  Formeln  (1),  (2),  (3)  ein^  so  lauten 
dieselben: 

(xy) 


(1) 


[sin  & 


cos  &  = 


Vu  X-  .  y OL  y^ 
ax  .y 


Vu  x^  •  Vcc'y^ 

(2)  (xy)  =  0  ; 

(3)  ccx.y  =  0. 

Man  kann  nun  direct  zeigen,  dass  (2)  und  (3)  die  Doppelelemente 
der  Involution  für  alle  in  einer  der  Gleichungen  (1)  enthaltenen  Paare 
sind.    Zunächst  sind  für  die  beiden,  durch 

ax'  =  0;      ßx^  =  0 
ausgedrückten  Paare  die  Doppelelemente  der  Involution  gegeben  durch 
die  Gleichung 

[ax.(^i  +  F,)]  [ßxlei+F,)]  =  0 

{ax  .  Si)  (ßx .  fo)  —  {ccx  .  fo)  (ßx  .  f  1)  =  0 


oder: 
oder : 


(«11^12  —  «12^11)  ^1'^  +  («lifo   —   f^nßli)  ^'l«2  +  («12  fe  —   0^22^12)  ^2'  =  0- 

Ist  nun  ßx~  ein  vollständiges  Quadrat,  so  bezeichnet  es  ein  Paar  zu- 
sammenfallender Elemente;  und  setzt  man  für  diesen  Fall 

ßii  =  !/2^;   ßi2  =  —  yiy2;    ß22  =  yi^; 

also 

ßx^  =  {Xiy2  —  Xji/,)-  =  0, 

80  geht  die  letzte  Gleichung  über  in 

«1 1 2/1 2/2  —  «1 2  i/2^)  «^1^  +  («11  »/l^  —  «22  2/2^)  '-^1 '^'2  +  (0:1 2  2/1^  +  «22  2/1  2/2)  ^2^  =  0 

Jder : 

(^i2/2  —  yiX2)  [«n^^iyi  +  ^12  i^^'iyz-h  yiXi)  +  0^22 a;2 2/2]  =  0. 

Mese  zerfällt  also  in  die  Gleichungen  (2)  und  (3);  mithin  bezeichnen 
lieselben  die  Doppelelemente  der  Involution  für  die  Paare  ax^  =  0 
id  ßx^  =  0.    Legt  man  statt  dieser  Paare  die  folgenden  zu  Grunde: 

(a-Jr  Iß)  x^  =  0;     ßx'^  =  0, 
bleibt,  wie  leicht  zu  sehen,  die  Gleichung  der  Doppelelemente  un- 
jeändert;  mithin  sind,  wenn  l  sich  ändert,  auch  alle  durch  (a-\-lß)x'^  =  0 
ausgedrückten  Paare    mit   den  Doppelelementen   harmonisch.    Ersetzt 
lan  schliesslich  die  Variable  X  durch  d-  so,  dass 


-     12     — 

^  ^ (f  1  ^2)'    ^ (.dx-yf 

aiß  sin  -9-  o:?/^  (^1^/2  —  •'^22/1)^  cos  ^^  ' 

so  geht  die  Gleichung  (a  +  ^  ^)  -^^  =  0  nach  Auswahl  in  eine  der  For- 
men (l)  über. 
Ist  speciell 

(f,,-,)  =  0  , 

so  siud  die  Strecken  Si  und  fj  parallel,  die  Kreislinie  geht  in  eine  Ge- 
rade über,  und  man  kann  setzen: 

woraus  folgt: 

« X"-  =  (2 A-i  —  IJX2)'';      0!lf  =  {q ili  —.p tjz)'^  ; 
ax.y=   qxi  —  px^)  (qyt  —  pi/,'^  ;     (xy)  =  0. 

Wenn  nun  die  Fusspunkte  aller  Strecken  auf  der  Geraden  mit  den- 
selben Buchstaben,  wie  die  Strecken  bezeichnet  werden,  so  kann  mau 
unter  dieser  neuen  Voraussetzung  (t, f2)  =  1  setzen,  und  &  für  s\n9. 
Mau  erhält  also: 

Q,  __  ^'1^2       ^2!/] 

(3x1  —PX2)  [qyi  —py^) 

Wenn  wir  nun  die  Formel  x  =  x^  f j  +  x^  ^2  in  folgender  Gestalt 
schreiben: 

X  =  Xi  (fi  —  fg)  +  G^'l  +  ^'2)   f2  > 

oder  da  x^  -\-  Xi=  \  ist, 

X  =  x^  (fj  —  fa)  +  ^2 . 

so  sieht  man,   dass,  wenn  wir  Xj  =  1  setzen,  dann  iCj  die  Entfernung 
der  Punkte  x  und  s^  bedeutet,  gemessen   durch   die  Strecken-Einheit 

(«1  —  ^2)- 

Da  der  Punkt  ax  .y  =^  0  jetzt  in  unendliche  Ferne  gerückt  ist,  so 
muss  sein 

Xi  :  X-i  =  p  :  q  =  OC  \ 
man  kann  also  setzen: 

jj  ==  1  ;     q  =  0;     ^2  =  1  ;     i/,  =  1  . 
Dann  folgt: 

^  =  '''1  —  'Ji 
wodurch   der   gewöhnliche   Ausdruck   der   Entfernung   zweier   Punkte 
(durch  ihre  Coordiuaten)  hergestellt  ist. 

Da  endlich  {x—y)=-  {x^  —  2/1)  (fi  —  ^2) ;  {x  —  y)y=  [x^  —  y^)  (ei  f^) 
ist,  so  folgt: 

{xy)  =  {Xi  —  yi)  =  &, 

übereinstimmend  mit  der  Entwickelung  des  Textes. 

Die  grössere  Einfachheit  der  letzteren  erklärt  sich  daraus ,  dass  die 
dort  befolgte  Methode  von  selbst  auf  die  canonische  Form  ^j*  -|-  Aj" 
führt,  welche  in  der  Anmerkung  erst  durch  Transformation  in  die  all- 
gemeine ax^  verwandelt  wurde. 


—     13     — 

3.    Die  Curve  als  Funktion  eines  variablen  Punktes. 

In  der  „Raumlehre"  (143  ff.)  ist  eine  Curve  durch  ein! 
gleich  Null  gesetztes  planimetrisches  Product  ausgedrückt 
worden,  und  es  ist  (146,  148—150)  gezeigt  worden,  wie  die- 
ses Product  in  eine  Zahlengleichung  zwischen  den  (auf  ein 
beliebiges  System  bezüglichen)  Coordinaten  des  beweglichen 
Punktes  verwandelt  werden  kann. 

Die  Grösse,  von  welcher  diese  Zahlengleichung  aussagte, 
dass  sie  gleich  Null  sei,  wurde  später  (164)  eine  Funktion 
der  Coordinaten  genannt,  und  da  diese  Funktion  vermittelst 
constanter  Zahlen  aus  den  algebraischen  Producten  der  Coor- 
dinaten abgeleitet  wurde  (welche  Producte  hierbei  als  Ein- 
heiten höheren  Grades  erschienen),  so  wurden  dem  entspre- 
chend die  Curven   als   zusammengesetzte  Grössen   betrachtet. 

Hierdurch  wurde  einerseits  der  Fortschritt  gemacht,  dass 
die  Curve,  welche  vorher  nur  als  Bewegungsresultat  eines 
von  festen  Punkten  und  Geraden  abhängigen  Punktes  er- 
schien, nunmehr  in  die  Reihe  der  selbständigen  geometrischen 
Gebilde  eintrat,  und  als  allgemeineres  Gebilde  der  geraden 
Linie  übergeordnet  wurde.  —  Andrerseits  aber  wurde  ein 
Rückschritt  dadurch  gemacht,  dass  die  algebraische  Gleichung, 
welche  dieses  neue  Verhältniss  der  Curve  ausdrückte,  mit  den 
Coordinaten  behaftet  wurde,  wodurch  dieser  neue  Ausdruck 
der  Curve  in  Abhängigkeit  von  einem  ihr  ganz  fremden  Ele- 
ment, dem  Coordinatensystem ,  gerieth.  Dahingegen  hatte 
das  planimetrische  Product  nur  die  zur  Construction  der  Curve 
erforderlichen  Elemente  nebst  dem  sie  beschreibenden  variablen 
*unkte  enthalten. 

Ein  andrer  Rückschritt  fand  dadurch  statt,  dass  der  eine 
variable  Punkt  des  Productes  durch  mehrere  variable  Co- 
)rdinaten  in  der  Gleichung  ersetzt  wurde. 

Es  ist  demnach  zunächst  unsere  Aufgabe,  jenen  Fort- 
ächritt  auszuführen  unter  Vermeidung  dieser  Rückschritte. 

Es  sei  X  ein  aus  den  drei  Einheiten  e^e.^e.;^  abgeleiteter 
'unkt,  sodass 

'^enn  dieser  Punkt  erstens  auf  der  Geraden  a  liegt,  so  wird 
Idies  ausgedrückt  durch  die  Gleichunsr 


—     14    — 

(1)  ccx  =  0 

oder: 

(2)  x^aei -{- X2cce2 -\- x^ae^  =  0. 
Nun  ist 

daher : 

ax  =  uCy  {x\e^  -j-  «63  (^^2)  +  "^3  (^1%)  =  ^• 
Wenn  ferner 

(3)  a  =  «j  I  e^  -|-  «2 1  ^2  ~h  ^3 1  ^3 
ist,  so  hat  man 

(4)  e^a  =  a^\     c^a  =  a^]     e^a  =  a^\ 
folglich : 

(5)  ax  =  a^{x\ei)  -\-  a.,{x\e.2)  ~\-  a^(x\e^)  =  0. 

Man  kann  nun  auf  der  rechten  Seite  dieser  Gleichung 
den  gemeinsamen  Factor  x  heraussetzen,  vorausgesetzt,  dass 
man  die  Stellen,  wo  er  herausgenommen  ist,  bezeichnet. 
Wenn  diese  Bezeichnung  durch  Einsetzung  des  Buclistabens  ? 
[Lücke)  geschieht,  so  hat  man 

«^  =  [«1  (^ki)  +  «2  (^ !  ^2)  +  «^3(^1 63)]  ^ ; 

also 

(6)  a  =  a^(l\  61)  +  «2  (^1  ^2)  +  «3  G!  63) . 

Dieser  Werth  für  a  ist  mit  dem  durch  (3)  gegebenen 
identisch;  denn  die  l  sagen  nur  aus,  dass,  wenn  a  mit  x  multi- 
plicirt  wird,  an  Stelle  jedes  l  ein  x  zu  treten  hat.*) 

Setzt  man  in  der  Gleichung  x^ae^  -\-  x^ae^  -\-  Xr^ae.^  =  0 
die  oben  gefundenen  Werthe  für  e,  a,  e^cc,  c^a ,  so  erhält  man 
die  gewöhnliche  Gleichung  der  Geraden  in  homogenen  Co- 
ordinaten : 

(7)  x^a^  +  ^2^2  +  ^3^3  "^  ^• 

9.  Diese  Betrachtungen  mögen  nun  zweitens  erweitert  wer- 

den auf  den  Fall,  dass  x  auf  einer  Curve  2.  Grades  liege. 


*)  Man  kann  aucli,  was  für  viele  Untersuchungen  bequemer  ist,  die 
Lücke,  statt  durch  Z,  durch  irgend  eine  extensive  Variable,  namentlich 
durch  X  selbst  bezeichnen;  im  letzteren  Falle  zeigt  Formel  (6),  dass 
dann  a  und  ax  (allgemein  a  und  axn)  dasselbe  bedeuten.  Von  dieser 
Bezeichnung  wird  später  Gebrauch  gemacht  werden.  —  S.  auch  Mathem. 
Ann.  Bd.  7.  S.  543  unten. 


—     15     — 

Die    Gleichung    einer    solchen,    durch    die    5   Elemente 
A,  b,  C,  d,  E,  bestimmten  Curve  ist  („Raumlehre"  147): 

{xAhCdEx)  =  0, 
oder,  wenn  man  nach  obigem  Grundsatze  die  beiden  Faetoren 
X  herauszieht,  und  durch  l  ersetzt: 

{lAhCdEl)x''-  =  0, 
worin  x'^  wie  immer  das  algebraische  Product  der  Grössen  x 
und  X  bedeutet. 

Bezeichnen  wir  die  Klammergrösse  mit  a,  sodass 
a^{lAhCdEl), 
so  sagt  die  Gleichung 

(1)  ait;2  =  0, 

dass  der  Punkt  x  auf  der  Curve  liege.    Ersetzt  man  x  durch 
seinen  Werth,  so  folgt  weiter: 

(2)  ax^-e^'  -\-  ax^-e.^^  -\-  ax.^^e.^^ 

-f-  2ax^x^e^e.2  "f"  ''^ocx^x^e^e^  -\-  2ax.^x^e.^e^  =0. 
Setzt  man  nun  analog  der  obigen  Betrachtung: 

,        (3)  «  =  «11  I  ßi^  +  «22  I  ^2^  H-   «33  I  h'^ 

+  2  «12  1(^1  Co)   +  2^231  (^2^3)  +   2  «31  1(6361), 

SO  folgt: 


(«11 
|«i5 


f  1    5     «22  —  cc  .  62  ;     «33  —  a  .  e^'  5 


(4) 

"^  ~i2  =  « •  (^1 62) ;    «23  == « •  (^263) ;    «31  =  « •  (63^1). 

Setzt  man  diese  Werthe  und  diejenigen  für  x^,  x^,  x^  in  der 
Hauptgleichung  ein,  so  folgt: 

(5)        ax"^  =  «11  {x\ej^  -(-  «22(^^2)^  +  «33  (^ka)^ 
+  2«i2(^"ki)(^k2)  +  2«23(^|e2)(^k3)  +  2o:3i(^|e3)  {x\e^)  =  0. 
Zieht  mau  endlich   hier  den  Factor  x-  auf  der  rechten  Seite 
heraus,  so  bleibt: 

(6)        «  =  «11  (^ko^  +  «22(^1^2)^  +  «33(^1^3)- 

+  2a,,  {l\e{)  (le,)  +  2a,,  {l\e.,)  {l\e,)  +  2a,,  {l\e,)  {l\e,)  =  0. 
Dieser  Ausdruck  stimmt  mit  dem  oben  für  a  gegebenen  voll- 
kommen überein,  da  (nach  „Raumlehre"  Nr.  143) 

I  \^p  ^1 )  ^^^  \^p  '  \^i 
ist. 

Setzt  man  in   der  Hauptgleichung  nur  die  Werthe    für 
«^1^  «^2~>  ^^^'  ^^^;  ^^  lautet  sie: 


—     16     — 

Und  dies  ist  die  gewöhnliche  Gleichung  der  Curven  2.  Grades 
in  homogenen  Coordinaten. 

Es  ergiebt  sich  nun  aus  diesen  Betrachtungen,  dass  a 
jetzt  ebenso  eine  Curve  2.  Grades  repräsentirt,  wie  vorhin 
eine  Gerade.  Und  ebenso,  wie  ein  Punkt  aus  drei  Punkten 
(Grössen  1.  Grades  und  1.  Stufe),  und  eine  Strecke  aus  drei 
Strecken  (Grössen  1.  Grades  und  2.  Stufe)  abgeleitet  werden 
konnte,  so  kann,  wie  die  Ausdrücke  für  a  zeigen,  eine  Curve 
2.  Grades  aus  6  anderen  Grössen  2.  Grades  und  2.  Stufe,  d.  h. 
aus  6  anderen  Curven  2.  Grades  abgeleitet  werden.  Im  vor- 
liegenden Falle  insbesondere  sind  diese  6  Curven  die  Linien- 
paare des  Dreiecks  (^,6263): 

(6^62),  (61^2)5     (^2*^3);  (^2^3)?     (^3^1)7  (^3^1)1 
(6162)7  (62^3)5     (^2^3)7  (^3^1)5     (^3%)>  (^1^2)5 
weil  nämlich 

I  Cj  =  ^2  63 ;     j  ^2  "^^  ^3  ^1 1     I  ^3  ^^  ^1  ^2 
ist. 

Die  Gleichung 

genügt  nun  vollständig  den  im  Anfang  dieser  Betrachtung 
gestellten  Anforderungen.  Sie  enthält  einerseits  die  Curve  a 
als  selbständige  Grösse,  unabhängig  von  den  erzeugenden 
Elementen  Ä,  h,  C  etc.;  und  diese  Grösse  a  stellt  sich  durch 
ihre  Einfachheit  der  Geraden  a  an  die  Seite.  Sie  enthält 
andrerseits  ausser  der  Curve  nur  den  sie  beschreibenden  Punkt 
X  als  einzige  Variable,  und  es  kann  von  ihr  ebenso  leicht 
"^  wie  von  dem  planimetrischen  Producte  zu  jeder  Coordinaten- 
gleichung  übergegangen  werden,  nämlich  vermittelst  der 
Gleichungen : 

ue^"^  =  a^^\  «(gjg^)  =  «125  ßtc, 
IQ.  Die  Betrachtungen  der  vorigen  Nr.  lassen  sich  nun  sofort 
auf  Curven  beliebigen  Grades  ausdehnen.  Da  (nach  „Rauml," 
Nr.  151)  jede  algebraische  Curve  n.  Grades  sich  durch  ein 
plauimetrisches  Product  ausdrücken  lässt,  welches  den  Factor 
X  nvndX  enthält,  so  wird,  wenn  man  x^  heraussetzt,  und  das 


—     17     - 

übrigbleibende,  n  Lücken  enthaltende  Product  mit  a  bezeich- 
net, die  Gleichung  der  Curve  die  Form  annehmen: 

ax""  =  0. 
Man  findet  dann  weiter,  dass  allgemein 

^{^l^  ^2^^/)  =  "lU  •  •  •  (7^)222  •  •  •  •  (9)333  '  '  •  •  {r) 

ist,   WO  z.  B.  11,  .  .  .  .  {p)  bedeutet,   dass  der  Index  1  j^mal  zu 
setzen  ist,  und  wo 

2)  -{-  q  -{-  r  =  n. 

Diese  Substitutionen,  verbunden  mitrc  =  ;r|  ej-|-^2^2"l~^3^3; 
verwandeln  die  Gleichung  ax'^  ^=  0  in  die  allgemeine  homo- 
gene Gleichung  n.  Grades  zwischen  x^ ,  x.^ ,  x.y 

Es  ist  endlich  klar,  dass  dieselben  Betrachtungen  gelten, 
wenn  x  statt  aus  drei ,  aus  einer  anderen  Anzahl  von  Punkten 
abgeleitet  ist.  Die  Zahl  dieser  Punkte  (Einheiten)  ist  jedes- 
mal festzustellen,  bevor  man  sich  der  Form  ax'"'  bedient. 

Anmerkung.  Die  im  Vorstehenden  angewendete  Bezeichnung 
einer  homogenen  Funktion  w,  Grades  durch  ax^  findet  sich  zuerst  in 
einem  Aufsatze  von  H.  Grassmann  in  den  „Göttinger  Nachrichten"  (1872 
Nr.  28).  Diese  Bezeichnung  ist  äusserlich  von  der  durch  Aronhold 
eingeführten  „symbolischen  Bezeichnung"  a^  kaum  verschieden.  Um 
so  grösser  ist  der  in  dem  inneren  Wesen  der  beiden  Ausdrücke  lie- 
gende Unterschied.  Der  letztere  Ausdruck  ist  eben  nur  eines  jener 
zahlreichen  Symbole,  welche  die  moderne  Algebra  erfindet,  um  die 
jeweiligen  Bedürfnisse  nach  einer  abgekürzten  Bezeichnung  zu  befrie- 
digen, welche  aber  immer  nur  besonderen  Zwecken  dienen  können,  da 
ihre  Formen,  dem  Bedürfnisse  des  Augenblickes  angepasst,  jeder  tie- 
feren Begründung,  und  somit  jedes  inneren  Zusammenhanges  imter- 
einander  entbehren.  —  Dahingegen  ist  der  erste  Ausdruck  (aa;"),  -wie 
vorstehend  gezeigt,  ein  aus  den  Prinzipien  der  Ausdehnungslehre 
heraus  gebildeter,  und  seine  Form  ist  nicht  eine  willkürliche,  sondern 
eine  nothwendige. 

4.  Die  Multiplication  der  Raumgrössen. 

Nachdem  mit  der  in  der  vorigen  Untersuchung  auftreten- 11. 
den  algebraischen  Multiplication  der  Raumgrössen  die  Reihe 
der  in  der  Raumlehre  auftretenden  Multiplicationen  erschöpft 
ist,  kommt  es  darauf  an,  auch  für  diese  verschiedenen  Ope- 
rationen den  systematischen  Zusammenhang  festzustellen. 
Wenn  die  Untersuchung  sich  an  dieser  Stelle  nur  auf  drei 
Einheiten  bezieht,   so   mag  von  vornlierein  bemerkt  werden, 

Schlegel,  Elemente.  2 


-     18    — 

dass  in  ihrem  Gange  durch  Einführung  einer  beliebigen  An- 
zahl von  Einheiten  keine  Aenderung  verursacht  wird. 

Wenn   zwei   Grössen  a  und  h   aus    den  Einheiten  Cjej^s 
durch  die  Gleichungen  abgeleitet  sind: 

a  =  aiei  +  «2^2  +  «3^3; 

worin  die  Grössen  a  und  ß  reelle  Zahlen  sind,  so  verstehen 
wir  im  Allgemeinen  unter   dem  Producte  {ah)  den  Ausdruck 

(ah)  =  ai/3i(eiei)  +  «ilSjC^i^)  +  «1^3(^1%) 
+  «2/51(^2^1)  +  «2^2(^262)  +  «2^3(^2  «3) 
+  «3^1(63^1)  +  «3/^2(63^2)+  «3  ^3(^3^3)  • 
Besondere  Arten   von   Multiplication   werden  nun   durch 
Aufstellung  besonderer  Bedingungsgleichungen  zwischen  den 
Producten  der  Einheiten  entstehen. 

Die  allgemeine  Form  einer  solchen  Bedingungsgleichung 
ist 

(1)  «nC^i^'i)  +  0^12(^1^2)  +  «13(^^1 63) 
+  «2i(ß2<^i)  +  «22(^2^2)  +  «23(^263) 

.  +  «31(^3^1)  +  «32(^3^2)  +  «33(^3^3)  =  0*). 
Diese  Form  lässt  sich  nun    durch  Aufstellung  gewisser, 
von  ihr  zu  erfüllender  Forderungen  specialisiren. 

1. 

12.  a)  Damit  die  Bedingungsgleichung  (1)  sowohl  für  positive 

als  für  negative  Werthe  der  Einheiten  gelte,  muss  sie  un- 
geändert  bleiben,  wenn  man  einer  der  Einheiten  {z.  JB.  e,) 
überall  das  entgegengesetzte  Zeichen  gieht.  Gleichzeitig  mit  (1) 
muss  also  gelten: 

(2)  «ii(ciet)  —  «12(61^2)  —  «13(^1^3) 

^2\\^2^\)     l~  ^22\^2^2/  "I      '''23i^2^3/ 
—  «31  («3  f  1)  +  «32  (%  ^2)  +  «33  (63  63)  =  0  . 

(1)  +  (2)  giebt: 

(3)  «1 1  (Ci  C, )  +  «22  (^2  «2)  +  «33  («3  «3)  +  «23  («2  ^3) 

+  «32  (<^3  C-l)  =  0  . 

*)  Ueber  die  genügende  Allgemeinheit  dieser  linearen  Gleichung 
vgl.  den  in  der  Anmerkung  zu  diesem  Abschnitt  citirten  Aufsatz. 


~     19    — 

(1)  -  (2)  giebt: 

(4)  «,2(^162)  +  «21  («2^1)  +  «13(^1  6;,)  +   «31(^3^1)  =  '^• 

Ersetzt  man  in  (3)  und  (4)  c^  durch  —  e^,  so  folgt : 

(5)  «1 1  (e,  Ci)  +  «22  (^2  ^2)  +  C^33  («3  «3)   -   «23  (^2  ^3) 

—  «32(6362)  =0. 

(6)  —  «12  (^1  «2)  —  «21  (^2^1)  +  «13  (^1^3)  +  «31  (^3^1)  =  0. 

(3)  +  (5)  giebt: 

(7)  «nCeiCi)  +  «22(^2^2)  +  «33(6363)  =  0. 

(4)  _  (6)  giebt: 

(8)  «12(6162)  + «21(6261)  =  0. 

Aus  (8)  erhält  man  durch  circuläre  Vertauschung  der 
Indices  1,  2,  3  zwei  weitere  Gleichungen  derselben  Form,  die 
man  sonst  auch  durch  die  Rechnungen  (3)  —  (5)  und  (4)  -|-  (6) 
finden  würde. 

Ersetzt  mau  in  (7)  und  (8)  63  durch  —  63 ,  so  bleiben  diese 
Gleichungen  uugeäudert. 

Soll  demnach  eine  Multiplication  der  in  a)  aufgestellten 
Forderung  genügen,  so  müssen  ihre  Bedingungsgleichungen 
die  Form  der  Gleichungen  (7)  und  (8)  haben. 

b)  Damit  alle  Einheiten  von  gleicher  Bedeutung  seien, 
muss  eine  jede  Bedingungsgleichung  ungeändert  bleiben, 
tvenn  man  darin  zivei  beliebige  Einheiten  {z.  B.  e^  und  e.^  mit 
einander  vertauscht. 

Gleichzeitig  mit  (7)  und  (8)  müssen  also  folgende  Glei- 
chungen gelten,  die  man  durch  Vertauschung  von  e^  und  e^ 
aus  jenen  erhält: 

(9)  «,  1  (62  ^2)  +  «22  {'\  6, )  +  «33  (63  63)  =  0 . 

(10)  «,2  (62  Cj)  +>2 ,  (e,  ^2)  =  0 . 
(7) -(9)  giebt: 

(11)  («1 1  —  «22)  (61 61  —  63  62)  =  0  7 

woraus   durch   circuläre  Versetzung  der  Indices  zwei  weitere, 
den  Vertauschungen   von   ßj  ^^  63,    und  von  gg  mit  e^   ent- 
sprechende Gleichungen  folgen. 
(7)  -f  (9)  giebt: 

(«11  +  «22)  (616,  +  6362)  +  ^«33(6363)  =  0, 

2* 


—     20     — 

woraus  man  durch  dasselbe  Verfahren  wie  bei  (11)  noch  ab- 
leitet : 

(«22  +  «33)  (^2^2  +  «3^3)  +  2a^^{e^e^)  =  0. 

(«33  +  «11)  (^63  +  ^1^,)  +  2  «22  (^2^2)  =  0. 
Die    letzteren  drei  Gleichungen   geben    addirt,    mit  Be- 
rücksichtigung von  (7): 

(12)  {a^^  -f  «22  +  «33)  (^161  +  €.,6^  -f  ^363)  =  0.  ^ 
(8)  +  (10)  giebt: 

(13)  («12  +  «21)  («1  ^2  +  ^2^1)  =  0. 
(8) -(10)" giebt: 

(14)  {a^^-'a,i){e^e.,-e,e^)  =  0. 

Aus  (13)  und  (14)  folgen  je  zwei  weitere  Gleichungen 
ebenso  j  wie  aus  (11). 

Soll  demnach  eine  Multiplication  den  in  a)  und  b)  auf- 
gestellten Forderungen  genügen,  so  müssen  ihre  Bedingungs- 
gleichungen die  Form  der  Gleichungen  (11),  (12),  (13),  (14) 
haben. 

Da  jede  dieser  vier  Gleichungen  durch  zwei  verschiedene 
Annahmen  (nämlich  durch  Null-Setzung  des  einen  oder  des 
anderen  Factors)  befriedigt  werden  kann,  so  giebt  es  im 
Ganzen  2^  =  16  Gruppen  von  Annahmen,  durch  welche  alle 
vier  Gleichungen  befriedigt  werden.  Es  giebt  demnach  16 
verschiedene  Multiplicationsgattungen ,  welche  den  in  a)  und 
b)  gestellten  Forderungen  genügen.  Und  da  diejenigen  Be- 
dingungsgleichungen, durch  welche  der  erste  (kein  e  ent- 
haltende) Factor  einer  Gleichung  gleich  Null  gesetzt  wird, 
zur  Characterisirung  der  Multiplication  nichts  beitragen,  so 
kann  man  sagen,  dass  die  Bedingungsgleichungen  jener  16 
Multiplicationsgattungen  gefunden  werden,  wenn  man  von 
den  vier  Gleichungen: 

(^^i^i)  —  (^2^2)  =  *^- 

(e,e,)  +  (63^2)  +  (('.^e.;)  =  0. 

(6162)  — (^2^1)  =0 

auf  alle  Arten   entweder  keine,   oder  eine,   oder  zwei,   oder 
drei,  oder  vier  herausnimmt.     Es  mebt  demnach 


—    21     — 

1  Multiplicatioii  mit  0  Bediugimgsgleiehuiigeu. 
4  1 

"  ;>  »2  „ 

4  Q 

^  ;>  ?>     *^  >j 

1  4 

Man   kann  alle   diese   Multiplicationen   mit  dem   Namen 
symmetrische  M.  bezeichnen. 

2. 

Da  die  aus  den  Einheiten  abgeleiteten  Grössen  mit  den  13. 
Einheiten  selbst  von  einerlei  Beschaffenheit  sind  (und  zwar 
sowohl  in  der  Raum-  wie  in  der  Zahlenlehre),  so  kann  man 
zur  weiteren  Characterisirung  einer  Multiplication  die  For- 
derimg stellen,  dass  die  2iüischen  den  Einheits-Productcn  be- 
stellenden Bedingungsgleichungen  auch  zivischen  den  aus  ihnen 
abgeleiteten  Grössen  gelten. 

Beschränken   wir   diese  Forderung  vorläufig   auf  2  Ein- 
heiten.    Dann  sollen  die  vier  Gleichungen: 

(2)  e, e^  -f  6361  =  0  [=  e^e.,  -\-  e^e^  =  e^e^  +  t-, 63] 

(3)  e,e,  =  6362  [==6363] 

(4)  616,  +  ^2^2  +  ^3%  =  Ö 

noch  gelten,  wenn  man  statt  e,  und  Cj  resp.  setzt: 

Es  ist 

1)  ab  =  ba]  oder: 

^■i2/i  (^iCi)  +  ^12/2(61^2)  +  ^22/1  (^2^1)  +  x^jj^^{e^_e^) 
=  rK,?/i(eie,)  +  ^,2/2(6261)  +  ^22/1(6162)  +  ^22/2(^2^2). 
Da  nach  (1)  CiC.^  =  e^e^,  so  ist  diese  Gleichung  identisch. 

2)  a&-(-6a  =  0;  oder : 

2:r,?/i(e^e,)  +  2a;2^2(e2e2)  +  {^iVi  +  ^-zVi)  (^1^2  +  ^26,)  =  0, 
oder,  da  nach  (2)  (61*32)  +  (^2'^i)  =^  ^  i^^' 

^12/1(^16,)  +  x^y^{e,e,)  =  0. 

Da  die  Gleichung  (2)  auch   bei  beliebiger  Vertauschung  der 
Einheiten  besteht,  so  ist  auch 


-     22     — 

oder  durch  Subtraction  dieser  Gleichung  von  der  vorigen: 

^i!/i(ciei  —  6363)  =  0; 
d.  h. 

CjCi  ==  6363. 

Es  ist  also  die  Gleichung  (3)  eine  Folge  von  (2). 

3)  aa  =  6363;  oder: 

^3^3  "^^  "^i  \ß\^\)    \    ^2  (^2^2)  ~r  ^\  ^2\.^\  ^2    1    ^2^1) ) 
oder,  da  nach  (3)  (61^1)  =  (62^0)  =  (^3^3)  ^^t: 

0==  (e^ei)  (^1^+  0C2'  —  1)  +  x^x.,{eye2  +  e^e^). 
Setzen  wir  hierin  —  e^  statt  Cj ,  so  folgt : 

0  =  (e^e,)  {x^-  +  x^^  —  1)  —  x^x,{e^^e.^  +  e^e^), 
und  durch  Subtraction  dieser  Gleichung  von  der  vorigen: 

1      2  vi     2      I      ^*>  ^1  /  '         ^  ) 

d.  h. 

(61^2)  + (6261)  =  0. 

Es  ist  also  auch  die  Gleichung  (2)  eine  Folge  von  (3).  Mit- 
hin können  beide  Gleichungen  nur  zusammen  bestehen,  und 
sind  gleichbedeutend. 

4)  aa  -|-  6&  -}-  6363  =  0;  oder: 

(^1'  +  2/1')  (61^1)  +  (^2'  4-  ^2')  (^2^2) 

+  (^l*-2  +  2/1^2)  (61^2  +  6261)  +  (6363)  =  0. 

Nun  ist  nach  (4) 

(eie,)  +  (^'2^2)  +  (t'3e3)  =  0. 
Diese  Gleichung  von  der  vorigen  subtrahirt  giebt: 

{x,^  +  y,^  -  1)  {c, .,)  +  {x.^  +  y,^  -  1)  {e,e,) 

+  (^1^2  +  ^1^/2)  (ßl<?2  +  ^2^1)  =0. 

Nun  wird  (4)  nicht  geändert,  wenn  man  —  e^  statt  -f-  e^  setzt; 
also  erhält  man  auch  aus  der  letzten  Gleichung  die  gleich- 
zeitig mit  ihr  geltende: 

(^1^  +  Vr'  -  1)  {e,e,)  +  {x,-^  +  y,^  -  1)  {e,e,) 

—  (^1^2  +  ^12/2)   (^1^2   +  626,)  =  0. 

Durch  Subtraction  der  letzten  beiden  Gleichungen  folgt: 
(5)  {x^  x^  +  y^  2/2)  (ei  63  +  ^2  «i)  =  ^  • 


-     23    — 
Durch  Addition: 

(^1^  +  2/r-  -  1)  (^4Ci)  +  {X,'  +  y,'  -  1)  {c,e,)  =  0. 
Setzt  man  hierin  63  statt  e^  und  subtrahirt,  so  folgt: 

(6)  (^i^  +  !/.^-l)(^V'i-e3e3)  =  0. 

Setzt  man  dagegen  c^  statt  e^  und  subtrahirt,  so  folgt: 

(7)  (x,^  +  ?h'-'i){e,e,-c,e,)  =  0. 

Da  die  Geltung  der  Gleichungen  (2)  und  (3)  hier  nicht  vor- 
ausgesetzt wurde,  so  folgt  aus  den  Gleichungen  5)  6)  7): 

Betrachtet  man  in  diesen  Gleichungen  ?/,  und  y^  als  Unbekannte, 
so  findet  man  leicht,  dass  allen  Gleichungen  durch  die  Werthe 

^1  =  +  ^2 ;   !/2  =  ±  ^1 

genügt  wird.     Demnach  muss  sein 

(9)  ■  6  =  +  (^,e2  —  a;2C,); 

Dieselben  Werthe   für  y^  und  y.^    hätte   auch   das   combinirte 
System  (2)  (3)  geliefert. 

Es  genügen  hiernach  der  in  diesem  Abschnitt  aufgestell- 
ten Forderung  (dass  die  Bedingungsgleichungen  der  Multi- 
plication  fortbestehen,  wenn  man  statt  der  Einheiten  t'j  und  e.^ 
resp.  die  durch  die  Gleichungen  (9)  bestimmten  Grössen  a 
und  h  setzt)  nur  noch  8  von  den  16  symmetrischen  Multi- 
plicationsgattungen.  Man  erhält  die  Bedingungsgleichungen 
derselben,  wenn  man  von  den  drei  Systemen: 

^1^2  ^^^  ^2^1  ) 

12  ~l     2  I  "~~*     5      11  ^^   2  2  ^^~'   3  3 

^1^1  +  6362  +  6363  =  0 

auf  alle  Arten  entweder  keins,    oder  eins,   oder  zwei,   oder 

drei  herausnimmt.     Es  giebt  demnach 


*)  Diese  Gleichungen  fallen  aber  weg,  sobald  man  annimmt,  dass 
(2)  und  (3)  eine  Folge  von  (4)  seien,  eine  Annahme,  die  als  specieller 
Fall  des  nächsten  Abschnittes  erscheinen  wird. 


—     24     — 

1  Multiplication  mit  0  Bedinguugsgleichungen. 
^  1 

B  2 

Man  kann  alle  diese  Multiplicationen  mit  dem  Namen 
circuläre  M.  bezeichnen. 

Der  Grund  dieser  Benennung  liegt  darin,  dass  die  Be- 
dingungsgleichungen  dieser  Multiplicationen  ungeändert  blei- 
ben, wenn  man  zwei  ihrer  Einheiten  circulären  Aenderungen 
unterwirft.  (Vgl.  „Raumlehre"  Nr.  153.) 


14.  Nehmen  wir  schliesslich  an,  dass  die  zwischen  den  Ein- 

heits-Producten  bestehenden  Bedingungsgleichungen  noch  gel- 
ten, tvenn  man  statt  irgend  einer  Einheit  (z.  B.  e^)  eine  aus 
allen  Einheiten  abgeleitete  Grösse  a  setzt,  sodass 

Es  seien  die  Bediugungsgleichuugen  der  symmetrischen  Multi- 
plicationen mit  denselben  Nummern  bezeichnet,  wie  im  vori- 
gen Abschnitt.     Dann  soll  sein 

1)  «^2  =  ^2^  j  oder; 

Xi  (ßj  62)  -J-  X2  (^2  ^2)  ~T  ^3  (^3  ^2) 
=  Xi{e2ei)  -j-  it;2(e2ß2)  "1   ^3(^2^3)* 
Da  nun  nach  (1)  e^ßj^^^s^n  ^2  ^3  =  ^3  ^2?  ^^  ^^^  diese  Glei- 
chung identisch. 

2)  «^2  +  ^2^  =  0;  oder: 

^1(^1^2  +  Co^i)  +  2^:2(^262)  +  ^3(^362  +  6363)  =  0. 

Da  nun  nach  (2)  e^ej  +  ^2^1  =  ^1  ^3*^2  +  ^2^3  =  ^j  ^^  folgt: 

23^2(6262)  =  0; 
oder : 

(636^)  =  0. 

Ebenso  erhält  man,  von  ae^-]-  e^a  =  0,  oder  «6^  -f-  e^a  =  0 
ausgehend: 

(6363)  =  0;     (eyei)  =  0. 

Man  hat  daher: 

(cje^)  =  (6-262)  =  (6363); 
(eie,)  +  (^2^2)  +  (6363)  =  0; 


-    25    — 

d.  h.  die  Gleichungen  (3)  und  (4)  sind  eine  Folge  der  Glei- 
chungen (2). 

3)  aa  =  6262  =  e^ e^ ;  oder : 

^2^2  =  ^3^3  =^  ^1  {^i^iJ  "r  ^2  (^2<^2)  ~r  ^3  (^3^3) 
~r  ^i»''2(^i'^2  ~r  ^2^1)  "T  '^2*^3(^2^3  "I    ^3^2/  ~r  ^3^1  (%^i  ~r  '^'i^sj- 
Da  diese  Gleichung  für  jeden  Werth  von  x^,  X2,  x^  bestehen 
muss,  so  folgt: 

6]  c^  =  62  ^2  ==  63  C3  =  U  5     6j  ßj  -f-  62  ^2  ~r  ^3  ^3  ^^^  '-'  • 
e,  Cj  +  eo^i  =  0  ;     6363  +  ^362  =  0 ;     Cge,  +  6^63  =  0; 

d.  h.  die  Gleichungen  (4)  und  (2)  sind   eine  Folge  der  Glei- 
chungen (3). 

4)  aa  -\-  6262  -j-  e^e^  =  0-j  oder: 

^i'(ciei)  +  (^2'  +  1)  (^2^2)  +  W  +  1)  (6363) 
-j-  a;,  ^2 (^1  ^2  ~r ^2 ^1)  "1  ^2*^3 ('^2  ^3  "T  ^3 '^2) "r  ^3^1  (^3 ^1  "r  ^i ^3) ^^ ^• 
Aus  demselben  Grunde  wie  bei  3)  schliesst  man,  dass  die 
Gleichungen  (2)  und  (3)  eine  Folge  der  Gleichungen  (4)  sind. 
Es  genügen  hiernach  der  in  diesem  Abschnitt  aufgestell- 
ten Forderung  (dass  die  Bedingungsgleichungen  der  Multi- 
plication  fortbestehen,  wenn  man  statt  irgend  einer  Einheit 
eine  aus  allen  Einheiten  abgeleitete  Grösse  a  setzt)  nur  noch 
4  von  den  16  symmetrischen,  oder  von  den  8  circulären 
Multiplicationsgattungen.  Man  erhält  die  Bedingungsglei- 
chungen derselben,  wenn  man  von  den  zwei  Systemen: 

Cj  62  =  62  61 5 

6,62  +  ^261=0;    6,61  =  62^2  =  63^3;    6161+6262-1-6363  =  0 

auf  alle  Arten  entweder  keins,   oder  eins,   oder  zwei  heraus- 
nimmt.    Es  giebt  demnach 

1  Multij)lication  mit  0  Bedingungsgleichungen. 

^  }}  }}     ^  >} 

1  ;;  )>      ^  }f 

Mau  kann  alle  diese  Multiplicationen  mit  dem  Namen 
lineale  M.  bezeichnen. 

Der  Grund  dieser  Benennung  liegt  darin,  dass  die  Be- 
dingungsgleichungen dieser  Multij)licationen  ungeändert  blei- 
ben, wenn  man  irgend  eine  ihrer  Einheiten  einer  linealen 
Aenderung  unterwirft.  (Vgl.  ,, Raumlehre"  Nr.  31.) 


26 


15.  Die  linealen  MuUiplicationen.  —  Von  den  vier  hierher  ge- 
hörigen Gattungen  kann  diejenige  ohne  Bedinguugsgleichungen 
ausgeschlossen  werden,  da  sie  in  der  Raumlehre  keine  An- 
wendung findet.  Dasselbe  gilt  von  derjenigen  mit  ^wci  Sy- 
stemen von  Bedingungsgleichungen,  weil  in  ihr  alle  Producte 
gleich  Null  sind.     Es  bleiben  daher  übrig: 

1.  Die  algebraische  Midtiplication  mit  der  Bedingung: 

2.  Die  äussere  Multiplication  mit  den  Bedingungen: 

^1^2  "T  ^h^'i  """^  -  5     '-'i^i  =  C2e2  =  e^e^  =  ö . 

Die  Bildung  ihrer  Producte,  auf  Raumgrössen  übertragen, 
geschieht  mit  Hilfe  des  Lineals,  und  die  Bewegung,  welche 
diesen  Productbiidungen  entspricht,  ist  die  Schiebung. 

Die  circulären  MuUiplicationen.  —  Von  den  acht  hierher 
gehörigen  Multiplicationen  sind  die  vier  linealen  bereits  be- 
trachtet. Von  den  übrigbleibenden  finden  zwei  (mit  den  Sy- 
stemen (2)  (3)  resp.  (4))  keine  Verwendung  in  der  Raumlehre. 
Die  anderen  (mit  den  Systemen  (1)  (2)  (3)  resp.  (1)  (4))  sind 
dagegen  bekannt;  nämlich: 

3.  Die  innere  Multiplication  mit  den  Bedingungen: 

4.  Die  complexe  Multiplication  mit  den  Bedingungen: 

Die  letztere  bezieht  sich  auf  die  Werthe: 

ßj  =  1 1     62"=^^? 
welche  den  Bedingungsgleichungen  ebenso  genügen,  wie  zwei 
complexe  Zahlen  a  -\-  bi  und  b  —  ai,  die  man  statt  Cj  und  e^ 
setzt. 

Die  Bildung  der  Producte  dieser  beiden  Multiplicationen, 
auf  Raumgrössen  übertragen ,  geschieht  mit  Hilfe  des  Cirkels, 
und  die  Bewegung,  welche  diesen  Productbiidungen  entspricht, 
ist  die  Drehung. 

Der  oben  gefundene  Zusammenhang  zwischen  den  Be- 
wegungen der  Schiebung  und  Drehung,  wonach  die  erstere 
eine  besondere  Art    der    letzteren    war,    findet    sich    in    der 


—    27     - 

gegenwärtigen  Untersuchung  bestätigt,  indem  die  lineale 
Productbildung^  welche  der  Schiebung  entspricht,  als  be- 
sondere Art  der  circulären  erscheint,  welche  der  Drehung 
entspricht. 

Anmerkung.  Dieser  Abschnitt  ist  im  Wesentlichen  eine  Repro- 
duction  der  von  H.  Grassmann  in  Crelle's  Journal  Bd.  49.  S.  123  ff.  ver- 
ött'entlichten  Abhandlung:  Sur  les  difförents  genres  de  multiplication. 
—  Ihre  fundamentale  Bedeutung  für  die  Raumlehre  liegt  darin,  dass 
sie  auf  das  Evidenteste  die  vollkommene  Gleichberechtigung  der  beiden 
linealen,  wie  der  beiden  circulären  Multiplicationsgattungen  zeigt.  Es 
ist  namentlich  das  äussere  Produet  seinem  Ursprünge  nach  durchaus 
verschieden  von  den  in  der  modernen  Algebra  angewendeten  sym- 
bolischen Ausdrücken.  Und  wenn  die  letztere  Wissenschaft  sich  mit 
diesen  Ausdrücken  behelfen  muss,  so  liegt  der  Grund  darin ^  dass  ihr 
der  Begriff  der  ursprünglichen  Einheiten  fehlt,  welcher  erforderlich 
ist,  um  diejenigen  Hilfsmittel  zu  entwickeln,  die  zu  einer  systemati- 
schen Behandlung  der  Raumlehre  unentbehrlich  sind. 


Erste  Abtheilung. 

Die  Kegelschnitte  als  Resultate  einer  zusammengesetzten 
Bewegung. 

Entsprechend  den  vier  soeben  betrachteten  Multiplications-  16. 
gattungen  giebt  es  vier  Wege,  welche  in  die  Theorie  der 
Curven  einführen.  Jeder  dieser  Wege  beruht  auf  einer  be- 
sonderen Auffassung  der  Curve  und  lehrt  besondere  Eigen- 
schaften derselben  kennen.  —  In  zivei  Fällen  erscheint  die 
Curve  als  Besultat  einer  Bewegung,  und  als  abhängig  von 
den  sich  bewegenden  Elementen,  in  zivei  Fällen  dagegen  als 
fertiges  Gehilde,  und  unabhängig  von  anderen  Gebilden.  — 
In  zwei  Fällen  handelt  es  sich  um  die  Beziehungen  des 
Masses  zwischen  der  Curve  und  anderen  Geljilden,  in  ztvei 
Fällen  dagegen  um  Beziehungen  der  Lage.  —  Wie  diese  Fälle 
sich  corabiniren  lassen,  und  welche  Multiplicationen  diesen 
Combinationen  entsprechen,  ist  aus  folgendem  Schema  zu 
ersehen : 


28 


ä  des  Masses 


S    der  Lage 


Die  Curve  als: 
Resultat  der  Bewegung 


1.  Complexe  Mult. 


3.  Aeussere  Mult. 


fertiges  Gebilde. 


2.  Innere  Mult. 


4.  Algebraische  Mult. 


Hieraus  erklärt  es  sich,  dass  dieselbe  Curve  im  System 
der  Raumlehre  an  verschiedeneu  Stellen  auftritt  (z.  B.  a.  a.  0. 
der  Kreis  in  Nr.  89—105  mit  coniplexer,  in  Nr.  150  mit  äusse- 
rer, in  Nr.  161 — 163  mit  innerer,  in  Nr.  165  mit  algehraischer 
Multiplications-Methode;  die  Kegelschnitte  in  Nr.  147  ff.  und 
176  mit  äusserer,  in  Nr.  172  mit  algebraisclier  Multiplicatiou). 

Es  sollen  nun  in  dieser  Abtheilung  die  wichtigsten,  unter 
Anwendung  der  complexen  (und  der  inneren)  Multiplication 
ableitbaren  Eigenschaften  der  Curven  2.  Grades  entwickelt 
werden.  *) 

Zur  Erzeugung  des  Kreises  dient  eine  sich  drehende  Ge- 
rade, auf  welcher  ein  fester  Punkt  angenommen  ist,  der  die 
Kreislinie  beschreibt.  Indem  wir  die  Gerade  als  erzeugendes 
Gebilde  betrachten,  ist  die  Kreislinie  das  Resultat  einer  ein- 
fachen Bewegung,  nämlich  der  Drehung  jener  Geraden,  wäh- 
rend allerdings  die  Bewegung  des  erzeugenden  Punktes  eine 
zusammengesetzte  ist,  —  Der  nächste  Fortschritt  der  Betrach- 
tung wird  in  der  Annahme  bestehen,  dass  während  der 
Drehung  der  Geraden  der  erzeugende  Punkt  auf  der  Geraden 
selbst  seine  Lage  nach  irgend  einem  Gesetze  ändere.  Die 
Gesammtbewegung  des  Punktes  besteht  dann  aus  der  Be- 
wegung der  Geraden  und  derjenigen  des  Punktes  auf  der  Ge- 
raden. Das  Verhältniss  dieser  beiden  Bewegungen  zu  ein- 
ander ist  durch  ein  Gesetz  zu  regeln,  und  dieses  Gesetz  wird 
das  unterscheidende  Merkmal  der  verschiedenen,  durch  den 
Punkt   erzeugbaren  Curven   sein.    (Vgl.  „Raumlehre"  Nr.  4.) 

Um  den  Fortschritt  vom  Speciellen  zum  Allgemeinen  fest- 


*)  Dieser  Abschnitt  würde  also  im  „System  der  Raumlehre"  nach 
S.  69  einzuschalten  sein.  Nachdem  dort  S.  23—69  diejenigen  aus  einer 
beweglichen  Geraden  abgeleiteten  Grössen  betrachtet  sind,  welche 
durch  einfache  Bewegung  entstanden  sind,  beschäftigt  sich  der  hier 
folgende  Abschnitt  mit  der  zusammengesetzten  Bewegung. 


-    29    — 

zuhalten,  betrachten  wir  zuerst  das  Gesetz,  welches  der  Ent- 
stehung der  Kreislinie  zu  Grunde  liegt.  Da  die  Strecke  (rj), 
welche  einen  Punkt  (X)  dieser  Linie  mit  dem  Drehungspunkte 
(0)  der  Geraden  verbindet,  stets  denselben  numerischen  Werth 
{c)  hat,  so  ist  das  Gesetz  für  die  Entstehung  der  Kreislinie 
in  der  Zahlengleichung 

r,  =  c 
ausgesprochen. 

Sei  nun  P  ein  zweiter  fester  Punkt  der  Ebene,  und  der 
numerische  Werth  der  Strecke  (P  —  X)  gleich  r.,,  so  ist  die 
einfachste,  zwischen  *•, ,  r,  und  einer  unveränderlichen  Grösse  e 
bestehende  Beziehung: 

Diese  Gleichung  enthält  die  vorige  als  speciellen  Fall.  Wenn 
nämlich  0  und  P  zusammenfallen,  so  ist  für  jeden  Punkt  (X) 

r,  =  r, ; 

mitliin  für  das  obere  Zeichen 

c 

Setzen  wir 

so  können  wir  die  Lage  des  Punktes  X  statt  von  0  und  P 
auch  abhängig  machen  von  dem 
Endpunkte  A  des  durch  0  und 
X  gehenden  Radius  r  in  dem 
Kreise  r  =  c.  Die  Lage  des 
Punktes  X  ist  dann  durch  das 
Gesetz  bestimmt,  dass  er  von 
der  Kreislinie  und  dem  festen 
Funlie  P  jederzeit  gleiclitveit  cnt-  ^'^"  ^" 

fernt  sei.  Jenachdem  in  der  Gleichung  rj  +  r.,  =  r  das  obere 
oder  das  untere  Zeichen  gilt,  wird  P  innerhalb  oder  ausser- 
halb des  von  0  mit  r  beschriebenen  Kreises  liegen.  (Der 
Uebergangsfall ,  wobei  P  auf  der  Kreislinie  liegt,  giebt  eine 
durch  0  und  P  gehende  Gerade  als  Weg  des  Punktes  X.) 

1.  Bewegungsgesetz  r,  +  i'-'  =  >'■   —  Die  Ellipse. 

W^enn  eine  Gerade  um  einen  ihrer  Punkte  0  eine  ganze  17. 
Umdrehung  macht,  und  ein  auf  ihr  befindlicher  Punkt  X  sich 


50     - 


inzwischen  so  auf  ihr  bewegt,  dass  er  von  einer  aus  0  be- 
schriebenen Kreislinie  und  einem  innerhcüh  derselben  liegen- 
den festen  Punkte  P  stets  gleicliweit  entfernt  ist,  so  heisst 
die  von  X  beschriebene  Linie  Ellipse.  —  Die  durch  0  und  P 

bestimmte  Gerade  heisst 
grosse  Äxe  der  Ellipse. 
Jeder  Richtung  der 
sich  drehenden  Geraden 
entspricht  ein  Punkt  X 
der  Ellipse,  aber  auch 
ein  Punkt  Ä  der  Kreis- 
linie. Zu  jedem  Punkt 
der  Kreislinie  gehört 
also  ein  Punkt  der  El- 
lipse. Daher  nennen  wir 
die  Kreislinie  die  Lcit- 
curve  der  Ellipse,  und  den 
Punkte  Le'dpnnM zu X. 
Da  X  von  P  und  A  gleichweit  entfernt  ist,  so  ist  das 
Dreieck  der  drei  Punkte  gleichschenklig;  und  da  eine  in  der 
Mitte  B  seiner  Basis  errichtete  Senkrechte  durch  die  Spitze 
geht,  welche  gleichzeitig  auf  der  durch  (0  —  A)  bestimmten 
Geraden  liegen  muss,  so  kann  man  zu  jedem  Punkt  A  der 
Leitcurve  den  zugehörigen  Punkt  X  der  Ellipse  construiren, 
indem  man  A  mit  0  und  P  verbindet,  und  in  der  Mitte  von 
{A  —  P)  eine  Senkrechte  errichtet.  Ihr  Durchschnitt  mit  der 
durch  (0  —  A)  bestimmten  Geraden  ist  X. 

Da  die  Entfernung  des  Punktes  X  von  der  Kreislinie 
nichts  anderes  bedeutet,  als  seine  Entfernung  von  einem  der 
Endpunkte  des  durch  X  gezogenen  Durchmessers,  so  wird  es 
auf  der  Geraden  in  jeder  ihrer  Richtungen  zwei  Punkte,  X 
und  X',  geben,  die  so  beschaffen  sind,  dass  numerisch  für 
den  einen  {X  —  A)  =  {X  —  P),  für  den  andern  (X'  —  Ä)  = 
(X'  —  P)  ist.  Daher  ivird  die  Ellipse  von  jeder  durch  0  ge- 
zogenen Geraden  in  zivei  Punlicn  geschnitten.  Es  genügt  aber, 
sich  bei  Erzeugung  der  Curve  auf  den  einen  Durchschuitts- 
punkt  (X)  zu  beschränken,  weil  der  andere  entsteht,  sobald 
die  sich  drehende  Gerade  in  die  entgegengesetzte  Richtung 
gelangt  ist. 


~     31     - 

Da  i\  und  rj  numerisch  kleiner  sein  müssen  als  r,  so 
folgt,  dass  die  Ellipse  ganz  innerhalb  der  Kreislinie  liegt. 
Sie  ist  also  eine  in  sich  zurückkehrende  Curve. 

Da  die  Strecken  {X  —  A)  und  (X  —  P)  numerisch  gleich 
sind,  so  hat  auch  die  numerische  Simimc  der  Strecken  {K — 0) 
und  (X — P)  für  alle  Punkte   der  Ellipse   denselben  Werth. 
(Ist  nur  die  Interpretation  der  Gleichung  r,  -\-  r^  =  r.) 
Ist  X  ein  beliebiger  Punkt  der  Curve,  so  ist 
(0-X)  +  (X-P)  =  (0-P). 
Ist  ferner  ein  Punkt  X'  so  bestimmt,  dass 

(0-X)  =  (X'-P), 
so  folgt  aus  dieser  Gleichung: 

(0-X')  =  (X-P); 
daher,  wenn  man  diese  Werthe  oben  einsetzt: 

(X'-P)  +  (0-X')  =  (0-P). 
Und  da  auch  numerisch: 

(0  -  X)  +  ( Jf  -  P)  =  (0  -  X')  +  (X  —  P) 

ist,  so  ist  auch  X'  ein  Punkt  der  Curve. 

Ferner  ist 

X  +  X  _q±P_  ^, 

2         ~        2        ~  -^"  ' 

d,  h.  der  Punkt  M  ist  die  Mitte  zwischen  einem  beliebigen 
Punkte  der  Curve  X  und  einem  anderen,  entsprechenden 
Punkte  derselben,  X'.  Daher  heisst  M  der  Mittelpunkt  der 
Ellipse.  ■ —  Jede  durch  M  gehende  Strecke  zwischen  zwei 
Punkten  der  Curve  heisst  Durchmesser. 

Alle  bisher  aufgestellten  Gleichungen  bleiben  unverändert, 
wenn  man  die  Punkte  0  und  P  vertauscht.  Es  kann  daher 
als  Leitcurve  der  Ellipse  auch  ein  aus  P  mit  r  beschriebener 
Kreis  genommen  werden.  —  Die  Punkte  0  und  P  heissen 
nun  zusammen  Pr«mjj?mÄ:fe  der  Ellipse,  und  die  von  X  nach 
diesen  Punkten  gezogenen  Strecken  (r^  und  r.^)  Leifstralen 
(Radien  Vectoren). 

Die  aus  den  Endpunkten  eines  Durchmessers  der  Ellipse 
gezogenen  Leitstralen  bilden  also  ein  Parallelogramm. 

Sei  S  einer  der  beiden  Durchschnittspunkte  der  Ellipse 
mit  ihrer  grossen  Axe,  und  T  sein  Leitpunkt,  so  ist  numerisch : 


-     32    — 

{0  —  S)  -}-  {F  —  S)  =  {0  —  T). 

Da  aber  diese  drei  Strecken  auf  derselben  Geraden  liegen  und 
dieselbe  Richtung  haben,  so  drückt  diese  Gleichung  auch  eine 
Beziehung  zwischen  den  Punkten  OS  FT  aus,  und  man  erhält: 

d.  h.:  Jeder  DurchscJmittspunM  der  Ellipse  mit  ihrer  grossen 
Axe  liegt  in  der  Mitte  sivischen  seinem  Leitp^mht  und  demjeni- 
gen Brennpunkte,  welcher  nicht  Mittelpunkt  der  Leitcurve  ist. 
Ist  S'  der  zweite  jener  Durchschnittspunkte,  und  T  sein 
Leitpunkt,  so  ist 

^  2        ' 

demnach : 

(5->S')  =  ^^^^ 

d.  h.  die  grosse  Axe  der  Ellipse  (als  Durchmesser  betrachtet) 
«5^  numerisch  gleich  dem  Badius  des  Leitkreises  (r),  oder  der 
Summe  (i\  -\-  r.,)  der  heiden  Leitstralm  eines  Funktes  der 
Ellipse. 

Wenn  r,  ==  r.^  (=  — )  ist,  so  sind  die  Strecken  (0  —  X), 

[F —  X),  (X  —  A)  numerisch  gleich,  das  Dreieck  der  Punkte 
0,  F,  A  ist  bei  F  rechtwinklig  (vgl.  ,, Raumlehre"  Nr.  97), 
und  dasjenige  der  Punkte  XOP  gleichschenklig.  Daher  steht 
der  durch  X  gezogene  Durchmesser  auf  der  grossen  Axe 
senkrecht.  Dieser  Durchmesser,  resp.  die  durch  ihn  bestimmte 
Gerade  heisst  die  kleine  Axe  der  Ellipse. 
18.  Aus  der  oben  angegebenen  Constructioii  eines  beliebigen 

Punktes  der  Ellipse  folgt,  dass  diese  Curve  der  Weg  des 
Durchschnittspunktes  der  durch  die  Strecken  (0  —  A)  und 
{B —  X)  bestimmten  Geraden  ist.  Aus  jeder  Strecke  (0  —  A) 
geht  durch  Construction  nur  eine  Strecke  {B  —  X)  hervor, 
und  umgekehrt.  Daher  gehört  zu  der  Strecke  {B  —  X)  eben- 
sowohl wie  zu  (0  —  A)  nur  ein  Punkt  der  Curve.  Nun  fällt 
im  Laufe  einer  ganzen  Umdrehung  die  Strecke  (0  —  Ä), 
welche  durch  den  Drehungspunkt  0  geht,  ziveimal  in  dieselbe 
Gerade  (nämlich  das  erstemal  in  der  Richtung  (0  —  A),  das 
zweitemal  in  der  entgegengesetzten  (0  —  A')).  Es  liegen 
also  auch  auf  dieser  Geraden  (wie  oben  schon  gefunden)  zwei 


—    33    — 

Punkte  der  Curve.  Dagegen  kehrt  die  durch  die  Strecke 
{B — X)  bestimmte  Gerade  (gleich  dem  Punkte  J.,  von  dem 
sie  abhängt),  weil  sie  nicht  durch  den  Drehungspunkt  geht, 
erst  nach  einer  ganzen  Umdrehung  in  ihre  ursprünghche  Lage 
und  Richtung  zurück;  mithin  hat  diese  Gerade  nur  eiiien 
Punkt  mit  der  Curve  gemeinsam.  —  Eine  solche  Gerade  heisst 
Tangente  der  Ellipse. 

Da  während  der  Umdrehung  der  Strecke  (0  —  Ä)  die 
Gerade  {B  —  X)  beständig  Tangente  der  Ellipse  ist,  so  hat 
diese  Tangente  während  einer  ganzen  Umdrehung  die  ganze 
Ebene  beschrieben,  mit  Ausnahme  der  von  der  Ellipse  ein- 
geschlossenen Fläche.  —  Die  Tangente,  in  ihren  verschiede- 
nen Richtungen,  unihüllt  also  die  Ellipse,  und  kann  ebenso 
wie  der  Punkt  X  als  das  die  Ellipse  erzeugende  Gebilde  an- 
gesehen werden.  —  Man  sagt  von  einem  Punkte,  er  liege 
auf  der  convexen  oder  der  concaven  Seite  der  Ellipse,  jenach- 
dem  er  von  irgend  einer  Tangente  getroffen  wird  oder  nicht. 
Man  kann  also  nur  von  einem  Punkte,  welcher  auf  der  con- 
vexen Seite  der  Ellipse  liegt,  eine  Tangente  an  diese  Curve 
ziehen. 

Da  die  Tangente  den  Winkel  der  Strecken  {X  —  A)  und 
(X — P)  halbirt  („Rauml."  Nr.  94),  so  steht  sie  auf  der 
Halbirungslinie  des  Nebenwinkels  senkrecht  (a.  a.  0.  Nr.  84); 
d.  h.  die  Tangente  im  Punkte  X  steht  senTcrecht  auf  der  Linie, 
ivelche  den  Winkel  der  mgeliörigen  Leitstralen  halbirt,  und 
letztere  selbst  bilden  gleiche  Winkel  mit  ihr. 

Hieraus  folgt :  Die  Tangente  in  einem  Endpunkte  der  Mei- 
nen Axe  ist  der  grossen  Axe  parallel,  und  umgekehrt. 

Da  iltf  =  T"  ,  und  B  =  — ^i^  ,  so  ist  für  jeden  Punkt 
der  Curve 

M-B==^', 

d.h.:  die  Fiisspunkte  (B)  der  von  einem  Brennpunkte  (P)  auf 
beliebige  Tangenten  gefällten  Senkrechten  liegen  auf  einem  aus 
dem  Mittelpunkte  der  Ellipse  mit  der  halben  grossen  Axe  be- 
schriebenen Kreise. 

Dieser  Kreis  geht  durch  die  Endpunkte  der  grossen  Axe, 
und  hat  dort  mit  der  Ellipse   gemeinsame  Tangenten;   diese 

Schlegel,  Elemente.  3 


—     34     — 

Punkte  sind  aber  auch  die  einzigen,  in  denen  X  und  JB  (die 
Endpunkte  der  stets  parallelen  Strecken  (0  —  X)  und  {M  —  J5)) 
zusammenfallen.  Alle  übrigen  Punkte  {B)  des  Kreises  liegen 
ausserhalb  (auf  der  convexen  Seite)  der  Ellipse.  —  Vermöge 
der  ersten  Eigenschaft  sagt  man,  der  Kreis  berühre  die  Ellipse 
in  den  Punkten  S  und  /S';  vermöge  heider:  der  Kreis  sei  der 
Ellipse  umsclirichen. 

Wenn  L  ein  beliebiger  Punkt  der  Tangente  ist,  so  ist 
das  Dreieck  der  Punkte  LBP  stets  rechtwinklig;  also  liegt 
B  auf  der  über  (L  —  P)  als  Durchmesser  beschriebenen  Kreis- 
linie; mithin  da,  wo  diese  Kreislinie  den  die  Ellipse  in  S  und 
S'  berührenden  Kreis  schneidet.  Im  Allgemeinen  also  liefert 
ein  Punkt  zwei  Tangenten  an  die  Ellipse,  ebenso  wie  eine 
Gerade  zwei  Durchschnittspunkte  mit  derselben. 

Anmerkung.  Hieraus  folgt  die  Coustruction  der  Tangenten  von 
einem  beliebigen  Punkte  L  an  die  Ellipse,  indem  die  Tangente  durch 
L  und  B  bestimmt  ist. 

Rückt  X  in  unendliche  Ferne,  so  wird  (P — L)  der  Tan- 
gente parallel,  und  der  über  (P — L)  beschriebene  Kreis  geht 
über  in  eine  durch  P  senkrecht  auf  (P  —  L)  gezogene  Ge- 
rade. In  diesem  Falle  ist  also  der  Punkt  L  durch  eine  Ge- 
rade (Strecke)  mit  gegebener  RicJdung  ersetzt.    (Vgl.  Nr.  3.) 

Anmerkung.  Mit  dieser  Modification  geht  die  vorige  Aufgabe 
in  folgende  über:  An  eine  Ellipse  die  Tangenten  zu  ziehen,  welche 
einer  gegebenen  Geraden  parallel  sind.  —  Da  P  innerhalb  des  Be- 
rührungskreises liegt,  so  wird  die  in  P  auf  (P  —  L)  errichtete  Senk- 
rechte den  Kreis  stets  schneiden;  die  Aufgabe  ist  also  stets  lösbar. 

Wenn  X'  der  Endpunkt  des  durch  X  gezogenen  Durch- 
messers ist,  so  sind  die  beiden  Linien,  welche  die  Winkel 
der  von  X  und  von  X'  ausgehenden  Leitstralen  halbiren, 
parallel,  mithin  auch  die  auf  diesen  Linien  senkrecht  stehen- 
den Tangenten ,  d.  h . :  die  beiden  in  den  EndpunJcten  eines 
Durchmessers  gezogenen  Tangenten  sind  parallel. 

Die  aus  den  Brennpunkten  auf  diese  Tangenten  gefällten 
Senkrechten  haben,  wie  schon  gezeigt,  die  Eigenschaft,  dass 
ihre  Fusspunkte  B,  C,  B',  C  auf  der  Peripherie  des  die  Ellipse 
in  S  und  S'  berührenden  Kreises  liegen ;  also  ist  für  jeden 
Punkt  der  Ellipse  {B  —  G)  eine  durch  P  gehende  Sehne  die- 
ses Kreises;   und  das  Product   der  numerischen  Werthe  von 


—    35 


{P—B)  und  (P— C)  ist  (nach  „Raumlehre"  Nr.  99)  con- 
stant.  Da  nun,  wie  leicht  zu  sehen,  (P — C')  =  {C — 0), 
so  kann  man  sagen:  dass  das  Product  der  numerischen  Werthe 
der  von  den  Brennpunliten  auf  eine  beliebige  Tangente  gefällten 
SenhrecJden  constant  ist. 

Jeder  Pankt  einer  Tangente   ist  gleich  weit  entfernt  von  19. 
dem  Brennpunkte  (P)  und  dem  Leitpunkte  (Ä)  des  Berührungs- 
punktes.   Wenn  daher  X  und  Xj  zwei  beliebige  Punkte  der 
Curve  sind,   A  und  A^   ihre   Leitpunkte,    und  L  der  Durch- 
schuittspunkt  ihrer  Tangenten,  so  ist 

{L-A,)iy  =  {L-Py, 
{L-P)ii^  =  {L-Ay, 
also: 

{L  —  A,)ii^+y  =  {L~A). 
Ferner : 
{0~A)i"  =  {0-A,). 
{0-L)  +  {L-A) 

+  (^-0)  =  0; 

(0-Z)  +  (Z-JO 

+  (A-0)  =  0, 

oder,   wenn  man  {L  —  A^) 

und  [A^  —  0)  durch  die  eben 

gefundenen  Werthe  ersetzt: 

(0  —  Z)  +  fZ  —  A)  i-  '/*+/)  +  (^  -  0) '/«  =  0. 

Folglich  ist  das  Dreieck  der  Punkte  OLA^^  symmetrisch  mit 
dem  der  Punkte  OLA,  und  (0 — L)  bildet  gleiche  Wiukel 
mit  (0  -  A)  und  (0  —  ^i).  (Vgl.  „Raumlehre"  Nr.  92.)  Man 
kann  also  sagen :  Verbindet  man  die  LeitpimMe  der  Berührungs- 
ininMe  zweier  Tangenten  mit  deren  Schnittpmikte ,  so  wird  der 
Winkel  dieser  Verhindungslinien  dureh  denjenigen  Radius  des 
Leitkreises  halbirt,  welcher  durch  den  Schnittpunkt  der  Tan- 
genten geht. 

Aus  (L  —  ^)  +  (J.  —  0)  +  (0  -  Z)  =  0  folgt: 

{L-A)i-'f'-{-  (A~  0)i-  !^  -\-  {0  —  L)i-  C  =  0. 

Nun  ist 

{L  —  A)i-i'=={L-P). 


Fig.  6. 


36     — 


Sei  ferner 

{Ä-  0)i-^=^{F-C), 
so  folgt: 

(0-Z)i-i*=(C— L). 

Also  ist  der  Winkel  der  Strecken  {L  —  A)  und  (L  —  P)  gleich 
dem  der  Strecken  {L — O)  und  (Z  —  C).  Ferner  ist  C  der 
Leitpunkt  von  X^  in  dem  aus  P  beschriebenen  Leitkreise. 
Man  kann  also  sagen:  Construirt  man  zu  jedem  von  zwei 
Funkten  der  Ellijjse  den  LeitpunM  in  einem  anderen  Leitlireise, 
und  verhiiidet  den  SchnittpunM  der  beiden  in  jenen  Punkten 
gezogenen  Tangenten  mit  den  Brennpunkten  und  den  beiden 
Leitpimkten ,  so  sind  die  Winkel  zwischen  einer  Verbindungs- 
linie der  ersten  und  einer  der  ziveiten  Art  einander  gleich.  — 

Der  Winkel   der  Tangenten  ist  ^—^^  ,  der  Winkel  der  nach 

den  Leitpunkten  A  und  C  gezogenen  Geraden  ist       T''^ •    Man 

und  OLP  dieselbe 


X,LX 


sieht    ferner,    dass   die    Winkel 
Halbirungslinie  haben. 

Specielle  Fälle.  1)  ß  -\-  y  ==  2.  —  Dann  ist  {L  —  A) 
=  —  {L  —  J.,);  d.  h.  die  Punkte  A^LA  liegen  in  einer  Ge- 
raden, und  der  Winkel  der  Tangenten  ist  ein  Rechter. 

2)  «  =  2.  —  Dann  ist  (0  —  A^)  =  —  (0  —  A);  d.  h.  die 

Punkte  A^OA  liegen  in  gerader  Linie,  mithin  auch  X,OX; 

d.  h.  die  Verbindungslinie  der  Berührungspunkte  geht  durch 

den  Brennpunkt  0. 

20.  Anwendung  der  inneren  Multiplication*).  —  Wenn  aßy 

die  numerischen  Werthe  der  Seiten  eines 

Dreiecks  sind,    und  «^  derjenige  der  Pro- 

jection    von    a  auf  ß,    so    ist    nach    dem 

verallgemeinerten  pythagoräischen  Satze: 

y'  =  a^'-{-ß'  +  2a,ß', 
oder: 

y2  _  <^2  _  ^2  _|_  2aiß. 

Sind  ferner  a  und  y'  zwei  von  einem 
anderen  Punkte  der  Höhe  des  Dreiecks 
nach  den  Endpunkten  seiner  Grundlinie 
gezogene  Strecken,  so  ist 

y''-a^-==ß'  +  2aj', 
")   Diese  Nummer,   deren  erster  Theil  2  elementare  Sätze,  deren 


—     37     — 

d,  h.  die  Grösse  y-  —  «^  ist  für  alle  Punkte  der  Höhe  gleich. 
Und  die  Spitzen  aller  über  derselben  Grundlinie  liegenden  Drei- 
ecke, für  u-elclie  die  Differenz  der  Quadrate  der  beiden  ande- 
ren Seiten  eine  constante  Grösse  ist,  liegen  in  einer  auf  der 
Grundlinie  senkrechten  Geraden. 

Ist  ferner  [i  der  numerische  Wcrth  der  die  Seite  ß  hal- 
birenden  Transversale,  und  ^^  derjenige  ihrer  Projection  auf  ß, 
so  ist 


also: 


«2  +  y^  =  2^2_^2(|)'; 


d.  h.  die  Summe  der  Quadrate  ziveier  Seiten  eines  Dreiecks  ist 
gleich  der  doppelten  Summe  aus  dem  Quadrat  der  halben  dritten 
Seite  und  dem  der  Transversale  nach  dieser  Seite.  —  Sind 
ferner  u  und  y  zwei,  von  einem  anderen  Punkte  der  mit  ft 
um  die  Mitte  von  ß  beschriebenen  Kreislinie,  nach  den  End- 
punkten von  ß  gezogene  Strecken,  so  ist: 


«2   +  /2  =  2^^2  +  2(1)'; 


d.  h.  die  Grösse  a-  -j-  y^  ist  für  alle  Punkte  der  Kreislinie 
gleich.  Und  die  Spitzen  aller  über  derselben  Grundlinie  liegen- 
den Dreiecke,  für  ivelche  die  Summe  der  Quadrate  der  beiden 
anderen  Seiten  eine  constante  Grösse  ist,  liegen  in  einer,  die 
Grundlinie  als  Sehne  enthaltenden  Kreislinie. 

Gehen  wir  jetzt  auf  die  beiden  speciellen  Fälle  am  Schluss 
von  Nr.  19  zurück. 

Im  ersten  Fall  ist  der  Winkel  der  Strecken  {L  —  0)  und 
(L  —  A)  ein  Rechter,  mithin: 

(L  -  Ot  +  {L-  At  =  (0  -  A)^, 

oder,  da  numerisch  {L  —  A)  =  {L  —  P),  und  ferner  (0  —  A) 
=  r  ist: 


zweiter  die  Anwendung  derselben  auf  die  Ellipse  enthält,  schliesst  sich 
an  den  Abschnitt  Nr.  152 — 163  der  Raumlehre  an,  nimmt  also  in  der- 
selben eine  andere  Stelle  ein  als  der  sonstige  Inhalt  dieses  Abschnittes, 


—     38     — 

Also  liegen  (uach  dem  zweiten  der  eben  gefundenen  Sätze) 
alle  diejenigen  FunUc,  in  denen  sivei  Tangenten  der  Ellipse 
sich  unter  recldem  WinTzel  schneiden,  auf  einer  Kreislinie  mit 
dem  Mittelpunkt  M. 

Aumerkung.     Bezeichnet  man  numerisch  die  grosse  Axe  mit  a, 
die  kleine  mit  b,  die  Entfernung  der  Brennpunkte  mit  c,  so  ist 

Und  wenn  |u.  der  Radius  der  eben  erwähnten  Kreislinie  ist,  so  ist 
r^=  2fi^  +  2(~y  ;      folglich  a2=  2  fi2  +  y;       2fi' =  a^  ~  ^^  a-" 

_  (21:^')  =  ?!±1' ;    endlich  ,  =  i  Vi'Ti'. 

Im  zweiten  Fall  ist  der  Winkel  der  Strecken  (0  —  L)  und 
(0  —  A)  ein  Rechter ,  mithin  : 

{L  —  A)--  -  {L  —  0)-  =  {0  —  A)~, 

oder,  da  numerisch  (Z  —  ^)  =  (L  —  P),  und  ferner  (0  —  Ä) 
=  r  ist: 

,        {L-~Pf-{L-Of  =  r^. 

Also  liegen  (nach  dem  ersten  der  eben  gefundenen  Sätze)  alle 
diejenigen  Punkte,  in  denen  zwei  Tangenten  sich  schneidest, 
deren  Berührungspunkte  mit  einem  Brennpunkte  in  gerader 
Linie  liegen,  in  einer  auf  der  grossen  Axe  senkrecht  stehenden 
Geraden.  —  Diese  Gerade  heisst  die  Directrix  der  Ellipse. 
Eine  zweite  Directrix  entspricht  dem  Brennpunkte  P.  —  Die- 
jenige, durch  einen  Brennpunkt  gehende,  Sehne,  welche  der 
Directrix  parallel  ist,  heisst  Parameter  der  Ellipse. 
21.  Wenn  die  in  X  gezogene  Tangente  die  beiden  Directrix- 

Linien  resp.  in  L  und  L^  trifft,  so  ist  das  Dreieck  XLO 
ähnlich  dem  Dreieck  XL^P,  da  die  Winkel  bei  X  gleich  siud 
(Nr.  18),  und  die  Winkel  bei  0  und  P  Rechte  sind.  (Vgl. 
,, Raumlehre'^  Nr.  137.)     Folglich  ist  numerisch 

0-X  _  L  —  X       H  -  X 
P-X~Li-X~Ei  —  X' 

da  auch  die  Dreiecke  HL  X  und  H^  L^  X  ähnlich  sind.   Weiter 

folgt:  O^^l^.  ,,,,,  M^^H^.  a.  „.,  Für 


—     39 


jeden  Punkt  der  Ellipse  ist  das  Verhältniss  seiner  Entfernungen 
von  einer  Directrix  und  dem  zugehörigen  Brenn^mnlt  eine 
constante  Grösse,  nämlich  gleich  dem  Verhältniss  zwischen  der 
Entfernung  der  beiden  Directrix-Linien  und  der  grossen  Axe. 
—  Sei  K  der  Schnittjiimkt 
der  Directrix  (zu  0)  mit  der 
grossen  Axe,  so  ist  nume- 
risch (Jf— P)^—  {K-oy 
=  r-,  oder,  wenn  0  —  P=  c 
gesetzt  wird: 
{K—  Oy  +  2  c  {K—  0)  +  C-' 

-{K-~Oy=^r-^; 
d.  h.: 


2  c 


(K-O). 
ferner 


0) 


folglich : 
H 


Hl 


O  —  A         c 
—  Aus  den  obigen  Gleichungen  folgt: 
H-X_Hi~X       H—Hl 


Fig.  8. 


0  -  X       P  -  X        0  —  A        c' 

oder,  wenn  (X —  S)  =  {H —  K)  gemacht  wird; 
K-  S       (v^ -  e- 


+  O  —  S)  :{0-  X) 


0—X         \    2c 

Wenn  endlich  (0  —  X)  =  q  ,  und  der  Winkel  zwischen  q  und 
(0  —  K)  gleich  q)  gesetzt  wird ,  so  geht  die  letzte  Gleichung 
über  in: 


2CQ 


—  cos  q) 


oder 


2  (r  -}-  c  .  cos  qp) 


Sei  ;^-  der  Werth,  den  q  für  93  ==  1  Rechter  annimmt ,  so  ist 


P 


Setzt  man  diesen  Werth  in  die  Gleichung  für  q 


ein,  so  folgt,  w^enn  man  noch 


e  setzt:  q  = 


P 


r  "  2(l  +  e.cosg3) 

Diese  Gleichung  heisst  die  Polar gleicMtng  der  Ellipse;   e  die 


—     40     — 

Excentricität;  und  j9  ist,  wie  leicht  zu  sehen,  der  Parameter, 
—  Die  Polargleichuug  lässt  sich  in  eine   auf  rechtwinklige 
Coordinatenaxen    bezogene   Gleichung   umwandeln   durch   die 
Substitutionen  x  =  q  .  cos  (p\  y  =  q  .  sin  q). 
22.  Es  seien  (X—  X)  und  {Y —  Y')  zwei  beliebige  Durch- 

messer der  Ellipse;  dann  sind  ihre  Endpunkte  die  Ecken  eines 
Parallelogramms,  weil  (Y  —  X)  =  (Y  -  M)  +  (M—X) 
=  {M  —  Y)  -^  (X'  —  M)  =  (X  —  F)  ist.  Aber  auch  die 
in  diesen  Endpunkten  gezogenen  Tangenten  bilden  ein  Pa- 
rallelogramm (vgl.  Nr.  18  am  Ende). 
Nun  ist: 

(X-r)  =  (F-X); 

(X-E)  +  (^_  Y)  =  (F  -  E')  +  iE'  -  X) ; 

(X  —  E)  -  iE' —X')  ^  {Y  —  E')  -  {E-  Y). 


Die  Strecken  auf  der  linken  Seite  der  Gleichung  haben  gleiche 
Richtung,  mithin  auch  ihre  Diflferenz;  dasselbe  findet  auf  der 
rechten  Seite  statt.  Die  Richtungen  auf  der  rechten  Seite 
sind  aber  verschieden  von  denen  auf  der  linken.  Und  da 
zwei  Strecken  nur  dann  gleich  sein  können,  wenn  sie  gleiche 
Richtung  haben,  so  müssen  beide  Seiten  der  Gleichung  ein- 
zeln Null  sein.     Man  hat  also : 

(X  —  E)  —  {E  —  X')  =  {Y'  —  E')-{E—Y)  =  0; 
d.  h. 

x  +  x _ E-^E' _  y+r  _  ^. 

2         ~        2         ~         2         ~  ^^^  ' 

d.  h. :  Liegen  die  Ecken  eines  Parallelogramms  auf  den  Seiten 
eines  ziveiten,  so  haben  beide  denselben  MittelpunM.*) 


")  Dieser  elementare  Satz  gehört  in  den  Abschn.  42—44  d.  „Raumlehre". 


—     41     — 

Auf  die  Ellipse  angewendet  heisst  dieser  8atz:  Die 
Diagonalen  eines  der  Ellipse  umschriebenen  Parallelogramms 
schneiden  sich  im  Mittelpunlde  der  Curve,  sind  also  Durch- 
messer. —  Zwei  solche  Durchmesser  heissen  conjugirte  Durch- 
messer. 

Anmerkung.  Die  weiteren  Eigenschaften  dieser  Durchmesser 
werden  hier  übergangen,  da  unsere  Methode  keine  charakteristische 
Ableitung  für  dieselben  bietet.  Dies  hängt  damit  zusammen,  dass  in 
der  Natur  dieser  Durchmesser  Beziehungen  des  Masses  und  der  Lage 
combinirt  erscheinen,  und  dass  in  Folge  dessen  die  bisher  schon  be- 
nutzten Methoden  (vgl.  Steiners  Vorlesg.  üb.  synth.  Geom.  Theil  1.  §  12), 
welche  mit  der  inneren  Multiplication  zusammenhängen,  nicht  weiter 
vereinfacht  werden  können.  —  Ihre  natürliche  Stelle  findet  die  Theorie 
der  conjugirten  Durchmesser,  wenn  der  Kegelschnitt  als  zusammen- 
gesetzte Grösse  betrachtet  wird ,  weil  sich  dann  Gelegenheit  bietet,  die 
ilfassbeziehungen  dieser  Durchmesser  als  speciellen  Fall  von  Lagen- 
beziehungen  darzustellen  (nach  der  in  Nr.  5—7  entwickelten  Theorie).  — 
Dagegen  liefert  die  euclidische  sowohl  wie  die  gewöhnliche  analytische 
Methode  jene  Eigenschaften  conjugirter  Durchmesser  nur  auf  sehr 
künstlichem  und  weitem,  mit  der  Einfachheit  der  Resultate  in  gar 
keinem  Verhältniss  stehendem  Wege. 

2.  Bewegungsgesetz  r^  —  r.^  =  r.  —  Die  Hyperbel. 

Wenn  eine  Gerade  um  einen  ihrer  Punkte  0  eine  ganze  i 
Umdrehung  macht,  und  ein  auf  ihr  befindlicher  Punkt  X  sich 
inzwischen  so  auf  ihr  bewegt,  dass  er  von  einer  aus  0  be- 
schriebenen Kreislinie,  und  einem  ausserlialb  derselben  liegen- 
den festen  Punkte  P  stets  gleichweit  entfernt  ist,  so  heisst 
die  von  X  beschriebene  Linie  Hyperbel.  —  Die  durch  0  und 
P  bestimmte  Gerade  heisst  Haupfaxe  der  Hyperbel. 

Jeder  Richtung  der  sich  drehenden  Geraden  entspricht 
ein  Punkt  X  der  Hyperbel ,  aber  auch  ein  Punkt  Ä  der  Kreis- 
linie. Zu  jedem  Punkt  der  Kreislinie  gehört  also  ein  Punkt 
der  Hyperbel.  Daher  nennen  wir  die  Kreislinie  die  Leitcurve 
der  Hyperbel,  und  den  Punkt  A  LeitpunU  zu  X 

Da  X  von  P  und  A  gleichweit  entfernt  ist,  so  ist  das 
Dreieck  der  drei  Punkte  gleichschenklig;  und  da  eine  in  der 
Mitte  JB  seiner  Basis  errichtete  Senkrechte  durch  die  Spitze 
geht,  welche  gleichzeitig  auf  der  durch  (0  —  A)  bestimmten 
Geraden  liegen  muss,  so  kann  man  zu  jedem  Punkt  A  der 
Leitcurve  den  zugehörigen  Punkt  X  der  Hyperbel  construiren. 


—     42     — 

indem  man  A  mit  0  und  P  verbindet,  und  in  der  Mitte  von 
{A  —  P)  eine  Senkrechte  errichtet.  Ihr  Durchschnitt  mit  der 
durch  (0  —  Ä)  bestimmten  Geraden  ist  X. 


Fig.  10. 

Da  die  Entfernung  des  Punktes  X  von  der  Kreishnie 
nichts  weiter  bedeutet,  als  seine  Entfernung  von  einem  der 
Endpunkte  des  durch  X  gezogenen  Durchmessers,  so  wird 
es  auf  der  Geraden  in  jeder  ihrer  Richtungen  zwei  Punkte  X 
und  X'  geben,  die  so  beschaffen  sind,  dass  numerisch  für 
den  einen  (X  —  J.)  =  (X— P),  für  den  andern  (X' —  J.') 
=  (X'  —  P)  ist.  Daher  ivird  die  Hyperbel  von  jeder  durch  0 
gezogenen  Geraden  in  ztvei  Punlien  geschnitten.  Es  genügt 
aber,  sich  bei  Erzeugung  der  Curve  auf  den  einen  Durch- 
schnittspunkt (X)  zu  beschränken,  weil  der  andere  entsteht, 
sobald  die  sich  drehende  Gerade  in  die  entgegengesetzte  Rich- 
tung gelangt  ist. 

Da  ;•]  und  r.,  in's  Unendliche  wachsen  können,  ohne  dass 
ihre  numerische  Differenz  sich  ändert,  so  folgt,  dass  die  Curve 
sich  ins  Unendliche  erstreckt,  —  Nehmen  wir  an,  die  Rich- 
tung (0 —  P)  sei  die  ursprüngliche  Richtung  der  sich  drehen- 
den Geraden.  Damit  X  sich  in's  Unendliche  entferne  (nach 
der  in  der  Figur  mit  1  bezeichneten  Seite   hin),   müssen   die 


—     43     — 

durch  (X  —  P)  und  (X — 0)  bestimmten  Geraden  parallel 
werden;  d.  h.  in  dem  Dreieck  der  Punkte  XPÄ  müssen  die 
Winkel  bei  P  und  Ä,  die  stets  gleich  sind,  Rechte  werden; 
folglich  muss  dann  (P — Ä)  auf  (0  —  Ä)  senkrecht  stehen, 
und  Tangente  am  Leitkreise  sein;  Der  Leitpunld  eines  un- 
endlich entfernten  Punldes  der  Hyperbel  ist  also  der  BerüJinmgs- 
jpunM  einer  von  P  an  den  Leitlireis  gezogenen  Tangente.  Und 
da  man  zwei  solche.  Tangenten  construiren  kann,  so  folgt, 
dass  die  Hyperhel  sivei  unendlich  entfernte  PunJäe  hat.  — 
Jeder  dieser  Punkte  kann  aber  auch  als  Durchschnitt  der 
entgegengesetzten  Richtungen  der  beiden  parallelen  Geraden 
betrachtet  werden.  Und  in  der  That  tritt  X,  indem  die  er- 
zeugende Gerade  sich  weiter  dreht,  auf  der  entgegengesetzten 
Seite  derselben  wieder  auf  (von  der  in  der  Fig.  10  mit  2  be- 
zeichneten Seite  her),  und  beschreibt  nun  einen  von  dem 
ersten  völlig  getrennten  Zweig  der  Curve.  Bei  weiterer  Um- 
drehung der  erzeugenden  Geraden  werden  die  durch  (X — 0) 
und  (P  —  0)  bestimmten  Geraden  (wie  oben  bemerkt)  noch 
einmal  parallel,  nämlich  wenn  A  in  den  Berührungspunkt 
der  zweiten  von  P  an  den  Kreis  gezogenen  Tangente  tritt. 
Hierbei  entfernt  sich  X  (nach  der  durch  3  bezeichneten  Seite 
hin)  zum  zweitenmal  in's  Unendliche,  und  kommt  (von  der 
durch  4  bezeichneten  Seite  her)  zurück,  um,  wenn  die  er- 
zeugende Gerade  ihre  Umdrehung  vollendet  hat,  in  seine 
Anfangsstellung  zurückzukehren.  —  Die  Hyperbel  ist  also 
eine  zweimal  durch  einen  unendlich  entfernten  Punkt  gehende 
und  auf  diesem  Wege  in  sich  zurückkehrende  Curve.  (Ebenso 
kann  man  von  der  Geraden  sagen,  sie  sei  eine  Curve,  welche 
einmal  durch  einen  unendlich  entfernten  Punkt  gehe  und  auf 
diesem  Wege  in  sich  zurückkehre.  Auch  bei  dieser  Auffassung 
erscheint  die  Gerade  als  specieller  Fall  der  Kreislinie.)  Die 
Hyperbel  besteht  also  aus  zwei  Zweigen,  welche  resp.  den 
Gleichungen  fj  —  ^"2  =  ~l~  *'?  ^^^  ^i  —  ^'•i  =  —  ^'  entsprechen, 
während  für  die  unendlich  entfernten  Punkte  gleichzeitig 
rj  —  r.,  ^  -j-  r  ist. 

Da  die  Strecken  (X —  Ä)  und  (X —  P)  numerisch  gleich 
sind,  so  hat  auch  die  numerische  Differenz  der  Strecken  (X —  0) 
und  (X  —  P)  für  alle  Punkte  der  Hyperbel  denselben  Werth. 
(Ist  nur  die  Interpretation  der  Gleichung  r^  —  r-y  =  r.) 


—     44     — 

24.  Ist  X  ein  beliebiger  Punkt  der  Curve,  so  ist 

(0  -  X)  -  (P  -  X)  =  (0  -  P). 
Ist  ferner  ein  Punkt  X'  so  bestimmt,  dass 

(0-X)  =  (X'-P), 
so  folgt  aus  dieser  Gleichung: 

(0-X')  =  (X-P); 
daher,  wenn  man  diese  Werthe  oben  einsetzt: 
(X  —  P)  -  (X  -  0)  =  (0  -  P) . 
Und   da  auch  numerisch 

(0  .-  X)  —  (P-  X)  =  (X'  —  P)  -  (X  —  0) 
ist,  so  ist  auch  X'  ein  Punkt  der  Curve. 

Ferner  ist 

x±x_o_±p__  ,^ 

2         ~        2  ' 

d.  h.  der  Punkt  M  ist  die  Mitte  zwischen  einem  beliebigen 
Punkte  der  Curve  X,  und  einem  anderen,  entsprechenden 
Punkte  derselben,  X',  Daher  heisst  M  der  Mittelpunkt  der 
Hyperhel.  —  Jede  durch  M  gehende  Strecke  zwischen  zwei 
Punkten  der  Curve  heisst  Durchmesser. 

Alle  bisher  aufgestellten  Gleichungen  bleiben  unverändert, 
wenn  man  die  Punkte  0  und  P  vertauscht.  Es  kann  daher 
als  Leitcurve  der  Hyperbel  auch  ein  aus  P  mit  r  beschriebe- 
ner Kreis  genommen  werden,  —  Die  Punkte  0  und  P  heissen 
nun  zusammen  Brennpunhte  der  Hyperbel,  und  die  von  X 
nach  diesen  Punkten  gezogenen  Strecken  (r^  und  r^)  Leit- 
stralen  (Radien  Vectoren).  —  Da  die  Gleichung  r^  —  *'2  =  ** 
durch  Vertauschung  von  r^  mit  r.,  die  Form  r^  —  r^  =  r,  oder 
rj  —  ^^2  "="  —  '''  annimmt,  und  beide  Gleichungen  die  ver- 
schiedenen Hyperbelzweige  darstellen,  so  folgt,  dass  die  End- 
punJdc  jedes  Durchmessers  auf  mvei  verschiedenen  Zweigen  der 
Curve  liegen. 

Die  aus  den  Endpunkten  eines  Durchmessers  der  Hyperbel 
gezogenen  Leitstralen  bilden  ein  Parallelogramm. 

Sei  S  einer  der  beiden  Durchschnittspunkte  der  Hyperbel 
mit  ihrer  grossen  Axe,  und  T  sein  Leitpunkt,  so  ist  numerisch : 

(0  -  S)  -  (S  -F)  =  (0-  T). 
Da   aber  diese  drei  Strecken  auf   derselben  Geraden    liegen 


\ 


—    45    — 

und  dieselbe  Richtung  haben,  sq  drückt  diese  Gleichung  auch 
eine  Beziehung  zwischen  den  Punkten  OS  FT  aus,  und  man 
erhält: 

d.  h. :  Jeder  DurcJisclmittsjnmkt  der  Hyjperhel  mit  ihrer  grossen 
Axe  liegt  in  der  Mitte  zivischen  seinem  Leitjjunkt  und  dem- 
jenigen Brennpunlie ,  icelcher  nicht  Mittelimnlit  des  Leit- 
kreises ist. 

Ist  S'  der  zweite  jener  Durchschnittspunkte,  und  T  sein 
Leitpunkt,  so  ist 

.„  _  p-\-r . 

demnach : 

iS-S')  =  ^^', 

d.  h. :  Die  grosse  Axe  der  Hyperlel  (als  Durchmesser  betrach- 
tet) ist  numerisch  gleich  dem  Radius  des  Leitkreises  (r)  oder 
der  Differenz  (r^  —  r^)  der  beiden  Leitstralen  eines  Punktes 
der  Hyperbel. 

Die  in  M  auf  der  Hauptaxe  errichtete  Senkrechte  heisst 
Nebenaxe  der  Hyperbel.  Da  für  jeden  Punkt  dieser  Geraden 
numerisch  r^  =  rj  ist,  so  hat  sie  mit  der  Hyperbel  keinen 
Punkt  gemeinsam;  denn  auch  ihr  unendlich  entfernter  Punkt 
liegt  in  einer  anderen  Richtung,  als  diejenigen  der  Hyperbel. 
(Mit  anderen  Worten:  sie  ist  keinem  der  beiden  Leitstralen- 
paare  parallel,  welche  nach  den  unendlich  entfernten  Punkten 
der  Hyperbel  führen.) 

Aus  der  oben  angegebenen  Construction  eines  beliebigen  25. 
Punktes  der  Hyperbel  folgt,  dass  diese  Curve  der  Weg  des 
Durchschnittspunktes  der  durch  die  Strecken  (0  —  Ä)  und 
{B  —  X)  bestimmten  Geraden  ist.  —  Man  gelangt  nun  durch 
eine  wörtliche  Wiederholung  der  im  Anfang  von  Nr.  18  an- 
gestellten Betrachtungen  zu  dem  Resultat,  dass  die  durch 
{B —  X)  bestimmte  Gerade  stets  nur  den  einen  Punkt  X  mit 
der  Curve  gemeinsam  hat.  —  Diese  Gerade  ist  daher  eine 
Tangente  der  Hyperbel. 

Da  während  der  Umdrehung  der  Strecke  (0  —  A)  die 
Gerade  (B —  X)  beständig  Tangente  der  Hyperbel  ist,  so  hat 
diese  Tangente  während  einer  ganzen  Umdrehung  die  ganze 


—     46     — 

Ebene  beschrieben ,  mit  Ausnahme  derjenigen  beiden  Räume^ 
in  welchen  die  Brennpunkte  liegen.  —  Die  Tangente,  in  ihren 
verschiedenen  Richtungen,  umhüllt  also  die  Hyperbel,  und 
kann  ebenso  wie  der  Punkt  X  als  das  die  Hyperbel  erzeugende 
Gebilde  angesehen  werden.  —  Man  sagt  von  einem  Punkte, 
er  liege  auf  der  convexen  oder  der  concaven  Seite  der  Hyperbel, 
jenachdem  er  von  irgend  einer  Tangente  getroffen  wird  oder 
nicht.  Man  kann  also  nur  von  einem  Punkte,  welcher  auf 
der  convexen  Seite  der  Hyperbel  liegt,  eine  Tangente  an 
diese  Curve  ziehen. 

Da  die  Tangente  den  Winkel  der  Strecken  (X  —  Ä)  (oder 
(X — 0))  und  {X — P)  halbirt,  so  kann  man  sagen:  Die 
Tangente  im  PtmMe  X  lialhirt  den  Winkel  der  zugehörigen 
Leitstralen. 

Hieraus  folgt:  Die  Tangente  in  einem  Endpunkte  der 
Hauptaxe  ist  der  Nehenaxe  xmrallel. 

Da  Jf  ==  — i —  und  B  =  ~-^ —  ,  so  ist  für  jeden  Punkt 
der  Curve 


d.  h. :  die  FusspunMe  {B)  der  von  einem  Brennpunkte  (P)  auf 
beliebige  Tangenten  gefällten  Senkrechten  liegen  auf  einem  aus 
dem  Mittelpunkte  der  Hyperbel  mit  der  halben  Hauptaxe  be- 
schriebenen Kreise. 

Dieser  Kreis  geht  durch  die  Endpunkte  der  grossen  Axe, 
und  hat  dort  mit  der  Hyperbel  gemeinsame  Tangenten;  diese 
Punkte  sind  aber  auch  die  einzigen,  in  denen  X  und  5  (die 
Endpunkte  der  stets  parallelen  Strecken  (0  —  X)  und  {M  —  B)) 
zusammenfallen.  Alle  übrigen  Punkte  {B)  des  Kreises  liegen 
ausserhalb  (auf  der  convexen  Seite)  der  Hyperbel!  —  Ver- 
möge der  ersten  Eigenschaft  sagt  man,  der  Kreis  berühre  die 
Hyperbel  in  den  Punkten  S  und  ä',  vermöge  beider:  der  Kreis 
sei  der  Hyperbel  umschrieben. 

Wenn  L  ein  beliebiger  Punkt  der  Tangente  ist',  so  ist 
das  Dreieck  der  Punkte  iJBP  stets  rechtwinklig;  also  liegt  P 
auf  der  über  {L  —  P)  als  Durchmesser  beschriebenen  Kreis- 
linie, mithin  da,  wo  diese  Kreislinie  den  die  Hyperbel  in  S 
und  >S"  berührenden  Kreis    schneidet.     Im  Allgemeinen    also 


I 


47     - 


liefert   ein   Punkt  zwei  Tangeuteu   an   die  Hyperbel,   ebenso 
wie  eine  Gerade  zwei  Durchschnittspunkte  mit  derselben. 

Anmerkung.  Hieraus  folgt  die  Construction  der  Tangenten  von 
einem  beliebigen  Punkte  L  au  die  Hyperbel,  indem  die  Tangeute  durch 
L  und  B  bestimmt  ist. 

Rückt  L  in  unendliche  Ferne,  so  wird  (P — •  L)  der  Tan- 
gente parallel,  und  der  über  (P — L)  beschriebene  Kreis  geht 
über  in  eine  durch  P  senkrecht  auf  (P — L)  gezogene  Ge- 
rade. In  diesem  Falle  ist  also  der  Punkt  L  durch  eine  Ge- 
rade (Strecke)  mit  gegebener  Richtung  ersetzt. 

Anmerkung.  Mit  dieser  Modification  geht  die  vorige  Aufgabe 
in  folgende  über:  An  eine  Hyperbel  die  Tangenten  zu  ziehen,  welche 
einer  gegebenen  Geraden  parallel  sind.  —  Da  P  ausserhalb  des  Be- 
rührungskreises liegt,  so  wird  die  in  P  auf  P  —  L  errichtete  Senkrechte 
den  Kreis  nicht  immer  schneiden ;  die  Aufgabe  hat  demnach ,  wie  leicht 
zu  sehen,  zwei,  eine,  oder  keine  Lösung,  jenachdem  der  spitze  Winkel, 
welchen  die  gegebene  Gerade  mit  der  Hauptaxe  bildet,  grösser,  gleich 
oder  kleiner  ist  als  der  spitze  Winkel,  den  die  Tangente  eines  unend- 
lich entfernten  Punktes  mit  der  Hauptaxe  bildet. 

Die  zu  den  beiden  unendlich 
entfernten  Punkten  der  Hyper- 
bel gehörigen  Tangenten  heissen 
Asymptoten.  Da  die  Asymptote 
diejenige  durch  B  gezogene  Linie 
ist,  welche  mit  (0  —  A)  parallel 
ist  (denn  beide  Linien  stehen  auf 
{A  —  P)  senkrecht),  so  geht  sie 
auch  durch  M,  weil,  wie  oben 
bemerkt,  {M — B)  stets  parallel 
(0  —  A)  ist.  Beide  Asymptoten 
schneiden  sich  also  im  MittelpunMe 
der  Curve. 


Fig.  11. 


Anmerkung.  Aus  der  Definition 
der  unendlich  entfernten  Punkte  und 
der  Tangenten  der  Hyperbel  folgt  die  Construction  der  Asymptoten. 
Man  lege  aus  dem  Brennpunkte  P  die  Tangenten  (P  —  A)  an  den  Leit- 
kreis, lind  errichte  in  der  Mitte  derselben  {B)  senkrechte  Linien. 

Wenn  X'  der  Endpunkt  des  durch  X  gezogenen  Durch- 
messers ist,  so  sind  die  beiden  Linien,  welche,  die  Winkel 
der  von  X  und  X'  ausgehenden  Leitstralen  halbiren ,  parallel ; 


—    48    — 


dies  sind  aber  die  Tangeuten;  man  hat  also  den  Satz:  Die 
beiden  in  den  Endpunkten  eines  Durchmessers  gezogenen  Tan- 
genten sind  parallel. 

Die  aus  den  Brennpunkten  auf  diese  Tangenten  gefällten 
Senkrechten  haben,  wie  schon  gezeigt^  die  Eigenschaft,  dass 
ihre  Fusspunkte  (B,  C,  JB',  C)  auf  der  Peripherie  des  die  Hy- 
perbel in  S  und  S'  berührenden  Kreises  liegen;  also  ist  für 
jeden  Punkt  der  Hyperbel  {B  —  C)  eine  durch  P  gehende  Se- 
cante  dieses  Kreises ;  und  das  Product  der  numerischen  Werthe 
von  {P  —  B)  und  (P— 6")  ist  (nach  „Raumlehre"  Nr.  99) 
constant.  Da  nun,  wie  leicht  zu  sehen,  (P  —  C)  =  (C  —  0), 
so  kann  man  sagen,  dass  das  Product  der  numerischen  Werthe 
der  von  den  Brennpimlien  auf  eine  beliebige  Tangente  gefällten 
Senkrechten  constant  ist. 
26,  Jeder  Punkt  einer  Tangente  ist  gleichweit  entfernt  von 

dem  Brennpunkte  (P)  und  dem  Leitpunkte  (Ä)  des  Berühruugs- 
punktes.  Wenn  daher  X  und  Xj  zwei  beliebige  Punkte  der 
Curve  sind,  A  und  A^  ihre  Leitpunkte,  und  L  der  Durch- 
schnittspunkt ihrer  Tangenten,  so  ist: 

{L-A,)iy  =  {L-P)', 
{L  —  P)i-i'  =  {L  —  A)-, 
also: 

{L-A,)iy-!'={L  —  A). 
Ferner : 

{0  —  A)i"  =  {0  —  Ji). 

(^0-L)  +  {L-A)  +  {A-0) 

=  0; 

^O-D  +  iL-A,) 

+  (^,-0)  =  0, 

oder,    wenn    man    (X — A^) 

und  {A^  —  0)  durch  die  eben 

Fig.  12.  gefundenen  Werthe  ersetzt : 

(0  — X)  +  {L-A)iß-y  -]-  {A  —  a)i"  =  0. 

Folglich  ist  das  Dreieck  der  Punkte  OLAi  symmetriscli  mit 

dem  der  Punkte  OLA,   und  (0  —  L)   bildet  gleiche  Winkel 

mit  (0  —  A)  und  (0  —  ^j).  (Vgl.  „Raumlehre"  Nr.  92.)   Man 

kann  also  sagen :  Verbindet  man  die  Leitpunkte  der  Berührungs- 


—    49     - 

punhte  zweier  Tangenten  mit  deren  Schnittpunkte,  so  wird  der 
Winhel  dieser  Verbindungslinien  durch  denjenigen  Badius  des 
Leithreises  halhirt,  welcher  durch  den  Schnittpunkt  der  Tan- 
genten geht. 

Aus  {L-A)-{-  {A  -  0)  +  (0  -  X)  =  0  folgt: 

{L-Ä)iß  +  {Ä~0)ii'  +  {0  —  L)iß  =  0. 

Nun  ist 

{L-A)ii'^{L  —  F). 
Sei  ferner: 

{A-0)v'  =  {F—C), 
so  folgt: 

(0— Z)«/^=  {C  —  L). 

Also  ist  der  Winkel  der  Strecken  {L  —  A)  und  (L  —  P) 
gleich  dem  der  Strecken  (i  —  0)  und  {L  —  C).  Ferner  ist  C 
der  Leitpunkt  von  Xj  in  dem  aus  P  beschriebenen  Leitkreise. 
Man  kann  also  sagen:  Construirt  man  zu  jedem  von  zwei 
Funkten  der  Hyperbel  den  Leitpunkt  in  einem  anderen  Leit- 
kreise, und  verbindet  den  Schnittpunkt  der  beiden  in  jenen. 
Punkten  gezogenen  Tangenten  mit  den  Brennpunkten  und  den 
beiden  Leitpunkten,  so  sind  die  Winkel  zwischen  einer  Ver- 
bindungslinie der  ersten  und  einer  der  zweiten  Art  einander 

gleich.  —  Der  Winkel  der  Tangenten  ist  "^  ~  ,  der  Winkel 
der   nach    den  Leitpunkten    gezogenen    Geraden    ist   ^—- — ~  • 

Man  sieht  ferner,  dass  die  Winkel  X^LXundOLP  dieselbe 
Halbiri  ingslinie  haben . 

Derjenige  Winkel  der  Asymptoten,  zwischen  dessen 
Schenkeln  die  beiden  Zweige  der  Hyperbel  liegen ,  heisst  der 
Asijmptotenivinkel.  —  Von  den  durch  M  gezogenen  Geraden 
schneiden  nur  diejenigen,  welche  die  Asymptotenwinkel  thei- 
len,  die  Curve  in  2  Punkten,  die  Asymptoten  selbst  (als 
Tangenten)  treffen  die  Curve  in  je  einem  Punkte,  alle  übrigen 
durch  M  gezogenen  Geraden  treffen  sie  gar  nicht.  —  Aus 
dem  Begriff  der  Asymptoten  folgt  ferner:  Zwei  Tangenten, 
die  an  denselben  Hyperbelztceig  gezogen  sind,  schneiden  sich 
in  einem  Punkte,  der  mit  diesem  Zweige  zivisehen  den  Schen- 
keln desselben  Asi/mptotemvinkels  liegt;  zu-ei  Tangenten,  die  an 
verschiedene  Hyperbelzivcige  gezogen  sind,  schneiden  sich  in 
einem  Punkte,   der  ausserhalb  der  Schenkel   der  Asymptoten- 

Schlegel,  Elemente.  4 


-     50    — 

winket  liegt.  Umgekehrt:  Die  Tangenten,  welche  von  einem 
Punkte  Innerhalb  der  SchenTxel  des  AsymptotenwinJcels  ausgehen, 
treffen  beide  den  in  demselben  Baume  liegenden  Hyperbelziveig ; 
die  Tangenten,  ivelche  von  einem  Punkte  ausserhalb  der  Schen- 
kel des  Asymptotemvinkels  ausgehen ,  treffen  jede  einen  anderen 
Zweig  der  Hyperbel. 

Unsere  letzte  Betrachtung  setzte,  wie  die  Figur  zeigt, 
den  zweiten  dieser  beiden  Fälle  voraus.  Wenn  die  beiden 
Tangenten  aus  L  an  denselben  Hyperbelzweig  gehen,  so  hat 
man  nur  ß  überall  mit  entgegengesetztem  Vorzeichen  zu  ver- 
sehen, wodurch  alle  Formeln  mit  den  analogen  für  die  Ellipse 
geltenden  identisch  werden. 

Specielle  Fälle.  1)  y  —  ß  =  2.  —  Dann  ist  (L  —  A) 
=  —  (L  —  J.j);  d.  h.:  die  Punkte  A^LA  liegen  in  einer  Ge- 
raden, und  der  Winkel  der  Taugenten  ist  ein  Rechter.  — 
Da  der  Asymptotenwinkel  stets  kleiner  ist  als  der  Winkel 
zweier  au  denselben  Hyperbelzweig  gezogener  Tangenten,  so 
kann  der  letztere  nur  dann  ein  Rechter  sein,  wenn  der  erstere 
spitz  ist.  Und  da  der  Nebenwinkel  des  Asyraptotenwinkels 
stets  grösser  ist,  als  der  Winkel  zweier  an  verschiedene 
Hyperbel  zweige  gezogener  Taugenten,  so  kann  der  letztere 
nur  dann  eiu  Rechter  sein,  wenn  der  erstere  stumpf  ist.  — 
Ueberhaupt  also  kann  der  Winkel  zweier  Tangenten  nur  dann 
ein  Rechter  sein,  wenn  der  Asymptotenwinkel  spitz  ist.  — 
Ist  dieser  Winkel  ein  Rechter,  so  sind  die  Asymptoten  selbst 
die  zugehörigen  Tangenten.  —  Je  nach  der  Beschaffenheit 
des  Asymptotenwinkels  kann  man  die  Hyperbel  selbst  s^ntz- 
winklig,  rechtwinklig  oder  stumpfwinklig  nennen. 

2)  a  =  2.  —  Dann  ist(0  — ^,)=  —  {0  —  A);  d.h.  die 
Punkte  A^OA  liegen  in  gerader  Liuie,  mithin  auch  X,  OX; 
d.  h.  die  Verbindungslinie  der  Berührungspunkte  geht  durch 
den  Brennpunkt  0. 
27.  Anwendung  der  inneren  Multiplication.  —  (Vgl.  Nr.  20.) 
Im  ersten  der  soeben  erwähnten  speciellen  Fälle  ist  der  Win- 
kel der  Strecken  {L — 0)  und  {L  —  A)  ein  Rechter,  mithin: 

(L-Of  -{-  (L-  A)^  ^-  {0-  Af, 

oder,  da  numerisch  {L^ —  A)  =  {L  —  P),  und  ferner  (0  —  A) 
=  r  ist: 


—    51     —     ' 

2 


(L  —  0)-  +  (Z  —  P)-  =  r 

Also  liegen  alle  diejenigen  PunJde,  in  denen  zivei  Tangenten 
der  Hyperbel  sich  unter  rechtem  Winkel  schneiden,  auf  einer 
Kreislinie  mit  dem  Mittelpimlit  M. 

Anmerkung.   Bezeichnet  man  numerisch  die  Hauptaxe  mit  a,  die 
Entfernung   der   Brennpunkte   mit  c,    und   setzt  c-  —  r^  =  b^,    so   ist 

[— -|  —  (v)  "^(v/^^It)'  ^^^  wenn  (i  der  Radius  der  eben 
erwähnten    Kreislinie    ist ,     so    i&t    r^  =  2  ^^  -{-  2  l  —-]    ;        folglich 

a^  =  2(1^  4"  -IT  ;  ^f-  =  «* s~  =  "         1  — i —  I  =  — n —  ;   endlich 

ft  =  -^  Ya^  —  b^.  —  Der  Radius  fi  ist  also  reell,  imaginär,  oder  Null, 
jenachdem  a  >,  <i,  =  b  ist.  Im  letzten  Falle  ist  ilf  der  einzige  Punkt, 
in  welchem  sich  zwei  Tangenten  unter  rechtem  Winkel  schneiden ;  und 
da  die  aus  31  gezogenen  Tangenten  die  Asymptoten  sind,  so  stehen 
diese  senkrecht  auf  einander;  d.  h.  die  Hyperbel  ist  rechtwinklig.  (Die 
rechtwinklige  Hyperbel  entspricht  als  specieller  Fall  der  allgemeinen 
Hyperbel  ebenso  wie  der  Kreis  der  Ellipse.)  Ist  a  >  b,  so  ist  die  Hy- 
perbel spitzwinklig,  und  wenn  a  <^h,  stumpfwinklig. 

Im    zweiten  Fall  ist  der  Winkel   der   Strecken   (0  —  L) 
und  (0  —  A)  ein  Rechter ,  mithin : 


{L-A)^-{L-Or  =  {0-A)^, 

oder,  da  numerisch  {L  —  A)  =^  {L  —  P),  und  ferner  (0  —  A) 
==■■  r  ist: 

(i-P)-  -  {L—Of=r-. 

Also  liegen  alle  diejenigen  PunJcte,  in  denen  stvei  Tangenten 
sich  schneiden,  deren  Berülirungspunkte  mit  einem  Brennpunkte 
in  gerader  Linie  liegen,  in  einer  auf  der  Hauptaxe  senkrecht 
stehenden  Geraden.  —  Diese  Gerade  heisst  die  Diredrix  der 
Hyperbel.  Eine  zweite  üirectrix  entspricht  dem  Brenn- 
punkte P.  —  Diejenige  durch  einen  Brennpunkt  gehende 
Sehne,  welche  der  Directrix  parallel  ist,  heisst  Parameter 
der  Hyperbel. 

Wenn  die  in  X  gezogene  Tangente  die  beiden  Directrix-  28. 
Linien   resp.   in  L  und  i,   trifll,    so   ist  das   Dreieck  XLO 
ähnlich   dem  Dreieck   XLyP,    da  die   Winkel   bei  X  gleich 
sind  (Nr.  25),    und    die   Winkel   bei   0  und  P  Rechte   sind. 

■i* 


—    52    — 


(Vgl.  „Raumlehre"  Nr.  137.)     Polglich  ist  numerisch 

0  —  X__  L  —  X  _  H  —  X 
P-X~~  Lt  —  X~  H^-X' 

da  auch  die  Dreiecke  J3"ZX  und  H^L^X  ähnlich  sind.    Wei- 


ter folgt; 


0  —  A       H—H, 


oder: 


XI I  —  X        H  —  -Hj 


d.h. 


P  -  X  ~  IT,  -  X '  """^ '  P  —  X  0  —  A^ 
Für  jeden  Punkt  der  Hyperhel  ist  das  Verhältniss  seiner  Ent- 
fernung eil  von  einer  Directrix  und  dem  zugehörigen  Brenn- 
punM  eine  constante  Grösse,  nämlich  gleich  dem  Verhältniss 
sivischen  der  Entfernung  der  beiden  Directrix-Linien  und  der 


Fig.  13. 

Hauptaxe.  —  Sei  K  der  Schnittpunkt  der  Directrix  (zu  0) 
mit  der  Hauptaxe,  so  ist  numerisch  (K  —  Py  —  {K —  Oy  =  r-, 
oder,  wenn  (0 —  P)  =  c  gesetzt  wird: 

{K—  Of  —  2c{K—  0)  +  c"-  -  {K—Oy  =  r2; 

d.  h.:{K-0)  =  '^' ;  ferner  {H- H,)^c~-2 {K- 0)^'-x 


folglich:   ^  _  J 


2c 
r 
c 


•  —  Aus  den  obigen  Gleichungen  folgt : 
Hi—X 


H—^y 

0  -  Ä 


O  —X~~  P  —  X 
oder,  wenn  (X — S)  =- (H — K)  gemacht  wird; 


o  —  x 


—    53    — 


Wenn  endlich  (0  —  X)  =  q,  und  der  Winkel  zwischen  q  und 
(0 — IC)  gleich  9  gesetzt  wird,  so  geht  die  letzte  Gleichung 


über  in; 


cos  (p  — 


2CQ 


oder 


Sei 


2  (r  —  c  .  cos  cp) 
(jP  =  1  Rechter   annimmt,    so    ist 


f,'   der  Werth,    den   q  für 

—  •    Setzt  man  diesen  Werth  in  die  Gleichung  für  q 


P  = 


P 


ein,  so  folgt,  wenn  man  noch  —  =  e  setzt :  p  =  „  ,, 

'  °  '  r  *^        2  (1  —  e  .  cos  q») 

Diese  Gleichung  heisst  die  Polargleichung  der  Hyperbel;  e  die 
Excentricität ,  und  p  ist,  wie  leicht  zu  sehen,  der  Parameter. 
—  Die  Polargleichung  lässt  sich  in  eine  auf  rechtwinklige 
Coordinatenaxen  bezogene  Gleichung  umwandeln  durch  die 
Substitutionen  x  =  q  .  cos  q)]  y  =^  q  .  sin  (p. 

Es  seien  (X — X')  und  {Y  —  F')  zwei  beliebige  Durch- 29. 
messer  der  Hyperbel;  dann  sind  ihre 
Endpunkte  die  Ecken  eines  Parallelo- 
gramms, weil  {Y  —  X)  =  {Y—]\f) 
4-  (Jf-  X)  =  (M—  Y')  +  (X—  Jf) 
=r  (X'  —  Y')  ist.  Aber  auch  die  in 
diesen  Endpunkten  gezogenen  Taugen- 
ten bilden  ein  Parallelogramm  (vgl. 
Nr.  25  am  Ende).  Und  der  in  Nr.  22 
aufgestellte  elementare  Satz  lehrt  fol- 
gendes: Die  Diagonalen  eines  der  Hy- 
perhel  umschriebenen  Parallelogramms 
schneiden  sich  im  llittelpunM  der  Curve, 
sind  also  Durchmesser  (sofern  man  den 
ßeffriff  des  Durchmessers  auch  auf  die- 
jenigen  durch  31  gehenden  Geraden 
erweitert,  welche  die  Curve  nicht  schneiden) 
Durchmesser  heissen  conjugirfe  Durchmesser. 


Fig.  14. 


Zwei  solche 


3.  Bewegungsgesetz  )\  +  r,  =  oo. 


Die  Parabel. 


Die  Erzeugung  der  Ellipse    und    der  Hyperbel    beruhte  30. 
auf  der  gemeinsamen   Voraussetzung,    dass    der  Radius    des 
Leitkreises  eine  endliche  Grösse  habe.    Halten  wir  den  Durch- 
schnittspunkt dieses  Kreises  mit  der  durch  0  und  P  bestimm- 
ten Geraden  0  fest,  lasseu  aber  den  Punkt  0  sich  von  diesem 


54    — 


Durchschnittspunkte  auf  der  Geraden  in's  Unendliche  ent- 
fernen, so  geht  der  Leitkreis  in  eine  auf  der  Geraden  0  senk- 
recht stehende  gerade  Linie  über,  r  wächst  in's  Unendliche, 
und  die  Lage  eines  Punktes  X  der  zu  erzeugenden  Curve 
wird  jetzt  durch  das  Gesetz  bestimmt,  dass  X  von  P  nyid  von 
der  Leitlinie  jederzeit  gleicluveit  entfernt  sei.  Da  in  der  Lage 
des  Punktes  P  dieser  Geraden  gegenüber  kein  Gegensatz 
zwischen  ,, innerhalb"  und  „ausserhalb^'  mehr  stattfindet,  so 
bildet  die  von  X  beschriebene  Curve  einen  speciellen  Fall 
sowohl  der  Ellipse  als  der  Hyperbel.  (Wenn  P  auf  der  Leit- 
linie liegt,  so  erhält  man  wie  früher  die  in  P  auf  letzterer 
senkrecht  stehende  Gerade  0  als  Weg  des  Punktes  X.)  End- 
lich ist  klar,  dass  die  durch  0  und  X  gehende  Gerade,  welche 
früher  um  den  Punkt  0  sich  drehte,  jetzt  parallel  mit  der 
Geraden  0  vorwärts  rücken  wird.  (Vgl.  Nr.  3.)  —  Tm  All- 
gemeinen ergeben  sich  die  Eigenschaften  der  Parabel  aus 
denen  der  Ellipse  oder  Hyperbel  durch  die  eben  erwähnte 
Specialisirung. 

Wenn  eine  Gerade  parallel  mit  einer  festen  Geraden  0 
sich  vorwärts  schiebt,  und  ein  auf  ihr  befindlicher  Punkt  X 
sich  inzwischen  so  auf  ihr  bewegt,  dass  er  von  einer  auf  0 
senkrecht  stehenden  festen  Geraden  und  einem  auf  0  liegen- 
den Punkte  P  stets  gleichweit  ent- 
fernt ist,  so  heisst  die  von  X 
beschriebene  Linie  Parabel.  Die 
Gerade  0  heisst  Axe  der  Parabel. 
Jeder  Lage  der  sich  schieben- 
den Geraden  entspricht  ein  Punkt 
O  X  der  Parabel,  aber  auch  ein 
Punkt  A  der  Leitlinie.  Zu  jedem 
Punkte  der  letzteren  gehört  also 
ein  Punkt  der  Parabel.  Daher 
heisst  A  der  Leitpunkt  zu  X. 

Man   findet  X,    indem   man 
durch  A  die  Parallele  zu  0  zieht, 
^i8- 15.  und  in  der  Mitte  der  Verbindungs- 

linie von  A  und  P  die  Senkrechte  errichtet.  Der  Durchschnitts- 
punkt der  beiden  Geraden  ist  X. 

Da  die  Entfernung  des  Punktes  X  von  der  Leitlinie  eine 


—    55    — 

eindeutige  Grösse  ist,  so  hat  die  durch  X  (d.  h.  jede)  mit  0 
gezogene  Parallele  auch  nur  einen  Punkt  mit  der  Parabel 
gemeinsam.  Man  kann  jedoch  die  Richtung  dieser  Parallelen 
selbst  den  unendlich  entfernten  Punkt  der  Parabel  nennen, 
und  dann  sagen,  der  zweite  gemeinsame  Punkt  sei  dieser  un- 
endlich entfernte  Punkt. 

Aus  der'Eutstehung  der  Curve  folgt  ferner,  dass  bei  der 
unbegrenzten  Vorwärtsbewegung  der  erzeugenden  Geraden 
auch  X  sich  mit  derselben  in's  Unendliche  von  0  entfernt, 
ebenso  aber  auch  von  der  Leitlinie.  Die  Parabel  ist  also  eine, 
wie  die  Ellipse,  aus  einem  Zuge  bestehende,  aber,  wie  die 
Hyperbel,  unbegrenzte  Curve. 

Da  zu  jedem  Punkte  X  der  Parabel  der  entsprechende 
Punkt  X  mit  dem  unendlich  entfernten  Punkte  zusammen- 
fällt, so  vertreten  die  durch  Punkte  der  Parabel  mit  der  Ge- 
raden 0  gezogenen  Parallelen  die  Stelle  der  Durchmesser,  und 
der  Mittelpunkt  liegt  im  Unendlichen. 

Der  Punkt  P  heisst  Brennpunkt  der  Parabel,  und  die 
von  X  nach  P,  und  parallel  mit  0  (nach  dem  unendlich  ent- 
fernten Brennpunkt  0)  gezogenen  Linien  {r^  und  r^)  Leitstrdlen. 

Sei  S  der  Durchschnittspunkt  der  Parabel  mit  ihrer  Axe, 
und  T  sein  Leitpunkt,  so  ist 

^    =     —2 ' 

d.  h. :  Der  DiirchscJinittspunkt  der  Parabel  mit  ihrer  Axe  liegt 
in  der  Mitte  ztvischen  seinem  Leitpunkt  und  dem  Brennpunkte. 

Während  die  erzeugende  Gerade  sammt  dem  Punkte  Ä  3L 
in  fortwährender  Lagenänderung  begriffen  ist,  dreht  sich  die 
Strecke  {B  —  X)  um  den  Punkt  P,  ohne  jemals  in  eine  vorige 
Richtung  zurückzukehren.  Denn  in  dem  Masse,  als  A  nach 
der  einen  oder  anderen  Seite  sich  von  T  entfernt,  nähert  sich 
[B —  X)  der  zu  (0)  parallelen,  resp.  entgegengesetzten  Rich- 
tung, und  macht  also  überhaupt  nur  eine  halbe  Umdrehung. 
—  Demnach  kann  die  durch  {B  —  X)  bestimmte  Gerade  in 
jeder  Richtung  nur  einen  Punkt  mit  der  Curve  gemeinsam 
haben,  und  heisst  daher  Tangente  der  Parabel. 

Die  Tangente  beschreibt  im  Verlauf  ihrer  Drehung  den- 
jenigen Theil  der  Ebene,  welcher  den  Brennpunkt  der  Pa- 
rabel nicht   enthält.     Sie  umhüllt  die  Parabel   und  kann  als 


—    56    — 

erzeugendes  Gebilde  derselben  angesehen  werden.  Ein  Punkt 
der  Ebene  liegt  auf  der  convexcn  oder  der  concavcn  Seite  der 
Parabel,  jenachdem  er  von  irgend  einer  Tangente  getroffen 
wird  oder  nicht.  Man  kann  also  nur  von  einem  auf  der 
convexen  Seite  der  Parabel  liegenden  Punkte  eine  Tangente 
an  diese  Curve  ziehen. 

Die  Tangente  im  PunMc  X  steht  scnJcrecJit  auf  der  Linie, 
welche  den  Winkel  der  mgehürigen  Leitstralen  halbirt,  und 
letztere  bilden  gleiche  Winkel  mit  ihr. 

Die  Tangente  im  Endpunkte  der  Axe  (Scheitel)  steht  auf 
dieser  senkrecht. 

Da  der  Kreis,  welcher  die  Ellipse,  resp.  Hyperbel  in  den 
Endpunkten  ihrer  Hauptaxe  berührte,  für  die  Parabel  in  ihre 
Scheiteltangente  übergeht,  so  folgt  weiter  der  Satz:  Die 
Fusspunkte  der  vom  Brennpunkte  auf  beliebige  Tangenten  ge- 
fällten Senkrechten  liegen  auf  (/er  Scheitelfangente. 

Wenn  L  ein  beliebiger  Punkt  der  Tangente  ist,  so  ist 
das  Dreieck  der  Punkte  LB P  stets  rechtwinklig,  also  liegt  B 
auf  der  über  {L — P)  beschriebenen  Kreislinie,  mithin  da  wo 
diese  Kreislinie  von  der  Scheiteltangente  getroffen  wird.  Im 
Allgemeinen  also  liefert  ein  Punkt  zwei  Tangenten  an  die 
Parabel. 

Anmerkung.     Hieraus  folgt  die  Constructiou  der  Tangenten  von 
einem  beliebigen  Punkte  L  an  die  Parabel. 

Rückt  L  in  unendliche  Ferne,  so  geht  die  erwähnte 
Kreislinie  über  in  eine  durch  P  auf  (P  —  L)  senkrecht  ge- 
zogene Gerade.  Da  diese  Gerade  mit  der  Scheiteltangente 
nur  einen  Punkt  gemeinsam  hat,  so  kann  man  nur  eine  Tan- 
gente parallel  zu  einer  gegebenen  Richtung  an  die  Parabel 
ziehen. 

Anmerkung.  Die  Constructiou  dieser  Tangente  geht  aus  dem  eben 
Gesagten  hervor. 

32.  Jeder  Punkt  einer  Tangente  ist  gleichweit  entfernt  von 

dem  Brennpunkt  und  dem  Leitpunkt  des  Berührungspunktes. 
Wenn  daher  X  und  X,  zwei  beliebige  Punkte  der  Curve  sind, 
Ä  und  Ä^  ihre  Leitpunkte,  und  L  der  Schnittpunkt  ihrer 
Tangenten,  so  ist  das  Dreieck  der  Punkte  LAÄ^  gleich- 
schenklig, und  der  Winkel  an  der  Spitze  desselben  wird  durch 


57 


die  aus  L  auf  die  Leitlinie  gefällte  Senkrechte  halbirt.  Oder: 
Verbindet  man  die  LeitpunMe  der  Berührimyspimldr  ziveier 
Tangenten  mit  deren  Schnittpimlcte ,  so  ivird  der  Winliel  dieser 
Verhindungslinien  durch  den- 
jenigen der  Axe  parallelen 
Leitstral  halbirt,  welcher 
durch  den  Schnittpunkt  der 
Tangenten  geht. 

Sei  0  die  Richtung  der 
Axe,  und  C  diejenige  einer 
Geraden,  die  so  bestimmt 
ist,  dass,  wenn 

dann  auch 

{Ä  —  0)i->'=^  (F  —  C) 
ist.     Dann  folgt: 

(L  — 0)i-(*  =  (X-  C). 
Und  nach  Analogie  mit  den 
entsprechenden  Sätzen  der 
Ellipse  und  der  Hyperbel  wird 
man  schliessen,  dass  C  der 
Leitpunkt  von  X,  auf  einer  unendlich  entfernten,  auf  (P — X,) 
senkrechten  Geraden  ist,  die  man  als  Leitlinie  mit  dem  Centrum 
P  betrachten  kann.  Dann  gestattet  die  letzte  Formel  folgende 
Fassung:  Verbindet  man  den  Durchschnittspunkt  L  zweier 
Tangenten  an  die  Parabel  einerseits  mit  dem  Brennpunlit  P 
und  dem  unendlich  fernen  Punkt  0,  andrerseits  mit  dem  Leit- 
punht  des  einen  Berührungspunktes  (X)  und  dem  unendlich 
fernen  Punkte  der  Geraden  (P —  X,),  so  sind  die  Winkel 
zwischen  einer  Verbindungslinie  der  ersten  und  einer  der  zivei- 
ten  Art  einander  gleich.  —    Der  Winkel  der  Tangenten  ist 

'T^  ,  der  Winkel  der  nach  den  Punkten  A  und  C  gezogenen 

Geraden  ist  -  ^7"^  '   ^^^  sieht  ferner,  dass  die  Winkel  X^LX 

und  OLP  dieselbe  Halbirungslinie  haben. 

Der  Winkel  der  von  L  nach  (7  und  P  gezogenen  Geraden 

ist  also  ^^ftj'  —  ß  =  l^  ;  mithin  der  Winkel  der  von  P 


Fig.  IG. 


—    58     - 


-  Andrer- 
0)  gleich 

■L)  und  {Ä—O),  oder  von  {P—L) 


nach  Xj  und  L  gezogenen  Geraden  2R  —     T  "^ ' 
seits  ist  der  Winkel  der  Geraden  (L  —  Ä)  und  {L 
~r  ^  ;  mithin  der  von  {Ä 

und  (P-  X)  gleich  2R  —  ^  . 

Specielle  Fälle.  1)  /3  -}-  y  =  2.  —  Dann  ist  {L  —  Ä) 
=  —  {L  —  ^4j);  d.  h.  die  drei  Punkte  LAA^  liegen  auf  einer 
Geraden,  und  da  A  und  vi,  stets  auf  der  Leitlinie  liegen,  so 
ist  diese  selbst  die  erwähnte  Gerade.  Da  jetzt  der  Winkel 
der  Tangenten  ein  Rechter  ist,  so  hat  man  den  Satz:  Die 
von  irgend  einem  Punkte  der  Leitlinie  an  die  Parabel  gezoge- 
nen Tangenten  hilden  einen  rechten  WinTiel. 

Da  nun  die  Winkel,  welche  (P — L)  mit  (P — X)  und 
(P —  X^)  bildet,  beide  Rechte  sind,  so  liegen  die  drei  Punkte 
PXXj  in  gerader  Linie;  mithin  haben  wir  den  Satz:  Die 
Berührung sseJine  der  von  einem  Punkte  der  Leitlinie  an  die 
Parabel  gezogenen  Tangenten  geht  durch  den  Brennpimht. 

Hiernach  gehen  die  beiden,  an  entsprechender  Stelle  bei 
der  Ellipse  und  Hyperbel  angenommenen  speciellen  Fälle  bei 
der  Parabel  in  einen  einzigen  über;  und  wenn  wieder  die 
aus  dem  zweiten  dieser  Fälle  hervorgehende  Gerade  Directrix 
genannt  wird,  so  kann  man  sagen,   dass  für  die  Parabel  die 

Directrix  mit  der  Leitlinie  zusam- 
menfällt. —  Diejenige  durch  den 
Brennpunkt  gehende  Sehne,  welche 
der  Directrix  parallel  ist,  heisst 
Parameter  der  Parabel. 

Für  jeden  Punht  der  Parabel 
ist  das  Vcrhältniss  seiner  Entfer- 
nungen von  der  Directrix  und  dem 
BrennpiinJcfe  gleich  1.  —  Sei  K  der 
Schnittpunkt  der  Axe  mit  der  Di- 
rectrix, ferner  q  der  numerische 
Werth  der  Strecken  {A  —  Z), 
(P  —  X),  q)  der  Winkel  zwischen 
(P-  X)  und  (P-X),  so  ist 
P);  andrerseits:  (P  —  S)  =  —  q  .  cos  gj; 
Q  .  COS  g),    oder  ^  (1  -|-  cos  cp) 


iP-S)=Q-(K- 

folglich  Q  -  (K—P)  =^  — 


—    59    - 

==  {K  —  F).  Sei  y  der  Werth,  den  q  für  g?  =  1  Rechter 
annimmt,  so  ist  ^  =  (K —  P) ;  also  p  =  ^  ,.    .  :  •    Diese 

'  2  ^  -^  '  '^  2  (1  +  cos  qp) 

Gleichung  heisst  die  JPolargleiclmng  der  Parabel;  p  ist  der 
Parameter.  Sie  geht  aus  derjenigen  der  Ellipse  oder  Hyperbel 
hervor,    wenn    man    dort  c  =  +  1   setzt.     Daher    stellt    die 

Gleichunff   p  =  ^^ ,,   ,    r  ,    wenn    man    darin  e  von  4-  1 

^    ^        2  (1  +  e  cosqo)  '  ' 

bis  —  1  variiren  lässt,  folgende  Curven  dar: 

1>==(+1),    <(+l)u.>0,      =0,      <Ou.>(-l),     =(-1) 
Parabel,  Ellipse,  Kreis,  Hyperbel,  Parabel. 


Zweite  Abtheilung. 

Die  Projectivität  von  Punkten  und  Linien. 

Der  Begriff  der  Involution  von  Punkten  und  Linien,  nebst  34. 
den  Gleichungen,  welche  zwischen  involutorischen  Gebilden 
bestehen,  wurde  in  der  ,, Raumlehre'^  Nr.  171  .aufgestellt,  und 
es  wurde  in  Nr.  185  und  186  gezeigt,  dass  mittelst  des  Be- 
griffes der  reciproken  Verwandtschaft  jeder  durch  eine  Glei- 
chung zwischen  Punkten  darstellbare  Satz  einen  reciproken 
Satz  nach  sich  zieht,  welcher  durch  eine  Gleichung  zwischen 
Linientheilen  dargestellt  wird.  —  Im  Folgenden  sollen  nun  die 
verschiedenen  projectivischen  Beziehungen  zwischen  Punkten 
und  Linien  abgeleitet  werden,  und  es  wird  der  Begriff  der 
Reciprocität  in  der  Weise  verwendet  werden,  dass  jedem  Satze 
sein  reciproker  gegenüber  gestellt  wird.*) 


*)  Um  dem  Gegenstande  dieser,  wie  dem  der  folgenden  Abtheilung 
seine  Stelle  im  „System  der  Eaumlehre''  anzuweisen,  erscheint  es  zweck- 
mässig, die  dort  gegebene  Reihenfolge  der  Gegenstände  in  folgender 
Weise  zu  ändern: 

II.   Grössen  im  Gebiete  der  Ebene. 

A.  Abgeleitet  aus  einer  beweglichen  Geraden. 
a.  Einfache  Bewegung  (S.  23—69). 

ß.  Zusammengesetzte  Bewegung  (Abth.  1.  des  vorliegenden  Buches). 

B.  Abgeleitet  aus  mehreren  festen  Strecken  oder  Punkten. 
1.  Einfache  Grössen. 

a)  Einzelne  Grössen  (S.  70—129). 


60     - 


1.  Halbirungspunkte  und  Halbirungslinien. 

35.  Betrachten  wir  zuerst  den  speciellen  Fall,  dass  von  vier 

harmonischen  Punkten  auf  einer  Geraden  der  eine,  D,  in 
unendliche  Ferne  gerückt  sei,  dann  halbirt  der  ihm  zugeord- 
nete Punkt  B  die  Strecke  zwischen  den  beiden  anderen,  A 
und  C,  und  man  hat: 

^4-  C     ^         A—C 

2 


B 


B 


wobei  B  ein  Punkt  mit  dem  Coefficienten  0,  d.  h.  eine  Strecke 
oder  ein  unendlich  ferner  Punkt  ist. 

Sind  nun  ah  cd  vier  durch  die  Punkte  ABCB  resp. 
gehende  harmonische  Linien,  von  der  Art,  dass  h  auf  der 
Geraden  der  vier  Punkte  senkrecht  steht,  so  halbirt  h  den 
Winkel  der  Geraden  -\-  a  und  +  c,  und  d  denjenigen  der 
Geraden  -|-  a  und  —  c.  (Vgl,  „Rauml."  S.  80  unten.) 

Nun  ist  aber  vermöge 
der  reciproken  Verwandt- 
schaft : 


\ 

/ 

/ 

d 

a/  s 

\. 

\ 

t 

/  , 

\ 

h  = 


a  -\-  c 


d  = 


man  kann  also  sagen,  dass 
jy  die  Halbirungslinie  des  Win- 
kels zweier  Geraden  -f  a  wnd 
-f-  c  dargestellt  werde  durch 

Fig.  18.  a±_C     if,s 

2       ■    ^ 
Ist  die  Richtung  von  h  eine  andere,  so  sind  h  und  d  nicht 
mehr    die    Halbirungslinien    der    Winkel    {-{-(',  +  f)    wud 
{-{-a,  —  c) ,  sondern  es  besteht  nur  die  allgemeine  Gleichung: 

b)  Vereine  von  ürössen  (S.  13:3  —  1.37,  141  —  153.    Ahthcüung  1.  des 
■vorliegenden  Buches). 
2.  Zusammengesetzte  Grössen  (S.  129—133,  137—141.   Abthlfj. 'i 
des  vorliegenden  Buches). 
*)  Wenn  sonst  die  Halbirungslinie  b  des  Winkels  zweier  Geraden 
a,  c  (ihre  Mittelrichtung)  durch  h  =  ya  c  bezeichnet  wird  (vgl.  „Raum- 
lehre" Nr.  83),  so  stellen  die  Buchstaben  ahc  in  dieser  Formel  die  Ge- 
raden nur  ihrer  Bichtnng,  nicht  ihrer  Lage  nhch  dar.    Jene  Bezeichnung 
ist  also  in  den  gegenwärtigen  Untersuchungen,   wo   es  wesentlich   mit 
auf  die  Lage  der  Geraden  ankommt,  nicht  mehr  ausreichend. 


61 


sin  (&«) 
sin  (h  c) 


sin  (da) 


sin  (de) 

Es  gelten  daher  die  Sätze  von  Halbirungslinien  der 
Winkel  ebensowohl  von  allen  Linien,  welche  die  Winkel  so 
theilen,  dass  das  Verhältniss  der  Sinus  der  beiden  Theile  für 
alle  Winkel  dasselbe  ist.  Des  bequemeren  Wortausdruckes 
wegen  soll  jedoch  im  Folgenden  der  Ausdruck  „Halbirungs- 
linie"  (für  welchen  jenes  Verhältniss  den  Werth  1  hat)  bei- 
behalten werden. 

Wenn  ABC  drei  Punkte  der  Ebene  sind,  und  ahc  die 
durch   die  Linientheile  BC,  CA,  AB  resp.  bestimmten  Ge- 


Fig.  19. 


raden,  so  lassen  sich  a,  h,  c  mit  A,  B,  C  reciprok  verwandt 
setzen,  und  mau  erhält  folgende  identische  Gleichungen  und 
Lehrsätze  (s.  zuerst  die  Anmerkung  am  Schluss  dieser  Sätze): 
A  —  B    ,    B-C   .    C  —  A 


-B    ,    B-  C    .     C__ 

'i.         i"       2       "^       2 


0. 


Die  unencUiclh  entfernten  PunMe 
auf  den  Seitenlinien  eines  Drei- 
ecks Hegen  auf  einer  {^unend- 
lich   fernen)     Geraden.     (Vgl. 

Nr.  120.) 


+ m^) 


-0. 


&    I    b  ~  c 

I  o 


c  —  a 
2 


0. 


Die  Halbirungslinien  der  inne- 
ren Winh'l  eines  Dreiecks 
sehneiden  sieh  in  einem  Punkte. 


a-]-h 


)  +  M 


+  ("4^') " 


0. 


DieVerhindungslinie  der  Mitten  Die    Halhirungslinien    ziveier 
ziveier  Seifen  eines  Dreiecks  ist  \  äusseren  und  des  dritten  inne- 


-     62    — 


der  dritten  Seite  parallel  (liegt 
auf  derselben  Geraden  mit  dem 
unendlich  fernen  Punhte  der 
dritten  Seite). 

Die   drei   Tratisversalen   eines 
Dreiecks     schneiden     sich 
einem  Piinlie  (-M). 


in 


N=^  (A  -\-  B)—  C=  (B  -  C) 
-\-'ä  =  {ä-C)-\-  B. 

Eine  Transversale  und  die  aus 
den  zwei  anderen  Ecken  mit 
den  Gegenseiten  gezogenen  Ba- 
rallelen Schneidensich  in  einem. 
Punkte  (N). 


ren    Winkels     eines    Dreiecks 
schneiden  sich  in  einem  Punkte. 


3w  =  (ff  4-  &)  +  c  =  (&  +  c) 
+  a  =  (c +«,)  +  &. 

Die  Punkte,  in  welchen  die 
HaTbirungslinien  der  Äussen- 
winkel  eines  Dreiecks  die  Gegen- 
seiten schneiden,  liegen  in  einer 
Geraden  (m). 

n  =  {a-\-  h)  —  c  =  (b  —  c) 
-{-a  =  (a-c)^b. 

Die  Punkte,  in  welchen  die 
Halbirungslinien  zweier  inne- 
ren und  des  dritten  äusseren 
Winkels  eines  Dreiecks  die 
Gegenseiten  schneiden ,  liegen  in 
einer  Geraden  (w). 

Anmerkung.  Was  die  üebertragung  der  Formeln  in  Worte  be- 
trifft, so  sagen  die  beiden  ersten  Formeln  aus,  dass  drei  Punkte, 
zwischen  denen  eine  Zahlbeziehung  bestellt,  in  einer  Geraden  liegen, 
resp.  dass  drei  Geraden  mit  gleicher  Eigenschaft  durch  einen  Punkt 
gehen.  —  Die  beiden  letzten  Formeln  sagen  erstens  aus,  dass  ein  Punkt 
(M,  N)  aus  drei  Puuktepaaren  gleichzeitig  ableitbar  ist,  woraus  folgt, 
dass  die  jene  Punktepaare  verbindenden  Geraden  durch  denselben  Punkt 
gehen;  zweitens  sagen  die  Formeln  aus,  dass  eine  Gerade  (wt,  n)  aus 
drei  Linienpaaren  gleichzeitig  ableitbar  ist,  woraus  folgt,  dass  die 
Schnittpunkte  jener  Liuienpaare  auf  derselben  Geraden  liegen. 


2.  Harmonische  Punktreihen  und  Stralenbüschel. 

36.  Wenn  A,  B,  C  drei  Punkte  der  Ebene  sind,   und  X  ein 

beliebiger  vierter  Punkt,  welcher  durch  die  Zahlen  mnp  aus 
den  vorigen  abgeleitet  ist,  sodass 

X  =  mA-^  nB-^pC, 

so  sind  die  Schnittpunkte  Xj  X.  Xg  der  Geraden  {A  X),  (B  X), 
(CX)  mit  resp.  {BC),  (CA)]  (AB),  bestimmt  durch  die 
Formeln : 


—    63    — 

X, 

n  -\~  p         '     n  -\-  p      ' 

X, 

p  -{-  m             2i  -\-  in       ' 

X, 

(Vgl.  „Raumlehre«  Nr.  1  Uff.)   Sind  ferner  Ä^B^ C,  die  Punkte, 
in    denen  {BC),  (CA), 
(AB)  resp.  von  {X^  X^), 
(X3ZO,  (XjX,)     ge- 
schnitten  werden,  so  ist 

(«/  —  jj)  i?,  =  m  A  —  pC-^ 
(m  —  ^»)  (\  =  nB—m  A ; 

folglich  durch  Addition : 

+  (w  — wOC,  =0; 


d.  h.:  ^,  ,  B^  und  Cj 
liegen  in  derselben  Ge- 
raden. 

Hieraus  folgt  reci- 
prok,  dass,  wenn  die 
Seiten  eines  Dreiecks 
von  einer  beliebigen  Ge- 
raden geschnitten  werden,  durch  eine  mit  der  vorigen  reci- 
proke  Construction  drei  Geraden  gefunden  werden,  die  sich 
in  einem  Punkte  schneiden.  —  Ist  die  beliebige  Gerade  die- 
jenige, welche  in  der  letzten  Figur  durch  A^B^C^  geht,  so 
ist  der  Schnittpunkt  jener  drei  Geraden  wieder  X.    Denn  sei 


Fig.  20. 


so  ist 


{AB)  =  c,    (BC)  =  a,    {CA)  =  b, 
{A,B,)^{B,G,)  =  {(\A,)  =  x, 

(ax)  =  ^j,    (Jbx)  =  B^ ,    {ex)  =  C, ; 
{hc)  =  A,   {ca)  =  B,    ah  =  C, 
und  wenn  folgerecht  gesetzt  wird: 

{A,A)  =  x,,   {B,B)  =  x,,    {C,C)  =  x,, 


—     64 


so  gehen  die  Linien  {XÄ),  {XB),  (XC)  resp.  durch  die  Punkte 
(x^x^))  (oc^Xi),  (oc^x^)  *) ;  d.  h. :  die  Verbindungslinien  der  Punkte 
(ah)  und  (x^x^),  (bc)  und  {x-^x^ ,  {ca)  und  {x^x^  gehen  durch 
denselben  Punkt  X. 

Neben  dieser  allgemeinen  Beziehung  zwischen  den  Ge- 
bilden X  und  X  ergeben  sich  für  unsere  Figur  noch  weitere 
Sätze. 


die 


1)   Da  die  Linien  {XA),  {XB),  (XC)  nicht  nur  durch 
Punkte   (x^x^),  (x^x^),  {x^x^,    sondern    auch   durch  X^, 


I 


Xj,  Xg  gehen,  und  diese  letzteren  Punkte  die  vierten  har- 
monischen Punkte  resp.  zw.  A^BC,  B^CA,  C\AB  sind  (nach 
„Raumlehre"  S.  80),  so  lässt  sich  das  in  der  letzten  Anmerkung 
erhaltene  Resultat  in  folgenden  Sätzen  aussprechen: 


Werden  die  Seiten  eines  Drei- 
ecks von  einer  Geraden  geschnit- 
ten, iind  construirt  man  zu 
einem  Sclmittpunkt  auf  der 
zugehörigen  Seite  den  vierten 
harmonischen  Punkt,  so  geht 
die  Verhindungslinie  dieses 
Punktes  mit  der  gegenüberliegen- 
den Ecke,  und  die  Verbindungs- 
linien der  beiden  anderen  Schnitt- 
punkte mit  den  gegenüberliegen- 
den Ecken  durch  denselben 
Punkt. 

2)  Addirt  man  die  Formeln: 

-  {n  -\- 2^  X,  =^  —  nB  —  pC , 

(p  -\-  m)  Xo  =^  pC  ~\~  mA  , 

( n  —  m)  C\  =  nB  —  mA  , 
so  folgt: 

(n  —  m)  C,  +  (p  +  m)  X,  —  (n  +  p)  Xy  =  0 , 


Verbindet  man  einen  Punkt 
mit  den  Ecken  eines  Breiecks, 
und  construirt  zu  einer  Ver- 
bindungslinie durch  die  entspre- 
chende Ecke  die  vierte  harmo- 
nische Linie,  so  liegt  der 
Schnittpunkt  dieser  Linie  mit 
der  gegenüberliegenden  Seite, 
und  die  Schnittpunkte  der  bei- 
den anderen  Verbindungslinien 
mit  den  gegenüberliegenden  Sei- 
ten in  derselben  Geraden. 


*)  Au8  der  Formel  für  Ai  folgt:  nB=pC  —  (p  —  n)  Ai;  ferner 
aus  der  für  X:  otB  =  X  ~  niA — pC;  hieraus:  mA  —  {p  —  «) -4, 
=  X  —  2p Cf  und  da  auch  mA  —  (2}/f-n)Ai  =  {m  —  p)Bi-^nB  ist, 
so  gehen  die  Geraden .(J.^,),  {BB^),  {CX)  durch  denselben  Punkt; 
desgl.:  (^JS,),  {CO,),  {AX);   {CG,),  (AA,),  [BX). 


—    G5     - 

in  Worten: 

Werden  die  Seiten  eines  JDrei-  Verbindet  man  eitlen  PunJct 
(cliS  von  einer  Geraden  ge-  \  mit  den  EcTien  eines  Dreiecls, 
schnitten,  so  liegen  die  zu^ so  gehen  die  zu  ziveien  der 
z  IV  e  i  e  n  der  Durchschnitts-  Verhindungslinien  durch  die 
punkte  auf  den  entsprechenden  entsprechenden  Echen  gelegten 
Seiten  construirten  vierten  har-  vierten  harmonischen  Linien 
monischcn  PunJde  mit  dem  mit  der  dritten  Verhindungs- 
dritten  SchnittpunM  in  gerader  linie  durch  denselben  FunM. 
Linie.  | 

3)  Aus  den  Formeln  für  X,  X,,  X.,,  Xg  folgt: 
X=  m  A  +  {n + p)  X^=nB-\-  (p  +  m)  X.^  =^p  C  +  {m  +  n)  Xg , 
in  Worten: 


Werden  die  Seiten  eines  Drei- 
ecls  von  einer  Geraden  geschnit- 
ten, und  construirt  man  zu 
jedem  SchnittpunJd  auf  der 
zugehörigen  Seite  den  vierten 
harmonischen  Punkt,  so  gehen 


Verbindet  man  einen  Punkt 
mit  den  Ecken  eines  Dreiecks, 
und  construirt  zu  jeder  Ver- 
bindungslinie durch  die  ent- 
sprechende Ecke  die  vierte  har- 
monische Linie,   so   liegen  die 


die     Verbindungslinien     dieser  Schnittpunkte  dieser  Linien  mit 


Punkte  mit  den  gegenüberliegen- 
den Ecken  durch  denselben  Punkt. 


den    gegenüherliegenden   Seiten 
auf  derselben  Geraden. 


3.    Involutorische  Punktreihen  und  Stralenbüsehel. 

Drei   Punktepaare   auf   einer   Geraden   (resp.   drei  durch  37. 
einen  Punkt    gehende  Linienpaare)  AC,  EF,  GH  sind    in- 
volutoriseh,  wenn  sie  ein  gemeinsames  harmonisches  Paar  BD 
haben   („Raumlehre^'  Nr.  171).     Es    bestehen    dann    die   Be- 
ziehungen :  ^ 


B  = 


A—XC        E—iiF        G—vH 


1  —  V 


j.  _  A-\-XC  _  E-\-fiF  ^  Gjj-  vH 
1  -{- l     ~     1  +  u-     ~      1  +  r     ' 

woraus  man  unter  Anwendung  der  Substitutionen 

•  1  —  l  ,         1— /"•  1  —  ■"  

r+  A  ~  '^'  '     l-f^  ~~  ^'  '     i-fv  "~  ^1 

leicht  findet: 

Schlegel,  Elemente.  5 


—    66 


^-  i  +  ^r 


'  ^^—    i  +  fi,   '  1  +  ^1    ' 


1  —  Ai     '  1  —  M-i     '  1  —  r, 

Sei  nun  M  die  Mitte  zwischen  i?  und  D,  sodass 

so  findet  sich: 

(M-  Ä\  _(-B--P)a-^i).      /7|f      r'^     -  (-B--P)(i  +  ^i). 
(^Jtx       Ji.)  —        2(1  +  ^,)        '       ^^^        ^^~         2(1 -A,)         ' 

also: 

2  (M  —  ^)  _    (jg  -  B) 
{B  -  D)    ~  2(M—  C)  ' 
oder  numerisch: 

{M-Ä).(M—  C)  =  i^J^^ . 

Ebenso  erhält  man: 

{M—E).{M—F)  =  {M-G)  .  {M—B)  =  ^^~-^^'- 

Der  Punkt  M  hat  also  die  Eigenschaft,  dass  das  numerische 
Product  seiner  Entfernungen  von  zwei  zugeordneten  Punkten 
der  involutorischen  Reihe  constant  ist,  und  gleich  dem  Quadrat 
der  halben  Entfernung  des  gemeinsamen  harmonischen  Paares. 
Vermöge  dieser  Eigenschaft  heisst  M  das  Centrum  der  In- 
volution. 

Nehmen  wir  nun  an,  dass  unter  den  drei  Paaren  der 
involutorischen  Reihe  das  eine,  z.  B.  GH  sich  auf  einen  Punkt 
reducire,  sodass 

a  =  H=p. 

Dann  erhält  die  Bedingungsgleichung  der  Involution 
(s.  „Raumlehre''  Nr.  171): 


-2         iG-A)      (Ä~H) 

(C-H)      (G-C) 

folgende  Form: 

2        (A-P)^, 

~~    (C  -  P)2    ' 

d.  h.: 

1  X   -  ^^-^^ 

ITA—    ^(j-  P)   >    ■ 

oder : 

p A-^  IC 

1  +  l 


^1 

A-IC 

-p         A  +  IC 

P,=B; 

P^^D. 

-     67     - 

Bezeichnen  wir  die  beiden  Werthe  von  P  mit  P,  und  P.,, 
so  ist 


oder: 


Jeder  der  beiden  Punkte  B  und  D  bat  also  die  Eigen- 
schaft, dass  er,  als  Boppelpunld  hetracJdet ,  mit  AC  und  EF 
involutorisch  ist.*)  —  Man  nennt  dieses  Verhältniss  die  In- 
volution von  5  Punlxten,  und  die  Punkte  B  und  B  die  Boppel- 
punJcte  oder  BrennpunTite  der  Bivolution. 

Haben  also  zwei  Punktepaare  AC  und  EF  das  gemein- 
same harmonische  Paar  BB,  so  sind  B  und  B  die  Doppel- 
punkte der  Involution,  und  sie  sind  mit  jedem  Paare  GH 
harmonisch,  welches  mit  den  beiden  gegebenen  Paaren  in- 
volutorisch ist. 

Reducirt  sich  gleichzeitig  das  Paar  GH &\x{  den  Punkt  Pj 
und  das  Paar  EF  auf  den  Punkt  P., ,  so  geht  die  Bedingungs- 
gleichung 

{E-H)      [G-C)      [A-F]  _  . 
{E—C)  '  (G—F)  '  (A—H) 

(„Raumlehre"  Nr.  171  am  Ende)  über  in 

(^2  -  P*      (Pj  -  C)      (A  -  P^)  _  , 
(P2-  C)  '   iP^-P,)  *  (A-P,)         '> 
oder : 

(Pj  -  C)    _  _   (Pi  -  A) , 
(P2  -  C)  (P,  -  A)  ' 

d.  h.  in  die  Bedingungsgleichung  der  Harmonie.  —  Bie  Har- 
monie ist  hiernach  ein  specieller  Fall  der  Bivolution. 

Vertauscht  man  in  den  bisherigen  Formeln  dieser  Nr.  die 
Differenzen  der  Punkte  mit  den  Sinus  der  Winkel,  die  von 
den  entsprechend  benannten  Geraden  gebildet  werden,  so 
erhält  man  reciproke  Resultate  für  involutorische  Stralen- 
büschel, 

Brei  Punkte  auf  einer  Geraden,  ^, ,  A.^,  A.^  bilden  die  38. 
drei  Gruppen: 

^1-^2;    -^2^3?    -^3^1- 

*)  Dies  Resultat  folgt  auch  daraus,  dass  man  sowohl  B  wie  D  als 
ein  Punktepaar  betrachten  kann,  welches  mit  dem  Paare  {BD)  har- 
monisch ist. 

5* 


—     G8     — 

Seien  drei  Punkte  X,   Y,  Z  so  bestimmt,  dass 

ZÄ^  mit  A^Ä^ 

XAi  mit  A.2Ä.^ 

YA.,  mit  A.^Ay 
harmonisch  ist.     Dann  ist 

(^1.  -  A^)  __  __   (X  -  A^)  .  (^2  -  A,)  ^  __  {Y-  A,) . 

(^3  -  A,)      '         {A,  -  X)  '  (A,  -  Ä^)               {A,  -  D  ' 

(^3  -A,)  ^  .    (Z  -  A,) 

[A^  -  A,)  {A^  -  Z) 

Diese  Gleichungen  geben  multiplicirt : 

(^JT^       (y-^3)        (^-^.)  _  -j 

(X-^3)     ■     (Y-A)       ■     (Z-^2) 

Da  dies  die  Bedingungsgleichung  der  Involution  ist,   so   hat 
man  die  Sätze: 

Construirt  man  zu  jedem  von .      Constniirt  man  zu  jeder  von 


drei  PuuJden  auf  einer  Geraden 
den  zugeordneten  harmonischen 
Punkt,  so  bilden  die  6  Punkte 
eine  involutorische  Reihe. 


drei  Geraden  elurch  einen  Punkt 
die  zugeordnete  harmonische 
Linie,  so  bilden  die  6  Linien 
einen  involutorischen  Büschel. 


Vier  Punkte  auf  einer  Geraden,  A^,  A^,  A^,  A^  bilden 
die  drei  Doppelgruppen: 

A^A._^,  A^A^]    AiA^,  ^3^4  5     ^i^'^4'  ^'i^s- 
Ist  nun  Xj  Y^  harmonisch  mit  den  Paaren  der  ersten  Gruppe, 
so  ist: 

(Xi  -  A)   _  _  (T, -^,)  .      (X,  -  A,)  _  _  jY^-A,) 
(X,  -  ^3)  ( ^1  -  A,) '      (X,  -  A,)  ( r,  -  A,) 

Durch  Multiplication  und  Division  dieser  beiden  Formeln  er- 
hält man: 

(X,  -  Ai)      (X,  -  A^)  ^  iY,-Ai)      (r, -A) 

(X,  _  ^3)     (X, -  A,)      (Y,  _  ^3)  ■  (r,  -  ^4) ' 

(Xt  -  A^)      (X,  -  A,)  ^  (r,  -  A^)      {Y,-A,) 
(X,  -  A,)      (X,  -  A^)        (Y,  -  ^3)  •   (Y,  -  A^)  ' 

Die  erste  dieser  Gleichungen  sagt,  dass  die  Paare  Xj  Y,, 
J.,A,,  A^A^,  die  zweite,  dass  die  Paare  X^Y^j  A^A^,  A^A^ 
involutorisch  sind.  "  Man  hat  demnach  die  Sätze: 

Ordnet   man  4  Punkte   auf      Ordnet    man    vier    Geraden 
einer    Geraden    auf   dreifache :  durch    einen   Punld  auf  drei- 


GO 


Weise  m  Gruppen  von  je  sivei  fache  Weise  in  Gruppen  von  je 
Faaren,  so  (jieht  es  zu  jeder  zwei  Faaren,  so  gieht  es  zu 
Grnppe  ein  l*nnJdepafn%ivelclies  jeder  Gruppe  ein  Linicnpaar, 
mit  den  beiden  Faaren  dieser  ivelchcs  mit  den  beiden  Faaren 


Gruppe  harmonisch  und  mit 
denen  der  leiden  anderen  Grup- 
pen involntoriscli  ist. 


dieser  Gruppe  harmonisch  und 
mit  denen  der  beiden  anderen 
Gruppen  involutoriseh  ist. 


Ist  X^  Y2  harmonisch  mit  den  Paaren  der  zweiten  Gruppe, 
so  ist  es  auch  mit  Xj  F,  harmonisch,  weil  X,  Y",,  AtA^,  A.,A^ 
invohitorisch  sind,  und  folglich  das  den  letzten  beiden  Paaren 
gemeinsame  harmonische  Paar  auch  harmonisch  zum  ersten 
Paare  sein  rauss.  —  D.  h. : 


Consfruirt  man  zu  jeder  der 
drei  Fun]d(jruppen  des  vorigen 
Satzes  das  gemeinsame  har- 
monisehe  Faar ,  so  sind  diese 
Faare  auch  unter 
harmonisch. 


Construirt  man  zu  jeder  der 
drei  Liniengruppen  des  vorigen 
Satzes  das  gemeinsame  har- 
monische Faar,  so  sind  diese 
einander .  Faare  auch  unter  einander 
harmonisch. 


4.   Involutorisehe  Punkt-  und  Geraden -Vereine. 

Vier    beliebige   Geraden   ab  ex  schneiden    sich    im  All- 39. 
gemeinen  in  6  Punkten  ABCA^B^t\  (Fig.  20).  —  Nun  folgt 
aus  den  in  Nr.  36  angegebenen  Ausdrücken  für  A^  i?,  C\ ; 

P     iC-B)',     {A,-C)-^;^(C 


{A,-B)^ 
mithin : 


Ebenso : 


Multiplicirt: 


p  -  n 


P 


^); 


Ai-B 

Ai-G  ~ 

i>',  -  G 

Bi~  A  ~ 

C,  -A 

Gl-  B  ~ 

^. 

~  B       Bi~  G 

A, 

—  G       B.—A 

JL  . 

n 

m 

n 
in 

G,  -  A 
C,  -  B 


1, 


Da  diese  Gleichung,  wenn  die  6  Punkte  in  einer  Geraden 
lägen,  die  Bedingungsgleichung  ihrer  Involution  sein  würde 
(nach  „Raumlehre"  Nr.  171   am  Ende),  so   können   Avir  auch 


-     70     — 

den  Verein  dieser  6  Punkte  einen  involiitor Ischen  nennen,  und 
sagen:  Die  6  Punkte,  in  denen  4  Geraden  in  der  Ebene  sich 
schneiden,  bilden  einen  involutoriscJien  Verein.  —  Reciprok: 
Die  6  Geraden  {abca^b^c^),  welche  man  zivischen  4  Funkten 
in  der  Ebene  (ÄBCX)  ziehen  kann,  bilden  einen  involuto- 
rischen  Verein. 

Es  seien- ^0,  Bq,  Oq  die  Punkte,  in  welchen  drei  Ge- 
raden (a,  b,  c)  eines  beliebigen  involutorischeu  Vereins  von 
einer  beliebigen  Geraden  Xq  geschnitten  werden,  sodass 

(y  —  a)B(^=  yC—  aA\ 
(a~ß)C,  =  aÄ—ßB. 

Der   Schnittpunkt  X  der  drei   anderen  Geraden   des  Vereins 
(a^,  &,,  c,)  sei  wie  früher  durch  die  Formel  bestimmt: 
X  =  mÄ  -^nB  -\-pC, 

und  es  seien  A^,  B^,  C'j  die  resp.  Schnittpunkte  dieser  drei 
Geraden  mit  Xq.  —  Um  einen  dieser  Punkte,  z.  B.  jB,,  zu 
bestimmen,  ist  auszudrücken,  dass  er  gleichzeitig  aus  Oj  und  A^, 
sowie  aus  X  und  B  ableitbar  ist.     Nun  ist 

my(a  —  ß)  0„  —  pa  {ß —  y)  Aq  =  myaA  —  (mßy  -{-  paß)  B 
-\-payC=ya{mA-\-nB-\-pC)  —  {mßy-\-nya-\-paß)B  '^ 

oder,  durch  ya  dividirt,  und (-—-[-  i-  =  r  gesetzt: 

B,  =  '-^ia-ß)C,-fiß-y)A,=  X-rßB. 
Ebenso: 

C,  =  ^(ß-y)A,~'^(y-a)B,=:X-ryC', 

A,^f(y-a)B,~^(a-ß)C,=.X~raA. 

Aus  diesen  Formeln  folgt  durch  äussere  Multiplication, 
und  nachherige  Division: 

(^2^0)  _  p(v-ß)a(A„C,)   ^  pa(ß-Y)    . 

(B^Äo)  nncc-ß)yiCoÄo)  myia-ß)    ' 

(C.Aq)  ^  m  {u-y)ß  (BpAo)   ^  viß(y-  k)   ^ 

(C^B,)  n{ß-Y)a(AoBj  na{ß-y)   ' 

(A-Bq)  ^  n{ß-a)y(CoBa)  ^  ny  (a  -  ß) 

UaC'o)  p  iy  -  cc)  ß  (BoC,)  pßiy-a)' 


—    71     - 

Durch  Multiplicatiou  dieser  drei  Gleichungen  folgt: 

(-B2C0)        (OjA,)        (A^Bq)  ^  .  . 
{B^Ao)    '    (~C,Bo)    '    (ACo)  ' 


d.  h. :  Ein  involutorischcr  Gc- 
radenverein  wird  von  jeder 
Geraden  in  einer  involutorischen 
FunJdreihe  fjescJmitten. 


Ein  involutorischcr  Funkt- 
vercin  giebt,  mit  einem  heliehigen 
PunJde  verbunden,  einen  in- 
volutorischen Stralenhüschel. 


Ist  a=ni,  ß  =  n,  'y=p,  so  fallen  A^^Bf^C(^  der  Reihe 
nach  mit  Ai  i?,  C,  zusammen. 

Wenn  die  beliebige  Gerade  durch  einen  Schnittpunkt 
zweier  Geraden  des  Vereins  geht,  so  enthält  die  invohitorische 
Punktreihe  einen  Doj^pelpunli.  Ist  die  Gerade  mit  einer  der 
Geraden  des  Vereins  parallel,  so  fällt  ein  Punkt  der  in- 
volutorischen Reihe  ins  Unendliche.  Reciprok:  Wenn  der 
beliebige  Punkt  mit  zwei  Punkten  des  Vereins  auf  derselben 
Geraden  liegt,  so  enthält  der  involutorische  Stralenhüschel 
einen  Doppelstral.  Fällt  der  Punkt  mit  einem  der  Punkte 
des  Vereins  zusammen ,  so  wird  ein  Stral  des  involutorischen 
Büschels  unbestimmt. 

Bestimmt  man  auf  c  {A  —  B)  zu  Oq  den  vierten  har- 
monischen Punkt  C'o,  und  auf  e^(C~  X)  zu  C2  den  vierten 
harmonischen  Punkt  (7.,,  so  ist 

aA  +  ßB^{a  +  ß)C\ 

(vgl.  den  oben  gegebenen  Ausdruck  für  0^  u.  „Raumlehre" 
Nr.  169).     Weiter  ist: 

X  +  yrC=C\[\  +Yr). 

Addirt  man  diese  Formel  zu  der  vorigen,  nachdem  die  letztere 
init  r  raultiplicirt  ist,  so  folgt: 

X^r{aA^ßB-\-yC)  =  r{a-\-ß)ü\  -f  (l  +  yr^C,. 

Macht  man  dieselbe  Construction  auf  a  und  «,  resp.  h  und  &,, 
so  folgt: 

X-^r{aA  +  ßB^yC)  =  r{ß-^y)A\  +  (1  +  ar)  A\; 
X  +  riaA  +  /3i>*  +  yO  =  r{y  +  a)B\  -\.  (\-\- ßr)B\. 

Folglich  schneiden  sich  die  Geraden  (^'„^.'2),  (B\B\^), 
(CqCo)  in  dem  Punkte,  welchen  die  hnke  Seite  der  Glei- 
chungen ausdrückt,  und  man  hat  die  Sätze: 


72 


Wird  ein  invohUorischer  Ge- 
radenverein von  einer  beliebigen 
Geraden  geschnitten,  und  con- 
stniirt  man  auf  jeder  Geraden 
din  vierten  harmonischen  Funkt 
zum  Schnittpunkt(i,  so  gehen  die 
drei  Geraden,  welche  die  vierten 
harmonischen  Punlte  auf  je 
zivei  gleichnamigen  Geraden 
verbinden ,  durch  denselben 
Funlt. 


Wird  ein  involutorischer 
Punktverein  mit  einem  belie- 
bigen Punkte  verbunden,  und 
construirt  man  durch  jeden 
Punkt  den  vierten  harmonischen 
Stral  sur  Verbindungslinie,  so 
liegen  die  drei  Punkte,  in  denen 
die  vierten  harmonischen  Straten 
durch  je  mvei  gleichnamige 
Punkte  sich  sehneiden,  auf  der- 
selben Geraden. 


40.  Wenn  iu  der  Ebene  6  beliebige  Punkte  A^^,  Ä^,  Ä^,  Ä^, 

Ar^,  A(.^  gegeben  sind,  so  giebt  es  ein  einziges  Pimktepaar  X,  Y, 
welches  sowohl  mit  A^A.,  und  A^A._^  als  mit  A.^A.^  und  A.^Aq 
zusammen  einen  involutorischen  Verein  bildet.  Denn  aus 
den  Gleichungen 


0) 

(2) 


iX  -  A,) 


{A,  -  Y) 
{A,  -  A,) 


{A,-Y) 


{A,  -  A,) 


=  1 


(A,  -  Y) 

welche  diese  Eigenschaft  von  X  und  Y  ausdrücken,  sind  diese 
beiden  Punkte  in  eindeutiger  Weise  bestimmbar.  (Zu  beach- 
ten ist,  dass  die  zweite  Gleichung  durch  blosse  Vermehrung 
jedes  Index  um  eine  Einheit  aus  der  ersten  hervorgeht.) 

Durch  Ausführung  der  äusseren  Multiplication  (unter 
Beachtung  der  Regel,  dass  ab  =  —  ba)  erhält  man  aus  der 
Gleichung  (1): 

+  XYA^  -  XA.A,  —  XI A,  —  A.UiA^  +  YA^A^ 
+  ^2-45^,  =  -  XA,  A,  -  XYA,  +  XYA,  -  A,A^  A, 
+  A,A,A,~YA,A^, 
oder,  wenn  zur  Abkürzung 

«I  =-  (Av  —  A)  +  {^^  -  A) ; 

d,  =  A,A,{A,  -  A,)  H-  A,A,  {A,  -  A,) 

=  A^  A,  {A^  -  ^5)  +  -^4  ^5  (^1  —  A)  =  &i  «1 
gesetzt  wird: 

(3)  xr«!  +  (X-  r)&,  4-  fZj  =0. 


—     73     — 

Durch  Vergrösserung  der  Indices  um  1  erhält  mau  liieraus 
folgende,  mit  der  Gleichung  (2)  äquivalente  Form: 

(4)  X  Ya,  +  (X-  Y)h,  +  d,  =  0  , 
worin 

62  =  A^A^  -\-  A.^A^, 

d,  =  .^3 ^(^^2  -  A)  +  Ä,A,iA,  -  A,) 

Durch  Addition  von  (3)  und  (4)  folgt: 

(5)  X  Y{a,  +  a,)  +  (X-  Y)  (&,  +  h,)  +  (d,  +  d,)  =  0. 

Und  es  werden  die  Gleichungen  (3)  (4)  (5)  durch  dieselben 
Werthe  von  X  und   Y  gleichzeitig  befriedigt. 

Wenn  wir  nun  durch  a.^h.;^d^  diejenigen  Grössen  bezeich- 
nen, welche  aus  a^b^^^^  durch  Vorwärtsschiebung  der  Indices 
um  eine  Einheit  (aus  6  wird  1)  entstehen,  so  ist: 

Erstens: 

«1  +  «2  =  —  -^3  +  .4,  —  A^  -f  A^  ; 
d.  h.: 

(6)  .      «^  -f  «2  =  —  «3  • 
Zweitens: 

Nun  bedeutet  aber  das  Produd  ziveier  PimMc  den  dazwischen 
liegenden  Linientheil ,  und  es  ist  im  Sechseck  der  6  Punkte 
(nach  ,, Raumlehre"  Nr.  130): 

AyA^  +  Ä,A^  +  A^A,  -f  A^A^  +  A^A,^  +  ^g^,  =  0; 

folglich : 

h,^b,=  -{A,A,^A,A,) 
oder: 

(7)  6,  +  6^  =  _  Ö3 . 

f7,  +  f?2  =  -^2-^4^1  —  A^iA  -f  A^iA  —  ^5^1-^2 

Nun  bedeutet  aber  das  Product  dreier  PiinMe  den  dazwischen 
liegenden  Flächentheil,  und  es  ist  im  Sechseck  der  6  Punkte 


74     — 


offenbar  (wenn  man  zur  Abkürzung  nur  die  Indices  statt  der 
Buchstaben  mit  Indices  hinschreibt)*): 

(124)  -f  (235)  +  (346) 
+  (451)  +  (562)  -f  (613) 
f  =  (125)  -h  (236)  +  (341) 

+  (452)  +  (563)  +  (614) ; 
d.  h.: 

(124)  — (J25)+  (235) 

—  (236)  +  (451)  -  (452) 

+  (562)  -  (563) = — (346) 

_|_(34l)_(613)+(614), 

oder : 

(8)     d^  -\-^2  =  —  <^3  • 
Setzt  man  nun  die  Werthe 
(6)  (7)  (8)  in  (5)  ei«,  so  folgt: 

(9)  xr.«3  +  (x~r)&3  +  r?3  =  o. 

Und  da  diese  Gleichung  ausdrückt,  dass  das  Punktepaar  XF 
auch  mit  A^A^  und  A^A^  zusammen  einen  involutorischen 
Verein  bildet,  so  hat  man  die  Sätze: 


Fig.   21. 


Bildet  ein  Punktepaar  einen 
involutorischen  Verein  mit  den 
Ecken  ziveier  Gegenseiten-Paare 
eines  Sechsecks,  so  bildet  es  einen 
solchen  auch  mit  den  Ecken  des 
dritten  Gegenseiten- Paares. 


Bildet  ein  Linienpaar  einen 
involutorischen  Verein  mit  den 
Seiten,  ivelche  in  zwei  Gegen- 
ecken -  Paaren  eines  Sechsseits 
msammenstossen ,  so  bildet  es 
einen  solchen  auch  mit.den  vom 
dritten  Gegenecken- Paar  aus- 
gehenden Seiten. 

Liegen  insbesondere  die  6  Punkte  in  einer  Geraden  (resp. 
gehen  die  6  Linien  durch  einen  Punkt),  so  verwandeln  sich 
die  involutorischen  Punktvereine  in  Punktreihen  (resp.  die 
Geradenvereine  in  Stralenbüschel).**) 

In  diesem  speciellen  Falle  haben  die  drei  involutorischen 


*)  S.  die  Fig.  21,  wo  die  jedem  Flächeutheil  eingeschriebene  Zahl 
angiebt,  wie  oft  er  auf  jeder  Seite  der  folgenden  Gleichung  vorkommt. 

**)  Vgl,  die  analytische  Ableitung  dieses  speciellen  Falles  bei  Hesse, 
„Vorlesg.  a.  d.  anal.  Geom.  d.  geraden  Linie  etc.  1865".  S.  68—74. 


—     75    — 

Puaktreiheu  je  eiu  gemeiusames  harmonisches  Paar.  Es 
sei  nun 

X,  F,  harmonisch  mit  Äi  Ä^,  Ä^A^,  XY , 

■X-^^Y'^  ,,  ,,     A^A^,  A^A^,  XY . 

Dann  haben  die  drei  Paare  XjY, ,  X^Y^,  X^Y^  das  gemein- 
same harmonische  Paar  X  Y,  bilden  also  eine  involutorische 
Reihe,  und  da  die  Punkte  dieser  Reihe  durch  die  6  beliebigen 
Punkte  .-1,  .  .  .  Afi  vollständig  bestimmt  sind  („Raumlehre" 
Nr,  170),  ohne  dass  man  nöthig  hat,  das  Paar  X  F  zu  Hilfe 
zu  nehmen,  so  hat  man  die  Sätze: 


Liegen  6  Punkte,  1  ...  6  auf 
einer  Geraden,  so  bilden  die 
drei  Finiktepaare ,  ivelche  der 
Reihe  nach  mit  12,  45,  mit 
23,  56,  und  mit  34,  61  harmo- 
nisch sind,  eine  involutorische 
Reihe. 


Gehen  6  Geraden,  1  ...  6 
durch  einen  Punkt,  so  bilden 
die  drei  Linienpaare,  welche 
der  Reihe  nach  mit  12,  45,  mit 
23,  56,  und  mit  34,  6 1  harmo- 
nisch sind,  einen  involutorischen 
Büschel. 


5.  Projeetivisehe  Punktreihen  und  Stralenbüschel. 

Darstellung  der  Venvandtschafts-Bezieliungen    durch   den  41. 
Begriff  des  Quotienten*).  —  Gebiet  der  Geraden. 

Ein  Punkt  ändert  seinen  Ort  nicht  durch  Multiplication 
mit  einer  reellen  Zahl.  Wir  können  aber  eine  Grösse  A  an- 
nehmen, mit  der  Eigenschaft,  dass  sie  als  Factor  einen 
Punkt  e,  in  einen  anderen  £y  überführt,  sodass 

(la)  Acy  =  £i 

ist.    Wenn  nun  auf  der  Geraden  alle  Punkte  aus  zwei  Punkten 
e,  und  6-2  abgeleitet  werden,  so  ist 

(2a)  £,   =  «„£',   -f  «,2C2**) 

(3a)  yi £,==«,,  y/e,  -j- «,.,^62  • 


*)  Der  Inhalt  dieser  und  der  folgenden  beiden  Nrn.,  die  dem  in 
der  Ueberschrift  bezeichneten  Gegenstande  nur  zur  Einleitung  dienen, 
ist  eine  tiefer  begründete  Darstellung  der  Nr.  181  —  184  (incl.)  der 
„Raumlehre".  —  lieber  den  Zusammenhang  des  Quotienten  mit  dem 
in  Nr.  8  aufgestellten  „Lückenausdruck"  s.  Grassmann,  Ausdehnungs- 
lehre IL  Nr.  382. 

**)  Setzt  man  £1  =  «i,  |  e^  -(-  cjj  e^,  so  wird,  da  die  Ergänzung  eines 


-     76     — 

Um  A  unabhängig  von  Cj  und  e.^  ausdrücken  zu  können  (was 
durch  Elimination  dieser  Grössen  zu  bewerkstelligen  ist), 
müssen  Avir  noch  den  Punkt  e^  einführen,  welcher  aus  e^ 
durch  Multiplication  mit  A  entsteht.     Dann  ist 

(Ib)  Ae,  =  f, 

(2b)  £2  =  «21^1   +   «22^2 

(3b)  y/fj  =  «21  ^^1  ~h  ^22 '^'■'2  • 

Nach  den  Formeln  (1)  ist  also  A  eine  Grösse,  welche 
mit  gj  multiplicirt  das  Resultat  g,,  dagegen  mit  e.^  das  Re- 
sultat «2  giebt.  —  Nach  Analogie  der  algebraischen  Operation 
kann  man  hiernach  A  als  Quotienten  der  Punktepaare  f^,  e, 
und  E.,,  62  bezeichnen,  und  schreiben: 

(4)  ^  =  T^- 

Anmerkung.  Der  gewöhnliche  Begriff  des  Quotienten  ist  in  dem 
hier  aufgestellten  als  specieller  Fall  enthalten.  Gehen  wir  vom  Ge- 
biete der  Geraden  auf  das  des  Punktes  zurück.  In  jenem  kann  ein 
Punkt  in  einen  andern,  in  diesem  nur  in  sich  selbst  übergeführt  werden., 

Im  Gebiet  des  Punktes  nun  ist  A  =  ~  •    Und  da  die  zusammenfallen- 

den  Punkte  e,  und  s,  nur  durch  einen  reellen  Zahlcoefficienten  sictl 
unterscheiden  können,  so  ist  A  eben  dieser  Zahlcoefficient ,  und  als] 
solcher  der  Quotient  der  beiden  gleichnamigen  Grössen  st  und  Cj,  die] 
hier  ganz  in  der  Rolle  der  sogen,  benannten  Zahlen  erscheinen.  — j 
Vgl.  Grassmann,  Ausdehnungslehre  II.  S.  241  ff. 

Durch  äussere  Multiplication  der  Gleichungen  (1)  erhält] 
mau,  wenn  A.A  durch  (A-)  bezeichnet  wird: 

oder,  da  {c^Cj)  ==  1  ist,  und  indem  man  die  Formeln  (2)  an-l 
wendet: 

(5)  {A'^)  =  «1,  «22  —  «12^21  • 

Die  Grösse  (A'^) ,  welche  dem  äusseren  Producte  der  Zählerl 
des  Quotienten  (4)  gleich  ist,  heisst  der  Fotenzwerth  dieses] 
Quotienten.  *) 


Punktes  auf  einer  Geraden  wieder  ein  Punkt  ist,   weder  an  der  Rech- 
nung noch  an  ihrer  geometrischen  Bedeutung  etwas  geändert. 

*)  Da  A  eine  Grösse  0.  Stufe  ist,  so  ist  auch  A  .  A  oder  [A'^)  eine] 
solche,  wir  können  daher  {Ä^)  als  algebraisches  Product  von  A  und  AA 


—     77     — 

Die  Grösse  A  ist  hiernach  im  Gebiete  der  Geraden  voll- 
ständig bestimmt,  wenn  zwei  beliebige  Punkte  (e,,  e.^)  gegeben 
sind,  und  zwei  beliebige  andere  (£,,  s^,  in  welche  jene  über- 
geführt werden.  —  Das  Punktepaar  e^e.^  heisst  nun  verwandt 
mit  dem  Punktepaare  £,  e.^.  Man  kann  also  auf  einer  Ge- 
raden zwei  beliebige  Punktepaare  einander   verwandt   setzen. 

Sei  X  ein  neuer  beliebiger  Punkt  der  Geraden,  bestiniuit 
durch  die  Formel : 

Dieser  Punkt  wird  durch  Multiplication  mit  A  in  einen  ande- 
ren Punkt  Ä  übergeführt  werden.     Und  man  hat: 

AX  =  x^Ae^  -\-  x.^Ae.^, 
oder: 

Folglich  besteht  zwischen  den  Punkten  ^,  s^,  f^  dieselbe  Zahl- 
beziehung wie  zwischen  den  Punkten  X,  e^,  e.^.  —  Der  Verein 
sämmtlicher  aus  e^  und  e.,  abgeleiteten  Punkte  heisst  nun  ver- 
wandt mit  demjenigen  der  aus  s^  und  s^  abgeleiteten  Punkte. 
Und  jedem  Punkte  des  ersten  Vereins  entspricht  einer  des 
zweiten,  welcher  aus  £j  und  fj  mittelst  derselben  Zahlen  ab- 
geleitet ist,  wie  jener  aus  e^  und  ßj- 

Zwei  Punlireihen  auf  derselben  Geraden  sind  also  ver- 
wandt, tvenn  die  zivisclien  den  Punkten  der  ersten  Reihe  gel- 
tenden Zaldheziehungen  auch  zivischen  denen  der  zweiten  Reihe 
stattfinden. 

Suchen  wir  nun  einen  Punkt  X  zu  ermitteln,  welcher 
durch  Multiplication  mit  A  in  sich  selbst  übergeführt  wird. 
Dann  soll  sein: 

^X=AX, 

wo  X  eine  reelle  Zahl  bedeutet.  Man  zieht  aus  dieser  Gleichung : 

d.  h.  als  algebraische  Potenz  vou  A  betrachten,  und  wie  mit  einer  sol- 
chen damit   rechnen.     Daraus    ist  aber  nicht  zu  schliessen,    dass  nun 

Ä  =  +  Korn«22 —  «12 «21  sei;  denn  die  Einheiten  e,  und  e^,  welche  bei 
der  Potenzirung  verschwanden,  müssten  folgerichtig,  als  zum  Begriff 
von  A  gehörig,  bei  der  Radicirung  wieder  erscheinen.  Dies  ist  aber 
nicht  möglich,  weil  die  Radicirung  einen  mehrdeutigen  Ausdruck  liefert, 
während  A  durch  die  Gleichungen  (1)  eindeutig  bestimmt  ist.  —  Vgl. 
auch  Grassmaun,  Ausdehnungslehre  IL  S.  246  u.  247, 


-     78     — 

(A  — ^)Z  =  0, 
oder: 

(A  —  A)  (x^e^ -\- X2e2)  =  0-^ 
oder: 

(A  —  A)  x^  Cj  -|-  (A  —  A)  x^e^  =  0. 

Da  hiernach  zwischen  den  beiden  Grössen  (A  —  A)e^  und 
(A  —  ^)e2  ^i^^  Zahlbeziehung  existirt,  so  ist  ihr  äusseres 
Product  Null.  Oder:  durch  Multiplication  dieser  Gleichung 
mit  (A  —  A)  c^  erhält  man : 

{iX-A)e,-]\il-A)e,-\==0; 
oder: 

(Ae,  —  Ae{)  {Ke^  —  Ae<^  =  0 , 
oder: 

(6)  A2(eje2)  —  A(^e,  .  63  +  %  .  y/ej)  +  Ae^^  .  Ae.^  =  0. 

Wenn  wir  nun,  wie  gewöhnlich,  annehmen,  dass  {e^  e^  =  1 
ist,  so  können  wir  diese  Gleichung  abgekürzt  schreiben: 

(7)  A'^  — A(2^)  +  (^2)  =  0. 

Andrerseits  kann  man  die  Gleichung  (6)  mit  Rücksicht 
auf  (1)  auch  schreiben: 

A^  —  A  (f,  63  +  e,  £3)  +  £]  £2  =  ö . 

Setzt  man  hierin  für  £j  und  e^  ihre  durch  (2)  gegebenen 
Werthe,  so  erhält  man: 

(8)  A2  —  A  («11  +  «22)  +  («14  «22  —  «12«2l)  =  0. 

Durch  Vergleichung  von  (7)  und  (8)  wird  die  Bedeutung 
der  abgekürzten  Bezeichnungen  sogleich  klar.   Es  ist  nämlich 

(9)  (2^)  =  «11  +  «22  5 
(5)                            (^2)  ^  «11  «22  —  «12  «21  . 

Da  die  Gleichung  (8)  für  A  zwei  Werthe,  Aj  und  A2  liefert, 
so  existiren  in  der  ans  e^  und  e.^  ahgeleiteten  Punktreihe  zivei 
Punkte,  ivelche  durch  Multiplication  mit  A  in  sich  seihst  über- 
geführt werden. 

Um  die  Ableitungszahlen  dieser  Punkte  zu  finden,  be- 
trachten wir  die  oben  gegebene  Gleichung: 

(A  —  A) x^ e,  -|-  (A  —  A)x^e^  =  0, 
oder: 

(A^i  —  «1)^1  +  {^^2  —  £2)^2  =  ^  7 
oder,  wenn  wir  £1  und  £3  durch  die  Werthe  (2)  ersetzen: 


-     79     - 

[(A  —ci^^)e^  —  a^^c.^X^  +  [(A  —  «22)^2  —  «21  ^il^a  =  0. 

Da  diese  Gleichung  zwischen  den  Punkten  c^  und  e^  eine  Zahl- 
beziehung begründet,  welche  in  Wirklichkeit  nicht  existirt, 
so  müssen  die  Coefficieuteu  von  Cj  und  e.y  einzeln  Null  sein. 
Die  letzte  Gleichung  zerfällt  also  in  die  beiden  folgenden: 

(A  —  «11)^1  —  «21^2  =  ^  5 

(A  —  «22)^2  —  «12^1  =  0 . 
Jede  davon  liefert,  mit  ä;,  -\-  x.^  =  l  verbunden,  die  ver- 
langten Ableitzahlen,  wenn  man  darin  für  A  einen  der  aus 
(8)  genommenen  Werthe  setzt.  —  Dass  beide  Gleichungen 
gleichbedeutend  sind,  erhellt,  wenn  man  sie  in  der  Form 
schreibt: 

Xf    _^^  «21  i  «22 

X2  ^  —  «11  «12 

Die  beiden  Ausdrücke  nämlich ,  welche  kein  x  enthalten, 
geben,  einander  gleich  gesetzt,  wieder  die  Gleichung  (S). 

Die  beiden  Wurzeln  der  Gleichung  (8)  heissen  die  Haupt- 
zahlen  des  Quotienten  A. 

Gebiet  der  Ebene.  —  Es  sei  wieder  A  ein  Factor  mit  der  42. 
Eigenschaft,    einen  Funkt  gj  der  Ebene  in   einen  anderen  £j 
überzuführen.     Dann  ist 

(la)  Ae^  =  £, . 

Wenn  nun  alle  Punkte  der  Ebene  aus  den  drei  Punkten 
ejej'^s  abgeleitet  werden,  so  ist 

(2a)  fj  =  «1161  -f  «1262  +  «13^3*)  ; 

(3a)  Aei  =  a^^Ae^  +  a^^Ae^  -f  «13^63 . 

Um  6162^3  ^^  eliminiren  und  dadurch  A  unabhängig  von 
diesen  Punkten  ausdrücken  zu  können,  müssen  wir  noch  die 
beiden  Punkte  «2  und  £3  einführen,  welche  resp.  aus  ^2  und  e.^ 
durch  Multiplication  mit  A  entstehen.     Dann  ist: 
(Ib)  Ae^  =  8., ;  (Ic)  Ae^  =  £3  . 

(2b)    £2  =  «21^1   +   «22^2  (2c)    £3  =  «sie,    +  «3362 

~r  ^23  ^3  5  1    ^33  ^3  • 

(3b)  ^£2  =  «21^^!  +  K-^iAe^     (3c)  ^£3  =  «3,  Ae^  -j-  a^^^^-i 

+  «23^^3  1  -f«33^^3- 


*)  Führt  man  in  dieser  Formel  statt  e,,  €2,  €3  ihre  Ergänzungen  ein, 


-     80     - 

Der  Quotient  A,  auf  die  Ebene  bezogen,  ist  also  analog  mit 
der  vorigen  Nr.  durch  folgenden  Ausdruck  zu  bezeichnen: 


(4) 


wodurch  gesagt  ist,  dass  A,  mit  e,  multiplicirt,  das  Resultat  f  j, 
mit  «2  *^^s  Resultat  s.^,  mit  Cg  das  Resultat  s.^  giebt. 

Durch  äussere  Multiplication  der  Gleichungen  (1)  erhält 
man,  wenn  A  .  A  ,  A  durch  {A^)  bezeichnet  wird: 

oder,   da   {e^e^e^  =  1  ist,   und   indem  man   die  Formeln  (2) 
anwendet,  als  Potenzwerth  des  Quotienten: 

(5)       {A^)  =  «11  («22  «33   —   «23  «32)  +   «12  («23  «31  —  «21  «Ss) 
I     «13  («21  ^32  «22  «31  )  • 

Die  Grösse  A  ist  hiernach  im  Gebiete  der  Ebene  voll- 
ständig bestimmt,  wenn  drei  beliebige  Punkte  (e, ,  e^,  63)  ge- 
geben sind,  und  drei  beliebige  andere  (f,,  £3?  ^3);  ^^  welche 
jene  übergeführt  werden.  Das  Punktetripel  6,62^3  heisst  colli- 
near  (verwandt)  mit  fi£2^3>  und  man  kann  in  der  Ebene  zwei 
beliebige  Punktetripel  mit  einander  collinear  verwandt  setzen. 

Sei  X  ein  neuer  beliebiger  Punkt  der  Ebene,  bestimmt 
durch  die  Formel: 

Wenn   nun  X  durch  Multiplication  mit  A  in  S  übergeführt 
wird,  so  hat  man 

AX  =  x^Ae^  -J-  x^Ae.^  -\-  x^Ae^, 
oder: 

A  =  Ä^i  f  1  +  ^2  ^2  ~i    '^3  ^3  • 

Folglich  besteht  zwischen  S  und  e^  e^  £3  dieselbe  Zahl- 
beziehung wie  zwischen  X  und  6162^3'  Jedem  Punkte,  wel- 
cher aus  616363  abgeleitet  ist,  entspricht  in  dem  verwandten 
Verein  ein  andrer,  welcher  mittelst  derselben  Zahlen  aus 
£,  £0  £3  abgeleitet  ist. 

Zwei  Punktvereine  in  derselben  Ebene  sind  verwandt, 
ivenn  die  sivisclien  den  PunMen  des  ersten   Vereins  geltenden 


so  wird  an  der  ßeclinung  nichts  geändert ;  man  erhält  aber  statt  eines 
verwandten  Punktvereins  einen  verwandten  Geradenverein. 


—    81    - 

Zahlbczielmngen  mich  zwischen  den  Punlien  des  zweiten   Ver- 
eins heslehcn. 

Suchen  wir  uun  einen  Punkt  X  zu  ermitteln,  welcher 
durch  Multiplication  mit  A  in  sich  selbst  übergeführt  wird. 
Dann  soll  sein: 

ylX  =  lX,  . 

wo  A  eine  reelle  Zahl  bedeutet.     Es  folgt  weiter: 

(A  —  ^)  X  =  0 , 
(A  —  A)  (iC]  gj  -\-  x^e^-\-  x.^ 63")  =  0 , 
(A  —  Ä)x^e^  +  (^  —  A)x^e.^  +  (^  —  ^)x^e^  =  0  , 
oder,  mit  (A  —  Ä)e.t  .  (A  —  A)e^  multiplicirt: 

[(A  -  J)c,-]  [(A  -  J)e,-]  [(A  -J)e,-]=0, 

(Ae,  —  Ae^)  (Aej  —  Ae.,)  (Acg  —  Ae._^)  =  0  , 

(G)     A3  (e,  e.^  e^)  —  P  {e^  e.^ .  Ae^-\-  e^.  Ae^.  e.^ -{-  Ae^  .  e^  e.^) 

+  A(e,  .  Ae.y  .  Ae.^  -\-  Ae^  .  ßj  •  ^^3  +  ^^1  •  ^^2  •  ^3) 

—  Ae^  .  Ac.^ .  Ae^  =  0. 

Wir  nehmen  nun  an,  dass  {cxe^e-^  =  1  sei,  und  können  dann 

abgekürzt  schreiben : 

(7)  A3  — A2(3yi)  + A(3^2)_(^^3)_o. 

Andrerseits  kann  man  die  Gleichung  (6)  mit  Rücksicht  auf  (1) 
auch  schreiben: 

A3  —  A2  (e^e.,^,^  -\-  e^  e,e^  +  «1^263) 

+  A(e,£2f3  +  ^i^zh  +  «1^263)  —  i^ihh)  =  ^^ 
oder  mit  Rücksicht  auf  (2)  und  (5) 

(8)  A3  _    («,j  -f  «22  +  «33)^*  +  («=22«33  —  «23  «32  +  «33  «11 

—  «31  «13  +  «11  «22  —  «12«2l)  '^  —  (^'0  =  0. 

Während  die  Bedeutung  von  (A^)  schon  aus  (5)  deutlich 
wurde,  ersehen  wir  durch  Vergleichung  von  (7)  und  (8)  noch, 
dass 

(9)  (3^)  =  «11   +   «22  +  «33! 

(10)  (3^2j  =  «22  «33  —  «23  «32  +  «33  «1 1  "  «31  «13 

— |—   «]  1  ^^22  CCj2«21' 

Da  die  Gleichung  (8)  für  A  drei  Werthe,  ^i^-^h  liefert, 
so  existiren  in  dem  aus  e^e.^e.^  ahgeleiteten  FunMverein  drei 
PunJäe,  icelche  durch  Mtdtiplication  mit  A  in  sich  selbst  über- 
geführt werden. 

Schlegel ,  Elemente.  6 


—     82     — 

Die  Ableitungszahleii  dieser  Punkte  werden  in  ganz  ana- 
loger Weise   bestimmt   wie  in  der  vorigen  Nr.     Und  es  sind 
Aj/lj/lj  ä\e  Hauptzalilen  des  Quotienten  A. 
43.  Durch    besondere   Annahmen    lassen    sich    nun    specielle 

Fälle  von  collinearer  Verwandtschaft  aufstellen.  Insbesondere 
Jrann  man  annehmen,  dass  den  unendlich  fernen  Punkten 
(Strecken)  des  einen  Vereins  ebensolche  des  andern  Vereins  ent- 
sprechen. Die  Verwandtschaft  solcher  Vereine  heisst  Affinität. 
Seien  XjXjXy  die  drei  in  sich  selbst  übergehenden  Ele- 
mente des  einen  von  zwei  affinen  Vereinen,  und  zwar  X,  ein 
Punkt,  dagegen  X^  und  X^  Strecken;   dann  ist 

(11)      ^Xi  =  AiZi5     AX,  =  KX.,',     AX^  =  X.^X.,. 

Und  es  sind  X^X^  die  einzigen  Strecken  des  Vereins,  denen 
gleichgerichtete  Strecken  des  affinen  Vereins  entsprechen. 

Sind  X,  X^Xo  Strecken,  und  ist  X^==  l.^  =  Ag  (=  a),  so 
ist  ^  =  A ,  und  es  verhalten  sich  überhaupt  die  Strecken  des 
einen  Vereins  numerisch  ebenso  zu  einander,  wie  die  ent- 
sprechenden Strecken  des  anderen  Vereins.  Diese  specielle 
Art  der  affinen  Verwandtschaft  heisst  AehnUclikeit. 

Ist  {A"^)  =  1 ,  so  geben  die  Gleichungen  (2)  miteinander j 


multiplicirt : 
oder 


(«1  ^2  «3)  =  (616263)  • 

Da  das  Product  dreier  Punkte  den  doppelten  Flächen- 
inhalt des  durch  sie  bestimmten  Dreiecks  angiebt  (,, Raum- 
lehre'' Nr.  139),  so  findet  in  diesem  speciellen  Falle  nochj 
Gleichheit  des  Inhalts  der  entsprechenden  Dreiecke  statt.  Der] 
specielle  Fall  heisst,  jenachdem  er  auf  die  Affinität  oder  die] 
Aehnlichkeit  angewendet  ^ivd,  InhaltsgleichJieit  odexCongruens. 

Das  Verhältniss  der  vier  Verwandtschaften  lässt  sich 
daher  durch  folgende  Zusammenstellung  veranschaulichen: 

1.  Affinität.  2.  Aehnlichkeit. 

2.  Inhaltsgleichheit.       3.  Congruenz. 

Hierin  bezeichnet  jede  höhere  Nummer  einen  speciellen 
Fall  der  nächst  niederen. 

Ist  {A"^)  negativ,  (also  im  Falle  3.  gleich  —  1)  so  heisst 
AeJinlichkeit  sowohl  wie  Congruenz  symmetrisch. 


-     83     - 

Anmerkung.  Hat  die  Gleichung  in  X  imaginäre  Wurzeln,  z.  B. 
I2  und  l^,  so  setzt  man  l2  =  ^  -\-  ^^  >  ^3  =  c(  —  ßi  ;  X2  =  X  -\-  i  Y ; 
Xj  =  X  —  iY.  Dann  nehmen  die  beiden  letzten  Gleichungen  (11)  die 
Form  an: 

AX-\-iAY  ==(a  +  ßi)  {X  +  i  Y) ;  AX-  iAY=  {cc-ßi)  (X  —  i  Y). 
Aus  jeder  von  ihnen  folgt:  AX=ctX — ßY\  AY  ==  aY -^  ßX. 
Nimmt  man  dann  X  und  Y  senkrecht  aufeinander  an,  so  ist  A  ^  i'f 
(vgl.,, Raumlehre"  S.119  dieFormeln  a.i'^'  =  xa-\-yb  ;  b.i"'=^xb  —  ya), 
worin  qo  den  Winkel  bezeichnet,  welchen  die  Strecken  X,  Y  des  einen 
Vereins  mit  den  entsprechenden  des  andern  bilden.  —  Es  existiren 
dann  also  zwei  aufeinander  senkrechte  Strecken,  die,  statt  iu  sich  selbst 
überzugehen,  sich  um  einen  gleichen  Winkel  drehen.  —  Alle  vier 
Strecken  gehen  von  einem  gemeinsamen  Punkte  Xj  aus,  welcher,  als 
Drehungspunkt,  in  sich  selbst  übergeführt  wird.  Die  aus  X^,  X,  Y 
abgeleiteten  Gebilde  sind  mit  den  durch  die  gleichen  Zahlen  aus  Xf, 
Xi'^,  Yi'^  abgeleiteten  ähnlich  oder  affin,  jenachdem  das  Verhältniss 
der  Strecken  X  und  Y  dasselbe  ist  wie  das  von  Xi^  und  Yi^,  oder 
nicht. 


Es    seien    auf  einer   Geraden   drei  Punkte  A,  B,  C  aus  44. 
gj  und  62,  und  drei  collineare  Punkte  Ä^,  JB^,  (7,  aus  £,  und  f., 
abgeleitet.     Sei  zuerst 

(la)     A  =  a^e^-\-  a^e^'t    J.,  =  «j  f j -f- «2 ^2  5    (^i"f""2=l)- 
Dann  kann  man  aus  diesen  Gleichungen  a^  und  a^  eliminiren: 

(2a)     {Ä  —  Co)  =  «1  (e,  —  ß.,) ;     (A^  —  a^)  =  cc^  (e^  —  e^) 
oder: 

(3a)  4-^^^  =  A^_£l  . 

Es  existirt  also  zwischen  den  drei  Punkten  der  ersten 
und  denen  der  collinearen  Reihe  eine  von  den  Zahlgrössen 
unabhängige  Beziehung.  Diese  Betrachtung  lässt  sich  so- 
gleich erweitern.     Sei 

(Ib)     B  =  ß,e,-\-ß,e,;   B,=ß,s,+ß,8,-    {ß^-^ß,  =  l)- 

(Ic)      C=r^e^-j-y.,e2]    C*!  =  J'i  ^i  +  ^2^2  i    (71  +  ^2=1)- 

Dann  kann   man  zwischen  den  Gleichungen  (la),  (Ib),  (Ic) 

die  Grössen  a,  ß,  y,  e,  a  eliminiren.    Wie  oben  (2a)  aus  (la), 

so  folgt  jetzt  aus  (Ib)  und  (Ic): 

(2b)     (i?-.,)  =  /3,  (.,-.,);     {B,-a,)  =  ß,{a,~a,)', 
(2c)     {C  -  ^2)  =  ri  (ei  —  ^2)  5     (<^'i  -  f 2)  =  Tx  («1  -  h) ; 


-     84     — 

und  aus  (2a),  (2b),  (2c): 

A  —  c,   _   B  —  cz  _    C-e. 

oder: 

A—B  __   ^4,  —  B^  _      JZt^  _    ^'i  —  J^\ 
B  —  Ci   ~    -B,  —  f2    '      ^  -  e,  ~    J3,  -  f 2    ' 

daher  endlich: 

A-  B  _  Aj  -  J?) 
C  -  JB  ~~    Cj  -  jB,  ■ 

Durch  Subtraction  von  1  auf  beiden  Seiten  erhält  diese 
Gleichung  die  Form: 

4j- C  _  A^  -  Ci 
~C  -  B  ~    Ci  -  Bi  ' 

oder,  beide  Formen  vereinigt  geschrieben: 

A  —  B  _   Aj-  Bj 

(3b)  B  -C  ~   Bj  -  C,    . 

C-  A  ~    Ci~  J , 

-  Es  existirt  also  zwischen  den  beiden  collinearen  Punkt- 
reihen eine  von  den  zu  Grunde  gelegten  Punkten  unabhängige 
Beziehung.  Vermöge  dieser  Beziehung  heissen  die  beiden 
Punktreihen  projedivisch  zu  einander,  und  die  Gl-eichungen  (3b) 
heissen  die  Gleichungen  der  Projectivität. 

Durch  das  am  Schluss  von  Nr.  37  angegebene  Verfahren 
erhält  man  den  Begriff  zweier  projediviscJien  Stralenhüschel 
nebst  den  dazu  gehörigen  Gleichungen  der  Projectivität. 
45.  Die  Gleichungen   der  Projectivität  von  Punkten   bleiben 

ungeändert,  wenn  die  Paare  Cjgj  und  £j£.,,  demnach  auch  die 
Punktreiheu  ABC  und  J.jJjjCi  auf  verschiedenen  Geraden 
liegen.  —  Dasselbe  gilt  von  den  Gleichungen  der  Projectivität 
von  Geraden,  wenn  die  Stralen  des  einen  Büschels  sich  in 
einem  anderen  Punkte  schneiden  als  die  des  anderen. 

Wie  Punktreihen  unter  einander,  und  Stralenhüschel 
unter  einander,  so  können  auch  eine  Punktreihe  und  ein 
Stralenhüschel  projectivisch  sein,  sobald  nämlich  dieselbe 
Zahlbeziehung  zwischen  den  Elementen  der  einen  und  denen 
des  anderen  stattfindet.  —  Wenn  nun  von  einem  Punkte  0 
der  Ebene  nach  den  Punkten  einer  Reihe,  ABC  die  Stralen 
abc  gezogen  werden,  so  besteht  zwischen  ahc  dieselbe  Zahl- 
beziehung wie  zwischen  ABC  („Raumlehre"  Nr,  186);  mithin 
ist  der  Stralenhüschel  0  projectivisch  mit  der  Punktreihe  ABC. 


—    85     - 


Die  Projectivitiit  geht  in  den  speeiellen  P'all  der  Per- 
spectivität  über,  sobald  die  gemeinsamen  Punkte  (Schnittpunkte 
von  Stralen)  zweier  projectivischen  Gebilde  auf  derselben  Ge- 
raden liegen,  oder  die  gemeinsamen  Geraden  (Verbindungs- 
linien von  Punkten)  durch  denselben  Punkt  gehen.  Hienach 
sind  pcrspedivisch : 

1)  Zu'ci  PtmJd reihen,  sobald  die  Verbindungslinien  je 
zweier  entsprechender  Punkte  durch  einen  Punkt  gehen. 

2)  Eine  Pimldreihe  und  ein  Stralenbüschel ,  sobald  jeder 
Stral  des  Büschels  durch  den  entsprechenden  Punkt  der 
Reihe  geht. 

3)  Zivei  Stralenbüschel,  sobald  die  Schnittpunkte  je  zweier 
entsprechender  Geraden  auf  einer  Geraden  liegen. 

Anmerkung.  Es  ist  leicht  zu  sehen,  dass  die  hier  gegebenen 
Definitionen  der  Projectivität  und  Perspectivität  mit  den  in  der  „Raum- 
lehre" Nr.  176  stehenden 
vollständig  übereinstimmen. 
Zwischen  den  Stralen  des 
Büschels  A  bestehen  die- 
selben Zahlbeziehungen  wie 
zwischen  ihren  Schnitt- 
punkten mit  der  Geraden  h. 
Also  sind  Ä  und  b  perspecti- 
visch.  —  Zwischen  den 
Punkten  auf  &  und  dem 
Büschel  C  bestehen  diesel- 
ben Beziehungen;  also  sind 
auch  b  und  Cperspectivisch. 
—  Und  da  die  Schnittpunkte 
je  zweier  entsprechenden  Stralen  von  Ä  und  C  auf  derselben  Geraden  b 
liegen,  so  sind  auch  A  und  C  perspectivisch.  —  Ferner  bestehen  die- 
selben Zahlbeziehungen  zwischen  den  Stralen  von  C  und  den  ent- 
isprechenden  Punkten  auf  der  Geraden  d.  Also  sind  C  und  d  per- 
spectivisch. —  Desgleichen  b  und  d,  da  die  Verbindaugslinien  ihrer 
entsprechenden  Punkte  sich  in  demselben  Punkte  C  schneiden.  —  Da- 
gegen sind  A  und  d  nur  projectivisch.  —  Desgleichen  b  undi',  A  und  E. 


6.    Projeetivisehe  Punkt-  und  Geraden- Vereine. 

Es   seien  in   der  Ebene  vier  Punkte  A,  B,  C,  D  aus  c,,  46. 
6.2,  63,  und  vier  collineare  Punkte  A^,  i>'j,  C,,  D,  aus  £,,  £.y,  £3 
abgeleitet.     Sei  zuerst: 


-     86     — 

(  1  a)       Ä  =  «1  r,  +  «2  t'2  +  «3 ^3  ;       ^l   =  «1  f  1  +  «2  ^2  +  «3  ^ 3  5 
(a,   +  «2  +  «3  =  1). 

Dann  ist,  wenn  man  die  Grössen  a  eliminiren  will,  zunächst: 

(2a)  {A  —  t'a)  =  a^  (e,—  c^)  +  a,  (^2  —  e^) ; 

(-^1  —  «3)  =  «1  («1  —  ^3)  +  «2  («2  -  ^3)  • 

Um   nun   «,    und    cc.^    zu    eliminiren,    und    so    eine    von    den 

Grössen  a  unabhängige    Beziehung   zwischen    den  8  Punkten 

herzustellen,    muss   man   in   jeder   der   Gleichungen  (2a)   die 

Factoren   von   a^  und  k^   einander  gleich  machen.     Dies  ist, 

ohne  fremde  Punkte   einzuführen,   nur  möglich,   indem  man 

die   erste  Gleichung  mit  (e^  —  63)?    ^^^ 

j^j? .         zweite  mit  (f  j  —  e^)  multiplicirt.    Denn, 

'  \        /      \      wie  aus  Fig.  23  erhellt,  sind  die  Flächen- 
— ^^- 1    theile  {Ci  —  C3)  {e^  —  c^)  und   (^2  —  %) 


^  (^1  —  ^2)    (^^®  beiden  Parallelogramme) 

einander  gleich.   Man  erhält  also  weiter: 

{Ä  —  63)  (e,  —  62)  =  «1  (^1  —  Ca)  (ei  -  e^)  +  «2  (^2  —  63)  (ej  —  Cj) 
=  «,  (—  61 62  —  %  «1  +  63  ^2)  +  «2  (^2  «1  —  ^3  «1  +  «3  62) 
oder : 

(.1  —  63)  (ßi  —62)  =  (or,  +  f^2)  (62^1  +6,^3  +  6362) ; 

{Ä  -  e,)  (^2—  63)  =  (a,  +  «3)  (6362  +  ^2^1+  e,  ^3)  ; 

(.4  —  62)  (^'3—61)  =  («3  +  «1)  (^1^3  +  ^3^2  +  e.^e^)  . 

Die  letzten   beiden  Gleichungen   folgen  aus  der  ersten  durch 

circuläre  Vertauschung.  Durch  Division  dieser  drei  Gleichungen 

folgt  weiter: 

(A  —  €3)  (ei  —  €2)  ^^  «I  +  t>2 
jA  —  Cj)  (Cj  —  63)  ^^  a2-\-  «3  ' 
(A  —  e^)  (€3  —  e,)        ofg  +  Kl 

Ganz  eben&o  findet  sich  offenbar: 

(^1   —    fg)   (£1   —    £2)   ^^    a,    +    Cg 

{A,  —  fi)  (fa  —  F3)         0^2  +  a, 


C-^i  —  ^2)  (fa  —  fi)         0^3  +  «1 

Aus  der  Vergleichung  beider  Ausdrücke  folgt: 

(  (A  —  63)  (ei  —  e.>)  ^  (Ai  —  F3)  (g,  —  fg) 
(3a)  ( J.  -  fi )  (eg  —  €3)  ^  (^1-  fi)(f2— O  • 

l  (^  —  e.,)  (C3  -  ej        (^1  —  Ej)  (fg  —  fi) 

Es   existirt  also   zwischen   den   vier  Punkten  des    ersten 


—     87     — 

und  denen  des  collinearen  Vereins  eine  von  den  Zahlgrössen 
unabhängige  Beziehung. 

Jede  der  in  (3a)  enthaltenen  drei  Gleichungen  stellt  eine 
Beziehung  zwischen  vier  Streclienproducten  (Flächenräumen) 
dar.  Liegen  aber  alle  Punkte  in  derselben  Geraden,  so  ist 
es  eine  Beziehung   zwischen  vier  Sfrcclcnqiiotienten  (Zahlen). 

So   ist  z,  B.   im  Allgemeinen    der  Ausdruck      ,  ~  ^^' ,    ~  ^^l 

*  {A  —  ei)  (^2  —  63) 

der  Quotient  der  durch  Zähler  und  Nenner  bezeichneten 
Flächentheile,  jede  Fläche  gemessen  durch  (61^263).  Dagegen 
ist  derselbe  Ausdruck  in  dem  besonderen  Falle,   geschrieben 

in  der  Form  r-, —^  ■  \  ' ^  das  Product  der  durch  die  beiden 

Facto ren  bezeichneten  Zahlen.  (Denn  der  Quotient  zweier 
gleichgerichteten  Stretiken  ist  eine  Zahl.) 

Im  Gebiet  der  Ebene  erhält  man  auch  dann  eine  Be- 
ziehung zwischen  den  acht  Punkten,  wenn  man  die  Gleichungen 
(2a)  mit  (e^  —  63)  resp.  (£2—  ^3)  multiplicirt.     Dann  ist: 

(^  —  63)  (e,  —  63)  =  «1  (cj  —  63)  (e,  —  63) ; 
(-^1  —  ^3)  (^2  —  ^3)  =  «1  («1  —  ^3)  («2  -  ^3) ; 
also  durch  Division : 

(A  —  e,)  (e,  —  63)  ^^  (Ai  —  f.,)  (f.,  —  b^) 
(e,  —  63)  (Ca  —  63)         (£,  —  S3}  (f2  —  (3) 

Liegen  aber  die  acht  Punkte  in  derselben  Geraden,  so 
geht  diese  Gleichung  nach  der  vorhin  gemachten  Bemerkung 
über  in: 

(A  —  e,)   _   (gg  —  es)  ^^   (Ji  —  £.0  _   (gg  —  fa) 

(Ci  —  Ca)       (^2  —  ^3)  («1  —  «3)        (^2  —  O' 

oder : 

(A  —  63)  ^  (Aj  —  £3) 

(e,    —   63)  (S,    —    fg)     ' 

welches  wieder  die  Gleichung  (3a)  der  Nr.  44  ist. 

Die  Beziehung  (3a)  lässt  sich  nun  auch  allgemein  für 
die  collinearen  Vereine  AB  CD  und  A^B^  ^'i-Dj  herstellen.  Sei 

(Ib)     B=ß,e,A-ß2e,^ß,e,',     B,^  ß,8,  + ß,e,  + ß,s,', 

(ßi  +  ß2  +  ß3-^)- 
(1  c)     6'  =  ^1  e,  +  y.,e,  +  y.^e.^ ;      C,  =  7,  f ,  +  y, f.  +  y._^ £3 ; 

(^1+72  +  ^3  =  !)• 


-     88     - 

(kl)     B  =  dj  c,  -f-  <^2 ^2  +  ^{^a  */     -^1  =^  ^1  ^1  +  ^9  «0  +  ^3 ^3 ; 
{^S,  +  Ö,  +  Ö,==\). 

Dann  ist: 

(2a)  {A  —  e,^  =  rq  (Cj  —  c,)  +  a.^  (e,  —  63) ; 

(2b)  {B  -  63)  =  /3,  (ci  -  C3)  +  ß,  {c,  -  e,)  ; 

mithin : 

{A-B)  =  (a,  -  ß,)  (c'i  -  63)  +  («2  -  ß2)  {e-2  -  e,) . 
Ebenso : 

(C  -  D)  =  (y,  —  d,)  (e,  —  ci)  +  (j^3  -  0^3)  (e,  -  c,) ; 
also  multiplicirt: 

(,1  _  i>)  (C -  D)  =  31  {c, e,  -\-e,e,  +  c,e,)  ;  . 
Ebenso: 

(i?  _  C)  {A  -  D)  =  iV^(e,  e,  +  ^2^3  +  ^361) ; 
und: 

(C _  .i)  {B-D)  =  F {e,  e,  +  6,63  +  e,e,) , 
worin 

ilf  =  («1  -  /3,)  (^2  -  ^2)  +  («2  -  ß-^  (72  -  Ö2) 

+  («2  -^2)   (73-03), 

während  N  und  P  aus  diesem  Ausdruck  hervorgehen,  indem 
man  darin  die  Buchstaben  aßy  zweimal  nacheinander  circulär 
vertauscht.     Da  man  offenbar  ebenso  erhält: 

{A,-B,)  (C,  -  A)  =  M{s,s,-{-e,e,-\-e,s,), 

{B,  -  0,)  (.4^  -D,)  =  Nie, s,  +  e,s,^  s, £,) , 

{C,  -  A,)  (i>',  -  D.)  =  P  (e,  .,  +  e,^,  +  s,8,) , 

so  folgt  aus  den  letzten  beiden  -Gleichungsgruppen: 

,(Ä^B)_iC^I)) 

(3b)  ]  iB—C){A  —  D) 

y^C—  A)  {B  -  D) 

Es  existirt  also  zwischen  den  beiden  colliuearen  Punkt- 
vereinen eine  von  den  zu  Grunde  gelegten  Punkten  unab- 
hängige Beziehung.  Vermöge  dieser  Beziehung  heisseu  die 
beiden  Punktvereine  p-ojedivisch  zu  einander,  und  die  Glei- 
chungen (3b)  heissen  die  Gleichungen  der  Projectivität.  — 
Brojectivisclie  Geradenvereine.  Vgl.  Nr.  44  am  Schluss.  — 
Ist  EE^  ein  fünftes  projectivisches  Punktepaar,  so  hat  man 


u. 

-i?,)(C,-D,) 

(1) 

{B, 

-COiAi-Di). 

(^) 

{Cr 

-Ao{B,-D,) 

Co) 

-     89     — 

nur  iii  (3b)  jeden  Buchstaben  mit  dem  folgenden  des  Alpha- 
bets zu  vertauschen,  um  dieses  Paar  in  die  Gleichung  ein- 
zuführen. 

Nach  Nr.  42  besitzen   zwei    coUineare  Punktvereiue  drei  47. 
gemeinsame  Punkte.    Es  seien  in  den  Vereinen  AB  CD  und 
AiUiC\l)i  die  beiden  Punkte  Ä  und  C  zwei   dieser  gemein- 
samen Elemente,  sodass 

(4)  A,=A,    c,  =  a 

Dann  geht  die  aus  den  Reihen  (1)  und  (2)  von  (3b)  bestehende 
Gleichung  über  in: 

(A  —  B)      (C—D)        (A  —  B,)      [C  -  Di) 


(1.2) 


{B  -  C)      [A  —  D)        {Bi  —  C)      {A  —  D,) ' 


d.  h.  in  die  Gleichung  der  Involution.    Man  hat  also  den  Satz: 

A  H  C  T) 
Wenn  die  beiden  Punktvereine    a-qct)  pi'ojectivisch  sind, 

so  bilden  die  Punktepaare  ^j^  \a\b    ^^*^®  Involution. 

Die  Involution  ist  hiernach  ein  specieller  Fall  der  Pro- 
jectivität. 

Ohne  Anwendung  von  Buchstaben-Bezeichnung  lässt  sich 
der  vorige  Satz  auch  ro  aussprechen:  Zivei  von  den  Doppel- 
elementen ztvcier  projectivischcr  Punktvereine  bilden  eine  Invo- 
lution mit  ztvei  aus  je  sivei  zugeordneten  Punkten  gebildeten 
Paaren. 

Die  beiden  anderen  in  (3b)  enthaltenen  Gleichungen  gehen 
durch  die  Substitutionen  (4)  über  in 

(9   ':\\  (B-C)       (A  -  D)        [Bj  -  D^)  _  . 

l-;^;  (JB-D)  ■   {A-D,)  '    [Bi-C] 

V^J  ^}  {B  -A)   '    {C  —  D)    '  [Bt  -  D.j  ' 

welche  Gleichungen  die  zweite  Form  der  ßedingungs- 
gleichungen  der  Involution  darstellen. 

Die  Gleichung  (1,2)  bleibt  ungeändert,  und  die  Glei- 
chungen (2,  3)  und  (3,  1)  gehen  in  einander  über,  wenn  man 
A  mit  C  vertauscht.  Ebenso  bleibt  (1,  2)  ungeändert,  wenn 
man  B  mit  7), ,  oder  D  mit  ^,  vertauscht.  Daraus  folgt  der 
Satz:  3Ian  kann  in  jeder  Involution  die  Punkte  eines  beliebigen 
Paares  mit  einander  vertauschen. 

Die  linke  Seite  der  Gleichung  (3b)  ist  ein  Doppelverhält- 


-     90    - 

niss,  welches  man  auf  sechsfache  Weise  in  einfache  Verhält- 
nisse zerlegen  kann.     Diese  6  Verhältnisse  sind: 

1)  2) 

(A  —  B){C—D)        {A-B){C-B) 


a) 


{B  —  C)  {A  —  D)^      {ü  —  A){B  ^  I)]' 
(B  —  C)  (A  —  D)  _      {G  —  A)  (B  —  D)  . 


3) 

{B- 

-  C)  (A  - 

-  D) 

(C- 

-A)[B~ 

-D) 

((7- 

A)(B- 

-  D) 

{A  -  B){C  —  D)'      {A~  B)  [C  -  D)  '      {B  -  C)  {A  -  D) 

Durch  Gleichsetzung  von  je  zweien  dieser  Verhältnisse  wird 
man  Beziehungen  zwischen  den  vier  Punkten  erhalten.  Es 
sind  aber  dabei  nur  drei  wesentlich  verschiedene  Fälle  vor- 
handen. 

1)  Jeder  Zähler  des  einen  Verhältnisses  ist  dem  Nenner 
des  anderen  gleich,  (la  =  Ib;  2a  =  2b;  3a  =  3b).  Bezeich- 
nen wir  das  eine  Verhältniss  mit  A,  so  ist  das  andre—;  mit- 
hin A  =  —  ;  oder  A'^  =  1 ;  A  =  +  ^-  J^^^^'  A  =  -|"  1  ^'^^^^  ^^ß 
vier  PunJcte  harmonisch,  für  A  =  —  1  fallen  zwei  derselben 
zusammen. 

2)  Die  Zähler  oder  die  Nenner  der  beiden  Verhältnisse 
sind  gleich,  (la  =  2a;  3a  =  Ib;  2b  =  3b ;  la  =  3b ;  2a  =  3a; 
Ib  =  2b).     Dann  fallen  3  Funkte  zusammen. 

3)  Der  Zähler  des  einen  Verhältnisses  ist  dem  Nenner  des 
andern  gleich,  (la  =  2b;  la  =  3a;  2a  =  Ib;  2a  =  3b; 
3a==  2b;  Ib  =  3b).  Dann  heissen  die  4  Punkte  äquianJiar 
manisch.    Die  Bedingungsgleichuug  dieser  Beziehung  ist  also 

(f\\  (A-B)iC-D)  _  iC-AMB^B) 

K'^)  0  —  C)  {A  —  D)        {A  —  B)  {C  —  D)' 

7.  Das  Pascal'sche  Sechsseit  und  das  Brianchon'sche  SechseckJ 

48.  Wir  betrachten  im  Folgenden   drei  Punktepaare,   deren 

Verbindungslinien  durch  einen  Punkt  gehen,  und  reciprok 
drei  Linienpaare,  deren  Schnittpunkte  auf  einer  Geraden  liegen. 
Im  ersten  Falle  bilden  die  drei  Punktepaare  ein  Brianchon'- 
sches  Sechseck,  und  der  Schnittpunkt  ihrer  Verbindungslinien 
heisst  JBrianchon' scher  Punkt.  Im  zweiten  Falle  bilden  die 
drei  Liuienpaare  ein  PascaV.sches  Sechsseit,  und  die  Gerade, 
auf  der  ihre  Schnittpunkte  liegen,  heisst  Pascal'sche  Linie. 
Da  wir  die  drei  Geraden  des  ersten  Falles,  welche  durch 


J 


-     91    — 

ernew  Punkt  gehen ,  reeiprok  verwandt  setzen  können  mit  den 
drei  Punkten  des  zweiten  Falles,  welche  auf  einer  Geraden 
liegen  (,,Raumlehre''  Nr.  186),  so  genügt  es,  die  Formeln 
für  das  Brianchon'sche  Sechseck  aufzustellen,  indem  aus  jedem 
Satze  über  diese  Figur  ein  andrer  über  das  Pascal'sche  Sechs- 
seit  folgt. 

Es  seien  AA^,  BB^,  CC^  drei  Punktepaare,  deren  Ver-- 
bindungslinien  sich  in  X3  schneiden.     Dann  ist: 

(I)  X,  =  XA  +  (1  -  l)A,  =  j.  J^  +  (1  -  ii)B, 

=  vC+{\-v)C,, 
Es  sei  ferner: 

I  (1)     Ay  ==  ßj  A  -f  c(.,B  -f  «3  C;     (c<^  -f  a.-,  +  a.^  —  1)  ; 

(II)  (2)     B,=ß,A-{-ß,B  +  ß,C;     (ß,-^ß,  +  ß,  =  l)- 

1(3)      C,=y,A+y,B-{-y,C.     (y,  +  r,  +  ^3  =  O- 

Eliniinirt  man  C  aus  (1)  und  (2),  A  aus  (2)  und  (3),  B  aus 
(3)  und  (l),  so  folgt: 

(A3«i  —  /^.«3)--i  -  ßiA  =  (/52«3  —  /^a«.,)^  —  f^s^n 
(y^ß2  -  72/5i)-ß  -  r^B^  =  i7,ßi  -  Ttßd  C  -  ß,  C,; 

Da  aber  X3  der  Schnittpunkt  der  Geraden  AAi,  BB^,  CC^ 
ist,  so  ist  X3  der  gemeinsame  Werth  der  in  diesen  drei 
Gleichungen  enthaltenen  6  Ausdrücke,  und  man  erhält  durch 
Vergleichung  der  Coefficienten  von  A^ ,  B^ ,  C\  etc.  die  Be- 
dingungen : 

ßi  =  Vi  ;       71  =  «3 ;       «2  =  ^1  • 
Durch  diese  Substitutionen  gehen  die  letzten  drei  Gleichungen 
über  in 

(III)  X3  =  XA-  y,A^  =  ^B~a.,B,  =  vC~ß,C\, 
worin  nun  X^iv  folgende  Bedeutung  haben: 

^  =  V'l^^l  —  ßl^3) 

fl  =  «3^2  —  VißlP 

V  =  ßi?:)  —  (^72- 
Bestimmt  man  nun  mittelst  der  Gleichungen  (III)  die  Punkte 
P.^PiP^,    m    denen   sich  resp.   die   Geraden  AiB^  und  AB, 
ByC\  und  BC,  C\Ai  und  CA  schneiden,  so  folgt: 


02 


aV)  \l\  =  a,B,-ß,C 


a.lJi  =  /l.i 


ft^  -vC] 
vC—XA. 


Daraus  folg't: 


1\^I\-^I\  =  0; 


d.h.  Verbindet  man  in  einem 
BriancJion' selten  SecJiseclv 
die  drei  geraden  und  die  drei 
ungeraden  Eclccn  zu  je  einem 
BreieeTx,  so  liegen  die  3  Punkte, 
in  denen  sich  je  zwei  entspre- 
chende Seiten  dieser  DreiecJce 
schneiden,  auf  eine  r  Geraden.  *) 


Vervollständigt  man  in  einem 
Faseal' sehen  Seehsseit  die 
drei  geraden  und  die  drei  un- 
geraden Seiten  zu  je  einem 
Dreiseit,  so  gehen  die  3  Ge- 
raden, welche  je  zwei  ents^tre- 
ehende  Eelen  dieser  Dreiseitc 
verbinden,  durch  einen  Funld. 


Da  in  dem  ersten  dieser  Sätze  die  Ecken  der  beiden 
Dreiecke  auf  drei  Geraden  (den  Diagonalen  des  Sechsecks) 
liegen,  welche  sich  in  einem  Punkte  schneiden,  so  kann 
man  die  beiden  Sätze  auch  so  ausdrücken: 

Liegen  die  Echen  zweier  Drei- \  Schneiden  sich  die  Seiten 
ecke  auf  drei  Geraden ,  die  sich] zw&ier  Dreiecke  paarweise  in 
in    einem   Punkte    schneiden,  drei  Punkten,    die  auf  einer 


so  schneiden  sich  die  entspre- 


Geradcn   liegen,    so  gehen  die 


chenden  Seiten  der  beiden  Drei-  Verbindungslinien  der  entspre- 
ecJce  in  drei  Punkten,  welche]  clmtden  Ecken  der  beiden  Drei- 
auf einer  Geraden  liegen.        [ecke  durch  einen  Punkt. 

Es  ist  demnach  der  reciproke  Satz  nur  die  Umkehrung 
des  ersten. 

Da  ferner  die  Seiten  der  beiden  im  ßrianchon'schen 
Sechseck  gezeichneten  Dreiecke  ein  Sechseck  bilden,  in  wel- 
chem die  Schnitt23unkte  je  zweier  Gegenseiten  auf  einer  Ge- 
raden liegen,  so  hat  man  die  Aveiteren  Sätze: 

Die  Linien,  ivelche  die  ge-\  Die  Punkte,  in  tvelchen  die 
raden  und  diejenigen,  tvelchc' geraden,  und  diejenigen,  in 
die  ungeraden  Ecken  eines  ivelchcn  die  ungeraden  Seiten 
Brianchon' sehen      Sechs-  eines  PascaV sehen  Sechs- 


*)  Identisch  mit  Ni*.  124  der  „Raumlehre",  wo  ABCXi^X^X^  die 
Ecken  des  Sechsecks  sind. 


93     -^ 


eclis  mit  einander  verbinden,  \seits  sich  untereinander  schnei- 
bilden ein  Fase aVschesi  den,  bilden  ein  Brianchon' - 
Sechsseit.  \schcs  Sechseck. 

Es  sind  also  die  eine  Gerade  uud  der  eine  Punkt,  von 
welchen  in  den  vorigen  beiden  Sätzen  die  Rede  war,  nichts 
weiter  als  die  Pascal'sche  Linie,  resp.  der  Brianchon'sche 
Punkt. 


^^    a:^ 


Bestimmt  mau  endlich  mittelst  der  Gleichungen  (III)  die  49. 
Punkte  Q^iQiQ.^,-  in   denen  sich   resp.  die  Geraden  AB^  und 
BA^,  BC^  und  CB^,  CA^  und  AC^  schneiden,  so  folgt: 

j—  Q^  =  lA-\-  a^B,  =  fiB  +  y,A^  ; 

(V)  -(2,  =  ^J5+/3,C,  =vC-{-a,Br, 
\~  Q,  =  vr-{-y,A,  =XA-{-ßi(^\- 

Elimiuirt  man  aus  diesem  System  zuerst  die  Grössen  ABC, 
dann  A^B^C^,  und  setzt  die  erhaltenen  gleichen  Ausdrücke 
resp.  gleich  X,  und  Xo,  so  folgt,  Avenn  wir  (III)  vorausgehen 
lassen,  folgendes  System: 

{X.^  =  kA  —  y.,A^  =[iB~  «3 jB,  ==  vC  —/)/',  ; 

(VI)  X,  =  r,A,  -  Q,  =  a,B,  -  Q,  =  ß,(\  -  Q, ; 
( X,  =  Qy  —  IA  =  Q.,  -  (iB=  Q,,  -    vC . 

Daraus  fulgt: 

X, +  X,+  X,  =  0; 


94    — 


d.  h. :  Die  drei  Funlte,  in  wel- 
chen je  ztvei  Gegenseiten  eines 
Brianchon' selten  Sechsechs  sich 
schneiden,  bilden  mit  den  ge- 
raden soivohl  ivie  mit  den  un- 
geraden Felden  ein  neues  Brian- 
rhonsches  SechsecJi,  nnd  die 
Brianchon' sehen  Fimlie  dieser 
drei  Sechseclie  liegen  auf  einer 
Geraden. 


Die  drei  Geraden,  welche  je 
0tvei  Gegeneclen  eines  Fascal'- 
schen  Sechsseits  verbinden,  bilden 
mit  den  geraden  sowohl  ivie  mit 
den  ungeraden  Seiten  ein  neues 
Pascal' sches  Sechsseit,  und  die 
PascaVschen  Linien  dieser  drei 
Sechsseite  gehen  durch  einen 
Punlt. 


Aus  den  Gleichungen  (V)  lassen  sich  ferner  die  Schnitt- 
punkte der  Geraden  uiB  und  Ä^B^  ;  BC  und  B^C\  5  CA  und 
(\Ä^,  die  bereits  durch  die  Gleichungen  (IV)  bestimmt  waren, 
aufs  Neue  ableiten.     Man  erhält  nämlich: 


(VIT) 


-P3  =  ^1  ~  Qi  =  lA  -  iiB  =  72 ^1  —  «3^1 ; 


(?,  =v('—kA 


P,  ^  Q, 

P2  =  Q, 
Und  die  Formel 

P^  +  P,  +  P, 
liefert  jetzt  folgende  Sätze: 

Von  den  drei  PunJcten,  in 
tvelchenje  zwei  Gegenseiten  eines 
Brianchon' sehen  SechsecJcs  sich 
schneiden,  bilden  je  zwei  7nit 
den  EndpimMen  der  beiden  nicht 
verlängerten  Seiten  des  Sechsecks 
ein  neues  Brianchon  sches  Sechs- 
ecTi,  und  die  Brianchon  sehen 
Punkte  dieser  drei  Sechsecke 
liegen  auf  einer  Geraden. 


■.a,B,~ß,C\ 

ß,(.\-y,A, 


0 


Von  den  drei  Geraden,  ivel- 
che  je  zwei  Gegenecken  eines 
PascaVschen  Sechsseits  verbin- 
den, bilden  je  zivei  mit  den  in^ 
den  nicht  verbundenen  Ecket 
des  Sechsseits  sich  schneiden^, 
den  Seiten  ein  neues  PascaV- 
sches  Sechsseit,  und  die  PascaV- 
schen Linien  dieser  drei  Sechs\ 
Seite  gehen  durch  einen  Punkt% 


Diese  Sätze  lassen  sich  mit  den  vorigen  beiden  zu  einen 
Paare  vereinigen,  welches  eine  Erweiterung  der  Sätze  (IV)  ist:l 


Verbindet  man  in  einem 
Brianchon' sehen  Sechseck  die 
drei  geraden,    die   drei   unge- 


Vervollständigt  man  in  einer 
PascaVschen  Sechsseit  die  dre 
geraden,    die    drei    ungerader 


raden    Ecken ,     und    die    drei  Seiten  und  die  drei  Geraden,t 
Punkte,  in  denen  je  zivei  Gegen-  \  ivelche  je  zwei  Gegenecken  ver-^ 


—    95    — 


Seiten  sich  schneiden ,  zu  je  einem 
Dreiecl',  so  schneiden  sich  erstens 
je  drei  entsprechende  Seiten  der 
drei  Dreieclie  in  einem  Funkte, 
und  diese  drei  Funkte  liegen 
auf  einer  Geraden.  Zweitens 
schneiden  sich  die  drei  Verbin- 
dungslinien der  entsprechenden 
Ecken  je  ziveier  Dreiecke  in 
einem  Funkte,  und  diese  drei 
Funkte  liegen  wieder  auf  einer 
Geraden. 


binden,  zu  je  einem  Dreiseit, 
so  liegen  erstens_  je  drei  ent- 
sprechende Ecken  der  drei  Drei- 
seite auf  einer  Geraden,  und 
diese  drei  Geraden  schneiden 
sich  in  einem  Funkte.  Zwei- 
tens liegen  die  drei  Schnittpunkte 
der  entsprechenden  Seiten  je 
zweier  Dreiseite  auf  einer  Ge- 
raden, und  diese  drei  Geraden 
gehen  ivieder  durch  einen 
Funkt. 


Die  beiden  Geraden,  auf  welchen  je  drei  Brianchon'sehe 
Punkte  der  vorigen  Sätze  liegen,  mögen  hier  Hesse'sche  Ge- 
raden genannt  werden*);  die  beiden  Punkte,  in  welchen  je 
drei  Pascal'sche  Linien  sich  schneiden,  heissen  Steiner' sehe 
Funkte. 

Mau  kann  die  9  Punkte  ABC,  A^B^C^,  Q^Q.^Q.^,  und 
die  G  Punkte  X^  X.,  X.,,  F^  P^F^  in  folgender  Weise  gruppiren: 


Xo 


ABC)^ 


p,  Pl 

Diese  Figur  drückt  in  Uebereinstimmung  mit  dem  3.  Satze 
auf  S.  94  aus,  dass  durch  jeden  der  6  äusseren  Punkte  die 
drei  Verbindungslinien  derjenigen  Punktepaare  gehen,  welche 
durch  die  zugehörige  Klammer  verbunden  werden.  Wir 
kehren  die  erste  Hälfte  jenes  Satzes  nur  um,  wenn  wir  sagen: 

Wenn  die  entsprechenden  Sei-  j  Wenn  die  entsprechenden 
ten  von  drei  Dreiecken  durch  Ecken  von  drei  Dreiecken  auf 
drei  Funkte  {F^F^F^  gehen,  \  drei  Geraden  liegen,  tvelche 
welche  auf  einer  Geraden  lie-  durch  einen  Funkt  gehen,   so 

*}  Diese  Geraden  scheinen  bisher  nicht  benannt  zu  sein,  wohl 
darum,  weil  die  Untersuchungen  stets  in  erster  Linie  das  Pascarsche 
Sechsseit  berücksichtigten.  Der  hier  befolgte  Gang  nöthigte  mich  zur 
Aufstellung  eines  besonderen  Namens. 


96 


gen,  so  schneiden  sich  die  Ver-  liegen  die  Schnittpunhte  der  ent- 
hindungslinien  der  entsprechen-  sprechenden  Seiten  je  zweier 
den  Ecken  je  zweier  Breiecke  Dreiecke  auf  einer  Geraden, 
in  einem  Punkte,  und  diese  und  diese  drei  Geraden  gehen 
drei  Punkte  (XjXjXg)  liegen  durch  einen  Punkt, 
auf  einer  Geraden. 

Dieser  Satz  lässt  sich  auch  ohne  Weiteres  aus  der  soeben 
betrachteten  Figur  ablesen. 

Aus  den  Gleichungen :  X,  +  X^  -f-  X.j  =  0  und  Pj  -j-  P., 
+  P3  =  0  folgt: 


.  Xj  =  —  Xj  —  X3 ;     Xo  =  —  X,  —  X,  ; 
p  _.  P  p.      p  _p  p. 


X, 


■  -Xj  — Xoj 
_p  p 


Dann  sind  die  mit  den  6  Punkten  auf  der  linken  Seite  dieser 
Gleichungen  conjugirten  vierten  harmonischen  Punkte: 

X,'  =  — X2+X3;     X2' =  —  X3 -(- X, ;     X/  =  —  Xi-f-Xjj 

p;  =  -p,  +  p,;  p:=-p,  +  p,;   p,'=^-p,+p,. 

Nun  ist: 


^1'  +  ^1'  =  ^3  —  ^2  +  -^3 


-2.Ä) 


Durch   dasselbe  Verfahren   erhält  man   im  Ganzen   folgendes 
System : 

X,'  +  P;=3y,Ar, 

XV+P/=3«3i^i; 

x.;-{-p,'=3ß,c\; 


X,'  +  Pi'  =  3Ayl; 
X/+P,'=3fii^; 

x,'+p,'=3vr; 

und  daraus  die  Sätze; 


X3'  +  P/  =  3(2,; 
X3'  +  P/  =  3(?,,; 

^3'  + ^3=3  ^3, 


Construirt  man  auf  den  bei- 
den Hesse'schen  Geraden  zu 
jedem  der  drei  Brianchon' sehen 
Punkte  in  Bezug  auf  die  andern 
beiden  Punkte  den  vierten  har- 
monischen Punkt,  und  verhindet 


Legt  man  durch  die  beiden 
Steiner' sehen  Punkte  zu  jeder 
der  drei  PascaVschen  Linien 
in  Bezug  auf  die  beiden  ande- 
ren Linien  die  vierte  harmo- 
nische Linie,  so  schneiden  sich 


diese  Punkte  der  einen  Geraden  die  durch  den  einen  Punkt 
mit  denjenigen  der  anderen,  so  gehenden  Linien  mit  den  ande- 
geht  durch  jeden  Endpunkt  des\ren  in  neun  Punkten,  und  auf 


97     - 


BriancJion sehen  ScchsrcJiS  und 
durch  jeden  SclmittiMnlt  zweier 
Gegenseiten    eine    dieser    neun 


jeder  Seite  des  PascaVsehen 
Sechsseits  und  auf  jeder  Ver- 
bindungslinie zweier  Gegenecken 


Verbindungslinien.  |  liegt  einer  dieser  neun  Schnitt- 

'  punJite. 
Die  9  Punkte  50. 

A  B  C 
A,B,C, 

sind,  wie  aus  den  Sätzen  VI  und  VII  der  vorigen  Nr.  hervor-, 
geht,  so  beschaffen,  dass  je  zwei  senkrechte  oder  zwei  wage- 
rechte Tripel  ein  Brianchon'sches  Sechseck  bilden,  sodass  im 
Ganzen  6  solcher  Sechsecke  existiren.  —  Diese  Punkte  bilden 
aber  nur  einen  Theil  der  sämmtlichen  15  Punkte,  in  welchen 
die  Seiten  des  ursprünglichen  Sechsecks  ÄBCÄ^B^C^  sich 
schneiden.  Ebenso  bilden  die  eben  betrachteten  6  Sechsecke 
nur  einen  Theil  sämmtlicher  aus  den  6  Seiten  der  ursprüng- 
lichen Figur  darstellbaren  Sechsecke,  die  sich  alle  durch  die 
Aufeinanderfolge  ihrer  Seiten  von  einander  unterscheiden. 
Halten  wir  eine  Seite  (1)  des  gegebenen  Sechsecks  fest,  so 
steht  der  Uebergaug  zu  jeder  der  übrigen  5  Seiten  offen. 
Dies  giebt  5  Combinationen.  Ist  die  zweite  Seite  gewählt, 
so  steht  der  Uebergang  zu  jeder  der  noch  übrigen  vier  Seiten 
frei ,  also  hat  man  5  .  4  =  20  Combinationen.  So  fortfahrend 
erhält  mau  im  Ganzen  5.4.3.2,1  =  120  Combinationen, 
von  denen  jedoch  je  zwei  zusammenfallen,  da  sie  nur  durch 
den  entgegengesetzten  Sinn  der  Fortbewegung  verschieden 
sind.  (So  ist  z.  B.  (13456)  =  (1  G543).)  Es  bleiben  demnach 
CO  Sechsecke. 

Auf  jene  15  Punkte  und  60  Sechsecke  soll  nunmehr  die 
Betrachtung  ausgedehnt  werden. 

Die  15  Schniffjntnlir  der  6  Geraden.  Bezeichnen  wir  die 
6  Seiten  des  Brianchou'schen  Sechsecks  der  Reihe  nach  mit 
123456,  so  erscheint  jeder  der  15  Punkte  als  das  plani- 
metrische  Product  von  zweien  dieser  Zahlen,  und  mit  Rück- 
sicht auf  Fig.  25  gehen  die  Gleichungen  II  (Nr.  48)  über  in: 

(1)  (56)  =  «,(23)  + «,(61) -f  «,(45) 

(2)  (34)  =  /3,  (23)  H-  ^,(61)  +  ß,{Vo) 

(3)  (1  2)  =  r,  (23)  +  y,  (61)  -f  y,(45)  ._ 

Schlegel,  Elemente.  7 


-     98    — 
Setzt  man  hierin,  wie  bereits  oben  geschehen: 

^:i  =  y-> ;    ri  =  «3 ;    «2  =  /^m 

und  ausserdem : 

«1  =-=-  ßi  =  r-i  =  '^ , 
so  folgt: 

((12)  =  «3(23)+      (40) +  7,(61); 

1.  j(34)==/3,(23)  +  r.,(4r))+       (61); 

(56)=.      (23)  +  f.,(45)  +  /3,(61). 


Q 


Es  war  ferner: 

-Q,=iiB+ß,C,  =  (a,ß,-y,ß,)B+ß,a,Ä-{-ß,y,B^ß,r,Gl 
=  ß,a,A  +  a,ß,B-{-ß,y,C, 

oder  mit  Berücksichtigung   der  Werthe   von  ß.^  und  y.^,   und 
der  neuen  Bezeichnungen  für  die  Punkte: 

(14)=/ii«3(23)  +  /j,(45)  +  a,(61). 

Dividirt  man  diese  Gleichung  durch  ß^oc,,,  setzt 

A-  _      '       '    _  /?  ' 
o<z~  ^'^'      ßi   ~  ^'  ' 

und  unterdrückt  links  den  Factor  cc.^'ßi',   so  folgt: 


99 


II. 


(14)=       (23)  +  <(45)  +  /3/(61); 

(25)  =  /i,'(23)  +  7,'(45)+       (61); 
(36)  =  «3'(23)+       (45)  +  r,>'(61). 

Die  letzten  beiden  Formeln  dieser  Gruppe  entstehen  anf  die- 
selbe Weise  wie  die  erste,  und  es  ist  y.^  =       • 

72 

Bestimmen  wir  nun  noch  die  Punkte:  (13),  (35),  (51); 
(24)^  (46),  (62).  Eliminirt  man  aus  den  letzten  beiden  Glei- 
chungen (I)  den  Punkt  (23),  indem  (34)  mit  /3,'  multiplicirt, 
und  (56)  davon  subtrahirt  wird,  so  folgt: 

(34) /3,'  -  (56)  =  (y,/i,'  -  «,)  (45)  +  (^,'  -  ^,)  (6 1) 
oder : 

(34)/i,'+  {a,  -  y,l5;)  (45)  =  (yi,'-/5,)(61)+  (56)  =  (46), 

weil  die  beiden  Seiten  der  Gleichung  einen  Punkt  bestimmen, 
welcher  gleiclizeitig  auf  den  Linien  4  und  6  liegt,  also  den 
Punkt  (46).     Da  nun  nach  (I) 

(34)/3,'  =  (23)  +  7,/V(45)4-/3j\61) 

(46)  =  (34)^;  +  {a,  -  r,^,')(45) 
ist,  so  erhält  man  durch  Addition: 

(46)  =  (23)  +  «,(45)  +  /V(61). 
Diese    Gleichung   würde   alje.r   aus    der    letzten   Gleichung  (I) 
durch  die   Vertauschungen 

4  mit  5,     und     (i^  mit  ß^' 
hervorgegangen  sein.    Man  schliesst  hieraus,  dass  auch  durch 
die  analogen  Vertauschungen 

6  mit  1,     und     a.^  mit  «./, 
2  mit  3,     und     y.2  mit  y.^' 
aus    den    Formeln  I   richtige   Formeln   hervorgehen,    und    er- 
hält so: 

((4  3)  =  «3  (23)+       (45)  +  y,;(61) 

(35)  =  /i,'(23)  +  y,(45)+       (61) 

1(51)=       (23)+.<(45)  +  /3,(61) 

(62)  =  <  (2 3)4-      (4  5) +  72  (61) 

(24)=^,  (23)  + y,' (45)+       (61) 

1(46)=       (23)  +  f.,(45)  +  /3,'(;6n 


111. 


IV. 


—     100    — 

Diese  Systeme  III  uiitl  IV  würde  man  durch  dieselben 
Vertansehungen  auch  aus  II  erhalten,  wie  denn  überhaupt 
jedes  der  vier  Systeme  durch  einmalige  oder  zweimalige  An- 
wendung jener  Vertauschungen  die  drei  übrigen  liefert. 

Die  60  ScchsecJic  der  6  Geraden.  —  Im  Anfang  dieser 
Nr.  wurde  bemerkt,  dass  die  Vnnkie  ABC,  Ä^B^(\,  Q1Q2Q3 
G  Brian ehon'sche  Sechsecke  bildeten.  Diese  Sechsecke  sind 
sämmtlich  in  dem  Ausdruck 

(135) 

enthalten,  wenn  man  hinter  seinen  drei  Ziffern  die  übrigen 
Zahlen  246  auf  alle  möglichen  Arten  vertheilt.  Jede  dieser 
Permutationsformen  giebt  dann  die  Reihenfolge  der  Seiten 
eines  Brianchon'schen  Sechsecks,  und  die  Eckpunkte  von 
jedem  dieser  Sechsecke  stimmen  mit  irgend  2  Puuktetripeln 
aus  dem  im  Anfang  dieser  Nr.  gegebenen  Schema  überein^ 
wie  aus  der  darauf  folgenden  Figur  zu  sehen  ist. 

Da  nun  durch  die  Vertauschungen  4  mit  5,  6  mit  1, 
2  mit  3  die  Beziehungen  der  15  Funkte,  wie  eben  gezeigt, 
nicht  geändert  werden,  so  erhält  man  auch  aus  (135)  durch 
diese  Vertauschungen  18  neue  Brianchon'sche  Sechsecke, 
nämlich : 

(134),  (635),  (125). 

Denken  wir  uns  jetzt  in  den  Systemen  I  bis  IV  alle 
übrigen  12  Funkte  durch  (12),  (34),  (56)  ausgedrückt,  an- 
statt wie  bisher  durch  (23),  (45),  (61),  so  werden  die  neuen 
Gleichungen  durch  die  Vertauschungen  1  mit  2,  3  mit  4, 
5  mit  6  (verbunden  mit  entsprechenden  Vertauschungen  der 
Coefficienten)  in  einander  übergehen.  Mithin  werden  auch 
diese  Vertauschungen  das  ursprüngliche  Sechseck  (135)  in 
18  neue  Brianchon'sche  Sechsecke  überführen,  nämlich  in 

(235),  (145),  (136). 

Dasselbe  wird  schliesslich  stattfinden,  wenn  man  alle 
Punkte  durch  (14),  (25),  (36)  ausdrückt.  Man  erhält  so  die 
letzten  18  Sechsecke: 

(435),  (132),  (165). 

Man  erhält  also  im  Ganzen  60  Brianchon'sche  Sechsecke, 
und  demnach  die  Sätze:  ' 


—     101     — 

Sechs  gerade  Linien  bilden  Seclis  Punkte  hildcn  60  Sechs- 
GO  Sechsecl'c.  Ist  eins  derselben  i  seile.  Ist  eins  derselben  ein 
ein B r i a n c h on  sclies,  so  sind  \  Pascal' sches,  so  sind  auch 
auch  alle  übrigen  solche.  i  alle  übrigen  solche. 

Da  die  Brianchon'schen  Punkte  von  je  drei  der  60  Sechs-  51. 
ecke  auf  einer  Hesse'schen  Geraden  liegen,  so  giebt  es  im 
Ganzen  20  Hesse'sche  Geraden  in  der  Figur.  Und  zu  jeder 
der  10  Gruppen  von  Sechsecken  in  der  vorigen  Nr.  gehören 
2  solcher  Geraden,  z.  ß.  zu  (135)  die  Geraden,  auf  welchen 
die  Punkte  X^X^Xo  und  P^P.^P.^  liegen. 

Drücken  wir  nun  Xg  und  X^  mittelst  der  Formeln  VI 
und  11(1),  resp.  VI  und  V  (2)  durch  ABC  aus,  so  folgt, 
wenn  wieder  «i  ==  /52  =  J^3  =  1  ist: 


«3  ßi  72  72 

oder  in  der  neuen  Bezeichnung: 

-  X3  .  a^ß;y;  =  ^;(23)  +  /3,'(45)  +  <(61); 
-X,  =  ;.,(23)  +  ^,  (45)  +  «3(61)-, 
und  addirt: 
-  (X^  +  «3'/3,'y,'.  X3)  =  (y,  +  y,'K23;  +  (^,  + /3;) (45) 
+  («,  +  <)  (61). 

Da  der  Punkt,  welchen  die  linke  Seite  dieser  Gleichung 
ausdrückt,  aus  X,  und  X^  abgeleitet  ist,  so  geht  die  durch 
die  beiden  letzteren  Punkte  bestimmte  Hesse'sche  Gerade  auch 
durch  ihn.     Und  da  die  rechte  Seite  dieser  Gleichung  durch 

iede    der   Vertauschungen      '^^/i/fl  L''^'    ungeändert  bleibt, 
J  °         3,72  |5,  Pi  ll.ofg  I        ö  ' 

so   gehen   durch   diesen  Punkt  auch  die  Hesse'schen  Geraden 

derjenigen  3  Sechseck-Gruppen,   welche  man   aus   der   einen 

Hälfte   von  (135)  durch   die   ebengenannten  Vertauschungen  • 

erhält.     Der  Punkt,   durch   welchen   vier  Hesse'sche  Geraden 

gehen,  möge  Hesse'scher  Punkt  genannt  werden. 

Durch    einen    nveiten   Hesse'schen    Punkt    geht    dieselbe 

Gerade  (der  Punkte  X,  X.^  X3)  und  die  3  Hesse'schen  Geraden 

derjenigen  Sechseck-Gruppen,   welche   man   aus  (135)   durch 

die   Vertauschungen  L,  erhält.     Ein    dritter  Hesse'scher 

Punkt  geht  endlich  auf  dieselbe  Weise  durch  die  Vertauschungen 


102    — 


2!3 
5    6 


hervor. 


Alle   drei  Hesse'schen  Punkte  liegen  auf 


derselben  Hesse'schen  Geraden  (X,  X^  X.^) ,  und  da  dasselbe 
von  sämmtlichen  Hesse'schen  Geraden  gilt,  so  liegen  auf 
jeder  der  20  Hesse'schen  Geraden  3  Hesse'sche  Punkte.  Da 
endlich  je  vier  Geraden  einen  solchen  Punkt  gemeinsam  haben, 

20    3  - 

SO  ist  die  Zahl  sämmtlicher  Hesse'schen  Punkte  -—^  =  15. 


Fügt  man  noch  die  Erklärung  hinzu,  dass  eine  Gerade, 
auf  welcher  vier  Steiner'sche  Punkte  liegen,  Steiner' sehe  Ge- 
rade heisst,  so  kann  man  die  Sätze  aussprechen: 

Die  Figur  der  60 BriancJwn'-  \  Die  Figur  der  60  Pascal' - 
sehen  Sechsecke  enthäU20  Hesse'-  \  sehen  Sechsecke  enthält  20  Stei- 
sche  Geraden,  und  \b  Hesse' sclie  ner' sehe  Funkte,  und  15  Stei- 
Funkte.  —  Auf  jeder  Geraden  ner'sche  Geraden.  —  In  jedem 
liegen  3  Funkte,  und  in  jedem '  Funkte  schneiden  sich  3  Ge- 
Furikte  schneiden  sich  4  Ge-  raden,  und  auf  jeder  Geraden 
raden.  \  liegcyi  4  Funkte. 

Man  überzeugt  sich  leicht,  dass  die  Figur  der  15  Plesse'- 
schen  Punkte  mit  derjenigen  der  15  Punkte  am  Schluss  von 
Nr.  49  übereinstimmt. 

Anmerkung.  Die  in  dieser  Abtheilung  behandelten  Gegenstände 
pflegen  bisher  entweder  durch  die  Methode  der  symbolischen  Gleichungen 
(Neuere  analytische  Geometrie),  oder  durch  diejenige  der  binären  For- 
men (Moderne  Algebra)  erledigt  zu  werden. 

Die  Methode  der  symbolischen  Gleichungen  (wobei  z.  B.  ein  Punkt 
durch  die  Gleichung  A  =  0  ausgedrückt  wird)  beruht  auf  einem  Ab- 
kürzungsverfahren ,  wonach  die*  linke  Seite  einer  auf  Null  gebrachten 
Coordinaten-Gleichung  durch  einen  einzigen  Buchstaben  ersetzt  wird. 
Nur  unter  dieser  Voraussetzung  haben  die  symbolischen  Gleichungen 
einen  Sinn ,  und  sie  können ,  so  einfach  sie  auch  aussehen ,  doch  nicht 
anders  gedacht  werden,  als  entstanden  aus  einem  complicirten  Au-- 
druck  durch  eine  zwar  glückliche  aber  doch  willkürliche  Symbolik.  — 
Dagegen  hängen  die  im  Vorstehenden  gebrauchten  Gleichungen  mit 
den  einfachen  Prinzipien  der  Raumlehre  aufs"  Engste  zusammen,  und 
ihre  einfache  Gestalt  ist  nicht  die  Folge  einer  willkürlichen  Abkürzung, 
sondern  beruht  in  der  Einfachheit  der  durch  sie  dargestellten  Be- 
ziehungien.  Es  ist  also  bei  der  Bildung  dieser  Gleichungen  der  Umweg 
durch  ein  Coordinatensystem ,  welches  erst  eingeführt,  und  dann  (durch 
die  Abkürzung)  wieder  eliminirt  wird,  vermieden.  Gleichzeitig  ge- 
statten die  Zahlcoefficienten  der  Punkte  ein  leichteres  Auffinden  der- 
jenigen  Combinationen    zwischen    Gleichungen,    welche    zu    einfachen 


—    103    - 

geometrischen  Resultaten  führen,  während  die  symbolischen  Gleichungen 
in  ihrer  allzugrossen  Aehnlichkeit  unter  einander  die  individuellen 
Eigenthümlichkeiten  der  durch  sie  dargestellten  Punkte  zu  sehr  ver- 
decken. —  Es  möge  auch  zur  Vergleichung  bieider  Methoden  auf  die 
iu  Nr.  50  auftretenden  Ausdrücke  von  der  Form  (12)  aufmerksam  ge- 
macht werden,  deren  Einführung  in  der  Darstellung  desselben  Gegen- 
standes bei  Hesse  (Vorlesg.  a.  d.  anal.  Geom.  der  geraden  Linie  etc.) 
wieder  eine  neue  willkürliche  Symbolik  erfordert,  während  sie  hier  im 
Zusammenhange  mit  der  Disciplin  einfach  planimetrische  Producte  sind. 

Die  Methode  der  binären  Formen  ist  aus  mehrfachen  Gründen  zur 
ersten  Einführung  in  den  hier  behandelten  Gegenstand  ganz  ungeeignet, 
wie  man  denn  überhaupt  sich  hüten  muss,  den  Umfang  desjenigen 
Gebiets  der  Wissenschaft,  welches  irgend  einer  Methode  unterworfen 
ist,  zu  überschätzen  (vgl.  Nr.  16).  Auch  die  Ausdehnungslehre  erhebt 
keineswegs  den  Anspruch  auf  allgemeine  Anwendung  im  Gebiet  der 
Mathematik.  Sie  will  sich  nur  diejenigen  Gegenstände  unterwerfen, 
welche  mit  ihrer  Hilfe  leichter,  einfacher  und  naturgemässer  gefunden 
werden  können,  als  durch  andere  Methoden,  und  sucht,  indem  sie  jeder 
der  ihr  untergeordneten  Special  -  Methoden  ihr  natürliches  Gebiet  an- 
weist, und  jede  dieser  Methoden  aus  allgemeineren  Gesichtspunkten 
ableitet,  mehr  Uebersicht  und  Zusammenhang  in  die  ihr  zugänglichen 
Gegenstände  zu  bringen.  Namentlich  sucht  sie  der  in  neuerer  Zeit 
zum  Schaden  der  üebersichtlichkeit  immer  mehr  um  sich  greifenden 
Methode  der  abgekürzten  Bezeichnungen,  durch  welche  bereits  ein 
wahres  Chaos  von  Symbolen  in  der  willkürlichsten  Form  geschaffen 
worden  ist,  entgegenzutreten,  und  zu  zeigen,  dass  auf  dem  ihr  zugäng- 
lichen Gebiete  ausser  den  in  Nr.  4  der  Einleitung  abgeleiteten  4  Product- 
Inldungen  jede  weitere  Symbolik  überflüssig  ist. 

Um  zur  Methode  der  binären  Formen  zurückzukehren  ,  sei  bemerkt, 
dass  dieselbe  in  ihrer  bisherigen  Gestalt  zunächst  ebenso  wie  die  vorige 
ein  Coordinatensystem  voraussetzt,  sodass  schon  der  Nachweis,  dass 
die  Invarianten  und  Covarianten  der  Formen  die  verschiedenen  pro- 
jectivischen  Verhältnisse  darstellen,  sehr  umständlich  ist.  Sodann  giebt 
die  Covariante  gar  kein  Bild  des  geometrischen  Verhältnisses  und  ist 
bei  aller  Kürze  doch  wenig  brauchbar  zur  Ableitung  der  einfachen 
geometrischen  Sätze.  Endlich  ist  die  Eigenschaft  der  Invarianz,  wenig- 
stens für  die  harmonischen  und  involutorischen  Verhältnisse,  ganz 
nebensächlich,  und  ihre  Verwendung  bei  den  allgemeinen  projectivi- 
scheu  Verhältnissen  gestaltet  sich  mit  Hufe  des  Systems  der  ursprüng- 
lichen Einheiten  wesentlich  einfacher,  als  sonst.  —  Die  Methode  der 
modernen  Algebra  findet  erst  dann  ihre  natürliche  Verwendung,  wenn 
man  die  Punkte,  deren  Projectivität  man  untersucht,  als  Schnittpunkte 
von  Geraden  und  Curven  betrachtet,  oder,  anders  gesagt,  wenn  man 
die  binären  Formen  als  speciellen  Fall  der  ternären  betrachtet.  Denn 
erst  in  dem  Abschnitt  von  den  zusammengesetzten  Grössen  (Curven) 
tritt  in  der  Raumlehre  die  algebraische  Multiplication  auf,  und  mit 
ihr   diejenigen  Bildungen,   welche    man  Invarianten    und  Covarianten 


—     104     — 

nennt.  —  Nun  lässt  sich  allerdings  die  Methode  der  binären  Formen 
von  der  Zuthat  der  Coordinaten  befreien,  und  dadurch  wesentlich  ver- 
einfachen; aber  auch  dann  vsfird  man  eine  Punktreihe  in  erstei'  Linie 
als  f-ine  Reihe  einfacher  Grössen  betrachten  müssen,  und  erst  in  zioeiter 
Linie  als  eine  einzige  zusammengesetzte  Grösse.  Hierdurch  rechtfertigt 
sich  die  im  Anfang  dieser  Anmerkung  aufgestellte  Behauptung. 


Dritte  Abtheilung. 

Die  Lehre  von  den  zusammengesetzten  Grössen. 

52.  Die  Anfänge  dieser  Abtheilung  sind  bereits  in  der  „Raum- 

lehre" zusammengestellt  (vgl.  die  Anm.  zu  Nr.  34  des  vor- 
liegenden Buches).  Es  ist  daselbst  in  Nr.  164  die  Art  und 
Weise  angegeben,  wie  die  zusammengesetzten  Grössen  in  das 
System,  der  Raumlehre  eintreten-,  sodann  ist  in  Nr.  165  u.  166 
der  Kreis  als  einfachste  der  zusammengesetzten  Grössen  in 
Betracht  gezogen,  und  endlich  ist  in  Nr.  172  —  174  der  Be- 
griff der  Centralität  und  Polarität  für  Kegelschnitte  im  All- 
gemeinen festgestellt  worden. 

Nachdem  nun  in  Nr.  8  — 10  des  vorliegenden  Buches 
unter  Zugrundelegung  einer  neuen  Bezeichnung  die  Betrach- 
tung einer  Curve  als  zusammengesetzte  Grösse  als  ein  Fort- 
schritt gegen  die  frühere  nachgewiesen  wurde,  soll  zunächst 
im  Anschluss  an  jene  Abschnitte  der  „Raumlehre"  wiederum 
der  Kreis  herausgehoben  werden,  welcher  durch  seine  Doppel- 
stellung als  einfaches  Gebilde  und  zusammengesetzte  Grösse 
gleichsam  eine  Vorstufe  zu  den  allgemeinen  Grössen  der 
letzteren  Art  bildet,  und  dessen  Behandlung  nur  die  aller- 
einfacbsten  unter  denjenigen  Hilfsmitteln  erfordert,  welche  in 
der  allgemeinen  Lehre  angewendet  werden. 

Es  werden  darauf  in  einem  gleichfalls  vorbereitenden 
Abschnitte  die  wichtigsten  derjenigen  Beziehungen  untersucht 
werden,  welche  zwischen  dem  äusseren  Producte  einer  Reihe 
von  Grössen,  und  deren  Ableitungszahlen  bestehen  (ein  Ab- 
schnitt, welcher  sich  mit  der  Lehre  von  den  Determinanten 
deckt).  Diese  Untersuchung  wird,  um  in  der  Allgemeinheit 
mit  sonstigen  Arbeiten  über  diesen  Gegenstand  Schritt  zu 
halten,  für  n  Dimensionen  geführt  werden. 


—     105     — 

Es  werden  schliesslich  die  Functionen,  welche  Pimkt- 
reihen  (Stralenbüschel)  oder  Curven  ausdrücken,  betrachtet 
werden,  soAvie  die  äusseren  und  algebraischen  Producte  aus 
den  diese  Gebilde  erzeugenden  Punkten  und  Geraden.  (Dieser 
Abschnitt  entspricht  der  Theorie  der  Covarianten  und  der 
denselben  untergeordneten  Bildungen.)  Auch  hier  werden  in 
dem  allgemeinen  Theile  Gebilde  höherer  Stufen  (Dimensionen) 
und  Grade  auftreten,  dagegen  soll  bei  den  speciellen  Beispie- 
len das  Gebiet  der  Curven  2.  Grades  nicht  überschritten 
werden. 

I.   Der  Kreis. 

1.    Die  aus  stvei  Kreisen  ableitbare  Reihe  von 
Kreisen. 

Wenn  r,  und  e^  zwei   auf  einander   senkrechte  Strecken  53. 
von  gleicher  Länge  (=  1)  sind,  die  sich  im  Punkte  c^  schnei- 
den, und  ein  Punkt 

(1)  X==xc^-\-ye,-^e.i 
gegeben  ist,  so  sagt  die  Gleichung 

(2)  /;  =  (a;^-f  r')  + 2/3,0; +  2^,2/  + <J,  =  0 

aus,  dass  der  Punkt  X  einen  Kreis  beschreibt,  wenn  x  und  y 
sich  so  ändern,  dass  sie  der  Gleichung  /",  ==  0  stets  genügen.  — 
Denn  man  kann  die  Gleichung  ^  =  0  in  der  Form  schreiben : 

(3)  {X  -I-    /302  +  (y  _|_  y^)2  =  ^^2  _|_  j,^2  _  ^^   _  .,.^ 

eine  Form,  welche  bereits  („Raumlehre"  S.  111)  als  Gleichung 
des  Kreises  detinirt  ist. 
Ist 

0,  =  A,e,  4-  ii^e,  4-  C3 

der  Mittelpunkt  des  Kreises,  so  ist 

(X— 0,)  =  (x— A,)e,  +  {y  —  ^{)e^, 

folglich  (nach  „Raumlehre"  S.  118) 

(X-  0,)-^  =  (^- A,)\cO-  +  i<J-'^^y(e,)- 

oder,  da  (X—  0,)'  =  r,"^  und  {e^)~  =  {c,)'  =  1  („Rauml." 
S.  117):     ^ 


—     106     — 
mithin  ist,  mit  der  Kreisgleichung  verghchen; 

^\  =  —  ßi-,    f^i  =  —  ri ; 

also: 

(4)  0,  =  ~ßyC,  -y^e,  +  e,. 

Es  seien  ferner  /2  =  0  und  /^  =  0  die  Gleichungen  zweier 
anderer  Kreise;  dann  geht  f^  durch  die  Schnittpunkte  von 
f^  und  jTj,  wenn 

(5)  f?,  =  (^\f\  -^  ci-ifi'        («1  +  «2  =  !■) 

ist  („Rauml."  Nr.  165).  Setzt  man  die  Specialwerthe  der  drei 
Functionen  in  diese  Gleichung  ein,  (indem  man  dieselben 
durch  die  Indices  der  Zahlen  ßyö  von  einander  unterscheidet) 
so  folgt : 

x^  +  f   +    2ß,x    +    2y,y    +    ö, 

=  ^^i(^'"'  +  :'/')  +  -^«i/5|^  +  ^«,2^,!/  +  «1  ^\ 

+  ttjC^"  +  !/•)  +  2a.,ß.,x  -f  2a.,y.,y  -f-  a.,ö^  =  0, 

woraus  man  schliesst: 

ß-6  =  ^\ßi  +  «2  ^i ;   r:i  =  «1  ri  +  «■.  72 ;    ^3  =  f'i  «^1  +  «2  ^1 ; 

mithin  auch : 

O'i  =  —  /^a^i   —^3^2  +  ^3 

=-«,(—  /3| r,  —  7, c,  +  C;,)  +  «2(  '  /^a^i  —  J'2 e.  +  C3) 

(6)  03=«,0,  +  a,(K. 

Hiernach  liegt   der  Mittelpunkt  jedes   aus   zwei  Kreisen 
abgeleiteten  Kreises  auf  der  Verbindungslinie  der  Mittelpunkte 
jener  Kreise.    Oder:  Die  3IiUeliyunkte  aller  diircli  Btvei  gegebene^ 
Funkte  (jelienden  Kreise  liegen  auf  derselben  Geraden. 

Da  zwischen  den  Mittelpunkten  der  Kreise  dieselbe  Zahl- 
beziehung besteht;   wie  zwischen  den  Kreisfunctioneu  selbst,! 
so  besteht  zwischen  der  Kreisreihe   und   der  Mittelpunktreihe' 
eine  Verwandtschaft  insofern,    als  jedem  Kreise  der  erstereni 
ein  Punl^t  der  zweiten  entspricht. 

Lässt  man  in  der  Function  f^d^   so  variiren,  dass 

ßr  +  yr  -d,^o 

wird,  so  zieht  sich,  wie  aus  (o)  erhellt,  der  Kreis  in  seinen 
Mittelpunkt  zusammen. 


-     107     — 
Nimmt  man  an,  dass 

«2  ==  —   «1, 

SO  geht  die  Gleichung  (5)  über  in 

fi  =  ^i(.f\  -f-i), 
d.  h.,  da  in  der  Klammer  die  Grössen  x"-  und  ip-  sieh  weg- 
heben, in  die  Gleichung  einer  Geraden,  welche  die  Verbindungs- 
linie der  Schnittpunkte  (die  gemeinsame  Secante  oder  Potenz- 
liiiie)  der  Kreisreihe  ist.  Der  zugehörige  Mittelpunkt  rückt 
also  in  unendliche  Entfernung.  Da  nun  in  der  Formel 
O3  =  —  /Sgßi  —  y^e.,  +  Cg  die  Punkte  0.,  und  e,  denselben 
Coefficienten  (hier  Null)  haben,  so  behalten  auch  die  auf  (5) 
folgenden  Formeln  der  vorigen  Seite  ihre  Bedeutung,  und 
man  erhält  statt  (6): 

o,  =  cc,(0,-o.;), 

wodurch,  mit  dem  schon  erhaltenen  Resultat  übereinstimmend, 
die  Grösse  O3  als  unendlich  ferner  Punkt,  oder  endliche 
Strecke  characterisirt  wird. 

Bezeichnet  die  B'ormel  (1)  einen  beliebigen  Punkt  der 
Ebene,  so  ist  (nach  ,, Raumlehre"  Nr.  165)  /,  der  Doppel- 
ahstand  des  Punktes  X  von  dem  durch  /j  =  0  bestimmten 
Kreise,  oder  auch  das  Quadrat  des  numerischen  Werthes  der 
von  X  an  den  Kreis  gezogenen  Tangente  („Raumlehre"  Nr.  99- 
am  Schluss).     Wenn  also 

und  folglich 

_^L  =  _  ül 
/a  «1 

ist,    so   sagen   diese   Gleichungen   aus,    dass    das   numerische 

Verhältniss    der    von    X  an   die   Kreise  /',   und  f.^    gezogenen 

Tangenten  ungeändert  bleibt,  wenn  X  auf  der  Peripherie  des- 

durch    die   Schnittpunkte    von  f^  und  f.,   gehenden  Kreises  f\ 

liegt.    (Denn  da  ^"3  =  0  ist,  so  Hegt  X  auf  der  Kreislinie  f.^, 

und  da  /"j  :  /;,  =  —  a.,  :  Kj  ,  so  ist  das  Verhältniss  der  von  X 

an  /",  und  f,  gezogenen  Tangenten  constant.) 

Ist  speciell  «,  -f  a.,  =  0,    so   geht  /,  in  die  gemeinsame 

Secante   der  Kreise  f^  und  f.,  über,   und   die   aus  X  an  diese 

Kreise  gezogenen  Tangenten  sind   gleich.     Man  hat  also  die 

Sätze : 


—     108     - 

Geht  ein  Kreis  durch  die  Schnittpunkte  zweier  anderer,  so 
ist  das  Verhältniss  der  von  einem  Punlte  des  ersten  Kreises 
an  die  anderen  gezogenen  Tangenten  constant. 

Die  Tangenten ,  welche  von  einem  Punlte  der  gemeinsamen 
Secante  zweier  Kreise  an  dieselben  gezogen  tverden,  sind  ein- 
ander gleich. 

Auch  die  Umkehrungen  dieser  Sätze  folgen  aus  den 
Gleichungen.  —  Zu  beachten  ist,  dass  die  Sätze  auch  be- 
stehen, wenn  die  Kreise  sich  nicht  schneiden,  dass  also  auch 
in  diesem  Falle  ein  die  gemeinsame  Secante  vertretendes  Ge- 
bilde existirt. 

54.  Betrachten  wir  jetzt  statt  eines  Kreises  das  ganze  System 

von  Kreisen,  welche  durch  die  Schnittpunkte  von  /",  und  f^, 
oder  überhaupt  durch  zwei  gegebene  Punkte  gehen.  Die 
Mittelpunkte  aller  Kreise  liegen  dann  nach  voriger  Nr.  auf 
derselben  Geraden,  und  zwar  (nach  „Raumlehre"  Nr.  94)  auf 
der  in  der  Mitte  der  Verbindungslinie  der  beiden  Punkte 
senkrecht  stehenden  Geraden. 

Zieht  man  ferner  von  einem  Punkte  der  gemeinsamen 
Secante  des  Systems  Tangenten  an  beliebige  Kreise  desselben, 
so  sind  alle  diese  Tangenten  (nach  voriger  Nr.)  einander 
gleich ,  und  ihre  Endpunkte  liegen  auf  dem  mit  der  Tangente 
aus  dem  angenommeneu  Punkte  der  Secante  beschriebenen 
Kreise.  Jeder  Radius  dieses  Kreises  ist  also  Tangente  zu 
einem  Kreise  des  Systems.  Und  jede  Taugente  dieses  Kreises 
steht  auf  dem  zugehörigen  Radius  („Raumlehre"  Nr.  96),  mit- 
hin auch  auf  der  Tangente  zu  einem  Kreise  des  Systems 
senkrecht.  Da  nun  die  beiden  Tangenten  in  den  Berührungs- 
punkten sich  rechtwinklig  schneiden,  so  kann  man  sagen,  dass 
dasselbe  die  beiden  Kreise  thun.  Zwei  solche  Kreise  heissen 
orthogonal.  Und  weil  der  neu  construirte  Kreis  jeden  Kreis 
des  Systems  rechtwinklig  schneidet,  nennt  man  ihn  einen 
Orthogonalkreis  des  Systems. 

Man  kann  nun  aus  jedem  Punkte  der  gemeinsamen  Se- 
cante des  Systems  einen  Orthogonalkreis  construiren.  Diese 
Orthogonallreise  bilden  ein  neues  System,  dessen  MitfelpunJde 
auf  der  gemeinsamen  Secante  des  erken  liegen.  Jeder  Kreis 
des   einen  Systems   schneidet   sämmtliche  Kreise    des   anderen 


—     109    — 


reclitwinMig ,  und  die  Centrcdlmiv  des  einen  ist  die  gemeinsame 
Seeante  des  anderen. 

Die  Gleichungen  der  Kreise  vereinfachen  sich  in  beiden 
Systemen,  wenn  wir  annehmen,  dass  die  Centrallinie  des 
ersten  Systems  mit  e^ ,  die  des  zweiten  mit  e.^  zusammenfalle, 
sodass  der  Schnittpunkt  beider  Linien  6*3  ist.  Ferner  mögen 
die  Endpunkte  der  Linien  +  f.,  und  —  e.,  die  Schnittpunkte 
des  Systems  sein.  Unter  dieser  Annahme 
ist  in  den  Gleichungen  (4)  und  (3)  der 
Nr.  53  offenbar 


Y,=0;     r,2  =  /3i2  +  e,- 

folglich : 

öj  =  —  1 . 
Demnach    geht  die   Gleichung  (3)  über 
in  folgende  Gleichung,   welche  sämmt- 
liche  Kreise   des   erstem  Systems   (nur   durch   den  Werth   von 
/3]  verschieden)  darstellt: 


^e, 


Fig.  26. 


(7) 


{X  +  ß^y  +  ?/-  =  !  +  ß;- 


rr. 


K^S 


Ist  nun  Q^  der  Radius  eines  beliebigen  Kreises  im  zweiten 
System,  so  ist  für  einen  solchen  Kreis  zunächst 

/5,  =  0. 

Bezeichnen  wir  dann  mit  a  den  numerischen  Werth  des 
Abstands  derCentra  beider  Kreise, 
so  ist 

a'  =  ßr-  +  yr- 

Und  da  die  nach  einem  Schnitt- 
punkte der  beiden  Kreise  gezoge- 
nen Radien  aufeinander  senkrecht 
stehen,  so  ist  auch 

((■'  ==  ^V''  +  9i'- 
Demnach  ist: 

Qr  =  ßr'  +  rr  -  ^-r 

und  aus  (7) 

Die  Gleichung  (3)  nimmt  nunmehr  folgende  Gestalt  an, 
in  welcher  sie  sämmtliche  Kreise  des  zürnten  Systems  (nur 
durch  den  Werth  von  y^   verschieden)  darstellt: 


"X 


Fig.  27. 


—     110     — 

(8)  .T2_p(,y  +  ri?  =  ri^-l=?,-. 

Um.nuu  für  jedes  der  beiden  Systeme  die  Schuittpunkto 
zu  findeil,  betrachten  wir  im  ersten  Systeme  zwei  Gleichungen 
von  der  Form  (7)  mit  den  resp.  Constanten  /3,  und  ß.^-  Schreil»! 
mau  statt  (7) 

^2  +  2ß,x  +  f-  =  +  1;     a:^  +  2ß,x  -^  ,f  = -\-  \ , 

so  ist  klar,  dass  die  beiden  Gleichungen  nur  das  Werthsystem 

a;  =  0 ;     ^/  =  -j-  1 

gemeinsam   haben.     Sind  also  S^  und  >S.,  die  beiden  Schnitt- 
punkte, so  ist  (nach   (l))  : 

S,  =  e.,  -  e.^ , 
übereinstimmend  mit  der  oben  gemachten  Annahme. 

Für  das  ziveite  System  erhält  man  ebenso  die  Gleichungen: 

f'  +  2y, y  +  ^•■•'  =  -  1 ;   ?/-  +  ^r.?/  +  -»^  =  -"  1 , 

und  daraus  die  Lösungen : 

^  =  0  ;     a;  =  -j-  f , 
Sind  also  U  und  2J^  die  Schnittpunkte   des  zweiten  Systems, 
so  ist 

^1  =  e.,  +  /  .  f, 

U.>  =  e.y  —  i  .  e,  . 
Die  Punkte  27,  und  2^2  ^"i^^  hiernach  aus  den  Einheiten  r, 
und  ^'3  mit  Hilfe  der  imaginären  Grösse  i  (statt  mit  Hilfe 
reeller  Zahlen)  abgeleitet.  Dieser  Umstand  bedeutet  nichts 
weiter,  als  dass  diese  Punkte  in  der  verlangten  Eigenschaft 
von  Schnittjnmlicn  nicht  existireu.  Man  nennt  sie  daher  auch 
imaginäre  SchnittpunMe.  Als  Funlite  an  und  für  sich  hetrach- 
tet,  existiren  sie  aber  allerdings.  Denn  da  die  Strecken  r, 
und  e.^  gleichlang,  und  senkrecht  zu  einander  sind,  so  ist 

i  .  gl  =  +  r^2  • 
(,, Raumlehre"  Nr.  69j,  wo  das  obere  Zeichen  zu  wählen  ist, 
wenn    durch  i  diejenige  Drehung    ausgedrückt    wird,    durch 
welche  -|-  f,  in  -|-  e^  übergeht.     Hiernach   nehmen   die   Aus- 
drücke für  ZI  und  2^,  folgende  Gestalt  an : 

^1  =  f':\  +  <'i  =  '^'i ; 

i:,^e,-e,==S,. 


—   111    — 

In  Worten:  Wird  ein  System  von  Kreisen,  welche  sich  in  zivei 
Punkten  schneiden,  von  einem  anderen  Kreissysteme  orthogonal 
geschnitten,  so  hat  das  0tveite  System  dieselben  Schnittpunlie 
wie  das  erste;  aber  diese  Schnittpimlxte  sind  für  das  eine  Sy- 
stem reell,  für  das  andere  imaginär.'^) 


Fig.  28. 

Anmerkung.  Um  hiernach  die  Schnittpunkte  eines  Kreises  O  und 
einer  Geraden  c  zu  construireu,  fälle  man  aus  O  (dem  Mittelpunkte  des 
Kreises)  eine  Senkrechte  c,  auf  c,  und  ziehe  aus  irgend  einem  Punkte 
O,  auf  c  den  Kreis,  wek-her  den  ersten  rechtwinklig  schneidet.  Die 
Schnittpunkte  des  Kreises  Oj  mit  c,  sind  gleichzeitig  diejenigen  des 
Kreises  0  mit  c.  Sind  sie  für  den  ersteren  reell,  so  sind  sie  für  den 
letzteren  imaginär,  und  umgekehrt.  Die  nach  der  eben  gemachten 
Angabe  gezeichnete  Figur  drückt  gleichzeitig  beide  Fälle  der  Aufgabe 
aus,  da  man  in  dem  ganzen  Wortlaut  der  Construction  O  mit  O,  uml 
c  mit  c,  vertauschen  kann. 

In  jedem  der  beiden  orthogonalen  Systeme  heissen  die- 
jenigen Punkte,  welche  sich  als  Kreise  des  Systems  mit  dem 
Radius  0  darstellen,  (Uintralimnkte.  Setzt  man  in  den  Glei- 
chungen (7)  und  (8)  r,  resp.  q^  gleich  Null,  so  folgt: 


*)  Ich  beziehe  also  den  Ausdruck  „imaginär",  im  Gegensatz  zum 
sonstigen  Sprachgebrauche,  nicht  auf  die  Existenz  der  Punkte,  sondern 
nur  auf  ihre  Eigenschaft  als  Sc/miYipunkte.  Nachdem  man  von  dem 
Vorurtheile  zurückgekommen  ist,  die  imaginären  Zahlen  als  unmögliche, 
nicht  existireude  zu  betrachten,  scheint  mir  eine  ähnliche  Aenderung 
im  Begrift'  der  imaginären  Ptinkte  nicht  nur  gerechtfertigt,  sondern  mit 
Rücksicht  auf  den  Text  geradezu  geboten.  Von  derjenigen  geome- 
trischen Eigenschaft,  welche  diese  Punkte  als  Ersatz  für  die  verlorene 
erhalten ,  wird  sogleich  die  Kede  sein. 


-     112     — 

^i  =  +  M         r.  =  ±1; 

Demuach  sind  die  Centralpunkte  des  ersten  Systems  imaginär, 
die  des  zweiten  reell.  Ausserdem  fallen  diese  Punkte  mit 
den  Schnittpunkten  in  der  Weise  zusammen,  dass  die  reellen 
Schnittpunkte  des  einen  Systems  gleichzeitig  seine  imaginären 
Centralpunkte,  und  die  imaginären  Schnittpunkte  des  anderen 
Systems  gleichzeitig  seine  reellen  Centralpunkte  sind.  So  er- 
scheint denn  schliesslich  ein  einziges  Punktepaar  in  dieser 
vierfachen  Bedeutung, 
55.  Wenn,  wie  in  Nr.  53,  ein  Punkt 

(1)  X  =  xe^  +  ye.,  +  ^^ 

sich  auf  der  Peripherie  eines  Kreises  f^  bewegt,  dessen  Glei- 
chung ist: 

(2)  f,  =  (x^-  -f  f)  -f  2ß,x  -f  ^r^y  +  ö^  =  0, 

so  ist 

(3)  cp,=2ß,x-^2y,y-\-d  =  0 

die  Gleichung  der  Polare  des  Punktes  e.^,  der  nun  P  heissen 
möge,  in  Bezug  auf  den  Kreis  (,, Raumlehre"  Nr,  173).  Ist  «, 
diese  Polare,  so  ist  demnach 

(4)  ci^  =  2ß,\e^-\-2y,\e,-{-d^\e,. 

Denn  durch  äussere  Multiplication  von  (1)  und  (4)  folgt  wie- 
der (3),  indem  {Xa^)  =  0  sein  muss,  weil  X  auf  «,  liegt. 

Ist  nun  ein  Kreis  /!,  aus  zwei  anderen,  f^  und  /!,  durch 
die  Gleichung  ahgeleitet: 

/s  =  «i/i  +  «2^; 
so  ist  auch  nach  Nr.  53 : 

/53  =  «i/5i+«>A2;   r-ä  =  <^\r\-\-^>?>'i   ^3  =  ß^i^i  +  '^2^2; 

mithin,  wenn  a^ci.,a.^  die  Polaren  des  Punktes  P  in  Bezug 
auf  die  drei  Kreise  sind,  und  (p^  =  0,  (p.i  =  0,  ^j^  ==  0  ihre 
resp.  Gleichungen: 

«3  =  «1«1   +  «2«2;       (9'3  =  «l'Pl    +  «29^2); 

d.  h.:  Die  Polaren  eines  FtinJctes  P  in  Bezug  auf  alle  Kreise, 
ivelche  sieh  in  demselben  FunMepaare  schneiden,  gelien  dureh 
denselben  Piinli  Q.  —  P  und  Q  heissen  zugeordnete  harmo- 


-     113     — 

yiische  Pole  des  Systems.  Schneidet  daher  die  durch  P  und  Q 
bestimmte  Gerade  einen  beliebigen  Kreis  des  Systems  in  den 
Punkten  ä,  und  S^,  so  sind  (nach  der  Definition  der  Pola- 
rität, vgl.  „Raumlehre"  Nr.  17o)  P  und  Q  zugeordnete  har- 
monische Punkte  in  Bezug  auf  Ä,  und  S^-  Sie  sind  es  aber 
auch  in  Bezug  auf  die  Schnittpunkte  jedes  anderen  Kreises 
im  System  mit  PQ.  Diese  Sclmittpunkt-Paare  sind  also  in- 
volutorisch.  Und  da  der  Punkt  P  (Anfangspunkt  der  Coor- 
dinaten)  beliebig  ist,  so  hat  man  den  Satz: 

Drei  Kreise,  ivelche  sich  in  denselhen  zivei  PunJäen  schnei- 
den, werden  von  jeder  hcliehicjen  Geraden  in  involidorischen 
Punkten  geschnitten. 

Ist  insbesondere  «j  -f-  «^  =  0,  so  verwandelt  sich  der 
Kreis  f^  in  die  gemeinsame  Secante  des  Systems,  mit  der 
Gleichung  f\  —  /j  =  0.     Da  nun 

/l  — /•>  =  9^1—^2 
ist,   und   {(p^  —  (po)   die   Polare   von  P  in  Bezug   auf  f^  —  f., 
ausdrückt,  so  haben  wir  den  Satz: 

Die  Polare  jedes  Punktes  in  Bezug  auf  die  gemeinsame 
Secante  des  Systems  ist  diese  Secante  seihst. 

In  diesem  besonderen  Falle  geht  nun  die  allgemeine, 
zwischen  PQSyS^  bestehende,  harmonische  Gleichung 

P  —  Si  P—S2' 

da  Ä,  in  unendliche  Ferne  rückt,  und  somit  ^  —  63  =  P — S.^ 
wird,  über  in: 

Q-S,  _  _  1 


P-S, 
oder: 

d.  h.:  Die  Verhindungsstrecke  ziveier  siigeordneter  harmonischer 
Pole  tvird  durch  die  gemeinsame  Secante  des  Systems  ludhirt. 

Es  seien  O^  und  0.^  die  Mittelpunkte  zweier  beliebiger  56. 
Kreise.  Dann  ist  die  Strecke  0,  —  O.y  auf  doppelte  Weise 
in  einem  gegebenen  Verhältnisse  theilbar  (,,Rauml."  Nr.  119), 
folglich  auch  auf  doppelte  Weise  im  Verhältnisse  der  beiden 
Radien  Vj  und  r.,.  Sind  P,  und  P,  die  beiden  Theilpunkte, 
so  ist  also: 

Schlegel,  Kiemente.  8 


—     114     — 


foloflicli ; 


p, 

-  0,          r, 

i^ 

-   <h              '2 

P,-0, 

Ps 


0,  - 

-1\ 

1\- 

~ü. 

P2 

-0, 

Po 

-0,   ' 

wodurch  P,  und  F.,   als    harmonische   Punkte   zu   0,  und  0.^ 
dargestellt  sind. 

Wenn  nun  aus  0,  und  0.^  zwei  sonst  beliebige  Radien 
gezogen  Averdeu,  die  entweder  gleiche  oder  entgegengesetzte 
Richtung  haben,    so  liegen  die  Endpunkte  A^   und  A.^  dieser 


Fig.  29. 


Radien  im  ersten  Falle  mit  P, ,  im  zweiten  mit  Po  in  gerader 
Linie.  Denn  da  wir  jetzt  in  den  bisherigen  Gleichungen  die 
numerischen  Wertlie  r,  und  r^  durch  die  parallelen  Strecken 
(0, — u4j)  und  (0.^  —  A^)  ersetzen  können,  so  ist: 


oder : 


Pi-0, 


P(I,2)  —  Ai 


0,- 

■P2 

Pz- 

-0, 

P(l,2)  - 

-0, 

0, 


A.  —  O, 


P(l,2)  — A  P(l,2)—  O2 

Und  da  die  Strecken  auf  der  rechten  Seite  dieser  Gleichung 
auf  derselben  Geraden  liegen,  so  gilt  dasselbe  auch  von  denen 
auf  der  linken  Seite;  d.  h. :  es  liegt  im  ersten  Falle  Pj ,  im 
zweiten  P,  mit  A^  und  A.^  auf  derselben  Geraden. 

Die  Dreiecke  P(i,2)0i^,  und  P(i^2)0., ^2  ^^"^^  ^^^  ähnlich, 
und  P(i,2)  ist  ihr  Aehnlichkeitspunkt  („Raumlehre"  Nr.  137). 
Da  diese  Eigenschaft  der  Punkte  Pj  und  P^  für  jede  Richtung 
der  beiden  Radien  stattfindet,  so  nennt  man  Pj  und  Pj  auch 
die  AelmlicMeitspunJde  der  beiden  Kreise,  und  zwar  Pj  den 
äusseren,  P,  den  inneren. 

Man  kann  nun  den  eben  gefundenen  Satz,  wie  auch  seine 
Umkehrung  in  folgender  Form  aussprechen: 

Die  EndpimMe  zweier  paralleler  Radien  in  zwei  Kreisen 


—     115    - 

liegen,  ivenn  die  lladien  gleiche  Richtung  haben,  mit  dem 
äusseren,  ivenn  entgegengesetzte,  mit  dem  inneren 
AehnlichheitsinmMe  der  beiden  Kreise  in  gerader  Linie. 

Zieht  man  aus  einem  Ächnlichkeitspunkte  ziveier  Kreise 
eine  gemeinschaftliche  Secante,  so  sind  die  nach  den  entsprechen- 
den  Burchschnittsinmlden  gezogenen  Radien  parcdlel. 

Steht  also  in  dem  einen  Kreise  der  Radius  auf  der  Secante 
senkrecht  (was  der  Fall  ist,  wenn  die  Secante  in  eine  Tan- 
gente übergeht),  so  findet  dasselbe  auch  in  dem  anderen  Kreise 
statt;  d.  h.: 

Die  ans  einem  Aehnlichlmtspunkte  zweier  Kreise  an  den 
einen  gezogene  Tangente  berührt  auch  den  andern. 

Es  sind  also  die  Aehnlichkeitspunkte  diejenigen  Punkte, 
in  welchen  sich  die  gemeinsamen  Tangenten  der  beiden  Kreise 
mit  der  Centrallinie  schneiden.  Demnach  heissen  diejenigen 
beiden  Tangenten,  welche  vom  äusseren  Aehnlichkeitspunkte 
ausgehen,  die  äusseren  Tangenten,  die  andern  beiden:  die 
inneren. 

Die  beiden  Punkte  J^,  und  A.^  können  homologe  Punläe 
genannt  werden.  Bezeichnet  P  einen  beliebigen  der  beiden 
Aehnlichkeitspunkte,  so  sind  zwei  homologe  Punkte  durch  die 
Bedingung  bestimmt: 

P-^i  ^  P—  O, 
P  —  A^~  P  —  6»2  * 

Diese  Bedingung  kann  auch  durch  solche  Punkte  erfüllt  Aver- 
den,  welche  nicht  auf  der  Peripherie  der  beiden  Kreise  liegen. 
Namentlich  sieht  man  sogleich,  dass  die  Mittelpunkte  Oj  und 
O2  selbst  homologe  Punkte  sind. 

Bezeichnet  man  die  parallelen  Radien  0,  —A^  und  0.,  — A^ 
wieder  durch   r,  und  r.^,    so    kann    die  Bedingungsgleichung 
der  Homologie  auch  geschrieben  werden: 
P-A^_  r, 

P-A^^Ti' 

oder: 

P{r^-r.,)^A.,r,~-A,r,. 

Ist  dann  J5j  und  B.^  ein  zweites  Paar  homologer  Punkte,  so  ist 

P{r,-r,)  =  B,r,--R,r,; 
mithin : 


—     116     — 
oder : 

(1.  h. :  Jede  Linie ,  welche  zwei  Punkte  eines  Kreises  verbindet, 
ist  parallel  derjenigen  Linie,  welche  die  homologen  Pmikte  eines 
anderen  Kreises  verbindet.  —  Die  auf  diesen  Linien  liegenden 
Sehnen  verhalten  sich  wie  die  Madien  der  zugehörigen  Kreise. 

Die  beiden  Linien ,  von  denen  die  erste  durch  zwei  Punkte 
eines  Kreises  und  die  zweite  durch  die  homologen  Punkte 
eines  anderen  Kreises  geht,  mögen  homologe  Secanten  genannt 
werden.  Dann  lässt  sich  der  vorige  Satz  nebst  seiner  Um- 
kehrung, wie  folgt,  aussprechen: 

Homologe  Secanten  zweier  Kreise  sind  parallel. 

Zieht  man  .  durch  zivei  homologe  Punkte  zweier  Kreise 
imrallele  Secanten,  so  schneiden  diese  die  beiden  Kreise  noch- 
mals in  homologen  Punkten. 

Zieht  man  aus  den  Schnittpunkten  zweier  homologer  Se- 
canten noch  zwei  neue  Paare  homologer  Secanten,  so  schnei- 
den sich,  wie  aus  der  Aehnlichkeit  der  entstehenden  Dreiecke 
leicht  zu  ersehen,  auch  diese  in  homologen  Punkten.  Man 
hat  also  folgenden  Satz: 

Die  heiden  Punkte,  von  denen  der  erste  der  Schnittpunkt 
zweier  Secanten  eines  Kreises ,  und  der  zweite  der  Schnittpunkt 
der  homologen  Secanten  eines  anderen  Kreises  ist,  sind  homo- 
loge Punkte. 

Abgekürzt  kann  man  diesen  und  den  reciproken  früheren 
Satz  so  aussprechen: 

Die  Verhindungslinicn  homologer  Punktepaare  sind  homo- 
loge Secanten.  —  Die  Schnittpunkte  homologer  Secantenpaarc 
sind  homologe  Punkte. 

Sollen  zwei  homologe  Punkte  A^  und  A2  in  einen  {A) 
zusammenfallen,  so  hat  man: 

P{r,-r,)  =  A{r,-r,)', 
d.  h. : 

P  =  A. 

Es  sind  also  die  Aehnlichkeitspunkte  die  einzigen  homo- 
logen Doppelpunkte;  und  demnach  ist  jede  durch  einen  Aehn- 
liclikeitsinmkt  gehende  Secantc  eine  homologe  Doppelsecante. 

Berühren  sich  zwei  Kreise,   so   ist  der  Berührungspunkt 


—     117     — 

ein  AehnlichJccitsptmAi,  und  die  leiden  durch  ihn  gehenden 
Tangenten  fallen  in  eine  einsige  zusammen.  —  Andere  speeielle 
Fälle,  welche  sich  auf  die  gegenseitige  Lage  der  Kreise  be- 
ziehen, übergehen  wir  hier. 

2.   Der  aus  drei  Kreisen  ableitbare  Verein  von 
Kreisen. 

Wenn  fi  =  0,  f^=  0,  /j  =  0  die  Gleichungen  von  drei  57. 
beliebigen  Kreisen  in  der  Ebene  sind,  so  schneiden  sich  die 
drei  gemeinsamen  Secanten,  deren  Gcleichungen  resp.  f\  — /■>  =  0, 
/'^  —  /s  =  ^j  /a  —  /i  =^  sind,  in  einem  Punkte.  Dasselbe 
gilt  von  jedem  Kreise  f\,  welcher  aus  den  drei  gegebenen 
Kreisen  abgeleitet  ist,  sodass 

(i)   fi  =  «i/'i  +  «2^  +  «3/3 ;    («1  +  «2  +  «3  =  1) 

ist.  Es  haben  also  alle  aus  drei  gegebenen  Kreisen  ableit- 
baren Kreise  einen  Funld  gleichen  Doppelabstandes  {Fotenz- 
pimld)]  alle  aus  diesem  Punkte  an  Kreise  des  Vereins  ge- 
zogenen Tangenten  sind  einander  gleich,  und  der  Kreis, 
welcher  aus  dem  Potenzpunkte  mit  einer  solchen  Tangente 
als  Radius  beschrieben  wird,  schneidet  alle  Kreise  des  Vereins 
orthogonal.  („Raumlehre"  Nr.   165  u.  166.) 

Das  in  Nr.  53  befolgte  Verfahren  führt  auch  hier  zu  dem 
Resultate,  dass  die  zwischen  den  Functionen /'^/2/'3/'4  bestehende 
Zahlbeziehung  (1)  auch  zwischen  den  Mittelpunkten  O^GoOgOi 
der  zugehörigen  Kreise  stattfindet,  sodass 

(2)  0,==a,0,  +  <^,0,-^a,0,. 

Es  findet  also  auch  hier  zwischen  dem  Kreisverein  und  dem 
Mittelpunktverein  eine  Verwandtschaft  statt,  insofern  jedem 
Kreise  des  ersteren  ein  Punkt  des  zweiten  entspricht. 

Wenn  speciell 

«1  +  «2  +  «3  =  <^ 
ist,  so  stellt  f^  eine  Gerade  dar,  weil  die  quadratischen  Glie- 
der der  in  (1)  enthaltenen  Functionen  sich  nun  wegheben, 
und  Oj  stellt  (nach  „Raumlehre"  Nr.  126)  eine  Strecke  dar, 
d.  h.  einen  unendlich  fernen  Punkt  (als  Mittelpunkt  des  Krei- 
ses /"j,  der  in  eine  Gerade  übergegangen  ist).  Da  die  durch 
f\   vorgestellte   Gerade    vom   Orthogonalkreise  senkrecht   ge- 


—     118     - 

schnitten  wird,  so  muss  sie  mit  einem  Durchmesser  dieses 
Kreises  zusammenfallen.  Umgekehrt:  Jeder  Durchmesser  des 
OrtlwgonaTkreises  ist  ein  Kreis  des  Vereins  mit  unendlich  fer- 
nem Mittelpunkt.    Vgl.  hierzu  noch  „Raumlehre"  Nr.  166. 

Von  drei  gegebenen  Kreisen  besitzen  je  zwei  ein  Paar 
Aehnlichkeitspunkte.  Es  seien  diese  Paare :  P]  P2  >  -^1  ^2^ 
N^N^.  Dann  bestehen,  wenn  0^0.^0.^  die  Mittelpunkte  und 
r^r^r^  die  Radien  der  drei  Kreise  sind,  nach  Nr.  56  folgende 
Beziehungen: 

Hieraus  folgt: 

d.  h. :  Die  t^rei  äusseren  ÄehilichJceitspunkte  dreier  Kreise  liegen 
in  derselben  Geraden. 
Ferner : 

nebst  zwei  durch  circuläre  Vertauschung  hieraus  ableitbaren 
Gleichungen.     Alle  drei  geben  den  Satz: 

Die  inneren  AehnlichkeitspunJde ,  welche  ein  Kreis  mit 
zivei  anderen  gemeinsam  hat,  liegen  mit  dem  äusseren  Äehn- 
lichkeitspunMe  dieser  beiden  letzteren  auf  derselben  Geraden. 

Die    6  Aehnlichkeitspunkte    sind    demnach    die   Schnitt- 
punkte von  vier  Geraden.    Diese  heissen  die  AehnlichJceitsaxen, 
und  zwar  diejenige  die  äussere,  auf  welcher  die  drei  äusseren 
Aehnlichkeitspunkte  liegen,  die  anderen  aber  die  inneren. 
58.  Specielle  Sätse   über  Kreise,    ivelche   sich  berühren*).  — 

Werden  zwei  Kreise  von  einem  dritten  berührt,  so  nimmt  der 
letzte  Lehrsatz  durch  die  Verwandlung  der  inneren  Aehn- 
lichkeitspunkte in  Berührungspunkte  folgende  Form  an: 


*)  Es  ist  im  Folgenden  überall  von  äusserer  Berührung  die  Rede. 


119     — 


1)  Der  äussere  Aehnlichlceitsimnlä  stveier  Kreise,  die  von 
einem  dritten  berührt  werden,  liegt  mit  den  Leiden  Berühr ungs- 
pimMen  auf  gerader  Linie. 

Wenn  aus  einem  Punkte  A  eine  den  Kreis  K^  in  i?,  und 
(',  schneidende  Secante  gezogen  wird,  so  sind  die  in  j&',  und  C\ 
o-ezogenen  Tangenten  die  Polaren 
der  Punkte  I)\  und  C\  zu  K^ ;  und 
die  Verbindungslinie  der  Punkte, 
in  welchen  die  aus  A  gezogenen 
Tangenten  den  Kreis  berühren, 
ist  die  Polare  von  A.  —  Da  nun 
die  drei  Pole  AB^C\  in  gerader 
Linie  liegen,  so  gehen  die  zuge- 
hörigen Polaren  durch  denselben 
Punkt  Pj,  den  Pol  der  Secante. 

Ist  nun  ^4  der  äussere  Aehn- 
lichkeitspunkt  zweier  Kreise  K^ 
und  K^,    und    schneidet  die   Se- 


■2) 


Fig.  30. 


cante  J-i^i  (\  diesen  zweiten  Kreis 

in   den  Punkten  B^  und  O,,    so 

gehen  auch  hier  die  in  B^  und  (7,  gezogenen  Tangenten  mit 

der  Polare  von  A  zu  K^  durch  denselben  Punkt  P,,  den  Pol 

der  Secante  zu  K^- 

Die  beiden  Polaren  von  A  (zu  Ä",  und  K^  heissen  die 
äusseren  Aelmliclikeitspola ren. 

Betrachten  wir  nun  (nach  Satz  1))  die  Punkte  C\  und  B^ 
als  Berührungspunkte  der  Kreise  K^  und  K.^  mit  einem  dritten 
Kreise  K^,  .und  nennen  die  Secante,  auf  welcher  die  Be- 
rührungspunkte liegen,  die  Berährungssecante  für  K-^,  so  kön- 
nen wir  das  letzte  Resultat  in  folgendem  Satze  aussprechen: 

2)  Werden  zivei  Kreise  von  einem  dritten  berührt,  so  geht 
jede  ihrer  äusseren  AehnlicMeitspolaren  durch  den  Pol  der  Be- 
rührungssecante  im  zugehörigen  Kreise. 

In  den  beiden  Kreisen  Ky  und  K^  sind  die  Mittelpunkte 
Ky  und  K^  homologe  Punkte,  demnach  die  durch  A  und  K^ 
gehende  Secante  (^,  PJ  und  eine  durch  K,  parallel  mit  jener 
gezogene  Secante  (K^L^  homologe  Secanten.  Zieht  man 
nun  durch  den  Punkt  L^,  in  welchem  die  Secante -4 /f,  und 
die  Polare  zu  A  sich  schneiden,  die  homologe  Doppelsecante 


120 


{L^L-^,  so  sind  deren  Schnittpunkte  (Zj  u.  JL3)  mit  den  ho- 
mologen Secanten  K^L^  und  K^L^  homologe  Punkte.    Zieht 

man  endlich  durch  L.^  eine  Paral- 
lele zu  der  Polare  P,  i, ,  so  ist  sie 
dieser  Polare  homolog.  Und  ebenso 
sind  die  Schnittpunkte  (P,,  P3)  die- 
ser homologen  Linien  mit  der  ge- 
meinsamen Tangente  von  K^  und 
7^3  homologe  Punkte. 

Denkt  man  sich  nun  noch  den 
Kreis  7C  hinzu,  welcher  von  K.^ 
in  C2  berührt  wird,  so  sind  die  aus 
Pg  an  Kl  und  K2  gezogenen  Tan- 
genten (P^B^  und  P^C.^)  einander 
gleich  (als  Tangenten  an  K.^).  Mit- 
hin ist  die  Linie  P^^ß  gemeinsame 
Secante  der  Kreise  jBTj  und  K.^. 
Wir  haben  also  den  Satz: 
3)  Werden  zivei  Kreise  von 
einem  dritten  berührt,  so  ist  ihre  gemeinsame  Secante  mit  jeder 
ihrer  äusseren  Achnlichkeitspolaren  homolog  in  Bezug  auf  den 
zugehörigen  und  den  Berührungs-Kreis. 

Wir  nehmen  jetzt  au,  dass  ausser  Z",  und  K2  noch  ein 


Fig.  31. 


dritter  Kreis  Kn 


von  ^3  berührt  werde. 


Die  äusseren  Aehn- 


lichkeitspuukte  seien 


Ä  für  K^   und  K, 


B 

C 


K. 
K. 


K, 


Nach  dem  letzten  Satze  sind  die  Polare  von  A  zu  K^  und  die 
gemeinsame  Secante  von  K^  und  K2  homologe  Linien  in  Be- 
zug auf  K^  und  K^.  Ebenso  sind  aber  auch.^ie  Polare  von 
C  zu  K^  und  die  gemeinsame  Secante  von  TT,  und  K^  homologe 
Linien  in  Bezug  auf  K^  und  K^. 

Folglich  sind  der  Schniftpunlt  der  Polaren  von  Ä  und  von' 
C  zu  K^  (d.  h.  der  Pol  der  Linie  AC  zu  K^),  und  der  Schnitt- 
punTct  der  gemeinsamen  Secanten  von  K^,  K^  und  von  K^,  Kq 
(d.h.  der  Potenzpunkt*)  der  drei  Kreise  K^^K  1X2)  homologe  j 


*)  Punkt  gleichen  Doppelabstaucles. 


—     121     — 

Punkte  in  Bezug  auf  K^  und  Ky  —  Da  nun  die  Verbindungs- 
linie dieser  homologen  Punkte  durch  den  inneren  Aehnlichkeits- 
punkt  (Berührungspunkt)  von  Ki  und  K^  geht,  so  hat  man 
den  Satz : 

4)  Werden  drei  Kreise  von  einem  vierten  herührt,  so  liegt 
ihr  PotenzpunM  in  gerader  Linie  mit  jedem  Berülirungspunkte 
und  dem  Pol  ihrer  äusseren  Aehnlichheitsaxe  in  dem  zugehöri- 
gen Kreise. 

Da  die  drei  im  letzten  Lehrsatze  erwähnten  Punkte  in 
gerader  Linie  liegen,  so  schneiden  sich  ihre  Polaren  in  Bezug 
auf  einen  der  drei  berührten  Kreise  K^  in  demselben  Punkte. 
Da  nun  die  Polare  des  Berührungspunktes  von  Ä",  und  K^  die 
gemeinsame  Tangente  ist,  so  hat  man  endlich  den  Satz: 

5)  Werden  drei  Kreise  von  einem  vierten  herührt,  so  geht 
ihre  äussere  Aehnlichheitsaxe  durch  denselben  Punkt  mit  jeder 
ihrer  Berührungstangenten  und  der  Polare  ihres  PotenspunMes 
in  dem  zugehörigen  Kreise, 

Anmerkung.  Der  Satz  4)  lehrt  den  Berührungskreis  durch  drei 
seiner  Punkte  bestimmen,  Satz  5)  durch  drei  seiner  Taugenten.  —  Mo- 
dificirung  der  Aufgabe  „einen  Kreis  zu  construiren,  welcher  drei  gege- 
bene Kreise  berührt"  einerseits  durch  Hinzufügung  der  Berührung  „Ton 
innen",  andrerseits  durch  Ausartung  eines  oder  mehrerer  der  gegebenen 
Kreise  in  eine  Gerade  oder  einen  Punkt.  {Apollonisches  Problem.) 

Der  Abschnitt  über  Berührungskreise  ist  hier  aufgenommen  worden, 
um  zu  zeigen,  mit  welchem  Vortheil  man  den  Begrifi'  der  „homologen 
PttnJcte  und  Secanten"  zur  Ableitung  neuer  Resultate  verwenden  kann. 

Sonst  gehört  die  Theorie  der  Aehnlichkeitspunkte ,  wie  sie  in 
Nr.  56—58  vorgetragen  wurde,  noch  in  die  Lehre  von  den  einfachen 
Grössen.  Dagegen  setzen  die  ,,Berübrungskreise"  den  Begriff  der  Pola- 
rität voraus,  und  stehen  daher  hier  an  ihrer  richtigen  Stelle. 


II.   Determinanten. 

1.   Definition  und  allgemeine  Eigenschaften  der 
Determinante. 

Es  seien  n  Grössen  .XiX.^  .  .  .  Xn  aus  den  n  Einheiten  e^e<,  59. 

.  .  .  en  mittelst  der  Zahlen  «,,  a,.^  . .  .  a^^a^^^ abgeleitet, 

sodass 


(1) 


122     

'*'l    =   ^11  «^'l    +   '^l-'^'-'   +    •    •    •   +   f^UiCn, 
X._j  =  «,j  Cj   +   «,2  t'2  +   •   •   •   +   «2«e,i  , 


[x„,  =  a„iei  +  ««2C2  +  •  •  •  +  «««c«,  • 
Bildet  mau  nuu  das  äussere  Product 

und  bringt  in  jedem  Gliede  das  Product  der  n  Einheiten  mit- 
telst des  Gesetzes 

auf  die  Form 

(C|  69   •   •   •   ^n)  ) 

SO  kann  man  dieses  Product  als  gemeinsamen  Factor  heraus- 
setzen. Der  Zahlencoefficient  dieses  Productes  heisst  nun 
Determinante,  und  soll  durch  z/  bezeichnet  werden,  sodass 

(2)  [XiX.,  .  .  .  x„)  =  z/(e,  Co  .  .  .  e«). 

Eine  Determinante  ist  also  der  ZaJdcocfficient  eines  äusse- 
ren Productes  aus  n  linearen  Factoren,  deren  jeder  aus  den- 
selben n  Einheiten  abgeleitet  ist. 

Wenn  die  Einheiten  e,  .  .  .  e„  Strecken  sind,  so  ist  ihr 
äusseres  Product  ein  Gebilde  n.  Stufe.  Dasselbe  gilt  von  den 
Grössen  x^  .  .  .  Xn-  Will  man  nun  diese  geometrischen  Ge- 
bilde aus  der  Betrachtung  entfernen,  so  braucht  man  nur  das 
Product  (e,  .  .  .  en)  als  Einheit  n.  Stufe  aufzufassen  (vgl. 
„Raumlehre''  Nr.  152),  sodass 

(^1  e.,  .  .  .  Cn)  =  1 
ist.     Dann  ist 

l  tAy  \   vh-y    •     •     •    JU  ff  j     '—  —    ^J  • 

Und  da  jetzt  die  Einheiten  c^  . .  .  e„  ein  Normalsystem  n.  Stufe 
bilden,  so  können  wir  sagen: 

Eine  Determinante  ist  ein  äusseres  Product  von  n  Grössen 
1.  Stufe  im  Normcdsystcm  n.  Stufe. 

Von  dieser  Definition  macht  man  hauptsächlich  Gebrauch, 
um  die  Eigenschaften  des  Productes  (ä^j  .  .  .  x'n)  sofort  auf  die 
Determinante  zu  übertragen. 

Vermöge  des  Gesetzes  CaC^i  =  —  e^iCa  ändert  jedes  äussere 
Product  sein  Zeichen,  sobald  man  darin  irgend  zwei  benach- 
barte Factoren  vertauscht,  oder,  anders  gesagt,  einen  Factor 


•  _     123     — 

über  den  beuachbarten  hinwegsetzt.  —  Es  erhält  daher  glei- 
ches oder  entgegengesetztes  Zeichen,  jenachdem  ein  Factor 
eine  gerade  oder  ungerade  Anzahl  von  Factoren  überspringt. 
—  Jedes  Ueberspringen  eines  Factors  durch  einen  benach- 
barten mag  eine  Transposit'on  genannt  werden.  —  Da  nun 
solche  Transpositionen  nöthig  sind,  um  in  dem  entwickelten 
Ausdruck  der  Determinante  jedes  Einheitsproduct  auf  die 
Form  (C|  .  .  .  e«)  zu  bringen,  so  kann  man  sagen: 

Ein  Glied  in  dem  entwickelten  Ausdruck  der  Determinante 
ist  positiv  oder  negativ,  jenachdem  das  darin  enthaltene  Einheits- 
product durch  eine  rjerade  oder  ungerade  Anzahl  von  Trans- 
positionen in  die  Form  (e^  .  .  .  e„)  übergeht. 

Jede  Reihe  von  Ableitungszahlen,  die  zu  demselben  Factor 
X  gehören ,  heisst  eine  Horisontcdreilie  der  Determinante.  Jede 
Reihe  von  Ableitungszahlen,  die  zu  derselben  Einheit  e  ge- 
hören, heisst  eine  Verticalreihe  der  Determinante. 

Betrachten  wir  nun  neben  dem  Producte  (ic,  .  . .  ä;„),  dessen 
Factoren  durch  die  Gleichungen  (1)  bestimmt  sind,  ein  zwei- 
tes (^1  .  •  .  ifn),  in  welchem 

Vs  =  «11^,-+  «21^2  H h  «nie„, 

/gN  y-l  =  ^^12  ^1   +  «22  ^2  +   •   ■   •   +   ««2^«  , 


sodass  die  Horizontalreihen  der  einen  Determinante  gleich- 
zeitig die  Verticalreihen  der  anderen  sind.  Da  nun  in  dem 
entwickelten  Ausdruck  des  Productes  jedes  Glied  den  Factor 
(e,  .  .  .  e„)  enthält,  so  sind  in  jedem  Gliede  des  ersten  Pro- 
ductes (X|  .  .  .  ä;„)  die  hinteren  Indices  der  a  der  Reihe  nach 
die  Zahlen  12  ...  w,  während  die  vorderen  Indices  dieselben 
Zahlen  in  allen  Permutationen  sind.  Ordnet  man  nun  in 
jedem  Gliede  die  Factoren  a  so,  dass  die  vorderen  Indices 
der  Reihe  nach  die  Zahlen  \2  .  .  .  n  sind,  so  sind  nun  die 
hinteren  Indices  dieselben  Zahlen  in  allen  Permutationen. 
Da  nun  dieser  Umstand  gerade  in  den  Gliedern  des  zweiten 
Productes  {y^  .  .  .  y„)  stattfindet,  so  sind  beide  Producte  iden- 
tisch, und  man  kann  sagen: 

Eine  Determinante  hleiht  imgeändert,  ivenn  man  ihre  hori- 
zontalen Reihen  als  verticale  und  gleichzeitig  ihre  verticalen  als 


—     124    —  • 

liorizontale  nimmt.  —  Oder:  Eine  Determinante  bleibt  unye- 
änäcrt,  ivenn  man  alle  vorderen  Inäices  ihrer  Zahlen  mit  den 
hinteren  Indices  vertauscht. 

Es    können  daher    alle   von   den  Horizontalreihen   einer 
Determinante  geltenden  Sätze   sofort   auf  ihre  Verticalreihen 
übertragen  werden.    Beide  Arten  von  Reihen  sollen  nun  ein- 
fach „Reihen'^  genannt  werden. 
60.  Da  das   Product  [x^  .  .  .  x,i)  sein  Zeichen   ändert,   wenn 

einer'  seiner  Factoren  eine  ungerade  Anzahl  von  Factoren 
überspringt,  oder  wenn,  was  hierauf  hinauskommt,  zwei  be- 
liebige Factoren  vertauscht  werden,  so  hat  man  den  Satz: 

Eine  Determinante  ändert  ihr  Zeichen,  tvenn  eine  ihrer 
Reihen  über  eine  ungerade  Anzahl  von  Reihen  hinweggesetzt 
uird,  oder  wenn  man  zivei  beliebige  Reihen  mit  einander  ver- 
tauscht. (Dasselbe  Resultat  ergiebt  sich  auch  durch  Betrach- 
tung der  Formel  (2),  worin  z/  sein  Zeichen  ändern  muss, 
wenn  dasselbe  mit  einem  der  beiden  äusseren  Producte  ge- 
schieht.) 

Ist  P(ah)  ein  Product,  welches  die  beiden  Factoren  a  und  b 
an  irgend  welchen  Stellen  enthält,  so  ist,  wie  eben  bemerkt: 

R(a  b)  =  —   P{b  a)  5 

folglich : 

P{ab)  -f-  -Piöä)  =  0. 

Setzt  man  nun  b  =  a,  so  folgt: 

P(,aa)  =  0  ; 

d.  h. ,  wenn  wir  den  Satz  sogleich  auf  die  Determinante  über- 
tragen : 

Eine  Determinante,  in  ivelcher  irgend  zwei  Reihen  ein- 
ander gleich  sind,  ist  gleich  Nidl. 

Da  das  Zeichen  eines  äusseren  Productes  nur  von  der 
Stellung  seiner  extensiven  Factoren  {x^,  x^  .  •  •)  abhängt,  so 
kann  ein  Zahlenfactor  A  jede  beliebige  Stelle  darin  einnehmen. 
So  ist  also 

f.\X^  .  .  .  Xji)  —  K'^i  '  '  '  '*' *~p  •  •  •  Xji)  ) 

d.  h.:  Midtiplicirt  man  alle  Glieder  einer  Reihe  der  Deter- 
minante mit  demselben  Factor  X,  so  tvird  die  ganze  Deter- 
minante mit  ihm  multiplicirt.    Und:  Haben  alle  Glieder  einer 


—     125    — 

Reihe  der  Determinante  einen  gemeinsamen  Factor,  so  ist  die- 
ser ein  Factor  der  ganzen  Determinante. 
Wenn  in  dem  Produete  (x^  .  .  .  Xn) 

Xp  =  Vp  -T  ^p 

gesetzt  wird,  wobei 

llp  =  ßpiCi  +  ßp^Ci  +  .  . . ;    Sp  =  Ypici  +  7^262  +  •  •  •  > 
so  folgt: 

(Xj    .   .   .   Xj,   .   .   .  Xn)  =   {X^    .   .   .   [tjp   +  ^^]   .   .   .  Xn) 

=  [x^  .  .  .  yp  ,  .  .  Xn)  -\-  [x^  .  .  .  Zp  .  .  .  Xn)  I 

d.  h.:  Wenn  alle  Glieder  einer  Reihe  der  Determinante  als 
Summen  von  gleichviel  Summanden  dargestellt  werden ,  so  lässt 
sich  die  Determinante  selbst  als  Summe  von  ehensovielen  Deter- 
minanten darstellen. 

Wenn  insbesondere  statt  Xp  gesetzt  wird  Xp  -\-  Xx^,  worin 
Xq  ein  anderer  der  n  Factoren  x^  .  .  .  Xn  ist,  so  erhält  man: 

yX^  . .  .  [Xp  — |—  A  Xqj  .  .  .  Xn)  =  \p^\  • '  •  -^p  •  •  '  ^n)     |~  ^  [ß^l  •  • '  •^q  •  •  •  "^n) 
=  (^X^  .  . .  Xp  . . .  Xn)  1 

weil  nämlicli  das  zweite  Product  den  Factor  Xq^  zweimal  ent- 
hält und  folglich  gleich  Null  ist.     Demnach: 

Fine  Determinante  bleibt  ungeändert ,  ivenn  man  sämnit- 
liche  Flemente  einer  Reihe  um  dieselben  Vielfachen  der  Elemente 
einer  anderen  Reihe  vermehrt  oder  vermindert. 

Da  im  äusseren  Produete  beliebige  Zusammenfassung  der 
Factoren  gestattet  ist  („Raumlehre"  139),  so  ist 

\Xi,  .  .  .  Xn)  =  \Xi  ,  .  .  Xni)  (X/n  + 1  •  •  •  ^n)  • 

Da  alle  Factoren  aus  den  Einheiten  Cj  .  .  .  e„  abgeleitet  sind, 
so  enthält  das  Product  {x^  . . .  Xm)  nur  dann  eine  Determinante, 
wenn  die  Ableitungszahlen  seiner  Factoren  aus  e„j+i,  6^+2, 
.  .  .  Cn  gleich  Null  sind,  d.  h.  wenn 

«p(w+l)  =  CCpim+2)  =  .  .  .  =  CCpn  =  0  -,       (p  =  1,  2,  .  .  .  m). 

Ebenso  enthält  (x^+i  .  .  .  Xn)  nur  dann  eine  Determinante, 
wenn 

api  =  ap2  =  ..  .  =  ccprn  =  0 ;     (p  =  m-{- 1,  m -\-2, .  .  .  n). 

Ist  die  erste  Bedingung  erfüllt,  so  enthält  (xi  .  . .  x,n)  nur  das 
Einheitsproduct  (Cj  .  .  .  e«)  als  Factor.    Multiplicirt  mau  nun 


—     126     — 

weiter  mit  {x^+i  .  .  .  Xn),  so  kommen  in  allen  Faetoren  von 
Xm^i  bis  Xn  nur  noch  diejenigen  Glieder  zur  Multiplication, 
welche  die  Einheiten  e,H  +  i,  •  •  •  e«  enthalten.  Das  Resultat 
der  Multiplieation  ist  also  dasselbe,  als  wenn  die  zweite  Be- 
dingung erfüllt  wäre ;  d.h.:  Die  Determinante  zerfällt  in  das 
Product  zweier  Determinanten,  auch  wenn  nur  eine  der  beiden 
Bedingungen  erfüllt  ist.     Oder: 

Wenn  in  einer  Determinante  von  n  Reihen  in  den  ersten 
(letzten)  m  Reihen  über  all  die  letzten  (ersten)  n — in  Glieder 
gleich  Null  sind,  so  zerfällt  die  Determinante  in  das  Product 
zweier  Determinanten.  Die  eine  davon  besteht  aus  den  ersten 
(letzten)  m  Reihen  der  gegebenen  Determinante ,  die  andere  aus 
den  letzten  (ersten)  (n — m)  Reihen,  nachdem  in  jeder  derselben 
die  ersten  (letzten)  m  Glieder  unterdrückt  worden  sind. 

Anmerkung.  Aus  den  bisher  gewonnenen  Resultaten  lässt  sich 
Lereits  erkennen,  dass  das  System  der  ursprünglichen  Einheiten  die 
naturgemässe  Grundlage  der  Determinantentheorie  ist.  Indem  man  die 
Determinante  im  Zusammenhange  mit  dem  äusseren  Product e  betrach- 
tet, dessen  Zahlcoefficient  sie  ist,  gewinnt  man  zunächst  eine  einfache 
Bezeichnung  für  sie.  Während  die  sonst  üblichen  Bezeichnungen  alle 
darauf  hinauslaufen,  einzelne  Glieder  aus  dem  entwickelten  Ausdruck 
der  Determinante  mechanisch  zusammenzuschreiben,  bietet  sich  hier 
im  äusseren  Product  ein  bereits  bekannter  Ausdruck,  dessen  Theile 
durch  ein  Rechnungsgesetz  mit  einander  verbunden  sind.  Diese  Be- 
zeichnungsweise hat  als  systematische  vor  den  übrigen,  willkürlich 
gewählten,  mehrfache  Vorzüge.  Bei  der  üblichen  Darstellungsweise 
erscheinen  die  Eigenschaften  der  Determinante  stets  als  Resultate  einer 
HJr fahrung ,  die  sich  nicht  anders  als  durch  Ausrechnung  der  einzelnen 
Glieder  der  Determinante  gewinnen  lässt.  Dagegen  gestattet  die  An- 
wendung des  äusseren  Productes  eine  deductive  Begründung  jener 
Eigenschaften.  —  Ich  glaube  nicht  zuviel  zu  behaui:)ten,  wenn  ich  sage, 
dass  die  Lehre  von  den  äusseren  Producten  zur  wissenschaftlichen  Be- 
gründung der  Determinantentheorie  ebenso  unentbehrlich  ist,  und  in 
ähnlichem  Verhältnisse  zu  dieser  Theorie  steht,  wie  die  Lehre  von  den 
Buchstaben-Polynomen  zur  gewöhnlichen  Rechnung  mit  decadischen 
Zahlen. 

2.   Beziehungen  zwischen  mehreren  Determinanten. 

61.  Die  Formeln  (1)  und  (3)  können  verallgemeinert  werden, 

indem  man  jeden  Zahlenfactor  cc  durch  eine  neue  extensive 
Grösse  ersetzt,  welche  aus  einem  zweiten  System  von  Ein- 
heiten (s^  f -2  .  .  .  £„)  abgeleitet  ist.     Es  sei 


worin 


—     127     — 

n 

statt  Kp  ^  gesetzt :  .s  27 «  ^ ,  f ,, , 

1    '' ' 

n 

s2Ja?'  f,  ==  ß^,  fi  -f-  «'\  fo  +  •  •  •  +  «^   £„  . 

7 .«     ■'  71''  ij  2       '      I  '  (/  ?i      " 

Es  mögen  ferner  durch  diese  Substitution  die  Grössen  x 
und  y  der  Formeln  (1)  und  (3)  resp.  übergehen  in  u  und  z\ 
dann  ist 

ih  =-(sE a\^  f,j  f  1  +  [s 2; «J^  ^9 j  ßa H \-\s2: f/ ^ £,j c„ ; 

(4)  ^  ^'^^  (^f  ""'^  "^7  ^'  +  (•' f  "'^'  '7  '''^ i-- V'^f  «!.  ^.v)e«  ; 


(5) 


w„=  ( s  2; «"^  f  J  ei  +  (^s  2: «"^  5 J  ß2 H 1-  ^s  2; «^ ^  £,j  Cn  . 

1  =  (^s 2;  ßj^  f,j  f'v  +  (s  2; «^^  f, j  fo H L  (^s  2;  ß",  £,  j e„ ; 

2  =  (s 2:  ßj^  f,j  f  1  +  (^s 2: «^^  £sje2-\ V\s^ «",  £. j e„ ; 


und  wiederum  ist 

(G)  {u^u.y  .  .  .  Un)  =  (s-j^a  •  •  •  ^'0- 

Denn  in  jedem  Gliede  des  entwickelten  Ausdrucks  sind  die 
hinteren  Indices  der  Grössen  a  der  Reihe  nach  die  Zahlen 
1,2  ...  n,  während  die  vorderen  und  die  oberen  Indices  alle 
Permutatiouen  in  allen  Combinationen  aufweisen,  und  zwar 
ist  dies  sowohl  bei  dem  aus  (4)  wie  bei  dem  aus  (5)  gebilde- 
ten Producte  der  Fall,  weil  die  Ausdrücke  in  (5)  aus  denen 
in  (4)  durch  Vertauschung  der  vorderen  mit  den  oberen  In- 
dices entstehen. 

Es  seien  nun  zwei  Producte  (a;, x^. .  ■  Xn)  v^nd  («/, y^-  •  •  ?/«) 
gegeben ,  worin 

\X,,  =  UpiCi   +   apid  -!-••■   +   ^pnCn  ; 


(7) 


—     128    — 

Das  Product  beider  Producte 

(r^j  X2  •  '  •  oCfi)  (j/i  y^  •  •  .  yn) 
können  wir  durcli  Umstellung  der  Faetoren  auf  die  Form 

(^l2/l)   (^2^/2)   •   •   •   •   {^nyn) 

bringen.  Um  das  Vorzeichen  dieser  Form  zu  bestimmen,  be- 
achten wir  Folgendes:  Xn  muss  {n  —  1)  Faetoren  überspringen, 
um  vor  </„  zu  kommen;  darauf  ä;«  —  !  desgleichen  {n  —  2)  Fae- 
toren, um  vor^/«-!  zu  kommen;  zuletzt  a;.^  eiwew  Factor,  und 
iCj  gar  keinen.  Da  bei  jedem  Sprung  ein  Zeichenwechsel 
stattfindet,  so  giebt  dies 

1  +  2  +  3  +  .  .  .  +  (n-2)  +  (^-  1)  =  ^^^^ 

als  Anzahl  der  Zeichenwechsel.    Demnach  ist 

n(ra — 1) 

(8)     {x^...x,:){y^..Ajn)  =  {—l)     2      .{x^y^){x2y.^...{Xnyn\ 

Betrachten   wir  nun  eins  der  Producte   auf  der  rechten 
Seite,  {Xpyp),  und  setzen: 

so  ist  nach  Ausführung  der  Multiplication 

n 

11p  ?*,  S  ^  Cip  ■,.  Pp  g  6/-  Sg  , 

1 

worin  alle  n^  Combiuationen  der  Werthe  von  r  und  s  zu 
nehmen  sind.     Sei  ferner 

dpr  .  Pps  =  O^^, 

SO  ist  entwickelt: 

tip  =  eiysi: df ^ £, j 4-  e.>  [s E §1^ f , j  H f- e„  (s U d^^ £, j • 

Setzt  man  nun 

so  ist  nach  den  Formeln  (4)  (5)  (6) 

(10)  (i*i  ■.  .  .  w„)  =  (^j  .  .  .  0„) . 

Setzt  man  ferner  in  dem  Ausdrucke  für  ^p  die  Einheiten  s 
als  gemeinsame  Faetoren  heraus^  so  ist: 


—     129    — 

+ 

+  (^„^^  +  ^«^^+--     +^«^»)^« 
oder,  wenn  wir  setzen: 

oder: 

(11)  Yjyy.     =     CClp   ßlxCl     4-     CCij,    ßiy.    e>     -\-     •     •     •     -\-     a„p  ß„y,    Cn    , 

(12)  Zj,  =  y,n  £i  H-  y,.2  «2  +  •  •  •  +  ^i««  ^^  • 
Nun  folgt  aus  den  Formeln  (8)  (9)  (10),  dass 

n{n  —  l) 

(13)  {X^...  Xn)   (yi  .  .  .  Vn)   =  (-  1)        '  (^1    •    .   •   ^«) 

ist,  worin  die  Grössen  xy0  durch  die  Formeln  (7)  und  (12) 
erklärt  sind,  während  (11)  den  Zusammenhang  zwischen  den 
Ableitzahlen  der  2  einerseits,  der  x  und  y  andrerseits  aus- 
drückt. 

Der  in  Formel  (13)  enthaltene  Satz  heisst  das  Mtdtipli- 
cationstheorem  der  Determinanten,  und  lässt  sich  vollständig 
so  ausdrücken: 

Wenn 

Xp  =  (y.p  iCi  -{-  ap2e>  ~{-  •  •  •  -\r  (^jm  e« , 

yp=ßl>\^l-\-ßl>i^-2-^--'^r  ßpn  f«  ; 

2p  =  ypl  Si   +    yp2  £2   4-    •    •    •   +  Tpn  £n, 

7py.  =  ^ip  ßiy.Ci   -\-  CC2p  ßz^  C^   +   •   •   •   +  CCnp  ßnx  C,, 

ist,  so  ist 

n{n  -1) 

(a;,  .  .  .  x„)  (y,  .  .  .  yn)  =  (  -  1)     '       (^1  .  •  •  ^n), 
oder,  ivenn  man  {x^  .  .  .  x„)  durch  ^/„(ej  .  .  .  e„);  (y,  .  .  .  y,i) 
durch   d^  {ß\  '  •  •  f «) ;    (^1  •  •  •  Zn)  durch  /iy  (e,  fj  e^  b.^  .  .  .  e„  £„) 
ersetzt: 

Anmerkung.  Der  das  Vorzeichen  bestimmende  Factor  auf  der 
rechten  Seite  von  (13)  findet  seine  Erklärung  darin,  dass  iu  jedem 
üliede  des  entwickelten  Ausdrucks  das  Product  {e\i\,e-i,c^  . . .  e,jf„)  erst 
auf  die  Form  (6,^2  .  .  .  e„fif2  •  •  •  «„)    gebracht    werden    muss.     Diese 

Schlegel,  Elemente.  9 


—     130    — 
Operation  verursacht,  ebenso  wie  die  umgekehrte,  welche  oben  be- 

n{n—l)  n{n-l) 

handelt  wurde,  s Zeicheawechsel,  und  der  Factor  ( — 1)      2        \jq. 

wirkt  nun ,  dass  überhaupt  kein  Zeichenwechsel  stattfindet. 

Der  hier  gegebene,  von  den  üblichen  Methoden  abweichende  Be- 
•  weis  des  Multiplicationstheorems  dürfte  sich  durch  seine  Uebersichtlich- 
keit  empfehlen,  und  durch  den  Einblick,  welchen  er  in  die  bei  der 
Multiplication  stattfindenden  Gruppirungen  der  Elemente  gewährt.  — 
Wenn  man  die  Multiplication  wirklich  ausführt,  so  verhindern  die 
Einheitsfactoren  das  Auftreten  solcher  Glieder,  welche  sich  nachher 
wegheben,  wodurch  viel  unnützes  Rechnen  erspart  wird.  —  Die  sonst 
üblichen  Beweise  folgen  weiter  unten  in  modificirter  Gestalt. 

62.  Es  sei  eine  Reihe  extensiver  Grössen  f\  .  .  .  fn  aus  einer 
anderen  Reihe  extensiver  Grössen  x^. .  .  Xn  mittelst  der  Zahlen 
«  abgeleitet,  sodass  z.  B. 

(14)  fp==  KplXi^-\-  Up^  X2-\-   •   ■   '  -\-  a^n  Xn- 

Ferner  seien  die  Grössen  x^  . .  .  Xn  aus  einer  dritten  Grössen- 
reihe  y^  .  .  .  yn  mittelst  der  Zahlen  ß  abgeleitet,   sodass  z.  B. 

(15)  a;5  =  ^5i2/i  + Ai2y2  H \r  ßqnyn. 

Ersetzt  man  nun  in  Formel  (14)  jedes  x  durch  seinen  aus 
der  durch  (15)  repräsentirten  Gruppe  genommenen  Werth, 
so  folgt: 

fp  =  {cCplßll  -jr  CCp2ß2l-\-  ■   ■  •   +  Cip,ißnl)yi 
+   {cCpißl2  +  «i>2  ß22  -\-  ■   '   ■  -\-  CCj,nßn2)y2 

+ 

+  {cCpißm  +  CCp2ß2n  +  •  •   •  +   0^pnßnn)yn, 

oder,  wenn  man 

(16)  ypx  =  Cipi  ßx^  -{-  ap2  ß2x  -\r   ■   •   '  -\-  f^pn  ßnx 

setzt : 

(17)  fp  =  ypxyi+Ypiy2-\ \-Ypnyn- 

Bildet  man  nun  die  Producte  der  durch  die  P'ormeln  (14)  (15) 
(17)  repräsentirten  GrösseD,  und  bezeichnet  die  aus  den 
Grössen  aßy  bestehenden  Determinanten  resp.  mit^a^/^^y; 
so  folgt: 

(y  1    •  •   •   Jn)  ^^^=^  ■^a  (^1   •  •   •  ^n)  5 

(18)  .  (a?! .  .  .  a;„)  =  z/^(2/i  .  .  .  2/„) ; 


—     131     — 

Aber    durch    algebraische   Multiplication    der    beiden    ersten 
Reihen  folgt: 

(/l  •  •  •fn)=^^u  .  ^^(!/,  .  .  .?/«); 

folglich  mit  Rücksicht  auf  die  dritte  Reihe: 
(19)  z/^.z/^  =  z/,. 

Diese  Formel  drückt,  verbunden  mit  der  Bedingung  (16) 
wiederum  das  MtiltipUcationsthcorcm  aus,  für  welches  somit 
in  kürzester  Form  ein  sivcitcr  (bekannter)  Beiveis  erbracht  ist. 

Das  System  der  Grössen  a  heisst  das  Originalsystem,  das- 
jenige der  Grössen  y  das  transformirte  System.  Ferner  z/„ 
die  Determinante  des  Original-,  z/y  diejenige  des  transforhiirfen 
Systems,  ^ß  endlich  Modulus  der  Transformation  {Substitutions- 
determinante}. 

Wir  betrachten  nun  den  besonderen  Fall,  dass  die  Grössen  63. 
y  ein  System    normaler  Einheiten  bilden  (vgl.  „Raumlehre" 
Nr.  152).     Dann  ist 

(20)    (2/1  ...?/„)  =  1;   {yp\yi^  =  ^'-,   {VpM^^- 

Es  sei  nun  in  (18)  §1  .  .  .  1«  derjenige  Grössenverein, 
welchen  man  aus  x^  .  .  .  x„  erhält,  wenn  man  in  der  Deter- 
minante z/^  die  Horizontal-  und  Verticalreihen  vertauscht. 
Dann  ist  z.  B.: 

Ul   =  ßi'iVi.  +  ß-2iy2  -\ h  ßnqtjn  • 

Folglich,  mit  Rücksicht  auf  (20) 

a,\^,)  =  ß,,  ß,,  +  ß,,  /3o,  +   •    •  .   +  ßnp  ßu. 

Nehmen  wir  noch  au,   dass  auch  die  Grössen  ^  ein  Normal- 
system bilden,   so  wird  (i,p\ti)  =0;  {^,1,%^  =  1;    mithin  ist 

(22)  ß,,ß,,  +  ß2,ß2,  +  •  •  •  +  ßupßn,  =  0; 

(23)  ßl,  +  ßl+---  +  ßl,=  ^- 
Wenn  man  nun  die  Gleichungen: 

Xi  =  ßiiyi-j-  ßi2yi-\-  "  ■  -{-  ßin yn ; 
30^  =  ß2\yi-\-  ß2  2yi-\r  '  •  •  +  /52« ?/n ; 


(24) 


-Xn  =  ^«1  2/1  +  /5«2  !/2  +   •    •   •   +  ß^^n  yn 

9  = 


—    132    — 
der  Reihe  nach  mit  den  Zahlen 

ßlpßip  •   '   '   ßnp  '       ' 

raultiplicirt,  und  dann  addirt,  so  folgt: 

ßlpXi-^-  ß2p  X2-\-   ■   •   •  -\-  ßnp  ^n 
=  (j3ll^l^  -{-ß2lß2p  H h   ßnißnp)yi   H 

oder,    da  der  Coefficient  von  yp  nach  (23)  gleich  1 ,  und  die 
aller  übrigen  y  nach  (22)  gleich  0  sind: 

(25)  yp  =  ßip  Xi-\-  ß2pX2-\-   -   •   •  +  ßnp  Xn  . 

Multiplicirt  man  alle  in  dieser  Formel  enthaltenen  Ausdrücke 
mit  einander,  so  folgt: 

Andrerseits  ist  nach  (18) 

{Xi  .  .  .  x„)  ==  ^ßiyi  .  .  .  yn). 

Durch   algebraische  Multiplicatiou   dieser  Gleichungen   erhält 
man 

(26)  ■  i^ßY=l. 

Bildet  mau  endlich  aus  (24)  die  Ausdrücke  x~^,  x~  .  .  .  x~ 
■und  addirt,  so  folgt: 

4  +  4  +  ---\-^n=iß\r  +  A,  +  '--  +  ßl,)yt 

oder,  da  die  Coefficienten  aller  y  nach  (23)  gleich  1  sind: 

(27)  xf-\-xf^ )^x^  =  yf+yf-^ \- y^  . 

Wenn  also  zwischen  den  Elementen  der  Substitutionsdeter- 
minante die  Gleichungen  (22)  und  (23)  bestehen,  so  ist  das 
Quadrat  dieser  Determinante  gleich  1  (26)  und  zwischen  den 
durch  sie  verbundenen  extensiven  Grössenreihen  der  x  und  y 
bestehen  die  Gleichungen  (27).  Da  die  Vereine  der  Grössen  y 
und  §  Normalvereine  sind,  so  heisst  die  Substitution,  durch 
welche  der  Verein  f  aus  der  Abhängigkeit  von  dem  Vereine  x 
in  diejenige  von  dem  Vereine  y  übergeht:  normale  {orthogo- 
nale) Sid)stitution. 

In  den  Formeln  {22)  bis  (26)  können  die  Grössen  x  und  y 
auch  Zahlen  statt  extensiver  Grössen  vorstellen.     Dann  ver- 


—     133     - 

waudelu  sich  iii  (27)  die  inneren  Quadrate  iu  numerische, 
und  die  Formeln  drücken  bekannte  Beziehungen  zwischen 
Zahlengleichungen  aus. 

Sei  64. 

^2  =  «21  ^\  +  «22^2  ;       2/2  =  ^21  ^1  +  ^22  ^2  i 

Dann  sind  die  inneren  Producta  {x^\y^,  {^iIVt)}  (^2l^i)>  (^21^2) 
Zahlgrössen.     Sei  ferner: 

^1  ==  (^1 1 2/1)  e,  +  (:^'2 1 ^1 )  ^2  =  ^1  (1 2/1  e,)  +  «^2 (1 2/1  e?)  ; 

^2  =  (^1  12/2^^1  4-  (^2  12/2)^2  =  ^1(1  ^2^1) -1-^2(1 2/262)  ■ 

Dann  erhält  man  durch  Ausrechnung  der  Klammern  in  den 
Ausdrücken  rechts: 

2^  =  ^1  Pil  ^2^12  5 

•^2  "^   ~    ^1  r21  ^2P22> 

daher : 

(^1^2)  =  (^i-'^2)  (ßwß-i-i  —  ßnßn) 
=  (^1^2)1(2/12/2)- 
Es  ist  nämlich  z.  B. 

(12/1^1)  =  /3ii|ci  .c,  +  ßn(^2-(^\  =  —  Ai^iki  — /5i2ei|e2, 

also,  da  e,  ßj  =  1;  e^\e^=--Q  \&i:  {\yxG\)  =  —  ßw  Ferner 
erhält  man  durch  Multiplication  von  |i/,  mit  \tj.^,  (welches  Pro- 
duct  nach  „Raumlehre''  143  gleich  |(y, iJ/j)  ist)  ßiiß-22~ ß\2ß2\- 

Die  eben  gefundene  Formel  kann ,  wie  man  sieht,  sofort 
erweitert  werden  auf  n  Grössen  x  und  n  Grössen  y,  welche 
aus  den  n  Einheiten  e^  .  .  .  c«  abgeleitet  sind. 

Wenn  also 

'x^  =  a^^e^-\-a^^e.,-{ [-Ku.e,,-.,     ?/i  =  /^i  1  f,  +  /5,2  f,  -] [-  /^i «  e„ ; 

a:;2  =  «2l6l  +  «22ß2H h«2nC„;       2/2  =  /^2l  ^1  +  ^22  ^2  H h/^^nß«; 


(28) 


Xn  =  Ciniei-\-an2e2-\ h««««^«)       yn  =  ßn\ei-{-ßn2C2-] l-ßnnCn, 

(e,  . . .  en)  =  1 , 
so  ist 

(29)     {Xj,\7jq)  =  a^,i/3^i  +  ß^.2/3j2+  •  •  •  +  a^«^,«. 
Wenn  dann 


(30) 


-     134    — 

h  =  (^1 1 2/2)  Ci  +  (^2  M^i-i h  i^n  1 2/2)  Cn ; 


gesetzt  wird,   so  ist  nach  der  Verallgemeinerung  der  Formel 

(^1%)  =  (^1^2)1(2/1^2) 

(31)  (5!i  ^2  •  •  •  ^n)  =  (^1  ^2  •  •   •  ^'0  I  (!/l  !/2  •  •  •  2/«)  • 

Da  die  drei  Prodacte  dieser  Formel  wegen  der  Annahme 
(gj  . .  .  c„)  =  1  ZahlgrÖssen  sind,  nämlich  gleichbedeutend  mit 
ihren  Determinanten,  so  geht  die  innere  Multiplication  auf 
der  rechten  Seite  in  die  algebraische  über,  und  die  Formel 
(31)  stellt  wieder  das  Midtiiüicationstlieorem  dar,  für  welches 
hier  in  abgekürzter  Form  ein  dritter  (bekannter)  Beweis  ge- 
liefert ist. 

Anmerkung.  Die  directe  Vei'wandlung  der  linken  Seite  von  For- 
mel (31)  in  die  rechte  erfordert  noch  die  Entwickelung  einiger  Hilfs- 
formeln, und  ist  in  Grassmann's  „Ausdehnungslehre"  II.  Nr.  175  nach- 
zusehen. 

Wenn  in  den  Formeln  (28)  überall  «  statt  ß  gesetzt  wird, 
so  ist  allgemein  ijp  ==  Xj, ;  aus  Formel  (29)  erkennt  man ,  dass 
in  diesem  Falle 

ist,  und  Formel  (31)  nimmt  die  Gestalt  an: 

(32)  {x^  x^. ..  x„)-  =  (^1  ^2  •  •  •  ^n) . 

Eine  Determinante,  in  welcher  das  Gesetz  gilt,  dass  a^,,  =  a,^, 
ist,  heisst  symmetrisclie  Determinante.  In  einer  symmetrischen 
Determinante  sind  also  die  Horizontalreihen  der  ReiJie  nach 
identisch  mit  den  Verticalreihen.  Formel  (32)  drückt  nun  den 
Satz  aus :  Das  Quadrat  einer  jeden  Determinante  ist  eine  sym- 
metrische Determinante.  —  Für  p  =  q  nimmt  Formel  (29)  noch 
die  besondere  Form  au  (die  man  auch  unmittelbar  aus  (28) 
erhält) : 

(33)  x,A=^al^-\-al^^-\ [-«'„• 

Eine  Determinante,  in   welcher  a^.j  =  —  ccgp  ist,   kann  con- 

gruentc  Determinante  genannt  werden  (gauche  symmetrique). 

Wenn  in  jedem  Element  einer  Determinante  der  hintere 


-  135     — 

Index  als  Exponent  geschrieben  wird,  so  heisst  die  Deter- 
minante altcrnircndc  Fundion.  —  Die  Ableitung  der  Eigen- 
schaften aller  dieser  Specialformen  ist  für  den  Zweck  dieses 
Buches  nebensächlich.  ^ 

3.  Unterdeterminanten. 

Ersetzt  man  in  dem  äusseren  Producte  {x^. .  .  x„)  (worin  65. 
Xi,  .  .  .  Xn    die    in   den   Formeln  (1)  gegebeneu  Bedeutungen 
haben)  einen  Factor,  z.  B.  Xp  durch  seinen  Werth 

Xp  =  CCpi  Ci  +  «^>2  62  +   •   •   •   +  Kpn  6'„, 

SO  erhält  mau : 

(34)       {X^  ...Xn)  =Kpl{Xi  ...  ei...Xn)p-\-CCp2{Xi.-.  C.^...X^p 
— (-  •  •  •  -|—  Clp  n  (ä^j  .  .  .  6n  '  •  '  Xfijp  ; 

Avorin  der  bei  jedem  Froduct  stehende  Index  p  die  Stellung 
des  Factors  e  in  diesem  Producte  angiebt. 

Die  durch  ein  solches  Product  dargestellte  Determinante 
heisst  Unter (Jeferminante  zu  (x^  .  .  .  x„).  Man  erhält  ihren 
Ausdri{cli,  indem  man  in  dem  gegebenen  Producte  irgend  einen 
Factor  durch  irgend  eine  Einheit  ersetzt.  Da  man  dies  auf  n"^ 
verschiedene  Weisen  thun  Tiann,  so  giebt  es  n^  solcher  Unter- 
determinanten. 

Da  die  linke  Seite  von  (34)  ungeändert  bleibt,  wenn  man 
alle  vorderen  mit  den  hinteren  Indices  vertauscht,  so  muss 
auch  die  rechte  durch  dieses  Verfahren  ungeändert  bleiben; 
d.  h.  mau  hat: 

(oO)       (ä^j  .  .  .  X/i)  =  0^1  p\X^  ...  Cp  ...  X,i)i  -f-  C(2p{X^  . . .  Cp  ...  Xn)^ 
— [-  . .  .  — (—  K^p  \X^  . . .  Cp  ,  .  ,  XnJTf 

Die  allgemeine  Form  einer  Unterdeterminante  ist 

\X^    .   .   ,   Cq   .   .  .   Xjijp  • 

Anstatt  den  Factor  Xp  durch  die  Einheit  Cq  zu  ersetzen,  kauu 
man,  indem  Xp  als  Function  der  unabhängigen  Variablen 
a^.iy  ...  Kpn  betrachtet  wird,  Xp  nach' Kpq  differentiireu.   Dann 

ist 

dxp 

—  "  —  e 

d  apq  '^' 

Und  anstatt  in  dem  Producte  (x^  ...  x,,)  den  Factor  Xp  weg- 
zulassen, um  nachher  an  seine  Stelle  Cq  zu  setzen,  kann  mau 


.    _     136     — 

dieses  Product,  indem  es  als  Function  der  unabhängigen  Va- 
riablen x^,  .  .  .  Xn  betrachtet  wird,  nach  Xj,  difierentiiren. 
Demnach  ist 

.  s     r1(.r,...xn)     dxp    diXi^^.Xa) 

(a^i  .  .  .  C,  .  .  .  Xn)p  —  -   -  ^^^^  ^~  —  --^Vpq 

3Iifhin  ist  eine  Unferdeterminante  gleich  dem  Differential- 
quotienten des  äusseren  Productes  nach  irgend  einem  Elemente. 
Jedem  Elemente  der  Determinante  entspricht  somit  eine  Unter- 
determinante,' und  wenn  wir  die  zu  aj,q  gehörige  mit  a^,,^  be- 
zeichnen, so  ist  demnach 

/OPN  diXf  .  .  .  Xn)  f  X 

(36)  iV,-= — -^i~^^ — =^{x,...c,,...Xr:)p. 

Das  System  der  Elemente  a  heisst  adjimgirt  demjenigen  der 
Elemente  «,  und  die  aus  den  ersteren  gebildete  Determinante 
reciprok  zur  Determinante  der  Grössen  a.     Wenn  daher 

Ip  =  (ipiCi  +  aj,2C2  +  •  •  •  +  ^V"^« 
gesetzt,  und  die  Determinante  der  Grössen  a  mit  ^ a  bezeich- 
net wird,  so  ist 

66.  Setzen  wir  den  Werth  (36)  in  (34)  ein,  so  folgt: 

(38)  {X^...  Xn)  =  Cij,  1  C\p  1  -f  CCj,  ■,ap2-\ h  C(p  n  <\,  n  ■ 

Setzen  wir  nun  in  dem  Producte  {x^  .  .  .  Xn)  den  herausgenom- 
menen Factor  Xp  einem  anderen,  darin  vorhandenen,  Xq  gleich, 
so  wird  einerseits  das  Product  gleich  Null  (Nr.  60);  andrer- 
seits erhält  jedes  a  statt  des  Index  ^)  den  Index  q,  während, 
wie  aus  Formel  (36)  hervorgeht,  jedes  a  den  seinigen  behält. 
Wir  erhalten  also: 

(39)  0  =  Kq  1 Q;.  1  +  a,  2  a^.  2  +  •  •  •  +  «7  n  (ip  « • 
Multipliciren  wir  jetzt  die  Gleichungen  (37),  so  folgt: 

ix^  ..  .x„){^^  ...  tO  =  (^1  •••  ^a),  (31); 

^p  =  (a^i  I  lp)ei  +  {X.,  ^j,)  Cj  +  •  •  •  +  (a?„ !  ip)  Cn  (30). 
Nun  ist  aber 

{Xg  1  Ip)  =  ci,j  1  <[j,  1  -j-  a,j  2(ip2-\ h  ci,j  „  ([j,  „  =  0  (39) 

i^pl^p)  =  cipiO.pl  -f  cij>2(Xp2-\ h  ccj,n<Xp„  =  {x^...Xn)  (38); 


137     — 


also 

Zj,  =  {X^   ...  Xy^Cj,  =  AaCp 

demnach  mit  Rücksicht  auf  (37) 

^„  .  z/o    =  (z/„)". 

oder: 

(40)  -  J,  =  (z/„)«-' ; 

d.h.:    die  lleciprol-aldeterminantc  ist  die  {n — \)te  Potenz  der 
ursprünglichen  Determinante. 

Multiplicirt  man  die  Formeln 

^\  =  '^ii^'i  +  (^\i^->  +  •  •  •  +  «i«e„ 
X.,  =  f/.^|C',  +  «,2^2  +  •  •  •  +  ft2«e„ 


x„  =  a„^ei  -\-  a,^^>e2-\'  •  •  •  +  «„„e,, 

der  Reibe  nach  mit  aij,,  K\.2p  .  .  .  anp,  und  addirt,  so  wird  der 
Coefficient  von  ep  nach  (38)  gleich  z/«,  während  diejenigen 
aller  übrigen  e  nach  (39)  gleich  Null  sind.    Mau  erhält  also: 

(41)  ^a  '  Cp  ==  (XxpXi   -\-  ^^pX^  +   •  V   ^np^n\ 

oder : 

f  z/„  .   ei  =   ai  xXy\   <XixXi-\- Y   ^n\Xn  \ 


Bezeichnet  man  nun  mit  üpq  die  Unterdeterminanten  von  z/n, 
sodass  zwischen  den  Grössen  a  und  a  dieselben  Beziehungen 
bestehen,  wie  zwischen  a  und  a,  und  multiplicirt  die  Glei- 
chungen (42)  der  Reihe  nach  mit  dpi,  ap2  •  .  •  apn,  so  erhält 
man  ähnlich  wie  vorher: 

(43)     zia-Xp  =  ^a{apiCi  -i-  ttp 2 e-i  -{-•••  -\-  cipuen), 

oder  mit  Rücksicht  auf  (40) 

Z/a"-2  .  Xp  =  üp^ei  +  «^2^2  +   •  •  •   +  apnCn. 

Nun  ist  nach  (1) 

z/«""- .  Xp  =  /Ja'"'^c<piey  +  Zfa^'-'^cip^e-z  H f-  z/«"-^  «^„6«; 

durch  Vergleichuug  der  letzten  Formeln  ergiebt  sich  (da  zwi- 
schen e,;  .  . .  Cn  keine  Zahlbeziehung  existirt): 


—     138     - 

(44)  aj,q  =  zJa""-^ .  dpq. 

Mittelst  dieser  Formel  sind  die  Unterdeterminanten  der 
Reciprokaldetermiiiaute  durch  die  ursprüngliche  Determinante 
ausgedrückt. 

Ersetzt  mau  in  dem  Producte  [x^  ...  Xn)  tn Factoren  durch 
ihre  Werthe,  und  führt  die  Multiplication  aus,  so  wird  das 
Product  als  Summe  von  ri'"  anderen  Producten  dargestellt. 
Jedes  dieser  Producte  stellt  eine  ünterdeterminante  m.  Ordnung 
vor.  Die  Behandlungsweise  dieser  Grössen  ergiebt  sich  aus 
dem  Vorhergehenden  ohne  Schwierigkeit;  sie  gewähren  für 
die  hier  gewählte  Darstellung  kein  neues  Interesse,  und  wer- 
den daher  übergangen. 

4.    Anwendungen  auf  die  Theorie  der  Gleichungen. 

67.         1)  Auflösung  eines  Systems  von  n  linearen  Gleichungen 
mit  n  ünbehannten.  —  Erste  Methode.  Die  Gleichungen  seien : 


-'2' 


_  Multiplicirt  man  die  Gleichungen  der  Reihe  nach  mit  e^  e^ 
und  addirt,  so  folgt,  wenn  wir 

(iipei-\-  <^2pe2-\-  •  '  •  -\-  f^npCn  =  a^, 

/3ie,      +  ß^e^      H \-  ßnCn     =t> 

setzen : 

Multipliciren  wir  diese  Gleichung  mit  (a^  (x^...  ^p—i^pj^\ ...  a„), 
so  kommt  links  nur  das  Glied  o^pXp  zur  Multiplication,  weil 
alle  anderen  Producte  Null  werden,  und  man  erhält: 

+  Xp  z/w  ==  bai  .  .  .  a^,_ia;j-|-i  .  .  .  a« 
oder 

(6ai ...  op— 1  ftp+i  ttn) 


Xp  =  + 


z/a 


Anmerkung.  Dem  Wesen  nach  stimmt  diese  Methode  (die  schon 
in  Grassmann's  Ausdehnungslehre  I.  §  45  u.  II.  §  134  steht)  mit  der  be- 
kannten Determinantenmethode  überein.  Nur  beruht  sie  wieder  auf 
erheblich  einfacheren  Betrachtungen  als  diese.    Es  kommen  keine  Unter- 


-     139    — 

determinanten  zur  Verwendung,  mithin  brauchen  die  Formeln  (38)  und 
(39)  nicht  vorausgesetzt  zu  werden.  Statt  mit  Unterdeterminanteu  wird 
hier  mit  Einheiten  multiplicirt,  in  der  Lösungsform  endlich  stellen  sich 
die  Zahldimensionen  von  Zähler  und  Nenner  auf  den  ersten  Blick  dar. 
Historisch  ist  zu  dieser  Methode  zu  bemerken,  dass  dieselbe  in 
Frankreich  von  Cauchy  (1853),  welchem  Grassmann  vorher  sein  Buch 
iibersandt  hatte,  als  eignes  Erzcugniss  unter  dem  Namen  ,,clefs  alge- 
briques"  in  den  Comptes  rendus  veröffentlicht  wurde  (vgl.  a.  a.  0.  II. 
S.  IX  u.  107,  und  Grelles  Journal  Bd.  49.  S.  123).  Manche  haben  in 
Folge  dessen  die  gesaramte  Ausdehnungslehre  mit  dieser  Methode  für 
identisch  gehalten  (S.  z.  B.  Jahrbuch  üb.  die  Fortschritte  der  Mathem. 
Bd.  3  (1871)  S.  306,  woselbst  auch,  wie  hier  gleich  bemerkt  sein  mag, 
die  weitläufigen  Rechnungen,  welche  die  Umformung  eines  planimetri- 
schen  Productes  in  eine  Coordinaten-Gleichung  erfordert,  irrthümlicher- 
weise  für  weseutUche  Bestandtheile  der  geometrischen  Untersuchung 
gehalten  worden  sind). 

Ziveite  Methode.     Die  Gleichungen  seien 

«10^0  +   ^11^1   +    •    •    •   +   CClnXn  =  0, 

«20^0  +   «21^1   +   •   •    •   +  ^'inXn  =  0,       ^     ^^ 


^0 


Jede"  dieser  Gleichuugeu,  z.  B.  «^;o^o+  ^;j  i  *'iH h  <^pn^n  =  0 

ist  das  Produet  von  zwei  Gleichungen: 

(X,    Co)  -i-  {Xi\e^)-\ h  (Xn  I  Cn)  =  y\  „\—A 

cCpoCo  -\-    ccpid   +  •  •  •  +    «/>«c„  =  ßp, 

sodass  also 

ßpij  =  0 

in  Verbindung  mit  den  beiden  vorhergehenden  Gleichungen 
das  gegebene  System  ersetzt.  Da  y,  mit  jeder  der  n  Grössen  ß 
multiplicirt,  Null  giebt,  so  ist  das  äussere  Produet  dieser 
n  Grössen,  nämlich  (ßi  .  ■ .  ßn)  ein  Factor  von  y.  Dieser  Factor 
ist  eine  Grösse  n.  Stufe ;  aber  auch  y  ist  aus  Grössen  n.  Stufe 
(je^  =  +  e^e^  .  .  ep^iCp+i. .  .  g„)  linear  zusammengesetzt,  also 
selbst  eine  Grösse  n.  Stufe;  demnach  kann  der  noch  übrige 
Factor  von  y  nur  eine  Grösse  0.  Stufe,  d.  h.  eine  Zahl  (A) 
sein;  man  hat  also: 

y  =  l{ß,...ßn). 
Nun  folgt  aus  dem  oben  gegebenen  Ausdruck  für  y 

c^y  =  X(j, 


-     140     — 

weil  (Col^,,)  =  1;  U\)\<ip)  =  0  ist;  daher,  weil  x^^  =1   ist; 
Ac,(^,  .../?„)=  1; 
1 


Ferner : 


mithin 


Co  (3, ...  ßn 

Cj,  y  =  Xi,\ 
^epißi  ..  .ß,)  =  xjr, 


'^^'         (eoß,.  ■../?«)■ 

Aumerkung.  Diese  Lö.sung  gab  Grassmann  in  der  Ausdehuuugs- 
lehre  II.  Nr.  134.  Sie  ist  in  mancher  Hinsicht  noch  einfacher  als  die 
vorige ,  und  zeigt  ebenso  wie  das  Multiplicationstheorem ,  dasa  auch  die 
innere  Multijjlication  sich  mit  Vortheil  auf  algebraische  Aufgaben  an- 
wenden lässt. 

68.  2)  Bestimmung  der  Besultante  eines  Systems  von  n  homo- 
genen linearen  Gleiehungen  mit  n  UnheJiannten.  —  Eliminirt 
man  aus  einem  solchen  System  die  unbekannten,  so  heisst 
die  zwischen  den  Constauten  übrig  bleibende  Gleichung  die 
Resultante  des  Systems  (auch  wenn  die  Gleichungen  nicht 
linear  sind). 

Man  erhält  ein  solches  System,  wenn  man  in  den  Glei- 
chungen zu  Anfang  voriger  Nr.  ßi  =  ß^'^  ■  ■  •  =  ßyt  =  0  setzt. 
Dadurch  werden  die  Gleichungen  homogen;  man  kann  eine 
der  Unbekannten,  etwa  Xp  =  1  setzen,  es  wird  dann  identisch 
b  =  0,  und  die  Gleichung 

+  ocp  .  Au  =  l>  .  a,  .  .  .  aj,_iaj,  +  i  .  .••  a„ 
geht  über  in 

Dies  ist  die  gesuchte  Resultante. 

69.  3)  Elimination  der  Unbekannten  y  aus  den  beiden  Glei- 
chungen 

«0  +  «1 2/  +  «2?/^  +  •  •  •  +  Cr.-y"'  =  0  ; 
%  +  &iy  +  &22/'  +  ---  +  &nr  =  0; 

worin  a  und  b  Functionen  einer  anderen  Unbekannten,  oder 
Constanten  sind.  — 

a)  Sylvesters  Methode.  —  Man  multiplicirt  die  erste  Glei- 
chung mit  1,  y,  «/^,  . .  .  y"~S  die  zweite  mit  1,  y,  y"^,  .  . .  y'"-'^ 
und  erhält: 


—     141     — 

ö„y"'-^  + 4-6„y"'+"-^  =  0. 

Aus  diesen  m-(-»i  Gleichungen  können  nun  die  m-\-n — 1  Un- 
bekannten y,  iß,  .  .  ,  ijm  +  n—i  g^yf  2wei  verschiedenen  Wegen 
eliminirt  werden,  welche  den  unter  1)  angegebenen  Methoden 
entsprechen. 

ß)  Elimination  mittelst  äusserer  Multiplication.  —  Man 
multiplicirt  die  m  -f-  w  Gleichungen  der  Reihe  nach  mit  den 
m  -f-  n  Einheiten  Cj,  e.^,  . .  .  6«+«,  und  addirt.    Setzt  man  dabei 

SO  erhält  man: 

Wj    +  «2^  +   •    •   •   -^-  Ur„  +  ny"'  +  "~'^  =  0  ; 

und  durch  Multiplication  mit  {u.^'fi.^  •  •  •  'i^m+^i) 
{u^U2  .  .  .  u,a+,^=  0, 

welches  die  verlangte  Gleichung  ist. 

ß)  Elimination  mittelst  innerer  Multiiiilication.  —  Seien 
e^e^  ...  e,ft+„_i  die  anzuwendenden  Einheiten  (deren  Product 
gleich  1  ist),  so  zerfällt  jede  der  m-\-n  Gleichungen  in  das 
Product  der  Gleichung 

mit  einer  der  Gleichungen 

^'o^o  + f*i<^i  + -\r  a,mG,n  =  Cq 

tt{iGn—i-\- -{-a,u<',u  +  n—l  =  Gn  —  \' 


—     142    — 

ö()Cw-i"j~ -{- y,j6»(-j_;j_ i  =  a,n— 1  > 

sodass  also 

Cp  z  =^  djyZ  =^  0 

ist.  Da  nun  die  m-\-n  Grössen  Cq,  .  .  ,  c„_i,  c?„,  .  .  .  (?;„_i 
aus  m  -\-  n  —  1  Einheiten  abgeleitet  sind,  so  wird,  wenn  man 
das  äussere  Product  dieser  Grössen  bildet,  in  jedem  Gliede 
ein  Product  von  m-{-n  Einheiten  auftreten;  es  muss  also  eine 
Einheit  zweimal  darin  vorkommen;  in  Folge  dessen  ist  jedes 
dieser  Producte,  mithin  auch  das  ganze  Product  Null,  und 

{c^yC^  .  .  .  Cn-idod^  .  .  .  f/„,_i)  =  0 
ist  die  verlangte  Gleichung. 

Anmerkung.  Die  beiden  unter  a)  gegebenen  Methoden  stehen 
in  Grassmann's  Ausdehnuugslehre  I.  §  93  und  II.  §  136.  —  Beide  Metho- 
den geben  eine  Determinante  von  m-\-n  Reihen,  welche  sich  durch 
Ausführung  der  Multiplication  auf  das  leichteste  in  ein  Polynom  ver- 
wandeln lässt.  Man  bemerkt  bei  einfacheren  Beispielen,  dass  dieses 
Polynom  sich  rückwärts  in  eine  einfachere  Determinante  verwandeln 
lässt.     Die  directe  Herstellung  derselben  wird  nachher  gezeigt. 

70.  Durch  Betrachtung  der  eben  gefundenen  Gleichung  er- 

giebt  sich,  wenn  a  und  h  Constanten  sind,  unmittelbar  der 
Satz: 

Die  Residtante  ziveier  Gleichungen  vom  m.  resp.  n.  Grade 
mit  einer  TJnheliannten  ist  vom  n.  Grade  in  den  Coefficienten 
der  ersten,  vom  m.  in  denen  der  ztveiten  Gleichung. 

Um  die  letzte  Gleichung  als  Polynom  darzustellen,  gehen 
wir  aus  von  dem  Gliede  a^"  (Cq  .  .  .  e„_i)&„"'(e„  .  .  .  em+n-i) 
oder  «o"^«'"'  D^  "^on  den  n  ersten  Factoren  des  Productes 
(Cq  .  .  .  d„i-i)  nur  der  erste  e^,  nur  die  beiden  ersten  gj,  etc. 
enthalten,  so  muss  jedes  andre  Product  aus  den  n  ersten 
Reihen  (ausser  ay"(eo  .  .  .  e„_i))  die  fehlenden  Factoren  e  aus 
den  letzten  m  Reihen  zur  Ergänzung  erhalten.  Ersetzen  wir 
also  in  dem  Gliede  Of^'^hn"'  den  Factor  «q"  durch  a„i'%  so  muss 
der  Factor  b^"^  hinzugefügt  werden  (s.  die  Ausdrücke  für  Cq, 
c^,  .  .  .  in  voriger  Nr.).  Demnach  kann  der  Factor  h„  nur 
noch  m  —  n^  mal  in   dem  Gliede  vorkommen,   und  dasselbe 


f^m  —  M  1 

Ü          «1 

qU  —  n2    J^m—nl 
n  l          '      11 

fiii  —  ?j2     7)(/(  —  «1 

]yn3^n2 

-     143     — 

lieisst  «„i"  *^«""~"^  Z^o"^-  ^"11  ^^^^11  ^^^  ^^^  Factor  6o"^^»i" 
dieses  Productes  ebenso  behandeln ,  wie  «„"  &„'"  u.  s.  f.  Wenn 
dann  Mj,  M3,  .  .  .  neue  beliebige  Zahlen  (für  a  zwischen  0  und 
m,  für  h  zwischen  0  und  n)  bedeuten,  so  erhält  man  der 
Reihe  nach  die  Bildungen: 

Summe  der  ludices: 
a"  h'"   i  mn 

0  Hl' 

Im  Allgemeinen  ist  also  die  Summe  der  Indices  gleich 

npnp+i-{-  (w  —  ni)n  +  (w  — w.^)ni  +  {n^  —  n^n^  -\ 

-\-  {rip-i  —  np+i)np  =  mn. 

Da  man  nun  durch  die  eben  beschriebenen  Bildungen  alle 
Glieder  des  Polynoms  finden  kann ,  so  ist  der  Satz  bewiesen : 

In  der  Resultante  sivder  Gleichungen  vom  m.  resp.  n.  Grade 
in  y 

«0  +  «!?/  +  «2!/^  +  •  •  •  +  «-?/'"  =  0 ; 
h-\-h,y +  h,y'  -{-•■■ +  Kir=0 

ist  die  Summe  der  Indices  in  jedem  Gliede  gleich  mn. 

Setzt  man  y  =  ~ ,  so  lauten  diese  Gleichungen,  nachdem 

sie  mit  w"*,  resp.  u"-  multiplicirt  sind: 

«O^f™  +  ff,M'"-l  4-  «2«'""^  +   •    •   •   +  am  =  0. 
&0«*"  +  &iW"-^  +   &2«t"-2  _|-   .   .   .  -|-  &„  =  0. 

Sind  nun  ap  und  hp  homogene  Functionen  p.  Grades  von 
zwei  Variablen  x  und  ^,  so  sind  die  beiden  Gleichungen  selbst 
homogen,  und  aus  dem  letzten  Satze  folgt,  dass  die  Resul- 
tante eine  homogene  Gleichung  vom  Grade  mn  zwischen  den 
Variablen  x  und  b  sein  wird,  oder,  wenn  mau  3=1  setzt: 
eine  Gleichung  in  ic  vom  Grade  mn.    Man  hat  also  den  Satz: 

Eliminirt  man  aus  zivei  Gleichungen  m.  und  n.  Grades 
zwischen  zwei  Variablen  die  eine  derselben,  so  ist  die  Resul- 
tante eine  Gleichung  vom  Grade  mn  in  der  anderen. 

b)  Modiftcation  der  Bezout-Caylcy  sehen  Methode.  —  Man  71. 
kann  annehmen,  dass  die  beiden  Gleichungen  denselben  Grad 


—     144     — 

haben,  da  man  nur  in  einer  derselben  die  Coefficienten  der 
höchsten  Potenzen  gleich  Null  zu  setzen  braucht,  um  den 
andern  Fall  herzustellen.  —  Man  multiplicirt  die  beiden 
Gleichungen 

-B.  =  ^'o  +  hy  +  ^2^'  +  •  •  •  +  hnr  =  0 

resp.  mit  h^  und  a^^,  und  subtrahirt,  so  folgt; 

hfyÄn  —  a^Bn  =  0. 

Diese  Gleichung  ist  durch  y  theilbar,  also  nach  der  Division 
vom  Grade  n — 1.  —  Denn  multiijlicirt  man  die  gegebenen 
Gleichungen  resp.  mit  hn  und  «„,  und  subtrahirt,  so  folgt: 

hnAn  —   ttaBa   =  0. 

Diese  Gleichung  ist  ebenfalls  vom  Grade  (n — 1).  Ebenso 
wie  y^  wird  man  nun  auch  2/"~^,  y"'~^,  •  •  •  eliminiren,  und 
schliesslich  eine  Determinante  von  vier  Elementen  erhalten, 
von  denen  jedes  ein  aus  den  Coefficienten  der  Gleichungen 
zusammengesetzter  Ausdruck  ist.  Man  kann  ferner  auf  jedem 
Punkte  der  Elimination  in  die  Sylvester'sche  Methode  über- 
gehen, und  dadurch  Determinanten  von  grösserer  Elementen- 
zahl erhalten. 

Anmerkung.     Beisp  iele : 

1)  üo  +  «i2/  +  ^22/^  =  0  ;     h  -{-  l>^y  -{-  \'iß  =  0.  —  Man  erhält: 
feo(a,  +  a^y)  -  a^{h  +  hv)  =  0  ;      h{a^  +  a^y)  —  a^iho  +  biy)  =  0; 

oder: 

(&0«1— «ü^)  +  (^0«2-  Ooh)y  =  0;       (&2«,)  — «2&,i)  +  (^2^<l  — «2^l)2/  =  f>. 

und  hieraus: 

(&o«i  —  ^ü^i)  {l'-z'^i  —  «2^i)  —  (t'o'^z  —  '^oW)^  =  0. 

2)  «u  +  «1^  +  «22/'  +  «32/'  =  0;     K  +  hy  +  hy""  +  hy  =  o.  - 

Man  erhält: 

&ü(«i  +  «22/  +  «32/-)  -  ao(&i  +  hy  +  hy^)  =  0; 

h{(^o  +  «i2/  +  «22/')  -  «3(öü  +  öi2/  +  &22/')  =  0; 
oder: 

(Öuttj  —  «o^l)  +   (&0«2  —  «0^2)2/  -f  (^0«3    -    «U&3)2/'  =  0- 
(ftjao  —  O3&0)  +   '&3«1  —  «3^)2/  +     ^3«2  —  «3''2)2/'  =  0. 

Setzt  man  nun  im  Resultate  der  vorigen  Aufgabe  statt  a;,a,  «2 ^ü^i'^2 
resp.  die  Coeificienten  der  eben  erhaltenen  Grleichungen ,  so  erhält  man 
die  Resultante  in  Gestalt  einer  viergliedrigen  Determinante. 


145    — 


4)   Die  Functionaldeterminante   eines  Systems   von  p  he-  72. 
liehigen  Gleichungen  mit  p  Variablen. 
Die  Gleichungen  seien 

(1)     ?/i=/i(a^i •••*>);    }k=U{^^...Xp); 
Setzen  wir  nun 


-f   Xj,i 


•  •  Vp  — Tp  \P^\  • '  •  "^p)' 


(2)  x  =  x^e^-^x.,e.,-\- 
so  ist 

(3)  {x\e^)  =  a?,  ;     {x\e.,)  =  X.,]     .  .  .{x\ep)  =  Xjj. 

Setzen  wir  diese  Werthe  von  x^,  x.^,  .  .  .  Xp  in  (1)  ein, 
so  sind  die  Grössen  y  als  Functionen  einer  einzigen  extensiven 
Variablen  x  ausgedrückt,  d.  h.  es  ist 

(4)  y^=F^{x)',    y.,  =  F,{x);     .  .  .  y^  =  F^^ix). 
Setzen  wir  ferner 

(5)  y  =  ?/,  'ei-\-y^\e.,-i \-  y^^le^, 

so  ist 

(6)  y  =  F,(x)\e,  +  F,{x)\e,  H +  F^(x)\e,', 

mithin  ist  auch  y  als  Function  von  x  ausgedrückt,  oder:^ 

(7)  y  =  F{x), 

Es  ist  also  das  System  der  Gleichungen  (1)  durch  eine  ein- 
zige Gleichung  ersetzt.  Aus  dieser  kann  man  das  gegebene 
System  wiederherstellen  mittelst  der  Formeln: 

(7a)  {y  Cr)  =  ijr  ;     F{x)  er  =  Fr  {x) ; 

Fr  {X)  =  fr  {X^    .   .  .   Xp)  . 

Wenn  wir  nun  die  Gleichung  (5)  nach  x^,  x^,  .  .  .  Xp 
dififerentiiren ,  so  folgt: 


(8) 


dy 


dXi 
dy 


dxx 


1^.   + 


dx. 


—    dx^  l'^i  ^ 


d^ji_ 
dx, 

dx2 


^.+•••  +  4^1^^ 


e,+ 


^   dx^   i^* 


>    ~    dx.    1^'    +     dx.    1^2+  ^    de       '^" 


\da 


'Xp 


Die  durch  das  äussere  Product  der  Gleichungen  (8)  ge- 
bildete Determinante    heisst    die  Functionaldeterminante   des 


Schlegel,  PHemente. 


10 


—     146     — 

Systems  (1).  —  Sie  lässt  sich  noch  in  einfacherer  Weise  aus- 
drücken.    Es  ist  nämlich: 

dy  dy  dx 


oder,  da  pach  (2)  —. —  =  c,-  ist 


dxr  dx         dXr 

Ix 

dXr 


dy   ^^    dy 
dxr  dx 


(9) 

Es  ist  also   -r--  eine  Grösse,  welche,  mit  e^,  e.,,  .  .  .  Cp  multi- 
plicirt,    der    Reihe    nach    die    Grössen       ^  ^  ^ 


dxi  '     dx2  '  dxp 

hervorbringt,  d.  h.:  -r^  ist   ein  Quotient  in   dem   in  Nr.  41 

festgestellten  Sinne.    Wir  können  also  nach  der  dortigen  Be- 
zeichnungsweise schreiben : 

dy         dy  dy 

/^j-vx  dy dxi  '     dXi  '  dxp 


dx  gj,  62,    .  ■  '  .    Cp 

Das  äussere  Product  der  Zähler  eines  Quotienten,  dessen  Nen- 
ner das  System  der  ursprünglichen  Einheiten  ist,  ist  aber  der 

Poten^tverth  des  Quotienten,   und   wird  hier  durch  (^— )   zu 

bezeichnen  sein. 

Demnach  ist  die  Functionaldeterminante  des  Systems  (1) 

gleicli  dem  Fotenzivertlie  (— ^-)  des  Quotienten  (10). 

Wenn  ^,,  y.^,  ■  •  •  yp  sämmtlich  Functionen  1.  Grades  sind, 
so  verwandelt  sich  die  Functionaldeterminante  in  eine  gewöhn- 
liche Zahlendeterminante.   (Vgl.  die  Ausdrücke  (y/^)  und  {J^) 
in  Nr.  41  u.  42.) 
73.         Besteht  zwischen  ?/,,  ?/., ,  .  .  .  yp  eiue  Gleichung 

Vr  =  fpiVx ,  y-i,  '  '  ■  ?/,— 1 ,  2//+1 »  •  •  •  Vp)y 
so  ist 

dyr_  ^^  dy,-        dyi     ,     dyr         dy^     i    .  .  .    1     dyr        dyp  , 
dxs  dyi        dxs     '     dy^        dxs     '  "*"   dyp    '    dxs   ' 

also  ist  nach  (8): 

dxs  dx,  ^  ^J  +    dyt   1^'-^  +   dxs  ^^^-i  ^   dy,  ^^'^  ^ 

+   dxs  y^^K^  dyp   l^'-^' 


-     147    — 

d.  h.:  die  p  Grössen  -^^,  -y^ ,  •  •  •  ^~  sind  aus  den  ip  —  1) 

extensiven  Klammergrössen  abgeleitet.  Da  nun  in  jedem  Pro- 
duct  von  jü  Factoren,  welches  aus  Q; — 1)  Grössen  gebildet 
wird,  irgend  eine  Grösse  zweimal  als  Factor  erscheinen  muss, 
so  ist  das  äussere  Product  jener  p  Grössen  gleich  Null.  Man 
hat  also  den  Satz:  Wenn  zivischen  den  Functionen  des  Sy- 
stems (1)  eine  Gleichung  besteht,  so  ist  die  Functionsdeterminante 
des  Systems  gleich  Ntdl. 

Wenn  im  umgekehrten  Falle  die  Functionsdeterminante 
Null  ist,  so  muss  zwischen  den  Factoren  des  äusseren  Pro- 
ductes  eine  Zahlbeziehuug  existiren.  Dieselben  müssen  sich 
also  aus  weniger  als  })  Einheiten  ableiten  lassen,  und  da  sie 
Ableitungen  von  y  sind,  so  muss  dasselbe  mit  y  selbst  der 
Fall  sein.  Diese  Reduction  ist,  wie  aus  (5)  hervorgeht,  nur 
dann  möglich ,  wenn  entweder  zwischen  den  Grössen  j  e  oder 
zwischen  «/j,  «/2>  •  •  •  Vp  ^^^^  Zahlengleichung  existirt.  Und  da 
der  erste  Fall  gegen  die  Annahme  ist,  so  bleibt  nur  der 
zweite  übrig.  Es  gilt  also  auch  die  ümJcehrung  des  oben  aus- 
gesprochenen Satzes. 

Anmerkung.  Man  beachte,  dass  alle,  die  Functionsdeterminante 
betreffenden  Ausführungen  in  Geltung  bleiben,  wenn  man  nicht 
y  =  2/i  ki  +  •  •  •  etc.,  sondern  ?/  =  i/jg,  -f  2/2^2  +  •  •  •  ^^C-  setzt. 

Sei 

(11)  ^, =(?,(?/,...?/,.);  ^i=fpÄyi-'-yp)j  ■'^p=<pp(yi---yp)i 
(1)   2/1 =/"i(^i ••••'»;>);  y-i^f'A^i'-'^p)'-,  "yp=fpi.^i'-'-^p)- 

Wenn  wir  nun  die  Fimctionaldeterminanteu  beider  Sy- 
steme mit  einander  multipliciren,  so  erhalten  wir  nach  Nr.  62 
Formel  (16)  eine  Determinante,  deren  Elemente  die  Form 
haben : 

dyi         dzx     .      dyz         dzx      .  _, dyp  dz^ 

dxr    '     dif^    •"    dxr     '    dyz      1    '  '  '  "r     dxr  dyp 

Dieser  Ausdruck  ist  aber  gleich 

dZy. 
dXr    ' 

folglich  ist  die  Determinante,  welche  aus  diesen  Elementen 
besteht,  die  Functionsdeterminante  des  Systems,  welches  aus 
(11)  und  (1)  durch  Elimination  der  Grössen  y  entstehen  würde; 

10* 


—     148    — 

mithin  ist  unter  der  Voraussetzung,  dass  die  Gleichungen  (11) 
und  (1)  bestehen: 


a^)     m-m-^ 


In  Worten:  Wenn  das  System  (11)  durch  die  Substitutionen  {l) 
transformirt  ivird,  so  ist  die  Functionsdeterminante  des  trnns- 
formirten  Systems  gleich  dem  Prodncte  aus  denen  des  gegebenen 
lind  des  transformirenden  Systems.  (Von  dieser  Transformation 
ist  die  in  Nr.  62  behandelte  ein  specieller  Fall.) 

Sind  die  Grössen  x^  .  .  .  Xp  der  Reihe  nach  identisch  mit 
^,  .  .  .  Sp,  so  sind  auch  x  und  s  identisch,  sobald  sie  nur  ans 
denselben  Einheiten  e^  . .  .  Cp  abgeleitet  sind;  und  Formel  (12) 
sfeht  über  in 


CS)  m)-(1^)  =  '- 


Da  der  Potenzwerth  eines  Quotienten  wirklich  die  Be- 
deutung einer  algebraischen  Potenz  hat  (vgl.  die  Anmerkung 
am  Schluss  von  S.  76),  so  ergeben  sich  die  Formeln  (12)  und 
(13)  ganz  einfach  auch  dadurch,  dass  man  das  System  (11) 
durch  ^=  ^{y),  und  (1)  durch  y  =  F{x)  ersetzt.  Denn  es 
ist  dann 

dz   dz         dy  ^  dy         dx    -.  _ 

dx  dy        dx   '  dx         dy  ' 

(dz^\  _  (dzP\       (dr\  .        (d£\       (d^'\  _   , 
V  dx  )         \dy  )       \  dx  ;  '    \dx)    '    \dy  ) 

Es  seien  /",,  /!,,  .  .  .  fp  homogene  Functionen  r.  Grades  der 
Variablen  x^,  a;.^,  . .  .,  und  JP,,  F.^, . . .  Fp  dieselben  Functionen, 
ausgedrückt  durch  die  extensive  Variable  x.    Setzen  wir  dann 

dFs   _  j^. 
dx    ~       " 
SO  ist 

X  .  F\  =  r  .  F, . 

Multipliciren  wir  beide  Seiten  dieser  Gleichung  mit 

F  F     i     F'  , .         F' 

so  folgt: 

X  .  F\F',  .  .  .  Fp  =  r  .  F, .  F',  . .  .  i^',_,  .  F,+  ,.  .  .  F),. 

Setzt    man    hierin  s  nach   und   nach   gleich  1,  2^  .  .  .  jj,  und 
addirt  alles,  so  folgt: 


—     149    — 

p.x{F\F',...F',)  =  r[F,{F',...F',)  +  F,{F\F',..F',)^-. 

+  F,{F\...r,^,)-]. 
8iiKl  nun  die  Fuuctioueu  F^,  F.,,  .  .  .  Fp  gleich  Null,  so  ist 
auch  (i^,  F'.^.  .  .  Fp)  =  0,  d.  lif:  Die  WertJie  der  Variablen, 
welche  einem  System  von  p  homogenen  Gleichungen  r.  Grades 
geniigen,  machen  auch  die  Functionaldeterminante  dieses  Sy- 
stems gleich  N'idl. 

Durch  Differentiation  der  letzten  Gleichung  nach  x  erhält 
mau  noch: 

p(F\  F', . . .  F'p)  +px{F\  F\_ . . .  F\)' 

=r  [p{F,  F', . . .  F'p)-^F,  {F', . . .  F^y-j-F,  {F\  F\...  F'p)'-^.  •  • 

+  Fp{F\...F'p.,y^. 

Wenn  also  F^  =  F^^  ---Fp  =  0,  so  ist  nicht  nur  {F\  F., . . . 
F'p),  sondern  auch  {F\F\. . .  F'p)' =  0-^  d.  h.:  Dieselben 
Wcrthe  der  Variablen  machen  auch  die  nach  den  einseinen 
Variablen  genommenen  Ableitungen  der  Functionaldeterminante 
{zJ)  gleich  Nidl.  Letzteres  erhellt  sofort,  wenn  man  be- 
denkt, dass 

clxs  clx         dx.   —  y-^  i-^  -'"/-^  pj  '(^s 

ist,  und  dass  das  Verschwinden  der  rechten  Seite  die  Gleichung 

— —  =.()  zur  Folge  hat. 
dxs  ° 

Anmerkung.  Die  Reduction  eines  Systems  von  mehreren  Zabl- 
functionen  verschiedener  numerischer  Variablen  auf  eine  extensive 
Function  einer  extensiven  Variablen,  wie  sie  oben  ausgeführt  wurde, 
ist  für  die  Theorie  der  Functionen  überhaupt  von  grosster  Wichtigkeit. 
Die  überaus  einfache  Darstellung  der  Functionaldeterminante  auf  Grund 
dieser  Reduction  kann  schon  als  ein  Beleg  für  diese  Behauptung  gelten. 
Diese  Reduction,  deren  Vortheile  in  der  Theorie  der  Covarianteii  und 
Invarianten  noch  besonders  hervortreten  werden,  ist  das  charakteristische 
Merkmal  für  die  Art  und  Weise,  wie  die  moderne  Algebra  vom  Stand- 
punkte der  Ausdehnungslehre  aus  behandelt  wird,  und  in  ihr  erblicke 
ich  einen  wesentlichen  Fortschritt  gegenüber  der  gegenwärtig  üblichen 
Behandlung.  Dieser  Fortschritt  aber  ist  es  wiederum,  welcher  den 
Anwendungen  der  Ausdehnungslehre  auch  heutzutage  noch  Anspruch 
auf  Beachtung  seitens  der  Mathematiker  verleiht.  —  Geometrisch  be- 
trachtet, verwirklicht  die  erwähnte  Reduction  in  allgemeinster  Weise  . 
den  schon  in  Nr.  8 — 10  für  einen  speciellen  Fall  ausgeführten  Gedanken: 
ein  geomeirisches  Gebilde  nicht  von  einer  Eeihe  von  Coordinaten  abhängig 
zu  machen.,  die  auf  ein,  dem  Gebilde  ganz  fremdes,  System  bezogen  sind, 


—     150     - 

sondern  dasselbe  als  Function  eines  Punktes  zu  betrachten,  durch  dessen 
Bewegung  das  Gebilde  entsteht. 

Jene  Reduction  findet  sich  bei  Grassmann,  Ausdehnuugslehre  11. 
Nr.  348—352;  die  Darstellung  der  Functionaldeterminante  als  Potenz- 
werth  daselbst  Nr.  441.  An  beidfn  Stellen  sind  die  hinzugefügten  An- 
merkungen besonderer  Beachtung  werth. 
74.  5)  Die  Hesse'sche  Determinante  einer  homogenen  Fundion 
n.  Grades  von  p  Variablen. 

Wenn  wir  in  der  vorigen  Nr. 

^w  =  ^ 

setzen ,  wo  /"  eine  Function  von  x  bezeichnet ,  «o  ist  nach  (7) 


•^         dx 


df 

dXr 

df         dx                                           /o\ 
dx         dxr          -^                                     ^   '^ 

' 

4t='J'            (5)- 

dH         ^ 
dXrdXq 

_   dyr   ,              d^f       _    dyq  . 

dXq     '                dXqdXr               dXr     ' 

da  die  linken  Seiten  dieser  Formeln  gleich  sind: 

dyr    __    dy,i 
dxq           dxr 

ferner 
also 
Ferner : 

mithin, 


In  diesem  Falle  ist  also,  wie  aus  (8)  hervorgeht,  die  Functional- 
determinante symmetrisch. 

Die  aus  den  zweiten  Differentialquotienten  einer  Function 
/'  von  J9  Variablen  gebildete  symmetrische  Functionaldetermi- 
nante heisst  Hesse'sche  Determinante  der  Function  /". 

Um  für  diese  Determinante  einen  passenden  Ausdruck 
zu  gewinnen,  machen  wir  hinfort  Gebrauch  von  der  in 
Nr.  8—10  begründeten  Bezeichnung  einer  Function  f  durch 
die  Form: 

CinX""  =  0, 

worin 
und 

gleich  einer  Grösse  a  ist,  welche  rjmal  den  Index  1,  rj  mal 
den  Index  2  etc.  enthält. 


-    151    - 

Wir    bezeichnen   ferner    durch  /'<'')   die  r.  Ableitung  der 
Function  /'  nach  x,  sodass 

(1)  ^  =  ^" 

ist;  dagegen  durch  fsq.  .  .  die  nach  den  r  Variablen  x^,  Xq  .  .  . 
nacheinander  genommene  r.  Ableitung  von  f,  sodass 

^^  dxsdxq...    —  i^'i-  '  • 

ist.    Es  ist  nun  nach  (8)  die  Hesse'sche  Determinante  gleich 

/  dy     dy  _^\  . 

l  dxi   dxz  dxpj 

df  „    1 

=  n{n —  l)««^'""^-  6/-; 


Ferner  ist 

mithin : 

dy 

dXr 

_  dy 

dx 

I 


dx,- 
also  die  Hesse'sche  Determinante  gleich 

(3)  [n{n—l)y'{a>,x^-K  6,)  {anX'^-'K  e^)  .  .  .  {a^^x^-^.  e^), 
oder  mit  Weglassung  des  numerischen  Factors: 

(4)  a^PxP^^-^K 

Dasselbe  Resultat  ergiebt  sich  auch,  wenn  man  von  dem 
Ausdruck  der  Hesse'schen  Determinante  als  Potenzwerth  aus- 
geht.    Es  ist  nämlich: 

mithin 

(^^  =  [n{n—l)ya,,PxPi''-^\ 

Hiermit  ist  für  die  Hesse'sche  Determinante  einer  Function 
f  ein  ganz  analoger  Ausdruck  gewonnen,  wie  für  die  Function 
selbst.     Dies  zeigt  die  Vergleichung  der  beiden  Ausdrücke 
«„^'^  und  an^xP("-^K 

Anmerkung.  Wie  der  erste  dieser  Ausdrücke  in  eine  Zalilen- 
gleichuug  verwandelt  werden  kann,  ist  an  einem  Beispiele  in  Nr.  10 
gezeigt  worden.  Als  Beispiel  für  die  Umformung  des  zweiten  mag  hier 
der  Fall  «  =  3,  p  =  B  dienen.    Es  ist  dann 

a^3x^  ^  (^ci^x  .  e,)  (a^x  .  Cz)  (a^x  .  C3). 
Nun  ist  nach  Nr.  10 : 

«3  =  «m  I  ^1'  +  «222  I  ^2'  +  «333    ^3^  +  3  a„2  '  C|  '^  ^2  +  3  K223     Cj^  €3  -f  3  «3,,  |  63'  C, 
+  3  0:1221  6162^ +  3  «233  1^263^ +3  «311,  636,2 +  6  «,231616263. 


—     152     — 

Dieser  Ausdruck  ist,  wie  ebendorfc  zu  aehou,  ohne  Coefficienten  zu 
schreiben,  wenn  er  nicht  mit  einer  Potenz  von  x,  sondern  mit  der- 
jenigen von  XfCi  +  ^2^2  +  ■  ■  ■  multiplicirt  werden  soll,  weil  die  letztere 
die  Coefficienten  bereits  enthält.    Wenn  man  daher  aus 

X  =  x^Ct  -f  X2e2  +  XgCi 
zunächst  bildet: 

CI3X  =  Cl^XyCi  +  «3X262  +  Ct^X^Cs, 

und  daraus: 

a^x  .  ei  =  CI3 Xi  Ci-  +  «3 X2 e,  63  +  «3 ^3  «-'s  «1 ; 

a^x  .  62  =  oTa^t-'i  C]  €2  +  '^^3'''^. <^2^  ~\~  f^a^sCj^s  ; 

«3^3 .  €3  =  ct^xie^ei  +  ci^XiCzes  +  o:3a;3e3S 

und  hierin  den  Werth  von  0:3  rechts  einsetzt,  so  erhält  man: 

ofjX- .  fj  =  «,  («m  1  (?i  +  d:,i2  i  Cj  +  «1,3 1  63)  +  A-a («1 12 !  Ci-f  «122 ;  Cj-f  «,23  ^3) 

+  ^3  (oflTs  1  (-'l  +  «123  I  ^2  +  «133    ^3)  ; 

a3X.e2  =  Xiiai2z  \  ^a+ßua  i ei  +  a^  |  C3)  +  *'2(«222  «2+  «122  1  <-'i  +  «223^3) 

+  ^'3(«223i^2  +  «123iC,  +  «233.<'3)  ; 

a^x.e^  =  a;i(aj33!  63+ a,23|  e2+or]i3 1  ei)  +  a;2(or233|  ej+cfajaiea  +  auai  e,) 

+  ^3  («333  ks  +  «233  I  ^2+ «P3  '  eO  . 

Durch  Multiplication  dieser  drei  Reihen  erhält  man  sogleich  dieHesse'sche 
Determinante  in  derselben  Form ,  wie  sie  in  Salmons  „Vorlesungen  über 
die  Algebra  der  lin.  Transf."  von  Fiedler.  Lpz.  1863.  S.  229  steht.  Da- 
gegen liefert  die  Multiplication  der  drei  vorhergehenden  Reihen  die 
Coefficienten  in  einer  abgekürzten  Form.  So  ist  z.  B.  der  Coefficient 
von  Xi^  gleich  «3'  Cj^,  und 

agSei^  =  aiuor,22o:i33  —  «1110:1232  —  «133  «112'+  «U2  «123  «131 

~\~  «131  «112  «123  «113^  «122- 

Dieses  letztere  abgekürzte  Resultat  ergiebt  sich  auch  direct  aus  dem 
Ausdruck  «3^0;^,  wenn  man  x^  durch  Xi,  ,X2  und  x^  ausdrückt. 

75.  Wenn  die  Hesse'sche  Determinante  gleich  Null  ist,   so 

muss  zwischen  den  Factoren  des  äusseren  Productes,  vs^elclies 
ihr  gleich  ist,  eine  Zahlbeziehung  existiren,  d.  h.  wenn  Xy...lp 
constante  Zahlen  sind,  so  muss  sein: 

Nun  ist 

^  ^  dxr  dx.dxr     ^        dx 

Integrirt  man  daher  die  vorige  Gleichung  nach  x,  so  bleibt 
nach  Weglassung  des  gemeinsamen  Zahlenfactors: 

Ai  {a,,x''-K  Cj)  4-  L^{ttnX''-K  e,)  -| (-  A^ {cinX"-^ .  ep)  =  0-^ 

d.  h. :  Wenn  die  Hesse'sche  Determinante  einer  Function  gleich 


—     153     — 

Null  ist,  so  existirt  zwischen  den  ersten  'partiellen  Ableitungen 
der  Function  eine  Zahlhesieliuny. 

Weuu  diese  Ableitungen  wieder,  wie  ol)eu,  durch  //,,  ij.^, 
.  .  .  Up  bezeichnet  werden,  so  kann  man  nun,  wie  aus  den 
analogen  Betrachtungen  bei  der  Fuuctionaldeterminante  (Nr. 
73)  hervorgeht,  eine  beliebige  Einheit  e,  hervorheben,  und 
die  Grössen  von  der  Form 

^'^*  +  4^7  i^'-)'  ^^^^^  ^^'-  ^''  +  ^''^'■^^ 

wo  ö'  =  1,  2, .  . .  (/•  —  1),  (>•  -\-  \),  .  .  .  p  zu  setzen  ist,  als  neue 
Einheiten  betrachten.  Es  ist  dann  *■  aus  p  —  1  Einheiten 
ableitbar;  die  Zahl  der  Variablen  a'j,  .  .  .  a;^  lässt  sich  also 
durch  Einführung  dieser  neuen  Einheiten  um  Eins  verringern. 
Aus  den  Formeln  (8)  in  Nr.  72,  in  Verbindung  mit  der 

Formel  — r-M — = —r^  ==  fr,,  aus   Nr.  74,    folgt,    dass   die 
dx,-dx,j  dxq  '   '  '         °  ' 

Elemente  der  Hesse'schen  Determinante  die  Form  frq  haben. 

Bezeichnen  wir  durch  (prq  die  Ableitung  dieser  Determinante 

nach  dem  Elemente  frq,   so  ist  nach  Formel  (39)  in  Nr.  QQ: 

fj  i(p.i  +  fq  -1  9>.2  +  •  •  •  +  fw  ^'^P  =  0 ; 

fq  l(p>l-{-fr2Cpr2-h---+  fqp  (frp  =  0  . 

Hieraus  folgt,  dass 

(fn    '•   fps2    :    .   .   .   :   (fs  q  =  fpr  l   '   (Pr2   '•   •    -   ■   -  (frp 

ist.     Wenn  nun  z.  B. 

ist,  so  folgt  daraus: 

'Pr2=  0; 

d.h.:  Wenn  die  Hesse' sehe  Determinante  gleich  Null  ist,  und 
ihre  Ableitung  nach  einem,  ihrer  Elemente  gleichfalls  verschwin- 
det, so  verschivinden  auch  die  übrigen  Ableitungen  dieser  Deter- 
minante nach  den  Elementen  der  Reihe,  tvelche  das  verschwin- 
dende Element  enthält.  Dafür  kann  man  sagen:  Es  ver- 
schwindet die  Ableitung  der  Hesse'schen  Determinante  nach 
derjenigen  Einheit,  ivelche  gemeinsamer  Factor  der  Elemente 
jener  Beihe  ist.  Also  lässt  sich  die  Zahl  der  Einheiten  noch- 
mals um  eine  reduciren. 

Aus  der  Definition  der  Hesse'schen  Determinante   geht 


—     154    — 

endlich    hervor,    dass    dieselbe    für    alle   Fimctioueii  zweiten 
Grades  eine  blosse  Determinante  der  Coefficienten  ist. 
76.         6)  Die  Hesse'scJic  Determinante  von  p  homogenen  Functio- 
nen n.  Ch'ades  von  p  Variablen. 

Es  seien  p  homogene  Functionen  n.  Grades  von  p  Va- 
riablen gegeben: 

f=ar,x''  =  0',      cp  =  ßnX^  =0', 

Wir  verstehen  dann  unter  der  Hesse'schen  Determinante 
dieser  Functionen  den  Ausdruck: 

(1)  [n(n—l)']p.a,ß„...xM>^-^^', 

welcher  die  Summe  aller  Ausdrücke  vorstellt,  die  man  erhält, 
wenn  man  die  Einheiten  ei  .  .  .  ep  an  die  p  Factoren  von 
[ji  (,i — i)]p  («,,a:;«-2)  (ß^x""-^)  ...  auf  alle  möglichen  Weisen 
vertheilt,  und  die  Factoren  noch  steigenden  ludices  von  c 
ordnet. 

Dieser  Ausdruck  geht  in  die  einfache  Hesse'sche  Deter- 
minante über,  sobald  die  p  Functionen  einander  gleich  wer- 
den. Wir  können  ihn  nach  Analogie  jener  Determinante  als 
äusseres  Product  schreiben,  wie  folgt: 

[n{n  —  \)y  (««a;«-2)  {ß^x""-^) 

oder : 

(2)  /■<2)95(2)   ... 

Wir  setzen  ferner  fest,  dass 

(3)  fP^ .  f('i^  =  fp  +  1),  also  if^^f  =  f 2) 

sein  soll;  und  wenn  wir  schliesslich  noch  zur  Abkürzung 

(4)  P'  =  h         <p^'^  =  r],... 

setzen,  so  können  wir  die  Hesse'sche  Determinante  in  der 
Form 

(5)  •        i^v-'  -y 

schreiben. 

Anmerkung.  Die  Verwandhing  des  Ausdrucks  (1)  in  eine  Zahlen - 
gleichung  wird  in  derselben  Weise  ausgeführt,  wie  es  in  der  Anmerkung 
zu  Nr.  74  gezeigt  ist.  "Wie  der  Ausdruck  (5)  zu  behandeln  ist,  lässt 
sich  aus  dem  folgenden  Beispiel,  worin  p  =  2  ist,  ersehen. 

Aus  (1)  und  (2)  in  Nr.  68  folgt  zunächst: 

AL  —  /•(!) .       ^^  _  f . 

dx  ~~ '     '         dxs         '*' 


—     155    - 

da  nun 

df 

df         dx    ^          -dx 

dxs 

dx         dxs    '           dxs 

ist,  so  folgt: 

(6) 

fs  =  e.,.  p^ 

und  ebenso: 

(7) 

fs,  =  e,.e,.r'^ 

Mithin  ist  im  Allgemeinen 

(8)  §  =  /-"^  =  /-,l«, +/2k',  +  ---+/,|e^. 

l\\  dem  besonderen  Falle  ^  =  2  ist  also 

(|  rj)  =  (f]  I  e,  +  /j  1 62)  (qpj  kl  +  <3P2  i  e.) 

=  /'i  •  <P2  —  A  •  9^1 ; 

Nun  folgt  aus  (6)  allgemein: 

/;./,  =  e. .  e,  .  (/•(!))% 
oder  nach  (3): 

oder  nach  (7) : 

(9)  rs-n  =  fs,- 

Durch  Anwendung  dieser  Formel  erhält,  man : 

(10)  {ln?  =  fn<Pn-\-t\2^n  —  2/',2qPi2. 

Hier  braucht  man  nur  noch  die  aus  den  Gleichuugen  f=0 
und  g)  =  0  genommenen  Zahlenwerthe  der  Ableitungen  ein- 
zusetzen, um  den  verlangten  Ausdruck  zu  erhalten. 

Um  die  Aequivalenz  der  Ausdrücke  (1)  und  (5)  noch 
klarer  darzulegen,  bilden  wir  für  das  eben  gegebene  Beispiel 
aus  (8): 

d^  /•    I         I     /.    I  dri  ,         ,  I 

.  :ä-^  =  /iil^'i +/2ik2;    ^  =  9'ii!ei  +  9^21 1^2; 

^  d^     /     1        _L  /■  ^^    I        _L  I 

~^         inl^i  ~r  /22i^'2  5     ^^  —  9^12 1^1  "r  9^22 1^2 • 
Hiernach  ist 

(12)  (W^{i^,^)  +  {^§;) 


—     156     — 
Da  null  nach  (4) 

SO  sieht  man,  dass  (|^)'*  die  Summe  der  beiden  Ausdrücke 
darstellt,  die  man  erhält,  wenn  man  die  Einheiten  e^,  Cj  an 
die  beiden  Factoren  von  [n{n  —  1)]- («„rü""^)  {ßnX'^~^)  auf  alle 
möglichen  Weisen  vertheilt.  Dies  war  aber  gerade  die  Defi- 
nition des  Ausdrucks  (1);  mithin  ist  die  Aequivalenz  beider 
Ausdrücke  nachgewiesen. 

üeber  das  Verhältniss  des  Ausdrucks  (5)  zu  der  üblichen 
symbolischen  Bezeichnung  der  Hesse'sclien  Determinante  durch 
(123..)*  gilt  das  in  der  Anmerkung  zu  Nr.  10  Gesagte. 


III.   Die  räumliclien  Functionen. 

1.   Allgemeine  Eigenschaften  und  Beziehungen. 

77.  Wir    waren    durch    die  Betrachtungen   des   vorigen   xlb- 

schnittes  dazu  gelangt,  die  Functionaldeterminante  eines  Sy- 
stems von  Gleichungen  als  abhängig  von  einer  einzigen 
Gleichung  anzusehen j  indem  wir  die  Functionen  des  gegebe- 
nen Systems  als  Diöerentialquotienten  einer  einzigen  Function 
f  auffassten. 

Wenn  nun  durch  die  Gleichung  /"  =  0  irgend  ein  geo- 
metrisches Gebilde  ausgedrückt  wird,  so  Avird  auch  die  gleich 
Null  gesetzte  Hesse'sche  Determinante  der  Function  /"  ein 
solches  vorstellen,  da  diese  Determinante  (vgl.  den  Ausdruck  (4) 
Nr.  74)  ebenso  wie  /"  eine  Function  des  beweglichen  Punktes  x 
ist.  Und  die  Abhängigkeit  der  zweiten  Gleichung  von  der 
ersten  wird  auch  einen  Zusammenhang  zwischen  den  ent- 
sprechenden Gebilden  zur  Folge  haben. 

Wir  erkennen  aber  auch  leicht,  dass  die  Hesse'sche  Deter- 
minante nicht  die  einzige  aus  einer  Function  ableitbare  Bil- 
dung ist.  Denn  welchen  der  beiden  Ausdrücke  (Nr.  76  (1) 
und  (5)) 

a,ß, . . .  xp^—^\   {u  . .  .y 

wir  auch  betrachten,  jeder  erscheint  nur  als  specieller  Fall 


-     157     — 

einer  allgemeineren  Bildung.  Im  ersten  Ausdruck  lässt  sieb 
der  Exponent  von  x  verallgemeinern,  und  der  zweite  Aus- 
druck könnte  statt  aus  zwei,  aus  einer  grösseren  Anzahl 
algebraischer  Factoren  bestehen,  die  wieder  nicht  alle  gleich 
zu  sein  brauchten. 

Wir  sind  hiermit  zu  der  Aufgabe  gelangt,  nach  der  all- 
gemeinsten Form  zu  forschen,  in  welcher  die  eben  betrach- 
teten Ausdrücke  als  sj)ecielle  Fälle  enthalten  sind,  und  auch 
die  übrigen  dieser  allgemeinen  Form  untergeordneten  Bildungen 
aufzusuchen. 

Jeder  solchen  gesetzmässigen  Bildung  wird  ein  geometri- 
sches Gebilde  entsprechen,  welches  mit  dem  durch  die  Function 
f  dargestellten  in  solchem  Zusammenhange  steht,  dass  mit 
diesem  auch  jenes  bestimmt  ist.  Da  es  sich  aber  zunächst 
um  ganz  allgemeine  Functionen  handelt,  so  wird  von  geo- 
metrischen Deutungen  der  Resultate  (ebenso  wie  bei  der 
Hesse'schen  Determinante)  vorläufig  ganz  abgesehen  werden. 
Dieselben  werden  erst  dann  am  Platze  sein,  wenn  die  im 
gegenwärtigen  Abschnitt  behandelten  Methoden  auf  specielle 
Functionen  angewendet  werden. 

Wenn  wir  zuerst  den  Ausdruck  (^i?  .  .  .)^  ^^  ^^i'  oben 
angedeuteten  Weise  verallgemeinern,  so  erhalten  wir: 

(1)  {u..:f.{rii..:f... 

Wenn  r  die  Anzahl  der  gegebenen  Functionen  ist,  und  n  den 
Grad  und  p  die  Stufenzahl  jeder  einzelnen  bezeichnet,  so  ist 
dem  Ausdruck  (l)  nur  noch  die  Bemerkung  hinzuzufügen, 
dass  jede  Klammer  ^7  unter  sich  verschiedene  Factoren  ent- 
halten muss. 

Aus  der  Form  (1)  lässt  sich  nun  die  allgemeinste  Form 
herstellen,  die  der  Ausdruck  tCn^n-  •.  .•r^^'*""-'  annehmen  kann. 
Man  erhält  durch  Anwendung  der  früheren  Bezeichnungen 
der  Reihe  nach  die  Ausdrücke: 

Wenn  wir  hier  die  Werthe  der  verschiedenen  Differential- 
quotienten aus  den  Gleichungen  /'==  k«:?^"  =  0,  qp  =  /3„r"  =  0, 
ip  =  fnä'"  =  0,  .  .  .  einsetzen,  und  die  in  Nr.  74  (4)  einge- 
führte abgekürzte  Schreibweise  anwenden,  so  ist  zu  beachten. 


—     158    — 

dass  Dach  Nr.  76  (3)  jede  Function  so  viele  DiflFerentiationen 
erleidet,  als  die  Summe  ihrer  Exponenten  augiebt.  Wenn 
diese  Exponentensummen  für  f,  cp,  ijj  resp.  A,  fi.,  v  sind,  so  wird 
der  Factor  x^  in  den  einzelnen  Functionen  resp.  auf  af"~^, 
x^~^,  x'^~'*'  reducirt.  Wenn  also  der  Grad  des  ganzen  Aus- 
drucks mit  n   bezeichnet  wird,  so  ist 

n  ==  {n  —  A)  -|-  (^^  —  f*)  +  0^  —  v)  -\-  •  •  ' 
oder,  da  die  Anzahl  dieser  Summanden  gleich  r  ist: 
n  =  nr  —  {l  -\-  ^  -\-  V  -{-  '  '  ') . 
Nun   ist  {X  -\-  ^  -\-  V  -{-  '  ■  ■)  gleich   der  Anzahl   sämmt- 
licher  einzelnen  Factoren  des  Ausdrucks  (1),  also,  wenn  die 
Zahl  der  algebraischen  Factoren  (Klammern)  dieses  Ausdrucks 
mit  c  bezeichnet  wird : 

^  -\-  ^  -{-  v  -\-  '  •  •  =  cp-^ 
folglich 

n  =  nr  —  cp, 

und  die  allgemeine  Form  unseres  Ausdrucks  mit  Weglassung 
der  durch  die  Differentiation  erzeugten  numerischen  Factoren: 

(2)  «„/3„y„.  .  ..^'"-5^. 

Ist  insbesondere 

A  =  /i  =  7^  •  •  •  =  Jt , 

so  heisst  der  Ausdruck 

(3)  dnßnYn^  .  .a;'-(«-''). 

Derselbe  geht,  wenn  alle  Functionen  gleich  sind,  über  in: 

(4)  «/•a:''^»-'". 

Für  r  =  p  und  x  ==  2  endlich  gehen  die  beiden    letzten 
Ausdrücke  in  die  Hesse'schen  Determinanten  von  p,  resp.  von 
einer  Function  über. 
78.  üebersicld  der  in  den  allgemeinen  Formen  (1)  und  (2)  ent- 

haltenmi  speciellen  Bildungen. 

1)  Covarianten.  —  Mit  diesem  Namen  bezeichnen  wir 
jeden  in  der  Form  (1)  oder  (2)  enthaltenen  Ausdruck,  sobald 
er  als  Function  von  der  einen  Variablen  x  oder  von  deren 
Coordinaten  x^,  x^,  .  .  -  betrachtet  wird.  Er  stellt  dar  eine 
Covariante  einer  oder  mehrerer  Functionen,  jenachdem  man 
(entweder  in  (2)  oder  in  der  entwickelten  Form  von  (1))  die 
Functionen  f,  cp,  tj;  .  .  .  einander  gleichsetzt  oder  nicht.  —  In 


-     159    — 

der  Form  (1)  werden  künftig  die  den  gleichzusetzenden  Functio- 
nen angehörigen  Buchstaben  durch  einen  darüber  gesetzten 
horizontalen  Strich  hervorgehoben  werden. 

Die  Anzahl  r  der  verwendeten  Functionen  (resp.  der 
Exponent  von  a„,  wenn  es  sich  um  eine  Function  handelt) 
heisst  die  Ordnung  der  Covariante;  die  Stufenzahl  p  der  ge- 
gebenen Functionen  ist  gleichzeitig  die  Stufenzald  der  Cova- 
riante. Der  Grad  der  Covariante  ist  nach  (2)  gleich  r  n  —  cp^ 
und,  wenn  in  (1)  jeder  Buchstabe  gleich  oft  als  Factor  vor- 
kommt, nach  (3)  gleich  r{n  —  /i). 

Endlich  soll  c,  die  Anzahl  der  numerischen  Factoren  in 
(1)  der  Charakter  der  Covariante  genannt  werden.*)  In  dem 
Ausdruck  (1)  giebt  also  die  Anzahl  r  der  verschiedenen  Buch- 
staben die  Ordnung,  die  Anzahl  c  der  Klammern  den  Cha- 
rahter,  die  Anzahl^)  der  Factoren  in  jeder  Klammer  die  Stufen- 
saJd,  und  (rn  —  c^j)  den  Grad  der  Covariante  an.  Aus  diesen 
Elementen  aber  kann  der  Ausdruck  (2)  ohne  weitere  Rechnung 
zusammengesetzt  werden,  während  die  umgekehrte  Operation 
im  Allgemeinen  nicht  ausführbar  ist.  Der  letztere  Ausdruck 
giebt  seinerseits  den  Grad  und  die  Ordnung  der  Covariante 
an,  während  die  Stufenzahl  ebensowenig  wie  in  a^x'"  erkenn- 
bar ist. 

Noch  ist  zu  beachten,  dass  —     ^  ,  resp.  — ^  als 

Anzahl  der  algebraischen  Factoren  stets  eine  ganze  Zahl 
sein  muss. 

Mit  Rücksicht  auf  die  geometrische  Bedeutung  der  Cova- 
rianten  soll  nun  zunächst  das  Verhalten  einer  Function  von  x 
gegenüber  einer  Transformation  der  Coordinaten  untersucht 
werden.     Sei  wieder 

\^ )   J  CCjiX    I       [X  =  X^  Gy  — |—  X2  Co  ~]~  ■  '  '  ~\~  "^p ^p'i      ßj  . . .  Cp iy 

eine  Function  n.  Grades,  p.  Stufe.     Setzt  man  nun 

«1  =  ^w  Vi  +  ^21  ?/•>  H h  ^PiVj^ 

X.,  =  A,.,  ?/,  -f  A.,2  ?/o  +  •  •  •  +  ^p2  V,, 


(2) 


Xp  =  i^jjji  -j-  i2py>  +  •  •  •  +  KpVp 


*)  Diese  Benennung  ist  nur  die  Erweiterung  einer  bereits  bestehen- 
den, indem  man  Formen  von  geradem  oder  ungeradem  Chai'akter 
unterscheidet,  jenachdem  c  gerade  oder  ungerade  ist. 


—     160    — 
so  ist,  wenn 


(3) 


^plßl  -\-  ^p2ß-2  -\-   •   •   •  4"   ^PP  ^P  =  ^P 

gesetzt  wird: 

(4)  x  =  y, £,  +  2/2£2  H h  ?/;^f;^- 

Setzt  mau  diesen  Werth  in  der  gegebenen  Gleichung  ein, 
so  haben  die  Coefficienten  der  einzelnen  Glieder  die  Form 
UnE^''  s^'->^ .  .  .  s/p .  Diesen  Ausdruck  kann  mau  gleich  einer 
Grösse  ß  setzen,  welcher  ^j  mal  den  Index  1,  ^2  mal  den 
Index  2,  etc.  enthält.  Ersetzt  man  darin  die  e  durch  ihre 
obigen  Werthe,  so  erhält  man  die  betreffende  Grösse  ß  durch 
die  Grössen  a  ausgedrückt.  Endlich  ist  noch  zu  bemerken, 
dass  (f ,  E^  .  .  .  Ep)  =  /li  (Cj  ^2  •  •  .  6/*)  =  ^i  ist. 

Es  ist  nunmehr  x  durch  die  Coordinaten  «/,  .  .  .  y^  be- 
stimmt, wie  früher  durch  x^  .  .  .  Xp.  Da  man  aber  in  dem 
entwickelten  Ausdruck  von  «„ic"  überall  nur  y,.  statt  Xr  und 
gleichzeitig  Sr  statt  Cr  zu  setzen  hat,  um  die  transformirte 
Gleichung  zu  erhalten,  so  sieht  mau,  dass  die  Form  der 
Gleichung  durch  diese  Transformation  sich  nicht  geändert 
hat.  Der  geometrische  Inhalt  dieses  Resultates  ist  die  von 
selbst  einleuchtende  Wahrheit,  dass  ein  geometrisches  Gehilde 
durch  eine  Coordinaten- Transformation  Iceine  Aenderung  er- 
leidet. 

Wenn  z.  B.  p  =  3  ist,  so  stellt  anX^'^O  eine  Curve 
vor,  welche  von  dem  variablen  Punkte  x  beschrieben  wird. 
Für  diesen  Punkt,  wie  für  die  Curve  ist  es  nun  ganz  gleich- 
giltig,  ob  er  vermittelst  der  variablen  Zahlen  rCja^j^^g  aus  den 
drei  festen  Punkten  e^e.^eo,  oder  mittelst  2/12/22/3  a-us  drei  ande- 
ren Punkten  e^e^e^  abgeleitet  wird;  denn  die  einen  haben 
ebensowenig  wie  die  anderen  eine  Beziehung  zu  der  Curve. 
Mithin  bleibt  auch  die  Gleichung  «„ic"  =  0  von  jener  Trans- 
formation unberührt. 

Ganz  dasselbe  gilt  nun  aber  auch  von  jeder  Covariante 
von  KnX'^,  die  ja  ebenfalls  nur  eine  Function  von  x  ist.  Unter- 
wirft man  also  eine  Covariante  einer  Function  und  die  Function 
selbst  derselben  Transformation,    so    bleibt  die  gegenseitige 


I 


—     IGl     — 

Beziehung  beider  Functionen  uugeändert.  (Daher  der  Name 
„Covariante".)  Daraus  folgt,  dass  die  Covariante  der  trans- 
formirten  Function  (auch  in  ihrem  Ausdruck  durch  die  Coor- 
dinaten)  gleich  ist  mit  der  ebenso  tronsformirten  Covariante 
der  Originalfunction. 

Der  geometrische  Inhalt  dieser  Betrachtung  lässt  sich 
wieder  in  den  selbstverständlichen  Satz  zusammenfassen,  dass 
die  Begehungen  ztveier  geometrischer  Gebilde  zu  einander  von 
dem  Coordinatensystem ,  auf  welches  die  Gebilde  bezogen  sind, 
unabhängig  sind. 

2)  Invarianten.  —  Eine  Covariante  0.  Grades  heisst  In-  79. 
Variante.  Dieselbe  ist  also  ein  Ausdruck,  welcher  die  Variable 
X  gar  nicht  enthält,  sondern  nur  die  Coefficienten  der  ge- 
gebenen Function.  Sie  stellt  daher  auch  kein  neues  geome- 
trisches Gebilde  vor,  sondern  nur  eine  Eigenschaft  des  durch 
die  gegebene  Function  ausgedrückten  Gebildes.  Sie  ist  selbst 
ebensowenig,  wie  die  durch  sie  dargestellte  Eigenschaft,  von 
den  Coordinaten  abhängig.    (Daher  ihr  Name.)*) 

Es  sind  nun  die  Bedingungen  anzugeben,  unter  welcheji 
der  allgemeine  Ausdruck  der  Covariante  eine  Invariante  dar- 
stellt. Zunächst  ist  klar,  dass  jede  in  diesem  Ausdruck  vor- 
kommende Function  sich  auf  eine  Constante  reduciren  muss. 
Da  nun  alle  Functionen  von  gleichem  Grade  (w)  sind,  so 
müssen  sie  alle  einer  gleichen"  Anzahl  von  Differentiationen 
(nämlich  n)  unterworfen  werden;  folglich  muss  jeder  Buch- 
stabe «mal  vorkommen.  Man  hat  also  in  der  Formel  (2) 
Nr.  77  zu  setzen 

l  =  ^  =  V  •  •  •  =  n, 

und  erhält  als  Ausdruck  der  Invariante  von  r  Functionen  das 
aus  r  Factoren  bestehende  Product: 

*)  Der  stete  Gebrauch  der  Coordinaten  bei  der  Betrachtung  geo- 
metrischer Gebilde  hat  zu  der  Unterscheidung  geführt  zwischen  solchen 
Eigenschaften  eines  Gebildes,  welche  bei  einer  Coordinaten -Transfor- 
mation erhalten  bleiben,  und  solchen,  bei  denen  dies  nicht  stattfindet. 
Im  letzteren  Fall  handelt  es  sich  also  um  Beziehungen  zwischen  dem 
Gebilde  einerseits  und  dem  willkürlich  gewählten  Coordinatensystem 
andrerseits,  mithin  keineswegs  um  Eigenschaften  des  Gebildes  an  sich. 
Aus  diesem  Grunde  gebrauche  ich  das  Wort  ,, Eigenschaft"  in  dem 
obigen  engeren  Sinne. 

Sclilesel,  Elemente.  11 


—     162    — 

Dem  Ausdruck  (1)  Nr.  77  zufolge  lässt  sich  die  Invariante 
r.  Ordnung  von  einer  Function  'p.  Stufe  und  n.  Grades  dar- 
stellen als  ein  algebraisches  Product  von  —  Klammern ,  deren 

jede  p  unter  sich  verschiedene  Buchstaben  enthält.  Sie  ent- 
hält überhaupt  r  verschiedene  Buchstaben,  deren  jeder  nmal 
vorkommt. 

Man  sieht,   dass  die  Invariante  nur  dann  existirt,   wenn 
rn  durch  p  theilbar  ist. 
80.  3)  Concomitanten.  (Sonst  „gemischte  Concomitanten"  oder 

„Zwischenformen''  genannt.)  In  dem  allgemeinen  Ausdruck 
der  Covariante  (1)  Nr.  77  waren  die  Grössen  |,  »^,  ^  •  •  • 
Functionen  vona;,  und  man  konnte  durch  Entwickelung  die- 
ses Ausdrucks  die  Covariante  auch  direct  als  Function  von  x 
darstellen.  Man  kann  aber  auch  eine  jener  Grössen,  z.  B.  | 
als  neue  Variable  betrachten,  und  den  Ausdruck  als  Function 
von  X  und  |,  oder,  wenn  man  will,  von  ;r, ,  x,,  .  .  .  und  f^, 
f^...  (nach  (8)  Nr.  76)  darstellen.  Dabei  macht  man  natür- 
lich für  die  Function  /^ von  dem  Gesetze  f^  .fc^=^fp^  ((9)  Nr. 76) 
keinen  Gebrauch.  Eine  solche,  als  Function  von  x  und  %  auf- 
zufassende Covariante  heisst  Concomifanfe  (weil  darin  die  Va- 
riable X  von  I  so  zu  sagen  begleitet  wird).  Zur  Unterscheidung 
von  der  Covariante  kann  die  Concomitante  äusserlich  dadurch 
ausgezeichnet  werden,  dass  die  als  neue  Variable  zu  betrach- 
tende Grösse  durch  \y  bezeichnet  wird.  Es  ist  dann  nach  (8) 
Nr.  76: 

also 

y  =  f\(u  +/2^j  +  •  •  • 

Was  die  Form  (2)  der  Covariante  (in  Nr.  77)  anlangt, 
so  überzeugt  man  sich  leicht,  dass  sie  als  Contravariante 
lauten  wird: 

ßnyn  •  .  .  a;(«-^0  +  («-i1   ...  1^. 

Es  wurde  oben  gezeigt,  dass  eine  Function  von  x  durch 
lineare  Transformationen  ungeändert  bleibt.  Weil  nun  |  selbst 
eine  Function  von  x  ist,  so  bleibt  auch  die  Concomitante  bei 
solcher  Transformation  ungeändert.  Es  soll  aber  noch  ge- 
zeigt werden,  welche  besondere  Gestalt  jene  Transformation 
annimmt,  wenn  man  sie  auf  |  anwendet. 


—     163    — 

Drückt  man  in  den  Formeln  (3)  die  Grössen  e  durch  die 
Grössen  b  aus  (was  durch  Benutzung  der  Formebi  (1)  und  (42) 
in  Nr.  66  ausgeführt  wird),  und  setzt 

SO  folgt: 


'J) 


^l   ■  fp=  llp^i   +  l2p£2   +   •   •    •   4-   h^P^p- 

Multiplicirt  man  nun 

X  =  a;,  fj  -f"  ^v^'2  +  •  •  •  +  ^i'^j> 
mit  z/;.  und  wendet  die  Substitutionen  (6)  an,  so  folgt: 

J,  .x  =  x^  (/, ,  f ,  +  ?.„  £,  -] p  Ip  1  f^,)  I     1      (/, ,  a;,  +  /,.,  .r,-| h  ^  v^i^^  «1 


Durch  Vergleichung  dieser  Formel  mit  (4)  findet  sich: 

(8)  Z/;.  .  y,-  =  IriXi  -\-  lr2X2  +    '  •   •   +  IpCCp- 

Multiplicirt  man  andrerseits 

^  =  /"i|e, +/v:^-' H \-fp\cp 

mit  z/;i  und  wendet  die  Substitutionen  (6)  au,  so  folgt: 

/9)  +  (^21  /i  +  ^22/2  H h  hpfp)  £■> 

-\-  ih'\U  4-  ?/'2/?  -h  •  •  •  +  Ippfp)  £p' 
Endlich  ist 

/•  =  ^U  ^  JLL  .  ^'^L   I    AL .  1^2/2    I    ...    I    AL  .  ^lyjL . 
' ''         ilxr         dyx      dxr    '^  dy^  '  dsr.r    *  '     dyp      äx,-  ' 


mithin,  wenn  man 

d  y,- 


('«)  vfl  =  V. 


setzt,  und  (8)  benutzt: 

(11)  zix .  /',•  ==li,  ■  (pi  -{-  1-2,  qj>  -\-  ■  •  •  Ip,(pp- 

Vergleichen  wir  diese  Formel  mit  (2),   so  zeigt  sich  der 

11" 


—     164    — 

Zusammenhang  zwischen  der  Transformation  der  Grössen  .r,, 
X.,,  ...  in  ?/|,  ?/2>  •  •  •  und  derjenigen  der  Grössen  /", ,  /!>,... 
in  9?!,  9)5,  .  .  .  Bildet  man  nämlich  aus  den  Coefficienten  der 
beiden  Transformationen  die  Determinanten,  so  ist  die  zweite 
Determinante  die  Reciprokal- Determinante  der  ersten  (nach 
Nr.  65).  Man  sagt  daher,  dass  die  Grössen  a?,,  a:.„  .  .  .  und 
/",,  f\,  .  .  .  durch  reciprohe  Stihstifutioncn  transformirt  werden. 

81.  Die  Variable  x  wurde  als  ein  Punkt  aufgefasst,  welcher 
durch  seine  Bewegung  ein  geometrisches  Gebilde  beschreibt. 
Es  ist  nun  noch  die  geometrische  Bedeutung  der  Variablen  ^ 
darzulegen.     Wenn 

/■=  a^x"  =  0, 
so  war 

I  =/■(»  =  ?2  .  «„if"-i; 
mithin  ist 

xi,  =  n  .  f(„x"  =  nf  =  0. 

Während  nun  die  Gleichung  «„  rr"  =0  aussagte,  dass  der 
Punkt  X  das  Gebilde  «„  beschreibe,  sagt  x^  =  0  aus,  dass 
der  Punkt  x  stets  auf  dem  Gebilde  |  liege.  Der  Werth  von  |, 
nämlich  nanX"~'^  muss,  um  ein  Zahlenwerth  zu  werden,  noch 
mit  irgend  einer  der  zu  Grunde  gelegten  Einheiten,  d.h.  mit 
einem  Punkte  multiplicirt  werden;  denn  x"~'^  enthält  nur  ein 
Product  von  n—  1  Einheiten,  während  a«  erst  durch  Multipli- 
cation  mit  einem  Product  von  n  Einheiten  in  einen  Zahlen- 
factor  übergeht.  Demnach  ist  |  ein  Gebilde,  welches,  mit 
einer  Einheit  multiplicirt,  eine  Grösse  von  der  Stufe  des 
Hauptgebietes  liefert,  d.h.  |  ist  dieErgünmng  eines  Pimlies 
im  Hauptgehict.  (Vgl.  ,, Raumlehre"  Nr.  143.)  Z.B.  fürp  =  3 
ist  /'  eine  Curve  und  |  eine  Gerade,  für  j9  =  4  ist  /"  eine 
Fläche  und  ^  eine  Ebene.  Da  nun  x  gleichzeitig  auf  f  und 
auf  I  liegt,  so  haben  beide  Gebilde  diesen  Punkt  gemeinsam, 
und  da  mit  x  auch  ^  sich  bewegt,  so  dass  jedem  Punkt  x  ein 
besonderes  Gebilde  |  entspricht,  so  haben  beide  Gebilde  ntir 
diesen  Punkt  gemeinsam,  und  |  kann  im  Allgemeinen  das 
Tangentialgehilile  von  f  genannt  werden  (Tangente  für2>==  3, 
Tangentialebene  für  p  =  4). 

82.  4)  Contravarianten.  Eine  Coneomitante,  welche  in  Be- 
zug auf  die  Variable  x  vom  0.  Grade  ist,  also  nur  noch  ^ 
enthält,  heisst  Contravariante.    Ihre  Beziehung  zur  Original- 


-     165    - 

function  bleibt  ungeäiulert,  wenn  man  die  Coordinaten  der 
Variablen  x  und  §  reciproken  Transfurmationen  unterwirft. 
(Daher  der  Name  Coutravariante.)  Aus  der  oben  gegebenen 
Form  der  Concomitante  geht  hervor,  dass  die  Contravariante 
jeden  Buchstaben,  ^  ausgenommen,  niaal  enthalten  muss. 
Denn  nur  unter  dieser  Bedingung  wird  der  Exponent  von  x 
gleich  NulL  Zu  beachten  ist,  dass  die  allgemeine  (in  It;^  .  . 
ausgedrückte)  Invariantenform  stets  eine  Contravariante  liefert, 
sobald  man  einen  ihrer  Buchstaben  als  neue  Variable  be- 
trachtet. 

Man  kann  hiernach  sowohl  von  einer  Reihe  gegebener 
Functionen  gleicher  Stufe  und  gleichen  Grades,  als  auch  von 
einer  einzigen  Function  vier  verschiedene  Arten  abgeleiteter 
Functionen  bilden ,  nämlich : 


Functiouen  von 

X 

Constanten 

i 

Concomitanten 

Contravarianten 

Constanteu 

Covarianten 

Invarianten. 

Bildung  der  abgeleiteten  Fcn-men.  Erste  Methode.  Da  die  83. 
i  Concomitanten  und  Coutravarianten  aus  den  Covarianten  resp. 
Invarianten  nur  durch  eine  specielle  Aunahme  hervorgehen, 
und  da  die  Invarianten  nur  einen  besonderen  Fall  der  Co- 
varianten darstellen,  so  wird  die  Aufsuchung  der  letzteren 
als  die  Aufgabe  übrig  bleiben,  welche  an  einer  gegebenen 
Function  zu  lösen  ist.  Wir  lernten  zwei  Formen  der  Co- 
variante  kennen,  nämlich  die  Ausdrücke  (1)  und  (2)  in  Nr.  77. 
Da  der  erstere  sich  in  den  letzteren  verwandeln  lässt,  aber 
nicht  umgekehrt,  und  da  auch  nur  der  erstere  zur  Verwand- 
lung in  einen  Coordinatenausdruck  sich  eignet,  so  werden 
wir  die  Covarianten  zunächst  in  dieser  ersteren  Form  dar- 
zustellen haben.  Für  die  dabei  zu  beachtende  Reihenfolge 
ist  die  Gleichung  (in  Nr.  77)  massgebend: 

n  =  nr  —  cp. 
Da  n  der  Grad  und  p  die  Stufenzahl  der  gegebenen  Function 
ist,    so    haben    wir   noch    über   r  und  c    zu    verfügen.     Man 
wird,    um  alle   möglichen   Covarianten  zu    finden,    in   dieser 
Gleichung  r  =  2,  8,  . . .  und  in  jedem  einzelnen  Falle  wieder 


—     166     — 

c  =  (1),  2,r,,...  ZU  setzen  haben,  wobei  c  nur  so  lange 
wachsen  kann,  als  n  positiv  bleibt.  Man  hat  dann  jedesmal 
die  /•  Buchstaben  |  »j  .  .  .  in  die  c  Klammern  so  zu  vertheilen, 
dass  jede  Klammer  i^  unter  sich  verschiedene  Factoren  ent- 
hält. Die  Anzahl  der  auf  diese  Weise  möglichen  Bildungen 
lässt  sich  aber  durch  folgende  Bemerkungen  beschränken: 

1 .  Zivei  Ausdrücke ,  ivelche  durch  irgend  eine  zwischen  den 
Buchstaben  vorgenommene  Vertauschung  in  einander  übergehen, 
liefern  identische  Restdtate,  wenn  die  su  den  Buchstaben  ge- 
hörigen Functionen  einander  gleich  gesetzt  werden,  weil  es 
gleicbgiltig  ist,  welchen  von  den  vorkommenden  Differential- 
quotienten man  ^,  und  welchen  man  rj  nennt,  u.  s.  w. 

2.  Ein  AusdrucT:,  welcher  durch  Vertauschung  zweier  gleich- 
zusetzender Buchstaben  sein  Vorzeichen  ändert,  hat  den  Werth 
Nidl,  weil  eben  nach  1.  diese  Vertauschung  seinen  Werth 
nicht  ändern  soll,  während  er  doch  das  Zeichen  wechselt. 
(Demnach  ist  der  Ausdruck  (|f/^...)2«+'  stets  gleich  Null, 
und  der  Fall  c  =  1  überhaupt  zu  übergehen,  sobald  es  sich 
um  die  Formen  einer  einzigen  Function  handelt.) 

3.  Ein  ÄusdrucJc,  dessen  algebraische  Factoren  {Klainmeni) 
so  in  zivci  Gruppen  vertheilt  werden  Jcönncn,  dass  Jcein  Buch- 
stabe'der  einen  Gruppe  in  der  anderen  enthalten  ist,  ist  dem 
algebraischen  Producte  dieser  Gruppen  gleich,  also  direet  als 
Product  zweier  Ausdrücke  von  niederer  Ordnung  darstellbar, 
weil  kein  Factor  der  einen  Gruppe  durch  die  Beziehung  /^  .  fg 
=  fs,j  mit  einem  Factor  der  anderen  Gruppe  verbunden  ist. 

84.  Ziveite  Methode.     Die  so  eben  behandelte  Methode  giebt 

zwar  die  Formen  in  einer  bestimmten  Reihenfolge ,  lehrt  aber 
nicht,  aus  gegebenen  Formen  neue  nach  einem  bestimmten 
Gesetze  zu  bilden.  Um  ein  solches  herzustellen,  denken  wir 
uns  (zunächst  für  binäre  Formen)  die  complicirteren  Formen 
aus  einfacheren  zusammengesetzt,  wie  folgt: 

1.  Wir  nennen  (i,riY  die  x.  TJebersehiebuny  der  Function^ 

über   die  Function  f  (wobei  %  =  -~~ ,  ri  =  -~  ist) :    mithin 

(^i^y  die  K.  Uebersehiebung  der  Function  f  über  sich  selbst. 

2.  Wird  einer  bereits  vorhandenen  Form  ein  Factor  (rj^) 
hinzugefügt,  dessen  einer  Buchstabe  (rj)  in  der  Form  bereits 
vorhanden,    dessen    anderer  {t)  neu  ist,    so    heisst   die  neue 


—     167     — 

Form  die  erste  Ueherschiebung  der  Function  %  (zu  t,  gehörig) 
über  die  gegebene  Form.  Durch  Hiiizufüguiig  eines  ziveiten 
Factors,  welcher  keinen  neuen  Buchstaben  mehr  enthält/  ent- 
steht die  sivcite  Ucherscliiebimg ,  u.  s.  f. 

3.  Mau  bildet  endlich  die  erste  Ueherschiebung  einer  Form 
über  die  andere,  indem  mau  die  beiden  Formen  (die  jedoch 
keinen  gemeinsamen  Buchstaben  enthalten  dürfen)  multi2)licirt 
und  einen  Factor  (rj^)  hinzufügt,  dessen  Buchstaben  aus  bei- 
den Formen  genommen  sind.  Durch  Hinzufügung  von  x  sol- 
chen Factoreu  entsteht  die  x.  Uebcrschiebung  der  einen  Form 
über  die  andere. 

Sind  die,  beiden  Formen  in  der  Bezeichnung  a^x"  und  af^x" 
gegeben,  so  ist  die  erste  Ueberschiebung  der  einen  über  die 
andere : 

a^  +  '"  .  x''+'--, 

und  die  x.  Ueberschiebung: 

a"x'  ==  «''+'' j^'+*-^'«. 

Man  überzeugt  sich  leicht,  dass  dieser  Ausdruck  alle  drei, 
oben  einzeln  behandelten,  Fälle  umfasst,  und  es  kann  hier 
genügen ,  die  Erläuterung  für  den  dritten  (allgemeinsten)  Fall 
zu  geben. 

Da  die  Ordnungszahl  einer  Form  a^'x'  einerseits  gleich  v, 
andrerseits  gleich  der  Zahl  der  in  ihrem  Productausdruck  ent- 
haltenen Buchstaben  ist,  so  muss  die  Ordnungszahl  einer 
Form ,  welche  die  Buchstaben  zweier  anderen  enthält  (keinen 
mehr  und  keinen  weniger),  gleich  der  Summe  der  Ordnungs- 
zahlen der  beiden  anderen  sein,  d.  h.  in  unserem  Falle: 

v  =  A  -f-  jtt. 

Da  ferner  das  Product  zweier  Formen,  die  keinen  Buch- 
staben gemeinsam  haben,  ihr  algebraisches  Product  ist,  so 
ist  zunächst  t  =  r  -{-  s.  Durch  Hinzufügung  des  Factors  {r}^), 
in  welchem  jeder  Buchstabe  eine  Differentiation  bedeutet,  er- 
niedrigt sich  nun  der  Grad  des  ganzen  Ausdrucks  um  2,  und 
durch  X  solcher  Factoren  um  2x]  mithin  ist 
t  =  r-{-s  —  2x. 

Dritte  Methode.     Bei    der    soeben    behandelten    Methode  85. 
wird  die  Hinzufügung  des  Factors,  welcher  zu  dem  Producte 
der  beiden  Formen  treten  soll,  oft  nur  auf  eine  einzige  Weise 


-     168     - 

ausführbar  sein,  nämlich  dann,  wenn  es  nur  noch  zwei  Buch- 
staben giebt,  welche  nicht  schon  so  oft  als  möglich  in  den 
beiden  Formen  vorkommen,  —  Es  können  ferner,  wenn  man 
zwischen  mehreren  Buchstaben  die  Wahl  hat,  durch  ver- 
schiedene Wahl  Ausdrücke  entstehen,  welche  nach  Regel  1. 
der  ersten  Methode  dieselbe  Form  darstellen.  Es  kann  -aber 
endlich  diese  verschiedene  Wahl  auch  auf  Ausdrücke  führen, 
welche  zwar  gleichen  Grad  und  gleiche  Ordnung  haben,  aber 
nichtsdestoweniger  von  einander  verschieden  sind.  In  diesem 
Falle  wird  die  Bezeichnung  a^x'-  vieldeutig,  indem  sie  nicht 
nur  jede  dieser  verschiedenen  Formen,  sondern  auch  jede 
linear  aus  ihnen  zusammengesetzte  Function  ausdrückt.  Es 
fragt  sich  dann,  welche  dieser  Formen,  oder  Avelche  der  aus 
ihnen  zusammengesetzten  Functionen  man  als  Ueberschiebung 
definiren  soll,  und  es  wird  eine  weitere  Methode  uöthig,  um 
diese  Ueberschiebung  auf  eindeutige  Weise  zu  erhalten.  Wir 
haben  zu  diesem  Zweck  nur  diejenige  Methode  zu  erweitern, 
welche  uns  die  ?c.  Ueberschiebung  von  /'  über  ^  gab. 

Wenn  /■=o;^"-,  t(j=  ßx"  war,  so  bildeten  wir  /"  =  |=  -^5 

tl^'  =  r^  =  — ^  j   stellten  das  Product  (|  rj)  auf,   und  bildeten 

für  die  a,  Ueberschiebung  (Itj)". 

W^eun  nun  31  und  N  zwei  Formen  sind,  von  denen  die 
erste  einer  Function sreilie  f,  4',  X  •  ■  ■  f  ^^^  andere  einer  Reihe 

F,  'f,  X  angehört,  so  bilden  wir  31'  =  -^     :  N'  =  -^ — :  dann 
'      '  °  '  dx    '  dx    ' 

ist  (M' N')    die    erste   Ueberschiebung    von   31  und  N,    und 

{31' Ny  die  X. 

Um  diese  Rechnung  im  Einzelnen  auszuführen,  müssen 
wir  den  Formen  Jf  und  N,  welche  in  der  Gestalt  {^r])"(r]t,y' ... 
gegeben  sind,  die  Gestalt  (ax^ .  ßxf  .  .  .)  geben.    Es  sei  also 

a)  31  =  (I  rjY  Crj  ^f...',     N^  (aH)"'  {^HZf^  .  .  . 

Wenn  dann  in  31  die  Functionen  /==  aa;";  if)  =  ßx'^'.,  %  =  yx" 
durch  die  Differentiationen  ^,  >;,  ^  .  .  .  resp.  auf  den  Grad 
A,  ^,  y  .  .  .  erniedrigt  werden,  und  Analoges  für  iV  stattfindet, 
so  ist 

b)  31  =  {ax^- .  ßxf'.yx'..  .)•,     iV=  {Jx^'  .  Bxt'' .  Fx"'  .  . .). 


—     169    - 
1  dM 


X  +  ^-{-v  +  - 


lax^-\ßxf'  ■  ■  •)-\- ii ßxf"  -^ {ax^- ■  •  •)-\- 


Das  Product  dieser  beiden  Ausdrücke,  welches  aus  einer  An- 
zahl von  Summanden  besteht,  ist  nun  die  erste  Ueberschie- 
bung  von  31  über  N.  Jeder  Summand  unterscheidet  sich  von 
dem  Product  illfiV  dadurch,  dass  in  den  Ausdrücken  b)  sowohl 
bei  31  als  bei  N  irgend  einer  der  Factoren  eine  Differentiation 
erlitten  hat.  Dasselbe  würde  aber  in  dem  Producte  der  Aus- 
drücke a)  durch  Hiuzufügung  eines  Factors  erreicht  werden, 
welcher  aus  jeder  der  beiden  zu  3£  und  N  gehörigen  Buch- 
stabenreihen irgend  einen  Buchstaben  enthielte.  Hieraus  folgt, 
dass  jeder  der  Summanden  eine  Ueberschiebung  im  Sinne  der 
zweiten  Methode  ist,  und  dass  alle  Summanden  gleichzeitig 
die  sämmtlichen  überhaupt  möglichen  Ueberschiebungen  jener 
Art  vorstellen.  —  Wir  nennen  den  Ausdruck  (31' N')  die 
Gesammt -Ueberschiebung ,  und  die  einzelnen  Summanden  des 
Ausdi'ucks:  die  Theile  der  Ueberschiebung. 

Ebenso,  wie  (|)^)-  die  zweite  Ueberschiebung  von  i^  über  /' 
war,  so  ist  (31  Ny,  oder  (iLfi-^iV'^^)  die  zweite  Ueberschiebung 
von  N  über  31,  u.  s.  f. 

Anmerkung.    Wenn  31  und  N  sich    nur   auf   eine    einzige    und 

zwar  auf  dieselbe  Function  beziehen,   so  können   sich  -^ —  und  —5 — 

'  dx  dx 

auf  je  ein  Glied  reduciren,  und  es  besteht  dann  auch  {M' N')  nur  aus 

einem  Summanden.    Es  kann  ferner  vorkommen,  dass  alle  Summanden 

bis  auf  einen  sich  als  algebraische  Producte  niederer  Formen  darstellen 

lassen;  in  diesem  Falle  ist  jener  eine  Summand  als  Repräsentant  der 

ganzen  Ueberschiebung  anzusehen.     In    beiden  Fällen   wird    man    zur 

Herstellung  der  Ueberschiebung  die  ziceite  Methode  benutzen  können, 

deren  Anwendbarkeit  immer  daran  zu  erkennen  ist,    dass  die  Hinzu- 

fiigung  des  die  beiden  Formen  verbindenden  Factors  nur  auf  eme  Weise 

möglich  ist.  —  Die  dritte  Methode  stimmt  überein  mit  der  von  Clebsch 

a.  a.  0.  S.  100—108  beschriebenen  Polareubildung.    Um   den  formalen 

Unterschied  beider  Methoden  hervortreten  zu  lassen,   füge  ich  das  bei 

Clebsch  S.  108  unten   stehende  Beispiel  im   Gewände  obiger  Methode 

hinzu. 

Es  soll  die  zweite  Ueberschiebung  von  f=  yx"  über  (^ry)^  gebildet 

werden. 

M^i^riy^^ax"-^  .ßx"-'^;  N=yx''. 


—     170    — 

l  (131         «—2    ,  „_3      ^     „_.i     ,  „_2      r,     «-3  l  dN  „_i 


{ax"-  ■" .  ßx"-'  -\-  ax"-'  .  ßx''-'')  -  •   ^  =  y.r'' 


•J71-4:    dx      •2n-4  H       (ia; 


■2n—b    dx^       2w— ö"-'         ^  "^  I  \         /  f         ji     ,j(,i— 1)  da;^      ^ 

Um  schliesslich  die  in  der  Klammer  enthaltenen  Productc  wieder  durch 
I,  rj,  J  auszudrücken,  vergleichen  wir  sie  einzeln  niitM.  In  dem  ersten 
Bind  die  Exponenten  der  beiden  ersten  Factoreu  um  je  1  erniedrigt; 
dies  bedeutet  das  Hinzutreten  von  |  und  rj.  Ferner  ist  yx^  mit  einem 
um  2  verminderten  Exponenten  hinzugekommen;  dies  bedeutet  ein 
zweimaliges  Hinzutreten  von  ^;  man  erhält  also,  wenn  man  eine  ähn- 
liche Betrachtung  am  zweiten  Producte  anstellt: 

2  Ui  —  21  

(M'Ny=     ^^^_^    [(n--J)  .  {^r]rHU){n'C)  +  («-3)  .  (^»2)-^(/?DM. 

Zu  beachten  ist,  dass  der  zweite  Summand,  welcher  den  Factor  t]  vier- 
mal enthält,  verschwindet,  sobald  n  •<  4  ist.  In  diesem  Falle  wird  also 
die  Ueberschiebuug  einfach  durch  i^rj)^  i^t)  i^lt)  repräsentirt.  —  Die 
weitere,  bei  Clebsch  gegebene  Umformung  beruht  auf  einem ^  weiter 
unten  zu  besjjrechenden  Verfahren,  welches  mit  der  vorliegenden  Me- 
thode nichts  zu  thuu  hat. 


86.  Vierte  BIcfliode.     Vermöge   der  dritten  Methode  köunen 

wir  jede  üeberschiebung  zweier  Formen  M  und  N  durch  Co- 
varianten  der  gegebenen  Formen  (/*==  ccx"-  =  0;  j/;  =  ßx"-=  0; 
etc.)  unmittelbar  ausdrücken.  Dieses  Verfahren  wird  jedoch 
oft  umständlich,  namentlich,  wenn  weder  M  noch  N-  eine 
der  gegebenen  Functionen  selbst  ist.  Wir  werden  aus  diesem 
Grunde  Ueberschiebungen  complicirter  Formen  durch  solche 
niederer  Formen  auszudrücken  suchen,  und  auf  diese  Weise 
oft  einfachere  Resultate  erhalten. 

Wir  betrachten  zunächst  die  x.  Ueberschiebung  von  /" 
und  i/».  Dieselbe  wurde  in  der  Gestalt  (1^)''  geschrieben.  Da 
nun  I  =  /'(^)  und  r]  =  ^^^^  ist,  so  kann  man  dafür  auch 
(/■(U  )/;(i')'^  oder  (J'ipY  setzen.  Für  x  =  1  erhält  man  dann 
wieder  (/'t/>)^  oder  /'(i'^/;'^)  =  (Irj).  Da  sowohl  f  wie  i/»  eine 
X malige  Differentiation  erleiden,  also  auf  ax'^''^  resp.  ßx'^~'' 
reducii-t  werden ,  so  mag  nun  dem  Ausdrucke  (fty  noch  der 
Factor  ccx'^~''  .  ßx"'~^-    hinzugefügt    werden.     Diese    Hinzu- 


—     171     — 

fügung  geschieht  lediglich  im  Interesse  der  Bildung  weiterer 
Ueberschiebungen,  und  es  ist  besonders  zu  beachten,  dass  in 
dem   nunmehrigen    Ausdrucke    der  x.  Ueberschiebung    von  /' 

und  ip: 

jeder  der  beiden  Tlieile  für  sich  allein  die  Ueberschiebung 
vollständig  und  genau  darstellt. 

Wir  bildeten  oben  die  x.  Ueberschiebung  von  31  und  N, 
indem  wir  den  Ausdruck  {MN}"  =  M*^"-^ N^"-^  bildeten.  Dem- 
nach wird  die  2(n  —  x).  Ueberschiebung  des  oben  gebildeten 
Ausdrucks  A  mit  j(^==yx"'  entstehen,  wenn  wir  (^^^y-^ ('»-") 
bilden.     Wenn  wir  nun  festsetzen*),  dass  die  Ausdrücke 

Ä  und  Äx'^"-"^, 
also  auch 

a  und  ax"'  oder  / 

ß  und  ßx"  oder  t(j 

gleichbedeutend  sind,  so  geht  der  Ausdruck  Ax^'-'^—"^  in  seine 
Ueberschiebung  mit  x  über,  wenn  wir  darin  %  statt  x  setzen 
und  X  u^it  dem  vorangehenden  Buchstaben  in  Klammer  setzen. 
Dasselbe  Resultat  muss  sich  nun  auch  ergeben,  wenn  wir 
diese  Substitution  in  dem  mit  Ax^^"'~''l  gleichbedeutenden 
Ausdrucke  vornehmen.  Wir  erhalten  also  für  die  2(n — x). 
Ueberschiebung  von  A  mit  x  den  doppelten  Ausdruck: 

(AxY^"-'^  =  {fi^Y  .  {fiY-"- .  {i'xY-"- 

Mittelst  dieser  Formel  aber  ist  die  Ueberschiebung  von  ^und  x 
durch  die  einfacheren  zwischen  f^x  gebildeten  Uebersehie- 
bungen  ausgedrückt. 

Wenn  ferner  statt  der  ursprünglichen  Functionen  /und  ^ 
zwei  Formen  M=  MxP]  N=  Nx''  gegeben  sind,  so  wird  man 
die  X.  Ueberschiebung  von  M  und  N  in  der  Form  schreiben : 

S  =  SxJ^+'i-->'=  (3JNf  .  Mxi'-"  .  Nx'i--"-. 

Und  die  {p-\-C[  —  2x).  Ueberschiebung  von  S  mit  einer  neuen 
Form  P  wird  sein: 

Anmerkung.  Die  bei  dieser  vierten  Methode  angewendete  Schreib- 


*)  Siehe  die  Anmerkung  in  Nr.  8. 


—     172     — 

weise  einer  Ueberschiebung  unterscheidet  sich  von  derjenigen  bei 
Clebsch  nur  dadurch,  dass  x  hier  nicht  als  Index  sondern  als  Factor 
erecheint,  und  dass  nicht  die  Coordinaten  von  x  durch  diejenigen  von  P 
ersetzt  werden ,  sondern  x  selbst  direct  durch  P. 

Beispiele:  l)jp  =  4,  2  =  4;  v.=  l.  —  /  =  kx';  i/)  =  ßa;';  H=^llx^ 
=  [ftp;-  .  ax'-  .  ßx'-,  {H'Iiy  =  ifip/'  .  {fll}^  .  (rpllf.  (Vgl.  Clebsch  a.  a. 
0.  S. 138  oben  ) 

2)  31=  f=  ff.r';  N=  11=  Hx';  x  =  1.  —  T  =  Tx'^  =  ifH) 
.  cix-"  .  Hx^;  {T'Tf  =  ifH)  .  {fTf  .  {HT)\  (Vgl.  Clebsch  a.a.  0.  S.  148 
in  der  Mitte.) 

Für  die  vorliegende  Darstellung,  deren  Zweck  es  nur  ist,  die  Theorie 
der  binären  Functionen  soweit  zu  verfolgen,  als  dieselbe  ein  geome- 
trisches Interesse  bietet,  wird  fast  durchgängig  die  zweite  der  vier 
Methoden  ausreichen,  die  dritte  nur  ausnahmsweise,  die  vierte  gar 
nicht  anzuwenden  sein.  Im  Interesse  einer  klareren  Einsicht  in  das 
Verhältniss  der  Ausdehnungslehre  zur  modernen  Algebra  schien  es 
jedoch  nötliig,  auch  die  letzte,  für  die  Umformungen  besonders  wich- 
tige Methode  beizufügen.  Dieses  Vei'hältniss  lässt  sich  nun  so  präci- 
siren ,  dass  die  Methoden  der  modernen  Algebra  durch  die  Ausdehnungs- 
lehre eine  um  so  grössei'e  Vereinfachung  erfahren,  je  enger  der  Gegen- 
stand, auf  welchen  diese  Methoden  angewendet  werden,  mit  der 
Geometrie  zusammenhängt,  dass  dagegen  Untersuchungen  von  rein 
algebraischem  Interesse  nur  nach  Massgabe  des  Umstandea  vereinfacht 
werden,  dass  die  Reihe  der  numerischen  Variablen  Xi,  x^-,  ■ . .  durch  die 
eine  extensive  Variable  x  ersetzt  wird. 


'7.  Redudion  einer  Form  auf  Stammformen.  Jede  ganze 
algebraische  Function  der  durch  eine  der  obigen  Methoden 
gebildeten  Formen  wird  wiederum  (als  ganze  algebraische 
Function  von  x)  eine  Covariante  sein.  Durch  diese  Bemerkung 
wird  man  rückwärts  zu  den  Fragen  geleitet,  durch  ivieviele 
und  welche  Covar lauten  einer  Function  sich  edle  übrigen  l)  als 
algebraische,  2)  als  ganze  algebraische  Functionen  darstellen 
lassen. 

Um  die  erste  dieser  Fragen  zu  beantworten,  nehmen  wir 
eine  Function  p.  Stufe  und  n.  Grades  als  gegeben  an,  sodass 

(1)  f==ax''  =  Q. 

(2)  X  ^  x^e^  -\-  x^Cj  -\-  •  •  •  -\-  Xp ep 5     {e^e^. .  .  Cp)  =  1 . 

Es  seien  nun  ausser  x  noch  (j) — 1)  andere  extensive 
Grössen  y,z,  .  .  .iv  angenommen,  welche  ebenfalls  aus  den 
Einheiten  e,  .  .  .  f>  durch  reelle  Zahlen  abgeleitet  sind,  und 
der  Bedingung  unterworfen 


-     173    — 

(3)  n  =  [xyr.  .  .  .  «;)  =  1. 

Man  kann  nun  aus  (2)  und  den  entsprechenden  Glei- 
chungen für  y,  z,  .  .  .  w  auch  die  Grössen  e^,  c.,,  .  .  .  Cp  als 
lineare  Functionen  von  x,  y,  z,  .  .  .  w  darstellen,  indem  man 
dieses  Gleichungssystem  nach  c^  .  .  rj,  auflöst,  und  es  kann 
daher  jede  aus  den  ^J  Einheiten  e^  .  .  .  Cp  abgeleitete  Grösse  h 
auch  aus  den  Grössen  x,y,0,...  ir  abgeleitet  werden.    Sei  also 

(4)  h  =  &,e,  -f  hoC,  +  •  •  •  +  hpCp, 
so  wird  man  haben: 

(5)  h  =  ß,x  +  ß,y-{- [-ßpw. 

Nun  bleibt  nach  Nr.  78  sowohl  die  Function  f,  wie  jede 
ihrer  Covarianten  durch  eine  lineare  Transformation  der  Ein- 
heiten ungeändert.  Sei  eine  solche  Covariaute  in  Function 
der  Coefficieuten  und  Coordinaten  von  f: 

n{a^,  a,,,  .  .  .  a^,    />,,  ]>.,,  .  .  .  ]»p) , 
worin 

Setzen  wir  in  diesen  Formeln  statt  e,  . .  .  Cp  resp.  x  . .  .  tv, 
so  mögen  die  daraus  hervorgehenden  Grössen  durch  tp  be- 
zeichnet werden,  sodass: 

(7)  9^0  =  «*"(=/');    fP\  =  ax"-Uj]    (p.,  =  ax'^-^ii-^  .  .  . 

(py.-x  =  a«f" . 

Durch  die  Transformation  gehen  also  in  unserer  Covariante 
die  Grössen  h  in  ß  (4  u.  5),  und  die  Grössen  a  in  (p  (6.  u.  7) 
über,  sodass 

(8)  /Z(a„ß,.,  ...u,,,  hj),, . . .  hp)=n[cp,,,  (p^,...cp,,    x,ß^,ß.,,...  ßp). 

Da  wir  über  die  Grössen  ß  beliebig  verfügen  können,  so 
setzen  wir  nun 

(9)  /i,  =  1;     ß,  =  ß.^  =  ...ßp==i). 
Daher  wird  nach  (5)  und  (2) 

(10)  h  =  x  =^  x^c^  -f  .r.,  f.,  +  •  •  •  +  XpCp, 
und  nach  (4) 

V  fVj      J    j    ^  O.^     ==     X.)  ^  •      .      ■      Uj,      JCp  y 

und,  wenn  wir  die  gegebene  Covariante  kurz  mit  77  bezeichnen: 

(11)  77  =  77(rro,qPi...(jP.-i,  1,0,0,...0). 


-     174     — 

Entwickelt  mau  n{ay,a.,,  ,  .  .  Uy,  x^,  x.y,  .  .  .  Xp)  nach  Po- 
tenzen der  Grössen  .r,,  ,  .  Xjj,  so  ist,  wenn  n  der  Grad  der 
Covariante  ist: 

(12)  n  =  F{a^  ...«;,).  x/  -\ 

Da  durch  die  Transformation  die  Grössen  «  in  93,  und  die 
Grössen  x  (oder  h)  in  ß  übergehen,  so  werden  sämratliche 
Glieder  auf  der  rechten  Seite  von  (11),  mit  Ausnahme  des 
ersten,  verschwinden,  w^eil  sie  alle  mit  den  verschwindenden 
Factoren  ß.^  .  .  ßp  behaftet  sind,  und  da  /3j  =  1  ist,  so  bleibt: 

(13)  77  =  i^(g)„,  (jD„  .  .  .  g5^_i). 

Hierdurch  ist  77  als  Function  der  durch  die  Gleichungen 
(7)  bestimmten  x  Formen  qy« . .  .  tp^- 1  ausgedrückt.  Die  ganze 
Untersuchung  bleibt  ungeändert,  wenn  77  nicht  Covariante 
einer  Form  /)  sondern  Covariante  mehrerer  Formen  ist.  Nur 
ist  dann  %  die  Anzahl  sämmtlicher  in  diesen  Formen  auf- 
tretenden Coefficienten. 

Die  Zahl  der  Functionen  cp  lässt  sich  noch  verringern, 
indem  man  die  extensiven  Grössen  y,2,...iv  passend  be- 
stimmt.    Zu  diesem  Zwecke  setzt  man 

(14)  ax^-^y  =  az'^-'^y  =  .  .  .  =  aW  -  h/  =  0, 
d.  h.  bis  auf  einen  Zahlenfactor : 

y  =  «ip«— 1  =  «0'»— >  =...==  ««t;«-!. 

Da  die  Anzahl  der  Gleichungen  (14)  gleich  p  —  1  ist, 
und  jede  das  Verschwinden  einer  Function  (p  ausdrückt,  so 
bleiben  von  diesen  Functionen  noch  x  —  p  -\-  \  übrig,  und 
man  hat  den  Satz: 

Alle  Covarianten  einer  gegebenen  Function  oder  eines  Ver- 
eins von  Functionen  p.  Stufe  mit  im  Ganzen  x  Coefficienten 
lassen  sich  aus  {ü—2)-{-  l)  von  einander  unabhängigen  Stamm- 
formen cds  rationale  Functionen  ahleiten.  Man  erhält  diese 
Stammformen,  indem  man  in  den  gegebenen  Functionen  statt 
der  einen  extensiven  Variablen  x  p  extensive  Variablen  x,  y, 
z,  .  .  .  w  einführt,  von  denen  eine  (y)  durch  die  übrigen  und 
durch  eine  der  gegebenen  Functionen  nach  Massgahe  der  Glei- 
chungen (14)  bestimmt  ist,  während  ausserdem  u  =  {xys..w)=--\ 
ist.  Wenn  dann  eine  beliebige  Covariante  Tl  als  rationale 
Function  der  Stammformen  dargestellt  werden  soll,  so  gelingt 


—     175     — 

dies  nnmittelhar ,  indem  man  in  TI  statt  der  Einlinten  e^,...Cp, 
von  denen  die  y.  Coefjicienten  abhängen,  x,y,  .  .  iv  einführt, 
eine  der  ve^'änderliehrn  Zahlen  (x^)  von  denen  x  ahhängt, 
gleich  1 ,  iind  die  idjrigcn  gJeieli  NnJl  setst. 

Ist  die  erhaltene  Gleichung  nicht  homogen,  so  hat  man 
jedem  Gliede  den  Factor  ii  so  oft  hinzuzufügen,  bis  die  Homo- 
genität erreicht  ist. 

Diejenigen  Covarianten  77,  welche  hei  diesem  Verfahren 
selbst  mit  einem  Factor  behaftet  werden,  also,  wenn  dieser 
Factor  durch  Division  weggeschafft  wird,  nicht  als  ganze, 
sondern  als  gebrochene  Functionen  der  Stammformen  er- 
scheinen, heissen  miahhängige  Covarianten  und  bilden  in  ihrer 
Gesammtheit  das  sogenannte  Formensystem  der  gegebenen 
Functionen.*) 

Wenn,  wie  wir  oben  angenommen  haben,  die  Covarianten 
einer  Function  durch  Ueberschiebuugeu  hergestellt  werden, 
so  kann  man,  wenn  man  nur  unabhängige  Formen  erhalten 
will,  alle  Ueberschiebungen  über  abhängige  und  vei'schwin- 
dende  Formen  übergehen.  Denn  da  die  Ueberschiebung  im 
Wesentlichen  eine  Multiplication  ist,  so  kann  man  die  Ueber- 
schiebung über  eine  abhängige  Form  durch  Ueberschiebungen 
über  diejenigen  Formen  ersetzen,  aus  denen  sie  abgeleitet  ist, 
d.  h.  durch  Ueberschiebungen,  die  schon  früher  betrachtet 
wurden.  Eine  verschwindende  Form  aber  lässt  sich  als  Diffe- 
renz von  zwei  einander  gleichen  niederen  Formen  betrachten, 
die  man  wieder  einzeln  mit  einer  anderen  Form  überschieben 
kann.  Das  Nähere  hierüber  wird  bei  Betrachtung  der  einzel- 
nen Functionen  festgestellt  werden. 

Es  bleibt  noch  übrig,  die  in  dem  oben  ausgesprochenen  88. 
Satze   enthaltene   Regel   zur  Ableitung   einer  Covariante  aus 
den  Stammformen   auf  den  Fall   auszudehnen,    dass   die  Co- 
variante in  der  Form  {i,  r] .  .)  (jit^ .  .) . .  .  gegeben  ist. 

Wir  betrachten  zunächst  eine  Function  von  zwei  Variablen 
{Jtinäre  Form) : 

f  =  ax''\     X  =  x^  e,  -\-  x.^e., ;     (r-,  e.^  =  1 . 


*)  Es  kann  jedoch  vorkommen,  da&s  ein  sclieinbar  unabhängiger 
Ausdruck  sich  als  abhängige  Function  von  anderen,  Ijereits  gebildeten 
Formen  darstollen  lässt.    Vergl.  Nr.  109. 


—     176    — 
Dann  ist  nach  Nr.  76  (8.  6) : 

oder  in  anderer  Bezeichnung  (/",  =  ^^  =  ^f,;  /o  =  i-,  =  ^f^-,) 

Ebenso  für  eine  zweite  Function  ß.r": 
mithin 

Da  nun  (^^;)  als  Covariante  ungeändert  bleibt,  wenn  man 
X  und  ?/  statt  e,  resj).  f.^  setzt,  so  ist 

(!>;)  =  (ga;)  (j^y)  —  {rix)  {ly), 

oder,  da  {i,x)  =  ?^/,  und  (t^.t)  für  den  Fall  gleicher  Functio- 
nen ebenfalls  gleich  nf  ist,  nach  Weglassung  dieses  gemein- 
samen Factors: 

{In)  =  (>??/)  —  ih/)- 

Wenn  wir  nun  (^>j)™  bilden,  für  ij  und  |  wieder  /C>  schrei- 
ben, und  die  Formel  (3)  Nr.  76  beachten,  so  folgt: 

(tyjY"  =  /■('"> y'"  -  -^  .  /■('" - 1> ?/'" -'./*•  ^ ?/'  +  "'^"'~^^  . /■'"'  - ^> ?/'"    ^ .  /■(-' ?/-  - 

oder,  da  /'(''  =  ßic'"~'"  ist: 

(^')^)"'  ==  «-?/'"  _  ~  axy'"  '  ^  .  ax^"—^y-{-  ^    -  .  ax^-y"'~^ .ax"^~'^y-- 

Setzen  wir  nun  nach  Formel  (7)  dieser  Nr.: 

(p^  =  ax"'  '''y , 
bestimmen  y  durch  die  Bedingung 

y  =  ax'"^~^  oder  « /'"  ~  ^y  =  qoj  =  0, 

und  fügen  zur  Herstellung  der  Homogenität  im  ersten  Gliede 
den  Factor  g)„  =f=  «•'^*'  hinzu,  so  folgt: 

(15)    (|?^)'"  =  (jP„y,,+  -    \^^    '    .(p^(p,n-2 1.2.3  y3y»>-3  + 

wodurch  zunächst  (| »;)"'  als  Function  der  Stammformen  aus- 
gedrückt ist. 

Da  nun  aber  jede  Covariante  einer  binären  Form  als 
Product  von  Ausdrücken  in  der  Form  (S?;)'"  erscheint,  so  er- 
giebt  sich  folgende  Regel  zur  Darstellung  dieser  Covariauten 
in  Function  der  Stammformen : 


—     177     — 

Man  ersetze  in  jeder  Klammer  das  Product  der  heiden 
Factor en  durch  ihre  Differenz,  führe  an  diesen  Differenzen 
die  Potenzirung  aus,  setze  ^^  =  rj''  =  •  ■  =  cp,.,  und  g)^  =  0. 

Anmerkung.  Den  oben  gegebenen  allgemeinen  Satz  nebst  der 
speciellen  Regel  für  binäre  Formen  veröffentlichte  H.  Grassmann  im 
7.  Bd.  der  „Mathematischen  Annalen"  S.  538  ff.  Seine  sonstigen  in 
diesem  Aufsatz  (welcher  zufällig  gerade  erschien,  als  die  gegenwärtige 
Arbeit  bis  Nr.  80  vorgerückt  war)  niedergelegten  Bemerkungeu  über 
den  Zusammenhang  der  Ausdehnungslehre  mit  der  modernen  Algebra 
bestätigen  durchaus  das,  was  ich  über  denselben  Gegenstand  in  frühe- 
ren Anmerkungen  gesagt  habe.  —  Jener  wichtige  Satz  aber,  den  Grass- 
mann mit  Recht  einen  Fundamentdisatz  nennt,  zeigt  selbst  am 
deutlichsten  die  ungemeinen  Vortheile  der  für  die  Ausdehnungslehre 
charakteristischen  Behandlungsweise.  Er  zeigt  uameutlich,  dass  auch 
von  dem  gegenwärtigen  Standpunkte  der  modernen  Algebra  aus  diese 
Behandlungsweise  nicht  nur  zur  Ableitung  neuer  Resultate  brauchbar 
ist,  sondern  dass  sie  wegen  der  grösseren  Klarheit,  welche  sie  über 
bereits  bekannte  Resultate  verbreitet,  zur  Ableitung  auch  dieser  Re- 
sultate vor  anderen  Methoden  den  Vorzug  verdient. 

Sei  ferner  eine  Function  von  drei  Variablen  (ternäre  Form)  89. 
gegeben : 

f  =  aoc"]     X  =  x^e^-\-  x, e.^  +  ^3 ^3 ;     {e^ e^ e.^  =  \. 

Dann  ist 

i=n'^=U\e,+f,\e,-^f,\e,, 

oder  in  anderer  Bezeichnung  (/^i  =  li  ==  le/;  /a  =  I2  =  ^^2? 

/3  =  13  =  ^^3) 

l  =  ilk,    +  12^2  +  13^3  • 

Ebenso  für  zwei  andre  Functionen  ilf  =  ßx^  und  ;^  =  y^c«: 

'?  =  »?i  kl  +  ^21^2  +  ^3^3;     ^=^iki  +t.Ie2  +  ^3i«35 
mithin : 

=  {Ui)ine2){ted+  ae2){rie3){M  +  {le,)irie,)ae,) 

-(^e,)(^ 63)^62)-  {Udivei){te,)  —  {ie,){rie,)itei), 

oder,  wenn  man  statt  e^ ,  e^,  e.^  resp.  x,  y,  z  setzt,  und  die 
Factoren  {Ix)  =  {^x)  =  {t,x)  =  nf  (für  den  Fall  gleicher 
Functionen)  weglässt: 

(170  =  (w)a^)  +  a^)(^^)  +  {ly){n^)     ^ 

Schlegel,  Elemente.  12 


—  178     — 

Dieser  seclisgliedrige  Ausdruck  ist  nun  mit  m  zu  poten- 
ziren,  wodurch  man  schliesslich  eine  mit  (15)  analoge  Formel 
erhalten  wird.  Wir  übergehen  dieselbe  ihrer  Weitläufigkeit 
wegen  und  begnügen  uns  damit,  das  weitere  Verfahren  an 
dem  Falle  m  =  2  zu  zeigen.     Demnach  ist 

(IY^)2  =  {y^yy-it^y  +  .  •  •  +  (tyyin^y  + 

+  2ir]y){t^).ity)(^z)  +  .  •  •  -{-2{7}y){t^).ay)ir]z)-f--- 

-2{ny){^z).{ty){riz) 2{riy){t^),{ly){iz)  —  - 

-  2{riy){lz)  .  {riy){U) 

wobei  aus  jedem  der  ausgeschriebenen  Glieder  durch  circuläre 
Vertauschuug  von  ^^7i,t,  zwei  weitere,  durch  Punkte  ange- 
deutete Glieder  hervorgehen.  Da  nun  die  drei  Functionen 
ax'\  ßx^',  yx^  zuletzt  einander  gleich  gesetzt  werden,  so  wer- 
den in  der  letzten  Formel  die  6  Quadrate  untereinander  gleich, 
und  ebenso  jedesmal  diejenigen  drei  doppelten  Producte, 
welche  durch  jene  circuläre  Vertauschung  in  einander  über- 
gehen.   Wir  können  also  schreiben: 

^.(My==inyyit^y+{ny)(t^)mil^)+ivy)it^){^y)in^) 
-{vy){i^)i^y)in^)—iny)(l^){^y)i^^)-{vy){^^)ivy){i^)- 

Wenn  wir  nun  für  |,  t],  l,  resp.  f^\  ip^^\  %(^)  setzen,  und 
Formel  (3)  in  Nr.  76  beachten,  so  folgt: 

i.(^ty==t''^y-'X^'^^'+^^'^y-x^'^y^'f^'^^+t^'^y^'X^'^^'^^^^^ 

—  ^(2)  y0  .  2^2)  2/0  _  ijjW  y  .  f^)  z- .  f^hj  —  t^(2)  y2 ,  j^w  ^  ^  ^XD^ 
=  ßx'^-^y'^ .  yx^-^s"^  -f-  ßx"-^y  .  yx"-~^y2  .  ax'^—'^s 
_|_  ßx^—'^ys  .  yx''~'^2  .  ax''~^y 
—  ßx^'-'^yz.  yx^-^y^  —  ßx"-hj  .  yx'^^'^z^ ,  ax'^-^y 

—  ßx"-^hj' .  yx''-^2.  ax'^-^Z. 

Wir  setzen  schliesslich  a  == /3  =  y,  und  aic""'^  ~''«/^ 0^  =  9);.^, 
oder  speciell: 

ax'^-^y- =  (p2(i'i     ax^-^yz  =  cp^i',     ax^-^z"^  =  g),^^'^ 

ax""  =  9)00  5 
bestimmen  dann  z  durch  die  Bedingung 

Ccx"-'^0  __  ^^^  __  Q^ 


i 


—     179     — 
und  erhalten  so,  indem  drei  Glieder  verschwinden: 

wodurch  die  Reductiou  auf  die  Stammformen  vollendet  ist. 

Aus  diesem  Beispiel  ist  nun  leicht  folgende  allgemeine 
Regel  zur  Reduction  einer  beliebigen  Covariante  irgend  wel- 
cher Formen  auf  die  Stammformen  zu  entnehmen: 

Man  drücke  die  verschiedenen  Buchstaben  der  Covariante 
durch  die  Einheiten  aus  (z.  B.  |  ^  IJci  -{-  l^k.»  +  •  •  •)?  ^^' 
rechne  jede  Klammer  durch  Ausführung  der  äusseren  Mul- 
tiplication,  setze  |e/.  statt  ^,.,  etc.,  darauf  statt  e,,  e.^,  .  .  .  die 
extensiven  Variablen  x,  y,  .  .  .,  führe  darauf  an  jeder  Klammer 
die  angedeutete  Poteuzirung  aus  und  multiplicire  die  Resultate, 
wobei  die  Factoren  (|x)  =  (^rr)  =  •  •  •  =  nf  weggelassen 
werden.  Endlich  setzt  man  statt  |,  ?^,  .  .  resp.  /*'^\  t^(i>,  .  ., 
führt  die  Multiplication  der  gleichnamigen  Potenzen  in  jedem 
Gliede  des  Polynoms  aus,  setzt  die  Werthe  der  Differentiale 
ein,  macht  dann  die  Functionen  gleich,  und  bestimmt  eine 
der  extensiven  Variablen  durch  die  Bedingungen  (14). 

In  welcher  Weise  diese  Methode,  zunächst  für  ternäre 
Formen,  vereinfacht  werden  kann,  wird  weiter  unten  gezeigt 
werden  (Nr.  122). 

Anmerkung.  Nachdem  oben  die  Grundzüge  der  Determinanten- 
Theorie  für  den  allgemeinsten  Fall  (n  Variablen)  entwickelt  waren 
(vgl.  Nr.  52),  liess  der  enge  Zusammenhang,  in  welchem  diese  Theorie 
mit  der  Lehre  von  den  räumlichen  Functionen  steht,  es  angemessen 
erscheinen,  auch  den  ersten  Ueberblick  über  diese  Lehre  in  derselben 
Allgemeinheit  zu  geben.  Es  wird  nunmehr  im  Folgenden  durch  die 
specielle  Betrachtung  der  räumlichen  Functionen  wieder  in  diejenige 
Form  der  Darstellung  eingelenkt,  welche  für  das  „System  der  Raum- 
lehre" von  vornherein  massgebend  war. 

2.   Betrachtung  der  einzelnen  räumlichen 
Functionen. 

A.  Gebiet  der  Geraden.  Functionen  2.  Stufe.  (Binäre  Formen.) 

a)  Die  Function  2.  Grades.  (Quadratische  Form.) 

u)  Eine  Function. 

Die  allgemeine  Form  dieser  Function  ist  90. 

(1)  ax""-  =  0, 

12* 


—     180     — 
oder,  wenn 

gesetzt  wird,    unter  Anwendung   der  in  Nr.  10   festgesetzten 
Bezeichnung 

Da    diese    Gleichung    für    den    Quotienten  —^  zwei    be- 


stimmte Werthe  liefert,  so  giebt  es  zwei  bestimmte  Punkte, 
welche  ihr  genügen.  Und  da  die  Gleichung  (1)  aussagt,  dass 
ein  variabler  Punkt  x  auf  dem  Gebilde  a  liege,  so  ist  dieses 
Gebilde  a.  eben  jenes  Punktepaar. 

Die  binäre  quadratische  Form  ist  also  der  ÄusdrucJc  für 
zwei  auf  einer  Geraden  liegende  feste  Punkte. 

Durch  besondere  Annahmen,  die  man  hinsichtlich  der 
ursprünglichen  Einheiten  macht,  kann  die  Form  (2)  verein- 
facht werden.  Eine  solche,  auf  möglichst  geringe  Gliederzahl 
reducirte  Form  heisst  canonische  Form. 

Anmerkung.  Da  die  canonische  Form  stets  eine  Beziehung 
zwischen  den  Grössen  e  und  dem  durch  die  Function  dargestellten 
Gebilde  voraussetzt,  so  ist  ihre  Verwendung  ^lur  dann  vortheilhaft, 
wenn  man  die  Beziehungen  dieses  Gebildes  zu  solchen  Grössen,  welche 
sich  durch  die  Einheiten  darstellen  lassen,  untersuchen  will.  Im  All- 
gemeinen aber  ist  die  Form  (1)  sowohl  der  Form  (2)  wie  jeder  daraus 
abgeleiteten  canonischen  Form  vorzuziehen.     Vgl.  Nr.  8. 

Canonische  Formen.  Wenn  erstens  e^  und  e,  so  gewählt 
werden,  dass  sie  mit  dem  Punktepaare  f  zusammenfallen,  so 
müssen  e^  und  e.^,  statt  x  gesetzt,  der  Gleichung  (1)  genügen; 
d.  h.  man  hat 

«gj^  =  0;     ae<{-  =  0, 
oder 


*)  Wir  nehmen  hierbei  an,  dass  e,  und  gj  Punkte  sind.  Die  Grösse 
X  ist  aber  auch  dann  vollkommen  bestimmt,  wenn  ej  und  e^  zwei 
Strecken  in  einer  Ebene  bedeuten  (vgl.  ,, Raumlehre"  Nr.  152).  Dann, 
ist  X  ebenfalls  eine  Strecke,  oder,  da  es  auf  ihre  Länge  nicht  ankommt, 
eine  Gerade;  die  binäre  quadratische  Form  repräsentirt  zwei  sich 
schneidende  Geraden,  und  alle  Resultate  der  Untersuchung  lassen  sich 
sowohl  auf  Punkte  einer  Geraden,  wie  auf  Geraden  einer  Ebene  an- 
wenden. Hiermit  hängt  der  durch  die  zweite  Abtheilung  dieses  Buches 
sich  hindurchziehende  Dualismus  im  Ausdruck  der  Sätze  eng  zusammen. 


—     181     — 

mithin  nimmt  (2)  die  Form  an: 

(3)  x^X2  =  0. 

Da  diese  Gleichung  durch  die  Werthe  r»j  =  0  und  ^.j  =  0 
befriedigt  wird,  so  ist  in  der  That,  wie  aus  (la)  hervorgeht, 
entweder  x  =  x^ßi  oder  x  =  x.yC^- 

Weun  siveitens  e^  und  e.^  so  gewählt  werden,  dass  sie 
mit  dem  Puuktepaare  f  harmonisch  sind,  so  müssen  die  beiden 
Punkte  X  (nach  „Raumlehre"  Nr.  169)  einzeln  den  Bedingungen 
genügen : 

und  jeder  dieser  beiden  Werthe  muss  der  Gleichung  (1)  ge- 
nügen; man  hat  also: 

•    «(ic^ßj  4-^2^2)^  =  05     oder:  ay^x{^-\-2a^2^^x.^-\-a^^x.^  =  0] 
a{x^e^- — 0^262)^=0;     oder:  «^0;,-  —  '2a^^x^X2-\-ci.22X2=^- 

Damit  nun  die  Gleichung  (2)  beide  Punkte  x  gleichzeitig  aus- 
drücke, muss,  wie  aus  den  beiden  letzten  Formen  zu  sehen 
ist,  aj2  =  0  sein;  und  die  Gleichung  (2)  nimmt  daher  die 
Form  an: 

(4)  «ii^jj^  -|-  «22^2^  =  0- 

Anmerkung.  Man  kann  auch  umgekehrt  von  den  algebraischen 
Bedingungen  «,,  =  «22  =  0,  resp.  «12  =  0  ausgeben,  und  ihre  geome- 
trische Bedeutung  ableiten. 

Statt  der  Gleichung  «12^==  0  können  wir  auch  schreiben: 

«6,62  =  ^> 
welche   Gleichung,    ebenso  wie   die   vorige,    ausdrückt,    dass 
das  Punktepaar  e, ,  e.,  mit  dem  Punktepaare  a  harmonisch  ist. 
Ebenso  wird,  wenn  x,  y  irgend  ein  variables  Punktepaar 
ist,  die  Gleichung 

(5)  axy  =  0 

ausdrücken,  dass  dieses  Paar  mit  k  harmonisch  ist.  Hieraus 
können  wir  weiter  auf  die  Bedeutung  des  Ausdrucks  ax 
schliessen.     Da  nämlich 

2«^  =  /'(0  =  |, 

und  I  (nach  Nr.  81)  die  Ergänzung  eines  Punktes  im  Haupt- 
gebiet ist,  so  ist  I  zunächst  ein  Punkt  („Raumlehre"  Nr.  32). 
Wenn    aber  2axy  =  ^ij=0  ist,    so    bedeutet    dies    nichts 


—    182    - 

anderes,  als  dass  die  Punkte  |  und  ij  zusammenfallen,  mithin 
ist  bis  auf  einen  Zahlfactor 
(6)  y  =  cix, 

oder :   Wenn  a  ein  Fmiktepaar  und  x  ein  heliehiger  Fimht  auf 
derselben  Geraden  ist,  so  ist  ax  der  vierte  harmonische  Tmikt, 
oder  harmonisches  Centrum  erster  Ordnung  {wegen  /"(*>) 
2u  dem  PunJitepaare  a  in  Bezug  auf  den  Pol  x. 
91.  Covarianten.     Nach  Nr.  83  ist  die   erste  Covariante  (für 

r  =  2  und  c  =  2) 

Da  n  {=  nr  —  cp)  =  0  ist,  so  ist  sie  eine  Invariante,  und 
nach  Nr.  76  (5)  ist  sie  die  Hesse' sehe  Determinante  der  Function". 
Wenn  sie  den  Werth  Null  hat,  so  kann  (nach  Nr.  75)  x  aus 
einer  einzigen  Einheit,  statt  aus  zweien,  abgeleitet  werden; 
d.h.:  die  beiden  Punkte  x  fallen  mit  demjenigen,  welchen 
diese  Einheit  ausdrückt,  zusammen.  Die  Function  f  stellt  also, 
wenn  ihre  Hesse  sehe  Determinante  Nidl  ist,  zwei  zusammen- 
fallende Punlie  {oder  zivei  parallele  Geraden)  dar. 

Specielle  Ableitungen  dieses  Besultates.    1)  Es  ist  |  =  ao;;  r]=  ßx; 

(1 7?)  =  (a ß) rc^ ;  (1 7J)2  =  (a |J) ;  {fn)' =  («')  =  (« e^)  (a e^)  (nach  Nr.  74, 
Formel  3).  Wecn  nun  (a ej) (a ^2)  =  0  ist,  so  muss  zwischen  diesen 
beiden  Grössen  eine  Zahlbeziehung  bestehen,  etwa  Iziccei)  —  ^1(0:62)  =  0, 
oder,  nach  x  integrirt:  Izi^'-'^^i)  —  ^.liccxez)  ^  0;  oder  ^2/1  —  ^1/2  =  0 
(nach  Nr.  76,  Formel  6).    Nun  ist  (Nr.  76,  Formel  8}  §  =  f,  .ej  -\-  f^  e^, 

oder  mit  Benutzung  der  letzten  Gleichung:  |  =  /\(|ej-|-  -7^  1^2),  oder, 

wenn  wir  Cj  +  ^  ^2  =  -^  setzen:  |  =  -^  ]  a.  Ebenso  wie  ^  aus  der 
einzigen  Einheit  |  s,  muss  nun  x  aus  a  ableitbar  sein.  Da  aber  x  =  Xiei 
-\-  Xze,  ist,  so  muss  Xi'.  X2  =  Xy:  hi  sein;   dann  ist  x  =  x,  (Cj  +  -y-  ^2) 

=  Xi  —  ;  oder,  wenn  wir  Xi  =  i,  setzen:  x  =  e.    Es  fallen  also  beide 

Punkte  X  mit  s  zusammen. 

2)  Aus  Nr.  76,  Formel  10  folgt:  (f^)^  =  2(/',if22-/i2^)  =  2(a,i«22-ai2*)- 
Ist  nun  oriio;22 — «12^=0;  oder  «,2  =  Vau  .  «22?  so  kann  Formel  (2)  der 
Nr.  90  geschrieben  werden:  (^«11 .  Xi  +  ^«22  •  ^2)^  =  0.  Diese  Gleichung 
hat  zwei  gleiche  Wurzeln,  stellt  also  zwei  zusammenfallende  Punkte  dar. 

Anmerkung.  Die  Hesse'sche  Determinante  ist,  als  specieller  Fall 
der  Functionaldeterminante,  nach  Nr.  72,  gleich  dem  Potenzwerth  eines 


—     183    — 


Quotienten,  und  kann  daher  auch  in  der  Form 


\dx )  \dxj  \dxz) 


geschrieben  werden  (vgl.  Nr.  76,  Formel  12).  Dieser  Potenzwerth  ist 
derselbe,  welcher  in  Nr.  41  durch  [Ä^)  bezeichnet  wurde;  demnach  ist 
die  Hesse'sche  Determinante  der  binären  quadratischen  Form  gleich  dem 
Fotenziverth  desjenigen  Quotienten ,  durch  tvclchen  die  Punkte  e,  und  e^ 

in  die  Punkte  Si  und  fj  (Nr.  41 ,  Formel  4)   d.  h.  -^  und  -j^  ver- 

tvandelt  tverden.    Setzt  man  ^  =  fiCi  -{-  fzCi,  so  ist  -,—  =  fuCi-^-  fztC^ 

a  x^ 

=  «11^1  +  £^21^2)     j —  =  /i2ßi+  /2ä^2  =  «12^1  +  ^=^22^2)  Übereinstimmend 

OL  Xn 

mit  Nr.  41,  Formel  2a  und  2b.  —  Eine  weitere  Anwendung  der  binären 
quadratischen  Form  nebst  ihrer  Hesse'schen  Determinante  findet  sich 
in  der  Anmerkung  zu  Nr.  7. 

Bedudion    c{uf  die  Stammformen.    —    Alle   Covarianten  92. 
unserer  FuDctiou  lassen  sich  nach  Nr.  87  aus  x  — p  +  1,  d.  h. 
aus  3  —  2  -f-  1  =  2  Stammformen  ableiten,  von  denen  eine, 
(p^)  die  Function  /'  selbst  ist. 

Für  (I  r]y  erhalten  wir  nach  der  in  Nr.  88  gegebenen  Regel : 

(1^)2  =  (^  -  rjy  =  ^^-^rj^-2lri  =  cp,  +  9^2~  ^^,' 
oder,  da  (p^^O  ist: 

Die  Hesse'sche  Determinante  ist  daher  selbst  die  zweite 
Stammform. 

Andere  Covarianten,  die  man  bilden  würde,  könnten 
keinen  quadratischen  Factor,  etwa  (|>?)-  enthalten;  denn  da 
jeder  Buchstabe  in  der  Covariante  einer  quadratischen  Function 
nur  zweimal  vorkommen  kann,  so  müssten  |  und  Tq  in  dem 
übrigen  Theile  der  Covariante  fehlen,  man  könnte  also  {i,r]Y 
nach  Nr.  83,  Regel  3  als  algebraischen  Factor  absondern. 
Bildet  man  nun  einen  Ausdruck  von  der  Form  (|?^)(^^) ..  ., 
so  giebt  derselbe  bei  der  Reduction  theils  Glieder,  die  irgend 
einen  Buchstaben  in  der  ersten  Potenz  enthalten,  also  (wegen 
rp^  =  0)  gleich  Null  sind,  theils  solche,  die  das  Product  einer 
Reihe  von  Quadraten  sind,  also  die  Form  cp./''  annehmen.  Es 
sind  daher  alle  anderen  Covarianten  nicht  nur  als  rationale, 
sondern  auch  als  ganze  Functionen  von  ^.,  darstellbar;  d.  h.: 
Bas  Formensystem  der  Function  enthält  ausser  ^y  selbst  nur 
die  eine  Function  rp^. 


—     184     — 

Noch  einfacher  ergiebt  sich  dieses  Resultat  durch  folgende 
Betrachtung:  Jede  Covariante,  die  man  bilden  kann,  hat  die 
Form  Wx'^',  und  da  n  =2r  —  2c  stets  gerade  ist,  so  kann 
man  schreiben: 

n  n  n 

Ist  nun  c  gerade,  so  ist  die  Covariante,  bis  auf  einen  Zahleu- 
factor,  gleich 

n'  c 

d.  h.  eine  ganze  Function  der  beiden  Stammformen.  Ist  aber  c 
ungerade,  so  kann  man  schreiben: 

[ax^y^  .  (a'^x-) .  a'^-^, 
und  da  a'^x'^  =  (^rj)  =  0  ist,  so  verschwindet  dieser  Ausdruck. 
Dritter  Beweis:  Da  (1»?)^  als  Invariante  keine  Tleber- 
schiebung  duldet,  und  (h,r])  als  verschwindende  Form  auf 
keine  unabhängige  Form  führt  (vgl.  Nr.  87  am  Schluss),  so 
ist  (^^)'  neben  /'  die  einzige  unabhängige  Form.  Es  möge 
jedoch  an  der  Ueberschiebung  von  f  über  (i,r])  noch  gezeigt 
werden,  wie  man  beim  Beweise  jener  Eigenschaft  der  ver- 
schwindenden Formen  zu  veriPahren  hat.    Esist(^?^)=(|  —  rj) 

={i-t)-(v-t)={m-ivi)',  also  {rri)(ü)=m-{mM- 

Vertauscht  man  in  dem  letzten  Gliede  |  und  £;,  so  lautet  es: 
(t,h,)(r]^),  oder,  wenn  man  in  jeder  Klammer  die  beiden  Buch- 
staben umstellt    (was   einer   doppelten  Zeichenänderung   ent- 

spricht):  mifr^y  mithin  2 (f^) {U)  =- Öly ]  (J~rj)iE)  =  KW- 

ß)  Zioei  Functionen. 
93.  Zwei  Functionen 

(1)  «a;2  =  ü;     ßx'^  =  0, 

worin 

(la)  X  =  Xyß^  -f-  x,^e., 

ist,  und  die  man  auch  schreiben  kann 


"11      1     ~i  12      1      2     l~"   ^22  ^2     


(2)  i"-^^^ 

repräsentiren  zivei  Punhtepaare  auf  einer  Geraden. 


—     185    — 

Covarianten.  1)  Das  System  der  beiden  Forineu  besitzt 
zunächst  die  gemeinsame  Hesse'sche  Determinante 

{U)\ 

welche  sich  von  den  entsprechenden  Formen  der  einzelnen 
Functionen  nur  dadurch  unterscheidet,  dass  die  beiden  Functio- 
nen in  ihr  nicht  gleichgesetzt  werden.  In  der  Bezeichnung 
der  Gleichungen  (1)  ausgedrückt,  ist  sie  gleich  (c:/3)  (vgl. 
Nr.  91),  und  es  ist  nun  die  geometrische  Bedeutung  der 
Gleichung 

(3)  («/3)==0 

zu  untersuchen.  Nun  haben  wir  in  Nr.  90  gesehen,  dass  die 
Gleichung  axy  =  0  die  harmonische  Beziehung  zwischen  dem 
Paare  a  und  dem  Paare  xy  ausdrückt.  Bezeichnen  wir  dieses 
Paar  durch  ß,  so  geht  die  harmonische  Gleichung  über  in 
[aß)  =  0-^  mithin  ist  diese  Gleichung  die  Bedingung  dafür, 
dass  die  beiden,  durch  die  Functionen  (1)  dargestellten  Paare 
harmonisch  sind. 

Da  die  Formel  (3)  aussagt,  dass  das  äussere  Product  von 
«  und  ß  Null  ist,  so  besteht  zwischen  diesen  Grössen  eine 
Zahlbeziehung.     Man  kann  also  auch  schreiben: 

(3a)  Aa-{-(iß  =  0, 

woraus  durch  Multiplication  mit  ß  wieder  (3)  folgt. 

Anmerkung.  Des  Vergleichs  wegen  möge  hier  noch  die  Ableitung 
desselben  Resultates  auf  dem  gewöhnlichen  Wege  der  Coordinaten 
hinzugefügt  werden.    Es  ist 

arjY  =  «„fe  -  2«i2(3,2  +  «jaßi,  =  0; 


oder: 


_?^ii 2  -^^  •  -^  +  -^  =  0. 


Die  Gleichungen  (2)  können  geschrieben  werden: 

und  wenn  i,  und  l^,  die  Wurzeln  der  ersten ,  /u.i  und  ^^  die  der  zweiten 
sind,  so  ist 

«22  "22 

2-f^  =  -(f^l  +  f^2);      4-  =  ^.^2. 


—     186    — 

Setzt  mau  diese  Werthe  in  die  Form  (^rjy  ein,  so  folgt: 

Xilz  —  Uh  +  ^2)  (^1  +  1^2)  +  ^ift2  =  0; 
oder: 

Wenn  nun  A  und  C  die  Punkte  des  Paares  a,  JS  und  D  diejenigen 
des  Paares  ß  sind,  so  sind  ^ii2f^if2  ^^^  Reihe  nach  die  Coordinaten 
dieser  Punkte,  d.  h.  ihre  Entfernungen  von  einem  festen  Punkte  0; 
also  ist 

(O  —  Ä)  —  {0  —  B)  ^  _  [0  —  C)  —  {0~B) 
{0  —  A)  —  [0—D)  {0—ü)-{0-D] 

oder: 

B -A  _        B  —  C 
D- A  D-C  ' 

wodurch  das  Paar  (A  C)  als  harmonisch  mit  dem  Paare  {B  D)  nach- 
gewiesen ist. 

2)  Da  I  und  r]  nicht  gleichbedeutend  sind,  so  wird  der 
Ausdruck  (i,ri)  nicht  identisch  Null  sein;  denn  (i,ri)  ist  nicht 
dasselbe  wie  (j]^).    Wir  haben  daher  noch  die  Covariante 

zu  betrachten,  für  welche  r  =  2,  c=\,  und  deren  Grad 
n  =  fir  —  cp  =  2  ist.  Sie  ist  nach  Nr.  72  die  Functional- 
determinante  des  Systems  der  beiden  Functionen.  In  der  Be- 
zeichnung von  (1)  ausgedrückt  ist  sie  (aß)x'^,  und  es  handelt 
sich  noch  um  die  geometrische  Bedeutung  der  Gleichung 

(4)  (a/3)a;2  =  0. 

Dieselbe  drückt  als  binäre  quadratische  Form  zunächst  ein 
Punktepaar  aus.  Sei  dasselbe  mit  y  bezeichnet,  so  ist  yx^^O 
dieselbe  Gleichung,  mithin 

(5)  («/5)  =  y. 

Fügen  wir  den  beiden  Seiten  dieser  Gleichung  a  oder  ß  als 
äusseren  Factor  hinzu,  so  wird  die  linke  Seite  jedesmal  Null 
(nach  den  Gesetzen   der   äusseren  Multiplication) ;   mithin  ist 

(6)  {ay)  =  0  und  {ßy)  =  0. 

Diese  Gleichungen  aber  sagen,  wie  oben  gefunden  wurde, 
aus,  dass  sowohl  das  Paar  a  wie  das  Paar  ß  mit  y  harmonisch 
ist.  Mithin  stellt  (a  ß)  x-  =  0  dasjenige  Fimhtepaar  dar, 
ivelches  mit  den  Paaren  a  und  ß  gleichzeitig  harmonisch  ist, 
oder  (nach  Nr.  37)  die  DoppelpiinMe  der  durch  die  Faare  a 
und  ß  bestimmten  Involution. 


-     187     — 

Bediiction  auf  die  Stammformen.  Alle  Covarianten  des  94. 
Systems  lassen  sich  aus  6  —  2  -|-  1  ==  5  Stammformen  ab- 
leiten, von  denen  vier  bereits  bekannt  sind,  nämlich  die  ge- 
gebenen Functionen  (p(^  und  i^o,  sowie  ihre  Hesse'schen  Deter- 
minanten (f.,  und  rp2-  Die  Reduction  der  beiden  oben  gegebenen 
Covarianten  liefert: 

(6a)  {aß)x^'  =  (Irj)  =  (|  -  ^)  =  9,,  _  r/., ; 

Zu  den  vier  bekannten  Stammformen  kommen  also  noch  zwei, 
nämlich  (p^  und  t^-,  hinzu,  von  denen  jedoch  eine  willkürlich 
bestimmt  werden  kann.    Wir  bilden  zu  diesem  Zweck 

und  erhalten  durch  Subtraction  dieser  Gleichung  von  der 
vorigen : 

(6b)       arjy  -  [(|^)]2  =  ^,  +  4,.^  -  (cp,^  +  t^^). 

Darauf  bestimmen  wir  qpj  und  ^^  durch  die  Gleichung 

in  Verbindung  mit  (6a),  woraus  folgt: 

während  (6b)  übergeht  in : 

(6c)  («^)  =  ^^  +  ^-f^+[(«ß)^^P- 

Um  diese  Gleichung  schliesslich  homogen  zu  machen,  müssen 
wir  ihren  drei  ersten  Gliedern  resp.  die  Factoren  ax"^  .  ßx"^, 
(ßx'^y,  (ax'^y  hinzufügen,  und  erhalten: 

(7)  ax^-.ßx\{aß)  =  ^[{a-^).(ßx''y+{ß').iaxr']-\-[{aß)x-']\ 
oder  in  der  früheren  Bezeichnung: 

(8)    cp.t.iirjY  =  <t/,,  4-  v^2  +  mvw-*) 

Bei  der  Bildung  weiterer  Covarianten  trifft  das  an  ent- 
sprechender Stelle  in  Nr.  92  Gesagte  auch  hier  zu.  Da  nun, 
wie  aus  der  letzten  Formel  hervorgeht,  (l?;)^  nicht  als  ganze, 


*)  Identisch  mit  den  Formeln  in  Clebsch,  Binäre  Formen,  S.  119, 
(10)  u.  S.  197,(1).  —  Auch  für  Formen  von  höherem  als  zweitem  Grade 
giltig. 


-     188    — 

und  {^rj)  nicht  einmal  als  rationale  Function  der  übrigen 
5  Formen  auftritt,  so  sind  beide  Formen  unabhängig  (nach 
Nr.  87  am  Schluss).  Das  Formensystem  der  beiden  Functionen 
enthält  demnach  ausser  den  vier  Formen  (p^^,  cp^,  i>o,  ^2  **^^** 
noch  die  beiden  Formen  {^rjY  und  {^r}).    ■ 

95.  Unter  den  abhängigen  Formen  des  Systems  sei  noch  er- 
wähnt die  Hesse" sehe  Determinante  von  {^rj).  Um  dieselbe 
durch  andere  Formen  auszudrücken,  nehmen  wir  aus  der 
Formel  (7)  den  Werth 

Da  links  die  gleich  Null  zu  setzende  Function  {^rf)  steht,  so 
ist  auch  die  rechte  Seite  der  Gleichung  Null,  und  wenn  wir 
setzen 

SO  erhält  die  Gleichung  die  Form 

Da  dieselbe  mit  (2)  in  Nr.  90  übereinstimmt,  so  ist  ihre 
Hesse'sche  Determinante  (welche  gleichzeitig  diejenige  von  (§?/) 
ist)  nach  S.  182  2)  gleich  2(^1,^22  —  ^12')-  Andrerseits  ist 
dieselbe  gleich  [(«/S)^],  Wir  erhalten  mithin,  wenn  wir  die 
Grössen  A  durch  ihre  Werthe  ersetzen: 

(9)  [(aßy^  =  i  [(«^)  .  iß^)  -  [iaß)f].  *) 

Die  Hesse'sche  Determinante  der  Functionaldeterminante 
zweier  binärer  quadratischer  Formen  heisst  die  Bestdtante  des 
Systems  der  beiden  Formen.  Berechnet  man  sie  nämlich  in 
Function  der  Coefficienten  der  Coordinaten  -  Gleichungen ,  so 
nimmt  sie  die  Form  an,  zu  der  wir  im  ersten  Beispiel  am 
Schluss  von  Nr.  71  gelangten,  d.h.:  sie  ist  das  Resultat  der 
Elimination  von  x^  und  x.,  zwischen  den  beiden  Formen. 

y)  Drei  Functionen. 

96,  Drei  Functionen 

(1)  ax'  =  0]    /3a;2  =  0;     yx'^  =  0, 


*)  Identisch  mit  der  Formel  bei  Clebsch  a.  a.  0.  am  Schluss  vom 
§  57. 


—     189     — 
worin 

(     1   Ut)  00     =^     00*    ßt  I  OCn  ßn 

ist,  repräsentiren  drei  Funliepaare  auf  einer  Geraden. 

Covarianten.  Um  eine  gemeinsame  Covariante  der  drei 
Functionen  zu  finden,  haben  wir  in  der  Formel  w' =  w r  —  cp 
zu  setzen  r  =  3.    Die  Annahme  c  =  3  führt  auf  die  Form 

oder  in  andrer  Bezeichnung  (ccßy).  Dieselbe  ist,  da  n  =  0, 
eine  Invariante,  und  ihr  Verschwinden  bedeutet  das  Vor- 
handensein einer  geometrischen  Beziehung  zwischen  den  drei 
Punktepaaren.  Nach  Gleichung  (5)  der  Nr.  93  bedeutet  nun 
die  Gleichung  (aß)  =  d,  dass  das  Paar  a  und  das  Paar  ß 
beide  mit  einem  Paare  d  harmonisch  sind.  Fügen  wir  auf 
beiden  Seiten  dieser  Gleichung  den  äusseren  Factor  y  hinzu, 
so  ist  (ccßy)  =  (dy).     Wenn  nun 

(2)  (aßy)  =  0 

ist,  so  ist  auch 

{8y)  =  0; 

d.  h.  nach  Formel  (3)  der  Nr.  93:  auch  y  ist  mit  d  harmonisch. 
Die  Gleichung  (2)  drücM  also  ans,  dass  die  drei  Faare  a,  ß,  y 
alle  7nit  einem  Faare  ö  harmonisch  sind,  d.  h.  (nach  „Raum- 
lehre" Nr.  171),  dass  sie  involutorisch  sind. 

Da  die  Formel  (2)  aussagt,  dass  das  äussere  Product  von 
cc,  ß  und  y  Null  ist,  so  besteht  zwischen  diesen  Grössen  eine 
Zahlbeziehung,     Man  kann  also  auch  schreiben: 

(2a)  Xa-\-  ^ß  -\-vy  =  0, 

woraus  durch  Multiplication  mit  ßy  wieder  (2)  folgt.  Liegen 
die  Paare  a,  ß,  y  auf  drei  verschiedenen  Geraden,  so  drücken 
die  Formeln  (2)  und  (2a)  aus,  dass  a,  ß,  y  einen  involutori- 
schen  Verein  bilden.    (Vgl.  Nr.  39). 

Reduction  auf  die  Stammformen.  —  Alle  Covarianten  des  97. 
Systems  lassen  sich  aus  9  —  2  +  1  =  8  Stammformen  ab- 
leiten, von  denen  sechs  bereits  bekannt  sind,  nämlich  die 
gegebenen  Functionen  cp^^,  il^^,  Xo:  ^^^^  i^^^  Hesse'schen  Deter- 
minanten gpj?  ^'2>  X2-  Durch  Reduction  der  oben  gegebenen 
Covariante  erhalten  wir: 


—     190     — 

oder,  da  Anfcaugs-  und  Endglied  sich  heben: 

Von  den  drei  neuen  Stammformen  cpii^xZ^  kann  die  eine  be- 
seitigt werden;  wir  ersetzen  sie  jedoch  sämmtlich  (ähnlich 
wie  in  Nr.  94)  durch  andre  Formen,  indem  wir  aus  (6a)  in 
Nr.  94  entnehmen: 

^1  -  9^1  ==  -  («^)^';    Zi  —  ^1  =  —  (/^r)^'; 

Ersetzen  wir  ausserdem  q).^,  ^2;  X2  ^^^  ^^^  linke  Seite  der 
Gleichung  durch  ihre  Werthe  in  Function  von  x,  so  folgt: 

{aßy)  =  -  ^[(«2)  .  {ßy)x'^  +  (/32) .  (y a)^2  _|_  (^2)  .  ^aß)x''\. 

Um  schliesslich  diese  Gleichung  homogen  zu  machen,  mul- 
tipliciren  wir  ihre  Glieder  resp.  mit  ax- .  ßx-.yx-,  ßx-.yx"^, 
yx'^.ccx'^,  ax-.ßx"^,  und  erhalten: 

(3)  ax''  .  ßx'' .  yx"- .  (aßy)  =  —  ^  [ßx""  .yxK  (a^)  .  (^j,)a;2 

+  yx\  ax'^.  (/32).  (j/ß)a;2  +  ax"-.  ßx\  {y^).  {aß)x''] 
oder  in  der  früheren  Bezeichnung: 

(4)  (Po-4'oXo(^V){vt)i^l,)  =  —  ^[toXo^2{vt)  -\-  Xo9>ot2ii^) 

+  9'o^oZ->(^^)]-*) 
Die  Covariante  {ccßy)  ist  nach  diesem  Resultat  eine  unabhän- 
gige Form. 

Es  ist  nun  noch  der  Fall  r  =  3 ,  c  =  2  zu  untersuchen. 
Dieser  führt  auf  die  Form 

Die  Reductiou  liefert: 

miU)  =  (I-  ^)(i  -^)  =  ^'-7}i-u+v^ 

=  9^2  —  ^1 9^1  —  ^1  ;ti  +  V'iZi 

oder,  mit  2  multiplicirt: 

2{aßy)x^  =  («2)  _  2^1  qp,  -  2(pai  +  ^^^i- 


*)  Auch  für  Formen  von  höherem  als  zweitem  Grade  giltig. 


—     191     — 
Nun  ist  nach  den  Formeln  (6b)  und  (6c)  der  Nr,  94: 
-  2t,cp,  =  [{ßa)x'^Y  =  ißa)  -  ^.^^l±m. 

+  2^ay  =  -  m)^'Y  =  -  ißr)  +  ^^^^5 

mithin  durch  Einsetzung  dieser  Werthe: 

2l^aßY)x''-  =  ißa)  +  (ay)  -  ißy), 
oder,  homogen  gemacht: 

(5)  2{aßy)x^  =  yx"^  .  {ßa)  +  ßx"^  .  {ay)  —  ax^ .  (ßy), 
oder  in  der  früheren  Bezeichnung: 

(6)  2{^ri){U)  =  Xoitvy  +  MUY  -  VoiV^Y'*) 

Die  Form  (|  rj)  (|  5)  erweist  sich  hiernach  als  eine  abhängige. 
Nimmt  man  r  grösser  als  3  an,  so  muss  man  schliesslich 
durch  Gleichsetzung  die  Zahl  der  verwendeten  Buchstaben 
auf  3  reduciren.  Es  entstehen  dabei  in  ähnlicher  Weise  wie 
früher  Factoren  von  der  Form  g).^"  und  alle  Neubildungen 
erscheinen  als  ganze  Functionen  der  bisher  betrachteten. 
Das  Formensystem  der  drei  Functionen  enthält  hiernach  ausser 
den  Formen  (p^,  ip^^,  Xo,  (p-„  ^2;  X2,  (^  v),  (^  S);  iv  t),  Ü  vY,  (1  tf,  (vt)'^ 
nur  noch  die  eine  gemeinsame  Form  (^7])(r]^)(^^). 

d)   Vier  und  mehr  Functionen. 

Im  Falle  von  4  Functionen  gestattet  die  Formel  n'=nr—cp,  98. 
oder  w'=  8  —  2c  die  beiden  Annahmen  c  =  4  und  c  =  3. 
Für  c  =  4  hat  man 

wobei  aus  dem  letzten  Gliede  durch  circuläre  Vertauschung 
der  Buchstaben  noch  drei  neue  Glieder  hervorgehen.  Diese 
Gleichung  kann  mau  schreiben: 

{aßyd)  =  (P2X2  +  ^2«2  +  29',^iZi"i 

—  9P2(^i;ci  +  Zi«i  — ^i«i) 

oder  nach  den  Formeln  der  vorigen  Nr. : 


*)  Siehe  Anm.  zu  Formel  (4). 


—     192     - 

(aßyd)  =  S^Ml±m^l  _f_  2  U^l+m.  _  ML] 

Diese  Gleichung  lässt  durch  ihre  Homogenität  bereits  erken- 
nen, dass  (aßyd)  als  ganze  Function  niederer  Formen  dar- 
stellbar, also  keine  unabhängige  Form  ist. 

Dasselbe  Resultat  würde  sich  für  die  aus  dem  Falle  c  =  3 
entspringende  Form  {^r})(7j^)(^Q-)  ergeben,  sodass  hiernach 
ein  System  von  vier  Functionen  IrJne  unahhängige  gemeinsame 
Covariante  besitzt.  Wir  schliessen  hieraus ,  dass  dasselbe  auch 
für  Systeme  von  mehr  als  vier  Functionen  zutrifft. 

Ein  System  von  n  binären  quadratischen  Functionen  be- 
sitzt hiernach  folgendes  Formensystem: 

a)  Aus  je  einer  Function  gebildet: 

1 .  Die  n  Functionen  selbst. 

2.  Die  n  Hesse'schen  Determinanten  von  der  Form 

{Vnf- 

b)  Aus  je  zwei  Functionen  gebildet: 

3.  Die  -~ — -  Hesse'schen  Determinanten  von  der 
Form  (|??)2. 

4.  Die  — ^ — -  Functional  -  Determinanten  von  der 

Form  (|i^), 

c)  Aus  je  drei  Functionen  gebildet: 

5.  Die  ^^^^— - — ^— — -   Invarianten    von    der    Form 

b)  Die  Function  3.  Grades.  (Cubische  Form.) 
a)  Eine  Function. 

99.  Die  allgemeine  Form  dieser  Function  ist 

(1)  ax^  =  0, 

oder  wenn  man 

(la)  X  =  ^1  ^1  +  x.;^e.2 

setzt : 


—     193    — 

Durch  eine  ähnliche  Betrachtung  wie  bei  der  binären 
quadratischen  Form  findet  man ,  dass  die  cnhisclie  Form  eine 
dreigliedrige  FiinltreiJie  {oder  einen  dreigliedrigen  Stralen- 
hüsehcl)  vorstellt. 

Canonisclic  Formen.  —  Um  für  die  Gleichung  (2)  eine 
canouiselie  Form  zu  finden ,  nehmen  wir  erstens  an ,  dass  zwei 
der  dargestellten  Punkte  mit  e^  und  c,  zusammenfallen.  Dann 
ist  nach  (1) 

oder 

sodass  Gleichung  (2)  die  Form  annimmt: 

oder 

Der  dritte  Punkt  der  Function  ist  also  dargestellt  durch  die 
Gleichung: 

Ist  auch  aj,2  =  0,  so  folgt  aus  dieser  Gleichung  x.,  =  0; 
d.  h.  der  dritte  Punkt  fällt  mit  dem  ersten  (e,)  zusammen. 
In  diesem  besonderen  Falle  also  reducirt  sich  die  canonische 
Form  auf 

Um  eine  siveite  canonische  Form  zu  finden,  stellen  wir 
eine  Betrachtung  an,  welche  der  bei  der  quadratischen  Form 
gemachten  analog  ist.  Dort  wurden  gj  und  e^  als  harmonische 
Punkte  zu  den  beiden  Punkten  (X,  und  X.J  der  Function 
angenommen.  Die  Bediugungsgleichung  dieses  harmonischen 
Verhältnisses  kann  nun  („Raumlehre"  Nr.  172)  geschrieben 
werden : 

g|  —  ^1    I     ^1  —  ^2  __  r\. 

und  diese  Gleichung  lässt  sich  für  die  drei  Punkte  (X,  XjXg) 
einer  cubischen  Function  zu  folgender  Form  erweitern: 

(4) 

Schlegel,  Elemente.  13 


^2. 

71 

Vi 

—     194    — 
Setzen  wir  nun 

(«,  +  «2)  ^1  =  «i<^i  +  «2 '^2  i 

folglich : 

(4q\     ^i  —  ^i  ^^  _  ,^2,    ei  —  X.^ 
^      '      62  —  -X",  or, '     «2  —  -^2 

SO  gellt  Gleichung  (4)  über  in 

«.  "^   ßi  "^ 

Nun  sind   -^,  4^,  ^-  als  Coordinaten  der  Punkte  X  X,  X, 

die  drei  Wurzeln  der  Gleichung  (2).     Wenn  also  die  Summe 
dieser  Wurzeln  gleich  Null  ist,  so  ist 

(5)  «,22  =  0. 

Durch  die  Gleichung  (4)  ist  der  Punkt  e^  bestimmt,  so- 
bald man  e^  irgendwie  bestimmt  hat.  Um  die  Functions- 
gleichuug  noch  weiter  zu  vereinfachen,  stellen  wir  eine  neue 
Gleichung  zwischen  e^  und  e.^  auf,  welche  dann  in  Verbindung 
mit  (4)  beide  Punkte  vollständig  bestimmen  wird.  Wir  be- 
merken für  diesen  Zweck,  dass  die  Bedingungsgleichung  des 
harmonischen  Verhältnisses  auch  geschrieben  werden  kann: 

^2    —  -^1  _L_    ^2   —   Xo  r\ 


und  diese  Gleichung  giebt  Anlass  zu  der  erweiterten  BWm: 

fn\  ^2         -^11      ^2         ^2     I     ^2         ^3  n 

Die  Substitutionen  (4a)  geben: 

_?Li    _L    ^i-  4-    ^L  _  0 


oder,   mit    '^^^^^^    multiplicirt : 

ßi      Ti         yi      «1         f>fi      ßi 
Diese  Gleichung,   welche   aussagt,   dass  die  Summe  der  Pro- 
ducte  je   zweier  Wurzeln  der  Gleichung  (2)  gleich  Null   ist, 
ist  gleichbedeutend  mit 

(7)  «1,2  =  0. 


—     195     — 

Bestimmt  man  also  die  Punkte  c^  und  e.^  durch  die 
Gleichungen  (4)  und  (6),  so  lautet  die  cauonische  Form  von  (2)  : 

Die  Gleichungen  (5)  und  (7)  können  geschrieben  werden: 

Da  a  die  Punktreihe  X,  X^  X^  vorstellt,  so  ist  die  geometrische 
Bedeutung  dieser  Gleichung  in  der  That  dieselbe  wie  die  von 
(4)  und  (6).  Dieselbe  geometrische  Beziehung  wie  zwischen 
dem  Paar  e^  c.^  und  der  Reihe  Xj  X.^  X.^  wird  nun  obwalten 
zwischen  irgend  einem  Punktepaar  xy  und, der  Reihe  X^X.^X.^, 
wenn  man  hat : 

(9)  axy-  =  0;     ax'^y  =  0. 

Es  ist  aber  weiter: 

Die  Gleichungen  (9)  können  also  geschrieben  werden: 

Wir  sagen  hiernach,  in  Uebereinstimmung  mit  Nr.  90:  Wenn 
a  eine  dreigliedrige  PimJdreiJie ,  und  x  ein  beliebiger  FunM 
auf  derselben  Geraden  ist,  so  ist  ax"^  Qiarmonisches)  Cen- 
trum erster  Ordnung  zu  der  PunTctreihe  a  in  Bezug 
auf  den  Pol  x.  Und  es  ist  ax  (Itarmonisches)  Centrum 
ztoeiter  Ordnung  zu  der  PunJctreihe  a  in  Bezug  auf 
den  Pol  X. 

Die  geometrische  Bedeutung  der  Gleichungen  (4)  und  (6) 
als  Bedingungen  für  die  canonische  Form  (8)  lässt  sich  also 
wie  folgt  aussprechen:  Damit  eine  binäre  eubische  Form  sich 
auf  die  canonische  Form  (8)  reducire,  müssen  die  Punkte  e^ 
und  e.2  so  geivählt  werden,  dass  jeder  von  ihnen  harmonisclies 
Centrum  erster  Ordnung  zu  der  Punhtreihc  cc  ist,  in  Bezug 
auf  den  andern  als  Pol. 

Covarianten.    Zur  vorläufigen  Uebersicht  mögen  alle  den  100. 
Wertheji  r  =  2,  3,  4,  5  entsprechenden  Bildungen  aufgestellt 
werden,   soweit  dieselben  durch   Ueberschiebungen   über  un- 
abhängige Formen  zu  Stande  kommen. 

13* 


—     196    — 


Ueberschiebung 

Form  der  Covariante 

oder 

r 

c 

wie- 
vielte 

von 

über 

w 

2 

f 

f 

(1^)^ 

icc^)x^ 

2 

2 

2 

.3 

f 

f 

*(|7?)3 

(«^) 

2 

3 

■  0 

1 

f 

iU? 

ifnrHÜ) 

(a')a;3 

3 

3 

3 

2 

f 

[Vnf 

*i¥n)HÜ){r]t) 

(«3)0? 

3 

4 

1 

1 

f 

{fn?{Ü) 

*ifn)HÜ)it^) 

{a*]x* 

4 

4 

4 

2 
1 

f 

ifriY 

|*(W(W(fI) 

{a*)x^ 

4 

5 

2 

2 

f 

}  (Tr}y(r&'jHTt){v~^) 

(«*) 

4 

6 

0 

1 

f 

Kfnn 

*(ll)^(W(^»')*) 

(a!5)a;5 

5 

5 

5 

2 

1 

f 

|*(f^)^(W(R(^^) 

{a^)x^ 

5 

6 

3 

3 
2 

f 

|+(i^)^(^)'(TH)(^){^^) 

{ci^)x 

5 

7 

1 

Von  Formen  höherer  Ordnung  fehlen  in  dieser  Tabelle 
(in  der  die  abhängigen  Formen  durch  einen  Stern  hervor- 
gehoben sind)  nur  noch  die  üeberschiebungen  über  die 
S.Potenz  von  (|?^)^  und  die  zweite  von  (^j^)'(|^),  weil  diese 
Potenzen,  wie  unten  gezeigt  wird,  abhängige  Formen  sind, 
und  die  üeberschiebungen  von  (|?y)^(|^)  über  sich  selbst  und 
über  das  Quadrat  von  (^r/)-. 

1)  Wir  betrachten  zunächst  die  Form 

die  Hesse'sche  Determinante  der  Function.    In  andrer  Bezeich- 
nung, mit  Null  gleichgesetzt,  lautet  sie: 


*)  Diese  Form  ist  sofort  als  abhäogige  zu  erkenuen  uach  Nr.  83, 
Regel  3.  Von  den  folgenden  beiden  wird  nur  die  letzte  in  Bezug  auf 
ihre  Unabhängigkeit  untersucht  zu  werden  brauchen. 


—     197     - 

Um  ihre  geometrische  Bedeutung  zu  finden,  multiplicireu 
wir  die  Gleichungen  (9),  nachdem  wir  sie  auf  die  Form 
gebracht : 

y-  =  ax-^     x^  =■■  ay , 
und  erhalten 

{xijf  =  a^{xy) 

oder,  falls  nicht  x  und  y  zusammenfallen,  durch  Weglassung 
des  Factors  {xy): 

(10)  {xy)  =  a\ 

Demnach  repräsenUrt  a-  diejenigen  zivei  Ptmlcte,  ivclchc  in 
Bezug  auf  einander  harmonische  Centra  erster  Ordnung  zu  der 
Punldreihe  a  sind,  und  a-x^  =  0  ist  die  Gleichung  dieser  PunJcte. 
Eine  weitere  Eigenschaft  dieser  beiden  Punkte  ergiebt 
sich  durch  folgende  Betrachtung:  Es  seien  XYZ  die  drei 
durch  a  vorgestellten  Punkte.  Construiren  wir  zu  jedem  der- 
selben den  vierten  harmonischen  Punkt  in  Bezug  auf  die 
beiden  andern,  sodass  X^  zu  X,  Yj  zu  Y  und  Z^  zu  Z  con- 
jugirt  ist,  dann  ist,  nach  Nr.  90  (6)  und  der  darauf  folgenden 
Erklärung 

(11)  X  =  {YZ)Xr,     Y={ZX)Y^;    Z={XY)Z,; 
multiplicirt: 

{XYZ)^{YZ){ZX){XY).{X,Y,Z,)  =  {XYZf.{X,Y,Z,), 
oder,  wenn  wir  X,  Y^Z^  durch  a    bezeichnen: 

a  =  (a^)  .  a'] 

d.  h. :  jeder  der  Punkte  a  ist  vierter  harmonischer  Punkt  zu 
dem  entsprechenden  Punkte  a  in  Bezug  auf  das  Paar  «-. 
Das  Paar  a^  ist  also  harmonisch  mit  jedem  der  drei  Paare 
(XXj),  ( YFj"),  {ZZ^),  und  ist  das  Doppelpunldpaar  der  durch 
jene  Paare  gebildeten  Involution.    Vgl.  Nr.  38. 

Es  mag  noch  beachtet  werden,  dass  die  Hesse'sche  üeter-  . 
minante  der  Hesse'schen  Determinante  gleich  [(a"')"^]  =  (ß^)  ist. 

2)  Wir  betrachten  ferner  die  Form:  101. 

{üym), 

oder  in  anderer  Bezeichnung,  und  gleich  Null  gesetzt: 

(«3)^3^0. 


—     198    — 

Die  geometrisclie  Bedeutung  von  a^  findet  sich,  wenn  wir, 
Avie  oben,  a  =  XY Z  setzen.     Dann  können   wir   schreiben: 

«3  =  (YX)Z  .  {ZY)X  .  (XZ)Y. 

Vertauscht  man  aber  in  jeder  der  Formeln  (11)  die  beiden 
Punkte  jedes  conjugirten  Paares  mit  einander,  so  folgt: 

X,  =  iZY)X-     Y,  =  {XZ)Y',     Z,=^{YX)Z', 
mithin  ist 

(12)  o?  =  {X,Y,Z,)', 

d.  h. :  Die  Covariante  d^x'^  =  0  stellt  die  drei  Funkte  dar, 
ivelche  man  erhält,  wenn  man  zu  jedem  der  Punltte  a  den 
vierten  harmonisclien  PtinM  in  Bezug  auf  die  beiden  anderen 
bestimmt. 

3)  Die  dritte  der  zu  betrachtenden  Fornjen  ist 

oder  in  andrer  Bezeichnung,  und  gleich  Null  gesetzt: 

(«4)  =  0. 

Sie  ist  hiernach  mit  der  oben  gefundenen  Hesse'schen  Deter- 
minante der  Hesse'schen  Determinante  identisch.  Ihr  Ver- 
schwinden bedeutet^  dass  das  Punktepaar  {er)  in  einen  Punkt 
zusammenfällt.  Mithin  werden  die  vierten  harmonischen 
Punkte  (XjFjZj)  zu  diesem  Punktepaar  und  den  Punkten 
XY^  unbestimmt.  Da  aber  Xj,  Yy,Zy  auch  die  vierten  har- 
monischen Punkte  zu  den  Gruppen  (XF),^;  {YZ),X',  {ZX),Y 
sind,  so  müssen  irgend  zwei  von  den  PimMen  XYZ  zu- 
sammenfallen, und  dies  ist  die  geometrische  Bedeutung  der 
Invariante  («*). 
102.  Beduction  auf  die  Stammformen.  —  Alle  Covarianten  der 

Function  lassen  sich  aas  4  —  2  -|-  1  =  3  Stammformen  ab- 
leiten, von  denen  eine,  9)q  die  Function  selbst  ist.  Es  ist 
ferner  nach  Nr.  92: 

(13)  («2)^2  _(|-y._  29^2, 

mithin  (^tj)'  die  zweite  Stammform.  Gehen  wir  in  der  Reihe 
der  oben  aufgestellten  Covarianten  weiter,  so  findet  sich 

(a^-)  =  (1^)3  =  0, 

nach  Nr.  83,  Regel  2.     Sodann : 


—     199    — 

oder  mit  Weglassung  der  Glieder,  die  einen  Factor  in  der 
ersten  Potenz  enthalten,  und  nach  der  Bedingung  cpi  =^  0 
verschwinden : 

(14)  {a^)x^=il^fiY{U)  =  V  =  <P;- 
Weiter  findet  man: 

(«^)  X  ={iny  öl)  ®  =  -  2  r-'  rf'  +  r^  r^  +  v'  t'  =  o 

(a^)x^  =  (f7/)2(e)(^)  =  -  rg2_^2,^2  _  _  29,,2 

^^ -}-\(a')x'Y*) 

(«4)^2  _  (1^)2(^^)2(1^)  _0, 

weil  die  Vertauschung  von  |  mit  ^  und  von  t^  mit  d-  die  Form 
ungeändert  lässt,  nach  Nr.  83,  Regel  2.     Endlich: 

(«4)  =  (|^)2(f:^)2(|l;)(^)  =  __  (1^)2  (1^)  .  (^ÖH^^) 
=   [|3  -  2^2^  +  7?2|   _   |2.,^  +  2|l?^  -  fj't] 

oder,  ausmultiplicirt,  mit  Weglassung  der  verschwindenden 
Glieder: 

(ß4)__|3^3_2|2^2^2_2^2,^2^2_2^2^2g2_2^'-'>j2^2_^:<^.-5 
=  -29932-89)2^ 

=  -2[(«3)a;3]2  _  [(a2)^2]3^ 

Um  diese  Gleichung  homogen  zu  machen,  müssen  wir  ihre 
linke  Seite  mit  (ax^y  multipliciren,  und  erhalten  schliesslich: 

(15)  [CCX^'^  .  («^)  =  -  2[(a3)a;3]2  _  [(«2)^2]3^ 

oder  in  der  früheren  Bezeichnung: 

(16)  9^0^.  [(W(W(IÖ(^)]  =  -  29)32-89)./'.**)* 
Hiernach  ist  («*)  eine  unabhängige  Form. 


*)  Auch  auf  folgende  Art,  nach  Analogie  von  {^v)(H)  in  Nr.  92, 
zu  finden :  {f^)' (Ü)  (fÖ^)  =  ifn)Hf^)  i^) -  (4l)'  i^~^)^=-i^v)'ii^)  m) 
—  {¥v)'i^^y-  Vertauscht  man  rechts  'C  "nd  &,  und  bringt  das  erste 
Glied    nach    links,    so    folgt:    2 (f^)«  (H)  (?#)  =  —  (|^)M^^)';     oder 

**)  Identisch  mit  den  Formeln  bei  Clebsch  a.  a.  0.  S.  118  (7)  und 
S.  337  unten. 


—     200    — 

Wir  haben  bis  jetzt  nur  die  den  Werthen  r  =  2,  3,  4 
entsprechenden  Covarianten  betrachtet.  Jede  andere  Covariante 
Avird  wieder  in  der  allgemeinen  Form 

enthalten  sein,   worin  r  und  n   durch  die  aus  n  ^=Zr  —  2c 

folgende  Bedingung 

3r  —  n 


2 

zunächst  in  der  Weise  beschränkt  sind,  dass  r  und  n  ent- 
weder gleichzeitig  gerade,  oder  gleichzeitig  ungerade  sein 
müssen,  und  dass  3r^w'  sein  muss. 

Es  können  nun  alle  in  der  so  definirten  Form  a^  x"^  ent- 
haltenen Ausdrücke  auf  eine  oder  mehrere  Weisen  als  Froducte 
aus  folgenden  Formen  dargestellt  werden : 

ax^  \     (oP-)x''-\     {a^)x^  \     (^^)  5 

d.  h.  aus  der  Function  selbst,  und  ihren  bisher  ermittelten 
unabhängigen  Covarianten.  Diejenigen  Formen,  welche  eine 
derartige  Zerlegung  nicht  gestatten,  sind  identisch  gleich  Null. 
Sind  P,,  P2  .  .  .  die  verschiedenen  Zerlegungsweisen  einer 
Form  a^  x""' ,  so  ist 

a'-x''  =  AjPj  +  A2P2  +  .  .  ., 

worin  Aj  A^ .  .  .  reelle  Zahlen  sind.  Um  die  Abhängigkeit  einer 
Form  nachzuweisen,  genügt  es  offenbar,  die  Möglichkeit  einer 
einzigen  Zerlegung  darzuthun. 

Bei  der  Aufstellung  der  verschiedenen  möglichen  Formen 
haben  wir  noch  zu  beachten,  dass,  wenn  nicht  schon  von 
vornherein  zerfallende  Formen  entstehen  sollen,  c  minde- 
stens gleich  r  —  1  sein  muss;  das  Maximum  von  n  ist  also 
3r  —  (r  —  1)  2  =  r-|-  2.  So  erhalten  wir  folgende  Reihen. 
Formen  ungeraden  Grades.  Formen  geraden  Grades, 

[cix^], 

(a^a;),   [a''x%  a'^x^,  (a^),   [^-x"],  {ar-x% 

a^x,     a^x'^,    a^x^,  cc^x"^,  [a^],  (a*x-),    a*x*j  a^x*^, 

a^x,     a'x^,    a'x^,  et' x"^ ,  a^ x"^ ,     a^,      a^x-,      a^x^,  a^'x^,  a^x^, 

Hierbei  ssind  die  unabhängigen  Formen  in  eckige,  die  als 
verschwindende  bereits  bekannten  (incl.  (^  t])  =  a-x*)  in  runde 


—    201     — 

Klammem  geschlossen.  Die  übrigen  lassen  sich  der  Reihe 
nach  als  Producta  von  a^  oder  a^x^  und  einer  bereits  be- 
kannten Form  darstellen  (mit  einziger  Ausnahme  von  a^x), 
und  sind  daher  entweder  abhängige  oder  verschwindende 
Formen  (letzteres  in  dem  Falle,  wo  der  eine  Factor  selbst 
eine  verschwindende  Form  ist.  Der  Ueberschiebungs-Ausdruck 
der  Form  verschwindet  alsdann  nach  Nr.  83,  Regel  2). 

Anmerkung.  In  der  oben  gegebenen  Uebersicht  über  die  den 
Werthen  r  ==  2  bis  5  entsprechenden  Formen  kam  es  wiederholt  vor, 
dass  derselbe  Ausdruck  Resultat  von  mehreren  Bildungen  war.  Es  ist 
hiernach  denkbar  (und  kommt  bei  den  Formen  von  höherem  als  dem 
4.  Grade  wirklich  vor),  dass  verschiedene  Bildungen  auf  unabhängige 
Formen  von  gleichem  Grade  und  gleicher  Ordnung  führen.  Insbesondere 
können  Covarianten  einer  Form  in  Grad  und  Ordnung  mit  Covarianten 
ihrer  eigenen  Covarianten  übereinstimmen,  ohne  doch  mit  ihnen  iden- 
tisch zu  sein.  In  diesem  Falle  verliert  der  Ausdruck  a'x"  seine  Ein- 
deutigkeit, und  seine  Zerlegbarkeit  in  Formen  niederer  Art  erlaubt 
nur  den  Schluss,  dass,  wenn  iü,,  i?2  zwei  gleichzeitig  durch  a' x"'  dar- 
gestellte Bildungen  sind,  eine  Gleichung  von  der  Form 

besteht,  d.  h.  dass  die  eine  unabhängige  Form  i?,  durch  die  andre  i?2 
ersetzt  werden  kann.  Ein  Beispiel  giebt  Formel  (11)  S.  283  bei  Clebsch 
a.  a.  0.    Vgl.  auch  Nr.  85. 

Es  ist  nun  noch  a^x  zu  untersuchen,  oder 

(|^)2(p)2(§^)(^^)(^^). 

Berechnet  man  die  beiden  Theile  (|^)-(5'9')'^  und  (^ ;<)(>;%)  (^;f) 
einzeln,  so  können  alle  Glieder,  welche  ö"  und  %  in  der  ersten 
Potenz  enthalten,  wegbleiben,  und  die  Multiplication  der 
übrig  bleibenden  Ausdrücke  zeigt,  dass  auch  diese  Covariante 
gleich  Null  ist. 

Hiernach  enthält  das  vollständige  Formensystem  der  cu- 
hischcn  binären  Form  nur  vier  Formen,  deren  Charactere  (c) 
in  Abhängigkeit  von  Grad  (n)  und  Ordnung  (/-)  in  folgendem 
Schema  dargestellt  sind. 


% 

0 

1 

2 

3 

1 

2 
3 
4 

6" 

2 

0 
3 

103. 


—     202     — 

ß)  Zwei  Fuuctionen. 
Zwei  Functionen: 

repräsentiren  zwei  Punktetripel  auf  einer  Geraden. 

Covarianfen.    Ausser  den  acht  Formen,  welche  den  beiden 
Functionen,  jede  für  sich  genommen,  angehören,  nämlich: 

ßX^-       {ß^')x^;       OT^3.       (^4), 

sind  noch  sämmtliche  in  Nr.  100  aufgestellten  Ueberschiebun- 
sren  zu  bilden,  und  zwar  so,  dass  die  beiden  Theile  der 
Ueberschiebung  je  einer  Form  angehören.  Dadurch  entsteht 
folgendes  System: 


Uebers 

chiebg. 

Uebers  chiebg. 

1. 

2. 

3. 

1. 

2. 

3. 

von 

über 

von 

über 

ax^ 

ßx^ 

aßx* 

aßx^ 

aß 

a^x^ 

ß'x^ 

a^ß^x^ 

a^ß^ 

ax^ 

ß^x^ 

aß^x^ 

aß^x 

a^x^ 

ß^x^ 

*a^ß^x^ 

a^ß^x 

ct^x^ 

ßx^ 

u^ßx^ 

a^ßx 

a^x^ 

ß^x^ 

*a^ß^x^ 

a^ß^x 

ax^ 

ß^x^ 

tuß^x* 

aß^x^ 

aß^ 

a^x^ 

ß^x^ 

*a^ß^x* 

*a^ß^x^ 

„3ß3 

«3^3 

ßx^ 

*a^ßx' 

a^ßx^ 

a^ß 

a^x^ 

[ß'-x^y 

*a^ß^x''' 

*a^ß^x^ 

a'^ß'x 

ax^ 

[ß'x^]' 

taß*x^ 

*  aß*x^ 

aß^x 

[cc^x^Y 

ß^x^ 

m^ß^x'^ 

*a2|33^3 

a^ß^x 

[a^x^y 

ßx^ 

<:(x'ßx^ 

*a*ßx'' 

a*ßx 

Die  abhängigen  Formen  sind  wieder   durch  einen  Stern 
hervorgehoben.  *) 
104.  Redudion  auf  die  Stammformen.     Alle  Covarianten  des 

Systems  lassen  sich  aus  8  —  2  +  1  =  7  Stammformen  ableiten, 
von  denen  sechs  bereits  bekannt  sind,  nämlich  ^o9'2  9'3^o'^2^3- 
Es  ist  ferner,  wie  früher: 

(|i?)=  iccß)xi  =  (pi  —  iJi] 

und  man  kann  bei  der  Reduction  auf  die  Stammformen  mit- 
telst dieser  Gleichung  eine  der  Formen  cp^  und  i\  eliminireu 
und  die  andere  willkürlich  bestimmen.  Es  ist  dann  {^rj)  selbst 
die  siebente  Stammform.    Nachdem  in  Nr.  94  Formel  (8)  be- 


*)  Vgl.  Clebsch  a.  a.  O.  §.  61. 


—    203     - 

reits  die  Ableitung  von  {^r])'^  gegeben   ist,   möge   hier  noch 
als  Beispiel  die  von  (|?^)^  folgen. 

(^7])'-^  =  g'j  +  3{(pytp.y —  4'i(p2)  — ^'3-  —  Man   erhält  zu- 
nächst durch  die  Substitutionen: 

9^1  =  (^  >?)  +  ti ;    i'i  =  (pi—  (l>?) 

Aehnlich  wie  in  Nr.  94  subtrahirt  man  hiervon : 
und  erhält: 

iw  -  am'  =  9^3  -  ^3  +  H^v)  i<P2  + 12) 

—  [(Pi^  —  ^g)iti{g}i  —  ti)  +  3(9)1 9?,  -  ^1^2)  —  ^\'-^]' 
Man  bestimmt  nun  9),  und  ^j  durch  die  Gleichung: 

oder: 

{^i  —  'PiJ  =  —  3  (9^1 9'2  —  ^'1  ^2) 
in  Verbindung  mit 

9i  —  ^1  =  {in), 

woraus  folgt: 

g'iCT'^  -^2)  =  -  ^[.{U)f-  Mir]); 

ti  (9^2  —  ^^2)  =  —  i  [(I  V)f  —  92  (^  ^)  • 
Die  Hauptgleichung  aber  geht  über  in : 

ilrjf  =  9,3  -  ,^3  +  3(1,?)  (9,,  +  t,)  +  [(^/)1-^ 
oder : 

homogen  gemacht: 

oder  in  andrer  Bezeichnung: 

(2)     cp.-^to'i^vY  =  ^9^3- V'^'3+3(V<P2  +  <'/'2)(i>?) 

Nach  diesen  Resultaten  sind  die  Formen  (|^);  (l>?)^;  (1'?)^ 
sämmtlich  unabhängig. 


*)  Auch  für  Formen  von  höherem  als  drittem  Grade  giltig. 


—     204    — 

Anmerkung.  Für  die  Bestimmung  der  Functionen  qp,  und  ipt, 
welche  in  jedem  einzelnen  Falle  durch  eine  besondere  Gleichung  erfolgt, 
mangelt  es  einstweilen  noch  an  einem  festen  Principe.  —  Andere, 
zwischen  den  Covarianten  bestehende  Beziehungen,  wie  sie  bei  Clebsch 
a.  a.  0.  S.  223  —  228  abgeleitet  worden,  sind  specielle  Fälle  solcher 
Beziehungen,  welche  zwischen  den  Covarianten  binärer  Functionen  von 
beliebigem  Grade  stattfinden,  und  werden  theilweise  in  Nr.  112  ihre 
Erledigung  finden. 

c)  Die  Function  4.  Grades.  (Biquadratische  Form.) 

105.  Die  allgemeine  Form  dieser  Function  ist 

(1)  ax'  =  0, 

oder,  wenn  man 

setzt : 

\u)       Ci ittACC*     — I —  4rOIijj2*^i'  00t)  '~Y~  OfCjjrto^^i**^')"  ~i~  ^     1222     1     2 

l~  ^22'.'2'^2     ^^^^ 

Sic  stellt  eine  viergliedrige  Punhtreilie  oder  einen  viergliedrigen 
Stralenhüscliel  vor. 

Canonisclie  Formen.  Um  für  die  Gleichung  (2)  eine 
canonische  Form  zu  finden,  nehmen  wir  erstens  an,  dass  zwei 
der  dargestellten  Punkte  mit  e^  und  Cj  zusammenfallen.  Dann 
ist  nach  (1): 

oder 

^1111  ^^  ^i       ^2222  ^"^^  ^' 

sodass  Gleichung  (2)  die  Form  annimmt: 

(3)      x^X2{2a^^^2^^'^-{-  3aii22^i^2  +  ^^^22^2^)  =  ^• 
Die  beiden  übrigen  Punkte  der  Function  sind  also  dargestellt 
durch  die  Gleichung: 

Ist  auch  «1122  =  Ö?  ^0  ^^^^  diese  beiden  Punkte  (nach 
Nr.  90)  mit  Cj  und  e^  harmonisch,  und  die  canonische  Form 
reducirt  sich  auf 

1119*^^1         2    "1  1922      1       2  ■   ^  • 

Um  eine  ziveite  canonische  Form  zu  finden,  bezeichnen 
wir    die    vier  Punkte    der  Function    mit  X^  X^  X^  X^ ,    und 


-     205    — 

bestimmen  (analog  mit  Nr.  99)  r',  und  c.^^  durch  die  Be- 
dingungen : 

(4')       ^2  —  -^i        «^a  —  -^2    *"  ^2  —  X3  "'    Cj  —  X4  ' 

gj  —  ^1  _i    ^2  —  ^2    I    <'2  —  ^3    1    ^2  —  ^4  n 

ey-X^'^  e^-X,~^'e\-  X,  "T  e^  _  X4  "  '^• 

Wenn  dann 

(«t  +  «2)^1  =  «1^1  +  «2^2; 

(^, +  d2)X,  =  (y,c, +  ^2^2 
gesetzt  wird,  woraus  folgt: 

Cy  —  X,  tt.2  .       e,  —  X2  ßg 

(4a)  ^2  —  ^t  *^i  '      ^2  —  ^2  ßi  ' 

^1  —  ^3   _^^  72    .          ^1  —  ^4   ^^  ^2 

^2  —  ^3  yi    '          ^2  —  -X^4  ^1    ' 

SO  gehen  die  Gleichungen  (4)  über  in 

«.  ^  ß.  ^  yi  ^  ^1  ~     '     C.2  ^  (?2  ^  y2    ^  ^2  ~ 

Multiplicirt  man  die   zweite   derselben  mit  -^^-^^     so  lau- 

tet  sie: 

^   y2    ^   I   y2    ^    ^  _i_  *^2    o^J    ^21^    f 2    Zi  ^^  0 
(?.  ■  yi  ■  <yi  "^  yi  ■  ^1  '  «1  "^  ^,  '  «.  *  (Ji  "^  ''i  *  Pi  '  yi 

Nun  sind  ^,  §^,  — ,  ^  als  Coordinaten  der  Punkte  X,  X,XoX. 

ort'    (?,'    y,'    <y,  12      3      4 

die  Wurzeln  der  Gleichung  (2).  Mithin  sind  die  beiden  letzt- 
erhaltenen Gleichungen  gleichbedeutend  mit 

(5)  «111,^  =  0;     «,222  =  0. 

Bestimmt  man  also  die  Punkte  e,  und  e.^  durch  die  Glei- 
chungen (4),  so  lautet  die  canonische  Form  von  (2) 

(6)  «1111^1"'  +  6«,,.,2a;,2:r._,2  _[_  «.^222^2"  =  ^• 
Die  Gleichungen  (5)  können  geschrieben  werden: 

und  dr\icken  auch  in  dieser  Gestalt  die  geometrische  Be- 
ziehung aus,  welche  zwischen  e,  und  62  einerseits  und  den 
Punkten   der  Function   andrerseits   besteht.     Setzt  man  zwei 


—     206     — 

beliebige  Punkte  x  und  y  an  die  Stelle  von  e,  und  e^,  so  ist 
dieselbe  Beziehung  ausgedrückt  durch  die  Gleichungen: 

(7)  a.x^y  =  0'^     a3'Aß  =  0. 

Da  nun 

4ßa;3  =  /•(');     24aiC  =  p) 

ist,  so  können  die  Gleichungen  (7)  auch  gesehrieben  werden : 

Wir  sagen  demnach  (übereinstimmend  mit  Nr.  99) :  Wenn  a 
eine  viergliedrige  Pmiktreihe,  und  x  ein  heliehiger  Pimli  auf 
derselben  Geraden  ist,  so  ist  ax^  Centrum  erster,  und  ax 
Centrum  dritter  Ordnung  su  der  PunMreihe  a  in  Bezug 
auf  den  Pol  x. 

Damit  also  eine  binäre  biquadratische  Form  sich  auf  die 
canonische  Form  (6)  reducire ,  müssen  die  Punkte  e^  und  e.y  so 
gewählt  werden,  dass  jeder  von  ihnen  harmonisches  Centrum 
erster  Ordnung  2u  der  PunJitreihe  a  ist,  in  Bezug  auf  den 
andern  als  Pol. 

Bemerkenswerth  ist  noch,  dass  die  Gleichungen  (4)  auch 
befriedigt  werden  durch  das  System 

(8)  'i^l^^+^LZlZi^O;     ^L^+ ^1^11^  =  0. 

Denn  durch  Addition  dieser  Gleichungen  erhält  man  die  obere 
der  Gleichungen  (4),  und  da  die  eben  aufgestellten  Gleichungen 
auch  geschrieben  werden  können 

^2  —   X,       ,       gj  -^2    __   Q ,  ^2  ^3       [       ^2  ~  ^4    __   Q 

'       />.  —  IT.     '     p.  —  y.  ' 


ei  —  X,    '    e,  —  Xa  '      <>,  —  X3    '    e,  —  X4 

so  zeigt  sich,   dass   man   durch  Addition  dieser  Gleichungen 
auch  die  untere  (4)  erhält. 

Durch  das  System  (8)  sind  aber  e^  und  e.^  als  Doppel- 
punkte der  durch  die  4  Punkte  der  Function  gegebenen  Invo- 
lution bestimmt.  Es  reicht  cdso  diese  Bestimmung  zur  Her- 
stellung der  canonischen  Form  (6)  aus. 

In  einem  speciellen  Falle  gestattet  die  Form  (6)  noch 
eine  weitere  Vereinfachung.  Dieselbe  tritt  ein,  Avenn  die 
vier  Punkte  der  Function  so  beschaffen  sind ,  dass 

^1122  ""^^  ^* 
Die  cauonische  Form  ist  dann 

(9)  ß,,,,a:,4  + «2222  V  =  <^- 


—     207     — 

Nun  haben  wir  oben  gesehen,  dass,  wenn  «,,22  =  0  ist,  das 
eine  Punktepaar  der  Function  mit  dem  anderen  (oben  e^  und  e^) 
harmonisch  ist.  Diese  geometrische  Beziehung  der  vier  Funkte 
ist  also  die  Bedingimg  für  die  Vereinfachung  der  Gleichung  (6) 
auf  die  Form  (9).  *) 

Covarianten.    Zur  vorläufigen  Uebersicht  mögen  alle  den  106. 
VVerthen  r  =  2  und  3   entsprechenden   Bildungen  aufgestellt 
werden,   soweit  dieselben  durch  Ueberschiebungen   über  un- 
abhängige Formen  zu  Stande  kommen. 


üeberschiebung 

Form 
der  Covariante 

oder 

r 

c 

wie- 
vielte     ^«^ 

über 

M 

1 
2            f 

f 

(f^)^ 

(a2)a;t 

2 

2 

4 

3            f 

f 

^ifriY 

(a2)a;2 

2 

3 

6 

4            f 

f 

{¥ny 

(cc^) 

2 

4 

0 

1            f 

ifri)- 

(friyiH) 

(«3)  a;« 

3 

3 

6 

2            f 

iur- 

*{^riyiU)' 

{a^)x* 

3 

4 

4 

3            f 

(ü? 

*{^v)'iU)'{nt) 

(a3)a;2 

3 

5 

2 

4            /• 

iVv)' 

i^nnur-iv^r 

(«3) 

3 

6 

0 

*)  jlntZere  Ableitung  dieses  Resultates.  —  Wenn  das  Paar  XiX^ 
gleichzeitig  mit  X3X4,  und  mit  ei^j  harmonisch  ist  (die  zweite  An- 
nahme kann  stets  gemacht  werden)  dann  ist  nach  „Raumlehre"  Nr.  170 
(am  Schluss): 


^1 


X^       Ci  —  X^ 


e,  -  X 


ea  —  X4 


oder,  mit  Rücksicht  auf  (4a) 

^ '  «,  •  ßj  -^  y,  •  d, 

Ferner  liefert  die  Annahme,  dass  XfX,  mit  X3X,  harmonisch  ist,  für 
sich  allein  die  Gleichung: 


=  0. 


oder: 


—     208     — 

Die  abhängigen  Formen  sind  in  dieser  Tabelle  wieder 
durch  einen  Stern  hervorgehoben.  Die  Formen  höherer  Ord- 
nungen sind  weggelassen,  weil,  wie  sich  unten  zeigen  wird, 
nur  noch  eine  derselben,  nämlich  die  vierte  Ueberschiebung 
von /"über  (1^)2(11)  [in  Zeichen:  {f^y- (t^f  {U)Hv^)  =  {c^')  x""] 
einer  besonderen  Untersuchung  bedürfen  wird. 

1)  Wir  betrachten  zunächst  die  Form 

die   Hesse' sehe  Determinante  der   Function.     In    anderer    Be- 
zeichnung, mit  Null  gleichgesetzt,  lautet  sie: 

(a2)a;4  =  0. 
Um  ihre  geometrische  Bedeutung  zu  finden,  bestimmen 
wir  zu  je  dreien  der  vier  Punkte  {XYZU)  der  Function  die 
vierten  harmonischen  Punkte  (Xj  Y,  Z^  U^),  sodass  (nach  Nr.  90, 
Formel  G) 

X={UZ)Y,',     Y={XZ)Ur, 
Z=(UY)X^;     U--={XY)Z,. 
Durch  Multiplication  dieser  vier  Gleichungen  erhält  man: 

{XYZU)  =  {UZ){XZ){UY){XY)  .  {X,Y,Z,  ?7,); 
oder,  wenn  man  {X^Y^Z^  ü^  =  a   setzt: 

a  =  {a~)a. 
Wenn  nun  oben  ax  harmonisches  Centrum  dritter  Ord- 
nung zu  der  Punktreihe  a  in  Bezug  auf  den  Pol  x  war,  so 
können  wir  jetzt  sagen:  Jeder  der  PunJäe  cc  ist  harmonisehes 
Centrum  dritter  Ordnung  mi  der  Punlctreihe  (cc-)  in  Bemg  auf 
den  entsprcehenden  Punlt  a    als  Pol. 


oder  wegen  (a) 

^   ^  «1    *   71  ßi       Vi  '^   «.        d\   "^"   ß,    ■    d\ 

Durch  Additiou  von  (a)  und  (b)  aber  erhält  man 

«1122    =    0- 

Da  ferner  Cie^  mit  XjXj  harmonisch  ist,  so  ist,  wenn  man  6,^2  durch 
die  fernere  Bedingung  bestimmt,  dass  es  auch  mitXjX^  harmonisch  sei, 

0^1112   ==   0;      «^1222   =   o> 

wie  schon  oben  gezeigt  wurde;   mithin  ist  durch  diese  Annahmen  die 
Form  (2)  auf  (9)  reducirt. 


—     209    — 

2)  Wir  betrachten  ferner  die  Form  107. 

(i^r(il), 

oder  in  andrer  Bezeichnung,  und  gleich  Null  gesetzt: 

Ihre  geometrische  Bedeutung  ergiebt  sich  unmittelbar,  wenn 
wir  («3)  in  der  Form  schreiben: 

M  =  [{XY){ZU)]  .  [(XZ){YU)]  .  [{XÜXYZ)]. 

Es  ist  nämlich  (nach  Nr.  93,  Formel  5)  {XY){ZU)  das  Paar, 
welches  gleichzeitig  mit  {XY)  und  mit  {ZU)  harmonisch  ist. 
Bezeichnen  wir  dasselbe  mit  (^,2-^34),  und  wenden  auf  die 
beiden  anderen  eckigen  Klammern  analoge  Bezeichnungen 
an,  so  ist 

(«3)  =  {A^.,A,,)(Ä^,A^,){Ä,,A,^). 

Bildet  man  also  aus  den  vier  Punkten  der  Function  auf 
dreifache  Weise  je  zivei  Paare,  und  sucht  mi  jedem  der  drei 
Boppelpaare  das  gemeinsame  harmonische  Paar,  so  sind  diese 
drei  neuen  Paare  durch  die  Covariante  {a^)  x^'  =  0  dargestellt.  *) 
Vgl.  Nr.  38. 

3)  Die  dritte  der  zu  untersuchenden  P^ormen, 

{fnY, 

oder  in  andrer  Bezeichnung  und  gleich  Null  gesetzt: 

(a^-)  =  0 
ist  eine  Invariante;  ihr  Verschwinden  drückt  also  eine  zwischen 
den  4  Punkten  der  Function  bestehende  Beziehung  aus.    Wir 
finden  diese  Beziehung,  wenn  wir  sie  in  der  Form  schreiben: 

2(a2)  =  {XY){ZU)  .  {XZ){Yir)  +  {xuy- .  {Y Zf  =^  0 . 


*)  Wenn  man  von  der  Form  (a^).x*  die  Covariante  (|»j)*(^&)*  bil- 
det, so  lautet  dieselbe  (a''')rc'"'.  Dieser  Ausdruck  ist  aber  das  Product 
aus  a'  und  a^x*^,  (weil^  wie  sich  unten  zeigen  wird,  die  andere  Zu- 
sammensetzung aus  u^x*  und  a*x^  wegen  a'a;^  =  0  hinfallig  wird), 
unterscheidet  sich  also  von  a^x^'  nur  durch  eine  Invariante,  und  stellt 
daher  die  nämlichen  6  Punkte  dar,  wie  a^x'''.  In  dieser  Beziehung  liegt 
der  Satz:  Bildet  man  aus  den  vier  Punkten  (a-J  auf  dreifache  Weise 
je  sivei  Paare,  und  sticht  zu  jedem  der  drei  Paare  das  gemeinsame  har- 
monische Paar,  so  erhält  man  dieselben  drei  Paare,  als  tcenn  man  von 
den  Punkten  cc  ausgeht. 

Schlegel,  Elemente.  14 


—    210    — 

Betrachtet,  man  in  dieser  Gleichung  die  Producte  je  zweier 
Buchstaben  als  äussere,  so  stellen  dieselben  Linientheile  vor. 
Ersetzt  man  dieselben  durch  die  entsprechenden  Strecken 
{XY  durch  X —  Y  etc.),  so  geht  die  Gleichung  in  die  Be- 
dingungsgleichung äquianharmouischer  Punkte  über.  (Vgl. 
Nr.  47  am  Schluss.)  Mithin  seigt  das  Verschtvinden  der  In- 
variante («')  an ,  dass  die  vier  FunMe  der  Function  sich  in 
äc[ui  anharmonisch  er  Lage  befinden. 
4)  Die  letzte  Form 

OriYiWivlr', 
oder  in  andrer  Bezeichnung  und  gleich  Null  gesetzt: 

(«3)  =  0, 

ist  ebenfalls  eine  Invariante.  Ihre  geometrische  Bedeutung 
geht  unmittelbar  aus  der  unter  2)  gegebenen  Form  hervor: 

(«3)  =  [[XY){ZU)]  .  [{XZ){Yir)]  .  [{XU)(YZ)]  =  0. 

Diese  Gleichung  wird  nämlich   befriedigt,   wenn  irgend 
einer  ihrer  drei  algebraischen  Factoren  gleich  Null  ist,  z.  B. 

wenn 

{XY){ZÜ)  =  0. 

Diese  Gleichung  sagt  aber  (nach  Nr.  93,  Formel  3)  aus, 
dass  das  Paar  XY  mit  ZU  harmonisch  ist;  mithin  zeigt  das 
Verschwinden  der  Invariante  {a^)  an,  dass  die  vier  Punlie 
der  Function  sich  auf  irgend  welche  Weise  in  harmonischer 
Lage  heßnden. 
108.  Bcduction  auf  die  Stammformen.  —  Alle  Covarianten  der 

Function  lassen  sich  aus  5  —  2  -}-  1  =  4  Stammformen  ab- 
leiten, von  denen  eine,  q)^  die  Function  selbst  ist.  Es  ist 
ferner 

(10)  (a'')xi  =  {ftjY  =  29?2;        (Nr.  102,  Formel  13). 
[a^)x''  =  {Irjy  =  0;  (Nr.  83,  Regel  2). 

(11)  {a'^)x''  =  il^ViU)  =  (p-i-,  (Nr.  102,  Formel  14). 
Weiter  ist 

=  fPi  +  69^2*  +  ^'-i; 

(IIa)  {a''-)  =  {f^y  =  2{cp,-\-3<p,^). 


—     211     — 
Hieraus  folgt: 

oder,  homogen  geniacht: 

oder  iu  andrer  Bezeichnung: 

(12)  ^4  =  i9'oHa'-3g),,2; 
oder: 

(13)  i9'o'(f^)*  =  9^4  +  3g>./,*) 

wodurcli  sich  {^f})*  als  unabhängige  Form  kennzeichnet. 

Die  nächste  Form  ist  (vgl.  das  Beispiel  in  Nr.  85.  Anm.) 

=  1(^4  +  392^)  =  iM, 
oder,  homogen  gemacht: 

also  eine  abhängige  Form. 
Die  nächste  Form 

verschwindet  nach  Nr.  83,  Regel  2,  wie  sich  zeigt,  wenn  man 
rj  mit  t,  vertauscht.     Es  bleibt  noch  zu  betrachten: 

Bei  der  Multiplication  der  ersten  beiden  Klammern  können 
die  Glieder,  welche  |  in  erster  Potenz  enthalten,  wegbleiben. 
So  erhält  man: 

(fr')=(i^-2|3^-2r7?+4r-^e+r-^^+r'r'+'?-r')(T-2»?^+^-) 

( 1 3a)    (a^)  =  G ^4  g).2  —  G 95.5-  —  G q).,^ . 

V(«3)  =  i(«2)[(«2)a;^J  -  |[(a2)a,'M^-  [(a3^a;«r--  i[(«')^']' 


*-J  Identisch  mit  der  zweiten  Formel  auf  S.  ;^37  bei  Clebsch  a.  a.  0. 

14* 


—    212     — 
oder,  homogen  gemacht: 

i  [CC^]  \_aX*f  =  i  («2)  [(«2)^4]  ^  [-«^4p  _  A  [(«2^  x*f  -  [(«»jiC^J^, 

oder  in  andrer  Bezeichnung: 

(14)   icp,^ .  (a2(IT)'^(^Tr-  =  9^0^ .  cp.ifnY  -  4.<p.^  -  <p,V) 

wodurch  («^)  als  unabhängige  Form  nachgewiesen  ist. 

Die   übrigen    aus   der  Function    ableitbaren   Covarianten 
lassen  sich  entweder  als  Producte  der  Formen 

aX^,    {CC-')X\    («2),    («3)^0^    («3) 

darstellen,   oder   sind,   sofern   sie   diese  Zerlegung   nicht  ge- 
statten,  gleich   Null.     Wir  erhalten    mit  Rücksicht    auf   die 
Bedingung,  dass  das  Maximum  von  n   gleich  Ar — (r —  1)2 
=  2r-\-2  ist,  die  Reihen: 
[ax*], 

[«2]^       («2-^2)^     [«2^4]^    («2^6)^ 

[«3],     (a^x"^),  a^x^,      [cc^x*^], 


a^x"^,      a^x*,      a'^x^,      a^x"^,  a^x 


10 


worin  die  unabhängigen  Formen  in  eckige,  die  bereits  als 
verschwindend  bekannten  (incl.  {i,r})  =  a'^x''')  in  runde  Klam- 
mern geschlossen  sind.  Es  ist  ferner  a^x*  bereits  als  ab- 
hängig nachgewiesen.  Alle  übrigen  Formen  aber  sind  als 
Producte  früherer  Formen  darstellbar,  mithin  theils  abhängige, 
theils  verschwindende  Formen  (letzteres  in  dem  Falle,  wo 
der  eine  Factor  selbst  eine  verschwindende  Form  ist.  Der 
Ueberschiebungs- Ausdruck  der  Form  verschwindet  alsdann 
nach  Nr.  83,  Regel  2). 

Hiernach  enthält  das  vollständige  Formensystem  der  'bi- 
quadratischen binären  Form  nur  fünf  Formen,  deren  Cha- 
ractere  (c)  in  Abhängigkeit  von  Grad  [n)  und  Ordnung  (r) 
in  folgendem  Schema  dargestellt  sind: 


%l  0 

2 

4 

6 

1  1 

2  4 

3  (    6 

0 
2 

3 

^)  Identisch  mit  der  zweiten  Formel  auf  S.  143  bei  Clebsch  a.  a.  0. 


—    213    — 

Unter  eleu  abliäugigeu  Formen  verdieueu  noch  zwei  eine  109. 
nähere  Betrachtung. 

1)  {cc^)x^,  ein  Theil  der  dritten  Ueberschiebung  von /"über 

{^*])'{^t)'  —  Nach  der  bei  den  cubischen  Formen  gegebenen 
Uebersichtstabelle  ist 

und  nach  Nr.  102,  Formel  16  ist  (ohne  Homogenität): 

{ai)x'  =  ~2(p.;'—8(p.^. 

Hiernach  wäre  {a*)x^  eine  unabhängige  Form,  da  man  zur 
Herstellung  der  Homogenität  links  qp^^  hinzufügen  nuiss.  Wir 
können  aber  {a^)x^  durch  die  invarianten  Bildungen  (IIa) 
und  (13a)  der  Nr.  108  ausdrücken.  Zu  diesem  Zweck  addiren 
und  subtrahiren  wir  rechts  2q).yq)^  und  erhalten: 

(«^)^'  =  2(^2  9^4  —  993-  -  cpJ)  —  2(p,  (gp,  +  39)2^), 

oder,  nach  Formel  (IIa)  und  (13a)  Nr.  108: 

oder,  homogen  gemacht: 

(15)  («^)^^  =  9'o^-9'2M- 

Es  liegt  also  hier  der  Fall  vor,  dass  ein  Ausdruck,  wel- 
cher den  Stammformen  gegenüber  unabhängig  erscheint,  als 
abhängige  Function  andrer  Formen  darstellbar  ist.  Combinirt 
man  bei  der  Herstellung  der  Ueberschiebung  die  Buchstaben 
anders  als  oben,  so  entstehen  Formen,  die  gleichfalls  durch 
(a*)x^  ausgedrückt  werden,  sich  aber  sogleich  als  abhängige 
Formen  darstellen,  indem  sie  entweder  in  9?o(a^)  oder  in  q>i{ct^) 
übergehen.  Es  verdient  bemerkt  zu  werden,  dass  «^ic^  un- 
mittelbar die  Zerlegungen  {a-^){ax^)  und  {d'){a-x*)  liefert. 

2)  (a^),  die  sechste  Ueberschiebung  von  (^)^)2(|g)  über 
sich  selbst.  Aus  der  Form  dieser  Invariante  schliessen  wir 
auf  eine  Zerlegung  von  folgender  Gestalt: 

(«'0  =  A[(a2)]3-f  i^[(a^')P. 

Für  den  Fall,  dass  {a}')  gleich  Null  ist,  wird  man  haben: 

l^Z  _  _  A 


—     214     — 

Wenn  die  Function  f,  statt  auf  (e,,  e.^,  auf  zwei  andere 
Punkte  (fj,  fj)  bezogen  wird,  so  ist  nach  Nr.  78: 

wobei  z/  der  Modulus  der  Transformation  (nach  Nr.  012)  ist. 
Um  nun  die  beiden  Ausdrücke 

auf  das  neue  Punktsystem  zu  beziehen ,  hat  man  jedem  alge- 
braischen Factor  noch  z/  als  Factor  hinzuzufügen;  daher 
geht  über 

(«2)  in  («2)  ^'5  («3)  in  («3)^6. 

[a^f    in    [«2J3^12.       ^^3-]2    ijj    («3)^12. 

mithin  bleibt  der  Ausdruck  ^  3'  bei  der  Transformation  gänz- 
lich unverändert  (während  sonst  eine  Potenz  des  Modulus  der 
Transformation  hinzutritt).  Dieser  Ausdruck  heisst  daher  eine 
absolute  Invariante .  Er  ist  also  A^on  den  Coefficienten  aj,,j  etc. 
der  Coordinatengleichung  von  /'  durchaus  unabhängig,  und 
besitzt  einen  absoluten  Zahlenwerth,  der  sich  lediglich  nach 
der  gegenseitigen  Lage  der  vier  durch  die  Function  dar- 
gestellten Punkte  richtet.  Wir  wollen  diesen  Werth  bestim- 
men für  den  Fall  dass  zwei  dieser  Punkte  zusammenfallen. 

Wenn  wir  zu  diesem  Zweck  auf  die  erste  der  oben  auf- 
gestellten canonischen  Formen  zurückgehen,  so  finden  wir, 
dass,  wenn  e^  und  e^  das  eine  der  beiden  Punktepaare  ist, 
das  andre  durch 

^1112'^l     ~l       2    ^'^1I22"^1  "^2      \      ^1222"^2     ^^^  ^> 

oder  in  kürzerer  Bezeichnung  durch 

(16)  a^x{^  -\-    -  a.^x^x^  -\-  a.^x.^  =  0 

ausgedrückt  ist.     Man  findet  ferner: 

(17)  {a"^)  =  2 (3 «2'  —  4a^a3)  ;     (a^)  =  6a2(2aia._^  —  a,^)- 

Soll  nun  (16)  ein  Paar  zusammenfallender  Punkte  ausdrücken, 
so  muss  die  linke  Seite  dieser  Gleichung  ein  vollständiges 
Quadrat  sein;  d.  h.  man  muss  haben 

\a2  =  2yaia^, 


—    215    — 
oder 

(18)  «,-'==  y  «j  «3 . 

Dieser  Werth,  iii  (17)  eingesetzt,  giebt: 


(fr)  =  -  «1  «3  ;     {k'^)  =  8  ^«,  «3  .  -  «^  «3  =  -^  (rt,  «3)  - ; 
denmaeb : 

[«•^J^  =  -^  (a,  a,y  ;      [a^f  =  f-  («,  «3)^  ; 
WY  _  a 

Hiernach  ist 

(«6)  =  [a2]3  _  6  [a^J2 

diejenige  Invariante   der  Function,    deren  Verschivinden   das 
Zusammenfallen  von  siveien  ihrer  Funlde  bedeutet. 


Diejenige  Invariante  einer  binären  Function,  welcbe  110. 
diese  Eigenschaft  besitzt,  heisst  ihre  Discriminante.  "Da  nun 
n  Punkte,  von  denen  zwei  zusammenfallen,  in  Wirklichkeit 
nur  n — 1  verschiedene  Punkte  vorstellen,  so  folgt,  dass  das 
VerscliAvinden  der  Discriminante  einer  Function  ax"  =  0  mit 
der  gleichzeitigen  Geltung  der  Gleichungen 

f=ax''  =  0-^    fW  =n  .  ttx"-^  =  0 

zusammenfällt.   Aus  der  zweiten  dieser  Gleichungen  folgt  nun 

/'j  =  n  .  «ic^^^Ci  =  0;    /a  =  waa^^-^ßj  =  ^• 

Eliminirt  man  zwischen  diesen  beiden  Gleichungen  ic,  und  x^, 
so  bleibt  eine  zwischen  den  Coefficienten  der  Gleichung  /'  =  0 
bestehende  Gleichung,  welche  mit  der  gleich  Null  gesetzten 
Discriminante  identisch  ist.  Nun  ist  nach  Nr.  70  das  Resultat 
der  Elimination  der  Variablen  aus  zwei  Gleichungen  vom 
m.  und  n.  Grade  eine  Gleichung  vom  Grade  m  +  n  in  den 
Coefficienten.  In  unserem  Falle  also,  wo  diese  Summe  gleich 
2(« —  1)  ist,  wird  die  Ordnungszahl  der  Discriminante 
r  =  2(n  —  1)  sein".  Wir  können  daher  auch  sagen :  Wenn 
cix'^  =0  eine  binäre  Function  n.  Grades  ist,  so  ist  ihre 
Discriminante  eine  Invariante  von  der  Form 


—    216    — 

Hiernach  sind  die  Discriminanteu  der  quadratischeu,  cubischeu 
und  biquadratischen  Form  resp.  ausgedrückt  durch 

«2,    a*j    a^. 
Für   alle  drei  Formen   ist   oben   die   geometrische  Bedeutung 
ihres  Verschwindens  bereits  nachgewiesen  worden. 


111.  Wir    schliessen    hiermit    die    systematische    Betrachtung 

specieller  binärer  Functionen.  Die  für  das  vollständige  Formen- 
system der  cubischen  und  biquadratischen  Function  gegebenen 
kleinen  Tabellen  lassen  eine  gesetzmässige  Anordnung  der 
unabhängigen  Formen  nicht  erkennen,  da  die  Zahl  der  For- 
men zu  gering  ist.  Dass  aber  ein  solches  Gesetz  existirt, 
wird  wahrscheinlich,  wenn  man  in  den  bei  Clebsch  a.  a.  0. 
auf  Seite  277  u.  296  gegebenen  Tabellen  des  Formensystems 
der  Functionen  5.  u.  6.  Grades  jede  Form  durch  ihren  Cha- 
racter  bezeichnet,   was  mittelst  der  Gleichung  n  =  rn  —  2c 


oder  c  = 


leicht  ausführbar  ist.     Diese  Tabellen  neh- 


men dann  folgende  Gestalt  an: 

Vollständiges  Formensystem  der  Function  fünften  Grades. 


IM-^-* 

-3,-2|-r|  0 

1   2 

3  [4 

5 

6 

7 

8 

9 

1 

0 

2 

4 
5 

4 

2 



6 
11 

8 

5 

7 

3 

■ 

10 

12  ; 

9 

6 
7 
8 
9 
10 

16 

18 

20 

(25) 

17 

14 
19 

21 

13 

15 

22 

24 

26 

23 

11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 

29 

31 

28 

30 

27 



135 

34 

33 

32 

• 

37 

36  1 

40 

42 

39 

41 

38 

44 

^3 

45 

—     217     — 

In  dieser  Tabelle  sind  die  Formen  mit  negativem  n  des 
Zusammenhanges  wegen  hinzugefügt.  Der  Wertli  c  =  25 
liefert  eine  abhängige  Form. 

Vollständiges  Formensystem  der  Function  sechsten  Grades. 


n  = 

\ 

1-6 

-4 

-2 

0 

2 

4 

6 

8 

10 

12 

1 

6 

4 

0 

6 
9 

! 

3 

2 

2 
5 

7 

3 

4 

12 

8 

10 

5 

16 

18 

14 

(17) 

13 
19 

15 

11  1 

6 

20 

i 

1    ! 

7 

24 

22 

(21) 

8 

i  9 
10 
11 
12 

36 

26 
32 
38 

28 
31 

(27) 
30 

23 
29 

25 

34 
37 

(33) 

35 



13 

41 

(39) 

14 
15 

43 

45 

Ueber  die  Formen  mit  negativem  n'  vgl.  oben.  Die  ein- 
geklammerten Formen  sind  abhängige.  Zwei  Formen  haben 
den  Character  6. 

In  beiden  Tabellen  muss  mau  die  Formen  von  geradem 
und  diejenigen  von  ungeradem  Character  für  sich  allein  ver- 
folgen. 


d)  Beziehungen  zwischen  den  Covarianten  einer  oder  mehrerer 
Functionen  n.  Grades. 

Ausser  den  Beziehungen,  durch  welche  die  Covarianten  112. 
einer  Function  mit  den  Stammformen  verbimden  sind,  exi- 
stiren  noch  mannigfache  andere  Beziehuugen  zwischen  den 
ersteren,  von  denen  oben  gelegentlich  Beispiele  gegeben 
wurden.  Wählt  man  zur  Bezeichnung  einer  Cova'riante  die 
Form  (^r]y(^^y .  .  . ,  so  kann  man  diese  Beziehuugen  un- 
abhängig von  dem  Grade  der  gegebenen  Function  dadurch 
herstellen,  dass  man  irgend  einen  Factor  (^rj)  als  Differenz 
(5 — tj)   schreibt,    dieselbe  durch   Einführung  eines  anderen 


—     218    — 

Buchstabens  g  iii  (|  —  ^)  —  (i?  —  ^)  oder  (|  _  ^)  +  (g  _  rj) 
verwandelt,  und  in  der  gegebenen  Co  Variante  (Itj)  durch 
(^t)  —  iv^)  i'esp.  (l^)-f-(^/?)  ersetzt.  In  einer  so  erhalteneu 
Formel,  welche  für  ein  System  von  soviel  gleichzeitig  ge- 
gebenen Functionen  gilt,  als  sie  verschiedene  Buchstaben 
enthält,  kann  man  nun  Buchstaben  einander  gleich  setzen, 
und  solche  Glieder  der  Gleichung,  welche  durch  Vertauschung 
zweier  gleichgesetzter  Buchstaben  in  einander  übergehen,  ver- 
eiuigeu.  In  jedem  einzelnen  Falle  wird  mau  schliesslich  die 
Formel  auf  die  bekannte  Art  homogen  macheu. 

Beispiele: 

cc)  r  =  3. 

l)c=l.   -  ari).    Manhat(^->j)=(|-0  +  (e->y); 
also :  (^  rf)  =  (ß,  ^)  -{-  (^  rf) ,  oder  (als  Grundformel) : 

homogen  gemacht,  wenn  gpg,  ip^,  %^^  die  zu  |,  )^,  g  gehörigen 
Functionen  sind: 

2)  c  =  2.  -  {uy  =  liU)  -  {nt)?  =  {Uy  +  {rilf 

—  2  (i  rf)  (r] ^).    Andere  Zerlegung :  (^ tj)''  =  (| r]) [(^£;)  —  (ij g)] 

Die   erste   dieser  Formeln   geht   für  rj  =  t,  über  in  (rj^)- 
=  2(|'»^)('>j^j;   die  zweite  für  ^  =  rj  in  die  gleichbedeutende: 

3)  c  =  3.   —    (^^)'.     Man  kann  einen,  oder  zwei,   oder 
alle  drei  Factoren  auflösen.     Die  beiden  ersten  Fälle  geben: 

arjY  =  i^rjY  a ^)  -  i^vy  m ;   ^id  (i^)^  =  (g^)  {uy 


*)  Die  Ableitung  dieser  Grundformel  mag  liier  noch  auf  einem 
zweiten  Wege  ausgeführt  werden,  welcher  den  Vorzug  hat,  dass  er 
auch  hei  Functionen  höherer  Stufe  zum  Ziele  führt.  Die  Grössen  (x^), 
{XT}),  (x^)  sind  nach  Nr.  81  gleich  Null;  mithin  ist  auch 

{x^)(xr}){x^)  =  0, 
oder: 

ix^)x^rit)  +  [xri)xHn)  +  {x  ^)  x"- {^  r,)  =  0, 

oder,  durch  x^  dividirt,  und  mit  Ersetzung  von  (x'|),  [xr]),  (x^)  durch 
ihre  resp.  Werthe  qpp,  ipo,  xo- 


—     219    — 

-2arj)(M){r]i)-\-ayi){^ay-  Hieraus  folgt:  2(i^)(|£;)(i;g) 
+  {l^iYiU)  -  ilri){Ur  =  (lr]){rity  -  avfivt).  oder,  rla 
man  statt  arjfiU)  -  it>])m''  wieder  (|>j)(|^)(^;)  schreiben 
kann,  (|  r])  (|  t)  iv  t)  =  (^  *?)  in  ^f  —  (I V)''  iv  b-  Man  würde  diese 
Formel  auch  erhalten,  indem  mau  die  der  vorigen  Nr.  mit  (rj^) 
multiplicirte. 

4)  c  =  4.     Sei  (^ri)-  {^t,)  (rjt,)   gegeben.     Löst  mau  (^rj) 

auf,  so  folgt:  övymivt)  =  {fn)m'int)  +  Oä)m){ri^r 

Da  die  beiden  Glieder  rechts  durch  Vertauschung  von  |  und  t] 
in  einander  übergehen,  so  hat  man  schliesslich: 

Für  zwei  cubische  Functionen  ist  diese  Formel  gleich- 
bedeutend mit  einer  der  beiden,  bei  Clebsch  a.  a.  0.  S.  223 
unter  Nr.  5  gegebenen,  jenachdem  man  rj  durch  |  oder  |  durch 
rj  ersetzt. 

ß)  r  =  4. 

1)  c  =  2.  Wenn  man  die  Grundformel  des  vorigen  Falles 
in  der  homogenen  Form  yx'^i^rj)  -j-  KX"{y]^)  -f-  ß^'"^(ti)  =  0 
schreibt,  und  mit  einer  neuen  Function  dx^~'^  multiplicirt, 
so  folgt:  yöx^'^-^^r])  +  ccdx^^-^{7]^)  +  ßdx^'^-^t^)  =  0, 
oder,  wenn  ■0'  der  neuen  Function  entspricht: 

als  neue  Grundformel,  die  bereits  homogen  ist. 

2)  6- =5.  Durch  die  Substitution  {U)  =  iW  —  {W 
geht  {Ufm){W-  in  {Wii^){l^y-{U)\m'  über.  Setzt 
man  |  ==  -»^  =  ^,  so  ist: 

m^miw  =  irnf{Wi%^)  -  {Ufi^^?-  ''■) 

Anmerkung.  Wir  haben  in  dem  Abschnitt  über  binäre  Functio- 
nen die  runktreihen  als  zusammengesetzte  Grössen  kennen  gelernt, 
und  gesehen,  welche  Gleichungen  zwischen  diesen  Grössen  bestehen 
müssen,  damit  sie  die  in  der  zweiten  Abtheilung  dieses  Buches  be- 
handelten geometrischen  Eigenschaften  besitzen.  Da  diese  neue  Be- 
handlungsweise  einer  Punktreihe  keine  neuen  geometrischen  Resultate 


*)  Für  n  =  3  ist  diese  Formel,  jenachdem  man  §  oder  ri  stehen 
lässt,  analog  den  bei  Clebsch  a.  a.  0.  S.  223  zwischen  (6)  und  (7)  stehen- 
den Formeln.  Der  Unterschied  rührt  davon  her,  dass  oben  nur  ein 
Theil  der  Ueberschiebung  zu  Grunde  gelegt  ist. 


-     220     — 

liefert,  so  ist  sie  nur  als  Vorstufe  für  die  ;in  zusammengesetzten  Grössen 
in  der  Ebene  anzustellenden  Untersuchungen  wichtig,  als  solche  aber 
auch  unentbehrlich.  Ueber  das  Verhältniss  der  oben  gegebenen  zu 
der  bishei'igen  Darstellung  ist  bereits  in  der  Anmerkung  zu  Nr.  86  das 
Nöthige  gesagt  worden.  Mau  vergleiche  auch  die  Anmerkung  am 
Schluss  von  Nr.  51. 


B.  Gebiet  der  Ebene.  Functionen  3.  Stufe.  (Ternäre  Formen.) 

Die  Function  2.  Grades.  (Quadratische  Form.) 

k)  Eine  Function. 

113.  Die  allgemeine  Form  dieser  Function  ist 

(1)  ax^  =  0, 
oder  wenn 

gesetzt  wird, 

(2)  a^^x^^-\-a.^^x^'^a.y^x^^'2 («^.^ x^x^-^a.,.^x^_x.^-^a^^ ^■>,^\)  =  0. 
Da  diese  Gleichung  zwei  unabhängige  Variablen  enthält, 

—  und  — ,   so  entspricht  jedem  beliebigen  Werthe  der  einen 

ein  bestimmter  Werth  der  anderen,  und  jede  stetige  Aenderung 
der  einen  bewirkt  eine  stetige  Aenderung  der  anderen.  Die 
Gleichung  stellt  daher  eine  stetige  Reihe  von  Punkten  oder 
Geraden  vor,  jenachdem  e^e.^e,^  Punkte  oder  Strecken  sind. 
Im  ersten  Falle  sagt  die  Gleichung  (1),  dass  der  Punkt  x, 
welcher  durch  seine  Bewegung  jene  stetige  Punktreihe  be- 
schreibt, stets  auf  dem  Gebilde  a  liege;  also  ist  a  eben  jene 
Punktreihe,  die  wir  nun  Curve  nennen,  und  zwar  Gurve 
zweiten  Grades  {Kegelsclmitt)  weil  die  bestimmende  Gleichung 
eine  Gleichung  zweiten  Grades  ist.  Im  zweiten  Falle  kann 
man  e^e.^e^  und  x  als  Ergänzungen  von  Punkten  betrachten, 
und  X  ist  dann  nach  Nr.  81  Tangente  an  die  Curve  «.  Die 
Gleichung  (1)  sagt  also,  dass  die  Gerade  x,  welche  durch 
ihre  Bewegung  die  oben  erwähnte  stetige  Reihe  von  Geraden 
beschreibt,  stets  Tangeute  an  die  Curve  a  sei,  die  somit  von 
jener  Reihe  von  Geraden  umhüllt  wird. 

Anmerkung.  Da  die  Ergänzung  eines  Punktes  im  Gebiet  der 
Ebene  nicht  mehr,  wie  im  Gebiet  der  Geraden,  wieder  ein  Punkt, 
sondern  ein  Linientheil  ist,  so  sind  die  durch  die  verschiedenen  Auf- 


-     221     -  ■  - 

fassuugsweisen  von  e ,  e^  etc.  bedingten  Erzeugungen  einer  zusammen- 
gesetzten Grösse  in  der  Ebene  wesentlich  von  einander  verschieden  und 
daher  gesondert  zu  betrachten.  Die  zweifache  Entstehung  der  Kreis- 
linie wurde  bereits  in  der  „Raumlehre"  Nr.  103  besprochen. 

Setzt  man  iCg  =  0,  so  stellt  x  nach  (la)  einerseits  ein 
Punktepaar  vor,  welches  sowohl  auf  dem  Kegelschnitt  wie 
auf  der  Geraden  ic^c.^  hegt,  und  welches  durch  die  Gleichung 
(2),  die  nun  eine  binäre  Function  wird,  genau  bestimmt  ist. 
Da  Cj  und  e^  beliebig  gewählt  sind,  so  sclmeidet  nicht  nur 
die  Gerade  {e^e^,  sondern  jede  Gerade  den  Kegelschnitt  in 
2  Punlien.  —  Andrerseits  stellt  x  ein  Geradenpaar  vor,  wel- 
ches gleichzeitig  durch  den  Punkt  (e^e.^)  geht  und  den  Kegel- 
schnitt berührt.  Man  schliesst  hieraus ,  analog  wie  oben,  dass 
man  aus  jedem  PunJite  an  einen  Kegelschnitt  2  Tangenten 
ziehen  hann. 

Canonische   Formen.     1)    Wenn  e^ßj^    so    angenommen  114. 
werden,  dass  sie  auf  der  Curve  selbst  liegen,  so  müssen  diese 
Punkte,    statt  x  gesetzt,    der  Gleichung  (1)  genügen.     Man 

hat  also: 

aej2  =  0;     «e.,^  =  0;     ae./  =  0] 
oder 

«jj  =  0;     «22  =  0;      c;.{3  =  0; 

mithin  nimmt  (2)  die  Form  an : 

eine  Gleichung,  welche  durch  je  zwei  der  Werthe  x^  =  0, 
a^j  =  0,  x^  =  0  befriedigt  wird.  Es  ist  also  in  der  That, 
wie  aus  (la)  hervorgeht,  x  =  x^Cy  oder  x^e^  oder  x^e.^. 

2)  Für  die  binäre  Function  2.  Grades  wurde  die  zweite 
canonische  Form  bestimmt  durch  die  Bedingung  a  e^  e.^  =  0, 
oder  e,  ^  «^j*);  e^  ^  oce^.  In  analoger  Weise  mögen  nun- 
mehr die  drei  Punkte  ejCj^  bestimmt  werden  durch  die  Be- 
dingung : 

ae,  6063  ==  0, 
oder: 

(ej  62)  =  a  63 ;     {e.^  63)  =  a e^  5     (63  e, )  ^  «  ^2  • 

Multipliciren  wir  diese  Gleichungen  resp.  mit  r, ,  c.^,  c.^, 
so  wird  die  linke  Seite  als  äusseres  Product,  welches  zwei 
gleiche  Factoren  enthält,  jedesmal  Null;  man  erhält  also: 


*)  Das  Zeichen  =  bedeutet:  „gleich,  bis  auf  einen  Zahlfactor". 


—     222    — 

(^1^2)^1  =  «Cgej  =  0;     (606.5)62  ==  «6162  =  0; 

(«3^1)^3  =  a62%  =  0; 
oder: 

«31=0;     «12  =  0;     «23  =  0- 
Demuacli  nimmt  (2)  die  Form  an: 

(4)  «J 1  ^1^  +   «22  ■'^2'  +   «33  Ä^g^   ==   0  . 

Es  fragt  sich  nun  weiter,  in  welcher  geometrischen  Be- 
ziehung die  so  gewählten  drei  Punkte  Cj ,  62 ,  c.,  zur  Curve 
stehen.  Seien  x,  y,  z  drei  beliebige  Punkte  der  Ebene.  Die- 
selben werden  in  derselben  Beziehung  zur  Curve  stehen,  wie 
Cj,  e^,  63,  wenn  man  hat: 

axys  =  0, 
oder: 

{yz)^ax'^     {zx)^Eiiccy]     {xtj)^^az. 

Da  /"  =  ^  =  2ax,  so  ist  die  Gerade  {yB)  dasselbe  wie 
die  Gerade  f .  Nimmt  man  nun  an,  dass  x  auf  der  Geraden 
{ßy  62)  liege,  so  geht  die  Formel  x  =  x^e^-\-  x.^e^  +  ^3^3  ^ber 
in  x  =  x^e^  -\- x^e.^.  Die  Gerade  (6162)  schneidet  dann  den 
Kegelschnitt  in  einem  Punktepaar  a'  und  die  Gerade  {ijz)  in 
einem  Punkte  x .  Aber  wenn  man  in  der  Gleichung  {\jb)  ^ax, 
oder  f'^ccx,  worin  man  sich  x  durch  6^6263  ausgedrückt 
denken  mag,  x^  =  0  setzt,  so  verwandelt  sich  (/")  in  den 
Schnittpunkt  dieser  Geraden  mit  (Cj  62) ,  und  a  in  das  Punkte- 
paar, in  welchem  (6^62)  die  Curve  schneidet.     Also  ist 

OC    ■■  ■  —  CC  lA/ » 

d.  h.  (nach  Nr.  90  (6)):  x'  ist  der  vierte  harmonische  Punkt 
zu  X  in  Bezug  auf  das  Paar  «'.  Da  nun  ej  und  e.^  beliebig 
angenommen  werden  können,  so  hat  jede  durch  x  gezogene 
Gerade  die  Eigenschaft,  dass  ihre  Schnittpunkte  mit  der  Curve 
harmonisch  sind  zu  ihrem  Schnittpunkte  mit  (ys)  und  zu  x. 
Anders  ausgedrückt:  Die  Gerade  ax  ist  der  geometrische  Ort 
des  vierten  harmonischen  Punktes  zu  dem  Paare  der  Schnitt- 
punlite  einer  beliebigen  durch  x  gezogenen  Geraden  mit  der 
Curve  a ,  in  Bezug  auf  den  Punkt  x.  —  Vermöge  dieser  Eigen- 
schaft heisst  (ax)  (harmonische)  Centrale  erster  Ordnung 
(wegen  f^'>)  zu  der  Curve  a  in  Bezug  auf  den  Pol  x.  Es 
heissen  ferner  x  und  sein  vierter  harmonischer  Punkt  zu- 
sammen harmonische  Pole  des  Kegelschnitts. 


-     223     — 

Anmerkung.  Bei  einer  Curve  w.  Grades  wird  das  durch  /^'^  dar 
gestellte  Gebilde  Centrale  p.  Ordmcng  in  Bezug  auf  den  Pol  x  genannt, 
dagegen  das  durch  /"'"""^'^  dargestellte  Gebilde  Polare  p.  Ordnung  in 
Bezug  auf  das  Centrum  x.  Da  für  n  =  2  und  p  =  l  die  Gleichung 
^ii^) —.  ^(.n—p)  ijesteht,  so  fallen  für  die  Kegelschnitte  die  Begriffe  Cen- 
trale und  Polare,  sowie  Pol  und  Centrum  zusammen.  Wir  werden 
daher,  dem  Sprachgebrauche  gemäss,  die  Bezeichnungen  Pol  und  Po- 
lare anwenden.  (Vgl.  ,, Raumlehre"  Nr.  174.)  —  Es  mag  bei  dieser  Ge- 
legenheit bemerkt  werden,  dass  die  ^).  ,, Polare"  andrer  Autoren  bei 
Grassmann  ,, Centrale"  von  jj.  Ordnung  heisst,  während  die  (« — p).  Po- 
lare hier  Polare  p)-  Ordnung  genannt  wird. 

Hieraus  geht  hervor,  dass  die  allgemeine  Gleichung  (2) 
eines  Kegelschnitts  sich  auf  die  canonische  Form  (4)  reducirt, 
ivenn  die  Pimhte  e^e.^e.^  so  geivcihlt  iverdcn,  dass  in  dem  JDrei- 
ecJc  derselben  jede  Seite  die  Polare  des  Kegelschnittes  ist,  in 
Bezug  auf  die  gegenüherliegcnde  Ecke  cds  Pol. 

Sätze  iiber  Pol  wul  Polare.  —  Wenn  in  der  vorigen  Nr.  115. 
die  Buchstaben  e^,  e^,  e.^,  x,  y ,  s  Strecken  bedeuten,  so  ist  a 
das  Tangentenpaar,  welches  man  von  dem  Punkte  {e^e^  an 
die  Curve  a  ziehen  kann,  und  x  die  Verbindungslinie  zwi- 
schen den  Punkten  (e^c^)  und  {ys).  Wenn  dann  wieder  in 
der  Gleichung  /'  ^  ax  für  x^  der  Werth  Null  gesetzt  wird, 
so  verwandelt  sich  f  in  die  Verbindungslinie  dieses  Punktes 
mit  dem  Punkte  {e^e^,  und  a  in  das  Tangentenpaar,  welches 
aus  (Cj  c)  an  die  Curve  gezogen  wird.  Und  die  Gleichung 
x'  ^  a  X  bedeutet:  x  ist  die  vierte  harmonische  Linie  zu  x 
in  Bezug  auf  das  Tangeutenpaar  «'.  Es  hat  dann  jeder  auf  x 
gewählte  Punkt  die  Eigenschaft,  dass  die  von  ihm  an  die 
Curve  gezogenen  Tangenten  harmonisch  sind  zu  seiner  Ver- 
bindungslinie  mit  {yz)  und  zu  x.  Man  kann  in  Folge  dessen 
{ax)  (harmonisches)  Centrum  erster  Ordnung  zur  Curve  a  in 
Bezug  auf  die  Polare  x  nennen.  Es  heisseu  ferner  x  und  die 
zugehörige  vierte  harmonische  Linie  zusammen  harmonische 
Polaren  des  Kegelschnittes. 

Anmerkung.  Die  doppelte  Auffassung  der  Variable  x  als  Punkt 
und  als  Strecke  bewirkt,  dass  jeder  Untersuchung  über  Curven  sich 
eine  reciproke  zur  Seite  stellen  lässt,  sofern  eben  die  Curve  als  zu- 
sammengesetzte Grösse  betrachtet  wird.  Die  soeben  auf  doppelte  Weise 
gewonnenen  Begrifte  von  Pol  und  Polare  bieten  ein  Beispiel  dafür.  — 
Man  kann  jedoch  im  vorliegenden  Falle  das  Kesultat  der  zweiten  Unter- 


—     224     - 


suchung  auch  direct  aus  dem  der  ersten  ableiten.    Dies  soll  im  Folgen- 
den geschehen. 

Sei  P  ein  beliebiger  Punkt  auf  der  convexen  Seite  des 
Kegelschnitts,  und  p  die  zugehörige  Polare.  Es  entstehen 
dann  auf  einer  beliebigen  durch  P  gezogenen  Secante  r  die 


5^--" 


Fig.  32. 


harmonischen  Punktepaare  (PQ),  (S^S.^).  Wenn  die  Secante 
in  eine  Taugente  übergeht,  d.  h.  wenn  6\  und  ä.,  zusammen- 
fallen, so  fällt  auch  Q  mit  diesen  beiden  Punkten  zusammen, 
d.  h.  Q  ist  der  Berührungspunkt  der  Tangente.  Da  man 
durch  P  zivei  Tangenten  (mit  den  Berührungspunkten  T^  und 
T^)  an  den  Kegelschnitt  legen  kann,  so  ist  die  Verhindungslinie 
ihrer  Berührungspunlie  die  Polare  zu  P. 

Anmerkung.  Construction  der  Polare  zu  einem  auf  der  convexen 
Seite  des  Kegelschnittes  gegebenen  Punkte,  uud  des  Pols  zu  einer 
Secante. 

Multiplicirt  man  die  harmonische  Relation 


Q 


Si    [    Q  —  S<, 
"T  P  -  & 


P  —  S 


so  ffeht   sie   über  in 


=  0  mit 


P  -  S, 


+ 


P-Sj 

Q-S, 


!■  =  0.     Dieselbe   Form 


Q_S^  ^  Q-S, 
würde  man  aber  auch  durch  Vertauschung  von  P  mit  Q  er- 
halten; mithin  lässt  diese  Vertauschung  die  harmonische  Re- 
lation ungeändert.  Man  kann  daher  sagen :  Dreht  sich  die 
Secante  r  um  den  einen  der  leiden  harmonischen  Pole  {Q,  P), 
so  heschreiht  der  andere  eine  Gerade.  — ,  Hat  sich  nun  r  um 
Q  bis  in  die  Richtung  p  gedreht,  so  wird  R,  der  vierte  har- 
monische Punkt  zu  {T^T.^  in  Bezug  auf  Q,  die  neue  Lage 
von  P  bezeichnen,  und  PR  ist  die  Gerade,  welche  P  be- 
schreibt,   während  r  sich  bis  p  dreht.     Anders  ausgedrückt : 


—     225    — 

Dreht  sich  eine  Gerade  um  einen  ihrer  Punkte,  so  heschreiht 
ihr  Pol  eine  Gerade.  —  Aber  ebenso,  wie  vorher  ^j  als  Ort 
des  Punktes  Q  die  Polare  von  P  war,  so  ist  nun  (PjR)  =  q 
als  Ort  des  Punktes  P  die  Polare  von  Q.  Der  letzte  Satz 
kann  daher  so  ausgesprochen  werden: 


Dreht  sich  eine  Gerade  um 
einen  ihrer  Punkte,  so  heschreiht 
ihr  Pol  die  Polare  dieses  Punktes. 


Beschreiht  ein  Punkt  eine  Ge- 
rade, so  dreht  sich  seine  Polare 
um  den  Pol  dieser  Geraden. 


Die  Verbindungslinien  des  Punktes  P  mit  den  harmo- 
nischen Paaren  {Q,  R)  und  (T,  T^)  sind  (nach  „Raumlehre" 
119)  harmonische  Linien.  Da  nun  zu  jedem  Punkt  auf  der 
Linie  g  eine  durch  Q  gehende  Polare  gehört,  deren  Schnitt- 
punkte mit  der  Curve  harmonisch  sind  zu  Q  und  dem  Schnitt- 
punkte der  Polare  mit  g,  so  wird  für  jeden  Punkt  auf  q  das 
an  die  Curve  gezogene  Tangentenpaar  harmonisch  sein  zu  q 
und  der  Verbindungslinie  des  gegebenen  Punktes  mit  Q.  Es 
ist  also  nach  der  im  Anfang  dieser  Nr.  gegebenen  Definition 
Q  harmonisches  Centrum  erster  Ordnung  zur  Curve  in  Bezug 
auf  die  Polare  q.  Da  aber  Q  bereits  als  Pol  zur  Curve  in 
Bezug  auf  die  Centrale  q  nachgewiesen  ist,  so  zeigt  sich  aufs 
Neue,  dass  für  Kegelschnitte  die  Begriffe  Pol  und  Centrum, 
sowie  Centrede  und  Polare  sich  decken. 

Unmittelbar  aus  der  Figur  lassen  sich  die  Sätze  ablesen : 


Die  Polaren  {r,  q)  siveier 
harmonischer  Pole  (R ,  Q)  eines 
Kegelschnittes  sind  harmonische 
Polaren. 


Die  Pole  {R,  Q)  zweier  har- 
monischer Polaren  (r,  q)  eines 
Kegelschnittes  sind  harmonische 
Pole. 

Anmerkung'.  Consti'uction  der  Polare  q  zu  einem  auf  der  con- 
caven  Seite  des  Kegelschnittes  gegebenen  Punkte  Q  mittelst  zweier 
beliebiger  durch  Q  gehenden  Secanten  r  und  j;.  —  Construction  des 
Pols  Q  zu  einer  den  Kegelschnitt  nicht  schneidenden  Geraden  q  mittelst 
zweier  beliebigen  auf  q  liegenden  Punkte  R  und  P. 

Construirt  man  auf  der  Geraden  jp  dasjenige  Punktepaar  116. 
(R^Q^),  welches  gleichzeitig  mit  {T^T^   und  mit  {QR)  har- 
monisch ist,  so  ist  die  Linie  {PRi)  =  ^i  die  Polare  von  Q^ , 
und  (PQi)  =  >'i  die  Polare  von  P, .     Man  hat  also  die  Sätze: 


Die  Polaren  von  zwei  har- 
monischen Punktepaaren  sind 
harmonische    Linienpaare.    — 


Die  Pole  von  zwei  harmo- 
nischen Linienpaaren  sind  har- 
monische Punktepaare.  —  Der 


Schlegel,  Elemente.  15 


—     22G 


JDk  Polare  jedes  FmiJdcs  geht 
durch  den  zugeordneten  Punkt, 
wenn  der  erstere  PunM  nicht 
auf  der  Curve  liegt. 

Die  Polaren  von  drei  involu- 
forischen  Punktcpaaren  sind  in- 
volutorische  Linienpaare. 


Pol  jeder  Linie  liegt  auf  der 
mgcordneten  Linie,  ivenn  die 
erstere  Linie  nicht  Tangente  an 
die  Curve  ist. 

Die  Pole  von  drei  involii- 
torischen  Linienpaaren  sind  in- 
volutorische  Ptmktepaare. 


Wenn  drei  Punktepaare  ß,  y,  d,  die  auf  verschiedenen 
Geraden  gegeben  sind,  eiuen  involutorischen  Verein  bilden, 
so  ist  nach  Nr.  96 : 

A/3  +  fi7  +  vd  =^0; 
daher,   mit  a  multiplicirt,   wenn  ax-  ==  0  die  Gleichung   des 
Kegelschnittes  ist: 

X.aß-\-ii.ciy-\-v.ad  =  0. 

Nun  sagte  oben  die  Formel  ccxyz  =  0,  dass  x  und  (yz) 
harmonische  Polaren  von  a  seien.  Ist  also  ß  ein  Linienpaai*, 
sa  sagt  aß  =  0,  dass  diese  Linien  ein  Paar  harmonischer 
Polaren,  und  wenn  ß  ein  Punktepaar  ist,  dass  diese  Punkte 
harmonische  Pole  des  Kegelschnittes  sind.  Da  nun  aus  aß  =  0 
und  ay  =  0  vermöge  der  letzten  Formel  sich  ergiebt:  a  d  =  0, 
so  hat  man  die  Sätze: 


Wenn  die  GegenecTcen- Paare 
eines  Vierecks  harmonische  Pole 
eines  Kegelschnittes  sind,  so  sind 
die  Schnittpunkte  der  Gegensei- 
ten ebenfalls  harmonische  Pole. 


Wenn  die  Gegenseiten-Paare 
eines  Vierseits  harmonische  Po- 
laren eines  Kegelschnittes  sind, 
so  sind  die  Diagonalen  eben- 
falls harmonische  Polaren. 


Wenn  die  Secante,  zu  welcher  man  den  Pol  suchen  soll, 
ein  Durchmesser  des  Kegelschnittes  (Ellipse  oder  Hyperbel) 
ist,  so  wird,  da  die  in  den  Endpunkten  eines  Durchmessers 
gezogenen  Tangenten  parallel  sind,  der  zugehörige  Pol  der 
unendlich  entfernte  Punkt  dieser  Tangenten  sein.  Und  da 
die  Polare  des  Schnittpunktes  zweier  Linien  die  Verbindungs- 
linie ihrer  Pole  ist,  so  ist  die  Polare  des  Mittelpunktes  eines 
Kegelschnittes  die  unendlich  entfernte  Gerade.  —  Da  die  Ver- 
bindungslinie eines  Pols  mit  einem  beliebigen  Punkte  der 
Polare  den  Kegelschnitt  in  einem  zu  den  beiden  Punkten 
harmonischen  Paare  schneidet,  so  wird  in  der  That  auf  jeder 
durch   den  Mittelpunkt  gezogenen   Secante    der   dem   Mittel- 


-     227     — 

punkte  zugeordnete  harmonische  Punkt  in  unendlicher  Ent- 
fernung liegen  müssen  („Raumlehre"  Nr.  1G9).  —  Umgekehrt 
ist  die  Folare  des  unendlieh  entfernten  Punlies  einer  Geraden 
derjenige  Durchmesser,  welcher  die  Berührungspunkte  der 
beiden  mit  der  Geraden  parallelen  Tangenten  verbindet.  — 
Man  kann  daher  die  beiden  reciproken  Sätze  auf  S.  267  so 
specialisiren : 


Die  Pole  aller  parallelen  Ge- 
raden liegen  auf  dem  Durch- 
messer, welcher  die  Endpunhte 
der  beiden^  diesen  Geraden  par- 
allelen, Tangenten  verbindet. 


Die  Polaren  aller  Pimläe 
eines  Durchmessers  sind  den 
beiden  im  Endpunkte  des  Durch- 
messers gezogenen  Tangenten 
parallel. 


Von  den  vier  harmonischen  Punkten,  die  auf  jeder  der 
parallelen  Geraden  entstehen,  sind  zwei  die  Schnittpunkte  der 
Geraden  mit  der  Curve,  d.  h.  die  Endpunkte  der  auf  der 
Geraden  abgeschnittenen  Sehne;  der  dritte  ist  der  unendlich 
ferne  Punkt  der  Geraden,  der  vierte  also  der  Mittelpunkt  der 
Sehne.  Dieser  vierte  Punkt  aber  beschreibt,  wenn  die  Gerade 
sich  um  ihren  unendlich  fernen  Punkt  dreht,  die  Polare  dieses 
Punktes,  d.  h.  den  in  beiden  Sätzen  erwähnten  Durchmesser; 
hiermit  ist  also  der  Satz  bewiesen: 

Die  MittelpunMe  aller  parallelen  Sehnen  eines  Kegelschnitts 
liegen  auf  dem  Durchmesser,  ivelcher  die  Endpunkte  der  beiden 
mit  diesen  Sehnen  parallelen  Tangenten  verbindet. 

Wenn  die  Endpunkte  zweier  beliebigen  Durchmesser  eines 
Kegelschnittes  mit  einander  verlmnden,  und  in  denselben 
Endpunkten  Tangenten  gezogen  werden,  so  entstehen  zwei 
Parallelogramme,  von  denen  das  eine  dem  Kegelschnitt  ein-, 
das  andre  umschrieben  ist.  (Siehe  die  Figuren  zu  Nr,  22  u. 
Nr,  29.)  Es  ist  dann  jeder  Eckpunkt  des  äusseren  Parallelo- 
gramms der  Pol  zu  derjenigen  Seite  des  inneren,  welche  die 
Endpunkte  der  von  ihm  aus  gezogenen  Tangenten  verbindet. 
Die  Pole  zweier  Gegenseiten  der  inneren  Figur  sind  also  die 
Endpunkte  einer  Diagonale  des  äusseren.  Da  diese  Gegen- 
seiten aber  parallel  sind,  so  liegen  ihre  Pole  auf  dem  Durch- 
messer, welcher  die  Endpunkte  der  beiden,  diesen  Gegenseiten 
parallelen  Tangenten  verbindet.  Dieser  Durchmesser  fällt 
also  mit  jener  Diagonale  zusammen,  oder,  da  der  Durchmesser 

15* 


—    228     — 

alle  mit  jenen  beiden  Gegenseiten  parallelen  Sehneu  (und 
diese  Gegenseiten  selbst)  lialbirt,  so  kann  man  sagen : 

Jede  Diagonale  des  äusseren  Parallelogramms  halhirt  das 
eine  Seitenpaar  des  inneren,  und  ist  (in  Folge  dessen)  dem 
anderen  Seitenpaare  parallel. 

Da  endlich  die  Diagonalen  des  äusseren  Parallelogramms, 
als  Sehnen  des  Kegelschnittes  betrachtet,  conjugirte  Durch- 
messer genannt  wurden,  so  hat  man  schliesslich  den  Satz: 

Von  zivei  conjugirten  Durchmessern  eines  Kegelschnittes 
halhirt  jeder  die  dem  anderen  parallelen  Sehnen.     (S.  d.  Anm. 
zu  Nr.  22.) 
117.  Covarianten.  —   Die  erste   Covariante   der  Function   (für 

r  =  3  und  c  =  2)  ist 

Da  n  (=  nr  —  cp)  =  0  ist,  so  ist  sie  eine  Invariante, 
und  nach  Nr.  76,  (5)  die  Hesse'sche  Determinante  der  Function. 
Wenn  sie  den  Werth  Null  hat,  so  kann  (nach  Nr.  75)  x  aus 
zwei,  statt  aus  drei  Einheiten  abgeleitet  werden.  Die  Function 
ax^  ist  also  in  diesem  Falle  eine  binäre  Function,  und  stellt 
als  solche  ein  Ptmktepaar  oder  ein  Linienpaar  vor. 

Wenn  noch  die  Ableitung  der  Hesse'schen  Determinante 
nach  einem  ihrer  Elemente  verschwindet,  so  lässt  sich  die 
Function  aus  einer  einzigen  Einheit  ableiten,  und  stellt  ein 
Paar  zusammenfallender  Punlie  oder  paralleler  Geraden  vor. 

Speeielle  Ableitungeti  dieses  Mesultates.  Es  ist  {^r^^f  =  [a^] 
=  (ae,)  (acj)  («63).  Nun  sind  (aei),  (0:62),  («^3)  die  Polaren  der  Punkte 
e,,  ^21  ^3  üi  Bezug  auf  die  Curve  a.  —  Die  Gleichung  (aej)  (0:62)  {ae^) 
sagt  aus,  dass  diese  drei  Polaren  durch  einen  Punkt  gehen  („Raum- 
lehre" Nr.  144).  Wenn  aber  die  Polaren  dreier  Punkte  durch  den- 
selben Punkt  gehen,  so  liegen  die  Punkte  selbst  auf  derselben  Geraden. 
Dann  besteht  zwischen  Ci,  ^2,  63  eine  Zahlbeziehung,  und  man  kann  x 
statt  aus  drei,  aus  zwei  Punkten  ableiten. 

Ist  nicht  nur  die  Hesse'sche  Determinante  selbst,  sondern  auch  ihre 
Ableitung  nach  einer  der  Einheiten  (vgl.  Nr.  75  am  Schluss),  z.  B.  nach 

Cg  gleich  Null,  so  ist  —^ — -  =  (ae,)  {cce^  =  0;    d.  h.:    (a')  =  0.    Wenn 

aber  (a^),  die  Hesse'sche  Determinante  der  nunmehr  binären  Function 
ax^  =  0,  verschwindet,  so  stellt  diese  Function  ein  Paar  zusammen- 
fallender Punkte  oder  paralleler  Geraden  vor. 

Zwei  andere  Methoden,  analog  den  in  Nr.  91  für  die  Hesse'sche 
Determinante   der  binären   quadratischen  Form  angewendeten,  führen 


—    229     — 

zu  demselben  Resultate.    —    Eiu   besonderes  Interesse  bietet  nur   die 
Reduction  der  Function  auf  einen  Doppelpunkt  mittelst  der  ersten  jener 
Methoden;  dieselbe  möge  daher  hier  noch  Platz  finden.    Es  ist 
(ae,)  =  ofiißi  +  01)2^2  +  «,363;     (ccei)  =  a^iei  +  «22^2  +  «23^3; 

(a  f 3)  =  «3,  ej  +  0-32  (-2  +  «33  63  . 

Ist  nun  das  Product  dieser  drei  Grössen  Null,  so  besteht  zwischen 
ihnen  eine  Zahlbeziehung: 

^i(«ei)  +  hiocez)  +  ^3(0: 63)  =  0. 
Ersetzt  man  (ore,),  (ccCz),  (cce.^')  durch  ihre  Werthe,  so  müssen  die 
Coefficienten  von  Cj,  €2,  e^  einzeln  Null  sein,  da  sonst  zwischen  diesen 
Grössen  eine  Zahlbeziehung  existirte.     Man  hat  also: 

^l«a  +  ^2«21  +  -IsCfsl  =  0;         ^l«12+  ^2«22+  ^3«S2  =  0; 

h^ta  +  ^2a23  +  ^3  «33  =  0- 
^3(««i)  =  «11(^361  —  ^i^a)  +  «12(^3^2  —  -^263); 
Igiaez)  ==  «21(^361  —  liCs)  +  «22(^3^2  —  ^2^3); 

^sC^^s)  =  «31(^3^1  —  '^■1^3)  +  «^32(^3^2  —    ^2e3)> 

oder,  wenn  X^ei  —  ilies  =  ^3«!  und  ;i3e2  —  h^3  =  h^z  gesetzt  wird: 

(a  ßj)  =  «1,  f  1  +  «12  £2  ;       («  ^2)  =  0^21  f  1  +  «22  f2  ;       (a  eg)  =  Ofg,  f,  +  «32  f  2- 

Führt  man  in  der  Formel  x  =  XiCi -{- XzCz -\- x^e^  die  Werthe   Si 
und  fj  ßio.  so  folgt: 

I3X  ==  Xii'i3  8i  +  ^163)  +  Xzi^aS^  +  X2C3)  +  13X363. 
Da  sich  aber  x  ebenso  wie  die  Grössen  (ac,)  etc.  durch  s,  und  ^2  allein 
ausdrücken  lässt,  mithin  nunmehr  von  e^  unabhängig  ist,  so  muss  der 
Coefficient  von  63  verschwinden.    Es  ist  also: 

^1  ^l  ~l        2 ^2     i~  ^3 *^3  ^^^  ^* 

Dies  ist  die  Gleichung  einer  Geraden,  die  von  dem  Punkte 

beschrieben  wird,  d.  h.  die  Gleichung  der  Geraden  (eif2)-  ^^  ^.us 
ax^  =  0  zwei  Werthe  für  —  folgen,  so  zerfällt  die  Curve  in  zwei  sich 

Xi 

schneidende  Geraden  (resp.  zwei  Punkte). 

Wenn  auch  noch  —j — -  =  (ae,)  (««2)  =  0  ist,  so  verfährt  man  nun 
«63 

ebenso,  wie  an  entsprechender  Stelle  bei  der  binären  quadratischen 

Form,    und  findet,   dass   die  Curve   in  zwei  zusammenfallende  Punkte 

oder  parallele  Geraden  zerfällt. 

Anmerkung.     Die   Hesse'sche    Determinante   kann   nach   Nr,  72 
geschrieben  werden  :    (j^j  i'dx')  \dx')'  ^^  ^'  *^^  Potenzwerth  eines 

Quotienten.  Dieser  Potenzwerth  ist  derselbe,  welcher  in  Nr.  42  durch 
(Ä^)  bezeichnet  wurde.  Demnach  ist  die  Hesse'sche  Determinante  der 
ternären  quadratischen  Form  gleich   dem  Potenzwerth  desjenigen  Quo- 


—     230    — 

tienten,   durch  welchen  die  Ptcnkte  Cj,  e^,  e^  in  die  PunJcte  £,,  fj,  f^ 

(Nr.  42.    Formel  4),  d.  h.  -^ ,    y-^- ,    -r^  verwandelt  tverden.     Setzt 

man  ^  =  /"i^i  +  /icj  +  f^e^,  und  bestimmt  die  Ableitungen  von  g  nach 
^ir  •''''2)  •'^'3»  so  erkennt  man  aus  Nr.  42.  Formel  (2  a),  (2  b),  (2  c),  dass 
dieselben  mit  fj,  s^,  B3  übereinstimmen.  Eine  weitere  Anwendung  der 
ternären  quadratischen  Form  nebst  ihrer  Hesse'schen  Determinante 
findet  sich  am  Schluss  dieses  Buches. 


118.  Für  die  binäre  quadratische  Form  stellte  es  sich  heraus, 

dass  ihre  Hesse'sche  Determinante  gleichzeitig  ihre  Discrimi- 
nante  war  (Nr.  110),  d,  h.  diejenige  Invariante,  deren  Ver- 
schwinden das  Vorhandensein  eines  Doppelpunktes  in  dem 
durch  die  Function  dargestellten  Gebilde  anzeigte.  Da  nun 
das  Verschwinden  der  Hesse'schen  Determinante  eines  Kegel- 
schnittes anzeigt,  dass  derselbe  in  ein  Linienpaar  zerfällt, 
dessen  Schnittpunkt  als  Doppelpunkt,  oder  in  ein  Punkte- 
paar, dessen  Verbindungslinie  als  Doppeltangente  des  Gebildes 
zu  betrachten  ist,  so  folgt,  dass  auch  hier  jene  Determinante 
gleich  der  Discriminante  der  Function  ist. 

Es  ist  jedoch  erforderlich,  die  Bestimmung  der  Dis- 
criminante unabhängig  von  dieser  zufälligen  Bemerkung,  uud 
nach  einer  Methode  auszuführen,  welche  allgemein  auf  eine 
Function  n.  Grades  anwendbar  ist.  Wir  bestimmen  zu  diesem 
Zwecke  die  Durchschnittspunkte  einer  Geraden  mit  der  Curve, 
und  untersuchen,  unter  welcher  Bedingung  zwei  (oder  meh- 
rere) Schnittpunkte  zusammenfallen. 

Seien  a  und  b  zwei  beliebige  Punkte  der  Ebene;  dann 
ist  jeder  Punkt  x  der  Geraden  (ah)  durch 

X  =--  a  -{-  Xh 
ausgedrückt,  worin  A  ein  variable  Zahl  ist. 

Setzt  man  diesen  Werth  von  x  in  der  Gleichung  der 
Curve 

ax"^  =  0 

ein,  so  giebt  dieselbe  zwei  Werthe  für  A,  und  diese  Werthe, 
in  die  vorige  Gleichung  eingesetzt,  geben  die  beiden  Schnitt- 
punkte der  Curve  und  der  Geraden  (a&).  Entwickelt  lautet 
die  letzte  Gleichung: 

a{a  +  Xhf  =  aa^  -f  2Xaab  +  Pa¥  =  0. 


—     231     — 

Ist  hierin  aa^  =  0,  so  liegt  a  auf  der  Curve;  dasselbe 
zeigt  auch  der  Umstand,  dass  einer  der  beiden  Werthe  von 
l  Null,  also  einer  der  Werthe  von  x  gleich  a  ist. 

Ist  aah  =  0,  so  ist  das  Punktepaar,  in  welchem  die 
Gerade  die  Curve  a  schneidet,  harmonisch  mit  dem  Paare 
(a&);  d.  h.;  a  und  h  sind  harmonische  Pole  der  Curve.  Das- 
selbe zeigt  auch  der  Umstand,  dass  in  diesem  Falle  die  beiden 
Werthe  von  A  sich  nur  durch  das  Vorzeichen  unterscheiden, 
sodass  die  beiden  Schnittpunkte  der  Geraden  und  der  Curve 
durch  die  Ausdrücke: 

x^  =  a  -\-  kh'^     x^  =  a  —  Xh 
gegeben   und   damit  als  harmonische  Punkte  zu  a  und  h  be- 
stimmt sind. 

Ist  gleichzeitig  aa-  =  0  und  aah  ==  0,  so  fällt  a  mit 
einem  der  Schnittpunkte,  z.  B.  x^ ,  und  (nach  der  Eigenschaft 
der  harmonischen  Punkte)  auch  mit  dem  andern,  x.,  zusammen. 
Die  Gerade  ist  daher  Tangente  an  die  Curve  im  Punkte  a, 
und  h  hat  auf  dieser  Tangente  eine  beliebige  Lage.  Da  in 
diesem  ^aWe  beide  Werthe  von  A  Null  sind,  so  lehrt  auch  die 
Gleichung  x  =  a  -\-  Ih,  dass  beide  Schnittpunkte  der  Geraden 
und  der  Curve  mit  a  zusammenfallen. 

Wenn  endlich  die  Gleichungen  aa-  =  0  und  aah  =  0 
für  jeden  Werth  (jede  Lage)  von  h  gelten,  so  heisst  dies  nichts 
andres,  als  dass  für  jede  durch  a  gezogene  Gerade  die  Schnitt- 
punkte mit  der  Curve  mit  a  zusammenfallen.  In  diesem-Falle 
aber  ist  a  ein  doppelter  Punkt  der  Curve.  Die  Grösse  aa 
kann  aber  nur  dann  mit  jedem  Punkte  h  der  Ebene  das  Pro- 
duct  Null  geben,  wenn  sie  selbst  gleich  Null  ist.  Es  ist  also, 
wenn  f=  ax"^  ==  0  wieder  die  Gleichung  der  Curve  ist, 

f  =  ax  =  0 
die  Bedingung  für   das  Vorhandensein  eines   Doppelpunktes. 
Aus  dieser  Gleichung  folgt  weiter: 

/"j  =  axe^  =  0;  /j  =  axe.^  =  0;  /s  =  axe^^  =  0. 
Eliminirt  man  zwischen  diesen  drei  Gleichungen  x^,  x.^,  x^, 
so  bleibt  eine  zwischen  den  Coefficienten  9er  Gleichung /'=0 
bestehende  Gleichung,  welche  mit  der  gleich  Null  gesetzten 
Discriminante  identisch  ist.  Nun  ist  nach  Nr.  68  das  Re- 
sultat der  Elimination  der  Variablen   aus   drei   linearen  Glei- 


—     232     — 

chungen  eine  Gleichuug  vom  3.  Grade  in  den  Coefficienten; 
mithin  ist  die  Discriminante  eine  Invariante  von  der  Form 

und,  da  diese  Invariante  die  Invariante  niedrigster  Ordnung, 
also  ein  eindeutiger  Ausdruck  ist,  so  ist  die  Discriminante 
gleich  («"*),  d.  h.  gleich  der  Hesse'schen  Determinante. 

Anmerkung.  Die  in  dieser  Nr.  angewendete  Methode  der  Schnitt- 
punkte einer  Geraden  mit  einer  Curve,  welche,  wie  wir  gesehen  haben, 
einerseits  zur  Theorie  der  Polaren  und  Centralen,  andrerseits  zu  der- 
jenigen der  vielfachen  Punkte  führt,  gab  Grassmann  für  Curven 
n.  Grades  (nebst  Beispielen  für  n  =  3,  4,  5)  in  den  Göttinger  „Nach- 
richten" 1872.  Nr.  28.  S.  567  flf.  —  Mit  Hilfe  des  Satzes  über  den  Grad 
der  Resultante  aus  3  Gleichungen  beliebigen  Grades  (vgl.  z.  B.  Fiedler, 
,,Vorlesg.  z.  Einführung  i.  d.  Algebra  d.  lin.  Transf."  Nr.  34)  lässt  sich 
leicht  zeigen,  dass  die  Discriminante  der  ternären  Form  n.  Grades  eine 
Invariante  von  der  Ordnung  3  (n  —  1)^  ist. 

119.  Unter  den  Punktepaaren   und  Linienpaaren,    in  die   der 

Kegelschnitt  zerfallen  kann,  sind  noch  zwei  wegen  der  be- 
sonderen Eigenschaften  ihrer  Pol-  resp.  Polarenpaare  hervor- 
zuheben. Es  sind  dies  die  in  unendliche  Entfernung  ver- 
setzten Gebilde  eines  Parallelenpaares  und  eines  Doppel- 
punktes. 

Zieht  man  durch  ein  endlich  entferntes  Parallelenpaar 
eine  schneidende  Gerade,  so  sind  die  Schnittpunkte  harmo- 
nisch mit  ihrem  Mittelpunkte  und  dem  unendlich  fernen  Punkte 
der  Geraden,  und  letztere  beiden  Punkte  sind  harmonische 
Pole  des  als  Kegelschnitt  betrachteten  Parallelenpaars.  Es  ist 
also  jedes  Paar  von  Punkten,  von  denen  der  eine  in  der  Mitte 
zwischen  den  Parallelen,  der  andre  in  unendlicher  Entfernung 
liegt,  ein  harmonisches  Polenpaar  dieses  Kegelschnittes.  — 
Rückt  nun  umgekehrt  das  Parallelenpaar  in  unendliche  Ent- 
fernung, und  der  unendlich  ferne  Punkt  der  Geraden  ins  End- 
liche, so  schneidet  jede  durch  diesen  Punkt  gezogene  Gerade 
das  Parallelenpaar  in  zwei  Punkten,  deren  Mitte  der  dem 
gegebenen  Punkte  zugeordnete  harmonische  Pol  ist. 

Das  Parallelenpaar  ist  aber  vermöge  seiner  unendlichen 
Entfernung  als  ein'fe  einzige  Gerade  (die  unendlich  entfernte 
Gerade  der  Ebene,  vgl.  Nr.  3)  zu  betrachten;  mithin  fallen 
seine  beiden  Schnittpunkte  mit  der  Geraden,  und  der  Mittel- 
punkt dieser  Punkte  in  den  unendlich   fernen  Punkt  der  Ge- 


—     233    — 

raden.  —  Hiernach  sind  auf  jeder  Geraden  in  der  Ebene  ein 
beliebiger  PtinM  und  der  unendlich  entfernte  Punkt  zusammen 
harmonische  Pole  desjenigen  Kegelschnitts,  welcher  durch  die 
unendlich  ferne  Gerade  der  Ebene  (als  doppelte  Gerade  be- 
trachtet) repräsentirt  wird. 

Verbindet  man  zweitens  einen  Doppelpunkt  mit  einem 
beliebigen  Punkte  der  Ebene,  so  ist  diese  doppelte  Verbin- 
dungslinie als  Tangenten  paar  an  den  Kegelschnitt  zu  be- 
trachten, welcher  durch  jenen  Doppelpunkt  repräsentirt  wird. 
Nun  bildet  die  Linie,  welche  den  Winkel  zweier  Tangenten 
halbirt,  nebst  der  auf  ihr  senkrechten  Linie  ein  harmonisches 
Polarenpaar  des  Kegelschnittes.  In  unserem  Falle  aber  fällt 
die  Winkelhalbirende  mit  dem  Tangentenpaare  zusammen. 
Es  ist  also  jedes  Paar  senkrecht  zu  einander  stehender  Li- 
nien, von  denen  die  eine  durch  den  gegebenen  Doppelpunkt 
geht,  harmonisches  Polarenpaar  dieses  Kegelschnittes.  —  Rückt 
nun  der  Doppelpunkt  auf  irgend  einer  Geraden  in  unendliche 
Ferne,  so  kann  jede  Gerade  der  Ebene  als  solche  betrachtet 
werden,  deren  unendlich  entfernter  Punkt  mit  diesem  Kegel- 
schnitt zusammenfällt,  und  jede  auf  ihr  senkrechte  Linie  bildet 
mit  ihr  selbst  ein  harmonisches  Polarenpaar.  Hiernach  ist 
jedes  Paar  senkrechter  Linien  in  der  Ebene  harmonisches  Po- 
larenpaar desjenigen  Kegelschnittes,  welcher  durch  den  unend- 
lich fernen  Punkt  der  einen  Linie  (als  doppelten  Punkt  be- 
trachtet) repräsentirt  ivird. 

Anmerkung.  Der  Doppelpunkt-Kegelschnitt  kann  als  Kr  eis  mit 
dem  Radius  Null  betrachtet  werden,  und  die  unendlich  ferne  Gerade 
als  Kreis  mit  unendlich  grossem  Radius ,  der  erstere  mithin  als  Central- 
punkt  (Sj),  die  letztere  als  grösster  Kreis  eines  Systems  von  Kreisen, 
die  von  einem  zweiten  System  rechtwinklig  geschnitten  werden  (S.  die 
Figur  S.  111).  Da  nun  die  Centralpunkte  die  imaginären  Schnitt- 
punkte aller  Kreise  des  ersten  Systems  sind,  mithin  auch  der  Ki-eise 
mit  unendlich  kleinem  und  unendlich  grossem  Radius,  und  da  ferner 
das  Paar  der  Centralpunkte  (<S\  und  S^),  in  unendlicher  Entfernung  be- 
trachtet, in  einen  Punkt  zusammenfällt,  so  kann  man  sagen,  „der  un- 
endlich ferne  Doppelpunkt -Kegelschnitt  sei  das  imaginäre  zusammen- 
fallende Punktepaar,  in  welchem  die  unendlich  ferne  doppelte  Gerade 
von  einem  unendlich  kleinen  doppelten  Kreise  geschnitten  werde". 

Dieser  Satz  bezeichnet  wohl  den  Gipfelpunkt  dessen,  was  die  syn- 
thetische Geometrie  in  der  Anwendung  paradoxer  Begriffe  leistet. 
Denn  die  Begriffe  „unendlich  ferner  Punkt"   und  „imaginärer  Schnitt- 


234     — 


punkt"  sind  und  bleiben  paradox,  solange  mau  sie  wörUich  nimmt, 
statt  in  ihnen  nur  andere  Ausdrucksformen  für  anschauliche  geome- 
trische Begriffe  zu  sehen.  Nur  unter  diesem  letzteren  Gesichtspunkte 
lässt  sich  ihre  Anwendung  rechtfertigen,  und  der  vielseitige,  wohl- 
berechtigte Widerstand,  welcher  diesen  Begriffen  ausserhalb  des  Kreises 
der  Synthetiker  entgegengesetzt  wird,  wird  erst  dann  gegenstandlos 
erscheinen,  wenn  man  sich  bescheiden  wird,  den  „unendlich  fernen 
Punkt"  als  andre  Ausdrucksform  für  ,, Strecke",  den  „imaginären  Schnitt- 
punkt" zweier  Kreise  als  andre  Ausdrucksform  für  ,,Centralpuakt"  an- 
zusehen. 

Auch  der  oben  gegebene  Satz  verliert  seine  n)ystische  Form,  und 
lässt  einen  äusserst  einfachen  Inhalt  erkennen,  sobald  man  die  eben 
erwähnte  Umschreibung  auf  ihn  anwendet.  Da  ist  zunächst  ein  un- 
endlich ferner  Doppelpunkt  nichts  weiter  als  ein  endliches  paralleles 
Streckenpaar.  Wenn  ferner  ein  Punkt  und  eine  ausserhalb  desselben 
liegende  Gerade  als  Centralpunkt  und  grösster  Kreis  eines  orthogonal 
geschnittenen  Kreissystems  betrachtet  werden,  d.  h.  als  Gebilde,  die 
sich  in  imaginären  Punkten  schneiden,  so  wird,  wenn  man  beide  Ge- 
bilde mit  dem  Prädicat  ,, unendlich  fern"  versieht,  der  Punkt  in  eine 
Strecke,  und  die  Gerade  in  einen  mit  dieser  Strecke  parallelen  Flächen- 
theil verwandelt.  Da  aber  in  unendlicher  Entfernung  schliesslich  beide 
Centralpunkte  zusammen  in  die  doppelte  unendlich  ferne  Gerade  fallen, 
so  heisst  dies  nichts  andres,  als:  das  Paar  der  parallelen  Strecken  (als 
Kegelschnitt  betrachtet)  fällt  in  die  Ebene  des  doppelten  Flächentheils. 
Und  der  oben  gegebene  Satz  hat  den  Inhalt:  Ein  Parallelenpaar  kann 
man  betrachten  als  dasjenige  Gebilde,  welches  die  durch  dasselbe  be- 
stimmte Ebene  mit  eben  diesem  Parallelenpaar  gemeinsam  hat. 

120.  ^^^   ^^^  Eigenschaften    der  beiden   eben    besprochenen 

Kegelschnitte  können  wir  Gebrauch  machen,  um  die  beiden 
reciproken  Sätze  von  Vierecken  in  Nr.  116  zu  specialisiren . 
Wir  zeichnen  zu  diesem  Zweck  für  den  ersten  Satz  ein  so- 
genanntes überschlagenes  Viereck  (ABA^B^),  für  den  zweiten 
ein  Vierseit,  dessen  Gegenseiten  auf  einander  senkrecht  stehen 

A 


.V 


Fig.  33. 

Nach  dem  ersten 
{B ,  jB|)    harmonische 


Fig.  34. 

jener  Sätze   wird,   wenn    (Ä,  Ä^)  und 
Polenpaare    eines  Kegelschnittes    sind, 


—    235     - 

auch  (0,  C'j)  ein  solches  sein.  Dieser  Fall  tritt  aber  ein, 
wenn  J.,  und  B^  in  unendliche  Entfernung  rücken,  wobei 
die  unendlich  entfernte  Doppelgerade  der  zugehörige  Kegel- 
schnitt ist.  Beide  Punkte  liegen  dann  auf  der  unendlich  ent- 
fernten Geraden,  und  unser  Satz  sagt,  dass  auch  C^,  der  zu 
C  zugeordnete  harmonische  Pol,  auf  derselben  liegt.  Man 
kann  daher  sagen:  Die  unendlich  fernen  PunJde  dreier  Ge- 
raden, welche  die  Seiten  eines  Dreiecks  bilden,  liegen  auf  der- 
selben (unendlich  entfernten)  Geraden.  Umschrieben  lautet 
dieser  Satz :  Drei  Strecken  auf  den  Geraden,  welche  die  Seiten 
eines  Dreiecks  (ABC)  bilden,  liegen  in  demselben  Flächen- 
theil. Oder,  da  es  hierbei  auf  die  Grösse  der  Strecken  und 
des  Flächentheils  nicht  ankommt: 

Drei  Geraden,  von  welchen  sich  je  zivei  in  einem  Punkte 
schneiden,  liegen  in  derselben  Ebene. 

Nach  dem  zweiten  jener  Sätze  wird,  wenn  (a,  a^)  und 
(b,  &i)  harmonische  Polarenpaare  eines  Kegelschnittes  sind, 
auch  (c,  Cj)  ein  solches  sein.  Dieser  Fall  tritt  aber  ein,  wenn 
«1  auf  a  und  b^  auf  b  senkrecht  steht,  wobei  ein  unendlich 
ferner  Doppelpunkt  der  zugehörige  Kegelschnitt  ist.  Unser 
Satz  sagt  dann,  dass  auch  (c,  c^)  ein  harmonisches  Polenpaar 
dieses  Kegelschnitts,  und  als  solches  ein  paar  senkrechter 
Linien  ist.  Man  kann  daher  sagen :  Die  aus  den  Ecken  eines 
Dreiecks  {a  b  c)  auf  die  Gegenseiten  gefällten  Senkrechten  gehen 
durch  denselben  Punkt.  Reciprok  sind  also  folgende  beiden 
Sätze : 


Die    Seiten    eines    Dreiecks 
liegen  in  derselben  Ebene. 


Die  Höhen  eines  Dreiecks 
schneiden  sich  in  demselben 
Punkte. 

Anmerkung.  Das  hier  gegebene  Beispiel  einer  Umsclireibung 
zeigt  uns  die  Bedeutung  'der  unendlich  fernen  Gebilde  in  einem  neuen 
Lichte.  Ebenso  vpie  der  unendlich  ferne  Punkt  als  gemeinsames  Ge- 
bilde paralleler  Linien  uns  aus  dem  Gebiet  einer  Linie  in  das  der 
Ebene  hinausführt,  so  auch  die  unendlich  ferne  Gerade  als  gemeinsames 
Gebilde  paralleler  Ebenen  aus  dem  Gebiet  einer  Ebene  in  das  des 
Raumes.  In  der  That  giebt  es  zu  dem  Satze  von  den  Höhen  eines 
Dreiecks  im  Gebiet  der  Ebene  keinen  reciproken  Satz,  sofern  man  un- 
endhch  entfernte  Gebilde  ausschliesst.  Wohl  aber  sind  die  beiden 
letzten  Sätze  reciprok  in  Bezug  auf  das  Gebiet  des  Raumes.  Denn  in 
diesem  Gebiete  entsprechen  sich  die  Gebilde :  Punkt  und  Ebene,  Gerade 
und  Gerade.    Mithin    sind  drei  Geraden,    die   in   einer  Ebene   liegen. 


—     236     — 

reciprok  mit  drei  andeiu  Geiaden,  die  durch  einen  Punkt  gehen.  — 
Die  unendlich  fernen  Gebilde  können  also  benutzt  werden ,  um  einen 
Ausdruck  für  eine  Reciprocität  in  der  Ebene  zu  gewinnen,  die  that- 
sächlich  nur  im  Räume  besteht.  —  Vgl.  über  diesen  Gegenstand  auch 
die  Bemerkung  bei  Hesse,  ,, Sieben  Vorlesg,  a.  d.  anal.  Geom.  d.  Kegel- 
schnitte".    S.  43  unten. 

121.  Contravarianten.  —  Aus  der  oben  betrachteten  Invariante 

(Xriiy  entstebt  nach  Nr.  82  eine  Contravariante,  indem  man 
einen  ihrer  Buchstaben,  z.  B.  |,  als  neue  Variable  betrachtet. 
Wenn  dann  der  Punkt  x  den  Kegelschnitt  «  beschreibt  (dessen 
Gleichung  ax^  =  0  ist),  so  beschreibt  die  Gerade  |  als  um- 
hüllende Linie  ein  zweites  Gebilde,  das  im  Allgemeinen  noch 
unbestimmt  ist,  aber  durch  Aufstellung  einer  Beziehung 
zwischen  den  Variablen  x  und  |  definirt  werden  kann,  und 
dessen  Gleichung  {i,  .  rilY  =  0  ist,  eine  Gleichung,  die  offen- 
bar vom  zweiten  Grade  in  |  ist,  und  daher  ebenfalls  einen 
Kegelschnitt  repräsentirt.  —  Die  zweite  Form  dieser  Glei- 
chung ist  offenbar: 

Von  jenen  Beziehungen  zwischen  x  und  |  mögen  nun 
^  die  einfachsten  betrachtet  werden.  —  Wenn  erstens  |  ==  /(^^ 
ist,  dann  ist  nach  Nr.  81  (^|)  =  0,  und  |  ist  Tangente  an 
die  gegebene  Curve.  Die  von  |  umhüllte  Curve  ist  also  mit 
der  von  x  beschriebenen  identisch,  und  ebenso  wie  die  Glei- 
chung aa;' =  0,  wenn  man  x  =  x^e^ -\- x^e^ -^  x^e^  setzt, 
auf  die  in  Punktcoordinaten  ausgedrückte  Gleichung  der  Curve 
führt,  so  die  Gleichung  {i,  .  Tqt,)"^  =  0  durch  die  Substitution 
^  "^  ^iki  +  ^2^2  +  iaks  ^uf  die  Gleichung  der  Curve  in 
Liniencoordinaten.  *) 


*)  Ausgeführt:  Aus  i  =  |i  ki-flalea-f- ^ajeg-;  ??  =  77i|ei4-^2l«2  +  ^3  l^a; 
t=^Aei  +  ti\e-,  +  U\e^  folgt: 

=  «lll  +  «2I2  4-  «3i3• 
worin 

«11  =  C^Ja^S  —  •»?3^2)^  =  ^22^38  —  27]2,^32  +  7^33^22 

«12  =  (»72^3  —  »?3^2)  (Vstl  -  Vl^^)  =  ^23^31  —  -^33^21  —  ^21^33  +  »731  ^23 

ist,  während  die  anderen  Coefficienten  aus  diesen  beiden  durch  circuläre 
Vertauschung  der  Indices  gefunden  werden.  —  Da  aber  r]  und  J  sich 


—    237     - 

Nimmt  man  ztveitens  an,  |  sei  die  Ergänzung  von  x  in 
Bezug  auf  das  Dreieck  der  Punkte  e^e^e^,  also  |  =  jic;  dann 
folgt  aus  der  Gleichung  x  =  x^e^  -\-  x^e.y  -\-  x.^e^  (nach  „Raum- 
lehre" Nr.  142) 

I X  —  X*    ßt   ~"j     Xt)   o.>  ~]     Xo   ßo  % 

man  hat  also  statt  |j,  |o,  I3  resp.  zu  setzen  x^j  X2,  x^.    Zwi- 
schen den  durch  die  Gleichungen 

ax-  =  0;  (|a;.  ^1)2  =  0 
dargestellten  Curven  besteht  also  die  Beziehung,  dass  ein  Punkt 
der  ersteren  aus  den  Einheiten  gj,  62,  63  mittelst  derselben 
Zahlen  abgeleitet  wird,  wie  eine  entsprechende  Tangeute  der 
zweiten  aus  den  Ergänzungen  dieser  Einheiten.  Dasselbe 
gilt  auch,  wenn  man  die  beiden  Curven  vertauscht,  da,  wenn 
^  die  Ergänzung  von  x,  auch  x  diejenige  von  ^  ist.  —  Ver- 
möge dieser  Beziehung  nennt  man  jede  der  beiden  Curven 
die  Reciprokalcurve  der  anderen.  Um  den  Ausdruck  der 
zweiten  Curve  in  Punktcoordinaten  zu  finden,  hat  man  nur 
in  der  Darstellung  der  letzten  Anmerkung  statt  Iil2^3  i^esp. 
XyXf^x^  zu  setzen. 

Beduction  auf  die  Stammformen.     Alle  Covarianten  der  122. 
Function  lassen  sich   aus  x  — P  -\-  ^f   d.  h.  6  —  3-}-l=4 
Stammformen    ableiten.     Für  die    eine  oben  betrachtete   Co- 
variante   {irji,)-    ist   diese    Reduction    bereits    in  Nr.  89  aus- 
geführt, und  gefunden  worden: 

iiinty  =  9^20  <Po2  —  9^n'  —  9^10*902  • 
Da  die  Function  keine  weiteren  unabhängigen  Covarianten 


auf  die  gegebene  Function  ax^  beziehen,  so  ist 

«11  =  2(or22a33  —  «23-;;     a,2  ==  2  («23  «31  —  «33  «,2); 
mithin  die  Gleichung  der  Curve  in  Liniencoordinaten: 

(«22  «33   —   a23^)^i^  +  {oCssdn  —   013,^)1^'  +  («i,  «22  —  CCii')  ^3^ 

+  2  [(a23o;3i  —  a33ai2)  ^ ,  ^2  +  («3i«i2  —  a|i«23)  I2 13  +  («lattas  —  «aattsi)  ^a  4i]  =  0. 
Da  diese  Gleichung,  wie  aus  ihrer  oben  gegebenen  Form  erhellt,  aus 
den  Grössen  a  und  4  gerade  so  zusammengesetzt  ist,  wie  die  Gleichung 
in  Punktcoordinaten  aus  u  und  x,  so  kann  man  die  erstere  auch 
schreiben:  a^^  =  0;  d.  h.  man  kann  gleichzeitig  a  mit  cc  und  4  mit  x 
vertauschen.     Also  ist  auch 

du  =  2(022  .  «33  —  «23^);    "12  =  2  (023  «31   —  «33«l2)>    ^tC. 


—     238     — 

besitzt,  so  bleibt  nur  noch  übrig,  die  in  Nr.  89  erwähnte  Ver- 
einfachung der  Reduction  vorzunehmen,  um  diese  letztere  für 
Functionen  höherer  Grade  ausführbar  zu  machen. 

Wenn    |  =  f('\    rj  =  ip*-^),    g  =  x^'\    ^  =  «(i'    die  Ab- 
leitungen von  vier  ternären  Formen  nach  x  sind,  so  ist 

{x^)  =  {A'n)  =  {x^)  =  ix&)  =  0, 
mithin  auch 

{x^)(xrj){xt){x&)  =  0, 
oder: 

{x^)x^{7]t^)-}-{xfj)x^^&^)-^{xt)x\&^^j)-^{xd-)x'ar}t)==0, 
oder,  durch  x^  dividirt: 

ixi){7jt»)  +  (xri){^^l)  +  {x^){&^r])  +  {x&)ar]t)  =  0. 

Dies  ist  für  vier  ternäre  Functionen  eine  ähnliche  Grund- 
formel, wie  sie  in  Nr.  112,  Beispiel  1)  für  drei  binäre  Func- 
tionen aufgestellt  wurde.  —  Betrachtet  man  nun  -9'  als  un- 
abhängige Variable,  d.  h.  als  Linie,  welche  nicht  durch  den 
Punkt  X  geht,  so  ist  auch  {xd')  nicht  gleich  Null,  und  man 
kann  aus  der  Gleichung  nur  die  drei  Homogen itäts-Factoren 
{x^),  (xrj),  (x^)  weglassen.  Setzt  man  noch,  *um  die  Natur 
der  einzelnen  Formen  besser  hervortreten  zu  lassen, 

0-=  \u, 
wo  n  ein  Punkt  ist,  so  lautet  die  letzte  Formel: 

—  ix\u)  {^rj^)  =  (|W  .  7]^)  -^{\u.U)  +  (|w  .  ^7]). 
Bei  der  weiteren  Rechnung  wollen   wir  uns   wieder   auf   das 

Beispiel  (1^^)'^  beschränken,  aus  welchem  das  allgemein  zu 
beobachtende  Verfahren  vollständig  zu  ersehen  ist.  Mau  hat 
also  zunächst: 

{x\uy.  {l^^y  =  3i\u .  nty  +  Qi\n .  7it)i\u .  ei), 

da  bei  der  Gleichsetzung  von  ^,  7y,  ^  sowohl  die  drei  Qua- 
drate, wie  die  drei  doppelten  Producte  einander  gleich  werden. 
Nun  werden  in  die  auf  der  rechten  Seite  der  Gleichung 
stehenden  Klammerausdrücke  die  Hilfsgrössen  y  und  x  ein- 
geführt, und  zwar  mittelst  der  in  Nr.  89  abgeleiteten  Formel : 

-  (|^)(e^)U0)  -  {^x){rjy){^0)  -  (r}x)(^y){t0), 


—    239     — 

wobei  die  an  jener  Stelle  weggelassenen  Homogenitäts-Factoren 
beibehalten  sind.  Man  braucht  zu  diesem  Zweck  in  dieser 
Formel  nur  |,  resp.  rj  durch  \ti  zu  ersetzen.  —  Zur  weiteren 
Vereinfachung  nehmen  wir  aber  vorher  an,  die  bis  jetzt  un- 
bestimmt gelassene  Linie  d-  sei  die  Verbindungslinie  der 
Punkte  y  und  z.     Dann  ist 

1/^  =  0;     ^^  =  0, 
oder: 

(y\u)  =  0',    {z\u)=0. 

Es  werden  demnach  in  der  obigen  Formel  auf  der  rech- 
ten Seite  alle  Glieder  gleich  Null,  welche  die  Grösse  |,  resp. 
r]  enthalten,  und  man  erhält: 

(|H .  H)  =  {x\u) .  imaz)  -  {UMz)\. 

Setzt  man  diese  Werthe  in  dem  oben  gegebenen  Aus- 
druck für  (§>?^)^  ein,  so  hebt  sich  {x\iif-  beiderseits  weg, 
und  es  bleibt: 

•     .\[Xy){U)-iXy){U)\' 

Wir  schreiben  nun  wieder,  wie  an  entsprechender  Stelle 
der  früheren  Methode,  für  ^,  r;,  t,  den  Ausdruck  aa;""^,  für 
|(2)^  r^(-^,  g(2)  j^[gQ  c^^n  — 2^  uii(j  bestimmen  z  durch  die  Be- 
dingung 

arr"-!^  =  0. 

Wenn  dann  in  der  letzten  Gleichung  die  Klammern  gelöst 
werden,  so  verschwinden  drei  von  den  vier  Gliedern,  welche 
der  zweite  Summand  liefert,  weil  sie  ax^~'^z  als  Factor  ent- 
halten, und  es  bleibt: 

i  d''?^)^  =  ccx^'-'^y'^  .  ax'^-'^z-  —  \ux^-^yzY 
—  \aoc;"^—^yY  .  ax^-^z"^, 
oder,  wenn  wir  wieder  setzen: 

ax^-^—f^y^z^  =  cpx^, 
■l{lrit,)-  =  920  9^02  —  ^ii"'  —  ^io'9'o2; 
übereinstimmend  mit  dem  früher  gefundenen  Resultate.*) 


*)  Die  hier  durcbgeführte  abgekürzte  Methode  verdanke  ich  einer 
brieflichen  Mittheilung  von  Hrn.  Grassmann. 


240 


ß)   Zwei  Functionen. 
^^^*         Zwei  Functionen 

worin 

/y»    ■  ,  .      /y*     p       .  I  .     /y>      /y  \        /y*     /> 

ist,  repräsentiren  zwei  Kegelschnitte  in  einer  Ebene. 

Covarianten.  —  Jenachdem  man  in  dem  Ausdrucke  {i,ri^Y 
die  drei  Grössen  |,  ij,  ^  säramtlich  aus  der  ersten,  oder 
sämmtlich  aus  der  zweiten  Function  ableitet,  erhält  man  die 
bereits  bekannten  Invarianten  («■')  oder  (/3'*).  Jenachdem  man 
ferner  zwei  dieser  Grössen  aus  der  ersten,  und  die  andre  aus 
der  zweiten  Function . ableitet,  oder  umgekehrt,  erhält  man 
zwei  neue  Invarianten  (a^/S)  oder  (a/3^).  Hebt  man  in  dem 
Ausdruck  (|^^)^  diejenigen  Buchstaben,  welche  aus  der  zwei- 
ten Function  genommen  werden  sollen,  durch  einen  oberen 
Index  hervor,  so  kann  man  die  vier  Invarianten  in  folgender 
Weise  unterscheiden: 

(«3)  _  (1^)2.  («2^)_(i^2. 

Um  die  geometrische  Bedeutung  der  beiden  neuen  In- 
varianten zu  erkennen,  gehen  wir  von  den  drei  Formeln 
(Nr.  114)  aus,  welche  sagten,  dass  in  dem  Dreieck  der  Punkte 
xyB  jede  Seite  die  Polare  des  Kegelschnittes  a  in  Bezug  auf 
die  Gegenecke  sei: 

{yz)^  ccx'^     {zx)  ^  ay]     (xy)  ^  az. 
Durch  Multiplication  von  je  zwei  dieser  Formeln  folgt: 
{xy)z'^  EZ3  a-{xy)\     {yz)x^  ^  a^{yz)-^     C^^)^/^  ^  a^izx)-^ 
daher,  wenn  keine  zwei  Punkte  zusammenfallen : 

z"^  ^  «-;     x"^  ^  cc^'^     y-^^a^, 
und  durch  Multiplication  mit  ß : 

ßz'^  =  a^ß;     ßx:^  =  a^ß;     ßif  =  a^ß. 
Ist  nun  («2/3)  =  0,  so  ist  ßx'-  =  ßy''-  =  ßz"^  =  0;   d.  h.:  die 
drei  Punkte  xyz  liegen  auf  dem  Kegelschnitt  ß. 

Bas  Verschivinden  der  Invariante  {cc^ß)  zeigt  also  an, 
dass  der  Kegelschnitt  ß  durch  die  Ecken  eines  Dreiecks  geht, 


-     241     —  . 

dessen  Seiten  Polaren  des  Kegelschnitts  a  in  Bezug  auf  die 
gegenühcrlirgenden  Ecken  sind.  —  Durch  Vertauschung  von 
a  und  ß  erhält  man  aus  diesem  Satze  die  Bedeutimg  der 
anderen  Invariante. 

Contravarianten.  Ausser  den  beiden  Contravarianten  der  124. 
einzelnen  Functionen,  nämlich  {\x  .  i]^)-  und  (\x  .  rft)'  kann 
nur  noch  eine  Form  dieser  Art -gebildet  werden,  nämlich  da- 
durch, dass  man  den  einen  der  beiden  Buchstaben  r]  und  t, 
aus  der  ersten,  den  andern  aus  der  zweiten  Form  nimmt. 
Man  hat  also  im  Ganzen  folgende  drei  Contravarianten,  worin 
^  =  \x  sein  solJ : 

Die  mittlere  dieser  Formen  repräsentirt  ebenso  wie  die 
beiden  anderen  einen  Kegelschnitt.  Um  denselben  näher 
kennen  zu  lernen,  nehmen  wir  an,  es  sei  |  =  |^., .  Dann 
würden  bei  der  Ausrechnung  des  Productes  Q,  .  rjt,')  die- 
jenigen Glieder  von  i]  und  ^',  welche  den  Factor  \r.,  enthalten, 
nicht  zur  Verwendung  kommen.     Es  ist  daher 

vorausgesetzt,  dass  man  7]  und  t,'  nur  aus  |^,  und  |e.^  ableitet, 
und  in  Folge  dessen  x  nur  aus  e,  und  e., .  Unter  letzterer 
Voraussetzung  aber  bedeuten  a  und  ß  die  Punktepaare,  in 
denen  die  Curven  cc  und  ß  von  der  Linie  ^  geschnitten  wer- 
den.    Wenn  nun 

{fltr  =  (aß)  =  0 

ist^  so  sind  die  Punktepaare  u  und  ß  harmonisch  (Nr.  93). 
Es  schneidet  also  die  Linie  ^  (=  |  e.^)  die  beiden  Curven  a  und 
ß  in  harmonischen  Punktepaaren;  und  da  jede  der  Lagen 
von  I,  die  der  Gleichung  (a/3)|2  =  0  genügt,  als  Linie  {\e^) 
angenommen  werden  kann,  so  repräsentirt  die  Gleichung 
(aj3)^2  ^^  0  denjenigen  Kegelschnitt,  dessen  sämmtlirhe  Tangen- 
ten die  Curven  u  und  ß  in  harmonischen  PunJcfepaaren 
schneiden. 

Bezeichnen  wir  die  zu  a  und  ß  reciproken  Kegelschnitte 
mit  a.  resi^.  h,  so  ist 

(«^)|2  =  a|2.     (^•>)|2_;,|2. 

Schlegel,  Elemente.  .  16 


_     242     - 

Nun  erhält  mau  den  ursprünglichen  Kegelschnitt  wieder  durch 
Vertauschung  der  griechischen  und  lateinischen  Buchstaben; 
mau  hat  also: 

(a"^)  x' =  a  X- ;    (¥)X' =  ßx"^. 
Es  wird  ferner  der  zu  (a  ß)^-  =  0  reciproke  Kegelschnitt 
ausgedrückt  sein  durch 

(« byx-  =  0. 

Und  dieser  Kegelschnitt  hat  die  reciproJce  Eigenschaft,  dass 
die  aus  irgend  einem  seiner  PunMe  an  die  beiden  gegebenen 
Curven  gezogenen  Tangentenpaarc  harmonische  Linienpaare 
sind.  —  Seine  Gleichung  ist  eine  Covariante  der  beiden  ge- 
gebenen Functionen,  wie  man  sogleich  erkennt,  wenn  man 
darin  a  und  b  durch  die  gleichbedeutenden  Werthe  a?  resp. 
/3'-  ersetzt,  wodurch  die  Gleichung  die  Form  erhält: 

a'ß'-x'^O.- 
Man  wird   diese  Covariante  unmittelbar    aus    den    gegebenen 
Functionen  erhalten  durch  die  Bilduug 

wobei  ^'  und  -&'  aus  der  einen,  t]  und  t,  aus  der'  anderen 
Function  entnommen  werden. 

y)  Drei  Functionen. 
125.  Drei  Functionen 

ux''-  =  0,     ßx'^  =  0,     yx^-^O, 
worin 

ist,  repräsentiren  drei  Kegelschnitte  in  einer  Ebene. 

Covariantcn.  1)  Ausser  den  neun  bereits  bekannten  In- 
varianten : 


kann  noch   eine  gemeinsame  Invariante   der  drei  Functionen 
gebildet  werden,  nämlich: 

Die  geometrische  Bedeutung  ihres  Verschwindens   findet 


—     243    — 

sich,  wenn  man  bedenkt,  dass  die  Gleichung  (ccßy)  =  0  nichts 
weiter  sagt,  als  dass  zwischen  den  drei  Grössen  a,  ß,  y  eine 
Zahlgleichung  existirt,  sodass  man  statt  dieser  Gleichung  auch 
schreiben  kann : 

Xa  -\-  iiß  -\-  vy  =  0, 

oder,  mit  dem  Quadrat  eines  beliebigen  Punktes  x  mul- 
tiplicirt: 

Xax"^ -\- y.ßx'^ -\- vyx' =  0. 

Wenn  nun  x  einer  der  Schnittpunkte  der  Curven  a  und  ß 
ist,  so  ist 

ccx^-^^O,     ßx'  =  0', 

mithin  nach  der  letzten  Gleichung  auch 

d.  h.:  auch  die  Curve  y  geht  durch  diesen  Punkt. 

Denkt  man  sich  nun  aus  den  iu  entwickelter  Form  ge- 
schriebenen   Gleichungen    ax-  =  0    und    ßx-  ^=^  0    eine    der 

beiden  Variablen   ~  und  -^  eliminirt,    so  erhält  man  nach 

X^  Xg 

Nr.  70  eine  Gleichung  vom  vierten  Grade  in  der  anderen, 
mithin  auch  vier  Werthe  für  diese  Variable,  deren  jedem  ein 
Werth  der  anderen  entspricht.  Zivei  Kegelschnitte  Jiahen  also 
im  Allgemeinen  vier  gemeinsame  Punhte,  und,  reciprok,  vier 
gemeinsame  Tangenten. 

Demnach  ist  das  Verschwinden  der  Invariante  (ccßy)  die 
Bedingung  dafür,  dass  die  drei  Kegelschnitte  a,  ß,  y  durch 
die  nämlichen  vier  PunJcte  gehen  (dem  nämlichen  Viereck  um- 
schrieben sind),  und  das  Verschwinden  der  Invariante  (ahc) 
die  Bedingung  dafür,  dass  die  drei  Kegelschnitte  a,  h,  c,  vier 
gemeinsame  Tangenten  haben  (dem  nämlichen  Vierseit  ein- 
heschr leben  sind). 

Wir  haben  früher  die  Gesammtheit  der  durch  einen 
Punkt  gehenden  Geraden,  von  denen  also  je  drei  der  Glei- 
clmng  [cißy)  =  0  genügten,  einen  Stralenbüschel,  und  die 
Gesammtheit  der  auf  einer  Geraden  liegenden  Punkte,  voji 
denen  also  je  drei  der  Gleichung  {abc)  =  0  genügten,  eine 
Puuktreihe  genannt.  —  In  entsprechender  Weise  können  wir 
jetzt  die  Gesammtheit  der  durch  dieselben  vier  Punkte  gehen- 
den  Kegelschnitte,    von    denen    also   je    drei    der  Gleichung 

IG* 


—     244     — 

(« ßy"j  =  0  genügen ,  einen  Kcgelsclmitthüschcl  nennen ,  und 
die  Gesaramtlieit  der  dieselben  vier  Geraden  berührenden 
Kegelschnitte,  von  denen  also  je  drei  der  Gleichung  {ahc)  =  0 
genügen,  eine  Kcgelsclmittreihe. 

Anmerkung.  Auf  den  Begriff  des  Kegelsclinittbüschels  führte 
uns  schon  früher  die  Darstellung  des  Kegelschnittes  durch  ein  plani- 
metrisches  Product.  S.  „Raumlehre-'  Nr.  178.  179.  —  Die  Darstellung 
von  Curvenbüscheln  und  Curvenreiheu  nach  beiden  Methoden  hat  Grass- 
raaun  ausgeführt  in  Crelle's  Journal  Band  42.  S.  193  ff. 

Wird  in  den  Gleichungen  der  drei  Kegelschnitte  a,  ß,  y 
die  Variable  x  nur  aus  den  Einheiten  e^  und  e.^  abgeleitet, 
so  stellen  a,  ß ,  y  die  Punktepaare  vor,  in  welchen  die  gleich- 
benannnteu  Kegelschnitte  von  der  Geraden  (e^Cj)  geschnitten 
werden.  Und  die  Gleichung  (aßy)  =  0  sagt  aus,  dass  diese 
Punktepaare  involutorisch  sind.  (Nr.  96.)  Man  hat  daher  die 
beiden  reciproken  Sätze: 


Die  Pimläeimare,  in  welchen 
ein  CurvenhüscJiel  ziveiten  Gra- 
des von  einer  heliehigen  Geraden 
gesclinitten  tvlrd,  sind  involu- 
torisch. 


Die  Tangentenpaare,  tvelche 
an  eine  Curvenreilie  zweiter 
Klasse  von  einem  beliebigen 
Punlde  aus  gelegt  werden,  sind 

involutorisch. 


126.  Die  Function  y=  ka  -{-jiß.  —  In  der  Gleichung  la  -f-  ^t/3 
-j-  vy  =  0  können  wir  v  ==  —  1  setzen,'  und  erhalten  dadurch 
y  als  Function  der  beiden  Curven  cc  und  ß,  nämlich 

y  =  IcC  -]-  ^ß  . 

Man  Jcann  cäso  einen  Kegelschnitt  des  Büschels  aus  zivei 
andern  (durch  ivelche  ein  Büschel  vollständig  bestimmt  ist)  eben- 
so ableiten,  ivie  einen  PunM  auf  einer  Geraden  aus  zivei 
Punläen  auf  derselben,  oder  eine  Gerade  in  einem  Stralen- 
hüschcl  aus  sivei  Geraden  dieses  Büschels. 

Die  Hesse'scJie  Determinante  von  y.  —  Die  Curve  y  zer- 
fällt in  ein  Linienpaar,  wenn  ihre  Hesse'sche  Determinante 
(y^)  verschwindet.     Dann  ist  nach  der  letzten  Formel 

Diese  Gleichung  giebt,  wenn  a  und  ß  feste  Curven,  also 

Constanteu  sind,  für  die  Variable  —  drei  Werthe.     Es  existi- 

."• 

ren  also  drei  Linienpanre,    dir,    als  Kegelschnitte  betrachtet, 


—    245    — 

dem  Büschel  mKjelwren.     SiucI  xi,  B,  C,  D  die  vier  Sclmitt- 
puiikte  vou  a  imcl  ß,  so  sind  diese  Linieupaare: 

{AB), {GL);      {AC),{BDy,      {ÄB),{BC), 

Die  Gleichung  (y-*)  =  0  (als  Function  von  A  und  ^i  ge- 
schrieben) kann  augenscheinlich  als  binäre  cuhischc  Function 
betrachtet  werden.  Wir  lernen  daher  für  diese  Function  eine 
neue  geometrische  Deutung  kennen.  Sie  reprüsentirt  nämlich 
hier  drei  Linienpaarc  (resp.  Punldepaare) ,  ivelche  einen  in- 
üolutorischen  Verein  bilden.  (Vgl.  Nr.  39.)  Ist  nun  die  Dis- 
criminante  dieser  Function  gleich  Null ,  su  fallen  von  den 
drei  durch  sie  dargestellten  Gebilden  zwei  zusammen,  z.  ß. 
{AB)  mit  {BB)  und  {AC)  mit  (J56');  d.  h.:  es  fällt  A  mit 
B  zusammen,  und  die  gemeinsame  Secante  der  beiden  Curven, 
{AB)  geht  über  in  eine  gemeinsame  Tangente.  Da  aber  der 
Berührungspunkt  dieser  Tangente  für  beide  Kegelschnitte  der- 
selbe ist,  so  sagt  man:  Bie  Kegelschnitte  berühren  sich  in 
einem  Ptmlie. 

Fällt  auch  noch  C  mit  B  zusammen,  so  sind  die  vier 
Schnittpunkte  der  Kegelschnitte  durch  zwei  Berührungspunkte 
(A  und  C)  ersetzt,  und  von  den  drei  oben  aufgezählten  Liuien- 
paaren  ist  das  erste  das  Paar  der  gemeinsamen  Tangenten 
geworden,  die  beiden  anderen  fallen  mit  der  (vierfach  zu 
zählenden)  Secante  {AC)  zusammen. 

Man  erhält  ferner  folgende  reciproke  Resultate:  Die 
Curve  c  =  la-\-  ^b  zerfällt  in  ein  Punktepaar,  wenn  (c^)  =  0 
ist.  Es  giebt  drei  solcher  Punktepaare,  nämlich  die  6  Punkte, 
in  denen  die  vier  gemeinsamen  Tangenten  der  Curven  a  und  b 
sich  schneiden.  Ist  die  Discriminante  von  (c^)  gleich  Null, 
so  fallen  zwei  dieser  Punktepaare,  mithin  auch  zwei  der  vier 
Tangenten  zusammen.  Man  hat  dann  ebenso  wie  vorher  eine 
Doppel-Tangente,  woraus  wieder  folgt,  dass  die  Kegelschnitte 
sich  berühren. 

Bie  Contravariante  von  y.  —  Dieselbe  ist,  wie  früher 
gefunden,  durch  (y-)  ausgedrückt,  oder,  wenn  man  für  y  seinen 
Werth  setzt,  durch: 

(j,^)  =  V-{a^)  +  2kii{ccß)  +  ii^ß')  =  0. 

Giebt  man  in  den  Ausdrücken  («'-),  {aß),  {ß"^),  welches 
die  schon  bekannten  Contravarianten  von  a  und  ß  sind,   der 


—     246     - 

Variableu  (\x)  einen  festen  VVertli,  so  kann  man  diese  Aus- 
drücke als  constant,  und  die  Gleichung  {y"^)  =  0  (insofern  sie 
durch  X  und  ^  ausgedrückt  ist)  als  binäre  quadratische  Function 
ansehen.  Dieselbe  drückt  alsdann  irgend  zwei  Punkte  aus, 
in  denen  die  beiden  Kegelschnitte  a  und  ß  von  der  Geraden 
(|.r)  geschnitten  werden,  d.  h.,  wenn  M  und  M^  die  Schnitt- 
punkte mit  «,  und  N  und  iVj  diejenigen  mit  ß  sind,  nach  Aus- 
wahl eines  der  Punktepaare  (JfJN^),  {MN^),  {M^N),  {M^N{). 
Ist  die  Discriminante  dieser  quadratischen  Form  gleich  Null, 
so  fällt  eins  dieser  Punktepaare  in  einen  einzigen  Punkt  zu- 
sammen; d.  h. :  die  Gerade  (|^)  geht  durch  einen  der  vier 
Schnittpunkte  der  Kegelschnitte  cc  und  ß.  Man  kann  daher 
diese  gleich  Null  gesetzte  Discriminante 

{a^).(ß^)-[{aß)Y-  =  0, 
die  in  Bezug  auf  {\x)   offenbar  vom   vierten   Grade   ist,    als 
die  Gleichung  einer  Curve  vom  vierten  Grade  hetrachten,   die 
in  vier  PunMe  (reciprok:  vier  Geraden)  einer  Ebene  verfallen 
ist,  nämlich  in  die  vier  Schnittpunhte  der  Curven  a  und  ß. 
127.  Specicüe  Fälle  der  Function  y.    —    a)   Es    ist    noch   zu 

untersuchen ,  welche  besonderen  Eigenschaften  ein  durch 
y  =  Xa  -\-  [iß  dargestellter  Curvenbüschel  hat,  wenn  ß  das 
in  Nr.  119  erwähnte,  in  unendlicher  Entfernung  liegende 
Parallelenpaar  ist.  Wir  bestimmen  zunächst  für  die  Punkte- 
paare (A,  B)  und  {ü,  V),  in  denen  a  und  ß  von  einer  be- 
liebigen Geraden  geschnitten  werden,  das  gemeinsame  har- 
monische Paar.  Dasselbe  besteht  offenbar  aus  dem  Mittel- 
punkte von  A  und  B,  und  dem  unendlich  fernen  Punkte  U 
selbst.  Da  nun  diese  Punkte  auch  mit  jedem  Punktepaare 
(^jjB,)  harmonisch  sind,  in  welchem  eine  der  Curven  y  von 

der  Geraden  geschnitten  wird ,   so  ist  der  Punkt  C  =  — —^ — 

auch  der  Mittelpunkt  des  Paares  {A^B^.  Der  Kegelschnitt- 
büschel y  hat  also  die  Eigenschaft ,  dass  alle  Sehnen,  welche 
von  einer  beliebigen  Secante  auf  seinen  Curven  abgeschnitten 
werden,  denselben  MittelpunM  haben.  Zieht  man  nun  beliebige 
Secanten  durch  den  Mittelpunkt  M  einer  dieser  Curven,  so 
werden  die  zugehörigen  Sehnen  dieser,  und  mithin  auch  der 
übrigen  Curven,  in  M  halbirt;  d.  h.:  M  ist  der  gemeinsame 
Mittel/punht  aller  Curven  des  Büschels.    Vermöge  beider  Eigen- 


—     247     — 

schatten  bezeichnet  nifin  diese  Curven  als  ähnliche   und  ähn- 
lich liegende  concentrische  Kegelschnitte. 

Anmerkung.  Da  der  Mittelpunkt  der  Parabel  der  unendlich 
ferne  Punkt  ihrer  Axe  ist,  so  werden  concentrische  Parabeln  solche 
sein,  deren  Axen  (auch  der  Richtung  nach)  zusammenfallen. 

Da  die  Doppellinie  ß  von  jeder  Geraden  in  einem  Doppel- 
punkte geschnitten  wird,  so  sind  auch  die  Schnittpunkte  von 
a  und  ß  zwei  Doppelpunkte  auf  jener  Linie;  man  kann  daher 
diese  Punkte  die  Berührungspunkte  von  a  und  ß  nennen. 
Von  den  6  durch  die  vier  Schnittpunkte  gehenden  gemein- 
samen Secanten  fallen  also  4  mit  der  Geraden  ß  zusammen; 
die  beiden  anderen  sind  die  gemeinsamen  Tangenten  von 
a  und  ß,  oder,  da  sie  die  Linien  sind,  welche  a  in  seineu 
beiden  unendlich  fernen  Punkten  berühren,  die  Asymptoten 
von  a.  Betrachtet  mau  nun  die  Asymptoten  als  Polaren  des 
Kegelschnittes,  so  sind  ihre  Berührungspunkte,  d.  h.  die  un- 
endlich fernen  Punkte,  die  zugehörigeu  Pole,  und  der  Schnftt- 
punkt  der  Asymptoten  ist  der  Pol  der  Verbindungslinie  jeuer 
Punkte,  d.  h.  der  Pol  der  unendlich  fernen  Geraden.  Hier- 
nach aber  fällt  der  SchnittpunM  der  Asymptoten  mit  dem 
MittelpunJit  der  Ctirve  zusammen.  Man  kann  also  die  Asym- 
ptoten eines  Kegelschnitts  als  die  von  seinem  MittelpunJit  aus 
gezogenen  Tangenten  bezeichnen. 

Da  die  gemeinsamen  Tangenten  von  a  und  ß  auch  die 
gemeinsamen  Tangenten  des  ganzen  Büschels  sind,  so  folgt 
noch,  dass  alle  Curven  des  Büschels  dieselben  Asymptoten  haben. 
Endlich  kann  man  die  Asymptoten  selbst  als  dasjenige  Linien- 
paar bezeichnen,  in  welches  einer  der  Kegelschnitte  des 
Büschels  zerfällt. 

h)  Es  ist  ferner  zu  untersuchen,  welche  besonderen  Eigen- 128. 
schaffen  eine  durch  c  =  Xa  -\-  ^b  dargestellte  Curvenreihe 
hat,  wenn  b  der  in  Nr.  119  erwähnte,  in  unendlicher  Ent- 
fernung liegende  Doppelpunkt  ist.  Wir  bestimmen  zunächst 
für  die  Tangeutenpaare  (a,  b')  und  (m,  u),  die  von  einem 
beliebigen  Punkte  der  Ebene  an  a  und  b  gezogen  werden, 
das  gemeinsame  harmonische  Paar.  Nun  ist  jedes  Paar  von 
senkrechten  Linien  in  der  Ebene  harmonisches  Polarenpaar 
des  Kegelschnitts  &,  daher,  wenn  eine  dieser  beiden  Linien 
mit  u  bezeichnet  wird,   harmonisch  zu  dem  Tangentenpaare 


—    248     — 

(«,  u).  Andrerseits  ist  dasjenige  Paar  senkrechter  Linien, 
welches  die  Winkel  von  a  und  h'  halbirt,  mit  diesem  Linien- 
paare harmonisch,  also  das  gesuchte  Paar.  Da  nun  diese 
Linien  auch  mit  jedem  Taugentenpaare  (a,',  &/)  harmonisch 
sind,    welches    an    eine    der    Curven   c  von    dem    gegebenen 

Punkte   aus   gelegt   wird,    so   ist  die  Linie  c  =  ^'^ —  auch 

die  Mittelrichtuug  des  Paares  («,',  h^).  Die  Kegclschnittreilie  c 
hat  also  die  Eigenschaft ,  dass  die  Winkel  aller  Tangentenpaare, 
die  von  einem  'beliebigen  Punkte  der  Ebene  an  seine  Curven 
gesogen  iverden,  durcli  dieselbe  Linie  halbirt  werden.  Diese 
Halbirungslinie  fällt  aber  (nach  den  in  Nr.  19.  26.  32  auf- 
gestellten Sätzen)  mit  der  Halbirungslinie  des  Winkels  der 
von  dem  gegebenen  Punkte  nach  den  Brennpunkten  dieser 
Curven  gezogenen  Linien  zusammen.  Und  da  dies  für  jeden 
Punkt  der  Ebene  gilt,  so  folgt,  dass  alle  Kegelschnitte  der 
Cttrvenreihe  dieselben  BrennpimMe  haben.  Vermöge  letzterer 
Eigenschaft  bezeichnet  man  diese  Curven  als  confocale  Kegel- 
schnitte. 

Anmerkung.  Da  der  zweite  Brennpunkt  der  Parahel  der  unend- 
lich ferne  Funkt  ihrer  Axe  ist,  so  werden  confocale  Parabeln  solche 
sein,  deren  Brennpunkte  und  Axen  (auch  der  Richtung  nach)  zusammen- 
fallen. 

Um  diejenigen  Punkte  einer  Curvenreihe  zu  finden,  welche 
den  Asymptoten  des  Curvenbüschels  entsprechen,  erinnern 
wir  uns,  dass  die  Asymptoten  mit  derjenigen  Curve  des 
Büschels,  welche  in  ein  Linienpaar  zerfiel,  identisch  waren. 
Demnach  sind  die  erdsprechenden  PunJcte  einer  Curvenreihe 
diejenigen,  in  ivelche  eine  Curve  dieser  Reihe  zerfällt ,  d.  h.  das 
Paar  der  den  Curven  der  Reihe  gemeinsamen  Brennpunkte. 

Wenn  ferner  die  Asymptoten  als  die  aus  dem  gemein- 
samen Mittelpunkt  an  die  Curven  des  Büschels  gelegten 
Tangenten  bezeichnet  wurden,  so  sind  reciprok  die  Brenn- 
punkte die  imaginären  Schnittpunkte  der  unendlich  fernen  Ge- 
radeti  mit  den  Curven  der  Reihe.  (Vgl.  Nr.  54.) 

Legt  man  an  zwei  confocale  Kegelschnitte  die  Tangenten 
aus  einem  ihrer  Schnittpunkte,  so  fällt  jedes  Tangentenpaar 
in  eine  einzige  Tangente  zusammen,  und  der  Winkel  der 
zusammenfallenden  Tangenten  ist  für  den  einen  Kegelschnitt 


__     249    — 

180",  für  den  andern  0".  Da  beide  Winkel  durch  dieselbe 
Gerade  halbirt  werden,  so  steht  die  eine  Doppeltaugente  auf 
der  anderen  senkrecht,  und  man  hat  den  Satz:  Confocale 
Kegelschnitte  scJmeiden  sich  unter  rechtem  Winliel. 

2)   Drei  Functionen  zweiten  Grades   haben  noch  die  ge- 129. 
meiusame  Covariante: 

Die  Gleichung 

iUl)  =  0 

sagt  aus,  dass  die  drei  Geraden  |,  >/,  ^,  d.  h.  die  Polaren  ein- 
■iind  desselben  FunJdes  x  in  Bezug  auf  die  drei  Kegelschnitte, 
durch  denselben  Ptmlä  gehen.  Mitliin  ist  die  durch  die  Gleichung 

aßyx^  =  0 

ausgedrücJcte  Curve  dritten  Grades  der  geometrische  Ort  für  alle 
PunJcte  X,  welche  diese  EigenscJiaft  besitzen. 

Wenn  (1»?^)  identisch  Null  ist,  so  besteht  zwischen  den 
drei  Functionen,  deren  Fuuctionaldeterminante  diese  Grösse 
ist,  eine  Zahlbeziehung  (nach  Nr.  73);  d.  h.  die  drei  Curven 
schneiden  sich  in  denselben  vier  Punkten.  Man  hat  in  Folge 
dessen  die  reciproken  Sätze : 

Die  Polaren  jedes  PunJctes  \  Die  Pole  jeder  Geraden  der 
der  Ebene  in  Bezug  auf  die  1  Ebene  in  Bezug  auf  die  Curven 
Ourvoi  eines  Kegelschnitt-  einer  Kegelschnittreihe  liegen 
biischcls  gehen  durch  denselben  \  auf  derselben  Geraden,  bilden 
Punld,  bilden  also  einen  Po- \  also  eine  Polreihe, 
larenbüschel.  \ 

Haben  die  drei  Kegelschnitte  a,  ß,  y  einen  gemeinsamen 
Funkt  Ä,  so  geht  nach  Nr.  73  auch  die  durch  die  Functional- 
deterrainante  aßyx^  =^0  bestimmte  Curve  durch  diesen  Punkt; 
und  da  für  x  =  A  auch  aßyx-  =  0  ist,  so  ist  A  ein  Doppel- 
pmikt  der  Curve.  —  Wenn  ferner  a,  ß,y  zwei  gemeinsame 
Punkte  {A,  B)  haben,  so  hat  die  Curve  dritten  Grades  ztvei 
Doiipelpunkte ,  und  zerfällt  daher  in  die  Gerade  {AB)  und 
einen  durch  die  Punkte  A  und  B  gehenden  Kegelschnitt,  weil 
andernfalls  die  Gerade  {AB)  die  Curve  in  vier  Punkten  (den 
beiden  Doppelpunkten)  schneiden  würde,  was  nicht  möglich 
ist.  —  Wenn  endlich  a,ß,  y  drei  gemeinsame  Punkte  {A,  B,  C) 


-     250     - 

haben,    so   verfällt  die   Curvc   dritten  Grades    aus   demselben 
Grunde  in  die  drei  Geraden  (AB),  {BC),  {CA). 
130.  Contravarianten.     Vergleichen    wir    die    Contravarianten 

der  ternären  mit  den  Invarianten  der  binären  quadratischen 
Functionen,  so  zeigt  sich,  dass  aus  jeder  der  letzteren  eine 
der  ersteren  hervorgeht,  indem  man  in  jeder  Klammer  den 
Factor  (|^)  hinzufügt.  Demgemäss  können  wir  aus  der  ge- 
meinsamen Invariante  von  drei  binären  quadratischen  Functio- 
nen folgende  Contravariante  von  drei  ternären  quadratischen 
Functionen  bilden: 

{X  .  rii){]x  .  i&)  {\x  .  .0-7?)  =  aßy  .^^  =  0. 

Sie  stellt  hiernach  eine  Ciirve  dritter  Classe  dar.  Um  ihre 
Beziehung  zu  den  drei  gegebenen  Kegelschnitten  kenneu  zu 
lernen,  nehmen  wir  (wie  an  entsprechender  Stelle  in  Nr.  124) 
au,  dass 

sei.     Dann  ist  wieder 

{\x.ri^)  =  {ri^y,    Qx  .  ^9)  =  {^»y,    {\x  .  ^n)  =  i^v)- 
Die  Gleichung  der  Contravariante  wird 

(r]^){^^){^rj)=0,    ^ 
und  diese  Gleichung  sagt  aus,    dass  die  Punktepaare  «, /3,  y, 
in  denen  die  gleichbenannten  Curven  von  der  Linie  (  c.,)  ge- 
schnitten werden,  involutorisch  sind.  (Nr.  96.)     Demnach  ist 
die  Gleichung 

aßyi^  =  0 

die  Bedingung  dafür,  dass  die  drei  Kegelschnitte  a,  ß,  y  von 
der  Linie  |  in  involtdorischen  PunJctepaaren  geschnitten  werden, 
und  man  hat  die  reciproken  Sätze: 

Alle  Geraden,  ivelche  von  drei !  Alle  FimMe,  in  denen  sich 
gegehenen  Kegelschnitten  in  in-  \  involiitorische  Tangentenpaare 
volutorischen  PunJctepaaren  ge- 
schnitten iverden,  umhidlen  eine 
Curve  dritter  Klasse. 


dreier  Kegelschnitte  schneiden, 
liegen  auf  einer  Curve  dritten 
Grades. 


Die  Massbeziohnngeii  in  der  Ebene. 

131.  Im   zweiten  Abschnitte   der  Einleitung  (Nr.  5  ff.)  wurde 

gezeigt,    dass    die   Entfernung  zweier  Punkte  auf  einer  Ge- 


—    251     - 

raden  als  specieller  Fall  des  Richtuugsuuterschiedes  zweier 
Geraden  iu  der  Ebene,  imd  die  Gleichheit  zweier  Strecken 
als  harmonische  Beziehung  ihrer  Endpunkte  auf  ein  Grand- 
gebilde (den  unendlich  fernen  Punkt)  betrachtet  werden  kann. 
Mit  Hilfe  der  nunmehr  beendeten  Theorie  der  Kegelschnitte 
können  wir  jetzt  analoge  Betrachtungen  im  Gebiete  der  Ebene, 
wie  dort  im  Gebiet  der  Geraden  austeilen, 

.Es  seien  e, ,  e^,  %  drei   auf  einander  senkrechte  Radien 
einer  Kugel,  und  (6162%)  '^  ^• 

Ferner  seien  x  und  y  zwei  andere  beliebige,  vom  Mittel- 
punkte der  Kugel  ausgehende  Strecken,  und 

aj  =  /l,  ßi  +  Ajßj  +  h^sj 

Wenn  dann  -9-  der  Winkel  zwischen  x  und  y  ist,  so  hat  mau 
(„Raumlehre"  Nr.  154)  folgende  Beziehungen: 

{xy)  =  (A,^  —  ^2f^i){^i^2)  +  ('^2^3  —  -^'3  ^2)  (62^3) 

l/{X^  ^o  — /lo^i)^  4-  (^2^3  — -^3 /*2)"^  +  ftfV— ^i~S? 

=  j/A,2  4-  A;-^  +  A32  .  ^^,2  _|_  ^^2  _|_  ^^2  .  sin  ^. 

^l  ^1  +  ^-2  i^2+h^-i  =  /'^l'-'+V+V  •  /f*r^+i^2'+f*3-'  •  COS  9; 

mithin  in  abgekürzter  Bezeichnung: 

(1)         sin^=-^Mt_;     cos^=      _^\y)_ 

wodurch  ■9-  als  arcus  sinus  des  einen,  oder  als  arcus  cosinus 
des  anderen  Ausdrucks  bestimmt  ist. 

Betrachten   wir   nun    die   Strecke  y  als   constant,    x  als 
variabel,  so  repräsentirt  die  Gleichung 


(2)  y{xy)^  =  0 

eine  Radialstrecke,  welche  mit  ?/ zusammenfällt,  dasin9'  =  0 
ist  (oder  auch  weil  aus  dieser  Gleichung  folgt:  [xy)  =  0). 
Und  die  Gleichung 

(3)  (^!2/)  =  0 

stellt  jede  Radialstrecke  vor,    welche   auf  y   senkrecht  steht 


—     252     — 

(eins  analogen  CJründeii),  d.  li.  die  auf  y  senkrechte  Ebene 
des  grössten  Kreises. 

Betrachtet  man  endlich  in  den  Gleichungen  (1)  v/  und  O' 
als  coustaut,  so  repräsentirt  jede  dieser  Gleichungen  alle  jene 
Streckenpaare  x,  welche  von  y  nni  den  Winkel  ^  abweichen, 
d.  h.  die  Fläche  eines  geraden  Kegels  von  kreisförmiger  Basis, 
dessen  Spitze  in  das  Kugelcentrum  fällt,  dessen  Axe  die 
Strecke  y ,  und  dessen  Winkel  an  der  Spitze  für  jeden  Axen- 
schnitt  2^  ist.  Jeder  Axenschnitt  trifft  hiernach  die  Kegel- 
fläche in  zwei  Seitenlinien,  welche  harmonisch  sind  mit  y 
und  mit  der  Linie,  in  welcher  die  Ebene  (3)  durch  den  Axen- 
schnitt getroffen  wird. 

Für  verschiedene  Winkel  &  erhält  man  verschiedene 
Kegelflächeu,  die  durch  einen  gemeinsamen  Axenschnitt  in 
involutorischen  Linienpaaren  geschnitten  Aterden. 

Es  seien  ferner  |  und  r]  zwei  beliebige  Flächentheile, 
deren  Ebenen  durch  den  Mittelpunkt  der  Kugel  gehen.  Wir 
können  dieselben  als  Ergänzungen  der  auf  ihnen  senkrecht 
stehenden  Radialstrecken  betrachten,  und  aus  den  Ergänzungen 
der  Strecken  e, ,  e^,  e^  ableiten.     Demnach  sei : 

Wenn  dann  d''  der  Neigungswinkel  der  Ebene  r]  und  der 
Strecke  x  ist,  so  erhält  man  die  zu  (1)  analogen  Formeln: 

(la)       sin  O'  =  — _-i    '^ -  5     cos  0'  = 


worin 

(x\rj)  =  (A,  m.^  —  A,  w,) {c^ e,)  +  (A, m._^  —  A^ m,) {e.^ e.^) 

+  (A3m,  —  AjWgCcgC,) 
ist. 

Betrachten  wir  tj  als  constant,  so  repräsentirt  die  Glei- 
chung yipcri)^  =  0  alle  in  iq  liegenden  Radialstrecken  x,  d.  h. 
die  Ebene  rj  selbst;  und  {x\yi)  =  0  die  auf  y]  senkrecht 
stehende  Radialstrecke.  Ferner  drückt  jede  der  Gleichungen 
(la)  für  constantes  y]  und  %•'  alle  Paare  x  aus,  welche  mit  yi 
den  Winkel  -0-'  bilden,   d.  h.   eine  Kegelfläche,  deren  Spitze 


—    253     - 

im  Kugelcentrum  liegt,  deren  Axe  die  auf  7]  senkrecht  stehende 
Radialstrecke,  und  deren  Winkel  au  der  Spitze  für  jeden 
Axenschnitt  2B  —  2d-'  ist.  Die  weiteren  Folgerungen  sind 
ganz  analog  denen  des  vorigen  Falles. 

Wenn  endlich  &"  der  Neigungswinkel  der  Ebenen  |  und  r] 
ist,  so  hat  man: 

(Ib)      sin  r  =  -^3^1^',     co&^"^^.J_^ri) 


Die  Werthe  von  (|i^)—  und  (11?;)  gehen  aus  denen  für 
{xy)~  resp.  {x\y)  hervor,  wenn  man  darin  die  griechischen 
Buchstaben  durch  die  entsprechenden  lateinischen  ersetzt. 

In  der  geometrischen  Deutung  treten  Ebenen,  die  durch 
den  Kugelmittelpunkt  gehen,  an  die  Stelle  der  Radialstrecken, 
und  umgekehrt.  Für  constantes  ri  und  %•"  stellt  jede  der 
Gleichungen  (Ib)  die  Geg*mmtheit  der  Ebenen  dar,  welche 
eine  Kegelfläche  umhüllen,  die  von  gleicher  Beschaffenheit 
ist,  wie  die  vorige. 

Bisher  war  die  Grösse   der   Strecken  x  und  tj,   und  die  132. 
der  Flächentheile  |  und  ri  unbestimmt  gelassen.     Bestimmen 
wir  dieselben  zuerst  durch  die  Gleichungen: 

k-  +  h^  +  ^3'  =  1;   '><  +  *>^2-  +  W  =  1  • 

Dann  liegen  die  Endpunkte  der  Strecken  x  und  y  auf  der 
Kugelfläche,  und  die  Ränder  der  Flächentheile  |  und  yj  sind 
grösste  Kugelkreise.  Bezeichnen  wir  die  Endpunkte  ebenso 
wie  die  Strecken,  und  die  Kugelkreise  ebenso  wie  die  Flächen- 
theile, so  ist  d-  das  Mass  für  den  Abstand  der  Punkte  x  und  y] 
d-'  das  Mass  für  den  Abstand  des  Punktes  x  von  dem  Kreise  -j^; 
d'"  das  Mass  für  den  Abstand  der  Kreise  |  und  r].  —  Es  wird 
ferner  die  Kegelfläche,  deren  Winkel  an  der  Spitze  oben  gleich 
2d-  gefunden  wurde,  von  der  Kugelfläche  in  einem  Kreise  x 
geschnitten,  dessen  Punkte  alle  von  y  gleichweit  entfernt  sind, 
während  die  beiden  Punkte  x,  deren  Abstand  von  y  durch  O- 
ausgedrückt  ist,  die  Endpunkte  eines  Durchmessers  sind.  Und 
auf  dem  grössten  Kugelkreise,  welcher  durch  einen  Axen- 
schnitt des  Kegels  bestimmt  ist,  wird  der  Punkt  y  nebst  dem 
einen  der  um  90''  von  ihm  entfernten  (durch  (x\y)  =  0  be- 
stimmten) Punkte  ein  harmonisches  Polenpaar  des  Kreises  x 


—    254    — 

bilden.  Ueberhaupt  wird  man  zu  jedem  Punkte  auf  der 
Peripherie  des  Axenschnittes  den  zugeordneten  harmonischen 
Pol  in  Bezug  auf  a  bestimmen  können,  und  ebenso  zu  jedem 
Punkte  X  auf  der  Kugelfläche  die  Polare  |  in  Bezug  auf  x. 
Wie  in  der  Ebene  auf  einer  durch  x  gelegten  variablen  Ge- 
raden der  zu  x  zugeordnete  harmonische  Punkt  eine  Gerade 
(die  Polare  von  x)  durchläuft,  so  kann  man  auch  festsetzen, 
dass  in  der  Kugelfläche  auf  einem  durch  x  gelegten  variablen 
grössten  Kugelkreise  der  zu  x  zugeordnete  harmonische  Punkt 
einen  grössten  Kugelkreis  beschreibe.  Die  Polare  von  x  ist 
hiernach  derjenige  grösste  Kugelkreis,  welcher  auf  dem  durch 
X  bestimmten  Radius  senkrecht  steht,  fällt  also  mit  der  Peri- 
pherie der  Ergänzungsfläche  von  x  zusammen.  —  Da  nun  die 
Polare  von  x  vollständig  bestimmt  ist,  so  ist  durch  diese  Fest- 
setzung auch  der  Kreis  x  bestimmt.  Und  zwar  ist  jedes  Paar 
von  Punkten  auf  der  Kugelfläche,  dessen  Abstand  90"  beträgt, 
ein  Polenpaar,  und  jedes  Paar  von  senkrecht  auf  einander 
stehenden  grössten  Kugelkreisen  ein  Polareupaar  dieses  Krei- 
ses. Wenn  wir  nun  in  den  Formeln  (1),  (la),  (Ib)  die  Grössen 
X  und  ?/,  wie  schon  oben  festgesetzt,  als  Punkte  auf  der 
Kugelfläche  betrachten,  und  die  Grössen  |  und  ri  als  ihre 
resp.  Polaren  in  Bezug  auf  x,  so  haben  wir,  da  diese  Polaren 
die  Ergänzungen  von  x  resp.  y  sind,  in  den  Ausdrücken  für 
§  und  7]  nur  die  Grössen  l  und  m  resp.  durch  A  und  ft  zu 
lersetzeu.     Dann  aber  wird: 

{xy)  =  {x\ri)  =  (|i?); 
{x\y)=  (xrj)  =(||)?); 


folglich ; 


sin  d'  =  cos  §•'  =  sin  ■9'"; 
cos  d-  =  sin  &'  =  cos  ^"-^ 


In  Worten :  Der  Abstand  zweier  Funkte  auf  der  Kugelfläche 
ist  gleich  dem  Abstand  ihrer  Polaren;  der  Abstand  zweier 
grösster  Kugelkreise  ist  gleich'  dem  Abstand  ihrer  Pole;  der 
Abstand  eines  Punktes  von  einem  grössten  Kugelkreise  ist  das 
Complement  seines  Abstandes  vom  Pol  des  Kugelkreises,  oder 
das  Complemcnt  des  Abstandes  seiner  Polare  von  dem  Kugel- 
kreise.   —    Das   erstere   dieser  beiden  Complemente  ist,    wie 


-    255    — 

noch  zu  bemerken  ist,  gleich  dem  Abstände  des  Punktes  von 
demjenigen  Punkte  des  grössten  Kugelkreises,  in  welchem 
dieser  letztere  von  einem  durch  den  gegebenen  Punkt  gelegten 
Kugelkreise  senkrecht  geschnitten  wird. 

Wir  nehmen  nun  an,  dass,  während  der  Punkt  y  fest  133. 
bleibt,  der  Mittelpunkt  der  Kugel  in'  uuendhche  Entfernung 
rückt,  und  wollen  alle  bei  Betrachtung  der  Kugeloberfläche 
erhaltenen  Resultate  für  diesen  Fall  specialisiren.  Zunächst 
geht  die  Kugelfläche  selbst  in  eine  Ebene  über,  und  ihre 
grössten  Kugelkreise  in  gerade  Linien,  die  sich  unter  den- 
selben Winkeln  schneiden,  wie  jene.  Der  Kreis  x,  in  Bezug 
auf  welchen  die  Begriffe  „Pol"  und  „Polare"  anzuwenden 
sind,  hat  die  Eigenschaft,  dass  jedes  Paar  von  senkrecht  auf 
einander  stehenden  Geraden  ein  Polarenpaar  für  ihn  ist; 
mithin  ist  er  der  in  Nr.  119  besprochene  unendlich  ferne 
Doppelpunkt-Kegelschnitt.  Es  ist  ferner  d-,  der  Abstand  der 
Punkte  X  und  y,  die  gerade  Strecke  zwischen  diesen  Funkten; 
#',  der  Abstand  des  Punktes  x  von  der  Geraden  t},  ist,  wie 
aus  der  vorhin  gemachten  Bemerkung  ersichtlich,  gleich  dem 
Abstand  des  Punktes  x  von  demjenigen  Punkte  der  Geraden  i], 
in  ivelchem  diese  letztere  von  einer  durch  x  gelegten  Geraden 
senkrecht  geschiitten  ivird.  (Mithin  ist  dieser  Fall  auf  den 
vorigen  reducirt.)  Dagegen  lässt  sich  d-'\  der  Abstand  der 
Geraden  |  und  tj,  nicht  durch  den  Abstand  zweier  Punkte 
ausdrücken.  Denn  da  die  Polare  jedes  Punktes  der  Ebene 
in  Bezug  auf  x  die  unendlich  ferne  Gerade  ist*),  so  ist  auch 
der  Pol  jeder  Geraden  ein  unbestimmter  Punkt  auf  jener  Ge- 
raden; es  liefert  daher  die  Regel,  dass  der  Abstand  zweier 
Geraden  gleich  demjenigen  ihrer  Pole  ist,  kein  bestimmtes 
Resultat  mehr. 

Da  nun  in  der  Ebene  jeder  Punkt  x  schon  aus  zwei 
Einheiten,  nämlich  aus  zwei  mit  x  in  derselben  Geraden 
liegenden  Punkten  e^  und  e.^  abgeleitet  werden  kann  (deren 
Entfernung  man  als  Masseinheit  für   die  Entfernung  zweier 


*)  Da  man  die  beiden  unendlich  fernen  Punkte  x  auf  jeder  Ge- 
raden der  Ebene  in  entgegengesetzter  Richtung  liegend  annehmen  kann, 
so  ist  in  der  That  jeder  Punkt  der  Ebene  Mittelpunkt  von  x,  also  seine 
Polare  die  unendlich  ferne  Gerade. 


—     256    — 

Punkte  betrachten  kann);  und  da  ebenso  in  der  Ebene  jede 
Gerade  ^  schon  aus  zwei  Einheiten  (|e^)  und  (jßa)?  nämlich 
zwei  auf  einander  senkrechten  Strecken  abgeleitet  werden 
kann  (deren  Richtungsunterschied  man  als  Masseinheit  für 
den  Richtungsunterschied  zweier  Geraden  betrachten  kann); 
so  wird  man  die  Formeln  (1),  (la),  (Ib)  auf  diese  einfacheren 
Gruppen  von  Einheiten  beziehen,  wenn  man  in  den  Ab- 
leitungsformeln für  X,  y,  I,  VI,  die  mit  dem  Index  3  versehenen 
Zahlen  gleich  Null  setzt.  Dadurch  nehmen  jene  Formeln  die 
einfachere  Gestalt  an: 

(4)  sin  %^  = ,.        1-    .,.7         ;     cos  ■&  =  T,  —  —-    ,y  -  : 

(4a)  sin  -9^  = ,,  -17^—^ ;    cos  xt  =  tt=         ^~=^r-=  • 

,.,,     .    ^,,              hiiu  —  Unii                     ^„               Z.  »1,-1-^2^2 
(4b)  sm ^  =  ,7, — --  ,/— ^' :    cos -&  ^=  ,7 —^     ,/_  ^  -^  . 

Die  Formeln  (4)  sind  nun  identisch  mit  den  P^ormeln  (1)  in 
Nr.  5,  und  es  greifen  alle  an  jener  Stelle  aus  diesen  Formeln 
gezogenen  Folgerungen  Platz,  namentlich  auch  die,  dass  die 
Masseinheit  willkürlich  wird.  —  Die  Formeln  (4a)  können 
auf  die  vorigen  reducirt  werden,  da  die  Gerade  rj,  wie  oben 
gezeigt,  darin  durch  einen  Punkt  2  =  v^c^  -\- v^e^  ersetzt 
werden  kann.  —  Nur  die  Formeln  (4b)  können  nicht  weiter 
vereinfacht  werden;  d-"  ist  der  Richtungsunterschied  der  bei- 
den Geraden,  und  der  rechte  Winkel  bleibt  die  Masseinheit, 
wie  in  Nr.  7  ausführlicher  dargethan  ist. 

Anmerkung.    Der  Uebergang  von  dieser  Dai'stellung  zu  der  ge- 
wöhnlichen (vgl.  Anm.  zu  Nr.  7)  erfolgt  durch  die  Substitutionen: 

^1  =  ^1^1  +  71^2+^1^3;  f2==ß2ei  +  y2e2+«J2^3;  ^3=  ß3^1  +  y3<^2+*3«3, 
fil  =  ^l2/l  +  ß2  2/2  +  <J3  2/3;     M2  =  yi2/l +  722/1 +  732/3!     f^S  ='^1  2/1  +  ^2  2/2 +^3  2/3- 

Dann  ist 

x  =  XiS^-\-Xzi2-\-X3^;    ?/  =  2/|f, +  2/2^2 +  2/3^3. 
Setzt  man  ferner 

|Jl'  +  71'  +  «^l'  =  «M  ßlß2  +  7l72  +  ^l<y2  =  «12  _ 

^2'  +  72^^  +  ^2-  =  «22  ßa  ß3  +  72  73'+   ^2  ^3  =  «23         (^=1  H  ^i)  =  V^, 

ßs'  +  73^  +   ^3^  =  «33  ßzßy  +  ßlß2  +  ^1^3  =  «31 

so  ist: 


—     257     — 

^•i'''  +  V  +  V  =  «■'■'■;    fti'-  ■}-  !^2'  +  ^3"  =  <^y-i 

^•i."i  +  ^■2."2  +  ^3,"3  ==  cix  .  y; 
(lifi.  —  Aau,)«  +  {loU;,  —  l^fi,,,^  +  (;.3|u,  —  ;.,U3^2  =,  (a;y)^ 
Demnach : 

sin-  {)•  =  ~V^ — 5- ;     tos«  «•  =      ,    -^  ,  . 
«a?^  .  cty-  cccc'  .  ay^ 

Sei  ferner: 

i  =  li  fi  +  ^2  f2  +  l3!f3;     *?  =  »ji'fi  +  »?2>2  + »;3  fs; 

so  ist  entsprechend: 

Sin^  ^    =    ^ — -  ; 

ccx- .  aj]^ 

a^-  .  a  Tj-  ae,^  .  ari- 

worin 

{X  n)  =  X,  r]t  (f,  ;  £i)  -\-  X.  >J,(f2    f2)  +  'i'3'y3(^3    fs)  ==  ^^(^■l'?l  +  *2»j2  +  a3  »Js». 

• 

und  o  in  dem  in  der  Anm.  in  Nr.  121  festgestellten  Sinne  gehraucht  ist. 
Hiermit  sind  in  kürzester  Bezeichnung  diejenigen  Formeln  hergestellt, 
deren  weitere  Specialisirung  die  Ausdrücke  des  Abstandes  zweier  Punkte, 
eines  Punktes  und  einer  C4eraden,  zweier  Geraden  liefert.  Diese  Spe- 
cialisirung mag  hier  übergangen  werden,  da  sie  keine,  für  die  Aus- 
dehnungslehre characteristischen  Momente  bietet,  und  nach  Analogie 
der  AnmerkunET  zu  Nr.  7  leicht  ausgeführt  werden  kann. 


Berichtigungen. 

S.  12.  Z.  20  V.  u,  sind  die  Worte  „wenn  —  setzen"  zu  streichen. 

S.  59.  Z.     8  V.  o.  lies  „e"  statt  ,,2)". 

S.  144.  Z.  10  V.  0.  lies  „dann"  statt  ,,denn". 

S.  162.  Z.     7  V.  u.  gehören  die  Punkte  vor  ^•'-  in  den  Exponenten. 


Schlcgfl,  Kiemeute.  17 


Verzeichniss  der  erklärten  Ausdrücke. 


Nr. 

Nr. 

Absolute  Invariante 

109 

Centrum  der  Involution 

37 

Adjungirtes  System 

G5 

—  harmonisches                90.  99. 

105 

Aehnlichkeit 

43 

—  1.  Ordnung  d.  Kegelschnitte 

115 

—  symmetrische 

43 

Character  der  Covariante 

78 

Aehnlichkeitsaxe 

57 

Circuläre  Multiplication 

13 

Aelinlichkeitspolare 

58 

Collinearität 

42 

Aehnlichkeitspunkt 

56 

Complexe  Multiplication 

15 

Aequianharmouische  Gebilde 

47 

Concave  Seite  der  Ellipse 

18 

Aeussere  Multiplication 

15 

—  —  der  Hyperbel 

25 

Affinität 

43 

der  Parabel 

31 

Algebraische  Multiplication 

15 

Concentrische  Kegelschnitte 

127 

Alternirende  Function 

64 

Concomitante 

80 

Apollonisches  Problem 

58 

Confocale  Kegelschnitte 

128 

Asymptoten  der  Hyperbel 

25 

Congruente  Determinante 

64 

Asyraptotenwinkel 

•26 

Cougruenz 

43 

Axen  der  Ellipse 

17 

—  symmetrische 

43 

—  der  Hyperbel                      23 

.  24 

ConjugirteDurchmesserd.  Ellipse  22 

Axe  der  Parabel 

30 

der  Hyperbel 

29 

Contravariante 

82 

Berührung  von  Kreis  u.  Ellipse 

18 

Convexe  Seite  der  Ellipse 

18 

—  von  Kreis  und  Hyperbel 

25 

der  Hyperbel 

25 

—  von  Kegelschnitten 

126 

der  Parabel 

31 

Berührungssecante 

58 

Covariante 

78 

Bezout-Cayley'sche  Methode 

71 

—  unabhängige 

87 

Brennpunkt  der  Ellipse 

17 

Curve 

113 

—  der  Hyperbel 

24 

—  der  Parabel 

30 

Determinante 

59 

—  der  Involution 

37 

—  congruente 

64 

Brianchon'sches  Sechseck 

48 

—  Hesse'sche 

74 

Brianchon'scher  Punkt 

48 

—  reciproke 

65 

—  symmetrische 

64 

Canonische  Form 

90 

Directrix  der  Ellipse 

20 

Centrale  harmonische 

114 

—  der  Hyperbel 

27 

Centralpunkt 

54 

—  der  Parabel 

32 

-     259     - 


Nr. 

Nr. 

Discriminante 

110 

Involution 

37 

Doppelpunkte  der  Involution 

37 

—  von  5  Punkten 

37 

—  homologe 

56 

Involutor.  Geradenverein 

39 

Doppelsecante ,  homologe 

56 

—  Punktreihe 

37 

Durchmesser  der  Ellipse 

17 

—  Punktverein 

39 

—  der  Hyperbel 

24 

—  Stralenbüschel 

37 

—  der  Parabel 

30 

Kegelschnitte 

IIa 

Ellipse 

17 

—  concentrische 

127 

Excentricität  der  Ellipse 

21 

—  confocale 

128 

—  der  Hyperbel 

•28 

Kegelschnittbüschel 

125 

Kegelschnittreihe 

125 

Formensystem 

87 

Functionaldeterminante 

72 

Leitcurve  der  Ellipse 

17 

Function,  alternirende 

64 

—  der  Hyperbel 

23 

Leitlinie  der  Parabel 

30 

Gerade,  Hesse'sche 

49 

Leitpunkt  der  Ellipse 

17 

—  Steiner'sche 

51 

—  der  Hyperbel 

23 

—  unendlich  Tema 

4 

—  der  Parabel 

30 

Geradenverein ,  involutorischer 

39 

Leitstralen  der  EUipse 

17 

—  projecti vi  scher 

46 

—  der  Hyperbel 

24 

Gesammt-üeberschiebung 

85 

—  der  Parabel 

30 

Grad  der  Covariante 

78 

Lineale  Multiplication 

14 

Linie,  Pascal'sche 

48 

Harmonie 

36 

Lücke 

8 

Harmonische  Centrale 

114 

—  Centrum                        90.  99. 

105 

Mittelpunkt  der  Ellipse 

17 

—  Pol  des  Kreises 

55 

—  der  Hyperbel 

24 

—  Pol  des  Kegelschnitts 

114 

—  dej:  Parabel 

30 

—  Polare  des  Kegelschnitts 

115 

Modulus  der  Transformation 

62 

—  Punktreihe 

36 

Multiplication ,  äussere 

15 

—  Stralenbüschel 

36 

—  algebraische 

15 

Hauptaxe  der  Hyperbel 

23 

—  circuläre 

13 

Hauptzahl  des  Quotienten      41 

.  42 

—  complexe 

15 

Hesse'sche  Determinante 

74 

—  innere 

15 

—  Gerade 

49 

—  lineale 

14 

—  Punkt 

51 

—  symmetrische 

12 

Homologe  Punkte 

56 

Multiplicationstheorem  d.Determ.  6 1 

—  Secanten 

56 

Hyperbel 

23 

Nebenaxe  der  Hyperbel 

24 

Normale  Substitution 

63 

Imaginäre  Schnittpunkte 

54 

Inhaltsgleichheit 

43 

Ordnung  der  Covariante 

78 

Innere  Multiplication 

15 

Originalsystem 

62 

Invariante 

79 

Orthogonale  Substitution 

63 

—  absolute 

109 

;  Orthogonalkreis 

54.  57 

—    260    — 


Parabel 

Parameter  der  Ellipse 

—  der  Hyperbel 

—  der  Parabel 
Pascal'sche  Linie 

—  Sechsseit 
Perspectivität 
Perspectivische  Punktreihen 

—  Stralenbüschel 

Pol,  harmonischer,  des  Kreises 

des  Kegelschnitts 

Polare,  harmonische,  des  Kegel- 
schnitts 
Polarenbüschel 
Polargleichung  der  Ellipse 

—  der  Hyperbel 

—  der  Parabel 
Polreihe 
Potenzliuie 
Potenzpmikt 

Potenzwerth  des  Quotienten   41 

Projectivität 

Projectivischer  Geradenverein 

—  Punktreihe 

—  Punkt  verein 

—  Stralenbüschel 
Punkt ,  Brianchon'scher 

—  Hesse'scher 

—  homologer 

—  Steiner'scher 

—  unendlich  ferner 
Punktreihe,  harmonische 

—  involutorische 

• —  perspectivische 

—  projectivische 
Punktverein,  involutorischer 

—  projectivischer 


Nr. 
30 
20 
27  ! 
32 
48 
48 
45 
45 
45 
55 
114 

115 

129 
21 
28 
33 

129 
53 
57 

,  42 
44 
46 
44 
46 
44 
48 
51 
56 
49 
2 
36 
37 
45 
44 
39 
46 


Reciprokalcurvc 
Reciprokaldeterminante 
Reciproke  Substitution 
Resultante 


Nr. 

121 

65 

80 

68.  95 


Quotient  41.  42 

Radius  Vector  der  Ellipse  17 

der  Hyperbel  24 

der  Parabel  30 

Rechtwinklige  Hyperbel  26 


Scheitel  der  Parabel  31 

Schnittpunkt,  imaginärer  54 

Secante,  homologe  56 

Sechseck,  ßrianchon'sches  48 

Sechsseit,  Pascarsches  48 

Spitzwinklige  Hyperbel  26 

Stammform  87 

Steiner'sche  Geraden  51 

—  Punkte  49 
Stralenbüschel,  harmonischer       36 

—  involutorischer  37 

—  perspectivischer  45 

—  projectivischer  44 
Stufenzahl  der  Covariante  78 
Stumpfwinklige  Hyperbel  26 
Substitution,  orthogonale  63 

—  reciproke  80 
Snbstitutionsdeterminante  62 
Sylvester's  Methode  69 
Symmetrische  Determinante  64 

—  Multiplication  12 

Tangente  der  Ellipse  18 

—  der  Hyperbel  25 

—  der  Parabel  31 

—  gemeinsame,  zweier  Kreise  56 
Tangentialgebilde  81 
Theile  der  Ueberschiebung  85 
Transformirtes  System  62 
Transposition  59 

Ueberschiebung  84 

Unendlich  ferne  Geraden  4 

—  ferne  Punkte  2 
Unterdeterminante  65 


Verwan  dtschaf t 
Zwischenform 


41.  42 

80 


st^ 


'^^. 


5002 


0006"^ 


ö7AA 


ScW«"»'* 'sei  «'""^ 


1 

QA                        ; 

205                                   : 
S52                                    ! 

^0» 

AUTHOR 

Schlegel 

28515 

1 

TITLE 

System  der 

raumlehre 

li>C 

DATE    DUE 

BORROWERS 

NAME 

QA 

205 

S52 


28515